Galiläisches Meer
Galiläisches Meer, Mt. 4,18; 15,29, oder See Genezareth, Luk. 5,1; im Alten Testament See Kinnereth (4 Mo. 34,11; 5 Mo. 3,17; Jos. 11,2), woraus Genezareth entstanden sein mag; im Johannesevang. (6,1; 21,1) Meer bei Tiberias (vgl. Tafel 24), heute Bahr Tabarijeh — ist der See, an dessen reich bevölkertem Gestade Christus wandelte und viele seiner Taten getan hat. Der See, der vom Jordan durchflossen wird, hat eine Länge von etwa 20 und eine Breite von 10 km, seine Tiefe beträgt 40-50 m. Merkwürdig ist er durch seine tiefe Lage (vgl. Salzmeer), 208 m unter dem Spiegel des Mittelländ. Meers. Er ist umgeben von zum Teil steil sich erhebenden Bergen, die im Osten bis zu 300 m hoch sind. Die tiefe Lage des Sees und der Berge verursachen die hohe Temperatur, welche hier herrscht. Wenn aber der Wind sich einmal in diesem Kessel fängt, so wird der Spiegel des Sees von plötzlichen Stürmen wild bewegt (vgl. Mt. 8,24). Am Westufer sind die Berge weniger hoch, zum Teil dehnt sich hier auch eine breitere Uferebene aus, besonders im N.-W. Da liegt das „Land Genezareth“ (Mt. 14,34; Mk. 6,53), heutzutage El Ghuwer, etwa 5 km lang, 1½ km breit. Diese Ebene muß früher ganz außerordentlich fruchtbar u. herrlich gewesen sein. Jetzt ist es freilich anders. Von den Städten zeugen nur noch Ruinenreste, die sogar z. T. zweifelhaft lassen, an welche der einst viel genannten Namen sie erinnern (s. Artt. Bethsaida, Kapernaum usw.). Nur das alte Tiberias ist heute noch von einiger Bedeutung, jetzt Tabarijeh; in seiner Nähe, etwas südlich, befinden sich mehrere heiße Quellen, nach Schwefel riechend und salzig schmeckend. Das einst so fruchtbare Land ist jetzt meist eine mit Gras, Dornen und Disteln überwachsene Wildnis; nur an verhältnismäßig wenig Orten wird der immer noch ergiebige Boden bebaut und verwertet. Dagegen ist der Fischreichtum des Sees (Luk. 5,6 ff.) auch jetzt noch vorhanden (vgl. ). Freilich fehlen nun die Fischer in der öde und leer gewordenen Gegend; kaum dann und wann kreuzt ein Fischerboot den See. Die ganze Gegend hat eben jetzt einen düsteren, grauen Charakter gegenüber von dem reichen Leben einst. Über die Schönheit der Landschaft urteilen die Reisenden verschieden. Einige rühmen sie sehr, andere fanden ihre Erwartungen enttäuscht; jedenfalls muß das Andenken an Christi einstige Tätigkeit an und auf diesem See diese Stätten uns lieb und wert machen.