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Jesus und die Bibel

11.03.2018
Serie•Teil 11 / 21Jesus
Jesus zeigt: Die Bibel ist keine Deko, sondern Orientierung und Schutz. Wer sie liest, darüber nachdenkt und sie im Herzen trägt, ist Versuchung und Chaos nicht hilflos ausgeliefert.

Ein unerwarteter Anlass und die Grundfrage nach dem Umgang mit der Bibel

Wie kommt man zu Predigtthemen? Manchmal ist das weniger mystisch, als man denkt. Ich war letzten Sonntag in Neubrandenburg zu einem Tagesseminar über die Güte Gottes eingeladen. Dann sollte ich am Sonntag bleiben und dort auch predigen. Ich habe einfach die Vorgabe bekommen: Mach was zum Thema Bibel, praktischer Umgang mit der Bibel.
Okay, dachte ich mir, dann kann ich das auch in Form von Jesus und die Bibel machen. Dann habe ich nämlich das, was ich letzten Sonntag gepredigt habe, für diese Woche gleich für unsere Jesus-Reihe.
Also, wenn ihr euch fragt: Warum gibt es heute die Predigt Jesus und die Bibel? Na ja, ganz einfach, weil die Neubrandenburger letzte Woche etwas über die Bibel wollten. Und ich dachte mir: Wenn man sich das Thema schon anschaut, praktischer Umgang mit der Bibel, dann lohnt es sich tatsächlich hinzuschauen, wie Jesus damit umgegangen ist.
Und wie immer bei diesem Thema, das so harmlos daherkommt, ging es mir in der Vorbereitung wieder so, dass ich mindestens einen Punkt hatte, wo ich dachte: Das habe ich vorher noch gar nicht so klar gesehen. Das ist total interessant.
Ich weiß nicht, ob es euch am Ende auch so geht oder ob ihr sagt: Nein, war mir alles klar. Ich habe da mindestens einen Punkt, wo ich dachte: Nein, in der Klarheit war mir das vorher, bevor ich mir das mal explizit angeschaut habe, eigentlich nicht so klar.
Und ihr wisst schon: Grundlage dieser Predigt ist immer das Gleiche. Wir schauen uns an, was Jesus macht, um es dann genauso zu machen. Relativ simpel.
So, Jesus und die Bibel. Wenn ich sage Bibel, meine ich natürlich das Alte Testament. Das Neue Testament ist ja zur Zeit von Jesus noch gar nicht geschrieben. Es geht ja über Jesus, also danach geschrieben. Aber ich glaube, dass wir, wenn wir uns anschauen, wie Jesus mit dem Alten Testament umgegangen ist, eine ganze Menge darüber lernen können, wie wir mit unserer Bibel umgehen sollten.

Der Anfang liegt im Elternhaus

Jetzt schaue ich bei dem Thema Bibel einmal darauf, wo das Thema eigentlich anfängt: Jesus und die Bibel. Da dachte ich mir, eigentlich müsste ich quasi ein Stück früher beginnen. Ich müsste dort anfangen, wo Joseph und Maria ins Spiel kommen. Denn der Umgang mit der Bibel, also dort, wo ein einzelner Mensch lernt, sich mit der Bibel zu beschäftigen, beginnt im Elternhaus. Und das habe ich einfach einmal gemacht.
Es gibt im Alten Testament einen Vers, der etwas martialischer klingt, als er dann wirklich gemeint ist. Da geht es darum, dass Eltern ihren Kindern das Wort Gottes einschärfen sollen. Eigentlich ist das ein Prozess, das werdet ihr gleich sehen. Ich lese erst einmal den Vers vor: 5. Mose 6,6-7.
Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollen in deinem Herzen sein.
Und dann geht es in Vers sieben weiter:
Und du sollst sie deinen Kindern einschärfen.
Wie das geht, kommt gleich. Ich will erst noch einmal den Punkt aus Vers sechs hervorheben: Diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollen in deinem Herzen sein.
Geistliche Erziehung beginnt immer damit, dass ich Gottes Wort in meinem Herzen habe. Also sind nur Eltern, die selbst über die Bibel nachgedacht haben, sie verstanden haben und sie auch in ihrem Leben umgesetzt haben, eigentlich in der Lage, den Kindern etwas mitzugeben. Biblisch gesehen bringe ich meinen Kindern also eigentlich nicht Theorie bei, sondern ich präge sie mit dem, was mich prägt. Ich lebe ihnen vor, was mich begeistert, und wünsche mir dann, dass das, was mein Leben ausmacht, sich auch in ihrem Leben entfaltet.
Deswegen heißt es dann eben in Vers sieben: Und du sollst sie deinen Kindern einschärfen. Und dann geht es ein bisschen darum, wie mache ich das denn? Da geht es jetzt nicht darum, dass einer mit der Knute dasteht und sagt: Wir lernen jetzt jeden Tag drei Bibelverse, und wehe, du machst nicht mit. Sondern du sollst davon reden, wenn du in deinem Haus sitzt und wenn du auf dem Weg gehst, wenn du dich hinlegst und wenn du aufstehst.
Ich fand das ganz toll, wie der Schwerpunkt da gelegt wird auf eine Kultur. Man schafft zu Hause eine Kultur, in der es normal ist, dass man über Gottes Wort redet.

Ein Vorbild für eine lebendige Glaubenskultur

Ich habe mir überlegt, wie ich euch ein Beispiel dafür geben kann. Dann dachte ich sofort an ein Buch, das eigentlich gar nichts mit uns zu tun hat.
Wenn ihr das mal lesen wollt, wie man das auf eine tolle Weise macht, dann ist es vielleicht komisch, dass ich das jetzt so vorschlage. Aber es gibt von Nabeel Qureshi ein Buch, das heißt „Allah gesucht, Jesus gefunden“. Es ist ein tolles Buch, wenn man sich damit beschäftigt, wie man mit Moslems über das Evangelium reden kann. Also: Wenn du Moslems in deiner Umgebung hast, Arbeitskollegen, Schulfreunde oder so, lies dieses Buch „Allah gesucht, Jesus gefunden“.
Spannend ist, wie er am Anfang beschreibt, wie seine Eltern ihm den Koran und den Islam nahegebracht haben. Genau auf diese Weise. Da wurde einfach ganz viel geredet, und das wurde in Spiele verpackt. Es war völlig klar, dass die kleinen Kinder schon auf all die Standardargumente der Christen ihre Antwort hatten und von klein auf fit waren, ihren Glauben zu verteidigen.
Erschreckend, wie normal es in dieser Familie war. Ich dachte mir: Boah, wahnsinnig. Ich würde mir so sehr wünschen, dass es auch unter uns normal wird. Dass wir eine Kultur schaffen, in der man sich weniger über Bundesliga und über die neuen Filme unterhält und mehr ganz normal, also nicht so aufgesetzt und gezwungen, sondern weil es mich begeistert, über Gottes Wort spricht.
Gottes Wort ist ein prägender Bestandteil der Familienkultur. Kinder checken nämlich ganz schnell, wo der Hase langläuft. Und die Eltern von Jesus scheinen an der Stelle einen total guten Job gemacht zu haben.

Der Zwölfjährige im Tempel als Schlüsselbild

Erinnert euch an Jesus als Zwölfjährigen. Theo war heute 13, oder? Also ein Jahr vor Theo. Der Zwölfjährige in Jerusalem.
Die Geschichte ist schnell erzählt: großes Fest, Passa, die ganze Familie. Familie ist hier ein bisschen größer. Das ist so wie bei türkischen Familien. Kennt ihr türkische Hochzeiten? Das ist immer ein bisschen größer. Da gibt es dann irgendwie Cousins und Cousinen und so, also riesig. Aber die ganze Familie zieht nach Jerusalem und feiert Passa.
Auf dem Rückweg ist nicht so ganz klar, wo die Kinder stecken. Das ist auch nicht so schlimm, bei der großen Verwandtschaft. Aber irgendwann merken die Eltern: Jesus ist weg. Sie suchen ihn, wirklich weg. Dann drehen sie um, gehen zurück nach Jerusalem und finden ihn im Tempel.
Und dann heißt es in Lukas 2,46-47: Und es geschah, dass sie ihn nach drei Tagen im Tempel fanden, wie er inmitten der Lehrer saß und ihnen zuhörte und sie befragte. Alle aber, die ihn hörten, gerieten außer sich über sein Verständnis und seine Antworten.
Versteht ihr jetzt, warum ich mit den Eltern angefangen habe? An der Stelle müssen wir uns vor einem ganz falschen Gedanken hüten. Es wäre falsch zu denken, dass Jesus etwas ganz Besonderes war, im Sinn von: Man sieht in Jesus nicht den Menschen, Gott wird Mensch, sondern man denkt irgendwie: Gott wird Halbgott.
Und Jesus hat so mit zwölf Jahren ein eingebautes Bibellexikon. Da muss er sich gar nicht anstrengen. Wann immer du ihm eine Frage stellst, fällt ihm die richtige Antwort sofort ein. So der geistliche Überflieger, wie Leute, die ein fotografisches Gedächtnis haben. Wenn du mal so jemandem begegnest, die sind einfach widerlich. Das ist wirklich schlimm, weil du dich mit denen gar nicht anlegen kannst. Die lesen sich eine Seite durch und erinnern sich zwanzig Jahre später noch daran und sagen dir: Da stand das und das. Und du denkst: Hey, super, ganz toll.
Und wir kommen dahin, in Jesus genau so etwas zu sehen: so jemanden, der ohne nachzudenken immer gleich die richtigen Bibelstellen mit einer unfehlbaren Auslegung intuitiv zur Hand hat. Ich glaube, dass das falsch ist. Jesus war Mensch. Er war ganz Mensch. Er war nicht allwissend, und er musste lernen wie jeder andere Mensch auch.
Was ich denke, ist Folgendes, und ich will das noch ergänzen: Ich glaube, dass Jesus schlau war. Schlau, interessiert. Er hatte den Heiligen Geist, und er hat dem Heiligen Geist viel Raum gegeben, ihn zu belehren. Du hast übrigens auch den Heiligen Geist. Und ich denke, mein erster Punkt ist: Die Eltern von Jesus haben einen guten Job gemacht. Sie haben ihn da auch herangeführt und standen ihm nicht im Weg, sodass wir jetzt von diesem zwölfjährigen Jesus etwas ganz Grundsätzliches lernen können.
Und dieses ganz Grundsätzliche heißt: Es ist möglich, die Bibel zu verstehen. Ist doch schön, oder? Es ist möglich, die Bibel zu verstehen, vor allem für Leute, die den Heiligen Geist haben. Dieses, ich nenne es mal, überdurchschnittliche Bibelwissen ist nicht das Vorrecht für ein paar Freaks, sondern grundsätzlich möglich.
Und deswegen finde ich, dass wir uns tatsächlich Gedanken darüber machen müssen, wenn wir über Familie nachdenken, aber auch wenn wir über Gemeinde nachdenken: Wie fördern wir, dass die jungen Leute auf Menschen treffen, bei denen ihnen so etwas wie hier möglich ist?

Fragen stellen, zuhören und gemeinsam lernen

Jesus sitzt da mitten in der Lehre, und dann heißt es, er hörte ihnen zu und befragte sie. Ich finde, dass das hier in der Gemeinde auch möglich sein muss.
Ich möchte mich da auch explizit noch einmal anbieten: Wenn ihr Fragen habt, kommt zu mir. Aber es gibt noch mehr. Wir haben eine ganze Reihe Leute, zu denen man einfach hingehen kann und sagen kann: Hey, ich habe da so eine Idee, kann ich dir die mal präsentieren? Ich habe da eine Frage.
Und dass man auch Angebote schafft, wie zum Beispiel das, was ich vorhin vorgestellt habe: Dieser Montag-Sky-State startet, das ist der rote Faden durch die Bibel innerhalb von 14, 15 Wochen. Das ist nicht kompliziert. Oder man besorgt sich so ein Buch mal. Das lohnt sich.
Und Jesus zeigt, dass es sich lohnt. Also, was wir in dem kleinen Jesus lernen können: Jesus hatte Hunger nach geistlichem Austausch, und er hat ihn gestillt. Das war übrigens der Grund, warum er länger geblieben ist. Also, er ist ja nicht länger geblieben, um zu sagen: Ich schaue mir noch einmal die Stadt an, wenn alle weg sind. Ja, oder ich schaue noch einmal, ob ich dann vielleicht beim McDonald Burger ein bisschen billiger kriege oder so. Sondern er ist da geblieben, um im Tempel mit diesen Honoratioren, die natürlich vorher wahrscheinlich nicht so die Zeit hatten, weiter zu diskutieren.
Jesus ist einer, der verstehen wollte. Und ich bin mir sicher, er wollte so seine Fragen loswerden. Wahrscheinlich hat er auch so seine Antworten getestet. Ja, wie komme ich bei der einen Frage? Ich habe so diese Antwort, ja, was machen die, was geht da so hin und her?
Und das ist das, wo ich mir sage: Das wünsche ich mir für Gemeinde, eine Kultur des sich gegenseitig warm Rubbelns über die Bibel. Du hast deine Fragen, ich habe meine Antworten, du gibst mir deine Antworten, ich frage wieder zurück, so dass man sich gemeinsam anstachelt, wie Jesus hier Bibel kennenzulernen.
Also, Lektion Nummer eins: Wir können von Jesus lernen, wie gut es ist, eine Sehnsucht nach Bibelwissen zu kultivieren. Eine Sehnsucht, die sich im eigenen Nachdenken und dann ganz besonders auch im Austausch mit anderen zeigt.
Und wir brauchen diese Kultur des gemeinsamen Nachdenkens über die Bibel. Die beginnt idealerweise in einer Familie. Aber nicht jeder, ich hatte das auch nicht, hat das Vorrecht dazu. Aber irgendwann kommt dann vielleicht so die Phase, wo die eigenen Eltern einem nicht mehr jede Frage beantworten können. Und dann traut euch, euch auf die Suche zu machen nach geeigneten Gesprächspartnern.
Ich, Jürgen, brauche immer noch Input und Korrektur. Und da merkt ihr: Es braucht vielleicht nicht immer ein Gegenüber, das reden kann. Vielleicht ist es manchmal auch ein gutes Buch. Ich weiß noch, wo ich das erste Mal so einen richtig technischen Kommentar zum Philipperbrief gelesen habe: 400 Seiten technische Auslegung zu einem Brief mit vier Kapiteln. Oh, ich habe ein Jahr gebraucht, es war so gut.
Das mag jetzt nicht jeder verstehen und auch nicht jeder nachvollziehen können, aber manchmal ist ein gutes Buch zur rechten Zeit genau das, wo ich sage: Danke. Oder manchmal holt man sich, was weiß ich, einen inspirierenden Prediger, der das eigene Denken mal querkämmt. Ich glaube, ich habe dem einen oder anderen davon erzählt, dass ich gerade Predigten höre von jemandem, der ist Pfingstler und Amillennialist, also hat ein paar schräge Ansichten. Aber ich dachte mir, ich gebe mir mal seine besten Argumente. Let’s see, was er so sagt, wie er die Dinge begründet, um selber, der ich weder Pfingstler noch Amillennialist bin, also ich glaube ans tausendjährige Reich, und bin nicht so wild, einfach zu sagen: Hey, was sind seine Argumente? Wenn er recht hat an der einen oder anderen Stelle, dann muss ich umdenken.
Ich bin doch nicht mit allem richtig geboren. Aber dazu brauchen wir in uns einen Hunger, einen Hunger nach mehr. Und der darf nicht aufhören, wenn du deine Bibel dreimal durchgelesen hast oder wenn du deine ersten hundert Predigten gehört hast. Der muss gefüttert werden, so wie Jesus da sagt: Wer hat, dem wird gegeben.
Und ich kann euch das wirklich ermutigend sagen: Es geht immer weiter, und es macht tatsächlich noch einmal richtig viel mehr Spaß, wenn man so ein gewisses Fundament hat und darauf aufbauen kann.

Die Bibel als Gottes Wort und nicht als menschliche Meinung

Okay, Lektion Nummer eins.
Ein zweiter Punkt, der auch relativ leicht zu verstehen ist: Für Jesus ist die Bibel Gottes Wort. Wenn ich das so sage, dann klingt das wahrscheinlich nicht sehr beeindruckend. Aber ihr müsst Folgendes verstehen.
Damals wie heute gab es, ich nenne sie mal liberale Theologen. Das waren damals die Sadduzäer. Es war eine Gruppe von Juden, von gläubigen Juden, die erheblichen politischen Einfluss hatten. Sie haben sogar den Hohen Priester gestellt, was ich total witzig finde. Sie waren aber vom Zeitgeist so infiziert, dass sie diesem Zeitgeist alles geopfert haben, so an Ideen, die uncool waren.
Und in der damaligen Zeit war zum Beispiel das Thema Auferstehung, aber auch das Thema Engel. Das war uncool. Und dann haben die Sadduzäer gesagt: Das schmeißen wir einfach raus.
 Lukas 20,27: Es kamen aber einige der Sadduzäer herbei, die einwenden, es gebe keine Auferstehung.
Die sind Theologen, ja. Wenn du die gefragt hättest: Bist du gläubig?, hätten sie gesagt: Klar. Glaubst du an die Auferstehung? Nö. Ey, aber steht doch in der Bibel, Daniel 12 zum Beispiel. Steht halt in der Bibel. Es hat ihnen nicht gepasst, und sie haben es einfach weggestrichen. Die gab es damals, die gibt es heute. Auferstehung? Einfach uncool.
Und Jesus macht ihnen einen Vorwurf. Wenn ihr jemals auf liberale Theologen stoßt, merkt euch Matthäus 22,29. Es ist einfach der coole Vers schlechthin zu dem Thema liberale Theologie. Jesus wirft diesen Leuten vor: Ihr irrt. Warum? Weil ihr die Schriften nicht kennt, noch die Kraft Gottes. Also: Ihr habt keine Ahnung von dem, was in der Bibel steht, und ihr habt keine Ahnung von Gott.
Aber liberale Theologen ... Was will ich sagen? Ich will sagen: Für Jesus kommt es nicht in Frage, dass man von der Bibel einfach das wegstreicht, was einem nicht passt. Und mir ist schon klar, dass es manche Wunder in der Bibel gibt, die sind echt kurios. Die kann ich euch auch nicht erklären. Und das ist nicht nur die Auferstehung, wo ich auch sage: Na, ich bin mal gespannt. Stellt euch vor, ich sterbe, was weiß ich, in dreißig Jahren, und in hundert Jahren ist Auferstehung. Und dann? Ja, wie geht denn das? Ich meine, bis dahin bin ich von den Würmern zerfressen, CO2 und Wasser und irgendwo auf dieser Welt irgendwohin diffundiert. Und dann? Versteht ihr? Also ich habe auch keine Ahnung, wie das geht.
Aber eines weiß ich, und das ist halt schön: Der Gott, der die Erde erschaffen hat, der schafft das mit der Auferstehung auch. Wenn jemand sich eine ganze Welt und ein ganzes Universum ausdenken kann, was so gigantisch groß ist, dass es uns hoffnungslos überfordert, der kriegt das mit der Auferstehung von einem Jürgen schon hin. Das kann es einfach dann nicht mehr sein. Ihr kennt die Schriften nicht.
Jesus geht irgendwie selbstverständlich davon aus, dass die Bibel wahr ist und wir sie tatsächlich einfach nur kennenlernen müssen. An anderer Stelle fragt Jesus, da sind es dann die Hohenpriester und die Pharisäer. Also: Er hat die Sadduzäer, das sind die liberalen Theologen. Es gibt auch die Pharisäer, das ist so das Gegenstück, ich nenne sie mal die Ultrakonservativen. Er fragt, und diese Frage ist so frech: Habt ihr nie in den Schriften gelesen?
Das sind Leute, die ständig in der Bibel lesen, also wir lesen viel mehr als wir alle zusammen. Das sind Leute, die wahrscheinlich große Teile der Bibel auswendig kannten. Aber während die Sadduzäer fröhlich das wegstreichen, was ihnen nicht passt, hatten die Pharisäer eine andere Tendenz. Sie haben nämlich angefangen, die Gebote Gottes zu verändern. Also statt zu lesen, was da stand, haben sie in die Bibel ihre eigene theologische Sicht, das, was sie gerne hätten, hineingelesen.
Das nannte sich dann die Überlieferung der Älteren oder der Ältesten. Sie haben quasi eine Tradition aufgebaut, und diese Tradition, dieser riesige Überbau an selbstgemachten Überlieferungen, der war plötzlich genau so verbindlich wie die Bibel. Also erfinde ich etwas und sage: Das ist Gottes Wort. Und für das, was eigentlich Gottes Wort war, blieb dann überhaupt kein Platz mehr.
Ich kann nämlich auf zwei Seiten vom Pferd herunterfallen im Umgang mit der Bibel. Ich kann das, was mir nicht passt, wegstreichen oder ich kann fröhlich dazu erfinden. Es gibt auch diese Strömung. So wie es liberale Theologen damals und heute gab, gibt es auch heute Christen, die vielleicht aus einer Motivation heraus, besonders heilig sein zu wollen, eigene Gebote aufstellen und dann in den Vorwurf hineinlaufen, den Jesus den Pharisäern macht.
Und zu den Pharisäern sagt Jesus in Matthäus 15,6: Ihr habt so das Wort Gottes ungültig gemacht um eurer Überlieferung willen.
Also wenn ich zur Bibel hinzufüge, klingt das am Anfang vielleicht total richtig, so nach dem Motto: Gott hätte da ein bisschen genauer sein können in der Bibel, war er nicht, aber das hole ich jetzt nach. Das ist gut, man kann nie gerecht genug sein, und noch ein Gebot, und noch eine ...
Das Verrückte ist: Ob ich wegstreiche oder hinzufüge, am Ende geht das eigentliche Zentrum, das Wort Gottes, verloren. Und darum geht es mir, dass wir das verstehen. Jesus nimmt das Alte Testament, und er stellt sich nicht auf die Seite der Sadduzäer: Streicht weg, was euch nicht passt. Er stellt sich aber auch nicht auf die Seite der Pharisäer: Ja, macht einfach, werdet immer enger und geht noch über das hinaus.
Er bleibt genau in der Mitte und sagt: Das, was ich da habe, das ist Wort Gottes. Matthäus 15,6: Ihr habt so das Wort Gottes ungültig gemacht.
Und weil es das Wort Gottes ist, deshalb darf man nicht einfach wegstreichen, und deshalb darf man auch nicht einfach hinzufügen.
Der nächste Satz in der Predigt ist mir ... Das ist so der zentrale Satz für den zweiten Punkt: Für Jesus ist die Bibel keine Sammlung von menschlichen Gedanken über Gott, sondern die Offenbarung Gottes an die Menschen. Für Jesus ist die Bibel tatsächlich Offenbarung Gottes an die Menschen, und deswegen nimmt er sie wörtlich.
Für Jesus gibt es Adam und Eva, zwei Menschen, mit denen die Menschheitsgeschichte anfängt. Für Jesus gibt es die Sintflut. Für ihn gibt es Jona im Bauch eines großen Fisches. Und für Jesus gibt es echte Prophetie.
Ich hatte euch vorhin das Buch hochgehalten, ja, es heißt so sinngemäß „Der Fremde auf dem Weg nach Emmaus“. Als Jesus nach der Auferstehung den Jüngern begegnet, die völlig frustriert Jerusalem verlassen, um nach Emmaus zu laufen, dann nimmt er sich abends Zeit und zeigt ihnen aus der Bibel heraus all das, was ihn betrifft. Er zeigt ihnen all die vielen Prophezeiungen im Alten Testament, die sich alle auf ihn beziehen und in ihm erfüllen.
Warum tut er das? Weil er glaubt, dass diese Prophezeiungen echt sind. Jesus glaubt an echte Prophetie. Und alle Vorwürfe, die Leute damals fanden ihn ja auch nicht so toll, also hat man auch Jesus Vorwürfe gemacht, kontert Jesus, indem er sagt: Matthäus 5,17: Meint nicht, dass ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten, das ist das Alte Testament, meint nicht, dass ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen.
Für Jesus ist die Bibel Gottes Wort, und Gottes Wort darf zu uns sprechen. Und es ist unsere Aufgabe, genau zu lesen, nichts wegzustreichen, nichts in Frage zu stellen, aber auch nichts hinzuzufügen, keine eigenen Gesetze zu erfinden, sondern genauso wie Jesus das hier sagt, das Wort Gottes zu erfüllen.
Und erfüllen bedeutet tatsächlich erst mal, dass ich das tue, was die Bibel von mir verlangt, und zwar genauso, wie sie es verlangt. Warum? Weil sie Gottes Wort ist.
Das war die zweite Lektion, relativ simpel.

Die Bibel als Waffe im geistlichen Kampf

Eine dritte Lektion reiße ich heute an. Ich vermute, dass ich sie beim nächsten Mal, wenn ich wieder dran bin, noch einmal vertiefen werde. Wir haben nächste Woche einen Gastprediger, also nicht nächste Woche, aber beim nächsten Mal, wenn ich dran bin. Ich reiße sie heute schon einmal an.
Die dritte Lektion, kleine Vorbemerkung: Der Apostel Paulus sagt im Epheserbrief, dass Christen in einem permanenten Kampf mit bösen geistlichen Mächten stehen. Das mag uns nicht passen, aber wir stecken mittendrin. Wir haben es gar nicht so sehr mit Menschen zu tun. Eigentlich haben wir es auch gar nicht so sehr mit uns zu tun. Es gibt da geistliche Mächte.
Ich stelle mir das immer vor wie in so einem Sniper-Film. Das ist so ein Männerbild, Frauen, tut mir wieder leid. Ein Sniper ist ein Scharfschütze, und irgendwo in einem Sniper-Film, öfter als einem lieb ist, weil es immer das gleiche Bild ist, schaut man durch so ein Zielfernrohr. Man sieht dann einfach dieses, wie heißt das Ding innen, das Fadenkreuz. Und man sieht, wie das Fadenkreuz sich dann meistens über einen Kopf bewegt. Dann macht es plopp, und dann macht es weiterhin buff.
Das ist das Bild, das ich vor Augen habe, wenn ich den Epheserbrief lese. Da gibt es einen, der kann warten. Der hat das Know-how. Der hat schon so viele meiner Freunde geistlich erledigt. Ich weiß einfach: Es ist eine Realität. Ich stehe in einem geistlichen Kampf.
Und dann beschreibt Paulus eine Waffenrüstung, die wir haben. Er benutzt das Bild eines römischen Soldaten. Ohne jetzt tiefer darauf einzugehen: Das ist ein Teil der Verteidigung, die wir haben, um, wissend, dass der Teufel es auf uns abgesehen hat, nicht unterzugehen.
Ein Teil davon steht in Epheser 6,17: Nehmt auch das Schwert des Geistes, das ist Gottes Wort.
Und mein dritter Punkt, meine dritte Lektion in dieser Predigt, lautet: Für Jesus ist das Wort Gottes eine Waffe. Eigentlich in verschiedener Hinsicht. Ich werde nur einen Punkt beleuchten, aber es sind eigentlich drei Punkte, gegen die Jesus das Wort Gottes einsetzt. Einmal als Waffe gegen Unwissen, als Waffe gegen Anfeindung und als Waffe gegen Versuchung.
Wann immer er in Situationen kommt, in denen er auf Dummheit, auf Feindschaft oder auf Versuchung trifft, werdet ihr feststellen: Jesus holt die Bibel raus. Er hat immer irgendwo Bibel.

Wie man klug mit der Bibel umgeht

So, jetzt gehen wir auf diesen Punkt ein. Und bevor ich den Punkt beleuchten kann, dass das Wort Gottes für Jesus eine Waffe darstellt, muss ich eine Vorbemerkung machen.
Was sagt die Bibel über den intelligenten Umgang mit der Bibel? Drei Dinge sagt die Bibel über die Bibel. Wir stehen in der Bibel drin, wenn es darum geht, wie ich mit der Bibel umgehen soll. Also sagt die Bibel über die Bibel: Es gibt drei Dinge, die du tun solltest, wenn du klug bist: lesen, nachsinnen, im Herzen haben.
Ich gebe euch einfach mal drei Bibelstellen. In 5. Mose 17,19, und ich kann euch leider nicht zu viel zu der Stelle sagen, sie ist so herrlich, sie bezieht sich auf Könige, da heißt es: Und sie, das ist eine Abschrift vom Gesetz. Könige mussten bei Amtsantritt zuerst einmal ihre Bibel abschreiben. Ist das klasse? Stell dir vor, da bekehrt sich jemand, und wir sagen: Schön, dass du da bist. Und wir halten das in der Gemeinde so: Zuerst, bevor du irgendetwas machst, schreibst du einmal die Bibel ab. Einfach nur für dich, damit du sie handschriftlich für dich hast.
So, und diese Abschrift vom Gesetz soll bei ihm, bei dem König, sein, und er soll alle Tage seines Lebens darin lesen. Ein König soll alle Tage seines Lebens in der Bibel lesen. Warum? Damit er den Herrn, seinen Gott, fürchten lernt, um alle Worte dieses Gesetzes und diese Ordnungen zu bewahren und sie zu tun. Das ist eine schöne Regel. Das eine, was man macht: 5. Mose 17,19 lesen. Noch nicht kompliziert, man kann ein bisschen mehr machen.
 Josua 1,8 ist ein ganz anderer bekannter Vers. Lernt ihn auswendig, ja bitte, bitte: Dieses Buch des Gesetzes soll nicht von deinem Mund weichen. Also der König hat es abgeschrieben und gelesen. Josua, der General, bekommt jetzt den Auftrag: Dieses Buch des Gesetzes soll nicht von deinem Mund weichen, und du sollst Tag und Nacht darüber nachsinnen, damit du darauf achtest, nach alledem zu handeln, was darin geschrieben ist. Denn dann wirst du auf deinen Wegen zum Ziel gelangen, und dann wirst du Erfolg haben. Spannend, oder? Erfolg – also dass das damals schon so wichtig war. Erfolg: Du möchtest Erfolg im Leben haben? Gott sagt, gib dir einen ganz einfachen Trick. Lies und denk nach. Ist nicht kompliziert.
Und der dritte Punkt, den habe ich euch aus Psalm 119 mitgebracht, Verse 11 und 16. Psalm 119 ist dieser ewig lange Psalm. Also es gibt so ganz kurze Psalmen, die sind wirklich nett. Und wenn man sich vorgenommen hat, die Psalmen zu lesen, und jeden Tag sagen wir einen Psalm, dann gibt es so Tage, die sind wirklich schön. Und dann kommt Psalm 119. Psalm 119 sind so viereinhalb Seiten ungefähr, es geht schon eine ganze Weile. Psalm 119 feiert das Wort Gottes. Es feiert das Wort Gottes einfach ab. Und da heißt es dann in Vers 11: In meinem Herzen habe ich dein Wort verwahrt, damit ich nicht gegen dich sündige.
Herz im Alten Testament ist der Kopf, das Denken, das Verstehen. In meinem Herzen, da tief drin, habe ich etwas aufgehoben. Oder in Vers 16: An deinen Satzungen habe ich meine Lust, dein Wort vergesse ich nicht. Könnt ihr spüren, wie der danach jippelt? So, an meiner Lieblingsserie habe ich meine Lust, ihren Serienstart vergesse ich nicht. Nein, nein, an meinen Satzungen habe ich meine Lust, dein Wort vergesse ich nicht.
So, drei Dinge, das müssen wir einfach verstehen. Man kann drei Dinge mit der Bibel machen: lesen, darüber nachsinnen, auswendig lernen. Im Neuen Testament gibt es jetzt eine Formulierung, in die diese drei Fertigkeiten einfließen, und das ist die Formulierung: Es steht geschrieben. Also immer, wenn Jesus so sagt: Es steht geschrieben, dann greift er quasi darauf zurück, dass er vorher gelesen, nachgedacht und auswendig gelernt hat. Logisch, oder?
Es ist eine Zeit ohne Google. Ich muss das vielleicht für die Jüngeren unter euch sagen. Es gibt noch gar nicht so lange Handys und Google und Internet. Wir sind hier zweitausend Jahre jünger, staubige Straßen und Eselkarren. Von daher: Jesus war jemand, der die Bibel gelesen hat, darüber nachgedacht hat, der wichtige Stellen auswendig gelernt hat, und dadurch hatte er diese Kompetenz im Umgang mit der Bibel. Denn immer, wenn er sagt: Es steht geschrieben, dann greift er zurück auf etwas, was schon da ist, was nicht in diesem Moment magisch, mystisch in ihm entsteht, sondern da ist etwas im Kopf. Und deswegen kann er sagen: Es steht geschrieben.
Diese Kompetenz im Umgang mit der Bibel setzt vorher voraus, dass ich die Bibel lese, darüber nachsinne und dann sie auswendig lerne, mindestens konzeptionell, vielleicht nicht Wort für Wort. Jesus ist niemand, der einfach nur nachplappert, was andere ihm vorkauen. Er hat wirklich selber gedacht. Die Leute damals haben eher in andere Richtungen gedacht. Jesus war im besten Sinn ein kritischer, eigenständiger Denker.
Und ich wünsche euch das. Ich wünsche euch so viel Kompetenz im Umgang mit der Bibel, dass ihr so kritische, eigenständige Denker werdet. Es ist mir hundertmal lieber, du verkaufst mir irgendeine krude, selbstgebastelte Theorie, weil du gerade mit deiner Bibel nicht klarkommst, und ich kann mich mit dir auseinandersetzen und wir können uns reiben, statt dass du einfach nur nachplapperst, was hier vorne Jürgen predigt. Ja, am Anfang ja, aber dann rein in die Bibel, selber denken.

Ein Beispiel aus der Versuchung Jesu

Ich mache euch jetzt nur ein Beispiel, damit ihr seht, wie kompetent das ist: Matthäus 4,5-7.
Die Stelle stammt aus der Anfangszeit von Jesus. Jesus ist gerade getauft worden und gerade vom Heiligen Geist in die Wüste geführt worden, um dort versucht zu werden. Der Teufel kommt, und der Teufel hat drei wirklich fiese Versuchungen in petto.
Eine davon ist: Jesus ist ja der Messias. Er möchte sich doch bekannt machen. Da versucht der Teufel ihn dazu, ein Wunder zu tun, mit dem Jesus auffällt. Das ist hier Matthäus 4,5-7:
Darauf nimmt der Teufel ihn mit in die heilige Stadt und stellt ihn auf die Zinne des Tempels und spricht zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben.
Ihr merkt: Der Teufel kennt auch die Bibel. Ist das fies? Ach ja, total. Also, was zitiert der Teufel? Psalm 91:
Er wird seinen Engeln über dir befehlen, und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du nicht etwa deinen Fuß an einen Stein stößt.
Also: Schmeiß dich hier runter, Gott wird dich auffangen, steht doch schon in der Bibel.
Was sagt Jesus? Jesus aber sprach zu ihm: Wiederum steht geschrieben: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.
Also eine ganz typische Versuchungssituation. Der Teufel will, dass Jesus etwas tut, was auf den ersten Blick vielleicht leicht einsichtigerweise falsch ist. Und wie gesagt: Der Teufel zitiert die Bibel. Aber er zitiert sie falsch. Also genau genommen zitiert er sie schon halbwegs richtig, nur reißt er das Zitat aus dem Zusammenhang.
Das Originalzitat in Psalm 91 richtet sich an den Gläubigen, der in Zeiten der Not auf einen Gott vertrauen darf, der ihn rettet. Das ist Psalm 91, ein Mutmachpsalm. Es geht dir schlecht, vertrau auf Gott, Gott steht zum Gläubigen.
Was macht der Teufel daraus? Er nimmt diese Zusage, dass Gott sich um den Gläubigen kümmert, und reizt Jesus dazu, etwas völlig Eigenmächtiges zu tun. Das Problem ist nur: Die Zusage aus Psalm 91 gilt dem, der sich bei Gott birgt. Also dem, für den Gott ein Schutz ist. Und Psalm 91 hat überhaupt nichts für den, der versucht, Gott zu versuchen.
Und so kontert Jesus jetzt mit 5. Mose 6,16. Da steht einfach geschrieben: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.
Was heißt das? Das heißt: Noch bevor der Teufel kommt und Jesus versucht, hat Jesus diesen Text aus 5. Mose 6,16 gelesen. Und er hat darüber nachgedacht, was es eigentlich heißt, Gott zu versuchen. Und er hat sich die Stelle gemerkt.
Thematisch ist das gar nicht so kompliziert. Also, wenn du halbwegs reifer Christ bist, ist das Thema, wie man Gott versucht, dass man nicht eigenmächtig sein soll und dass wir Gott nicht für unsere Späße vor unseren Karren spannen sollen, kein super kompliziertes theologisches Thema. Ich muss nur im entscheidenden Moment darauf kommen, worum es hier geht, versteht ihr?
Wenn die Versuchung im Raum steht, hast du kaum mehr Zeit, richtig zu denken. Versuchung geht immer einher mit Emotionen und mit Lebensumständen, wie hier mit einer Wüste, Hunger und vielleicht auch Mattigkeit, vielleicht noch Kopfschmerzen. In so einer Situation dann zu sagen: Oh, Teufel, kannst du gerade mal zwei Wochen warten? Ich muss so ein längeres Bibelstudium machen über Versuchung. Können wir die Versuchung mal zurückstellen? Ich bin einfach noch nicht so weit. Das wird wahrscheinlich nicht passieren.
Jesus hatte dieses Thema aus 5. Mose 6,16 gelesen, durchdacht und so weit auswendig gelernt, dass er es zitieren konnte. Und dann kam der Teufel, und er konnte kontern. Das ist das, was ich meine, wenn ich sage: Für Jesus ist das Wort Gottes eine Waffe im Kampf gegen Unwissen, Anfeindung und eben auch, wie hier, Versuchung.
Und es ist spannend: Jesus verlässt sich nicht auf seine Intuition. Er verlässt sich auch nicht auf seine Allgemeinbildung oder sein Improvisationstalent, sondern er verlässt sich auf die Bibel. Jesus flüchtet sich auch nicht in Passivität. Jetzt will ich niemanden ärgern, ich will es aber nur mal sagen: auch nicht in Lobpreis oder in christliche Allgemeinplätze. Sondern er weiß ganz genau: In so einer Situation, wenn der Teufel vor der Tür steht und mir einen Gedanken in mein Hirn pflanzt, eine echte Lüge, muss ich mit der Wahrheit kontern, weil nur die Wahrheit mich an der Stelle freimacht.
Und das ist die Kompetenz, die Jesus hat. Und ich glaube, dass diese Kompetenz leichter zu bekommen ist, als wir uns das manchmal vorstellen. Ich glaube nicht, dass es unendlich viele Themen gibt, die man durcharbeiten muss, und dass man nie dahin kommen kann, die Standardversuchungen, die einem im Leben begegnen, auch mit einem guten Bibelverständnis zu kontern.
Ich glaube, dass das etwas ist, was man in fünf bis zehn Jahren problemlos sicher erarbeiten kann, würde man so vorgehen, wie wir bei anderen Sachen vorgehen. Nämlich sagen: Okay, welche Themen gibt es denn? Schreiben wir so mal auf. Was sagt denn die Bibel dazu? Wenn man es einfach ein bisschen weniger so wischiwaschi angehen würde, also nicht: Lass uns ein bisschen durch die Bibel lesen, was fällt mir heute ein, sondern wenn man es ein bisschen koordinierter angehen würde, mehr so ausbildungsmäßig. Bis man dann so ein bisschen sieht, wo greift denn der Teufel an. Und dann, also ich glaube, da ist viel, viel drin.

Warum Jesus so kompetent mit der Schrift umgehen kann

Warum kann Jesus das tun? Kommen wir zum Schluss.
Jesus kann so sein, wie er im Umgang mit der Bibel ist, weil er erstens schon früh als Kind eine Sehnsucht nach Bibelwissen kultiviert hat. Er hat sich dabei vielleicht ein wenig einseitig entwickelt, aber das war gut.
Ein zweiter Punkt ist: Er hat die Bibel als göttliche Offenbarung und Autorität ernst genommen. Wenn uns das verloren geht, dann müssen wir auch als Gemeinde aufpassen. Dann verlieren wir ganz, ganz viel. Dann verlieren wir letztlich auch das, was uns daran erinnert, dass Gott uns beschützt.
Denn drittens war Jesus dieser Leser, Denker und Auswendigwisser. Und als Leser, Denker und Auswendigwisser konnte er sehr reflektiert zitieren.

Schlussgedanken und Gebet

So, jetzt kommen wir zum Schluss. Ich beneide Jesus um seine Kompetenz. Ich lerne auch gern Bibelverse auswendig, aber ich merke, und ich bin total dafür, wie dieses Rumkauen auf einzelnen Versen mich total verändert hat. Es gibt wahrscheinlich nichts in meinem Leben, was mich mehr verändert hat.
Ich bin aber auch immer wieder frustriert, wenn ich dann auf einen Bibelvers stoße. Heute Morgen hatte ich das wieder. Ich dachte: Man, dich kenne ich schon zwanzig Jahre, und ich habe dich immer noch nicht im Kopf. Es ist irgendwann mal wieder weg gewesen. Du liest einen Vers und denkst: Ich müsste dich auswendig kennen. Ich müsste dich auswendig können. Und das ist einfach weg. Das ist wie so, als würdest du in so ein Loch reingreifen. Das ist total blöd so.
Und ich wäre gern mehr wie Jesus. Und ich glaube, dass es vielen von euch auch so geht. Deswegen möchte ich einfach am Schluss mal für uns beten, dass das, was Jesus uns hier vormacht, sich in unserem Leben einfach entfaltet. Und dass jeder so für sich ein Stück weit überlegt: Wo stehe ich? Und was könnte ich in den nächsten Monaten, Jahren, wie könnte ich denn Dinge anpacken, um so jemand zu werden wie Jesus?
Herr Jesus, ich danke dir dafür, dass du uns ein Vorbild gegeben hast, in einer Sehnsucht, Bibel zu kennen, in einer Ernsthaftigkeit. Du warst einer, der vor dem Wort Gottes gezittert hat, und du bist jemand, der es anwenden konnte. Und Herr, wir wünschen uns das auch.
Du siehst, wo wir uns manchmal im Weg stehen, wo wir manchmal unser Leben vollmüllen mit Dingen, die wir gar nicht so dringend bräuchten. Und dann bleibt zu wenig Zeit für dein Wort. Du weißt, wo wir inkonsequent sind und Dinge vorgenommen haben, uns eigentlich schon lange wünschen, Dinge zu ändern. Vielleicht mehr zu lesen, mehr auswendig zu lernen, mehr nachzudenken, vielleicht auch mal ein Buch zu lesen oder mehr Predigten zu hören.
Du siehst unsere Herzen und weißt, wo wir stecken geblieben sind. Und ich möchte dich bitten darum, dass du uns Gnade gibst, Herr. Du hast uns so ein schönes Vorbild hinterlassen, und du möchtest dein Leben in uns leben, Herr. Du möchtest deine Sehnsucht und deine Ernsthaftigkeit und deine Kompetenz in uns wiederfinden.
Herr, und wir brauchen das in einer Welt, wo Versuchung und wo Anfeindung und Dummheit Realität sind, wo wir oft nicht wissen, wie wir selber leben und antworten sollen. Herr, wir wollen dich bitten darum, dass du uns ermutigst und nicht frustrierst und entmutigst durch dein Vorbild, dass du uns ermutigst, Herr, und dass wir trauen dürfen, weil wir aus Gnade leben, den nächsten Schritt, den nächsten Kompetenzschritt zu gehen.
Bitte gib du dazu Gnade. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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