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Lass mal zuhören?

Was du in deinem Freiwilligeneinsatz weltweit lernen kannst
EventTeil 21 / 24Jugendkonferenz für Weltmission 2025

Freude an Gemeinschaft und Weihnachten

Ich arbeite mit jungen Menschen und mit Freiwilligen, und das bereitet mir große Freude. Was mir ebenfalls viel Freude macht, ist Weihnachten.
Hat jemand von euch denn auch Weihnachten gefeiert? Okay, stark, und alle machen gleich mit – sehr gut. Da kann ich mir ein Häkchen dran machen.
Wer von euch, wenn ihr Weihnachten gefeiert habt, war denn in einem Gottesdienst? Das sind auch schon ganz schön viele. Wer von euch hat in diesem Gottesdienst oder sonst irgendwann die Weihnachtsgeschichte gehört? Und wer von euch weiß, in welchem Evangelium die Weihnachtsgeschichte steht?
Gut, wenn man sich da meldet, ist natürlich die Gefahr groß, dass man drangenommen wird. Priska, das ist die Sängerin – im Lukasevangelium? Das ist zu fünfzig Prozent richtig. Ja, generell ist die Weihnachtsgeschichte eigentlich in allen Evangelien zu finden. Aber die berühmte Weihnachtsgeschichte mit Maria, Joseph und der Herberge steht im Lukasevangelium.
Priska und ich haben zusammen Theologie studiert, darum wusste ich, dass sie es wohl wissen würde. Wenn nicht, hätte ich dich natürlich auch nicht bloßgestellt.

Die Weihnachtsgeschichte als Ausgangspunkt für Berufung

Um die Weihnachtsgeschichte soll es auch heute gehen, denn sie hat vielleicht mehr mit eurer Frage zu tun, ob ein Freiwilligendienst im Ausland für euch in Frage kommt, als ihr bislang gedacht habt.
Wir werden uns drei Punkte ganz kurz anschauen. Der erste lautet: Lass mal zuhören – wenn Gott ruft. In der Weihnachtsgeschichte gibt es verschiedene Menschen, die ein Zeichen von Gott erhalten. Heute Nachmittag schauen wir uns zwei davon an.
Die erste Gruppe sind die Hirten auf dem Feld. Diese Hirten bekommen ein überragendes Zeichen. Im Lukas-Evangelium, Kapitel 2, heißt es: „Und auf einmal stand ein Engel des Herrn vor ihnen, und die Herrlichkeit des Herrn umgab sie mit ihrem Glanz. Mit einem Mal war bei dem Engel eine große Schar des himmlischen Heeres, und sie priesen Gott: Ehre sei Gott in der Höhe und so weiter.“
Die Engel erhalten also ein riesiges Zeichen. Sie wissen, dass sie gemeint sind und dass sie losziehen sollen. Aber wohin sollen sie gehen? Nicht weit weg, vielleicht nur ein paar Orte weiter. Die Handlung spielt sich vermutlich im Großraum Jerusalem ab, Bethlehem war gar nicht so weit entfernt.
Sie bekommen ein überragendes Zeichen, und dann sagt Gott zu ihnen: Geht nicht ans Ende der Welt, sondern geht in die Nachbarschaft und entdeckt dort das, was ich für euch vorbereitet habe.

Gottes Ruf im Alltag und Zweifel

Wir wünschen uns vielleicht manchmal ein Zeichen, das uns zeigt, wie es in unserem Leben weitergehen soll. Wo soll es nach der Schule, nach der Ausbildung oder nach dem Studium hingehen? Manchmal sind es überragende Zeichen. Dann sagt Gott vielleicht auch zu uns: Du brauchst gar nicht so weit wegzugehen. Vielleicht ist in deiner Gemeinde der Ort, an dem Gott dich braucht.
Vielleicht sollst du auch weit weggehen, aber vielleicht auch nicht. Manchmal kämpfen wir auch damit, weil wir nicht so ein deutliches Zeichen bekommen haben wie die Hirten. Ich glaube aber, selbst wenn wir so ein Zeichen bekämen, würden wir manchmal trotzdem noch zweifeln, ob das wirklich der Ruf Gottes ist, der uns erreicht.
Denken wir zum Beispiel an Mose. Er sah den brennenden Dornbusch vor sich, und trotzdem war er sich unsicher. Er fragte Gott hin und her: "Ja, wie ist das? Ich kann das nicht. Hör mal, stell mir noch jemand zur Seite." Mose hatte wirklich ein eindrückliches Zeichen, und trotzdem war er unsicher.
Am Ende hat Gott ihn trotzdem gebraucht, auch wenn er sich unsicher war – trotz des großen Zeichens.

Die Sterndeuter: Suche und Unsicherheit im Glauben

Und die andere Gruppe sind die Sterndeuter aus dem Osten. Sie hatten kein Zeichen wie die Hirten und auch keinen Engelschor, der für sie singt. Sie hatten etwas am Himmel gesehen und versuchten, es zu deuten.
Vor allem aber studierten sie die Schriften, die alttestamentlichen Schriften, vielleicht auch andere Texte. Sie dachten darüber nach, ob dieser helle Stern oder diese Sternenkombination das Zeichen sein könnte, auf das sie warteten. Ganz sicher waren sie sich dabei vielleicht am Anfang nicht.
Dennoch mussten sie aufbrechen. Die Sterndeuter aus dem Osten mussten eine weite Reise antreten, obwohl sie sich mit ihrem Zeichen noch nicht ganz sicher waren. Sie hatten zwar vermutet, gehofft und vielleicht sogar manchmal erwartet, diesen verheißenen König zu treffen, aber gewusst haben sie es nicht.

Berufung erkennen und folgen trotz Unklarheit

Und so ist es in unserem Leben oft. Es ist nicht immer klar, dass Gott uns ganz eindeutig sagt: „Geh sicher nach Malawi, mach dort etwas mit Impact für neun Monate, und Stefan ist dein Ansprechpartner.“ So eine klare Berufung haben nur wenige von uns.
Manchmal ist es etwas komplizierter. Manchmal ist es eher ein innerliches Gefühl, das wir auf dem Herzen tragen. Manchmal kommt die Berufung durch gutes Zureden von außen. Und manchmal ist es, wie bei den Sterndeutern aus dem Osten, ein Prozess des Nachdenkens, des Schriftstudiums und des Austauschs mit Freunden oder untereinander.
So entdeckt man schließlich seine Berufung und erkennt, was Gott mit einem vorhat. Lass uns zuhören, wenn Gott dich ruft – das war der erste Punkt.

Gottes Handeln anders als erwartet

Lass uns einmal hören, was passiert, wenn Gott sich uns anders zeigt, als wir es erwarten. Die Hirten auf dem Feld waren vermutlich Teil des jüdischen Volkes. Damals hatten die Juden eine bestimmte Vorstellung davon, wie der verheißene König, der Messias, aussehen sollte.
Er sollte groß, mächtig und kraftvoll sein. Ganz bestimmt hat die große Mehrheit der Leute damals nicht gedacht, dass der Messias in einer einfachen Futterkrippe, abseits von einem kleinen Ort wie Bethlehem, zur Welt kommen würde. Die Engel gaben den Hirten ein Zeichen und sagten ihnen: Zieht los!
Doch dann haben die Hirten Gott ganz anders gesehen und erlebt, als sie es vielleicht vorher gedacht hatten.
Bei den Sterndeutern war es ähnlich. In Matthäus 2 heißt es, dass sie den neugeborenen König der Juden erwarteten. Deshalb landeten sie zuerst im Palast bei Herodes, weil sie dachten: Natürlich muss dieser König der Juden im Palast geboren sein.
Doch wo kamen sie am Ende an? Bei einem Gott, der als kleines Kind in einer Futterkrippe zur Welt kam. Ganz sicher war das ganz anders, als sie es sich vorgestellt und erwartet hatten.

Die Herausforderung, Gott anders zu erleben

Und jetzt stell dir vor, du ziehst los, so wie die Hirten und die Sterndeuter. Du begibst dich auf deinen Weg im Leben und folgst dem vermeintlichen Ruf Gottes – vielleicht nach Deutschland, vielleicht aber auch ins Ausland. Dann erlebst du Gott ganz anders, als du es erwartet hast.
Was wäre, wenn Gott nicht den Vorstellungen in deinem Kopf entspricht? Wenn du das heute wüsstest, wärst du trotzdem bereit zu gehen? Genau diese Erfahrung machen junge Menschen oft als Freiwillige im Ausland. Sie erleben Gott und auch andere Menschen, die Gott erfahren, auf eine ganz neue Weise.
Das Neue entsteht, weil sie sich in einem fremden Umfeld befinden, ihr Zuhause hinter sich gelassen haben und Christen kennenlernen, die ihren Glauben ganz anders leben. Die Sterndeuter hatten einen fürstlichen König erwartet, doch sie fanden ein mildes Kind in der Krippe.
Die Hirten hatten einen machtvollen Befreier von den Römern erwartet, doch sie trafen auf einen demütigen Diener.

Fragen zur Bereitschaft für Gottes Ruf

Drei Fragen möchte ich an dich, an euch stellen: Bist du bereit, Gott zu begegnen, auch wenn er ganz anders ist, als du ihn vielleicht erwartet hättest?
Bist du bereit, einem Gott nachzufolgen, der eben nicht als pompöser König kam, sondern als kleines Kind, der demütig ein Diener wurde? Und bist du bereit, ihm auch dann zu folgen, wenn es bedeutet, dass du, so wie Jesus, anderen Menschen dienst?
Und bist du bereit, die ganze Sache mit einem Gott zu machen, der als der Heiland der Welt auch der Heiland deines Herzens und der Herr deines Lebens sein will?
Wenn du auf alle diese drei Fragen mit einem Ja antwortest oder zumindest bereit bist, über ein Ja nachzudenken, dann bist du vielleicht bei einem freiwilligen Einsatz im Ausland gar nicht so fehl am Platz. Denn dort wird man herausgefordert.
Man wird herausgefordert, Gott anders zu erleben, als man es vielleicht gedacht hätte. Man wird herausgefordert, weil man dient, weil man mit anpackt, manchmal auch im Hintergrund.
Und man wird herausgefordert, weil man merkt, was es bedeutet, wenn Gott tatsächlich der Herr meines ganzen Lebens ist. Dann habe ich nicht mehr den Komfort von zu Hause, meine Freunde und meine Familie sind auf einmal nicht mehr da, und vielleicht sind auch die Lebensumstände, in denen ich lebe, nicht mehr so angenehm wie in Deutschland.

Offenheit für Andersartigkeit und Gemeinschaft

Und zu guter Letzt noch ganz kurz: Lass uns zuhören – denjenigen, die anders sind als ich. Lass uns zuhören und auch ihnen eine Stimme geben, die anders leben, anders denken, anders glauben, einfach anders sind als ich.
Ein kleines Vorstellungsgedankenspiel zum Schluss: Jetzt stellen wir uns mal vor, wie das eigentlich für die Hirten und die Sterndeuter gewesen sein muss, dort in Bethlehem an der Futterkrippe. Die Hirten, einfache Menschen, die sonst nur auf dem Feld lebten, standen plötzlich neben den Sterndeutern. Diese waren höchstwahrscheinlich wohlhabender, edler gekleidet und hatten womöglich auch noch teure Geschenke mitgebracht. Vielleicht kamen sich die Hirten vor wie in einem falschen Film. Also: Ich, so wie ich lebe, und so wie die leben – das hat nichts miteinander zu tun.
Und umgekehrt war es genau dasselbe. Die Sterndeuter lasen sonst Bücher, forschten und studierten. Und auf einmal standen sie zusammen mit ganz einfachen Menschen, die so komplett anders lebten als sie selbst.
Doch das eine, was diese beiden sehr unterschiedlichen Gruppen zusammenbringt, ist das Kind in der Krippe, die Ausrichtung auf Jesus Christus.
Ähnlich erlebt man das auch in einem freiwilligen Einsatz. Man trifft auf Menschen aus anderen Kulturen, die ganz anders sind als man selbst. Aber das, was einen verbindet – über Sprachen und Kulturen hinweg – ist Jesus Christus. Ihr Herr, unser Herr, unser gemeinsamer Herr.

Vertrauen trotz Unsicherheit und Fehlentscheidungen

Was, wenn ich meine persönlichen Sterne falsch lese oder den Engelschor missverstehe? Was, wenn ich vielleicht falsch abbiege und dadurch vermeintlich nicht die Entscheidung treffe, die Gott sich vielleicht überlegt hat?
Ich würde sagen, da können wir uns einigermaßen entspannen. Die Bibel ist voll von Geschichten über Menschen, die an irgendeinem Punkt in ihrem Leben eine Entscheidung getroffen haben, die mindestens fragwürdig war – und Jesus ihnen trotzdem begegnet ist. Gott hatte trotzdem etwas mit ihnen vor.
Die Frau am Brunnen, die Jesus trifft, hat ihre ganze Sehnsucht in Beziehungen gesteckt. Jesus kommt zu ihr und verändert ihr Leben. Oder David, ein Mann nach dem Herzen Gottes, der Ehebruch begeht und sogar Leute umbringen lässt. Gott hat trotzdem etwas aus seinem Leben gemacht und mit ihm gewirkt. Oder Petrus, der manchmal ein bisschen übermütig war und dann doch wieder gescheitert ist – Gott konnte etwas mit ihm anfangen.
Das Gleiche gilt auch für uns. Selbst dann, wenn wir vielleicht den Engelschor nicht hören, keine Zeichen bekommen oder manche Zeichen irgendwie deuten, uns dabei nicht ganz sicher sind: Gott hat einen Plan mit unserem Leben. Er hat einen Plan mit eurem Leben.
Bei einem freiwilligen Einsatz lernen wir wieder neu, von Gott und mit Gott zu leben. Wir lernen von Menschen aus anderen Kulturen, wer dieses Kind in der Krippe ist – wer dieser Jesus ist. Amen.