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Auserwählt- aber nur wenn du es willst?

23.02.2025
Was bedeutet eigentlich „Auserwählung“? Ist es nur eine kalte Auswahl oder steckt mehr dahinter? Die Bibel zeigt: Gott wählt Menschen und Völker für Aufgaben – doch Erwählung heißt auch Geliebtsein, besonders in Jesus. Was macht uns wirklich zu Auserwählten? Die Antwort liegt nicht in Leistung, sondern in einer Einladung, die wir annehmen können. Wie wird man wirklich auserwählt?

Einführung in das Predigtthema

Gemeinsam Glauben leben
Sie hören den Predigt-Podcast der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde The Rock Christus Kirche aus Berlin-Spandau.
Ab und an gibt es eine Auftragspredigt. Heute ist so eine. Das heißt, die Ältesten kommen und sagen: Jürgen, wir haben da ein Thema, darüber wollen wir, dass du mal sprichst. Also machen wir heute eine Auftragspredigt.
Deshalb werden wir heute auch im Nachgang, wenn wir nach dem Gottesdienst noch die Möglichkeit haben, Kaffee zu trinken, und dann gibt es noch ein bisschen Pasta, noch so einen kleinen Hauskreis machen. Wer am Ende zu dieser Predigt noch sagt: Ich habe noch Fragen, der kann in diesem Hauskreis, Pasta und Bibel heißt das Ding, einfach dazukommen. Und alle seine Fragen werde ich dann versuchen zu beantworten. Und was ich nicht weiß, macht Holger. Von daher, wir kriegen das hin.
So, was ist das Thema? Das Thema heute heißt Auserwählung. Warum ist das für die Gemeindeleitung irgendwie interessant? Das klingt ja schon irgendwie sehr abgespaced, darüber jetzt eine ganze Predigt zu machen. Das hat damit zu tun, dass wir als Gemeinde auf eine bestimmte Weise ticken.
Und zwar: Wir haben unsere Theologie sortiert nach einem Konzept, das da heißt Fischbrötchen. So, das ist also unsere Theologie, wie wir sie leben. Ich will sagen: Wenn du in diese Gemeinde hier dazukommst, dann wird man dir erklären, es gibt drei Sorten von Themen.
Da gibt es zum einen die Themen, die tatsächlich so wichtig sind, dass wir sagen: Das ist unverhandelbar. Okay, also das ist der Fisch vom Fischbrötchen. Will sagen: Ein Fischbrötchen ohne Fisch ist halt kein Fischbrötchen. Wenn du eine Bulette reinmachst, kannst du das Ding nicht Fischbrötchen nennen. Und so ähnlich ist das hier. Wenn du nicht an Jesus glaubst und ein paar andere Sachen, die wirklich zentral sind, kannst du halt hier nicht irgendwie dabei sein. So, das ist das eine.
Dann haben wir auf der anderen Seite das Zeug, was manche Leute wie ich aus einem Fischbrötchen wieder rausnehmen, weil sie nicht so draufstehen. Das ist so dieses Grünzeugs, Tomate, Zwiebel. Das kannst du rausnehmen, und ein Fischbrötchen bleibt Fischbrötchen. Das haben wir in der Gemeinde auch. Das sind Themen, und zwar eine ganze Menge, wo wir sagen: Kannst du glauben, was du willst, solange du dich nicht hier vorne hinstellst und sagst, ich habe die allein selig machende Meinung zu dem Thema. Das ist das Grünzeug.
Und dazwischen gibt es interne Regelungen. Das ist das wie so ein Brötchen, das alles zusammenhält, wo wir sagen: Na ja, vielleicht sind das nicht immer die allerwichtigsten Themen. Du kannst auch Christ sein, wenn du das anders siehst, aber wir als Gemeinde müssen ja irgendwie miteinander auskommen, müssen ja irgendwie zusammenleben. Zum Beispiel unsere Gottesdienstzeit steht da. Du kannst ja gerne sagen: Ich werde nie am Nachmittag Gottesdienst feiern. Aber dann ist das einfach die falsche Gemeinde für dich, so einfach.
Das heißt, es gibt Themen, da sagen wir: Da kannst du eigentlich denken, was du willst, aber wenn du darüber lehren möchtest, da haben wir eine Vorgabe. Da wollen wir eine bestimmte Richtung beibehalten, weil wir kommen irgendwo her, und wir wollen diesen Weg, wo wir herkommen und in den wir schon eine Weile miteinander gehen, wir wollen auch in diese Richtung weitergehen.
Ein solches Thema ist Auserwählung und freier Wille. Da steht dann also in unserem Papier: Wir glauben, dass der Mensch einen freien Willen hat, um sich für das Evangelium zu entscheiden. Das ist das, was wir glauben. Und dann sagen wir auch, was wir nicht glauben: Eine Auserwählung Gottes im Sinn einer vom Willen des Menschen unabhängigen, souveränen Vorerwählung Gottes zur Errettung predigen wir nicht. Das ist wichtig.
Vielleicht für euch nicht, aber für manche Leute, die aus einem reformierten, aus einem calvinistischen Background kommen, ist es wichtig zu verstehen: Ich bin hier falsch. Deswegen haben wir das reingeschrieben.
So, jetzt haben wir gesagt, was wir nicht predigen, nämlich dass Gott einfach auserwählt, mit wem er die Ewigkeit verbringen will und mit wem halt nicht. Frage: Wenn wir das nicht glauben, was glauben wir dann? Was glauben wir zum Themenkomplex Auserwählung? Und darum soll es heute gehen.
Und da ist es jetzt so: Ich habe versucht, das ein bisschen runterzubrechen, so dass es im Wesentlichen erst einmal darauf ankommt, dass ihr Folgendes versteht: Bei dem Thema Auserwählung oder Erwählung, also all diese Begriffe, die da in der Bibel vorkommen, müsst ihr zwei Dinge ganz grundsätzlich verstehen. Wir fangen mal mit dem ersten an.

Auswahl als Entscheidung für einen bestimmten Zweck

Also, der Begriff Auserwählung oder Erwählung kann bedeuten, dass ich eine Gruppe von Angeboten habe und mir tatsächlich eine Sache aussuche. Ich suche mir zum Beispiel im Baumarkt etwas aus. Vor kurzem haben wir bei uns oben ein bisschen herumgestrichen, bevor Patricia eingezogen ist. Wir dachten, es wäre nett, da mal wieder weiße Farbe an die Wände zu klatschen. Also gehst du dann in den Baumarkt und suchst Farbe, Wandfarbe.
Und je nachdem, ob du sagst: Das Zimmer, wo sie schläft, oder daneben das Bad, kaufst du eben Farbe für den Zweck: Feuchtraumfarbe für das eine und normale Dispersionsfarbe für das andere. Das ist Auswahl, Auswählen. Ich habe mehrere Möglichkeiten, und ich entscheide mich für eine. Und das ist tatsächlich eine Form von Erwählung, die wir in der Bibel finden, zum Beispiel bei den Aposteln oder bei dem Volk Israel.
Es gab viel mehr Jünger, aber Jesus sucht aus den vielen zwölf aus, die er dann eben auch Apostel nennt. Es gibt auch mehr Völker als Israel, aber Gott sucht sich halt ein Volk aus, genau eines, weil er auch nicht mehr braucht. Und er sucht sich das Volk beziehungsweise die Apostel immer aus mit einem Zweck. Das ist die Idee: Feuchtraumfarbe fürs Bad beziehungsweise Dispersionsfarbe ganz normal für da, wo man schläft.
Ich zeige euch das mal in Lukas 6, ab Vers 13: Und als es Tag wurde, rief er seine Jünger herbei und erwählte aus ihnen zwölf. Da habt ihr dieses: Er erwählte aus ihnen zwölf, die er auch Apostel nannte. Er sagt also: Du, du, du und du. Genau genommen Simon, den er auch Petrus nannte, und Andreas, seinen Bruder, und Jakobus und Johannes und Philippus und Bartholomäus und Matthäus und Thomas und Jakobus, des Alpheus Sohn, und Simon, genannt Eiferer, und Judas des Jakobus Sohn und Judas Iskariot, der zum Verräter wurde.
Merkt ihr? Das Gleiche für Israel. Ja, ich habe viele Völker, aber dann heißt es, zum Beispiel in Apostelgeschichte 13,17: Der Gott dieses Volkes Israel erwählte unsere Väter und erhöhte das Volk in der Fremdlingschaft im Land Ägypten. Also: Gott kann sich das leisten, er braucht ein Volk, und er wählt es, und dann rettet er es.
Die Apostel, habe ich gesagt, immer zu einem Zweck. Erwählung zu einem Zweck. Die Apostel werden erwählt, um Kern eines Missionsteams zu sein und dann Kirche zu bauen. Israel wird erwählt, um als ganzes Volk den sozialen und den gottesdienstlichen Rahmen zu schaffen, in dem dann der Messias als Erfüllung dieses Rahmens sich offenbaren kann. Wir brauchen nur ein Volk. Ich habe ein Volk, das bereitet das alles vor.
Wir merken: Erwählung zu einem Zweck. Und das, was Gott kann, können Menschen natürlich auch. Das ist jetzt nichts Geheimnisvolles. Auch Menschen können Menschen erwählen. In Apostelgeschichte 15 heißt es in Vers 22: Dann schien es den Aposteln und den Ältesten samt der ganzen Gemeinde gut, Männer aus ihrer Mitte zu erwählen und sie mit Paulus und Barnabas nach Antiochia zu senden. Und wer ist das dann? Judas mit Beinamen Barsabas und Silas, führende Männer unter den Brüdern.
Also werden hier zwei Christen, Judas und Silas, ausgewählt, um Barnabas beziehungsweise Paulus zu begleiten. Und wieder muss man sagen: Da hätte es sicherlich noch mehr, noch andere auch fähige Leute gegeben. Okay, die beiden nimmt man mit, man braucht halt nur zwei.
So, das ist die eine Seite von Erwählung in der Bibel. Ich suche mir jemanden oder gleich ein ganzes Volk für eine bestimmte Aufgabe aus. Und eines muss uns klar sein: Wenn Gott das tut, dann ist er völlig souverän. Okay? Die Kanaaniter können nicht sagen: Das ist aber jetzt fies, dass du dir die genommen hast und nicht uns. Er ist völlig souverän.
Das wird auch bei den Aposteln deutlich. So heißt es in Johannes 15, da sagte Herr Jesus mal in Vers 16 zu den Jüngern: Ihr habt nicht mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und euch dazu bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt, damit, was ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, er euch gebe. Ganz klar: Wer erwählt wen? Jesus erwählt die Zwölf. Achtung: zum Dienst als Apostel. Hier geht es nicht um Errettung. Das ist ganz wichtig. Hier ist auch ein Judas dabei, der zum Apostel erwählt wird und nicht gerettet ist.
In gleicher Weise kann Paulus von sich sagen, dass er von Mutterleib an auserwählt wurde, um das Evangelium zu predigen. Das ist total toll. Er kann also sagen: Gott hat das schon gewusst, da war ich noch nicht geboren. Wer ich bin, und hat mir da quasi schon noch im Mutterleib einen Auftrag gegeben.
Und jetzt wird es spannend: Obwohl Gott ihn erwählt, muss er Jahrzehnte später als erwachsener Mensch zu dieser Berufung ein Ja finden. Also einfach nur, dass Gott dich erwählt, heißt nicht, dass du zwingend jetzt nicht mehr anders kannst, als diesen Weg zu gehen. Paulus selber beschreibt das in einem Zeugnis, das es gibt, vor dem König Agrippa in Apostelgeschichte 26. Und er sagt in Apostelgeschichte 26,19-20: Daher, König Agrippa, war ich nicht ungehorsam der himmlischen Erscheinung, sondern verkündigte denen in Damaskus zuerst und in Jerusalem und in der ganzen Landschaft von Judäa und den Nationen, also den Heiden, Buße zu tun und sich zu Gott zu bekehren, indem sie der Buße würdige Werke vollbrächten.
Also sagt Paulus: Ich habe da eine Berufung bekommen. An anderer Stelle sagt er: Ich bin schon von Mutterleib an auserwählt. Aber hier: Er war nicht ungehorsam, er hat die Berufung durch die himmlische Erscheinung gehört und er hat sie angenommen, eben ganz anders als Judas.
Ich will das noch einmal sagen: Gott kann Menschen und Völker erwählen, sodass sie, ob sie das wollen oder nicht, da ist Gott hundert Prozent souverän, in seinem Heilsplan eine bestimmte Rolle spielen. Aber ich kann als Mensch jetzt und auch als Volk diese Berufung entweder annehmen oder ablehnen. Bei Israel sehen wir: Ja, die werden berufen, um dann kurz danach ums goldene Kalb zu tanzen. Das ist nicht so prickelnd. Okay? Und auch bei Judas merken wir: Der wird berufen, um dann kurz danach seinen eigenen Herrn zu verraten. Das ist natürlich auch nicht okay, aber das ändert nichts, wirklich nichts, an der Erwählung.

Erwählung und Rettung im Blick auf die Armen

So, jetzt habe ich gesagt: Erwählung hat nichts mit Errettung zu tun. Na ja, eine halbe Ausnahme gibt es schon. Man muss ja ehrlich sein, auch als Prediger. Man darf Dinge nicht zu sehr vereinfachen.
Insofern ist das die halbe Ausnahme aus dem Jakobusbrief. Da steht nämlich: Hört, meine geliebten Brüder. Jakobus 2,5: Hört, meine geliebten Brüder! Hat nicht Gott die Armen dieser Welt auserwählt, reich im Glauben und Erben des Reiches zu sein, das er denen verheißen hat, die ihn lieben?
Da steht es ja. Also hier geht es jetzt wirklich ein bisschen um Errettung, das muss man fairerweise sagen. Aber hier geht es nicht im eigentlichen Sinn um die Errettung einzelner Leute. Die müssen, wie es am Ende des Verses dann auch schön gesagt wird, schon noch jeder für sich Gott lieben. Es reicht also nicht nur, arm zu sein, um in den Himmel zu kommen.
Und trotzdem geht es hier um ein Prinzip: Gott erwählt arme Menschen, einfache Menschen, indem er das Evangelium auf eine Weise präsentiert, dass es gerade den einfachen Leuten leichter fällt, das Evangelium zu verstehen. Insofern sind sie erwählt, gerettet zu werden. Es fällt ihnen ein Stück leichter. Und auch das hat einen Zweck: dass Gott das Evangelium so macht, dass du nicht superklug, super vernetzt und superreich sein musst, um es zu verstehen.
Stellt euch mal vor, nur Leute, die, ich sage es mal arkadisch, im Original lesen können, könnten gerettet werden. Dann wären nicht viele von uns dabei, würde ich einfach mal sagen. Aber Gott geht genau einen anderen Weg: eine ganz einfache Botschaft. Warum? 1. Korinther 1. Warum macht Gott es so, dass das Evangelium fast zu simpel ist? Es ist so billig, dass sogar ein fünfjähriges Kind es verstehen kann. Mein Enkel versteht das Evangelium. Da musst du doch sagen: Der ist ja gerade erst in der Schule gekommen. Stimmt, das ist die Idee dahinter.
Warum? Na ja, ganz einfach: 1. Korinther 1,27: Sondern das Törichte der Welt hat Gott erwählt, damit er die Weisen zu Schanden mache, und das Schwache der Welt hat Gott erwählt, damit er das Starke zu Schanden mache.
Gott möchte sich in der Art und Weise, wie er Menschen rettet, als der wirklich Weise und der wirklich Starke offenbaren. Und deswegen ist das Evangelium eben keine gute Nachricht für alle, die sowieso im Leben schon alles auf die Reihe bekommen. Das Evangelium ist von seiner Art her wirklich eine gute Nachricht primär für Underdogs.
Warum? Damit eben gerade keiner sagen kann: Oh, ich habe mich aufgrund meiner Schlauheit und meiner Disziplin irgendwann selbst so weit gebracht, dass es dann gereicht hat, um in den Himmel zu kommen. Nein, das wird keiner sagen. Falsch! Gott sucht die Ehrlichen. Gott sucht die, die womöglich mitten im Wohlstand leben und bei aller Bildung und bei allen Statussymbolen, die sie besitzen, trotzdem, also trotz Abi und iPhone, genau wissen, dass sie vor Gott geistlich arm sind.
Wenn du da nie hinkommst, wenn du immer noch denkst: Ich bin der große Checker, er hat ja den Durchblick, ich weiß genau, wie es geht, dann kann ich dir an der Stelle schon sagen: Du wirst dir mit dem Evangelium schwer tun. Denn das Evangelium bringt dir als Erstes bei: Du bist ein Loser. Steh dazu. Und wenn du das mitnimmst, dann kannst du weiterdenken.
Und ihr merkt: Das ist eine Botschaft für die Loser in dieser Welt, weil sie sagen: Ja, klar, das weiß ich ja schon. Vielen Dank. Und was hast du mir sonst noch zu sagen?
Ich habe gesagt, es gibt zwei große Arten von Erwählung, wenn man so will, oder der Begriff kann in zwei Kategorien eingeteilt werden. Das ist die Art von Erwählung, die uns vertraut ist. Jetzt möchte ich zu einer anderen kommen. Jetzt will ich denselben Begriff nehmen, aber ich will ihn etwas anders erklären. Auch diese zweite Form ist eine Form von Erwählung, die wir kennen und die eben auch die Bibel kennt.
Also, ich kann einerseits sagen, jemand ist erwählt, weil da ein Auswahlprozess vorliegt. Aber jetzt kommen wir zu etwas anderem. Wenn ich sage: Bärbel, das ist meine Frau, Bärbel ist meine Erwählte, dann meine ich etwas anderes.
Niemand würde hoffentlich, wenn ich sage: Bärbel ist meine Erwählte, sagen: Aha, irgendwann in der Vergangenheit stand Jürgen da, hatte so fünf Frauen nebeneinander, hat dann so ein bisschen Ene, mene, muh gemacht und gesagt: Dich nehme ich. Da würdet ihr nie auf den Gedanken kommen, dass bei „Bärbel ist meine Erwählte“ das gemeint ist. Sondern ihr wisst genau: Diese Bezeichnung, sie ist meine Erwählte, damit beschreibe ich die Einzigartigkeit, die Qualität einer Beziehung.
Ich sage, ich nenne sie meine Erwählte, obwohl es in meinem Leben nie eine andere Frau gab. Ich hatte nie eine andere Freundin, es war immer nur Bärbel. Und trotzdem sage ich: Sie ist meine Erwählte. Und ihr begreift sofort: Es geht um die Qualität der Beziehung.
Und genau dasselbe gilt dafür, dass man mit dem Begriff erwählt eben nicht nur einen Auswahlprozess, sondern auch die Qualität einer Sache beschreiben kann. Genau das Gleiche haben wir auch in der Bibel. Und ich zeige euch das mal an Jesaja 42, prophetisches Wort auf Jesus hin. Also der Knecht, um den es hier geht, das ist der Messias, das ist Jesus. Und über ihn wird im Alten Testament, also so siebenhundert Jahre vor Christus, Folgendes gesagt:
Siehe, mein Knecht, den ich halte, mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt; er wird das Recht zu den Nationen hinausbringen.
Also hier geht es um den Knecht, der bezeichnet wird als mein Auserwählter. Und jetzt ahnt ihr schon: Gott hat in der Ewigkeit nicht dagestanden und dann irgendwelche Messiasmöglichkeiten nebeneinander gestellt und sich dann für einen entschieden, sondern von Anfang an war klar: Es gibt nur einen Kandidaten, den Sohn Gottes.
Ja, warum wird der dann hier als Auserwählter bezeichnet? Wenn wir hier lesen, bedeutet Auserwählter so viel wie Geliebter, an dem meine Seele Wohlgefallen gefunden hat. Ihr müsst also jetzt bei dem Wort Auserwählter verstehen: Ich kann das wie ein Synonym zu Geliebter auch lesen.
Ich zeige euch das an einer anderen Stelle noch, indem ich drei Übersetzungen miteinander vergleiche: Jesus auf dem Berg der Verklärung. Es kommt eine Stimme aus dem Himmel. Die hat aller Voraussicht nach nicht Griechisch gesprochen. Das ist der Vater im Himmel. Nehmen wir an, sie hat Hebräisch oder Aramäisch gesprochen, und die Synoptiker, das sind die ersten drei Evangelisten, Matthäus, Markus und Lukas, berichten davon und übersetzen jetzt das, was Gott vom Himmel her sagt, ins Griechische, weil das die allgemein bekannte Sprache war, in der das Neue Testament verfasst wurde.
So, jetzt dreimal dasselbe. Matthäus 17: Dieser ist mein geliebter Sohn. Und dahinter steht Agapetos, das ist wirklich klassisch das, was man mit geliebt übersetzen würde. Markus, die gleiche Situation: Dieser ist mein geliebter Sohn, wieder Agapetos. Und Lukas übersetzt dann: Dieser ist mein geliebter. Aber er übersetzt anders, und das heißt eigentlich: auserwählter Sohn.
Ich schreibe euch das nur hin, damit ihr versteht: Im Denken der damaligen Zeit, der Leute, die Griechisch gesprochen haben, kannst du das, was du auf Aramäisch über den Sohn sagst, sowohl mit geliebt als auch mit auserwählt übersetzen. Hier wird dann natürlich mit geliebt übersetzt, weil das hier in diese Richtung geht, das passt ja schon. Aber wir müssen verstehen: Auserwählt und geliebt, das sind in der Bibel Synonyme.
In ähnlicher Weise zitiert Matthäus 12,18 Jesaja 42 von vorhin, die Stelle. Und schaut mal, wie er das macht. Da sagt er in Matthäus 12,18: Siehe, mein Knecht, den ich erwählt habe. Da haben wir es wieder. Und jetzt fügt er etwas ein: mein Geliebter, an dem meine Seele Wohlgefallen gefunden hat.
Wir merken, wie eng diese Auserwählung an der Qualität einer Beziehung hängt. Also hier geht es darum, dass ich möchte, dass ihr versteht: Auserwählung von Menschen ist nicht nur ein Pik, pik, pik, pik, pik, sondern kann mehr oder weniger gleichzeitig auch eine Beschreibung der Qualität einer Beziehung sein.
Und das ist vor allem deshalb wichtig, weil ich mich nach der Bibel zu einem Auserwählten machen kann. Wir machen das am Schluss, meine absolute Lieblingsstelle. Nur bevor wir da ankommen, noch ein Gedanke davor. Etwas, was wir noch verstehen müssen, damit das gesamte Bild rund wird.

Erwählung in Christus vor aller Zeit

 Epheser 1,3-4
Da heißt es: Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus. Er hat uns gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in der Himmelswelt in Christus.
Achtet bitte auf die nächsten zwei Worte, die sind jetzt wichtig: wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und tadellos vor ihm sind, in Liebe.
Spannend: Wir, du und die Gemeinde, sind vor Grundlegung der Welt auserwählt worden. Wozu? Dass wir heilig und tadellos sind. Und jetzt der Clou: Diese Auserwählung geschieht in ihm, das heißt in Christus. Und das ist eine ganz wichtige Einschränkung.
Wir schauen uns mal an, was wir über Jesus wissen. Er ist der Auserwählte. In 1. Petrus 1,20 heißt es über den Herrn Jesus: Er ist zwar im Voraus vor Grundlegung der Welt erkannt, aber am Ende der Zeiten offenbart worden um euretwillen.
Vor Grundlegung der Welt, bevor Gott überhaupt die Schöpfung schafft, steht die Frage im Raum: Wer von uns göttlichen Personen macht denn die Sache am Kreuz? Da kann man mal die Frage stellen: Wer geht denn da auf die Welt, wer wird Mensch und bleibt das auch in alle Ewigkeit?
Vor Grundlegung der Welt wird diese Entscheidung getroffen. Wer jetzt nicht genau weiß, wie das mit der Dreieinigkeit ist: Da gab es vor kurzem einen Impuls, hört euch den an.
Vor Grundlegung der Welt findet die Auserwählung des Messias statt. Und bereits damals, in diesem Moment, wir reden über Zeit, das ist natürlich irgendwie nicht richtig Zeit, aber ihr versteht schon, wo die Dreieinigkeit beschließt, dass Gott der Sohn Mensch werden würde, ist natürlich klar, dass in diesem Moment schon wir in ihm mit auserwählt worden sind.
Also wir dürfen unsere Auserwählung, wenn du sagst: Ich bin Erwählter, ich bin Erwählte, nie losgelöst von der Auserwählung des Messias sehen. Jesus ist der Auserwählte, und wir, wir sind als Gemeinde sein Leib. Und du gehörst als Einzelperson zu diesem Leib.
Das heißt: Schon vor Grundlegung der Welt ist für Gott völlig klar, dass du gläubig werden würdest. Ja, was denn sonst? Gott ist ja nicht überrascht davon, dass du dich bekehrst.
Das heißt aber: In dem Moment, wo diese Idee, „Wow, hier ist ein Retter, und jeder, der an ihn glauben wird, wird in alle Ewigkeit mit Gott leben“, das erste Mal quasi gedacht, ins Leben gerufen wird, ist in diesem Moment für Gott aufgrund seines Vorherwissens völlig klar, wer alles quasi mit Jesus in diesem Moment mit dabei sein würde in alle Ewigkeit.
Und auf diese Weise sind wir, obwohl wir uns zu dem Zeitpunkt noch gar nicht gab es ja noch nicht, trotzdem sind wir damals schon in Christus mit auserwählt worden, bevor die Schöpfung begann. Ihr müsst euch das vorstellen: Bevor Gott das erste Mal sagt, aus der Finsternis soll Licht werden, ja, aus dem Nichts irgendetwas werden, davor warst du schon in Gottes Gedanken präsent. Ist das der Hammer?
Und wir waren bereits Teil von Jesus und waren in ihm bereits auserwählt.
Nochmal: Unsere Erwählung ist in Christus. Man könnte auch sagen: Gott hat eigentlich gar nicht mich auserwählt, sondern er hat Jesus auserwählt. Und ich werde einfach nur durch den Glauben Teil des Leibes Christi. Ich nehme einfach durch den Glauben Anteil an der Erwählung zwischen Vater und Sohn.
Und ich trete durch den Glauben nicht nur in diese Erwählung ein, sondern in diese Qualität von Beziehung, so dass ich mit allen Segnungen beschenkt werde, mit denen der Vater den Sohn beschenkt und auch noch beschenken will.

Zusammenfassung der theologischen Linie

Ich fasse mal zusammen: Erwählung in der Bibel ist das, was wir normalerweise darunter verstehen. Gott sucht sich eine Sache für einen bestimmten Zweck aus. Ganz einfach.
Dann spielt bei dem Begriff aber auch ganz stark die Idee der Wertschätzung mit hinein. Jesus ist der Auserwählte, er ist der Geliebte, und wir teilen als Gläubige und natürlich auch als Gemeinde seine Erwählung. Und das bedeutet: Wir teilen einerseits seinen Auftrag. Wie der Vater mich gesandt hat, sende ich euch. Und andererseits teilen wir die Liebe des Vaters.
Wir dürfen uns sagen, dass wir Auserwählte sind, im Sinn von Geliebte. Also, wenn du dir überlegst, wie Gott mich anschaut: Kannst du glauben, dass Gott dich mit den Augen eines Liebhabers anschaut, der seine Braut betrachtet und sich einfach an ihr freut? Kannst du das glauben, vor allem, wenn du weißt, wie deine letzte Woche gelaufen ist? Vielleicht denkst du: Vorletzte Woche war gut, letzte Woche war nicht so der Bringer.
Und wenn du das denkst, dann möchte ich dir die Frage zuspielen: Was wäre denn, wenn deine Erwählung, wenn deine Beziehung, wie Gott über dich denkt, gar nicht von deiner Performance abhängig wäre, sondern allein davon, dass du in Christus bist? Verstehst du? Was wäre, wenn Auserwählung nicht ein Zustand ist, den ich mal gewinne und dann wieder verliere, sondern wenn es etwas ist, was ich einmal geschenkt bekomme, weil ich ans Evangelium glaube? Und dann, weil ich mich einlasse, Gott zu lieben und ihm zu dienen und ihm zu folgen, sagt Gott: Hey, ich bin so happy über dich. Ich finde das richtig, richtig gut.
Stellt euch vor, Auserwählung wäre etwas, wo man einfach nur sagen müsste: Ja, das möchte ich haben. Ich möchte Geliebter sein. Ich möchte Geliebter Gottes sein.
Und deswegen zum Schluss ein Gleichnis. Ich glaube, Aaron hat das letztes Jahr gepredigt, bin mir aber nicht ganz sicher. Ein Gleichnis, was für mich den Schlusspunkt unter dieses Thema Auserwählung setzt, weil es zeigt, wie man Auserwählter, wie man Auserwählte werden kann.

Das Gleichnis vom Hochzeitsmahl als Schlussbild

 Matthäus 22
Hört einfach mal zu, ich lese es vor:
Und Jesus begann und redete wieder in Gleichnissen zu ihnen und sprach: Mit dem Reich der Himmel ist es wie mit einem König, der seinem Sohn die Hochzeit bereitete. Und er sandte seine Knechte aus, um die Eingeladenen zur Hochzeit zu rufen, und sie wollten nicht kommen.
Wiederum sandte er andere Knechte aus und sprach: Sagt den Eingeladenen: Siehe, mein Mahl habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh sind geschlachtet, und alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit!
Sie aber kümmerten sich nicht darum und gingen weg, der eine auf seinen Acker, der andere an seinen Handel. Die übrigen aber ergriffen seine Knechte, misshandelten und töteten sie. Der König aber wurde zornig und sandte seine Truppen aus, brachte jene Mörder um und steckte ihre Stadt in Brand.
Dann sagte er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereitet, aber die Eingeladenen waren nicht würdig. Und jetzt wird es irre: So geht nun hin auf die Kreuzwege der Landstraßen, da, wo die Landstreicher sind, und so viele ihr finden werdet, ladet zur Hochzeit ein.
Und jene Knechte gingen aus auf die Landstraßen und brachten alle zusammen, die sie fanden, böse wie gute. Und der Hochzeitssaal wurde voll von Gästen.
Als aber der König hereinkam, die Gäste zu besehen, sah er dort einen Menschen, der nicht mit einem Hochzeitskleid bekleidet war. Und er spricht zu ihm: Freund, wie bist du hier hereingekommen, da du kein Hochzeitskleid hast? Er aber verstummte.
Da sprach der König zu den Dienern: Bindet ihm Füße und Hände und werft ihn hinaus in die äußere Finsternis, da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein. Denn, und jetzt kommt der entscheidende Satz, ich konnte leider nur nicht die Hälfte vorlesen, denn viele sind Berufene, wenige aber Auserwählte.
Es geht mir eigentlich nur um diesen letzten Vers: Viele sind Berufene, wenige aber Auserwählte.
Das Gleiche ist ziemlich simpel. Es geht darum, es ist ein Bild für eine Einladung, die Gott an sein Volk ausspricht. Es ist die Predigt des Evangeliums an die Israeliten durch Jesus und seine Jünger. Und um an dieser Hochzeit, an dieser Feier mit Gott teilnehmen zu können, braucht es für jeden Gast zwei Dinge.
Das eine ist: Er muss sich einladen lassen. Und das andere: Er braucht ein Hochzeitskleid. Das Hochzeitskleid lassen wir jetzt unter den Tisch fallen. Wenn euch interessiert, was das ist, kommt zu Pasta und Bibel.
Hier geht es mir um dieses: Viele sind Berufene. Das heißt, Gott lädt wirklich flächendeckend, wir wissen heute weltweit, ein. Gott lädt ein.
Und ich will es so sagen: Wenn du heute hier sitzt und noch nicht genau weißt, wofür du eigentlich lebst, Gott sieht dich und Gott lädt dich genau heute ein, ihm zu folgen. Gott ist ein Gott, der dich beschenken möchte, und Gott ist ein Gott, der mit dir feiern möchte.
Und dabei spielen deswegen gute und böse Landstreicher, deine Herkunft, deine Vorgeschichte, überhaupt keine Rolle. Du kannst heute die Entscheidung treffen, all in für Jesus zu gehen, zu sagen: Ja, das will ich. Ich will dir folgen. Ich will meine Schuld, meine Vergangenheit, ich will meine Zerbrochenheit loswerden. Heute mache ich ganze Sache mit Jesus.
Es gibt nur eine Sache, die dabei erst mal wichtig ist. An die kommst du nicht vorbei: Du musst dich einladen lassen. Du musst zu diesem Angebot Ja sagen. Viele sind Berufene, die Einladung geht raus.
Und jetzt kommt es: Weniger aber sind Auserwählte.
Frage: Wie wird man ein Auserwählter, wie wird man eine Auserwählte? Ganz einfach: dadurch, dass man sich einladen lässt. Warum bin ich dann, ich habe ja gesagt, der Auserwählte, das ist der Geliebte, warum bin ich dann in dem Moment, wo ich das Evangelium höre, an das Evangelium glaube und ein Jünger Jesu werde, warum bin ich dann plötzlich ein Auserwählter? Warum bin ich dann plötzlich so von Gott geliebt?
Und die Antwort, die wisst ihr schon: ganz einfach, weil in dem Moment, wo ich Ja sage zum Evangelium, in dem Moment werde ich eins mit Jesus. Und ich teile, weil ich zu ihm gehöre, seine Auserwählung. Und Gott sieht dann mich, aber er sieht eigentlich nicht mich, sondern er sieht Jesus. Und so wie er Jesus liebt, liebt er mich.
Und das ist das Geschenk, was Gott einem jeden machen möchte.
Bis dahin. Das war heute eine theoretische Predigt, das ist mir klar. Ich habe auf frogwords.de mir erlaubt, das komplette Skript einzustellen, eine Zusammenfassung an das Skript anzuhängen und eine komplette Hauskreisvorbereitung. Das heißt, ihr könnt das nacharbeiten, und vielleicht muss der ein oder andere nacharbeiten. Und wenn ihr noch wirklich schwerwiegende Fragen und noch mehr wissen wollt und nachher Zeit habt, kommt vorbei bei Pasta und Bibel.
Vielen Dank! Wir wünschen Ihnen Gottes reichen Segen. Bis zum nächsten Mal.

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