Serie•Teil 2 / 7Göttliche Anweisungen für gelingende Beziehungen
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Ein historischer Blick auf Wandel und Rollenbilder
1864 ließ die Universität Zürich als erste schweizerische Universität Frauen zum Studium zu. 1913 studierte die erste Schweizerin Theologie. 1971 wurde in der Schweiz das eidgenössische Frauenstimmrecht eingeführt, und auf kantonaler Ebene bekamen die Frauen in Appenzell Innerrhoden das Stimmrecht erst 1990. Da war ich bereits 34 Jahre alt.
Es ist noch nicht lange her, da war man sich einig, dass die Frau an den Herd gehört und dafür zuständig ist, dass Mann und Kind gut versorgt werden. Und das will ich euch nun anhand einer Doktor-Oetker-Werbung aus den fünfziger Jahren zeigen, weil die jüngeren Leute, selbst wenn ich das zu erklären versuche, mir nicht glauben würden, dass das wirklich mal so war.
In diesem Fall gibt es wieder zwei Möglichkeiten: Entweder er ist frei oder vergeben. Wenn er wieder frei ist, dann wird er jetzt gebunden. Wer da aber nun glaubt, dass eine Frau sich jetzt auf ihren Lorbeeren ausruhen kann, der irrt sich ganz gewaltig. Im Gegenteil: Ein Mann will täglich aufs Neue gewonnen sein. Das haben wir Männer so an uns, das sind wir gewöhnt, und das wollen wir dann auch so haben.
Es macht Spaß zuzusehen, denn Backen macht Freude. Eigentlich hat sie es ja viel besser als er, sie darf backen. So. Jetzt aber Tempo, bald wird Peter da sein mit einem Bärenhunger!
Sie wissen ja, eine Frau hat zwei Lebensfragen: Was soll ich anziehen, und was soll ich kochen? Es ist erstaunlich, was ein Mann alles essen kann, wenn er verheiratet ist. Anscheinend kommt auch der Appetit mit der Ehe. Ja, und das Allerwichtigste für ihn ist der Pudding. Richtig, Sie wissen ja: Männer, die gern Süßes essen, haben einen guten Charakter.
Natürlich nur bei einem solchen Erfolg. Und da gibt es eben die eine ganz bestimmte, altbewährte Möglichkeit, nämlich einen Kuchen, von mir selbst gebacken, mit Dr. Oetker Backpulver zu backen.
Kuchen macht uns Männer sanft und verträglich, da kann das neue Kleid ruhig hundert Mark mehr kosten, oder sagen wir fünf. Übrigens gibt es bei Doktor Oetker nicht nur eine oder zwei.
Also würde heute eine solche Werbung gezeigt, denkt man erstens, wenn man es nicht wüsste, das sei eine Comedy. Aber wenn das wirklich heute allen Ernstes noch gezeigt würde, gäbe es zu Recht einen riesigen Skandal, und Frauen würden diese Produkte boykottieren.
Das Rollenverständnis zwischen Frau und Mann war komplett anders als heute. Damals wäre es nicht schwierig gewesen, über den heutigen Predigttext zu sprechen. „Ihr Frauen ordnet euch euren eigenen Männern unter wie dem Herrn“, schliesslich geht es ja darum, dass ihr die Männer zufrieden stellt, wie wir ja gehört haben in dieser Werbung.
Bereits während der Textlesung damals hätten nicht alle, aber die meisten Gemeindeglieder diesem Vers inhaltlich zugestimmt, Frauen und Männer. Und nicht nur in der Kirche hätte man dieser Aussage zugestimmt, sondern auch in der Gesellschaft allgemein. Das haben wir jetzt gesehen.
Es gab nicht einmal eine Rechtsgleichheit für die Frau gegenüber dem Mann. Ein Mann konnte ohne Wissen seiner Frau die Wohnung kündigen, eine neue Wohnung mieten und der Frau praktisch eine Woche vorher erklären, dass wir jetzt umziehen werden. Die Frau hatte keine Chance, sie musste mit umziehen. Heute ist das nicht mehr möglich. Ein Mann, der verheiratet ist, kann keinen Mietvertrag mehr unterzeichnen, ohne dass seine Frau mitunterzeichnet.
Gut haben sich die Zeiten geändert, und das geschah, weil Frauen für ihre Rechte kämpften. So wurde vieles, was heute den jungen Frauen selbstverständlich ist, erkämpft.
Doch das gilt nicht für alle Frauen. Es gibt viele große Völker, in denen Frauen noch keine Rechtsgleichheit zugestanden wird und in denen sie als minderwertiges Wesen betrachtet werden. Ich könnte euch Stunden erzählen, was man alles über die Frau gesagt hat: Sie habe ein kleineres Gehirn als der Mann, und ich weiß nicht was alles. Also, es ist unglaublich. Aber es gibt noch viele, viele Völker, in denen Frauen diskriminiert und unterdrückt werden und das gesellschaftlich als normal angesehen wird.
Interessanterweise hat sich die Stellung der Frau besonders in den christlich geprägten Ländern wesentlich verbessert. Heute können Frauen praktisch jeden Beruf lernen, jedes Studium absolvieren, promovieren und auch in der Politik verantwortliche Ämter besetzen.
Ein Text, der quer zur Gegenwart steht
Nun habe ich das Problem, dass ich heute über einen Bibeltext spreche, der so gar nicht in unsere Zeit passt oder zu passen scheint. Paulus schreibt: Ihr Frauen, ordnet euch den eigenen Männern unter wie dem Herrn. Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Gemeinde ist, er, der sie rettet und zu seinem Leib gemacht hat. Aber wie nun die Gemeinde sich Christus unterordnet, so soll sich auch die Frau ihren Männern unterordnen in allen Dingen.
Es ist mir bewusst, dass die wenigsten dem, was Paulus hier sagt, freudig zustimmen. Vielleicht denken jetzt einige: Wie wird er erklären, dass das, was Paulus hier schreibt, gar nicht so gemeint ist, wie es dasteht? Ich hätte es mir auch einfacher machen können und gleich noch die Verse über den Mann dazunehmen. Denn die sind noch viel länger, es sind noch mehr Verse, in denen über den Mann gesprochen wird. Damit hätte ich mir Raum schaffen können, kurz ein paar beschwichtigende Worte zur Unterordnung der Frau zu sagen und zu betonen, dass sie, was ja natürlich auch richtig ist, vor Gott völlig gleichwertig dem Mann ist. Danach hätte ich mich dann dem Mann zuwenden können und den Aufgaben, quasi flüchten können in die Aufgabe der Männer und wie opferbereit sie gegenüber den Frauen sein sollen. Und dann hätte ich die Frauen wieder beschwichtigt.
Meistens wird das so gemacht. Die meisten predigen über den gesamten Text. Aber ich habe mich, warum auch immer, dazu entschieden, diese drei Verse genauer zu betrachten. Ich werde den Text aus zwei Blickwinkeln heraus betrachten. Zuerst beschäftigen wir uns damit, dass Paulus eine Konzession an eine gefallene Schöpfung machte. Danach werden wir uns damit beschäftigen, dass Paulus sich in Bezug auf die Beziehung von Mann und Frau an der vollkommenen Schöpfung inspirieren ließ.
Überschrieben habe ich diesen Abschnitt mit: Ehefrauen, orientiert euch an Christus.
Die erste Perspektive: Anpassung an eine beschädigte Wirklichkeit
Also zuerst Konzession oder Zugeständnisse an eine gefallene Schöpfung.
Heute sind Frauen und Männer weitgehend gleichgestellt, jedenfalls gleichgestellter als vor fünfzig Jahren. Es scheint, als müsste man das Rad der Zeit zurückdrehen, wenn sich die Frau ihrem Mann unterordnen sollte, so wie es Paulus hier schreibt.
Übrigens wird in Vers 22 das Verb „unterordnen“ gar nicht verwendet. In Vers 23 heißt es eigentlich wörtlich: „Ihr Frauen, euren eigenen Männern wie dem Herrn.“ Das ist eigentlich wörtlich, das heißt, es fehlt das Verb. Das ist natürlich kein Satz. Alle mir bekannten Übersetzungen übernehmen das Verb aus dem vorhergehenden Vers 21, den wir letzten Sonntag betrachtet hatten. Und wir könnten das dann folgendermaßen übersetzen, wenn wir beide Verse zusammennehmen:
„Ordnet euch einander unter, wie es die Ehrfurcht vor Christus verlangt, die Frauen speziell den eigenen Männern, wie sie das gegenüber dem Herrn tun.“
So könnte man diese beiden Verse miteinander übersetzen. Aber bleiben wir bei den gängigen, uns bekannten Übersetzungen: „Ihr Frauen, ordnet euch den eigenen Männern unter wie dem Herrn.“
Eines müssen wir gleich festhalten: Eine Frau soll sich ihrem eigenen Mann in dieser speziellen Weise unterordnen, nicht grundsätzlich den Männern. Das hat Paulus ja vorher erklärt: „Ordnet euch einander unter.“ Das ist die Unterordnung, die wir gegenseitig praktizieren sollen, das habe ich ja letzten Sonntag erklärt. Hier geht es jetzt um die spezielle Unterordnung der Frau unter den Mann, und zwar unter ihren eigenen Mann, nicht generell unter die Männer.
Gerne bringt man diese Unterordnung der Frau mit der Aussage Gottes nach dem Sündenfall in Verbindung. Gott sagte zu Eva, bevor sie das Paradies verlassen musste: Du hast Verlangen nach deinem Mann, er aber wird über dich herrschen. Es wird angenommen, dass das bedeutet, die Frau wolle sich schutzsuchend an die starken Schultern des Mannes anlehnen, doch der Mann werde über die Frau herrschen, er sei sozusagen vorgesetzt, überlegen. Und so meint man, für die Bevormundung und Unterdrückung der Frau in der Ehe eine biblische Legitimation zu haben.
Leider sind wir als Bibelausleger immer auch Kinder unserer Zeit. Weil die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau in der Gesellschaft klar war und scheinbar den biblischen Vorstellungen entsprach, sah man keinen Grund, diesen Text genauer zu untersuchen. So genau: Was man lebt und was die Gesellschaft akzeptiert, warum muss ich jetzt noch genauer hinschauen?
Und obwohl der Gegensatz in diesem Vers hier aufhorchen lassen müsste, wenn nämlich die Frau sich als zartes Wesen an ihren Mann anlehnt, warum muss er dann noch über sie herrschen? Aber warum dieser Gegensatz? „Der Mann wird über dich herrschen, du wirst dich anlehnen“ – das ist ja widersinnig. Wieso soll er dann über sie herrschen, wenn sie sich schon anlehnt? Dann ist ja dann alles paletti.
Fakt ist, dass das Verlangen der Frau nach ihrem Mann nichts mit Anlehnungsbedürftigkeit und Schutzsuche zu tun hat. Vielmehr will die Frau ihren Mann beeinflussen, steuern und hörig machen. Sie wird ihren Mann für ihre eigenen Ziele instrumentalisieren. Aber der Mann wird sich aufgrund seiner überlegenen körperlichen Kraft wehren und die Frau beherrschen und unterdrücken. Beides ist natürlich nicht gut, weder das eine noch das andere. Es ist nicht das, was Gott gewollt hat, dass das in Ordnung ist für eine Ehe. Aber es ist der Schaden, der durch die Sünde entstanden war. Das sind die Folgen der Sünde.
Dass man das so verstehen muss, erkennen wir, wenn wir einige Zeilen weiterlesen. Als sich Kain mit dem Gedanken beschäftigte, seinen Bruder Abel zu töten, sagte Gott zu ihm: Wenn du fromm bist, so kannst du frei den Blick erheben. Bist du aber nicht fromm, so lauert die Sünde vor der Tür, und nach dir hat sie Verlangen, du aber herrsche über sie.
Für „Verlangen“ und „herrschen“ stehen im hebräischen Grundtext dieselben Worte wie für das Verlangen der Frau nach dem Mann und das Herrschen des Mannes über die Frau. Hier ist es aber die Sünde, die nach Kain das Verlangen hat. Die Sünde ist nicht anlehnungsbedürftig, sondern sie will das Handeln von Kain bestimmen. Kain aber soll über die Sünde herrschen, sie bekämpfen und nicht zulassen, dass sie ihr Ziel erreicht.
So, zurück noch zu Eva: „Du hast Verlangen nach deinem Mann, er aber wird über dich herrschen.“ Damit sagt Gott Eva nicht, wie er möchte, dass sie mit ihrem Mann zusammenlebt. Er sagt ihr nur, wie sich die Sünde in ihrer Ehe auswirken wird, welcher Schaden dadurch entstanden war.
Im Grunde war das der Beginn des Geschlechterkampfes, der sich durch alle Kulturen und durch die ganze Menschheitsgeschichte hindurchzieht. Und dieser Kampf wird erst mit dem Ende dieser Welt zu Ende sein. Der ist auch bei uns noch vorhanden, nicht mehr so massiv, aber in vielen Völkern, überall, ist dieser Kampf vorhanden. Jedenfalls hat es sich bewahrheitet, was Gott Eva angekündigt hatte: Die Frauen wurden und werden oft von den Männern beherrscht und unterdrückt.
Das war auch damals so, als Paulus seinen Brief an die Christen in Ephesus schrieb. Das Rollenverständnis war damals klar: Der Mann war der Herr, und die Frau war ihm untergeordnet. So lebte man auch in der griechischen Kultur. Paulus wird sich am damaligen Rollenverständnis orientiert haben. Den Christen in Kolossä schrieb er: „Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter, so ist es für Frauen angemessen, die sich zum Herrn bekennen.“
Das erweckt den Eindruck, dass er von einer gesellschaftskonformen Verhaltensweise ausging, an die sich die Christen aufgrund ihres Glaubens halten sollen. Würden die Christen von dieser Norm abweichen und sich komplett anders verhalten, würden sie negatives Aufsehen erregen. Die Männer würden auf diese Frauen zeigen und sagen: Seht, wie ordentlich, zuchtlos und schamlos die christlichen Frauen mit ihren Männern umgehen. Und damit wäre der christliche Glaube in der Öffentlichkeit in Verruf gekommen. Das wollte Paulus unbedingt vermeiden.
Übrigens ist das ein Schlüssel für viele Bibelstellen und viele Überlegungen. Bei allem, was Paulus den Gemeinden schrieb, war sein höchstes und wichtigstes Prinzip, dass Christen durch ihr Verhalten das Evangelium nicht in Verruf bringen. Ich weiß, das ist ziemlich umstritten. Also wenn ich das sage, haben immer alle Angst: Jetzt sind wir dann nicht mehr bibeltreu. Aber dann müssen sie halt aufmerksam die Bibel lesen. Es ist so: Es war das höchste Prinzip des Paulus, dass wir uns in unserer Kultur so verhalten, dass wir keinen Anstoß legen, damit das Evangelium nicht in Verruf kommt. Nicht, dass die Leute sagen: Guckt mal, wie die Christen leben, da will ich gar nicht hören, was die glauben. Wenn die so handeln und ihr Gott so ist, will ich von dem gar nichts wissen. Die muss man gar nicht ernst nehmen, die sind so schamlos. Das war das höchste Prinzip des Paulus.
Ihr könnt euch viele Stellen nennen. Ich nenne euch eine aus dem Timotheusbrief, wo er Bezug nimmt auf die Christen, die versklavt waren. Da sagt er: Alle, die als Sklaven unter dem Joch sind, sollen ihre Herren aller Ehre wert halten, damit nicht gegen den Namen Gottes und die Lehre gelästert werde.
Nicht damit man sagt: Ich habe gute Arbeit, aber die Christen sind die schlimmsten. Aber sie sprechen immer so fromm von einem Gott. Was ist denn das für ein Gott? Dort, wo man sich an die gesellschaftlichen Normen hielt und ein vorbildliches Leben führte, dort sah Paulus sogar das Potenzial, dass dadurch jemand Christus kennenlernen könnte.
Und deshalb sagt er zu den Frauen, deren Männer noch keine Christen waren: „Ihr Frauen sollt euch euren Männern unterordnen, damit auch die, die nicht an das Wort glauben, durch den Wandel ihrer Frauen ohne Worte gewonnen werden, wenn sie ansehen, wie ehrfürchtig und rein sie leben.“
Wenn sie sehen, dass sie gesellschaftskonform leben und ihre Männer sich unterordnen, das wäre die Blickrichtung. Und ich kann euch noch zeigen, warum ich meine, dass dieser Aspekt für Paulus wichtig war und er nicht der Meinung war, dass der Mann über die Frau herrscht und sie ihm hörig sein müsse.
Er schrieb nämlich über das Miteinander in der Ehe, und zwar über den intimsten und verletzlichsten Bereich einer Ehe, Folgendes: Die Frau verfügt nicht über ihren Körper, sondern der Mann. So wäre Paulus der Meinung gewesen, dass der Mann in allem das Sagen hat, hätte er es bei dieser Aussage belassen. Der Mann verfügt über den Körper der Frau. Aber Paulus fährt fort: Die Frau verfügt nicht über ihren Körper, sondern der Mann ebenso. Genau gleich verfügt der Mann nicht über seinen Körper, sondern die Frau.
Das ist vollkommene Gleichberechtigung in der Beziehung, an einem sehr verletzlichen und intimen Ort. Es ist die Vorstellung einer Ehe, in der sich der eine dem anderen verschenkt, keiner gehört sich selbst. Und Paulus fügt noch einen Gedanken hinzu: Entzieht euch einander nicht, höchstens wenn ihr euch einig werdet, eine Zeit lang auf den ehelichen Verkehr zu verzichten, um euch dem Gebet zu widmen.
Völlige Gleichberechtigung: Sie müssen sich einigen. Hier hat die Frau offensichtlich genauso viel zu sagen wie der Mann.
Die zweite Perspektive: Ehe als Bild der ursprünglichen Ordnung
Halten wir fest: Die Unterordnung der Frau kann als ein Zugeständnis an die gefallene Schöpfung verstanden werden. Die Christen sollen sich den gesellschaftlichen Normen fügen, damit das Evangelium nicht in Verruf kommt. Das ist die eine Blickrichtung.
Die zweite ist die Inspiration oder Einsicht aus der vollkommenen Schöpfung. Paulus machte für die Christen einen sehr aussagekräftigen Vergleich, wie sich Ehepaare zueinander verhalten sollten. Damit distanzierte er sich von der damaligen Vorstellung, wie die Beziehung der Ehepaare zueinander aussehen soll, komplett. Da war eben nicht das Bild: Da ist einer der Herr, und die Frau ist das Anhängsel, über die der Mann verfügt, wann und wo er will, und wenn er Lust hat.
Er verglich die Beziehung in der Ehe mit der Beziehung, die die Kirche zu Christus hat. Der Mann ist das Haupt, so wie Christus das Haupt der Gemeinde ist. Damit beschreibt Paulus eine innige Beziehung, in der zwei Menschen zu einem Körper zusammenwachsen. Zunächst ist es egal, wie die beiden Körperteile zueinander stehen. Wichtig ist, dass sie voneinander abhängig und aufeinander angewiesen sind. Der Körper funktioniert nur mit Haupt und Körper.
Paulus orientiert sich also nicht daran, wie die Ehe sich aufgrund der Folgen des Sündenfalls entwickelt hat. Paulus ließ sich von der vollkommenen Schöpfung inspirieren, nicht vom Sündenfall. Ihr könnt das ganze Neue Testament durchlesen, denn ihr werdet immer sehen: Immer wenn es um Ehe geht und Grundprinzipien aufgestellt werden, gehen sie immer vor den Sündenfall. Sie orientieren sich nie nach dem, was aus dem Sündenfall geschah, sondern immer vorher. Das ist nämlich ganz wichtig, denn es gibt nicht eine einzige Stelle im Neuen Testament, in der dem Mann gesagt wird, er soll über die Frau herrschen. Also es geht immer vor dem Sündenfall zur vollkommenen Schöpfung.
Paulus orientiert sich, wenn es um die Ehe geht, nach dem, was sich Gott in der vollkommenen Schöpfung vor dem Sündenfall gedacht hat. Ein Mann, heißt es da nämlich, verlässt Vater und Mutter, um mit seiner Frau zu leben. Die zwei sind dann eins mit Leib und Seele. Leib und Seele im Hebräischen, ganz klar, bezieht sich auf den ganzen Körper, auf die Ganzheit des Menschen. Leib und Seele, das heißt: der ganze Mensch, mit allem, was ich bin, mit allem, was ich habe.
In der Lutherbibel heißt es dann, dass die beiden ein Fleisch werden. In der Ehe verschmelzen zwei Menschen ineinander, so hat sich das Gott gedacht bei der Schöpfung. Es entsteht dadurch ein neuer Körper, und Paulus verglich diesen Körper eben mit der Kirche, die den Leib bildet, und Christus, der das Haupt ist. Und damit bezog er sich, wie er an anderen Orten schrieb, auf die Schöpfungsordnung, im Speziellen auf dieses Wort aus 1. Mose 2,18: Gott dachte daher: Es ist nicht gut, dass der Mensch so allein ist. Ich will ihm ein Wesen schaffen, das ihm hilft und das zu ihm passt.
In diesem Vers sah Paulus die Zuordnung von Mann und Frau begründet. Von dieser Zuordnung der Frau zum Mann ist Paulus nie abgerückt. Deshalb schloss er mit dem Wort: Wie nun die Gemeinde sich Christus unterordnet, so sollen sich auch die Frauen ihren Männern unterordnen in allen Dingen. Aber der Mann, so werden wir das nächste Mal sehen, ist kein herrschsüchtiger, unterdrückender Mann. Er wird mit Christus verglichen, Christus, der die Gemeinde errettet und zu seinem Leib gemacht hat. Aber damit beschäftigen wir uns im nächsten Teil dieser Serie.
Die Unterordnung der Frau zu ihrem Mann ist ein Prinzip, das Paulus in der Schöpfungsordnung begründet sieht und deshalb nicht einfach ignoriert werden kann. Christen orientieren sich also nicht an den Folgen der gefallenen Schöpfung, sondern an der vollkommenen Schöpfung. Durch die Erlösung, durch den Tod von Jesus Christus, sind Christen in der Lage, entsprechend der ursprünglichen Idee von der Ehe zu leben, denn wir sind von dieser zerstörenden Sünde befreit.
Paulus schreibt diesbezüglich: Denn wenn du mit Christus verbunden bist, bist du nicht mehr unter dem Gesetz der Sünde, also unter der Kraft der Sünde und des Todes. Das Gesetz des Geistes, die lebendige Macht, hat dich davon befreit. Wir sind vom Zwang der Sünde befreit. Und trotzdem, das ist ganz wichtig zu verstehen, müssen wir entscheiden, nach welchen Werten und Regeln wir leben wollen. Das geschieht nie automatisch. Wenn ihr in der Kraft Gottes Geistes die alten Verhaltensweisen tötet, werdet ihr leben. Wenn ihr das tut, tut Gott nicht einfach so. Gott hat die Voraussetzung geschaffen, aber wenn ihr das tut, dann liegt es bei uns, ob wir alte Verhaltensweisen aufgeben und uns von Gottes Geist leiten lassen.
Das wird der Grund sein, dass Paulus nicht die Männer dazu beauftragte, dafür zu sorgen, dass die Frauen sich ihnen unterordnen sollen. Sein Appell geht an die Frauen: Sie sollen aus freien Stücken, mit Überzeugung, sich ihren Männern gegenüber so verhalten. Das ist also der zweite Blickwinkel.
Nun werden sich wohl einige fragen, wie diese Unterordnung nun genau aussieht. Ist jetzt alles gut und schön? Muss die Frau jeder Idee des Mannes zustimmen? Soll die Entscheidung bezüglich Wohnung und Wohnort dem Mann überlassen werden, selbst wenn sie etwas ganz anderes möchte? Und wenn sich der Mann verschuldet, soll sie das wortlos ertragen? Soll sie immer die Ferienpläne des Mannes unterstützen und nie sagen, wohin sie gerne möchte? Ich denke nicht, dass Paulus das so gemeint hat.
Vielmehr geht es um die Grundhaltung dem Mann gegenüber. Wenn das nämlich so gemeint wäre, wenn die Bibel uns so detailliert etwas sagen würde, dann kann ich euch garantieren: Dann würde es garantiert nicht in das 21. Jahrhundert passen. Das ist die Weisheit Gottes, dass er uns Grundhaltungen vermittelt hat und uns zumutet, dass wir unser Hirn einschalten und überlegen können, was das für uns bedeutet. Und dafür hat er uns sogar noch den Heiligen Geist gegeben, wenn wir Christen geworden sind.
Also ich denke, dass Paulus das nicht so gemeint hat. Vielmehr geht es um die Grundhaltung dem Mann gegenüber, und wie diese Haltung in unserer Zeit bei einem Ehepaar Ausdruck finden kann, müssen wir selbst herausfinden. Paulus fasst diese Haltung folgendermassen zusammen, das werden wir dann nächstes Mal auch noch genauer anschauen: Darum auch ihr, ein Mann liebe seine Frau, also nicht Herr Schieber die Frau, wie sich selbst. Die Frau aber habe Ehrfurcht vor dem Mann.
Ehrfurcht ist dasselbe Wort wie im Vers 21, wo gesagt wird, dass wir uns alle vor Christus fürchten sollen. Wir könnten, wie ich letzten Sonntag gesagt habe, hier auch einfach von Respekt sprechen. Respekt bekommen, respektiert werden, dass ihnen Respekt entgegengebracht wird. Will eine Frau ihren Mann in seiner Männlichkeit stärken, ist sie am erfolgreichsten, wenn sie ihm Respekt erweist.
Oft höre ich von Frauen, dass sie ihrem Mann erst dann Respekt erweisen könnten, wenn sie endlich mal das oder jenes begriffen hätten und ihr Verhalten endlich mal entsprechend verändern würden. Dann könnten sie ihnen Respekt entgegenbringen. Habe ich auch von christlichen Frauen gehört, wo der Bodel lag. Ich sage nicht, dass die Männer dann gut waren, ich sage nur: Mir geht es ums Prinzip.
An einem Singlewochenende, als ich die Frauen den Männern sagten, was ihnen wichtig ist, wurde gesagt: Wir wünschen, dass die Männer männlicher sind. Perplex sassen die Männer auf ihren Stühlen. Und so fragte ich zurück, was die Männer denn wirklich tun sollten, um männlicher zu sein. Antwort: Nichts, was die Männer damit etwas anfangen könnten. Nichts.
Es ist vielmehr so: Je mehr eine Frau ihrem Mann Respekt erweist und dieser Respekt auch in der Öffentlichkeit erkennbar wird, desto männlicher kann der Mann werden. Und es ist die grösste Katastrophe, wenn wir unter Christen sind und die Frauen untereinander über ihre Männer lästern oder sogar öffentlich. Ihr wisst nicht, was für einen Schaden ihr Mann anrichtet. Er sagt nichts, weil wenn der Mann etwas sagt, ist er ein Macho, wenn er es nicht tut, wird er auch kritisiert.
Wenn man will, dass ein Mann männlicher wird, das ist die Schiene, auf die der Mann anspricht. Ein Buch mit dem Titel „Männer sind Frauensache“ hat das zweite Kapitel die Überschrift „Liebe allein reicht nicht“. Sehr interessantes Buch. Es gibt auch das Buch „Frauen sind Männersache“, das werde ich dann bei der nächsten Predigt vermutlich dann erwähnen.
In diesem Kapitel wird erklärt, dass Männer die Wahl zwischen zwei unerfreulichen Szenarien hatten. Erstens: einsam und ungeliebt zu sein, aber Respekt und Anerkennung zu bekommen. Zweite Wahl: geliebt zu werden, aber keinen Respekt und keine Anerkennung zu bekommen. Ich weiss, das ist ein bisschen widersinnig, aber so wurden sie gefragt. 74 Prozent der Männer war es wichtiger, Respekt und Anerkennung zu bekommen, als geliebt zu werden.
Paulus ermutigt die Frauen: Ihr Frauen, ordnet euch den eigenen Männern unter wie dem Herrn. So könnte die Leitfrage für die Frau lauten: Mit welcher Haltung würde ich Jesus begegnen? Ich spreche von Haltung. Und damit hat die Frau den Schlüssel zum Herzen ihres Mannes.
Ich bete mit uns.
Ich möchte dir danken, Vater, für dein Wort, das oft so quer auch in unserem Denken und in unserer Gesellschaft steht. Aber dein Wort ist ewig, und was du uns sagst, hat uns auch heute noch etwas zu sagen. Vielleicht nicht das, was wir auf Anhieb gleich denken, aber wenn wir tiefer nachschauen, dann werden wir Reichtum daraus schöpfen.
Du siehst gerade, wie diese Frage in unserer Gesellschaft und auch in unseren Kreisen eine wichtige Frage ist. Hilf, dass wir damit richtig umgehen und begreifen, was du uns eigentlich damit sagen willst, dass wir einander in Respekt begegnen vor dir, im Wissen darum, dass du unser Herr bist und dass du daran Freude hast. Amen.

