
49: Wie du KOMPROMISSLOS & LEIDENSCHAFTLICH für Jesus leben kannst – mit Franz Silbereisen
Einführung in das Gespräch und Vorstellung von Franz Silbereisen
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Machbar, dem Podcast für Alltagsmissionare. Ich bin Christian, und heute ist Franz Silbereisen mit dabei. Franz, herzlich willkommen!
Hallo Christian, hi.
Bei Machbar bekommst du Tipps, wie du deinen Nächsten einen Schritt näher zu Jesus führen kannst. Franz, du brennst für Jesus. Wenn man dich kennt, merkt man das sofort. Man spürt dir deine Leidenschaft ab.
Heute sprechen wir darüber, wie du den Herrn kennengelernt hast und wie das dazu geführt hat, dass du deine Prioritäten radikal umgekrempelt hast. Wir wollen auch darüber reden, welche Auswirkungen das auf dein Leben hatte.
Außerdem sprechen wir darüber, wie man im katholischen Bayern Gemeinde gründet. Und warum dein Job in der Pflege eigentlich ein perfekter Ort für Alltagsmissionen ist.
Ich bin sehr gespannt. Ihr müsst wissen, Franz ist selbst streng katholisch aufgewachsen und arbeitet jetzt in der Gemeindegründung und im Gemeindeaufbau im katholischen Niederbayern. Aber das machst du eigentlich nur nebenbei.
Hauptberuflich bist du Pfleger in einer psychiatrischen Klinik. Du bist verheiratet, hast sieben Kinder und leitest außerdem missionarische Projekte in Gambia und Madagaskar. Darüber wollen wir auch sprechen.
Ganz spannend: Wir werden noch ein bisschen aus deiner Lebensgeschichte hören. Früher hast du auch Karate und Bodybuilding gemacht und hattest 15 Motorräder.
Was macht man mit 15 Motorrädern?
Ja, wenn man alle paar Monate ein anderes kauft. Du warst also ein leidenschaftlicher Motorradfahrer, oder?
Ja, wir waren eine Clique, die viel mit dem Bike unterwegs war.
Franz, du bist viel beschäftigt mit Gemeinde, Mission und deinem Vollzeitjob. Aber du lebst trotzdem Alltagsmission ganz normal im Alltag. Ich habe mal gelesen, dass nur etwa ein Prozent der Christen Vollzeitmissionare oder Pastoren sind. Die können allein ja nicht die ganze Welt erreichen.
Gott will alle seine Nachfolger gebrauchen. Was würdest du denen von unseren Zuhörern sagen, die zu den 99 Prozent gehören und denken: Mission ist nicht mein Ding, das machen die Profis?
Ich würde fast sagen, wenn die 99 Prozent ihren Job machen, brauchen wir das eine Prozent gar nicht. Sicher, der Herr hat ja verschiedene Gaben gegeben: Bibellehrer, Evangelisten und andere.
Aber die 99 Prozent sollen lernen, im Alltag den Herrn zu bezeugen und Licht zu sein, dort, wo er sie hingestellt hat. Den Platz kann keiner allein ausfüllen. Da sind ja noch 99 Plätze frei, überall.
Sehr schön. Falls du oder du zuhörst oder zuschaust und Leute kennst, die zu den 99 Prozent gehören, teile gerne diese Folge mit ihnen. Vielleicht werden sie dadurch ermutigt, unseren Herrn im Alltag mutiger zu bekennen. Genau.
Franz' Glaubensweg und persönliche Umkehr
Franz, lass uns direkt einsteigen. Du hast vor etwa 30 Jahren zum Glauben an den Herrn gefunden. Wie war das damals? Was hat sich seitdem verändert? Du bist in einer katholischen Tradition aufgewachsen, die du auch kanntest. Wie hat sich dein Glaube von diesem eher traditionellen katholischen Hintergrund hin zu einem lebendigen Glauben an Jesus Christus entwickelt?
Das streng katholische Umfeld hat sich im Laufe meiner Kindheit und Jugendzeit zu einem mittelmäßigen bis seichten Katholizismus entwickelt. Meine Oma war ihr ganzes Leben lang in der Kirche und hat mir als Kind auch von Jesus erzählt. Doch die Frage, die mich immer umgetrieben hat, war: Es muss doch noch etwas anderes geben, etwas, das mehr glücklich macht, das das Loch im Herzen füllt und das ganze Leben schön macht. Man ist ja beständig auf der Suche.
Ich war schon als Kind immer auf der Suche nach Frieden, Liebe und Freude – vielleicht so, wie es jedem anderen auch geht, mehr oder weniger. Diese Sehnsucht konnte ich mit nichts stillen. Ich habe alles ausprobiert. Wie du sagst, von Boxen, Karate, Bodybuilding, Motorrädern, Frauen, Reisen bis hin zum Geld ausgeben für sinnlose Dinge. Aber nichts hat mich dauerhaft satt gemacht.
Ich habe oft den ganzen Winter vor dem Schaufenster eines Honda-Händlers gestanden. Dort standen immer Motorräder, die ich aber erst im Frühjahr übernehmen konnte. Abends bin ich oft hingefahren, habe sie hinter der Scheibe betrachtet und mir gesagt: „Da steht sie, ich hole sie.“ Doch mit ungefähr tausend Kilometern auf dem Tacho war es dann schon wieder vorbei. Ich habe sie eingetauscht gegen etwas anderes. Das war verrückt, kurzlebig.
Was ist dann passiert? Du hast gesucht und gefunden.
Ja, genau. Ich hatte einen meiner besten Kumpels, der anders war als wir Katholiken. Er saß neben mir in der Schule, wir sind zusammen aufgewachsen. Irgendwann hat mich das nicht mehr losgelassen: „Was glaubst du, was machst du?“ Ich wusste damals nicht, dass er Zeuge Jehovas war. Den Namen hatte ich nie gehört, ich wusste nicht, dass es das überhaupt gibt, weil er sehr zurückhaltend war.
In der Beschäftigung mit diesem Thema bin ich dann voll eingestiegen. Mir war klar: Die Leute nehmen das ernst, was sie glauben. Mein katholisches Umfeld tat das nicht. Das war schon mal ein Argument dafür. Dieser Prozess zog sich über Wochen und Monate hin und war ein Ringen um die Wahrheit.
Mir blieb nichts anderes übrig, als mich abends immer vor mein Bett zu knien. Ich wohnte damals in einer WG mit Studenten und habe einfach gebetet: „Herr, bist du Jesus? Bist du Jehova? Wie heißt du? Wer bist du bitte? Zeige dich mir!“ Das ging einige Wochen täglich so.
Dann lernte ich drei verschiedene Christen kennen. Gott hat mich umzingelt, und das war so klar. Diese Menschen waren entweder in meiner WG oder ganz unabhängig davon. Es war ein Mädchen, das mich verliebte, deren Mutter gläubig war. Mein Ex-Arbeitskollege kam in der Zwischenzeit zum Glauben. Wir trafen uns nach zehn Jahren wieder, und er erzählte mir von Jesus. Außerdem war da noch ein Musikteam, das im Krankenhaus gesungen hat und mir von Jesus erzählte.
Dann war für mich klar: Das ist die Antwort. Ich habe mich sofort bekehrt.
In meiner WG kamen dann zwei Männer aus einer christlichen Gemeinde, lasen Johannes 3,16 vor und erklärten den Vers. Dann sagte Karl: „Jetzt machen wir alle die Augen zu, und wer sich bekehren will, soll sich melden.“ Alle schauten sich an und fragten sich, wer sich melden würde. Meine ganzen Motorradfreunde saßen da, und ich war derjenige, der sich meldete.
Wir gingen in mein Zimmer. Ich kniete mich hin, wusste gar nicht, was ich beten sollte. Der Bruder betete es mir vor. So habe ich Jesus in mein Leben eingeladen. Er ist in mein Leben gekommen.
Wenige Tage später hatte ich eine große Sinneserkenntnis, die plötzlich und auf einen Schlag alles veränderte. Das Loch war weg, und eine Freude kam. Ich konnte nur noch weinen und jubeln vor Freude. Ich wusste: Jetzt ist es so weit, jetzt bin ich am Ziel.
Das war 1993.
Vom früheren Lebensstil zum neuen Leben in Christus
Früher warst du viel unterwegs, hast Karate gemacht, Bodybuilding betrieben, 15 Motorräder ausprobiert und vieles mehr. Du bist damit nicht zufrieden geworden. Was hat dir das damals gegeben, und was gibt dir heute diese Beziehung zu diesem lebendigen Gott, was all diese Dinge nicht konnten? Kann man den Unterschied zwischen vorher und nachher irgendwie ausdrücken?
Direkt nach meiner Bekehrung war plötzlich eine Freude da, die mich dazu brachte, alles wegzugeben. Ich hatte eine CD-Sammlung, alle Stephen-King-Romane, Bücher, Fernseher, Videorekorder, ein Motorrad – all das musste ich loswerden. Ich habe alles verschenkt oder verkauft. Es war so, dass ich wusste: Ich habe Jesus, ich brauche nichts anderes mehr. Das war fast schon ein bisschen ein Überschwang, auf alle Fälle.
Ich habe das Fernsehen aufgegeben, ich habe aufgehört, Musik zu hören. Das hat mich so erfüllt, das Wort Gottes zu lesen, mich damit zu beschäftigen, die Gemeinde kennenzulernen und lauter andere Christen zu treffen – vorher hatte ich nie einen getroffen. Bis dahin wusste ich nicht, dass es so etwas gibt.
Man muss in der Welt leben, man braucht ein Fahrzeug, das ist logisch. Man liest Bücher, nutzt Medien – aber das hat sich alles zurechtgerückt. Das Loch im Herzen kann nur der Herr Jesus füllen. Er ist der Friede, er ist alles, er ist unser Glück. Er will, dass wir Leben im Überfluss haben, wie es in Johannes 10 steht. Diesen Überfluss habe ich in ihm kennengelernt.
Jetzt bist du schon 30 Jahre unterwegs. Was beschäftigt dich heute in deiner Beziehung zu Jesus Christus, zu Gott? Gibt es etwas, das du in letzter Zeit neu entdeckt hast?
Die Frage ist ja: Wenn man alle materiellen Dinge, das Irdische, begreift – aus der Schrift heraus –, dass es vergänglich ist, dass alles irgendwann weg sein wird, dann wird einem klar, dass unser Leben schnell vorbei geht. Zehn Jahre vergehen, und wenn man Kinder hat, vergeht die Zeit noch viel schneller. Dann wird einem klar, dass man sich in Dinge investieren will, die bleiben, etwas Ewiges.
Ich habe immer eine Sehnsucht gehabt, Dinge zu besitzen, die nie verrosten und nicht kaputtgehen. Diese Sehnsucht nach Beständigkeit – und das ist letztendlich Gott. Er ist ewig und unveränderlich.
Dann kam die Frage: Was will er jetzt von mir? Wo will er mich haben? Was kann ich tun, um mein Leben sinnvoll zu nutzen? Schon wenige Monate nach meiner Bekehrung begann ich mit dem Dienst in der Gemeinde, zum Beispiel in der Kinderarbeit.
Wenn man dem Herrn dienen will und anderen Menschen dienen will, den Nächsten liebt, dann stehen einem plötzlich so viele Möglichkeiten offen. Man steht vor vielen Aufgaben, und mit Gottes Hilfe kann man sie anpacken. Das mache ich, und das macht mein Leben aus. Alles andere musste sich irgendwie darum herum sortieren oder soll sich darum herum sortieren.
Herausforderungen im familiären Umfeld und Umgang mit Glaubensunterschieden
Mit deinem Glauben bist du in deiner Familie auch irgendwie ein Sonderling. Wie bist du aufgewachsen? Weißt du, wie viele Geschwister du hast? Vier Geschwister, also insgesamt fünf.
Das war für meine Familie schwierig. Mit Bibeln und so konnten sie nichts anfangen. Am Anfang gab es viele Streitgespräche und Kämpfe. Sie dachten sich: „Ja gut, zuerst redet er von Zeugen Jehovas, jetzt wieder von etwas anderem.“ Sie meinten, es sei nur ein Spleen, der bald vorübergeht. Aber der Glaube hält jetzt schon seit 32 Jahren an.
Durch die ganze Zeit hindurch ist niemand aus meinem Umfeld oder meiner Familie zum Herrn Jesus gekommen. Die Beziehungen sind heil geworden, besonders zu meinen Eltern. Nach meiner Bekehrung haben wir uns kein einziges Mal mehr gestritten. Vorher war das anders, da lag das Problem klar bei mir. Als der Herr mein Leben ergriff, war das vorbei. Das heißt aber noch nicht, dass sie den Herrn gefunden haben.
Wie gehst du damit um? Wenn du so herausstichst mit deinem Glauben in der Familie – dein Bruder Florian ist ja auch ein bekannter Mensch in der Öffentlichkeit – wird das oft in Verbindung gebracht. Wie ist das für dich? Ist das auch eine Not, wenn du deine Familie so siehst und den Wunsch hast, dass sie Christus kennenlernen?
Die meiste Zeit nach meiner Bekehrung war ich weit weg von meiner Familie. Ich war 15 Jahre in Deutschland unterwegs, auch ein Jahr in Österreich, drei Jahre in Nordrhein-Westfalen. Da war von Hause aus viel Distanz.
Ich lebe jetzt seit 15 Jahren wieder im gleichen Dorf. Durch manche Äußerungen von mir, Interviews in Zeitschriften und auch durch Dinge, die ich über Florian gesagt habe, war das manchmal nicht leicht für meine Familie.
Wir haben viele christliche Schriften selbst gedruckt, mit meinem Namen darauf, und diese verteilt. Mein Vater heißt wie ich, mein Großvater hieß auch so. Für meine Familie war es schwierig, damit in Verbindung gebracht zu werden.
Im Dorf hat man sich gesagt: „Er ist wieder da, der Sektenführer.“ Wir hatten mal eine evangelistische Veranstaltung, bei der eine Reporterin ein Interview mit mir machte. Auf der Titelseite dieser Zeitschrift stand dann „Sektenführer“. Das war schon heftig. An dem Tag habe ich mich nicht mehr aus dem Haus getraut.
Das ist eine Folge davon, dass Florian sehr bekannt ist und mein Name dadurch auftaucht. Aber ich will mich auch nicht für den Herrn schämen. Letztendlich wissen Sie, dass ich denke, Sie brauchen den Herrn. Das ist völlig klar, das habe ich Ihnen oft genug gesagt. So gehen wir unseren Weg.
Unterstützung der Familie im Glauben und radikale Lebensentscheidungen
Wie unterstützt du deine Kinder und deine Frau in ihrem Glauben? Unsere Kinder sind seit ihrer Geburt Teil der Gemeinde. Wir waren immer eng in die Gemeindearbeit eingebunden, sowohl im Dienst als auch in der Gemeindeleitung und in der Mitarbeit.
Unsere Kinder haben viele Freizeiten, Sommerlager, Winterlager und Missionsreisen miterlebt. Auf dem Weg zum Erwachsenwerden tun wir, was wir können. Wir beißen die Zähne zusammen, wenn es schwierig wird – egal, was passiert – und ermutigen sie, dem Herrn Jesus nachzufolgen.
Du hast eben gesagt, dass du vieles weggegeben hast: CDs weggeworfen, Bücher verschenkt oder verkauft. Du hast sogar bewusst eine schlechte Internetverbindung. Warum bist du so radikal? Das kommt zumindest dem einen oder anderen so vor.
Genau, ich denke aber nicht, dass das unbedingt sein muss. Das ist vielleicht auch typbedingt. Du predigst nicht, dass alle jetzt unbedingt eine schlechte Internetverbindung haben müssen. Vielleicht habe ich das manchmal gesagt, aber dann auch wieder bereut.
Im Moment ist mein Handy mein Arbeitsmedium. Ich habe kein WLAN zu Hause, auch wegen der Kinder nicht. Ich habe zwar ein schnelles Internet auf dem Smartphone, aber ich ringe ständig damit. Ich möchte es loswerden, frei leben, und trotzdem ist es für mich auch ein Mittel, um mit anderen Menschen zu kommunizieren und den Herrn zu verkündigen.
Das ist eine Spannung, die schwer auszuhalten ist. Ich glaube, mit Gottes Hilfe muss es gehen.
Praktische Umsetzung des Reich-Gottes-Suchens und Gemeindeaufbau
Was bedeutet es praktisch, zuerst das Reich Gottes zu suchen?
Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, dass die Gemeinde, das Miteinander der Geschwister, die große Schlagkraft ist, die wir haben. Wir haben selbst, wie ich dir gesagt habe, viele Schriften verfasst und Traktate verteilt. Wir haben große Einsätze gemacht und sind teilweise mit mehr als hundert Leuten von Haus zu Haus gegangen.
Im Rückblick oder im Vergleich dazu sehe ich, dass das Zeugnis einer lebendigen Gemeinde, die betet, in der Gesellschaft lebt und dient, das eigentlich Stärkste ist. Dieses Zeugnis ist stärker als gedruckte Schriften, obwohl diese natürlich ihren Wert und ihre Berechtigung haben und wunderbar sind.
Deshalb haben wir uns immer voll in die Gemeinde hineingegeben. Für mich persönlich fiel schon im ersten Jahr nach meinem Glaubensbeginn ein Handbuch für Gemeindegründung in meine Hände. Ich dachte: Gemeindegründung, das hört sich gut an – was ist das, was macht man da? Und so ist es auch gekommen, das wurde das Thema.
Jetzt ist es eigentlich noch mehr das Thema, wie man den Geschwistern helfen kann oder wie die Gemeinde so funktionieren kann, dass sie lebendig ist und wächst. Das ist in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren hauptsächlich meine Arbeit gewesen.
Balance zwischen Familie, Beruf und Dienst
Okay, reden wir gleich noch ein bisschen darüber. Du hast sieben Kinder, einen Vollzeitjob, gründest eine Gemeinde und bist heute einfach mal hierher gekommen. Du hast letzte Nacht bei mir geschlafen und hattest die Ehre, dich beherbergen zu dürfen. Das war schön. Aber du bist jetzt schon zwei Tage von zu Hause weg. Wie machst du das? Du bist so viel im Einsatz für den Herrn. Was bedeutet das? Kommt da nicht auch mal die Familie oder die Ehe zu kurz? Oder integrierst du das? Wie schaffst du das?
Das ist schwierig, das hinzukriegen. Ich denke, dass meine Familie in der Vergangenheit immer mal wieder zu kurz gekommen ist. Das Feedback habe ich auch von meinen Kindern gehört. Ich muss dazu sagen, ich habe 20 Jahre lang nur Teilzeit gearbeitet, 50 Prozent oder weniger. Den Rest des Geldes, das wir brauchten, haben wir dem Herrn anvertraut, dass es uns gegeben wird – nach Matthäus 6, wenn wir zuerst nach dem Reich Gottes trachten.
Ich glaube, dazu braucht man auch eine Führung vom Herrn. Im Gebet habe ich das so entschieden: Ich will ab jetzt nur halbtags arbeiten und die restliche Zeit ins Reich Gottes investieren. Das hat zwanzig Jahre lang funktioniert. Manchmal habe ich gezittert, wenn Geld knapp war. Das Geld, das wir brauchten, ist manchmal erst zehn Minuten, eine Stunde oder einen Tag vorher eingetroffen. Das war anstrengend, manchmal finde ich das immer noch. Aber dann ist auch die Freude groß, wenn man solche Wunder erlebt.
Jetzt arbeite ich momentan Vollzeit, seit zwei, drei Jahren habe ich ein Tiny House gebaut – für mich und meine Frau. Wenn alle Kinder aus dem Haus sind, werden wir dort einziehen. Ich glaube, ich habe es nie ganz genau so richtig geschafft, wie es sein sollte. Irgendetwas bleibt immer auf der Strecke.
Mein Denken war: Wenn Gott an erster Stelle steht, die Familie mit dabei ist und Gemeinde unser Leben ausmacht, dann wird der Herr sich auch irgendwie dazustellen und den Mangel ausfüllen, der irgendwo entsteht.
Ich hatte auch zweimal ein Jahr Elternzeit, sogar insgesamt drei Jahre. Wenn das nächste Kind geboren war, war auch viel Zeit da, meiner Frau zu helfen. Ich bin oft nachts aufgestanden und habe die Kinder durch Albenächte durchs Haus getragen, damit meine Frau mehr schlafen kann. Das war schon ein Gemeinschaftsprojekt.
Jetzt ist der Kleinste 14 Jahre alt. Den muss ich nicht mehr tragen. Ich komme nach Hause, niemand ist da, alle sind irgendwo unterwegs. Deshalb fällt es mir momentan leichter, schnell mal kurz nach Norddeutschland zu fahren.
Sehr schön.
Die Bedeutung von Gebet und Stille im Glaubensleben
Hast du eine Bibelstelle, die dich immer wieder ermutigt, den Herrn im Alltag an erster Stelle zu stellen? Es gibt eine kleine Stelle, die man leicht überlesen könnte. Ich dachte, es wäre gut, darauf zu antworten.
Im ersten Timotheusbrief, Kapitel 2, ermahnt Paulus: „Ermahne nun, dass man vor allen Dingen Gebet, Bitte und Danksagung für alle Menschen tue.“ Also steht das Gebet an erster Stelle. Das ist, denke ich, der Schlüssel. Es entspricht auch unserer Erfahrung, dass das entscheidend ist – sowohl für den Gemeindebau als auch für die vielen Nöte, die uns bedrängen.
Ich habe versucht, das umzusetzen und Geschwistern beizubringen, wie man den Herrn Jesus an erster Stelle stellt, wie man das Reich Gottes an erste Stelle setzt und für ihn brennt. Klar verändert Gott unser Herz. Aber was liegt für uns im Rahmen des Möglichen, um das Feuer noch stärker anzufachen? Was würdest du dazu sagen?
Meine Erfahrung war, dass ich einige Jahre kein Büro bei uns im Haus hatte, weil einfach alle Zimmer voll waren – mit Kindern. Plötzlich war mein Platz weg, der für mich das stille Kämmerlein war, der Ort, an dem ich Kraft tanken und still werden konnte. Das hat mir in den letzten Jahren nicht gutgetan.
Jetzt habe ich diesen Platz wieder. Das Zimmer ist praktisch leer, es liegen nur ein paar Schaumstoffmatten auf dem Boden, und ich habe die Bibel dort liegen. In den letzten Tagen habe ich wieder gezielt den Herrn gesucht und entdecke gerade neu, wie es ist, vor Gott zu sein. Das ist wahnsinnig schwierig.
Man sperrt sich irgendwo ein und nimmt sich vor: „Jetzt bin ich eine Stunde vor Gott in der Stille.“ Das ist die härteste Übung. Gleichzeitig quillt das Leben daraus, eine Freude entsteht, die Prioritäten sortieren sich, und die Sorgen werden plötzlich kleiner oder nicht mehr so erdrückend. Es gibt eine Lösung, und Friede ist da.
Wir hatten einmal einen jungen Mann aus dem Gefängnis aufgenommen. Er war einige Jahre im Jugendgefängnis und nicht gläubig. Er war wirklich schlimm unterwegs. Er hat mir mal gesagt: „Als ich bei euch war und du aus deinem Büro kamst, hat dein Gesicht immer so geleuchtet.“ Das ist ihm aufgefallen, mir selbst aber nicht.
Ging es dir so wie Mose? Ja, aber er hat keine Decke angebracht. Mir ist nichts aufgefallen. Es ist einfach ein Geheimnis. Mir tut es jetzt leid, dass der Platz so lange nicht da war. Ich bin jetzt total glücklich, ihn wieder zu haben.
Meine Frau hat mich vor ein paar Tagen im ganzen Haus gesucht, weil sie mich nicht fand. Irgendwo tauchte ich auf, und sie fragte: „Wo warst du?“ Da sagte ich: „Ich war in meinem neuen Büro, unten im Keller.“ Es ist kalt und ein bisschen feucht, aber wenn du, lieber Zuhörer, keinen solchen Platz hast, dann schaff dir einen.
Geh in die Stille und suche den Herrn neu. Mir kommt es so vor, dass dann nichts unmöglich wird. Das ist einfach das Schönste.
Deshalb fahre ich auch so gern lange mit dem Auto. Es ist ähnlich: eine kleine Kammer, die ziemlich schnell unterwegs ist – mein Auto ist ja ganz klein und alt. Aber ich bin allein da drin. Das ist schön.
Du hast heute Nacht in meiner Kammer geschlafen. Ja, stimmt. Dieses Sofa, wenn es zusammengeklappt ist, ist meine Lieblingsecke, meine neue.
Ich habe vergeblich versucht, es heute Morgen zusammenzuklappen. Ich habe es dann wieder aufgegeben, weil ich dachte, ich wecke alle auf, wenn das so scheppert. Ich mache das heute Abend. Weil da kein Platz war, habe ich keinen gefunden, außer das Bett und den Schreibtisch.
Ach so, das tut mir leid. Ich hätte dir das jetzt zeigen können. Am Ende ist so eine Schlaufe; die musst du nur hochmachen, dann klappt das alles von alleine. Aber ich wusste nicht, ob die Matratze weg muss oder ob das inklusive ist.
Nein, das ist richtig praktisch. Vielleicht beim nächsten Mal.
Das interessiert unsere Zuhörer jetzt wahrscheinlich nicht so sehr.
Umgang mit Glaubenskrisen und Gemeinschaft als Halt
Ja, wie gehst du mit Zeiten um, in denen du merkst, dass dein Glaube schwächer wird? Oft ist das auch mit einem Gefühl verbunden, dass man nicht den Eindruck hat, wirklich in der Gegenwart Gottes zu sein. Vielleicht kennst du das gar nicht, ich weiß es nicht. Doch ich glaube, das ist bei den meisten Menschen die meiste Zeit so.
Diese besonderen Erlebnisse, in denen man völlig überfließt von Freude, sind eher selten. Ich habe manchmal solche Momente gehabt, in denen ich das Fenster im Auto heruntergedreht habe – es gab keinen elektrischen Fensterheber – und ich musste oft einfach vor Freude hinausschreien, gerade nach meiner Bekehrung. Aber das ist wie in einer Ehe: Es kehrt auch der Alltag ein.
Über Jahre und Jahrzehnte sollen wir dem Herrn nachfolgen, bis aufs Sterbebett. Und gerade in diesen schwierigen Zeiten glaube ich, dass der Herr uns trägt. Wie es im Jakobusbrief heißt: „Naht euch zu Gott, so naht er sich zu euch.“ Ich habe oft erlebt, dass wenn Gott sieht, dass man es wirklich möchte und ein Wille da ist, er sich wieder zeigt oder sich nähert, sodass ein Aufleben des Glaubens geschieht.
Es ist eine Berg- und Talfahrt, das ist wirklich so. Die Gemeinschaft mit den Geschwistern ist dabei sehr wichtig. Ich habe einige Brüder, auf die ich mich verlassen kann, die mit mir gehen, und ich mit ihnen. Ich möchte für sie da sein, so wie sie es für mich sind. Das ist ein großer Halt.
Ja, es ist sehr wertvoll, solche Freundschaften und Beziehungen zu haben.
Entscheidungen und Auswirkungen im Glaubensleben
Was sind praktische Entscheidungen, die dir persönlich geholfen haben, den Herrn an erste Stelle zu setzen? Und welche Auswirkungen hatten solche Entscheidungen?
Ich glaube, es gibt nur wenige solcher Entscheidungen, und dann ist das Leben auch schon vorbei. Man stellt ein paar Weichen, und das war es. Wenn es die falschen Weichen waren, dann ist das unwiederbringlich. Das ist wirklich so.
Die wichtigste Nacht meiner Bekehrung war die Wahl, wen ich heiraten werde. Zu der Zeit, als ich zum Glauben kam, war ich eine von drei Personen, durch die ich zum Glauben kam. Deren Mutter war gläubig. Mir kam es damals so vor, als hätte der Herr mir diese Frau geschickt.
Wir haben uns befreundet, ineinander verliebt und waren verlobt. Das waren die ersten drei Jahre meines Christseins. Mir war klar, dass wir Kinder wollen. Wir wussten sogar, wie die Namen der Kinder sein würden und wo wir wohnen würden. Alles war schon klar.
Doch es zeigte sich immer deutlicher, dass diese Frau nicht dem Herrn nachfolgen wollte. Irgendwann stand ich vor der Entscheidung: Jesus oder sie. Das war ziemlich heftig. Ich musste die Verlobung lösen.
Ich wusste, ich muss mich für den Herrn entscheiden, also habe ich die Verlobung gelöst. Danach hatte ich vier Wochen Urlaub und habe nur geweint – vier Wochen lang. Ich konnte nichts mehr hören, kein Autoradio, nichts. Teilweise lag ich stundenlang am Boden in meinem Zimmer, weil mein Leben zusammengebrochen war. Ich wusste aber, dass es richtig war.
Es dauerte einige Monate, bis ich wieder frei war und auf die Beine kam. Dann stellte sich die Frage: Herr, wen soll ich heiraten? Ich habe mich schließlich für die richtige Frau entschieden. Das hat meinem Leben eine völlig neue Richtung gegeben.
Sensibilität für Gottes Reden und Gemeinde als Lebensraum
Du hast eben erzählt, dass du dankbar bist für den Raum und dass du auch stille Momente vor dem Herrn hast. Wie können wir sensibler werden für das Reden Gottes in unserem Leben? Wie kann er durch sein Wort oder vielleicht durch Brüder, zu denen man Vertrauen hat, oder andere Menschen zu uns sprechen?
Jeder von uns merkt, dass das Leben immer lauter und schneller wird. In diesem Lärm ist Gott einfach nicht zu finden. Deshalb müssen wir uns zurückziehen und im Geist beten. Gott ist Geist, und wir müssen vor ihm sein und ihm mit unserem Geist begegnen.
Ich denke, wenn jemand wiedergeboren ist und der Heilige Geist in ihm wohnt, dann ist das ein Grundbedürfnis. Doch dieses Bedürfnis setzt sich nicht immer durch. Vielmehr wird es oft gedämpft oder zugeschüttet. Das kann jeder bestätigen, wenn er versucht, die äußeren Dinge abzuschalten und sich auf den Herrn zu konzentrieren. Dann erkennt man, dass das wahre Glück in der Begegnung mit ihm liegt.
Jetzt wissen wir das, und du lebst es. Wie ist das in der Gemeinde? Wie lebt ihr das als Gemeinde? Ich kann mir vorstellen, dass dir das als jemand, der in der Gemeinde mitarbeitet, ein Anliegen ist. Wahrscheinlich lehrst und lebst du es immer wieder vor. Was würdest du sagen: Wie setzt ihr das als Gemeinde um, um ganz radikal für den Herrn in der Nachfolge zu leben?
Der wichtigste Punkt bei uns ist, dass wir einmal pro Woche eine Gebetstunde haben, donnerstags um 19.00 Uhr. Seit 2014 gibt es diese Stunde wieder. Die Gemeinde hatte keine Gebetstunde mehr, sie war einfach ausgestorben, was ja oft passiert, wenn man sich umschaut. Wir haben sie wiederbelebt. Diese Stunde ist unsere große Zuflucht.
Darüber hinaus versuche ich seit 20 Jahren, mich regelmäßig mit Männern zum Gebet zu treffen. Fünf Jahre lang war der Rhythmus montags um fünf Uhr, einige Jahre samstags um sechs Uhr. Das Kostbare daran ist, dass man ganz allein unterwegs ist und zu einem Bruder fährt.
Wir hatten in der Gemeinde ein Experiment: 40 Tage Gebet, jeden Tag um fünf Uhr bei jemand anderem. Der Plan war so gestaltet, dass man Gastgeber ist, wenn man auf dem Plan steht. Man kocht Kaffee, das läuft immer gleich ab: Es gibt Kaffee, dann sagt jeder einen Bibelvers auf, und die anderen müssen sagen, wo der Vers steht. Das ist eine Herausforderung.
Manchmal sagt jemand immer denselben Vers. Ein lieber Bruder, Johnny, vielleicht hört er den Podcast mal, hat manchmal Verse gesagt, die ich gar nicht kannte. Er hat sich extra schwierige Verse ausgesucht, um es schwer zu machen. Einmal sagte er: "Wer eine Ehe rettet, hat ein gutes Werk getan." Ich fragte ihn: "Hä? Das habe ich noch nie gelesen. Wo steht das?" Er wusste es nicht mehr genau. Er meinte, es stünde irgendwo in den Sprüchen, aber wir haben es nie gefunden. Es steht dort gar nicht. Aber es wäre ein guter Vers gewesen.
Das ist zugleich der Stoff für die Anbetung, denn jeder hat einen Vers auswendig, und das ist die Grundlage, um eine Runde anzubeten und dem Herrn zu danken. Danach gibt es Gebetsanliegen.
Ich höre nicht mehr damit auf, solange ich lebe. Wir müssen den Herrn suchen und beten, denn wir können alles bitten. Wenn wir als Gemeinde, als Familie oder als Einzelne denken, wir kommen so ganz gut durch, dann ist das ein Irrtum. Das merkt jeder. Oft steht man plötzlich vor einer Wand und fragt sich, was los ist mit einem selbst. Der Herr kann uns das beibringen.
Ermutigung für Christen mit Herausforderungen im Glauben
Was würdest du Christen sagen, die selbst schon merken, dass sie nicht richtig in die Gänge kommen und ihre Prioritäten nicht richtig gesetzt haben? Wie kommt man da raus, wo fängt man an?
Als Erstes ist es wichtig, dass man jemanden hat, mit dem man nicht allein ist. Du kannst der Gemeinde das ganze Jahr lang am Sonntag ein Theater vorspielen – das merkt ja keiner. Aber es ist wichtig, einen Freund, eine Schwester oder einen Bruder zu haben, dem man sagt: „Lass uns mal treffen, wir gehen eine Runde spazieren, wir beten, wir tauschen uns aus.“ Du brauchst jemanden, der dem Herrn wirklich nachfolgen will, und der auch sagt: „Ich will ihm nachfolgen.“ Dann könnt ihr euch gegenseitig ermutigen und unterstützen.
Wie ihr eure Leiber hingegeben hattet an den Dienst der Ungerechtigkeit, so gebt nun eure Leiber hin an den Dienst der Gerechtigkeit. Das ist irgendwie ein Einsatz.
Willst du aber beim FC Bayern mitspielen – mir fällt gerade kein anderer Fußballverein ein – und stellst dich dem Trainer vor, wird er sagen: „Ja, und was ist mit deinem Training? In welchem Zustand bist du? Willst du dich bewegen? Willst du etwas tun?“ Ja, klar, dann tu es!
Das Schöne ist: Wir können es nicht aus uns selbst schaffen. Der Herr ist allmächtig. Aber wir können uns ihm vor die Füße werfen, und dann wird er sich uns irgendwie darstellen, glaube ich.
Wenn ich das richtig verstanden habe, ist es wichtig, ehrlich zu sein, sich jemanden zu suchen, dem man sich anvertrauen kann, und zu sagen: „Lasst uns doch gemeinsam in der Nachfolge uns gegenseitig ermutigen, zusammen beten und den Herrn suchen.“ Das sind mehrere Standbeine.
Diese Zweierschaft ist sehr wichtig, aber auch der Dienst für den Herrn, damit er durch uns wirken kann.
Bibelarbeit und Dienstmotivation
Ich weiß nicht, ob ich das darf. Ich habe hier so Blätter. Ich mache es immer so: Ich kopiere mir den Bibeltext aus dem Internet. Dann sind die Bibelbücher groß gedruckt, ich habe sie dreimal ausgedruckt, ich klebe sie zusammen, markiere sie, und wir beschäftigen uns gerade mit dem Hebräerbrief, den wir in der Gemeinde predigen.
Es geht darum, wer wirklich echt ist und wer dem Herrn nachfolgt oder nicht. Im Kapitel 6, Vers 10 heißt es: Gott ist nicht ungerecht, euer Werk zu vergessen und die Liebe, die ihr zu seinem Namen bewiesen habt, indem ihr den Heiligen gedient habt und weiterhin dient.
Das zeichnet die Leute aus: Sie haben gedient und sie dienen weiterhin. Das ist die Liebe – so zeigt sich die Liebe zum Herrn, indem man den Heiligen dient. Also, was hat die Gemeinde von dir? Wer im Dienst steht, der muss vielleicht eine Kinderstunde vorbereiten oder was auch immer, egal, was du vorbereiten musst oder wo du dich einbringst – du bist herausgefordert.
Dann sitzt du zuhause und denkst dir: „Okay, wenn ich diesen Dienst mache, kann ich so nicht weiterleben.“ Dann musst du dich entscheiden, denn das passt nicht zusammen. Gerade das ist wichtig, das braucht man.
Ich beschäftige mich mit dem Bibeltext nie so intensiv wie vor einer Predigt. Ich bin fertig, muss am Sonntag predigen, habe aber noch nichts vorbereitet. Dann muss ich ringen und kämpfen. Eigentlich will ich es vermeiden. Eine Liege am Strand wäre schöner, oder keine Ahnung, irgendetwas anderes – wir grillen, machen ein Fest, fahren in den Urlaub. Aber ich muss am Sonntag predigen.
Und das hält mich sozusagen. Diese Verpflichtung, die man vor Gott und auch vor den Geschwistern eingeht, hält mich.
Ja, gut, das erlebe ich auch so. Besonders im Raumdienst ist man selbst eigentlich am meisten gesegnet, wenn man sich mit dem Wort beschäftigt. Ich weiß nach der Predigt immer am meisten über den Text – das ist toll, mehr als alle anderen Zuhörer.
Bedeutung des Bekenntnisses und das Evangelium
Ja, warum ist es dir so wichtig, den Herrn auch zu bekennen? Und was bedeutet das Evangelium für dich?
Dem Herrn zu bekennen – ich gebe dir ein Beispiel: Alex ist letztes Jahr heimgegangen zum Herrn. Er verstarb mit 55 Jahren. Ich habe ihn vor sieben Jahren kennengelernt. Damals war er sehr weit weg von Gott. Über Jahre hatte ich eigentlich aufgegeben, dachte, das wird nie etwas. Doch dann ist er zum Herrn gekommen, hat sich bekehrt und war in der Gemeinde aktiv.
Ich war auch dabei, als er auf der Intensivstation verstarb. Wir haben uns ein Bett hineinschieben lassen, sodass ich neben ihm lag in seiner Todesstunde. Er sang: „Herr Jesus, ich lieb dich so, ich lieb dich so“ – mit diesem Text „Ich lieb dich so, Jesus“ ist er hinübergegangen. Für mich war das so, als könnte ich fast mit darüber blicken. Das war heftig, Gänsehaut pur.
Im Blick auf dieses Leben, auf das, was kommt, und auf die Zeit, in der man sich von dieser Welt verabschieden muss, ist mein Wunsch, dass der Herr sich zu mir bekennt. Denn ich habe mich zu Lebzeiten zu ihm bekannt. Das ist für mich eine große Motivation.
Wenn in der Zeitung steht: „Franz Silbereisen liebt Jesus“ – und das kann man im ganzen Internet lesen – denke ich: Okay, das kann mir jetzt keiner wegnehmen. Das ist unlöschbar. Unlöschbar vor der Welt, aber vor Gott.
Und was bleibt sonst von uns übrig? Wir können ein Haus hinterlassen oder ein paar verrostete Autos. Aber das Bekenntnis zu dem einzigen wahren Gott – das bleibt.
Was bedeutet dir das Evangelium? Es rettet jeden, der glaubt. Es ist die ultimative Kraft, die überall wirkt. Es ist die beste Botschaft, die Botschaft der Wissensoffenbarung.
Ich denke, es ist in Offenbarung Kapitel 10, aber ich bin mir nicht sicher. Dort fliegt ein Engel durch den Himmel und verkündet ein ewiges Evangelium. Da dachte ich: Ja, Wahnsinn! Bis zum Ende – das ist die Message, die einfach bestehen bleibt, für immer und ewig.
Es ist klug, sich das Beste auszusuchen, was man glaubt und sagt. Etwas, das nie rostet und nicht vergeht.
Ja, etwas, das nie rostet.
Genau, unverrostbar – steht das nicht auch irgendwo? Unverweltlich.
Ja, so ist es. Genau, der Schatz im Himmel.
Ja, das ist gut. Unverweltlich, unverwestlich. Ich glaube, das bezieht sich auf unser Erbe. Aber natürlich gilt das nicht gleich für das Evangelium.
Missionsreisen und weltweite Vernetzung
Was hat es mit diesen Missionsreisen auf sich? Wie kam es dazu, und was macht ihr da? Erzähl mal ein bisschen.
Ja, also wir sind schon seit zwanzig Jahren regelmäßig nach Rumänien gefahren. Ich dachte mir, die Kinder müssen auch mal Länder kennenlernen, in denen es ganz schlimm zugeht. Dann sind sie nämlich wieder zu Hause dankbar für das, was sie haben.
Also du hast deine Familie mitgenommen?
Ja, meine Kinder in erster Linie. Als sie klein waren, waren sie teilweise schon mit Windeln auf Missionsreise.
Und dann hat sich das plötzlich ausgeweitet. Wir haben eine Missionarin aus Afrika kennengelernt. Seit sieben Jahren sind wir jetzt in Gambia, und seit drei, vier Jahren fahren wir nach Madagaskar. Ich mache es so: Ich fahre das erste Mal alleine hin und suche vorher im Internet irgendeinen deutschen Missionar. Ich nehme Kontakt auf und frage, ob ich sie besuchen darf, um ihre Arbeit kennenzulernen. Ich kann halt nur Deutsch und Bairisch. Deshalb muss es ein Deutscher sein. Beides verstehe ich bestimmt nicht.
Ich sage dir was: In zwei Wochen treffe ich Missionare, die Deutsche sind und in Israel, in Tel Aviv, arbeiten. Sie sind sieben Stunden bevor der Flughafen gesperrt wurde, letzte Woche, noch rausgeflogen in den Heimatdienst. Ich werde sie in Nürnberg treffen, und ich bin schon sehr gespannt.
Wir möchten da irgendwie für einen oder eine aus dem Volk Israel zum Segen werden. Das ist das nächste Projekt.
So, wir nehmen also einfach Geschwister mit. Wir reden mit den Leuten vor Ort und lernen sie kennen. Dann schlagen wir die Brücke zur Gemeinde. Wir sitzen in unserem Gemeindehaus und denken: Wieso sollten wir nicht einfach überall auf der Welt unterwegs sein?
Sagen wir, wir sind jetzt 52 Gemeindemitglieder, und jede Woche ist jemand irgendwo auf der Welt unterwegs. Dann würden wir das ganze Jahr lang immer Mission live in unserer Gemeinde erleben. Nichts dabei, wir fliegen sowieso alle in den Urlaub. Dann kann man sich noch einen Missionar suchen, der nebenbei auch lebt, und dann verkauft man es als Missionsreise.
Ja gut, und das machen auch andere aus eurer Gemeinde? Oder bist du der Einzige?
Nein, zum Beispiel einer, der mal mit dabei war in Gambia, fliegt jetzt selber wieder Leute mit. Oder ein junges Ehepaar war dabei. Der Mann machte gerade ein Auslandssemester, das er in der Klinik absolvieren musste. Jetzt hat er einfach das Auslandssemester in Gambia in der Klinik gemacht.
Aber wie kommst du da drauf? Schlägst du die Karte auf und sagst: "Da setze ich mich hin"? Oder führt der Herr das irgendwie?
Also jetzt zum Beispiel Armenien: Ich war dort, und das war immer in den Nachrichten wegen des Konflikts mit Aserbaidschan. Da dachte ich: Armenien, Armenien, und der Berg Ararat – da ist doch die Arche gelandet. Wieso war da noch keiner? Dann habe ich jemanden gefunden, der Deutsch kann, und bin hingeflogen.
Also du googlest dann, suchst Missionare?
Ja, ich rufe bei Missionsgesellschaften an: „Habt ihr da jemanden?“ Und dann fahre ich hin oder melde mich vorher und frage: „Kann ich dich besuchen, dich ermutigen?“ Sie sagen dann: „Willkommen!“ Dann reden wir ein, zwei Tage. Ich bleibe ja nicht lang, ein, zwei, drei Tage maximal. Ich halte es nicht länger im Ausland aus.
Nee, das ist so: Kaum sitze ich im Flugzeug, bereue ich es schon. „Oh nein, was habe ich getan? Weißt du, ich fliege schon in die falsche Richtung.“ Dann denke ich nur noch darüber nach, wann ich wieder zu Hause bin, und hoffe, heil zurückzukommen. Aber das macht ja nichts, das kann man in Kauf nehmen. Ich liebe es nicht im Ausland.
Okay, aber du bist dann ein paar Tage dort und dann wieder zurück?
Genau. Jetzt habe ich meine Tochter und ihre Freundin mitgenommen nach Nairobi. In Kenia haben wir ein Projekt.
Wenn wir dann dort sind und mit den Missionaren reden, wird ihnen plötzlich klar, dass sie sich hier investieren können. Wir finanzieren jetzt die Ausbildung zur Elektrikerin für ein Mädchen in Nairobi.
Dort kommen viele Mädchen in die Armutsprostitution und können da nicht mehr raus. Sie verkaufen sich für zwanzig Cent an Männer, werden teilweise nur verprügelt, bekommen nicht mal die zwanzig Cent. Für dreißig Euro finanzieren wir jetzt eine Ausbildung.
Das finde ich einfach so genial. Das ist so einfach. Für dreißig Euro im Monat.
Ja, im Monat. Das kostet die Ausbildung für die Frau.
Und das geht dann über so eine Gesellschaft?
Die Missionare, die wir dort gefunden haben, machen das. Sie gründen Firmen und schaffen Arbeitsplätze. Das ist ganz toll.
Oder Madagaskar: Dort gibt es ein armes Dorf. Die Kinder können kaum überleben, weil der Boden des Landes so kaputt ist. Es ist ein sehr armes Land. Die Kinder bekommen jetzt jeden Tag Mittagessen. Es sind 50 Kinder, und es gibt Evangelium und Kinderstunden. Aus der Umgebung, aus den Dörfern, kommen also 150 Kinder zur evangelistischen Kinderstunde. Die ärmsten 50 bekommen ein einfaches Reisgericht.
Das kostet im Monat für alle 50, also 1500 Mahlzeiten, ungefähr 600 Euro. Das machen wir jetzt. Natürlich ist die Frage, wo man das hernimmt. Aber irgendwie schenkt der Herr das dann auch – bis jetzt.
Und du sprichst dort dann Französisch, Englisch oder nur Deutsch?
Also, ich heiße zwar Franz, aber Französisch kann ich nicht. Da habe ich nur Baguette und Camembert.
Camembert, ja genau.
Nein, die Missionare können Deutsch. Sie sind Deutsche aus Nürnberg.
Und dann sprichst du vor den Kindern – wie wird das übersetzt?
Ja, genau. Das ist total einfach.
Egal, wo wir bisher waren, haben wir immer gemerkt: Die Missionare werden vergessen oder wenig besucht. Sie sind eigentlich hungrig nach Leuten, die sich für sie interessieren.
Das war ganz krass. Da ging mir ein Licht auf: Was haben wir für eine Verantwortung? Wir sitzen hier satt in unserem Land und überlegen, ob wir nicht eine Abnehmspritze kaufen sollten, weil es uns so gut geht. Anstatt vielleicht mal unterwegs zu sein und irgendwo auf der Welt ein bisschen Armut zu erleben – das hilft.
Mut zum Zeugnis im Arbeitsumfeld
Was hilft dir, mutiger zu werden, auch über den Herrn zu sprechen – besonders dann, wenn dein Umfeld vielleicht eher ablehnend ist?
In den letzten Jahren war das bei meiner Arbeit so. Ich habe es mit schwer kriminellen Menschen zu tun. Anfangs war ich zögerlich, auch im Umgang mit den Kollegen. Doch über die Jahre, als das Vertrauen gewachsen ist, bin ich mutiger geworden.
Man bekennt den Herrn und merkt, dass er geholfen hat, dass er sich dazu gestellt hat. Mir ist nichts passiert, und es hat gutgetan.
Ein schönes Beispiel sind Menschen, die eher introvertiert sind und vielleicht nicht so expressiv, extrovertiert oder unsicher sind. Gerade wenn es darum geht, mit Kollegen zu sprechen, Beziehungen aufzubauen oder Alltagsmissionen zu leben, ist das oft eine Herausforderung.
Meine Frau zum Beispiel hat große Angst davor, Leute anzusprechen, etwa bei einem Bügertisch. Für sie ist das ein Horror, weil ihr die Worte fehlen.
Ich habe gelernt, dass die Gemeinde ein Körper ist, ein Leib, der mit verschiedenen Gliedern funktioniert. Von deiner Leber hast du zum Beispiel wahrscheinlich noch nie etwas gehört – außer du hast über dreißig Jahre viel Alkohol getrunken. Oder von den Nieren. Sie sagen nie einen Ton, sind aber lebensnotwendig.
So gibt es auch in der Gemeinde Glieder, von denen man nichts hört, die aber genauso wichtig sind wie Mund, Augen, Ohren oder Hände. In der Summe der Teile wirkt sich das aus.
Früher habe ich viel stärker darauf gepocht, dass jeder Traktate verteilen soll und jeder das tun muss. Das ist auch wichtig, aber es gibt Leute, die können das nicht oder trauen sich nicht. Sie haben andere Gaben, und ich ermutige sie eher, diese einzusetzen.
Meine Frau und ich sind ein Team, wir haben verschiedene Aufgaben. Das habe ich in der Gemeinde entdeckt: Wenn wir gemeinsam funktionieren, entsteht Frucht.
Vorbilder und Erfahrungen in der Alltagsmission
Hast du Vorbilder, bei denen du sagst: So, wie diese Person es macht – gerade in Bezug auf Alltagsmission?
Wir haben Geschwister, von denen man kaum hört, dass sie laut irgendwo predigen. Dennoch bezeugen sie den Herrn im Alltag ständig, zum Beispiel in der Verwandtschaft oder gegenüber dem Ehepartner.
Ich habe Brüder, die ich sehr bewundere. Auch aus der Geschichte habe ich viel aus Biografien gelernt. Ein konkretes Beispiel kann ich dir jetzt nicht nennen, glaube ich.
Eine Schwester von uns, die eher zurückhaltend ist, beeindruckt mich besonders. Sie passt oft auf den Hund ihrer Tochter auf. Nun ging sie einfach jeden Tag mit der Nachbarin, die ebenfalls einen Hund hat, spazieren. Im Laufe der Wochen ergab sich daraus, dass sie über Jesus sprechen konnte – etwas, das vorher undenkbar war.
Diese Schwester ist eher still, putzt und kocht Kaffee, anstatt als Evangelistin aufzutreten. Trotzdem hat sie es geschafft, Zeugnis zu geben. Das hat mich sehr beeindruckt.
Das ist schön und ermutigend, oder? Welche Erfahrungen hast du in deiner Alltagsmission gemacht? Du kannst uns gerne schreiben – zum Beispiel per E-Mail an edheukebach.org.
Ich würde mich freuen, wenn du deine Erfahrungen mit uns und anderen teilst. Denn als Alltagsmissionare sind wir nicht allein unterwegs, sondern gemeinsam.
Gemeindegründung im katholischen Bayern
Franz, ich würde gerne mit dir über das Thema Gemeinde und Gemeindegründung sprechen, besonders im katholischen Kontext. Du bist selbst als Gemeindegründer aktiv gewesen und hast ziemlich früh nach deiner Bekehrung ein Buch über Gemeindegründung gelesen. Was war das für ein Buch? Wie bist du dazu gekommen? Was ist bisher entstanden?
Gemeindegründung hängt immer von Jesus ab. Man kann zwar Pläne schmieden, aber es kommt auf Gottes Führung an. Drei Jahre lang, während unserer Bibelschulzeit, hatten wir den Plan, in eine Stadt in Oberbayern zu ziehen, um dort eine Gemeinde zu gründen. Wir haben drei Jahre lang eine Wohnung gesucht, Zeitungsannoncen aufgegeben.
Als ich dann im Umzugslkw auf dem Weg von Nordrhein-Westfalen nach Oberbayern saß, lag das Klapphandy auf der Ablage. Ich war überzeugt, dass während der Fahrt das Telefon klingeln würde und wir eine Wohnung finden würden.
Du hattest bis dahin also gar keine Wohnung und wolltest einfach nur dorthin ziehen?
Genau, ich wollte dort Gemeindegründung machen. Es war klar, alle haben dafür gebetet. Doch es hat nichts geklingelt. Wir standen auf dem Parkplatz bei den Schwiegereltern mit einem Umzugslkw voller Möbel, hatten keine Wohnung, zwei Kinder und wussten nicht, wo wir jetzt hin sollten. Das war der erste Versuch, eine Gemeinde zu gründen. Ich dachte plötzlich, ich verstehe Gott nicht mehr.
Du warst also im Glauben herausgefordert?
Ja, wir sind nie wirklich angekommen, um dort eine Gemeinde zu gründen. Nach einiger Zeit haben wir wieder eingepackt und sind woanders hingefahren. Unsere Möbel haben wir auf einem Bauernhof im Keller verstaut, und wir sind bei den Schwiegereltern eingezogen.
Das war der erste Anlauf. Im Laufe der Jahre haben wir gelernt, dass wir warten müssen, bis der Herr uns zeigt, wohin wir gehen sollen. Kurz danach kam der Ruf zu einer Gemeindegründungsarbeit in Niederbayern. Dort sind wir hingegangen und in fünf Jahren ist eine Gemeinde entstanden.
Von dort aus sind wir nach Österreich gegangen und haben einen neuen Versuch in Richtung Passau gestartet. Aber auch dort konnten wir keine Gemeinde gründen. Ein Jahr lang haben wir gesucht, hatten mittlerweile sechs Kinder und fanden kein Haus. Schließlich sind wir gezwungenermaßen in mein Heimatdorf gezogen – ein Ort, zu dem ich nie zurückkehren wollte.
Dort hat uns der Herr gezeigt, dass wir in eine bestehende Gemeinde gehen sollen, die geistlich schwach war – das war damals meine Einschätzung. Von dort aus haben wir Gemeindeaufbauarbeit gemacht.
Im Bayerischen Wald haben wir eine kleine, sterbende Gemeinde entdeckt. Dort waren nur noch fünf Frauen übrig. Es gab keinen Prediger und keine Predigt. Die Gemeinde hat sonntags nur gesungen und gebetet. Ich wusste, dass ich ihnen helfen muss. Deshalb bin ich dreimal im Monat vor unserem eigenen Gottesdienst dorthin gefahren, um zu predigen. Die Gemeinde hat sich erholt und zählt jetzt circa dreißig Leute.
Mittlerweile hat ein Mitbruder die Verantwortung für die Gemeinde übernommen. Drei junge Familien aus unserer Gemeinde haben in der Nachbarstadt eine neue Gemeinde gestartet. Gerade vorgestern haben wir dort Gemeinderäume besichtigt und überlegt, ob wir diese mieten sollen.
Wir sind also im Alltag unterwegs und schauen, wo sich etwas entwickelt, wo es offene Türen gibt. Dann kann es passieren, dass wir eine kleine bestehende Gemeinde übernehmen oder vor dem Aussterben bewahren. Manchmal fangen wir auch neu an. Das ist vorher oft gar nicht so sichtbar.
Evangelisationskultur und Herausforderungen im katholischen Umfeld
Wie ermutigst du die Geschwister, die Gemeindeglieder, Alltagsmissionen zu leben? Welche Evangelisationskultur habt ihr in der Gemeinde? Man hat ja immer irgendwie eine Kultur oder Nichtkultur. Genau, wie lebt ihr das?
Ich glaube, das ist ähnlich wie bei einem total verwilderten Garten. Du kaufst dir ein altes, verfallenes Haus, alles voller Gestrüpp und Dornen, und du willst etwas daraus machen. Dann ist es vielschichtiger. Wir müssen beginnen, wieder zu beten, dass der Herr uns hilft, richtig einzuschätzen, was zu tun ist. Das Unkraut muss ausgerissen werden, und es muss etwas Neues gepflanzt werden.
In unserer Gemeinde gab es eine Situation, in der keine Mitarbeiter mehr da waren. Neue Mitarbeiter zu finden, war notwendig. Ich denke, das ist wie ein Organismus, der wächst, wenn der Herr gesucht wird. Wenn die Geschwister merken, dass es sich lohnt und erfüllt, sich in das Reich Gottes zu investieren, dann richtet sich der Fokus wieder mehr auf die Gemeinde und weniger auf die Welt, Hobbys und anderes.
Das geschieht über Jahre hinweg. Ich habe keine genaue Beschreibung dafür. Es beginnt damit, dass wir sagen: Wir wollen jetzt das, was wir glauben, zur Realität werden lassen und sichtbar machen. Dann tut der Herr etwas. Da bin ich manchmal überfordert, aber wir machen das jetzt seit 15 Jahren.
Wenn dann wieder jemand zum Glauben kommt, und es eine Taufe gibt, tut der Herr plötzlich Wunder. In unserer Versammlung haben wir jeden Sonntag etwa zwanzig Minuten Zeit, um mitzuteilen, was der Herr getan hat. Da gibt es manchmal vier, fünf oder sechs Zeugnisse, die uns fast umgehauen haben. Manchmal hätten wir uns fast die Predigt sparen können, weil es so beeindruckend war, was der Herr tut. Es ist wie ein kleines Feuer, das dadurch entfacht wird.
Wir haben dann mit gemeinsamen Mittagessen begonnen – fünf Jahre lang jeden Sonntag, bis Corona kam. Jetzt machen wir das nur noch alle 14 Tage, und das ist auch gut. Denn inzwischen sind viele Kinder geboren, es ist wahnsinnig laut und viel Arbeit, wenn 70 Leute essen, alles gespült und aufgeräumt werden muss. Aber es ist richtig schön bei uns. Ich selbst war ja schon mal dort und habe das Mittagessen sehr genossen. Dabei machen alle mit.
Das ist ein Teil der Hingabe, sich der Gemeinschaft der Geschwister hinzugeben, auch mit Schweiß. Bei der Gemeindefreizeit haben wir selbst gekocht. Manche Frauen haben sich wirklich verausgabt, aber insgesamt war es sehr schön, einfach zu dienen.
Jetzt hat sich eine Familie bekehrt – die Mutter – und der Bruder steht kurz vor der Bekehrung. Das ist bemerkenswert, denn bei uns im Bayerischen Wald bekehren sich sehr wenige Menschen. Wenn aber ein paar kommen, entsteht daraus eine wahnsinnige Kraft für alle anderen.
Ihr seid in der Gegend um Passau tätig, einem sehr starken katholischen Kontext. Mit was für einem Schlag Menschen hat man dort zu tun? Was ist charakteristisch?
Das ist ziemlich unterschiedlich. Wenn man Richtung Norden, in den Bayerischen Wald fährt, sind die Leute anders. In der Stadt zum Beispiel gibt es viele verschiedene Kulturen und Nationalitäten. Wenn man mit der Bibel kommt, ist es dort grundsätzlich sofort Feierabend – dann ist alles vorbei.
Warum? Weil der Einwohner aus dem Bayerischen Wald das als Gefahr sieht. Das ist gefährlich, sie wollen dich bekehren. Denn nur der Priester darf die Bibel benutzen. Die meisten haben mit Kirche zwar nichts mehr zu tun, sind aber gegen das Wort Gottes immunisiert. Sie können damit nichts anfangen, haben es noch nie gehört, und verbinden es mit Sekten.
Es geht dort fast nur über das gelebte Zeugnis. In unserem evangelistischen Bibelkreis haben wir gerade drei Gruppen. In einer Gruppe war eine Frau fast zehn Jahre jede Woche dabei, ist aber nicht zum Glauben gekommen und wieder weg. In der Gruppe, die ich leite, war eine Frau fünf Jahre regelmäßig dabei, ist jetzt wieder weg, aber nun wieder zurückgekommen.
Das dauert jahrelang. Gerade wenn ein Mensch älter ist und einen katholischen Hintergrund hat, kann man fünf bis zehn Jahre rechnen – wenn überhaupt. Das ist eigentlich kaum zu begreifen. Sie sind so weit entfernt vom richtigen Verständnis des Evangeliums.
Das ist eine besondere Herausforderung, wahrscheinlich typisch für den katholischen Kontext. Es braucht Zeit, ein persönliches, gelebtes Zeugnis und eine gewisse Abneigung, wenn man mit Gottes Wort um die Ecke kommt.
Fehler und Lernprozesse in der Alltagsmission im katholischen Kontext
Was ist in der Alltagsmission im katholischen Kontext überhaupt nicht hilfreich? Was sollte man unbedingt vermeiden? Welche Fehler habe ich selbst gemacht, und was können wir daraus lernen?
Nach meiner Bekehrung habe ich natürlich sehr wild mit Worten, Büchern und Schriften um mich geworfen. Ich dachte, die Leute müssten das doch verstehen. Genau hier hätte ich am Anfang vielleicht mehr Weisheit gebraucht. Obwohl es in Ordnung war, denn das Motiv war gut. Nein, mich hat keiner gebremst.
Die wenigen Christen, die es gibt, haben es eher so gemacht, dass sie, wenn jemand zum Glauben kommt, sofort versucht haben, ihn von der katholischen Ehe wegzubringen. Sie sagten: Du musst sofort austreten, geh ja nicht mehr hin. Bei mir ging es sogar so weit, dass mir geraten wurde, bei der Beerdigung meiner Großmutter nicht hinzugehen. Die Geschwister meinten, das sei alles okkult. Heute denke ich, das wäre ein ziemlich dummer Rat gewesen – einfach unweise.
Man muss vielmehr so vorgehen, dass die Leute erst einmal da bleiben, wo sie sind, und erst mal die Füße stillhalten. Wenn es ein Zeugnis geben soll, dann muss es aus dem veränderten Leben hervorgehen. Dann kann man sich eigentlich das andere sparen. Sonst macht man nur viele Türen zu, die man später nicht mehr aufbekommt. Das ist bei mir auch passiert.
Ich würde es heute anders machen. Man muss ja dann wieder einen Weg zurückfinden. Man will ja das Evangelium dorthin bringen. Wenn man sich zuerst verabschiedet und alle Türen schließt, alle Leute verprellt und alle Brücken in die Luft sprengt – radikalistisch –, dann dauert es lange, diese wieder aufzubauen. Das ist schade.
Das machen wir heute anders. Ich ermutige jemanden, der zum Glauben kommt, sich ganz vorsichtig zu bewegen. Diese über Jahrzehnte gewachsenen, unwahrscheinlich wertvollen Beziehungen im normalen Alltag sollten erhalten bleiben. Denn genau das ist der Transportweg fürs Evangelium.
Jetzt sagen andere vielleicht: „Je nachdem, aus welchem Kontext du kommst, musst du das abbrechen, weil es dir nicht gut tut.“ Zum Beispiel, wenn jemand aus den Drogen kommt. Das hat wahrscheinlich schon Grenzen. Das ist ein Extremfall.
Aber normalerweise würde ich sagen: Bleib in dem, wo du warst, und lebe Alltagsmission. Wenn derjenige einen Christen hat, der ihn begleitet und für ihn sozusagen die Hotline ist – „Was mache ich denn jetzt?“ – dann ist das toll. Denn so kann er ganz vorsichtig lernen.
Wir haben zum Beispiel jetzt jemanden, der noch nicht lange gläubig ist, seit letztem Jahr. Er ist Fußballtrainer und in vielen Bereichen engagiert. Ich sage zu ihm: „Bleib da, ganz vorsichtig.“ Natürlich wird der Herr vielleicht an manchen Stellen sagen, hier gehst du weg. Aber es ist nicht gut, wenn das von mir kommt, bevor klar ist, dass er das muss. Den Weg zeigt ihm der Herr dann durch Umstände, glaube ich.
Erfahrungen mit katholischen Christen und Glaubensgesprächen
Du bist selbst katholisch geprägt und aufgewachsen. Was haben die Christen, mit denen du zu tun hattest, in der Evangelisation – auch bei dir – richtig gemacht?
Ja, sie waren mutig. Mutig, vom Herrn zu reden und Bekehrungen nicht zu vermeiden. Sie haben das Wort richtig verstanden, nämlich dass man Jesus braucht und dass alles andere nichts hilft. Das war für mich ganz wichtig.
Was sind gute Gesprächsthemen, die man mit jemandem haben kann, der tief im Katholizismus verwurzelt ist, die Bibel aber scheut und meint, er mache das schon alles richtig? Wo setzt man da an, weißt du?
Wenn er fromm ist, dann sind Gott, die Dreieinigkeit und die Tatsache, dass Jesus Gottes Sohn ist, für ihn klar und unbestritten. Dann setzt man dort an und hinterfragt vielleicht seinen Alltag. Das sind aber wenige, die das aktiv noch bekennen würden. Die meisten sind einfach säkularisiert, haben nichts mit Gott oder Kirche zu tun. Wenn überhaupt, dann sind sie noch traditionell, gehen an bestimmten Tagen in die Kirche und lassen sich vielleicht noch trauen – katholisch oder so.
Ja, das verändert sich, das merkt man ja selbst. Vor zwanzig Jahren war die Stimmung eine andere als heute. Da muss man sich anpassen, denn die Situation ist total anders.
Was sind typische Missverständnisse, wenn du mit Katholiken über deinen Glauben und das Evangelium sprichst?
Das, was jeder befürchtet, ist, dass mit ihm etwas gemacht wird – dass er bekehrt wird oder so etwas, dass er da irgendwie reingerät gegen seinen Willen. Dass er vereinnahmt wird, dass es ihn Geld kostet oder Ähnliches. Die Leute sind da sehr empfindlich, und das ist auch berechtigt. Es gibt ja auch schlimme Sekten, die im Bayerischen Wald ihr Unwesen treiben und die Menschen noch mehr davon überzeugen, dass das alles nichts Gutes ist.
Was hast du aus Gesprächen mit Katholiken für deinen eigenen Glauben lernen können? Hast du Ermutigung erfahren oder neue Perspektiven bekommen?
Dass man nicht versteht, warum man selbst glauben kann, während alle um einen herum nicht glauben können. Ich weiß nicht, ob sie nicht glauben wollen oder nicht glauben können. Sie sind einfach so weit weg. Und dass der Herr mich schon als Kind immer wieder angestupst hat und mir nachgegangen ist, bis ich endlich so weit war – das haut mich um.
Natürlich weiß ich, wie sie empfinden und wie die Leute denken, denn ich war ja vorher selbst so. Im Vergleich zu Gesprächen mit Muslimen ist es beim Katholiken einfacher. Das Gute ist, dass es von der Geschichte her gute Grundlagen gibt, auf denen man aufbauen kann. Gerade die Dreieinigkeitslehre und andere wichtige Lehren sind noch vorhanden, auch wenn die Menschen sehr säkularisiert sind oder nur noch traditionell katholisch.
Von der Kultur und Geschichte her ist es ja nicht so lange her, dass der Glaube ein Thema in unserer Gesellschaft war. Er ist noch tief verankert. Da muss man schauen: Wo ist noch so ein Trümmerstück übrig, an das man anknüpfen kann? Was liegt da noch herum, auf das man etwas draufmörteln kann?
Wie ist das gerade bei jüngeren Leuten? Kirche, Enttäuschungen, Missbrauchsfälle – da wollen viele nichts mehr mit der katholischen Kirche zu tun haben. Gerade junge Menschen und junge Erwachsene wenden sich oft ab. Sie sind vom christlichen Glauben abgeschreckt, weil sie Christentum mit katholischer Kirche gleichsetzen.
Wie begegnest du diesen Vorbehalten? Wie gewinnst du Menschen trotz ihrer starken Ablehnung gegenüber Christentum und Kirche?
Ehrlich gesagt, ich bin da nicht gut bei Jugendlichen.
Warum?
Es ist irgendwie so weit weg, vom Alter her und vom Alltag. Ich habe eigentlich kaum Berührungspunkte mit Jugendlichen.
Ich merke das bei meiner Tochter. Sie hat einige Freundinnen, mit denen sie so gute Freundschaften hat, dass sie ganz natürlich vom Herrn reden kann. Sie sagt auch, dass sie für sie betet. Das ist eigentlich die gleiche Geschichte: Dort, wo Begegnung stattfindet und das Leben sich überschneidet, ist es möglich.
Sonst?
Es hat sich jetzt eine junge Frau bekehrt, und ihr leiblicher Bruder auch. Das sind zwei Geschwister, deren Eltern nicht mitgekommen sind. Beide sind zum Glauben gekommen und haben kurz hintereinander geheiratet – glaube ich, nur ein halbes Jahr dazwischen. Jetzt sind beide weggezogen: der Bruder vor einem halben Jahr nach Leipzig, die Schwester vorgestern nach Stuttgart.
Da merkt man deutlich, dass bei jungen Menschen eine Suche und Sehnsucht nach dem Evangelium da ist. Aber das lief nicht über mich, sondern über andere junge Leute, die näher dran sind. Genau.
Alltagsmission im Pflegeberuf
Reden wir ein bisschen über den Pflegeberuf, in dem du arbeitest, in einer psychiatrischen Einrichtung. Du hast wahrscheinlich oft mit Menschen zu tun, die ziemlich am Ende sind und verzweifelt. Siehst du da mehr Offenheit bei solchen Menschen als bei denen, die es im Leben gut haben?
Früher, als ich einige Jahre auf der Krebsstation gearbeitet habe – das ist schon länger her – dachte ich, dass die Leute dort besonders offen wären. Sie blicken ja irgendwie dem Tod ins Auge und befinden sich in Lebensgefahr. Aber eigentlich war das Gegenteil der Fall. Die meisten waren so sehr mit der Krankheit beschäftigt, dass kaum ein Zugang möglich war. Das kam nur ganz selten vor.
Was würdest du sagen, was sind die Chancen und Herausforderungen, ganz besonders als Alltagsmissionar im Pflegeberuf allgemein? Du hast jetzt eine besondere Situation, aber vielleicht hört der eine oder andere zu, der auch im Krankenhaus arbeitet, als Pfleger oder in der ambulanten Pflege.
Die Jahre in der Somatik, also im normalen Krankenhaus, sind wirklich heftig, was man da leisten muss. Ich weiß das, denn zwei meiner Töchter sind Krankenschwestern und sind nach der Arbeit oft völlig erschöpft. Ich glaube, dass man als Christ besonders gut für diesen Job geeignet ist, weil man sich die Kraft, die man braucht, vom Herrn erbitten kann – vor allem aber die Liebe.
Die Liebe geht einem ja aus auf Station, wenn man nur noch „rödeln“ muss. Eine meiner Töchter arbeitet in der Notaufnahme, wo sie in einer Schicht teilweise 70 Menschen aufnehmen. Da herrscht ein ständiger Durchlauf, die Füße tun weh, und es gibt wahrscheinlich immer Personalmangel.
Ich glaube, dass es einfach so ist: Viele Christen arbeiten im Pflegeberuf. Mit der Hilfe des Herrn muss man sich bewahren, dass die Liebe nicht erkaltet, dass man sie immer noch hat. Denn wenn du selbst auf Hilfe angewiesen bist, operiert bist und Schmerzen hast, ist es das Stärkste, wenn eine Pflegekraft echte Liebe zeigt.
Das geht aber nicht allein. Man muss sich diese Liebe unbedingt vom Herrn holen. Und es geht. Wir haben eben schon über Gebet gesprochen.
Welche Rolle spielt Gebet praktisch in deinem Leben als Alltagsmissionar, zum Beispiel im Job, aber auch sonst?
Ich habe dir vorher von unseren Gebetstreffen erzählt. Meine Erfahrung ist, dass das Beten in Gemeinschaft leichter fällt als alleine. Ich kann mich bei der Gebetsstunde zum Beispiel eine Stunde lang voll konzentrieren, das schaffe ich alleine kaum. Da schweifen meine Gedanken ständig ab.
Deshalb habe ich entdeckt: Gebet in Gemeinschaft ist für mich total wichtig, weil es mich irgendwie auflädt. Gleichzeitig muss man aber auch die Stille allein vor dem Herrn suchen. Nur so kann man sein Herz ausbreiten, das macht man nicht mit anderen zusammen.
Über längere Zeit hatte ich oft drei, vier, fünf Gebetspunkte in der Woche. Dann war es mir nicht schade, dafür herumzufahren. Mir war klar: Davon lebe ich, auch unsere Arbeit lebt davon.
Es gibt viele Gemeinden, die irgendwo feststecken und Streit haben. Wir haben aber seit mindestens fünf Jahren wirklich Frieden. Das ist einfach die Frucht vom Gebet, dass man beständig am Herrn dranbleibt und dafür betet, dass die Gemeinde in Frieden leben kann.
Ich weiß gar nicht, wie das ohne Gebet gehen soll. Aber ich bin kein großer Beter, ich habe immer damit zu kämpfen. Ich zwinge mich, weißt du. Wenn ich mich mit einem Bruder verabrede, dann muss ich da hinfahren. Oder wenn er vor der Tür steht, muss ich aufstehen, weil es hilft.
Gebet ist auch der erste Schritt in der Alltagsmission. Wir haben hier im Podcast schon öfter darüber gesprochen, wie umkämpft und herausfordernd das ist. Die Impulse, die du in unserem Gespräch gegeben hast, waren sehr gut: das gemeinsame Gebet, der Wert, auch morgens früh in Gruppen oder in Zweierschaften zu beten.
Lass uns noch kurz darüber sprechen: Wie ist es mit deinen Kollegen in der Psychiatrie? Wie reagieren sie auf deinen Glauben? Du warst zurückhaltend, sie sehen, wie du bist und wie du drauf bist. Kann man da auch mal darüber reden, oder ist das eher schwierig?
Nein, das ist jetzt nicht mehr schwierig. Nach drei, vier Jahren braucht es einfach Zeit. Und es muss echt sein. Wir fangen niemanden ein und verkaufen niemanden, sondern wir lieben jemanden.
Ich glaube, wenn die Liebe das Leben mit einschließt – nicht nur „Wir arbeiten sieben Stunden zusammen, dann gehen wir auseinander und alles ist egal“ –, sondern wenn ich Verantwortung spüre, dann verändert das etwas.
Das ist ein Mensch, mit dem ich viel Zeit verbringe, mehr als mit meiner Frau. Ich bin ja nicht immer acht Stunden am Stück mit meiner Frau am Schreibtisch, um mit ihr oder den Kindern zu sprechen. Das ist ein großer Teil meines Lebens.
Wenn ich merke, dass ein Kollege kein Interesse hat, lasse ich es. Das ist auch ein Ausdruck von Respekt.
Ich hatte mal eine Situation, in der ich einen kleinen „Testluftballon“ losgelassen habe. Ich sagte zu zwei Krankenschwestern: „Was mich wundert, ist, über was wir alles reden – aber über Gott sprechen wir eigentlich nie. Habt ihr keine Fragen?“
Dann bin ich absichtlich rausgegangen, um etwas anderes zu machen. Als ich zurückkam und keine Rückfrage kam, war das Thema erledigt. Denn wenn sie eine Frage hätten, würden sie mich darauf ansprechen. Sie fragen ja sonst auch alles.
Das heißt, ich muss einfach warten auf die Gelegenheit. Und im Leben des anderen muss etwas passieren, damit er offen wird oder fragt.
Ein Patient sagte mir letzte Woche: „Herr Silvereisen, ich habe den Eindruck, dass Gott das so macht, dass man mit ihm in Verbindung kommt und das merkt.“ Ich sage dann meistens: „Ja, meistens schickt er einfach jemanden vorbei.“
Weißt du, das mache ich immer so, weil die Leute oft gar nicht merken, dass ich es bin. Das passiert genau in dem Moment. Sie sehen nicht den Talar, den du an hast.
Mein Automechaniker zum Beispiel – ich glaube, sechs Leute aus der Gemeinde lassen dort ihr Auto reparieren. Ich schleppe die alle hin. Er ist einfach ein toller Mann, ehrlich, und man kann sich darauf verlassen, dass er einen nicht übers Ohr haut.
Neulich sagte ich zu ihm: „Ich muss dich bewundern. Du bist wahrscheinlich der Automechaniker auf der ganzen Welt, der die meisten Christen als Kunden hat.“ Aber es interessiert ihn nicht.
Ich sagte zu ihm: „Denk mal nach, das gibt es ja nicht. Was für ein krasses Wunder Gott in deinem Leben tut.“ Und was sagt er? „Das Nächste sagst du mir nicht mehr, das überfordert mich.“
Buchempfehlung und persönliche Herausforderungen
Franz, ich danke dir für die Zeit und das Gespräch. Du hast viele Einblicke gegeben, auch einige Dinge, über die ich selbst noch nachdenken muss.
Vielleicht zum Schluss habe ich noch drei Fragen: Welches Buch kannst du empfehlen? So richtig, wo du sagst: „Boah, Leute, das müsst ihr unbedingt lesen!“ Außer der Bibel, die hast du ja immer dabei.
Ja, du hast mich auf diese Frage vorbereitet, deshalb konnte ich kurz nachdenken. Es ist etwas speziell. Ich habe ungefähr schon mindestens tausend Bücher gekauft und praktisch fast alle wieder an die Gemeindebibliothek oder Ähnliches verschenkt. Ich habe jetzt nicht viele Bücher. Aber das ist mein Lieblingsbuch: Es heißt „Die Karriere“. Nein, der erste Teil heißt genau so, „Die Karriere“, und der zweite Teil heißt „Der größere Reichtum“.
Das ist ein altes Buch, das es nicht mehr gibt. Es ist ein christlicher Roman, in dem es um einen Pastor und seine ganze Lebensgeschichte geht, von Grace Irwin. Dieses Buch werdet ihr vielleicht noch zehn oder zwanzig Mal im Internet finden. Ich lese es einmal im Jahr oder zweimal.
Welche der beiden? Die gehören zusammen. Die zwei gibt es eigentlich in einem Sammelband antiquarisch. Ich verschenke das auch, wenn es geht. Da sind alle Situationen und Stationen drin, die ich in meinem Leben als Christ und auch im Dienst in der Gemeinde schon erlebt habe. Deshalb ist es so wertvoll, weil es mich so wieder spiegelt.
Was ist deine eigene größte Herausforderung, wenn es um Alltagsmission geht, in deinem Beruf, im katholischen Kontext?
Ich denke, das sind meine Kinder. Dass es so echt ist, dass es letztendlich auch dort mündet, dass sie selbst dem Herrn nachfolgen. Es war schon sehr schwierig in den letzten Jahren.
Ja, Kinder bekommen ist einfach ein gewaltiges Projekt. Ich habe nicht daran gedacht, dass es so lange dauert. Man denkt ja, man bekommt einfach ein Kind und fertig. Aber dann sind es doch mal 25 Jahre.
Ich glaube, wenn das Zeugnis in der Gemeinde oder am Arbeitsplatz und auch in der eigenen Familie irgendwie zusammenstimmt, dann ist das schon die größte Herausforderung. Auch dass die Zeit da ist, um mit jedem einzelnen Zeit zu verbringen – das fällt mir sehr schwer. Das zu schaffen, da bin ich auf die Gnade Gottes angewiesen.
Letzte Frage: Welchen Tipp hast du für unsere Hörer, den sie gleich jetzt umsetzen können oder nächste Woche?
Ich würde es vielleicht mit dem Bibelvers sagen, der mich sehr ermutigt hat. Hebräer 6 ist ja ein schwieriges Kapitel. Ich grabe da drin herum, markiere im Bibeltext, denke nach und bete auch mit diesem Blatt.
Es heißt hier: Der Schreiber, der den Brief an die Zuhörer schrieb, von denen er genau wusste, wo sie geistlich stehen, sagt: „Wir wünschen aber sehr, dass jeder von euch denselben Eifer um die volle Gewissheit der Hoffnung bis ans Ende beweist.“
Also hier geht es um Eifer. Dass diese Hoffnung, die wir haben, sozusagen fest ist – bis zur vollen Gewissheit. Gib dich nicht damit zufrieden, dass es zu 70 oder zu 50 Prozent wahr sein wird, sondern wir sollen zur vollen Gewissheit der Hoffnung kommen. Damit ihr nicht träge werdet, sondern Nachahmer derer, die durch Glauben und Ausharren die Verheißungen erben.
Abraham ist hier das Beispiel. Er hat durchgezogen. Er hat 25 Jahre auf seinen Sohn gewartet, auch mit Tiefen und Rückschlägen, aber er hat es durchgehalten.
Das ist mein Wunsch an euch da draußen, die ihr zuhört oder wo auch immer. Wir wollen auch durchaus harren und glauben, die Verheißung erben und das Ziel erreichen.
Und stark abschließen.
Stark abschließen, genau.
Franz, vielen Dank!
Ja, super, schön war es.
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Ich sage tschüss, bis zum nächsten Mal.