Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 687: Keine Frucht, Teil 5
Die Reinigung des Tempels als Zeichen der Fruchtlosigkeit
Der Herr Jesus reinigt den Tempel. Warum? Weil das, was er dort vorfindet, fruchtlose Religiosität ist. Aus dem Tempel ist eine Räuberhöhle geworden – ein Ort, an den sich Gottlose zurückziehen und wo sie sich sicher fühlen.
Allerdings sind in diesem Fall die Gottlosen die hohen Priester und Schriftgelehrten. Sie stehen unwillig daneben, als die Kinder Jesus als Sohn Davids feiern (Matthäus 21,17).
Jesus verlässt sie daraufhin und geht hinaus zur Stadt, nach Betanien, wo er übernachtet. Es scheint, als verbringe Jesus die Nächte meist in Betanien, außerhalb der Stadt. Dort ist er vor Mordanschlägen einigermaßen sicher.
Die Verfluchung des Feigenbaums und ihre Bedeutung
Matthäus 21,18-19: Des Morgens früh, als er in die Stadt zurückkehrte, hungerte ihn. Als er einen Feigenbaum am Weg sah, ging er auf ihn zu und fand nichts an ihm außer Blättern. Er sprach zu ihm: „Nie mehr komme Frucht von dir in Ewigkeit!“ Und sogleich verdorrte der Feigenbaum.
Bitte nicht wundern – das hier ist redaktionelle Freiheit. Während Markus den Ablauf der Verfluchung in chronologischer Reihenfolge erzählt, verdichtet Matthäus das Geschehen. Dass man so mit dem Ablauf der Ereignisse umgeht, mag aus moderner Perspektive ungewohnt erscheinen. In der Antike war das jedoch durchaus üblich.
Der antike Autor konnte in seiner Berichterstattung entweder der Chronologie oder dem Thema den Vorrang geben. Für Matthäus ist das Thema, also die Verfluchung, so wichtig, dass er das Ereignis zusammenhängend erzählt.
Bei Markus hört sich das in chronologischer Reihenfolge so an:
Markus 11,20: „Und als sie früh morgens vorbeigingen, sahen sie den Feigenbaum verdorrt von den Wurzeln an.“
In beiden Fällen ist der Feigenbaum verdorrt, und in beiden Fällen fällt es den Jüngern auf.
Markus 11,21: „Und Petrus erinnerte sich und spricht zu ihm: Rabbi, siehe, der Feigenbaum, den du verflucht hast, ist verdorrt.“
Matthäus 21,20: „Und als die Jünger es sahen, verwunderten sie sich und sprachen: Wie ist der Feigenbaum so gleich verdorrt?“
Tja, eine interessante Frage, aber Jesus beantwortet sie nicht. Er tut etwas ganz anderes. Er schneidet ein Thema an, das vordergründig wenig mit dem Feigenbaum zu tun zu haben scheint.
Die Verbindung von Glauben und Gebet als Schlüssel
Markus 11,22: Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Habt Glauben an Gott!
Warum gerade dieses Thema? Warum jetzt eine Ermahnung zum Glauben? Wie gelangt man von der Fruchtlosigkeit des Feigenbaums zum Thema Vertrauen in Gott?
Es hat mit dem zu tun, was danach folgt. Jesus wird über die Verbindung von Glauben und Gebet sprechen. Dabei betont er die Notwendigkeit, im Glauben zu beten, das heißt ohne Zweifel.
Warum gerade dieses Thema? Meine Antwort darauf ist folgende: Durch die Verfluchung des Feigenbaums hat Jesus mehr als deutlich gemacht, dass eine Ära zu Ende geht. Es ist die Ära des alten Bundes.
Dies wird er im Folgenden noch vertiefen, unter anderem durch das Gleichnis von den Weingärtnern, das Hochzeitsmahl und die Reden über die Endzeit. All dies wird eines ganz klar machen: Gott wird kommen und das Reich Gottes von Israel wegnehmen.
Er wird die Stadt in Brand stecken, und nicht ein Stein des Tempels wird auf dem anderen gelassen werden. Gott wird die Fruchtlosigkeit seines Volkes bestrafen, das alte System vernichten und etwas ganz Neues schaffen.
Dieser neue Bund wird mit dem gläubigen Überrest Israels geschlossen werden. Diese Gläubigen bilden die Grundlage eines neuen Israel. Es ist das Israel, dem von Anfang an die Verheißungen galten, von denen im Alten Testament die Rede ist.
Der gläubige Überrest als Grundlage des neuen Bundes
Deshalb kann Paulus die Idee ablehnen, dass Gott sein Volk als Ganzes verworfen hat oder dass seine Verheißungen hinfällig geworden sind.
In Römer 9,6 heißt es: "Nicht aber, als ob das Wort Gottes hinfällig geworden wäre, denn nicht alle, die aus Israel sind, sind Israeliten." Das bedeutet, dass es ein Israel im Israel gibt – einen gläubigen Überrest, mit dem Gott weitermacht.
Gott hat sein Volk nicht verworfen, sondern setzt sein Wirken mit Israel fort. Allerdings gilt das nicht für alle Israeliten, denn nicht alle, die aus Israel stammen, werden von Gott als Israeliten angesehen. Es gibt Israeliten, die Gott aufgrund ihres Unglaubens nicht mehr als sein Volk betrachtet.
Dennoch macht Gott weiter. Der neue Bund, den die Propheten angekündigt haben, wird kommen. Die Jünger sind Teil dieser Entwicklung. Sie bilden den Kristallisationskeim des Neuen Bundes. Um sie herum wird das Neue entstehen.
An Pfingsten werden sie den Heiligen Geist empfangen. Durch ihre Predigt wird der Neue Bund in der Gestalt von Juden, die an Jesus glauben, sichtbar werden.
Der Anspruch an den neuen Bund: Frucht bringen
Aber nun zum, wenn man so will, Problem. Gott hat an das Neue dieselbe Erwartung wie an das Alte. Er will Frucht sehen. Er will, dass die Fruchtlosigkeit ein Ende hat. Der Anspruch an die Gläubigen des neuen Bundes wird nicht abgesenkt.
Das ethnische Israel hat versagt. Gott wird das bestehende System wegen seiner Fruchtlosigkeit vernichten. Doch der Anspruch bleibt bestehen.
Für mich steht damit eine Frage im Raum: Wie können die Jünger hoffen, es besser zu machen? Wie sollen sie das anstellen, damit sie nicht versagen? Wenn ein ausgeklügeltes religiöses System mit Tempel, Opfern und Priestern, mit Tradition heiliger Schrift und Schriftgelehrten gescheitert ist, wie können sie hoffen, Gottes Anspruch zu erfüllen?
Was kann einfache Handwerker und Hausfrauen befähigen, Frucht zu bringen, wo eine religiöse Elite völlig versagt hat?
Die Kraft des Glaubens als Grundlage geistlichen Erfolgs
Und die Antwort lautet so, Matthäus 21,21-22: Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt, so werdet ihr nicht nur das mit dem Feigenbaum Geschehene tun, sondern wenn ihr auch zu diesem Berg sagt: Hebe dich empor und wirf dich ins Meer, so wird es geschehen.
Und alles, was immer ihr im Gebet glaubend begehrt, werdet ihr empfangen.
Ich hoffe, wir verstehen gut, worauf Jesus hinauswill. Im Angesicht eines verdorrten Feigenbaums wird die Gefährlichkeit der vor den Jüngern liegenden Aufgabe deutlich. Gott will bis heute Frucht sehen, aber er macht von Anfang an klar, worin das Geheimnis allen geistlichen Erfolges liegt: im Glauben.
Das ist es, was die Jünger brauchen werden – Glauben. Denn alles, was immer ihr im Gebet glaubend begehrt, werdet ihr empfangen. Die Jünger müssen sich keine Sorgen machen, denn Gott ist da und auf ihrer Seite. Wenn sie im Glauben beten, dann ist alles möglich.
Warum? Weil Gott kein Interesse an einer frommen Show hat, sondern die beschenken will, die an ihn glauben.
Was könntest du jetzt tun? Versuche eine erste Definition für den Begriff Glaube zu finden. Was bedeutet dieser Begriff für dich?
Das war’s für heute. Erstelle dir heute eine Gebetsliste für den Nahen Osten, werde konkret und fang an, für die Region zu beten.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
