Serie•Teil 3 / 7So hat alles begonnen
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Die Schöpfung als Auftakt einer großen Geschichte
Zuerst möchte ich nun mit uns den Text lesen, diesen Abschnitt aus 1. Mose 2,4ff.
Dies ist die Geschichte der Entstehung von Himmel und Erde, so hat Gott sie geschaffen. Es gab zunächst noch kein Gras und keinen Busch in der Steppe, denn Gott hatte es noch nicht regnen lassen. Es war auch noch niemand da, der das Land bearbeiten konnte. Nur aus der Erde stieg Wasser auf und drängte den Boden.
Dann nahm Gott der Herr Staub von der Erde, formte daraus den Menschen und blies ihm den Lebensatem in die Nase. So wurde der Mensch ein lebendes Wesen. Dann legte Gott im Osten, in der Landschaft Eden, einen Garten an. Er ließ aus der Erde alle Arten von Bäumen wachsen. Es waren prächtige Bäume, und ihre Früchte schmeckten gut. Dorthin brachte Gott den Menschen, den er gemacht hatte.
In der Mitte des Gartens wuchsen zwei besondere Bäume: der Baum des Lebens, dessen Früchte Unsterblichkeit schenken, und der Baum der Erkenntnis, dessen Früchte das Wissen verleihen, was für den Menschen gut und was für den Menschen schlecht ist. Diesen Abschnitt mit den Bäumen werden wir dann im nächsten Teil der Predigtreihe genauer betrachten.
In Eden entspringt ein Strom. Er bewässert den Garten und teilt sich dann in vier Ströme. Der erste heißt Pischon. Er fließt rund um das Land Havila, wo es Gold gibt. Das Gold dieses Landes ist ganz rein. Außerdem gibt es dort kostbares Harz und den Edelstein Karneol. Der zweite Strom heißt Gihon. Er fließt rund um das Land Kusch. Der dritte Strom, der Tigris, fließt östlich von Assur. Der vierte Strom ist der Euphrat.
Gott brachte also den Menschen in den Garten Eden. Er übertrug ihm die Aufgabe, den Garten zu pflegen und zu schützen. Weiterhin sagte er zu ihm: Du darfst von allen Bäumen des Gartens essen, nur nicht von dem Baum der Erkenntnis, sonst musst du sterben.
Gott dachte: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist. Ich will ein Wesen schaffen, das ihm hilft und das zu ihm passt. So formte Gott aus Erde die Tiere des Feldes und die Vögel. Dann brachte er sie zu dem Menschen, um zu sehen, wie er jedes einzelne nennen würde, denn so sollten sie heißen. Der Mensch gab dem Vieh, den wilden Tieren und den Vögeln ihren Namen. Doch unter allen Tieren fand sich keines, das ihm helfen konnte und zu ihm passte.
Da versetzte Gott der Herr den Menschen in einen tiefen Schlaf, nahm eine seiner Rippen heraus und füllte die Stelle mit Fleisch. Aus der Rippe machte er eine Frau und brachte sie zu dem Menschen. Der freute sich und rief: Endlich, sie ist eine wie ich, sie gehört zu mir, denn von mir ist sie genommen.
Deshalb verlässt ein Mann Vater und Mutter, um mit seiner Frau zu leben. Die zwei sind dann eins, mit Leib und Seele. Die beiden waren nackt, aber sie schämten sich nicht voreinander.
Soweit der Text.
Sie werden nicht alle Bereiche genau betrachten, dazu haben wir einfach nicht die Zeit. Das gäbe fast ein Seminar für sich, denn diese Kapitel beinhalten so viel.
Der Streit um die Herkunft der biblischen Texte
Nun, im 18. Jahrhundert begann der Siegeszug der historisch-kritischen Methode in der Theologie. Sie veränderte das Denken über die biblischen Texte fundamental.
Das 18. und 19. Jahrhundert waren geistesgeschichtlich gesehen Jahrhunderte, in denen tiefgreifende Veränderungen stattfanden. Denken wir nur an die Aufklärung und an die Theorien Darwins. Es war geistesgeschichtlich eine Zeit des Umbruchs und eine Zeit des Aufbruchs.
Vor dem 18. Jahrhundert war ziemlich unbestritten, dass Mose die ersten fünf Bücher der Bibel geschrieben hatte. Je länger, je mehr wich man im Laufe der Entwicklung von dieser Sicht ab. Man vermutete verschiedene Verfasser, verschiedene Traditionen und verschiedene Theologien, die in diesen Büchern miteinander verwoben worden seien.
So, als würde man einen Kuchen backen: Man schmeisst Mehl hinein, Zucker, Backpulver, und dann wird alles durchmischt. Genau so stellte man sich das vor. Verschiedene Theologien, verschiedenes Gedankengut und verschiedene Vorstellungen über Gott seien zusammengeworfen und miteinander vermischt worden.
Die Bibel war in den Augen der Forscher nicht mehr Gottes Offenbarung an uns Menschen. Vielmehr sahen sie in der Bibel eine Art menschliche Überlieferung, die fehlerhaft und durch fehlbare Menschen verfasst worden sei. Die Bibel sagte für sie mehr darüber aus, wie diese Menschen über Gott dachten. Sie gab in ihren Augen kein klares Bild über den lebendigen Gott, wenn sie überhaupt noch an einen Gott glaubten, sondern nur darüber, was Menschen über Gott dachten.
Einen Höhepunkt in dieser Entwicklung bildete Julius Wellhausen, der im 19. Jahrhundert geboren wurde und 1918 starb. Dieser hoch angesehene Theologieprofessor krempelte die ganze Geschichte Israels um. Man könnte das als eine kopernikanische Wende in der Alttestamenttheologie bezeichnen, nur mit dem wesentlichen Unterschied, dass Kopernikus die Wirklichkeit ans Licht brachte, während Wellhausen die Wirklichkeit verschleierte und wegschrieb.
Das ist übrigens bis heute so: Seine Meinung, oder besser gesagt die Essenz dessen, was er gesagt hat, wird heute noch ernst genommen. Er richtete mit seiner Umkrempelung der Geschichte Israels einen irreparablen Schaden im theologischen Denken der heutigen Zeit an.
Er behauptete, Israel sei nie wirklich in Ägypten gewesen, und auch die Wüstenwanderung habe nicht, wie in der Bibel beschrieben, stattgefunden. Das Volk Israel sei durch einen ganz anderen Prozess zu einem Volk zusammengeschmolzen. Die Geschichte, die im Alten Testament aufgeschrieben worden sei, sei viel später aufgeschrieben worden und vor allem erfunden. Sie habe nie stattgefunden.
Das ist generell etwas, was wir heute in der Theologie antreffen. Auch wenn man jetzt nicht mehr von diesen ganzen Dingen so existenziell ausgeht, geht man grundsätzlich eigentlich mit dem Wort so um, dass man sagt: Es ist nicht wesentlich, ob das geschehen ist oder nicht. Man nimmt die Historizität der Bibel nicht ernst, und wer die Historizität der Bibel nicht ernst nimmt, der macht alles kaputt. Denn wenn das nicht stimmt, was die Bibel berichtet, dann basiert unser Glaube auf nichts, auf Menschengedanken, nicht auf dem Fundament Gottes.
Er krempelte also alles um und erklärte es so: Als Israel vom babylonischen Reich durch Nebukadnezar verschleppt wurde und in Babylon lebte, brauchte Israel, um zu überleben, eine Identität, eine Geschichte. Und so haben sich Leute hingesetzt und die Geschichte Israels geschrieben, damit das Volk zusammenbleibt und eine Identität hat.
Man kann das übrigens sehr gut vergleichen mit etwas, das für uns aktuell als Schweizer von Bedeutung ist: mit Wilhelm Tell. Wir spielen doch überall den Wilhelm Tell als unser Epos der Schweizer Geschichte. Geschrieben hat das ein Deutscher, also kein Eidgenosse. Soweit ich weiss, war er noch nie in der Schweiz, und wir feiern praktisch das, als wäre es unsere eigene Geschichte.
Und so ähnlich hat sich das Wellhausen gedacht und vorgestellt: dass sich hier das Volk Israel eine Identität geschaffen habe und deshalb als Volk überlebte.
Dieses Denken in der Theologie setzte sich später im Neuen Testament fort. Dort behauptet man analog, dass wir in den Evangelien nicht Jesus kennenlernen würden, der damals wirklich gelebt hatte, sondern dass wir in den Evangelien den Jesus finden, so wie ihn die ersten Christen gedacht hätten. Denn weil Jesus nicht so schnell gekommen ist, wie man hoffte, mussten praktisch einige beginnen, das aufzuschreiben. Und die haben dann ein Bild von Jesus geschaffen, wie ihn die Gemeinde interpretiert hat, nicht wie er wirklich gelebt hat.
Und in der Theologie, wenn ihr heute hört, und ich finde es wichtig, dass wir als Christen das auch wissen und nicht immer so einfach von dem bösen Theologen sprechen, müssen wir auch ein bisschen verstehen, wie man heute denkt und wie in der Theologie gedacht wird. Wenn man von historischem Jesus spricht, dann sage ich: Dann lese ich in der Bibel, im Neuen Testament, und begegne dem historischen Jesus. Ein kritischer Theologe sagt: Wenn ich den historischen Jesus finden will, dann lese ich nicht in der Bibel, sondern gehe nach Israel und suche, ob ich da irgendwo Knochen oder irgendetwas finde von Jesus.
Das Denken, das im Alten Testament begonnen hat, ist ins Neue Testament übergeschwappt und hat auch dort alles zerstört, so dass heute die Leute ganz einfach, ganz locker sagen: Ja, die Bibel ist voller Fehler, und es ist alles falsch. Es sind fehlbare Menschen, und jeder glaubt das unbesehen. Einfach wäre das vielleicht, wenn einige intelligente Leute so behaupten.
Dieser Umgang mit der Offenbarung Gottes hat sich, wie Sie sich vorstellen können, verheerend auf das christliche Abendland ausgewirkt.
Warum diese Fragen für den Predigttext wichtig sind
Vielleicht fragen Sie sich mittlerweile, warum ich Ihnen das heute bei diesem Thema erzähle. Wir beschäftigen uns doch mit dem ersten Paar, also mit der Schilderung im Paradies.
Ich erzähle Ihnen das heute Morgen, weil man das bei einer Predigt über diesen Text nicht außer Acht lassen kann. Genau in diesen ersten beiden Kapiteln der Bibel hat sich die ganze Bibelkritik entzündet. Dort wurden die Grundlagen gelegt. Deshalb muss ich einiges dazu sagen. Ich kann gar nicht anders, als Sie auf manches hinzuweisen. Ich stelle nämlich fest, dass gutgläubige Christen, die die Bibel ernst nehmen, oft hilflos dastehen, wenn sie diese Kritik hören. Sie wissen dann gar nicht, was sie entgegnen sollen. Die Argumente, die uns gebracht werden, sind ja nicht alle dumm. Aber uns fehlen dann oft die Gegenargumente.
Deshalb muss ich zuerst zwei Vorbemerkungen machen. Die erste Vorbemerkung lautet: Wir haben es mit zwei verschiedenen Schöpfungsberichten zu tun.
1751 veröffentlichte der Arzt Jean Astruc ein Buch, in dem er die Konzeption der fünf Bücher Mose deutete. Er meinte, verschiedene Quellen entdeckt zu haben. Er stellte sich das so vor, als hätte man einen gebackenen Kuchen vor sich, den man auseinandernehmen kann, um dann die verschiedenen Bestandteile zu finden. Quelle A und B nannte er sie. Er definierte sie anhand des Gebrauchs der Gottesnamen im Alten Testament. Es sind die beiden Namen Elohim und Jahwe.
Elohim ist der Name für Gott, also ein allgemeiner Name. Wenn ich Gott bezeichnen will, ohne zu sagen, welchen Gott ich explizit meine, dann sage ich Elohim. Das ist so, als würde man sagen: Ich glaube an Gott. Dann weiß ich aber noch nicht, an welchen. Das ist Elohim.
Dann gibt es den Begriff Jahwe. Das ist der Eigenname Gottes. Immer wenn im Alten Testament Jahwe steht, ich zeige euch noch, wie ihr das entdecken könnt, und ihr könnt das auch bei gewissen deutschen Übersetzungen erkennen, dann wissen wir: Das ist der Gott des Volkes Israel, der Schöpfer des Himmels und der Erde. Das ist der Eigenname Gottes. Das ist etwas ganz Wichtiges.
Später bezeichnete man diese Quellen als Eloist und Javist, Quelle E und Quelle J. Wenn ihr einmal in einem kritischen Kommentar lest, dann seht ihr den Hinweis E und J. Das sind dann diese Quellen. Aber ich lasse das jetzt. Es darf nicht zu kompliziert werden, ich muss ja noch zum Text kommen.
Nun wird bei unseren Texten im Siebentagebericht, den wir ja schon miteinander betrachtet hatten, immer Elohim verwendet. Es heißt dort: Elohim sprach, Gott sprach. Nie Jahwe, nur immer Elohim. Das ist der Siebentagebericht.
Hingegen wird der Bericht über das Paradies, also der Abschnitt, den wir heute betrachten, in diesem Abschnitt immer von Jahwe gesprochen. Deshalb sagen diese Leute: Das sind zwei verschiedene Überlieferungen. Sie sagen, es seien zwei verschiedene Traditionen der Überlieferung, zwei verschiedene Schöpfungsberichte. Der eine ist eben der Eloist, der Elohim schreibt, und der andere ist der Javist, der Jahwe schreibt. Die Paradies-Schilderung.
Oberflächlich mag das vielleicht einleuchten. Aber wenn wir genauer hinschauen, ist es bis heute nicht fassbar und nicht begreifbar, dass so hochintelligente Leute das nicht durchschaut haben und dass man anhand dieses Arguments eine solche Revolution, eine solche Zerstörung des Wortes vorgenommen hat. Das kann nur das Werk des Widersachers Gottes sein. Es ist nämlich eine irreführende Theorie.
Beim Laien wird nämlich der Eindruck erweckt, dass im ersten Bericht nur Elohim verwendet wird, was auch richtig ist, und im zweiten Bericht nur Jahwe, was falsch ist. Es wird eben nicht nur Jahwe verwendet. Im Bericht über das Paradies wird nämlich genauso oft Elohim wie Jahwe erwähnt. Leider wird das in der Gute-Nachricht-Übersetzung nicht ersichtlich, aber bei Luther kann man das noch erkennen.
In der deutschen Übersetzung heißt es: Es war zur Zeit, da Gott, Elohim, der Herr, Jahwe, Erde und Himmel machte. Voilà! Es ist so absolut einfach. Jahwe steht nie allein, es wird immer definiert: Elohim, der Gott, der die Welt erschaffen hat, ist Jahwe.
Wir sprechen in der Theologie von einer fortschreitenden Offenbarung. Im Siebentagebericht steht Gott am Anfang: Elohim sprach und schuf. Und in der Paradies-Schilderung wird jetzt noch spezifiziert: Dieser Elohim, der die Welt erschaffen hat, ist Jahwe, der Gott Israels.
Und ihr könnt in der Lutherübersetzung 84 sehen: Steht Herr, wenn es mit Großbuchstaben geschrieben ist, immer für Jahwe im Hebräischen. Wenn es mit Kleinbuchstaben geschrieben ist, steht im Hebräischen Adonai. Und wenn Gott steht, steht Elohim. Das ist eigentlich ganz einfach. In der Lutherübersetzung kann man das gut erkennen.
Ihr könnt diesen Bericht noch einmal durchlesen, den ich heute mit euch betrachte. Ihr werdet immer sehen: Gott der Herr, Elohim, Jahwe. Wenn man das nicht weiß, ist man aufgeschmissen. Man muss das denen fast glauben. Aber wenn man es einmal sieht, dann sieht man, wie wenig Fundament diese Theorie hat. Es ist einfach schlicht und ergreifend eine fortschreitende Offenbarung.
Wir haben es hier also nicht mit zwei verschiedenen Überlieferungen zu tun, sondern mit einer fortschreitenden Offenbarung. Im Bericht über die Schaffung der Welt wird von Elohim gesprochen. Und bei der Erzählung über das Paradies macht der Schreiber deutlich, dass Elohim, der die Welt erschaffen hat, in sieben Tagen Jahwe ist, der die Geschichte mit dem Menschen beginnt.
So einfach ist das eigentlich.
Die Frage nach scheinbaren Widersprüchen
Gibt es tatsächlich Widersprüche zwischen diesen beiden Berichten? Die These, dass es sich bei diesen beiden Erzählungen um zwei unabhängige Überlieferungen handelt, wird unter anderem dadurch begründet, dass man auf verschiedene Widersprüche hinweist. Die zwei hauptsächlichen möchte ich euch da nennen.
Gemäß der Schilderung vom Paradies schuf Gott zuerst den Menschen und ließ danach erst die verschiedenen Pflanzen wachsen. Im Sieben-Tage-Bericht wurden die Pflanzen an welchem Tag gemacht? Repetition vom letzten Mal. Ich weiß auch nicht, ob ich es wüsste, wenn ich jetzt so gerade gefragt würde: An welchem Tag? Vier, vier, vier, drei. Am dritten Tag wurden die Pflanzenwelt geschaffen.
Dazu kann man Folgendes sagen: Es handelt sich hier um die Anlage des Paradieses, die hier geschildert wird. Es wird vom Garten Eden gesprochen, in den Adam hineingesetzt wurde. Gott gestaltet hier einen speziellen Lebensraum für den Menschen. Zudem wird auch nicht gesagt, dass die Pflanzen erschaffen wurden, sondern es wird gesagt, dass das Wasser die Pflanzen aufgehen ließ.
Kommen wir zum zweiten Widerspruch. Hier geht es um die Erschaffung der Tiere. Hier scheint ebenfalls die Reihenfolge vertauscht. Gemäß dem Sieben-Tage-Bericht wurde zuerst das Landtier geschaffen und nachher der Mensch. Und nun erweckt diese Erzählung den Eindruck, als wäre zuerst der Mensch und nachher die Tiere erschaffen worden.
Die Gute Nachricht beschreibt das folgendermaßen: Und Gott, der Herr, so formte Gott aus Erde eben die gute Nachricht schreibt nur Gott aus Erde die Tiere des Feldes und die Vögel, dann brachte er sie zu dem Menschen, um zu sehen, wie er jedes einzelne nennen würde, denn so sollte es heißen.
Und Luther übersetzte Folgendes: Und Gott, der Herr, machte aus Erde alle die Tiere auf dem Felde und alle die Vögel unter dem Himmel und brachte sie zu dem Menschen, dass er sähe, wie er sie nannte. Denn wie der Mensch jedes Tier nennt, würde so sollte es heißen.
Also erweckt es den Eindruck, dass zuerst der Mensch geschaffen wurde, dann schuf Gott die Tiere und brachte sie zu Adam, oder? Das erweckt den Eindruck.
Und jetzt soll mir niemand kommen und sagen: Ja, ich gucke jetzt in meine Elberfelder rein, die übersetzt das bestimmt richtig. Fehlermeldung. Sie übersetzt es auch nicht richtig, in meinen Augen nicht verständlich genug. Und es ärgert mich, muss ich euch ganz offen sagen, dass ich bis jetzt noch keine deutsche Übersetzung gefunden habe, die das korrekt übersetzt, sodass die Missverständnisse ausgeschaltet werden.
Die Idee, die ich euch jetzt weitergebe, wie das übersetzt werden muss, stammt nicht von mir. Ich schätze mich sprachlich nicht so hoch ein, dass ich so etwas wagen würde. Aber es ist so, dass man sagen kann, es gibt eine andere, korrekte, sprachlich korrekte Übersetzung, die nicht falsch ist. Auch die Übersetzung, die wir hier haben, ist nicht in dem Sinne falsch. Man kann es vom Grundtext her so übersetzen, aber man kann es vom Grundtext her auch ganz anders übersetzen, und es ist ebenfalls richtig.
Die Re stammt also nicht von mir, sondern von einem hervorragenden Ausleger, der die hebräische Sprache beherrscht, vermutlich wie kaum jemand seiner Zeit sie beherrschte. Es würde zu weit führen, wenn ich euch das jetzt erklären würde. Das mache ich manchmal in Kursen, weshalb man korrekt anders übersetzen kann. Jetzt ist leider Andreas Sümannk nicht da. Ihr könnt ihn mal darauf ansprechen, oder ihr könnt auch mich darauf ansprechen. Es hat mit der Eigenart der hebräischen Sprache zu tun.
Es ist Karl Friedrich Keil, der den Vorschlag macht, dass man diesen Vers folgendermaßen übersetzen muss: Und der Herr brachte die Tiere, die er gebildet hatte, zu Adam. Das ist die korrekte Übersetzung, die jedes Missverständnis ausschließt. War es zu schnell? Und Gott, der Herr, brachte die Tiere, die er gebildet hatte, zu Adam. Die waren schon geschaffen.
Das ist, wie wenn ich zu jemandem auf Besuch gehe. Und dann essen wir, und am Schluss kommt noch der Dessert, und der Mann oder die Frau geht in die Küche, holt den Dessert, den sie schon vorher gemacht hat. Und so ist das mit den Tieren. Die Tiere wurden gebracht, die Gott bereits gemacht hatte. Das ist eine völlig korrekte, richtige Übersetzung.
Es handelt sich hier in dieser Art der Erzählung nicht in erster Linie um eine Abfolge, sondern im Zentrum dieser Aussage oder dieser ganzen Erzählung steht eigentlich der Mensch und der Beginn der Menschheitsgeschichte. Wichtig an dieser Aussage ist dem Autor lediglich, nochmals zu betonen, dass die Tiere von Gott geschaffen wurden. Es geht ihm nicht um den Zeitpunkt, um keine Reihenfolge.
Bei der Erzählung über das Paradies wird wie mit einer Lupe genauer auf den sechsten Schöpfungstag geschaut, noch präziser: Der Bericht konzentriert sich auf die Erschaffung des Menschen und seines Umfeldes. Da, wo die Menschheitsgeschichte beginnt, da setzt dieser Bericht ein. Es ist eine Eigenart, auch im hebräischen Denken, dass man Dinge zweimal erzählt, mit einem anderen Blickwinkel, der sich nicht widerspricht. Alles, was hier berichtet wird, dreht sich um den Menschen. Es gibt also keinerlei Gründe, hier Widersprüchlichkeiten zu suchen.
Natürlich kann ich, wenn ich es einfach nicht gelten lassen will, dass es einen Schöpfer gibt und die Bibel die Offenbarung Gottes ist, scheinbare Widersprüche aufzeigen. Aber glauben Sie mir, sie halten einer genauen Prüfung nicht stand. Die meisten Übersetzer teilen die Meinung, dass es sich um zwei verschiedene Traditionen handelt. Deshalb sind sie gar nicht motiviert, wenn sie das übersetzen, das so zu übersetzen, dass die Widersprüchlichkeiten schon durch die Übersetzung hinfällig sind, weil sie ja der tiefen Überzeugung sind, das sind zwei verschiedene Traditionen, und sie möchten das Bild erhalten in der Übersetzung, obwohl man es ganz korrekt anders übersetzen kann.
Das muss ich euch einfach sagen: Die zwei Sachen finde ich so relevant, und das hat in unserem Denken heute so massive Spuren hinterlassen, dass ich denke, dass wir auch als Freikirchler auch einmal wissen müssen, wie das ungefähr funktioniert. Das ist ja nur ein bisschen Ansatz. Aber kommen wir jetzt zu unserem Inhalt noch.
Der Mensch im Mittelpunkt der Schöpfung
Unser Blick wird jetzt voll und ganz auf den Menschen gerichtet. Der Mensch und sein Umfeld bilden das Zentrum der Erzählung. Der sechste Schöpfungstag wird uns gewissermassen detailliert präsentiert: Da nahm Gott der Herr Staub von der Erde, formte daraus den Menschen und blies ihm den Lebensatem in die Nase. So wurde der Mensch ein lebendes Wesen.
Übrigens steckt auch hier ein Gedanke, der mit der Ebenbildlichkeit Gottes zusammenhängen kann: dass der Mensch das einzige Wesen ist, das den Atem Gottes in diesem Sinn bekommen hat, also auf Ewigkeit programmiert wurde, von Anfang an. Einmal mehr wird hier deutlich, wie Gott sich in besonderer Weise der Schöpfung des Menschen widmete.
Nun könnte man natürlich fragen: Wie alt war Adam, als er geschaffen wurde? Wie alt war er? Achtzehn? Nein, wie alt war Adam, als er geschaffen wurde? Null. Wie gross war er? Er war erwachsen, er war kein Säugling. Als Säugling hätte er gar nicht überleben können. Gott schuf Adam als Erwachsenen, so stelle ich mir das wenigstens vor.
Aber er war allein, der einzige Mensch auf dieser grossen Erde. Nicht wie einige meinen, Gott hätte gleichzeitig einige Menschen, Menschenscharen, geschaffen. Das ist auch eine Überzeugung, die viele vertreten. Es war tatsächlich nur Adam. Das bezeugte sogar Paulus in Athen: Aus einem einzigen Menschen hat er alle Völker hervorgehen lassen. Das ist eine tiefe biblische Überzeugung.
Adam war ganz allein, als ihm die Tiere vorgeführt wurden und er ihnen Namen zuteilte. Ihm begegnet kein ebenbürtiges Gegenüber. Und wenn wir davon ausgehen, dass ihm vielleicht sogar ein Affe vorgeführt wurde und er ihm den Namen Affe gegeben hat, müssen wir doch zur Kenntnis nehmen, dass er im Affen nicht seinesgleichen entdeckte. Sagt er sein Affe, oder? Ich weiss nicht, ob er dann beleidigt war mit dem Namen, aber das war dann halt ein Affe. Er hat nicht seinesgleichen entdeckt.
Und Gott fand nicht gut, dass der Mensch allein bleibt, so kann er sich ja auch nicht vermehren. Gott dachte daher: Es ist nicht gut, dass der Mensch so allein ist. Ich will ein Wesen schaffen, das ihm hilft und zu ihm passt. Er wollte also dem Adam ein Gegenüber schaffen.
Wie das vor sich ging, wird ebenfalls beschrieben: Da versetzte Gott der Herr den Menschen in einen tiefen Schlaf, nahm eine seiner Rippen heraus und füllte die Stelle mit Fleisch. Aus der Rippe machte er eine Frau und brachte sie zu dem Menschen. Wie genau das funktioniert, kann ich euch nicht erklären. Es gibt Leute, die können das. Aber eines wissen wir ja mittlerweile sehr gut: dass in der Rippe des Adams der genetische Code vorhanden war, um etwas Ähnliches zu bauen. Das wissen wir ja heute. Heute fehlt es ja gar nicht an all diesen Dingen, wenn man ein bisschen nur eine Ahnung hat, wie der Mensch aufgebaut ist, rein die ganzen Informationen von einem Menschen, die in einer Zelle vorhanden sind. Es war alles gespeichert, um ein ähnliches Wesen zu schaffen.
Es gibt Leute, die das sehr anzweifeln. Sie meinen, sie hätten ein ausgezeichnetes Argument dagegen, dass das nicht stimmen kann, weil sie sagen: Wenn Gott dem Adam eine Rippe genommen hat, warum hat denn der Mann heute gleich viele Rippen wie die Frau? Komisch, oder? Dem müssten ja die Männer eine Rippe fehlen.
Das hat auch ein Arzt mit einem Patienten ins Gespräch gebracht und ihm das gesagt. Ja, der Arzt hat dieses Argument hervorgebracht: Wenn das wirklich so gewesen wäre, dann hätten ja die Männer heute andere Rippen, weniger Rippen als die Frauen. Und dann sagte der Patient, du weisst es vermutlich, dann sagte der Patient ihm: Aber Herr Doktor, wie ist es dann, wenn Sie einem Patienten ein Bein amputieren müssen und er bekommt dann Kinder? Haben die dann auch nur noch ein Bein? Nein, sie haben zwei Beine. Das heisst also nicht, wenn Gott aus dem vollkommenen Menschen etwas herausnimmt, dass es dann beim Nächsten nicht mehr vorhanden ist. Das leuchtet hier ein, oder?
Nun, Eva war geschaffen, und Adam erwachte und war überrascht, was er sah. Er freute sich und rief: „Endlich, sie ist eine wie ich, sie gehört zu mir, denn von mir ist sie genommen.“ Was ich da faszinierend finde, ist, dass das bei Männern bis heute so ist, wenn sie eine Frau sehen. Da leuchten die Augen und dann: „Ah, sie ist’s.“ Das ist doch so. Männer reagieren heute noch wie Adam, wenn sie eine Frau sehen, die ihnen gefällt. Das ist mein, die muss ich haben. So ist das seit Schöpfung her.
Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist. Gott schuf uns als Wesen, die in Gemeinschaft leben. Wir sind eben Bilder Gottes auch in dieser Hinsicht. Gott selbst lebt in Gemeinschaft. Es gibt Menschen, die ziehen sich vermutlich aus Enttäuschung und Verletzungen von Menschen zurück, und sie leben viel lieber mit Tieren. Das hört man oft: Ja, ich habe viel erlebt, ich habe mich noch nie enttäuscht. Doch wer sich von den Menschen zurückzieht, der wird über kurz oder lang innerlich verkümmern. Er wird einsam werden.
Es ist nicht gut, wenn der Mensch allein ist. Das gilt auch für Menschen, die nicht verheiratet sind. Gemeinschaft kann man auch mit anderen Menschen pflegen. Ohne Gemeinschaft geht es nicht wirklich, so hat sich Gott das Leben nicht gedacht. Leben kann deshalb nur in Gemeinschaft funktionieren.
Noch der nächste und letzte Punkt: Nun lebt das erste Paar auf der Erde. Ehrlich gesagt hätte ich gern zugeschaut. Schade, gab es damals keine versteckten Kameras. Das wäre vermutlich der begehrteste Film, den wir ansehen würden. Die ersten Menschen allein auf der Erde – wäre nur schon interessant, was sie gedacht haben. Plötzlich sind sie da, der Adam bekommt eine Eva, dann hat es noch ein paar Tiere, die herumrennen, ein paar schöne Bäume und Pflanzen, und was machen wir jetzt?
Gott sagt ihnen nun, in welchen Regeln sich das Leben der Menschen gestalten wird, wie das Verhältnis zwischen Mann und Frau sein wird. Deshalb verlässt ein Mann Vater und Mutter, um mit seiner Frau zu leben. Die zwei sind dann eins mit Leib und Seele. Ein Mann verlässt seine Eltern und lebt mit seiner Frau zusammen. Übrigens ein wichtiger Teil in der Paarbeziehung. Ich bin überzeugt, dass das Verlassen der Eltern nicht nur eine äusserliche Tat ist, vielmehr handelt es sich um eine innerliche Entwicklung. Die Männer und Frauen entziehen sich, wenn sie zusammenkommen, dem Einfluss ihrer Eltern. Sie müssen das, weil sie etwas Neues werden, und die Eltern müssen sich zurücknehmen.
Nicht, dass die Eltern nichts mehr zu sagen dürfen. Aber Eltern dürfen nicht in die Beziehung dieses neuen Paares hineinfunken. Es gibt verschiedene Ehen, die auseinandergingen, weil Familien ständig in diese Beziehung hineingefunkt haben. Durch die enge Verbindung von Mann und Frau entsteht eigentlich ein neues Wesen. Die Beziehung ist von einer tiefen Intimität geprägt. Zwei Menschen schmelzen wie zu einer Persönlichkeit zusammen, die zwei sind eins mit Leib und Seele.
Wenn zwei Menschen zusammenfinden, entsteht etwas ganz Neues. Das ist auch bei euch vor zwei Wochen, jetzt seid ihr, nach einer Hochzeit kann man es am besten begreifen, dass man einfach etwas Neues ist. Man verschmilzt wie ineinander. Und deshalb sagte Jesus: Sie sind also nicht mehr zwei, sondern sie sind ein Leib. Das sagt Jesus, stellt euch das vor: Sie sind ein Leib, eine neue Persönlichkeit aus zwei Menschen. Darum, was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht trennen.
Jesus war sich, als er das sagte, dessen bewusst, wie schlimm es um jene in jener Zeit stand. Gerade deshalb, weil sie Scheidungen einfach normal und selbstverständlich fanden, erinnert sie Jesus daran, wie sich Gott das eigentlich gedacht hatte. Wir denken ja immer, früher war alles besser. Stimmt gar nicht. Früher war nicht alles besser. Das meinen wir nur immer. Das meinen schon Menschen, seit sie leben: Immer früher war es besser, immer besser. Nein, früher war es nicht besser.
In Israel war es ganz schlimm, stand es ganz schlimm um die Ehe. Denken wir nur an den Ausspruch der Jünger, als Jesus sagte, man sollte sich von einer Frau nicht trennen. Was sagten die Jünger? Was war die Reaktion der Jünger? Wie? Ja, dann heiraten wir lieber nicht, wenn ich die Frau nicht wegschicken kann. Das war die Reaktion der Jünger von Jesus. Das zeigt, wie desolat der Zustand der Gesellschaft dort war in Bezug auf die Ehen und im Denken über die eheliche Gemeinschaft. Also Jesus hat das ganz bewusst in so eine Gesellschaft hineingesagt, die ähnlich tickte und ähnlich funktionierte wie wir.
Mir ist auch klar, dass es ganz schwierige Partnerschaften gibt und wohl kaum jemand freudig in eine Scheidung hineingegangen ist. Ich möchte auch über niemanden, der geschieden ist, ein Urteil sprechen. Zuerst bin ich einfach mal dankbar, dass uns in meiner Ehe das nicht passiert ist. Es hätte auch bei mir anders kommen können. Ich bin einfach dankbar und nicht stolz darauf.
Wichtig ist jedoch, dass wir mit unserer Lebensgeschichte ehrlich umgehen und das, was wir falsch gemacht haben, mit Gott klären. Wenn wir dem, wie sich Gott unser Leben wünscht, nicht entsprechen, dann neigen wir als Menschen dazu, die Ordnungen Gottes zu verändern, zu sagen: Ja, er hat das nicht so eng gesehen, das kann man noch so oder so sehen. Wir werden dann übrigens sehr clever, sehr hochtheologisch und raffiniert. Wir finden dann die verrücktesten Dinge heraus, die noch niemand herausgefunden hat. Wir versuchen, unser falsches Verhalten zu rechtfertigen, indem wir Gottes Ordnungen abändern. Clever wird das auch hinbringen. Das ist aber der falsche Weg.
Der richtige Weg ist, wenn wir Gott unser Fehlverhalten und unsere Unzulänglichkeit bekennen. Wenn wir seinen Ordnungen und Vorstellungen rechtgeben und uns darunter beugen, aus welchen Gründen wir auch immer gegen seine Ordnung verstossen sind, so wird ein erstaunlicher Neubeginn im Leben möglich. Aber nur so, wenn wir uns beugen und die Ordnungen Gottes anerkennen. Das, was schief gelaufen ist, ist schief gelaufen. Wir können das Rad nicht zurückdrehen, aber wir können ehrlich mit dem umgehen, was in der Vergangenheit mit uns geschehen ist und was wir getan haben.
Und genau das sagt Jesus hier. Er macht diesen Menschen deutlich, dass sich Gottes Ordnungen, wie sie seit der Schöpfung bestehen, nicht verändert haben und ihre Gültigkeit nicht verloren haben, nur weil sie sich in Israel nicht daran halten. Diese Ordnung gilt immer noch, selbst wenn Israel das ganz anders geregelt hat.
Ein Weg, um einem Zerbruch der Ehe vorzubeugen, ist die Schaffung und Erhaltung der Intimität in der Ehe. Jedes Ehepaar ist herausgefordert, darauf Acht zu geben, sich nicht fremd zu werden, sich nicht voneinander zu entfremden. Schnell lebt man sich in gewissen Lebensphasen auseinander, lebt plötzlich aneinander vorbei, und die nötige und wichtige Intimität geht verloren. Und damit verbunden wächst die Wahrscheinlichkeit eines Zerbruchs der Beziehung.
In der Ehe muss sich jeder dafür einsetzen, diese Entwicklung zu vermeiden. Jeder ist aufgefordert, seinen Beitrag zu leisten, dass die Beziehung einzigartig bleibt und von einer besonderen Intimität geprägt ist. Das hält uns zusammen: die Einzigartigkeit und die besondere Intimität. Die Intimität in einer Ehe kann erhalten werden, wenn jeder seinen Partner ernst nimmt und sich dafür interessiert, was ihn beschäftigt. Intimität entsteht dort, wo Menschen voneinander wissen, dass nur sie zusammengehören. Menschen, die es nicht zulassen, dass sich jemand anders, seien es die Kinder, seien es die Eltern oder seien es andere Menschen, in diese Intimität hineinbegeben.
Intimität wird nicht geschaffen, wenn ich erwarte, dass mein Partner sich ganz und gar um mich kümmert und mir meine Wünsche von den Augen abliest, aber ich selber beschäftige mich nicht mit ihm. Gott ist diese Intimität so wichtig, dass er später anordnete, dass, wenn ein Mann heiratet, er für ein Jahr nicht ins Militär muss. Das finde ich super. Ich meine, finde ich eh super, wenn man nicht ins Militär muss. Auf diesen Part in meinem Leben hätte ich auch verzichten können. Er muss nicht ins Militär. Israel war ja viel im Krieg. Wenn er geheiratet hat, konnte er nach Hause gehen. Er soll sich ungestört seiner Frau widmen können. Damit eben diese Intimität entsteht, damit die zwei wirklich zusammenwachsen. Nach einem Jahr musste er dann leider gehen, aber immerhin ein Jahr Aufschub.
Intimität entsteht da, wo sich zwei Menschen einander verschenken. Dort geschieht die Verschmelzung. So hatte sich Gott das von Anbeginn der Schöpfung gedacht. Als Adam und Eva alleine auf der Erde lebten, war das natürlich noch einfacher. Nicht nur, weil sie alleine waren, sondern weil die Sünde noch nicht wirksam war. Es war die Zeit der Unschuld. Die beiden waren nackt, aber sie schämten sich nicht voreinander. Das war wirklich die Zeit, wo man FKK hätte machen können, die Zeit der Unschuld. Dies jetzt nicht mehr. Zu den FKK sage ich vielleicht am nächsten Predigt da noch etwas. Aber sie schämten sich nicht, sie checkten gar nicht, dass sie nackt waren. Das war eben die Zeit der Unschuld. Die Sünde hatte noch keine Macht. Die Versuchung, der wir heute ausgesetzt sind, kannten sie damals noch nicht in diesem Ausmass.
Aber eines ist für uns ganz wichtig: Wenn das Neue Testament von der Ehe spricht, dann orientieren sich die Schreiber immer an dem, wie es vor dem Sündenfall war, also so, wie sich Gott die Gemeinschaft zwischen Mann und Frau gedacht hatte vor der Sünde. Das soll unser Ziel sein, dorthin zu leben. Und durch die Erlösung, durch Jesus Christus, sind wir auch befähigt, das eigentlich zu tun. Das heisst nicht, dass wir es immer können, aber wir wären befähigt.
Wir sind auf Gemeinschaft angelegt, egal ob du verheiratet, verwitwet oder ledig bist. Es ist nicht gut, wenn der Mensch allein ist. Lebe bewusst in Gemeinschaft mit Menschen, das wird dein Leben bereichern, und so wirst du ans Ziel kommen, wie es so schön in einem Bild vom Predigerbuch heisst. Ein einzelner Mensch kann leicht überwältigt werden, aber zwei wehren den Überfall ab. Noch besser sind drei, es heisst ja: Ein Seil aus drei Schnüren reisst nicht so schnell.
Also auch dieser Beginn der Menschheitsgeschichte zeigt deutlich, dass wir für die Gemeinschaft geschaffen sind. So wollen wir das auch pflegen. Es hilft uns, gerade auch als Christen, wenn wir miteinander unterwegs sind, uns ermutigen, dass wir miteinander das Ziel erreichen und Jesus entgegengehen.
Schlussgebet und Bitte um Treue zum Wort
Ich bete mit uns. Ich danke dir, Vater, für das Wort, das zuverlässig ist. Es ist erschütternd, was die Geschichte aus deinem Wort gemacht hat. Es ist, als würde es in der Luft zerrissen werden, als ob es Menschenworte wären, einfach weil man nicht an dich glauben will.
Aber wir wollen deinem Wort vertrauen, denn dein Wort ist zuverlässig. Was du uns mitteilst, ist wahr. Und so, wie es geschrieben ist, so ist es geschehen, ob wir alles verstehen oder nicht.
Ich danke dir auch, dass du uns erschaffen hast und dass gerade in diesen ersten Kapiteln sichtbar wird, wie zentral wir in deinen Augen sind. Du hast alles um uns Menschen herum geordnet. Und wir können auch heute noch viel von dem profitieren, was du dir gedacht hast, wie wir leben sollen.
So hilf uns, wirklich in Gemeinschaft zu leben, dass wir die Bereicherung einer Gemeinschaft erleben, die zu einem Leben gehört. Und dass wir in unseren Ehen, wo wir in einer Ehe stehen, in der Intimität wachsen können. Dass wir uns nicht irritieren lassen von einer Welt, die uns immer wieder vorgaukeln will, dass das Schöne außerhalb der Ehe liegt. Dass das Abenteuer faszinierend sei. Dass es nicht tragisch ist, wenn man mal einen Seitensprung macht, sondern dass das die Beziehung bereichert.
Alles Lügen! Du hast dir vorgestellt, dass Mann und Frau ihre Eltern verlassen und miteinander einen neuen Menschen darstellen. Hilf uns damit in einer Welt, die uns immer etwas anderes predigen will. Schenk, dass wir die Erfüllung erleben, die darin liegt, und erfahren, was geschieht, wenn wir uns an deine Ordnungen halten.
Wir beten dich an. Amen.

