Serie•Teil 27 / 64Apostelgeschichte
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Ein neues Spiel als Einstieg in die Frage nach dem Glauben
In meiner Heimatgemeinde gibt es ein neues Spiel. Das Spiel heißt „Findet Heinz“. Erfunden hat es der ehemalige Teenie-Kreis, der inzwischen zu einem jungen Erwachsenenhauskreis geworden ist.
Worum geht es? Es ist eigentlich ein relativ einfaches Spiel. Heinz steht dabei für irgendeinen ungläubigen Menschen. Und „Findet Heinz“ bedeutet: Wir wollen irgendwo im Verlauf der Woche mit einem Menschen ins Gespräch kommen, vor allem in diesem neuen Stadtteil, wohin Gott uns als Gemeinde Berlin Haselhorst geführt hat, und ihn zum Gottesdienst einladen.
Deswegen gibt es kleine Findet-Heinz-Flyer. Diese kleinen roten Flyer hat man dann dabei. Die Idee ist, einmal in der Woche mit einem Heinz zu sprechen. Heinz muss nicht Heinz heißen, er kann auch Martina heißen, aber ihr versteht das Konzept. Ich gehe in die Woche und versuche, meinen Heinz zu finden.
Und wenn ich dann meinen Heinz gefunden habe, und das kann sehr kreativ sein, was weiß ich, beim Döneressen oder auf der Parkbank oder keine Ahnung, wo du deinen Heinz oder deine Heinzine findest, dann geben wir ihm einen Flyer und sagen: Komm doch mal zum Gottesdienst vorbei.
Und wo das passiert, ihr merkt schon, das überschreitet die Komfortzone von vielen erheblich. Am Sonntag nach dem Gottesdienst, letzter Programmpunkt, gibt es dann Findet-Heinz-Geschichten im Moment. Ich weiß nicht, wie lange das noch geht, ich finde das total lustig. Es ist wie so eine kleine Erweckung der Herzen. Ich weiß schon, heute Nachmittag gibt es wieder zwei Findet-Heinz-Geschichten.
Wir machen in Gottesdiensten nach der Predigt und nach dem Liedersingen, und wenn alles rum ist, die Anfrage: Wer möchte eine Findet-Heinz-Geschichte erzählen? Dann geht jemand nach vorne und sagt: Also, mir ist Folgendes passiert. Ja, ich habe da meinen Heinz gefunden und habe ihn eingeladen. Zugegebenermaßen muss man ein bisschen vorsichtig sein, wenn Heinz dann gerade im Gottesdienst sitzt, ja, aber wir sind ja nicht doof.
Und von daher: die Idee Findet Heinz. Ich finde sie super. Ich bin sehr gespannt, wie lange das läuft. Man hat ja immer so Entwicklungen in der Gemeinde, und wenn das gerade so von unten her hochgeht und dann wie so ein Geysir einmal macht, muss man schauen, wie lange das geht. Fällt das vielleicht einfach wieder in sich zusammen? Und trotzdem: Findet Heinz ist eine kleine Erweckung der Herzen.
Und weil wir das eben gesungen haben, dass wir uns Erweckung wünschen: Erweckung fängt nie bei Gott an. Also, Gott möchte immer Erweckung. Wenn man Gott fragen würde: Gott, möchtest du Erweckung?, würde er sagen: Klar. Möchtest du die auch? Möchtest du einen Heinz finden in dieser Woche? Oh nee, lieber nicht! Ja, dann muss ich ja womöglich mit jemandem reden. Muss im Mund auch so ist das Leben.
Warum Evangelisation zum Kernauftrag gehört
Warum erzähle ich euch das? Weil es einfach wichtig ist, dass wir immer wieder daran erinnert werden, warum wir eigentlich noch hier auf der Erde sind.
Wir sind hier, weil andere Menschen wissen müssen, lernen müssen, wie man Vergebung bekommt. Menschen müssen nicht hören, dass sie die Guten sind. Menschen müssen auch nicht hören, dass in ihnen irgendwie so ein göttlicher Kern steckt, den man dann durch Meditation oder durch irgendwelche Achtsamkeitsübungen freilegen muss, und dann wird irgendwie alles gut. Menschen müssen hören, dass sie verloren sind und dass es einen Retter gibt.
Und das ist eben das Problem mit Heinz oder mit uns, dass wir das vielleicht gar nicht so gerne sagen. Menschen müssen hören, dass sie verloren sind und dass es einen Retter gibt.
Wir stecken ja mitten in der Apostelgeschichte, und letztes Mal startete die erste Missionsreise. Drei Dinge ganz grundsätzlich zum Thema Evangelisation oder Mission. Die drei Dinge waren:
Erstens: Fang bei den Menschen an, wo es dir leicht fällt, den Mund aufzumachen. Nicht jeder von uns ist ein Kaltakquise-Heinzfinder, so einer, der rausgeht und sagt: Ich quatsche irgendwen an. Mag sein, dass das zu weit geht, aber das war ja auch nicht das Thema vom letzten Mal. Punkt eins: Fang mit den Menschen an, wo es dir leicht fällt. Die Frau, die du zum 37. Mal an der Kasse bei deinem Lieblingssupermarkt triffst, wo du den Namen vielleicht schon kennst. Oder die Aushilfskraft, wo du immer vorbeischneist und die du auch schon kennst. Oder die Lehrerin von deinem Sohn, keine Ahnung. Nimm jemanden, wo es dir vielleicht nicht übertrieben schwerfällt. Fang bei den Menschen an, wo es dir leicht fällt, den Mund aufzumachen.
Dann, zweiter Punkt vom letzten Mal: Lass dich von Gegenwind nicht entmutigen.
Und dritter Punkt, und da möchte ich dann heute fortsetzen: Mach den Mund auf, predige, sag was. Gute Werke sind cool, aber Reden ist cooler. Und wir sind dazu ausgesandt, das Evangelium zu predigen. Natürlich sollst du es mit deinem Leben nicht durchstreichen, ist ja logisch. Wenn du dich wie so ein Elefant im Porzellanladen verhältst und danach sagst: Übrigens, ja, ich wollte dich noch zum Gottesdienst einladen, das wird wahrscheinlich nichts werden. Aber wenn du einfach nur immer lieb bist und die Leute sich die ganze Zeit fragen, warum ist die denn so lieb, und nie hören, wer dich lieb gemacht hat, dann ist das genauso dämlich.
Und deswegen geht es heute so ein bisschen um das Thema Evangelisation. Es geht um Findet Heinz, und wir werden am Ende sicherlich noch eine Ergänzung dazu hören.
Also, wir folgen jetzt einfach mal Barnabas und Paulus von Kreta, wo wir das letzte Mal waren, aufs Festland. Apostelgeschichte, Kapitel 13. Ich lese mal die Verse 13 bis 16. Wir haben heute relativ viel Text, das heißt, wir haben nicht alles erklären können, was der Text hier gibt. Aber ihr werdet das schon mitkriegen.
Also Apostelgeschichte 13, ab Vers 13:
Als aber Paulus und seine Begleiter von Paphos abgefahren waren, kamen sie nach Perge in Pamphylien. Das ist heutige Türkei. Johannes aber sonderte sich von ihnen ab und kehrte nach Jerusalem zurück.
Dem wurde die ganze Aktion ein Stück zu viel. Wir kommen auf dieses Thema später noch mal. Also am Anfang der zweiten Missionsreise zurück, deswegen lasse ich dieses Thema, dass die nicht mehr miteinander können, einfach mal jetzt unter den Tisch fallen. Ist heute nicht unser Thema, kriegen wir aber noch.
Sie aber zogen von Perge aus hindurch und kamen nach Antiochia in Pisidien. Und sie gingen am Tag des Sabbats in die Synagoge und setzten sich. Aber nach dem Vorlesen des Gesetzes und der Propheten sandten die Vorsteher der Synagoge zu ihnen und sagten: Ihr Brüder, wenn ihr ein Wort der Ermahnung oder der Ermunterung an das Volk habt, so redet.
Ja klar, das ist schön. Also fragst du nach: Habt ihr was zu sagen? Da denkt sich Paulus: Ja, hab ich.
Paulus aber stand auf, winkte mit der Hand und sprach: Männer von Israel, ihr, die ihr Gott fürchtet, hört!
So, und was jetzt beginnt, ist eine Predigt. Wir hören die Predigt von Paulus, so wie Lukas sie aufschreibt. Achtung: Lukas wird sie nicht Wort für Wort aufschreiben. Was wir hier vor uns haben, diese eine Seite, ist eine Zusammenfassung. Wir sollen eine Idee davon bekommen, was damals gepredigt wurde.
Und wenn wir das jetzt gleich miteinander studieren, dann mache ich jetzt Folgendes: Ich fange mal von hinten an. Also jetzt, wo will Paulus mit seiner Predigt eigentlich hin? Wenn man so will, der Höhepunkt dieser Predigt, die wir jetzt eine Seite lang lesen, findet sich in den Versen 38 und 39. Mit denen fangen wir einfach mal an.
Paulus in der Synagoge in Antiochia in Pisidien steht auf, und wo will er hin? Nicht, um einen Heinz vor sich zu haben, sondern er hat eine ganze Gemeinde voller Heinzens, die alle sagen: Sag doch mal was, du hast den Freifahrtschein, du darfst jetzt was sagen. Wo will er hin?
Vers 38 und 39. Das ist das Fazit zu all dem, was er als Nächstes sagen wird:
So sei es euch nun kund, ihr Brüder, ihr Geschwister, dass durch diesen, gemeint ist Jesus, euch Vergebung der Sünden verkündigt wird und von allem, wovon ihr durch das Gesetz Moses nicht gerechtfertigt werden konntet.
Also all das, was Religiosität, richtiges Verhalten, irgendwelche Regeln, die ich mir gebe oder wenn ich Jude bin, die ich aus dem Gesetz Gottes ableiten möchte, das macht mich in den Augen Gottes nicht gesund. Alles das, wovon ihr durch das Gesetz Moses nicht gerechtfertigt werden konntet, wird durch diesen jeder Glaubende gerechtfertigt.
Das ist das Fazit. Also Vergebung der Sünden und Rechtfertigung. Und hier ist es so, dass der zweite Begriff, der Begriff Rechtfertigung, den ersten erläutert. Die Vergebung, die Gott anbietet, ist eine rechtfertigende Vergebung. Für wen? Was sagt der Text? Jeder Glaubende, also jeder, der glaubt, wird gerechtfertigt.
Was Rechtfertigung bedeutet und warum sie alles verändert
So, und ich mache jetzt eines: Ich mache ein bisschen Theologie mit euch. Es ist ja noch früher Morgen, da geht das noch irgendwie.
Wir müssen diesen Begriff Rechtfertigung verstehen. Den verwendet niemand, ja, den hat wahrscheinlich nie jemand von euch in einem Deutschaufsatz geschrieben. Und wenn man ihn so liest, denkt man: Das muss doch etwas Gutes sein. Wenn Paulus sagt, dass wir gerechtfertigt sind, dann kann das irgendwie nichts Schlechtes sein. Das muss etwas bedeuten.
Stimmt. Es ist der Dreh- und Angelpunkt dessen, was Gott mit uns macht. Wenn jemand gerechtfertigt wird, dann bedeutet das nicht weniger, als dass Gott zu dieser Person sagt: Ich habe dir ein für alle Mal vergeben. Das ist Rechtfertigung.
Und deswegen dieser Begriff: Wir werden ihn nur dann richtig verstehen, wenn uns vier Dinge klar sind.
Punkt eins: Egal, ob wir uns das Hebräische anschauen oder das Griechische. Wenn man sagt, jemand wird gerechtfertigt, dann heißt das nicht, dass er gerecht gemacht wird, sondern dass er für gerecht erklärt wird. Oh, jetzt werden wir sagen: Ey, das ist spitzfindig, finde ich. Ja, manchmal ist das so. Es ist ein Unterschied, ob ich jemanden gerecht mache oder ob ich sage: Nein, du bist nicht gerecht, und trotzdem spreche ich dir Gerechtigkeit zu.
Das heißt: Wenn du dir dein Leben anschaust, wirst du genügend Gründe dafür finden, zu sagen: Aber das passt doch gar nicht, ich bin doch gar nicht so gut. Und Gott sagt: Jo, weiß ich. Aber deswegen ist Gerechtigkeit oder Rechtfertigung nicht Gerechtmachung, sondern Gott spricht uns Gerechtigkeit zu, für die wir erst einmal nichts können.
Zweiter Punkt: Glauben, ganz genau. Also in dem Moment, wo ein Mensch sein Vertrauen ganz auf Gott setzt, genau genommen auf Jesus setzt, auf das Kreuz und die Auferstehung Jesu setzt, in dem Moment sagt die Bibel, kann niemand mehr gegen ihn Anklage erheben, weil er absolut mit Gott im Reinen ist.
So und das, dritter Punkt: Rechtfertigung ist kein Prozess. Das ist auch keine Einschätzung, die heute gilt und morgen vielleicht wieder aufgehoben werden kann. Rechtfertigung ist etwas, was einmal geschieht und dann nie wieder wiederholt wird.
In dem Moment, in dem ich mich zu Gott hin bekehre, in dem ich mein Vertrauen auf Gott setze, und ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass wir echten Glauben haben, also wo ich es wirklich echt und ernst mit Gott meine, in diesem Moment ergeht an uns das Urteil: Du wirst von allen Sünden in alle Ewigkeit freigesprochen. Das ist Rechtfertigung.
Und das geht viertens, weil dieses Urteil, dieses Gerechtgesprochenwerden, nicht von mir abhängt, nicht von meiner Heiligung abhängt, nicht von meiner Performance abhängt, sondern alleine von Jesus. Es ist sein Tod und seine Auferstehung, die mich von meiner Schuld befreit.
Es ist ganz wichtig, dass wir das verstehen. Und deswegen steht dieser Begriff Rechtfertigung, der für uns so einen theologisch fremden Beigeschmack hat, so im Mittelpunkt.
Hört mal, was Paulus an anderer Stelle in Römer 8,33-34 schreibt, wo er dasselbe Thema aus einer anderen Perspektive erläutert. Da heißt es in Vers 33 und dann noch Vers 34: Wer wird gegen Gottes Auserwählte Anklage erheben? Dort ist es, der rechtfertigt.
Ich weiß nicht, ob ihr den Satz versteht. Wenn wir gerechtfertigt sind, dann gibt es da niemanden mehr, der sagen könnte: Ich werde dich im Gericht anklagen. Dann sagen wir: Ja, kannst du machen, aber da gibt es nichts mehr, es ist alles erledigt, es ist vorbei.
Es ist so, als wenn du auf jemanden zugehst und sagst: Ja, du bist doch da schon mal verurteilt worden für eine Sache, ich werde dich noch mal anklagen. Tut mir leid, ich bin schon mal verurteilt worden, es ist vorbei.
Und in dem Fall ist es nicht so, dass ich verurteilt worden bin, sondern jemand hat, weil ich verurteilt war, meine Verurteilung auf sich genommen, und das ist Jesus. Leute kommen und werden sagen: Ja, aber Jürgen, du hast doch damals das und das gemacht. Und ich werde sagen: Ja, stimmt. Aber hey, das ist vorbei. Ich bin gerechtfertigt. Gott hat mich freigesprochen. Die ganze Sünde, und er hat die Schuld und die Strafe genommen und hat es auf den anderen auferlegt, und der hat das für mich getragen, und ich verstecke mich hinter dem, was er getan hat. Das ist Rechtfertigung.
Nochmal Vers 33: Wer wird gegen Gottes Auserwählte Anklage erheben? Gott ist es, der rechtfertigt. Wer ist es, der verdamme? Christus Jesus ist es, der gestorben, ja noch mehr, der auferweckt, der auch zur Rechten Gottes ist, der sich auch für uns verwendet.
Wir haben einen Retter im Himmel, der sich zu 100 Prozent für uns verwendet. Einer, der für uns gestorben ist, für uns auferweckt worden ist, für uns in den Himmel aufgefahren ist und uns verspricht, er wird uns ans Ziel bringen. Wir haben das unglaubliche Vorrecht, auf einem Glaubensfundament zu stehen, und dieses Glaubensfundament führt uns dahin, dass wir ewigen Frieden mit Gott haben.
Eine andere Stelle noch: Römer 5,1. Da wir nun gerechtfertigt worden sind, also das ist die Frage, die du dir stellen musst: Habe ich das? Bin ich gerechtfertigt aus Glauben? Aber wenn du sagst: Ja, mein Vertrauen gilt zu 100 Prozent diesem Jesus, ich folge ihm nach, ich will ihm gefallen, mein Herz schlägt für ihn, ich liebe ihn von ganzem Herzen, ich möchte, dass er sich über mich freut, ich möchte, dass er groß gemacht wird durch mein Leben, und ich jippere danach, ihm in aller Ewigkeit zu begegnen und ihm einmal ganz nahe zu sein. Wenn du sagst, das ist so, ja, so bin ich, dann kannst du auch sicher sein: Da wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glauben, so haben wir Frieden mit Gott.
Du hast Frieden mit Gott. Da steht nichts zwischen dir und Gott. Das ist das Großartige, das ist die Botschaft, die Paulus den Juden in der Synagoge in Antiochia verkündigen möchte.
Gottes Rettungsgeschichte als roter Faden durch Israel
Und jetzt ist die Frage: Wie baut er diese Botschaft auf? Und er baut sie recht geschickt auf. Er macht nämlich Folgendes: Er taucht ein in die Geschichte Israels und zeigt, dass sich durch diese Geschichte wie ein roter Faden das Thema Errettung zieht. Und diese ganzen kleinen Errettungen, in denen Gott in der Geschichte Israels zu einem Rettergott wird, sind alle hintereinander gesetzt. Sie sind so etwas wie ein Vorspiel, eine Art Vorschau auf den einen Retter. Nämlich auf Jesus. Das Wort Jesus heißt ja: Gott rettet. Auf den einen Retter, der dann kommt und den es zu treffen gilt.
Also, Apostelgeschichte 13,19. Schauen wir mal, wie er das aufbaut. Nein, wir müssen noch ein bisschen weiter vorne anfangen. Wir sind noch nicht so weit. Ab Vers 17 erst mal:
Also der Gott dieses Volkes Israel erwählte unsere Väter und erhöhte das Volk in der Fremdlingschaft im Land Ägypten. Und mit erhobenem Arm führte er sie von dort heraus. Und eine Zeit von etwa vierzig Jahren ertrug er sie in der Wüste. Und nachdem er sieben Nationen im Land Kanaan vertilgt hatte, ließ er sie deren Land erben, etwa vierhundertfünfzig Jahre lang. Und danach gab er ihnen Richter.
Also erst mal bis dahin. Wir fliegen da drüber. Und ich weiß nicht, ob ihr das Alte Testament kennt: Er beschreibt erst mal die ersten vierhundertfünfzig Jahre der Geschichte Israels. Die Frage ist, wovon sie geprägt sind. Nun, von Anfang bis Ende geht es um Gottes Gnade. Da ist am Anfang ein uraltes Ehepaar, das von Gott noch einen Sohn geschenkt bekommt. Es entsteht ein Volk. Dieses Volk kommt in die Sklaverei. Gott befreit es aus der Sklaverei. Gott beschenkt es mit einer nationalen Selbstbestimmung. Wir sehen Gottes Barmherzigkeit in der Wüste, wo er das Volk erträgt. Sie tanzen ums goldene Kalb, sie murren immer wieder, sie misstrauen Gott, sie lehnen sich auf vielfältigste Weise gegen ihn auf. Er bleibt dran. Er rettet sie immer und immer wieder. Und mehr noch: Er schenkt ihnen ein eigenes Land. Er schenkt ihnen die Wunder bei der Eroberung. Egal, wohin wir blicken: Die ersten Jahrhunderte der Geschichte Israels zeigen Gott als einen rettenden Gott. Und sie zeigen das Volk Israel als ein ungerechtes Volk, das Gott erwählt und am Leben erhält, obwohl sie es eigentlich nicht verdienen.
Hier, 5. Mose 9,3-6, einfach mal die Verse 3 bis 6. 5. Mose 9,3-6. Da ahnt man etwas von, verzeiht mir das Wort, dem Frust Gottes, den er manchmal hat, wenn er so mit diesem Volk umgeht. Da heißt es:
5. Mose 9: So erkenne denn heute, dass der Herr dein Gott ist, der vor dir her hinübergeht. Es geht also um die Einnahme des verheißenen Landes. Ein verzehrendes Feuer ist er selbst. Er wird sie, die Feinde, vernichten, und er selbst wird sie vor dir demütigen. Und du wirst sie vertreiben und sie schnell umkommen lassen, so wie der Herr zu dir geredet hat. Wenn der Herr, dein Gott, sie vor dir hinausstößt, sprich nicht in deinem Herzen: Wegen meiner Gerechtigkeit hat der Herr mich hierher gebracht, um dieses Land in Besitz zu nehmen.
Das ist nicht die Stärke der Israeliten gewesen, eine Gerechtigkeit. Denn wegen der Gottlosigkeit dieser Nationen wird der Herr sie vor dir vertreiben, nicht wegen deiner Gerechtigkeit und der Aufrichtigkeit deines Herzens kommst du hinein, um ihr Land in Besitz zu nehmen. Sondern wegen der Gottlosigkeit dieser Nationen vertreibt der Herr, dein Gott, sie vor dir, und damit er das Wort aufrechterhält, das der Herr deinen Vätern, Abraham, Isaak und Jakob, geschworen hat. So erkenne denn: Nicht wegen deiner Gerechtigkeit gibt der Herr, dein Gott, dir dieses gute Land, es in Besitz zu nehmen, denn ein halsstarriges Volk bist du.
Das ist die Realität: ein halsstarriges Volk, und Gott rettet sie, obwohl sie so sind. Versteht ihr? Ich schaue in die Geschichte und stelle fest: Gott ist ein Rettergott.
Apostelgeschichte 13 weiter, ab Vers 20:
Und danach gab er ihnen Richter bis zu Samuel, dem Propheten. Also die Zeit der Richter. Und von da an begehrten sie einen König, und Gott gab ihnen Saul, den Sohn des Kisch, einen Mann aus dem Stamm Benjamin, vierzig Jahre lang. Und nachdem er ihn verworfen hatte, erweckte er ihnen David zum König, welchem er auch Zeugnis gab und sprach: Ich habe David gefunden, den Sohn Isais, einen Mann nach meinem Herzen, der meinen ganzen Willen tun wird.
So, kurzer Break: Gott gibt, und wir gehen in der Geschichte einfach weiter. Wir sind jetzt im verheißenen Land, im Land Kanaan, sie sind angekommen als Volk. Gott gibt Richter und Könige. Bei dem Wort Richter denken wir: Na ja, das sind Leute, die im Gericht sitzen und Recht sprechen. Und das stimmt auch. Irgendwie ist das richtig. Aber im Alten Testament sind Richter mehr. Richter sind immer auch Retter. Also, Richter 2,18 sehen wir, wie die Funktion des Richters etwas Rettendes enthält. Da heißt es:
Richter 2,18: Und wenn der Herr ihnen Richter erstehen ließ, war der Herr mit dem Richter, und er rettete sie aus der Hand ihrer Feinde alle Tage des Richters.
Also der Richter im Alten Testament zeigt, dass das Volk ein ungehorsames Volk blieb. Wenn man denkt, die haben das in der Wüste oder vielleicht danach bei der Landnahme gelernt, nein, haben sie nicht. Permanent verlassen sie über Jahrhunderte hinweg immer wieder den Bund mit Gott. Dann lässt Gott Feinde in das Land einfallen. Sie schreien zu Gott. Und was macht Gott? Er rettet sie. Wie rettet er sie? Indem er ihnen eine Richterin oder einen Richter schickt. Und dadurch rettet er. Gott ist ein Rettergott.
Und dasselbe könnte man jetzt im Blick auf die Könige sagen. Saul, der erste König, zugegebenermaßen eher ein Desaster. Und so ersetzt Gott ihn durch einen zweiten König, durch David. Und von dem sagt er: Das ist ein Mann nach meinem Herzen, der meinen ganzen Willen tun wird. Und wir wissen: David war nicht perfekt, aber er hat das getan, was Gott ihm aufgetragen hatte. Und wir wissen, dass er bis zu seinem Tod an Gott festhielt. Und dieser David, dieser König, der tatsächlich sein Volk aus der Hand der Philister, der damals wahrscheinlich größten oder mächtigsten Feinde, die es gab, rettet, dieser David bekommt jetzt ein Versprechen.
Apostelgeschichte wieder, Kapitel 13, Vers 23:
Aus dessen Nachkommenschaft hat Gott nach Verheißung dem Israel als Erretter Jesus gebracht.
Also, vorher gab es viele kleine Retter. Gott hat sich selbst als ein Rettergott dargestellt. Gott hat immer wieder einzelne Retter gesandt. Und jetzt kommt, nach Verheißung, das war David vorher prophetisch verheißen worden, Gott hat ihm gesagt: Einer deiner Nachkommen, der wird einmal der Retter sein. Und David hört das und ist total aus dem Häuschen und denkt sich: Wow, was für ein Geschenk. Aus dessen Nachkommenschaft hat Gott nach Verheißung dem Israel, diesem ganzen Volk, als Erretter Jesus gebracht.
Jetzt kommt nicht ein weiterer Retter, sondern jetzt kommt die eine Rettung. Jetzt kommt Gott rettet. Jetzt kommt der Immanuel, der Gott mit uns, der rettet.
Vers 24 und 25:
Nachdem Johannes vor dessen Auftreten die Taufe der Buße dem ganzen Volk Israel verkündigt hatte. Als aber Johannes seinen Lauf erfüllte, sprich: mit seinem Job und mit seinem Leben zu Ende war, sprach er: Was ihr meint, dass ich sei, bin ich nicht, sondern siehe, es kommt einer nach mir, dem ich nicht würdig bin, die Sandale an den Füßen zu lösen.
Also ein letzter Blick zurück in die Geschichte: Jesus kommt. Aber er kommt als Erfüllung der letzten und wahrscheinlich bedeutendsten Verheißung Gottes auf Jesus hin. Eine Verheißung, die durch den größten Propheten, der noch zum alten Bund gehört, nämlich Johannes den Täufer, ausgesprochen wurde.
Und dann, mit dieser Hineinführung in die Geschichte, wo plötzlich Jesus dasteht, weißt du: Gott ist ein Rettergott. Das kann ich nicht durchstreichen. Du merkst: Gott schickt immer wieder seine Leute, die in ganz kritischen Situationen die Rettung bringen, wonach das Volk sich sehnt. Und dann steht da, nach Verheißung des größten alttestamentlichen Propheten, plötzlich der eine Retter. Nämlich Jesus.
Ihr Brüder, Vers 26, Söhne des Geschlechts Abrahams und ihr, die unter euch Gott fürchten: Uns ist das Wort dieses Heils gesandt.
Jetzt stellt er sich hin und sagt: Wir sind diejenigen, die den Auftrag haben, das Wort vom Heil, das Wort von der Rettung, diese Predigt vom Evangelium weiterzugeben. Wir sind dazu ausgesandt, sie weiterzugeben.
Kreuz, Ablehnung und Auferstehung als Zentrum der Botschaft
Und jetzt wird es ganz interessant. Interessant deshalb, weil die Frage lautet: Wie geht Paulus mit der Tatsache um, dass Jesus hingerichtet wurde?
Ich meine, es ist ja so: Du stehst vor einer Gemeinde, und bis jetzt sind alle noch da. Ja, eine kleine Geschichtslektion: Gott ist gut. Und dann lässt du, ich sage mal so, die Katze aus dem Sack. Und übrigens: Jesus ... Und alle so: Huch, wer ist denn dieser Jesus? Hören wir mal genauer zu. Jetzt sind alle plötzlich wieder wach und denken sich: Das kennen wir aber noch nicht.
Und jetzt musst du erklären, dass Jesus als der Retter der Welt an einem Kreuz in Jerusalem gestorben ist. Also, wir müssten heute sagen: Ja, und dann kam er irgendwie in den Todestrakt und dann wurde er auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Da denkst du dir: Das ist nicht die Botschaft, die man mit einem Retter verknüpft. Das ist die Botschaft, die man mit jemandem verknüpft, der ein Loser ist, der es versucht, aber nicht geschafft hat, der als Krimineller wahrscheinlich zu Recht verurteilt worden ist und den man bitteschön gar nicht als Vorbild nehmen kann.
Aber das ist die Geschichte. Was macht Paulus damit? Wie kann Jesus der Retter der Welt sein, wenn er an einem Kreuz stirbt, wenn nicht einmal seine eigenen Leute in Jerusalem ihn als Retter anerkannt haben? Wie kann Paulus sich vorne hinstellen und sagen: Übrigens, ich verkündige euch den Retter?
Die Antwort ist ganz einfach: Paulus verweist auf das, was Jahrhunderte vorher in den Propheten verheißen worden war, zum Beispiel Jesaja 53. Die Propheten haben nämlich einen Messias verheißen, der Ablehnung erfahren würde. Also: Die Propheten haben schon lange vorher deutlich gemacht, wenn der Messias kommt, dann ist das nicht ein Durchmarsch. Das ist nicht so: Er kommt, sieht und alle klatschen und sind in alle Ewigkeit begeistert. Das ist genau andersherum. Er wird kommen, und man wird ihn erst einmal ablehnen. Das ist das, was die Propheten sagen.
Apostelgeschichte 13,27: Denn die, die zu Jerusalem wohnen, und ihre Obersten haben, da sie diesen Jesus nicht erkannten, auch die Stimmen der Propheten erfüllt, die jeden Sabbat gelesen werden, indem sie über ihn Gericht hielten.
Aber es bleibt nicht dabei. Wir kennen die Geschichte: Es bleibt nicht einfach nur bei Ablehnung. Sie gehen einen Schritt weiter, Vers 28: Und obschon sie keine todeswürdige Schuld fanden, baten sie den Pilatus, dass er umgebracht werde.
Wir müssen davon ausgehen, dass das noch nicht allen in Antiochien bekannt war. Das sind jetzt, ich sage mal, News aus Jerusalem. Das ist noch nicht überall hingedrungen. Und jetzt sagen die, ihr müsst euch das Erschrecken vorstellen: wie umgebracht?
Vers 29: Und nachdem sie alles vollendet hatten, was über ihn geschrieben ist, nahmen sie ihn vom Holz herab, also vom Kreuz herab, und legten ihn in eine Gruft. Gott aber hat ihn aus den Toten auferweckt, und er ist mehrere Tage hindurch denen erschienen, die mit ihm hinaufgezogen waren, den Jüngern von Galiläa nach Jerusalem, die jetzt seine Zeugen an das Volk sind.
Erst einmal bis dahin: So wie es auf der einen Seite die größte Dummheit der Obersten und von Pilatus war, Jesus zu kreuzigen, so ist es Gottes absolut genialer Schachzug, Jesus einfach wieder aufzuerwecken. Und Achtung: Wir reden hier nicht über Reanimation. Wir reden über echte Auferweckung. Das heißt: Jesus besiegt den Tod, um nie wieder zu sterben.
Und das, was wir an anderer Stelle schon gesehen haben, kommt hier wieder ganz deutlich heraus: Der eigentliche Beweis, das stärkste Argument dafür, dass Jesus der Messias ist, liegt in seiner Auferstehung. Sterben können viele, auferstanden ist nur einer.
Und deswegen Vers 32 und 33: Und wir verkündigen euch die gute Botschaft von der zu den Vätern geschehenen Verheißung. Also, Paulus sagt: Ihr habt die Verheißung, dass Gott einen Retter schicken wird. Und wir sind hier, um euch zu sagen, dass dieser Retter gekommen ist. Und er ist genau so gekommen, wie man ihn hätte erwarten können, wenn man die Bibel richtig gelesen hätte: genau auf dem Weg, den die Propheten vorgezeichnet haben, inklusive diesem Herold, Johannes dem Täufer, inklusive der Ablehnung durch die eigenen Leute.
Vers 33: Dass Gott sie uns ihren Kindern erfüllt hat, indem er Jesus erweckte, wie es auch im zweiten Psalm geschrieben steht: Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt.
Und an so einer Stelle geht es euch hoffentlich wie mir. Man denkt sich eben noch: Ich habe es verstanden, so ein bisschen jedenfalls. Es gibt eine Verheißung im Alten Testament, das habe ich noch kapiert. Jesaja 53, das ist auch nicht so schwer zu lesen. Der Messias wird irgendwie abgelehnt, rausgeworfen, begraben, so stimmt alles. Und dann kommt hier so ein herrliches Argument: Und übrigens, das passiert alles. Jesus musste auferweckt werden, wie es auch in Psalm 2 heißt: Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt.
Du denkst dir: Hm, was willst du mir sagen? So geht es mir im ersten Moment ganz ehrlich. Psalm 2 ist ein komischer Psalm. Die Frage ist: Wie passt dieser Satz, Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt, zur Thematik Auferstehung?
Dazu muss man Folgendes verstehen, und Psalm 2 ist wirklich nicht einfach. Psalm 2 ist ein prophetischer Psalm, also er wird geschrieben, aber der, der ihn schreibt, schreibt ihn eigentlich auf Jesus hin. Das hat man manchmal in den Psalmen, und hier ist das auch so. Psalm 2 beschreibt, Achtung, mit den Worten, mit der Stilistik einer antiken Königskrönung, das Geschehen in Jerusalem, als Jesus gekreuzigt wurde und auferstand.
Und ich möchte Psalm 2, die ersten acht Verse, mit euch mal lesen. Vielleicht nehmt ihr euch heute Nachmittag noch einmal Zeit, das in Ruhe zu lesen. Wichtig nur: Von Anfang an haben die ersten Christen Psalm 2 als einen prophetischen Psalm gesehen und gesagt, das, was da beschrieben wird, ist eigentlich das, was uns in Jerusalem an dem Tag passiert ist, als Jesus gestorben ist und dann zwei Tage später auferstanden ist.
Wir lesen mal Psalm 2, die Verse 1 bis 8: Warum tobten die Nationen und sinnen Eitles die Völkerschaften? Es treten auf, Könige der Erde, und Fürsten tun sich zusammen gegen den Herrn und seinen Gesalbten. Das ist Karfreitag, Gründonnerstag. Sie tun sich zusammen gegen Gott und seinen Gesalbten: Mit dem wollen wir nichts zu tun haben. Lasst uns zerreißen ihre Bande und von uns werfen ihre Stricke. Weg mit dem Anspruch dieses Jesus, weg mit ihm, wir wollen mit ihm nichts zu tun haben.
Und wie ist die Reaktion Gottes darauf? Der im Himmel thront, lacht, der Herr spottet über sie. Dann spricht er sie an in seinem Zorn, in seiner Zornglut schreckt er sie: Habe doch ich meinen König geweiht auf Zion, meinem heiligen Berg.
So, jetzt kommt also die Stimme aus dem Himmel und beschreibt, was da mit Kreuzigung, mit Tod und Auferstehung in Jerusalem passiert, und sagt mit anderen Worten: Das ist aus der göttlichen Perspektive: Habe doch ich meinen König geweiht auf Zion. Eine Einsetzung.
Wenn vorher nicht klar war, wer die Nummer eins im Universum ist, jetzt nach Tod und Auferstehung ist völlig klar, wer die Nummer eins in der alten Schöpfung ist, wer die Nummer eins in der neuen Schöpfung ist. Kolosser, könnt ihr das nachlesen? Und die Antwort lautet: Jesus. Wer trägt den Namen, durch den allein du gerettet werden kannst? Jesus. Vor welchem Knie wird sich jeder einmal beugen? Jesus. Wer wird wiederkommen in Macht und Herrlichkeit und sein Reich aufrichten und alle Ungerechtigkeit richten? Jesus.
Wo ist das passiert? Wo ist dieser Moment in der Geschichte, wo Jesus zum König aller Könige wurde? In Jerusalem. Durch Tod und Auferstehung.
Vers 7: Jetzt spricht der Sohn. Also eben hat Gott der Vater gesprochen, jetzt spricht Gott der Sohn: Lasst mich die Anordnung des Herrn bekanntgeben, er hat zu mir gesprochen: Mein Sohn bist du, ich habe dich heute gezeugt. Fordere von mir, und ich will dir die Nationen zum Erbteil geben, zu deinem Besitz die Enden der Erde.
Der Sohn, auferstanden, steht vor dem Vater und sagt ... Und die Sprache ist jetzt merkwürdig. Er sagt: Mein Sohn bist du, ich habe dich heute gezeugt. Das ist das, was der Sohn vom Vater hört. Und jetzt wissen wir: Gezeugt, biologisch gezeugt wurde Jesus nicht in Jerusalem, sondern in Nazaret. Aber geistlich, und wir haben es hier mit der kultischen Sprache einer Intronisation zu tun. Das klingt komisch, ich weiß.
Im Alten Testament wird keinem König, keinem menschlichen König jemals irgendeine Form von Göttlichkeit zugeschrieben. Aber jetzt in der Umgebung Israels, da wurde der König im Zuge der Amtseinführung sehr häufig als ein Sohn Gottes bezeichnet. Da wurde er zum Sohn Gottes gemacht, er wurde entweder adoptiert oder er wurde sogar richtig Gott. Ihr wisst das bei den Pharaonen, die dann danach angebetet wurden. Da findet also sprachlich eine Zeugung statt: Aus einem Menschen wird Gott gezeugt oder ein Halbgott gezeugt. Aber das ist nur Sprache. Es geht darum, zu beschreiben, was bei der Amtseinführung passiert, wenn jemand König wird.
Und jetzt wird die Sprache der Antike genommen, weil das die Leute verstanden, und auf Jesus übertragen. Und die Frage beantwortet: Wer ist die Nummer eins? Und wodurch wird Jesus zur Nummer eins? Antwort: Durch seine Auferstehung.
Warum? Und das dürfen wir nie vergessen: Wer den Tod besiegt hat, der braucht niemanden mehr zu fürchten. Ich hoffe, dass du das verstanden hast. Wer den Tod besiegt hat, der braucht niemanden mehr zu fürchten. Du kannst nur, wenn du ganz oben stehst, auf der Leiter den Tod besiegen, und das hat Jesus gemacht.
Und deswegen kann Paulus hier das zitieren und kann in Vers 33 sagen: Denk doch mal nach, Psalm 2, das hat sich doch prophetisch erfüllt vor unseren Augen. Da steht es doch: Wie wird man denn die Nummer eins? Wie wird man denn der uneingeschränkte Retter und Richter dieser Welt, wenn nicht durch Tod und Auferstehung?
Und dann geht er einen Schritt weiter, Vers 34: Dass er ihn aber aus den Toten auferweckt hat, so dass er nicht mehr zur Verwesung zurückkehrte, hat er so ausgesprochen. Jetzt geht er wieder ins Alte Testament: Ich werde euch die zuverlässigen heiligen Güter Davids geben.
Und du denkst dir wieder: Hm, was meint er denn? Ich gebe euch jetzt noch einmal einen Tipp: Wie geht man mit solchen Zitaten um? Am Anfang der Predigt sagte ich euch, diese Predigt ist wahrscheinlich eher eine Zusammenfassung, eher eine Art Inhaltsangabe. Was hat er denn gesagt? Wenn ihr ein Zitat im Neuen Testament aus dem Alten Testament herauslest und jetzt nicht gleich versteht, worum es geht, mein Tipp an euch: Geht ins Alte Testament! Und lest euch mal den ganzen Abschnitt durch, wo dieses Zitat vorkommt.
Warum ist das wichtig? Zwei Gründe: Zum einen hat man damals so tatsächlich zitiert. Man hat einen Vers zitiert, hat aber den größeren Zusammenhang gemeint. Und man konnte zweitens zurückgreifen auf Zuhörer, zumindest in der Synagoge, die tatsächlich ihre Bibel kannten. Das heißt: Du wirfst einen Vers rein, und du weißt, bei dem anderen rattert das, und der sieht quasi das ganze Kapitel vor sich. Und du kannst mit dem Kapitel argumentieren, obwohl du nur einen einzigen Vers bringst.
Hier sagt Paulus: Auferweckung ist doch ganz klar. Psalm 2 hatten wir schon, und jetzt hier Jesaja 55. Ja, ist es nicht so, dass Gott gesagt hat: Ich werde euch die zuverlässigen Güter Davids geben? Und du denkst dir: Ja, kann schon sein. Du hast Jesaja 55 nicht vor Augen, du siehst nicht die Verheißung, die in diesem Kapitel drinsteckt. Bei dir brennt nichts, du liest nur den Vers und denkst: Hm, ich weiß nicht, worum es geht.
Aber hört euch mal kurz die ersten fünf Verse nur von Jesaja Kapitel 55 an, wie dieses Kapitel passt zu dem Thema Rettung. Jesaja 55, die Verse 1 bis 5: Auf, ihr Durstigen alle, kommt zum Wasser, und die ihr kein Geld habt, kommt, kauft und esst, ja kommt, kauft ohne Geld und ohne Kaufpreis Wein und Milch. Warum wiegt ihr Geld ab für das, was kein Brot ist, und euren Verdienst für das, was nicht sättigt? Hört doch auf mich und esst das Gute, und eure Seele labe sich am Fetten. Neigt euer Ohr und kommt zu mir, hört, und eure Seele wird leben. Und ich will einen ewigen Bund mit euch schließen, getreu den unverbrüchlichen Gnaden erweisen an David. Siehe, ich habe ihn zu einem Zeugen für Völkerschaften gesetzt, zum Fürsten und Gebieter von Völkerschaften. Siehe, du wirst eine Nation herbeirufen, die du nicht kennst, und eine Nation, die dich nicht kannte, wird zu dir laufen um des Herrn willen, deines Gottes, und wegen des heiligen Israels, denn er hat dich herrlich gemacht.
Ich weiß nicht, ob ihr das lesen könnt und begeistert seid, aber worum geht es? Gott lädt ein. Gott lädt die Durstigen ein. Gott lädt die Armen ein, auf ihn zu hören und mit ihm einen ewigen Bund zu schließen, gemäß den unverbrüchlichen Gnaden erweisen an David. Das ist die Einladung.
Und die Frage: Woran hat der gute Paulus dabei gedacht? Kurz zurück zu Apostelgeschichte 13,35. Er macht ja weiter, er sagt deshalb ... Also: Gott lädt ein, weil er David etwas versprochen hat. Und er lädt nicht einfach nur ein, sondern sagt: Wenn du Hunger und Durst nach wahrem Leben hast, ich will mit dir einen Bund schließen. Ich möchte, und er sagt sogar noch mehr: Ich möchte mit Leuten, die überhaupt nicht zu diesem Volk zählen, mit einer neuen, einer anderen Nation möchte ich auch noch einen Bund schließen. Ich habe das weltweit gedacht.
Deshalb, jetzt kommt es, woran Paulus denkt, sagt er auch an einer anderen Stelle: Du wirst nicht zugeben, dass dein Frommer die Verwesung sehe. Das ist Psalm 16. Gott verspricht David, dass und wir wissen, dass er selber damit nicht gemeint war, das ist auch so ein prophetischer Psalm, Petrus hat das schon in der Apostel-, in der Pfingstpredigt gut argumentiert. Gott verspricht David, dass einer seiner Nachkommen sterben, aber nicht verwesen würde. Da steckt ein Versprechen an David, und dieses Versprechen, diese unverbrüchlichen Gnadenerweise an David, ist die Grundlage für die Einladung aus Jesaja 55, die jetzt Paulus nimmt und sagt: Die gilt euch.
Es ist eine Einladung nicht einfach nur an die anderen, sondern zuerst einmal an alle, die sagen: Ich bin arm, ich habe nichts, ich bin durstig nach Leben, ich möchte mehr.
Woher weiß ich, dass Psalm 16, Vers 10 sich nicht auf David bezieht? Na ja, er ist verrottet. Hier Vers 36 und 37: Denn David freilich entschlief, nachdem er seinem Geschlecht nach dem Willen Gottes gedient hatte, und wurde zu seinen Vätern versammelt und sah die Verwesung. Ja, also Psalm 16 von David geschrieben ist nicht über David. Er ist verwest. Aber es gibt diesen anderen, diesen einen Nachfahren, wo David die Verheißung bekommt: Aus dir, aus deiner Familie kommt der Messias. Und woran werde ich den Messias erkennen? Daran, dass er die Verheißungen, die David bekommen hat, in Vollendung erfüllt.
Der aber, den Gott auferweckt hat, Jesus, sah die Verwesung nicht. Und jetzt sind wir wieder da, wo wir angefangen haben mit der Predigt. Die Auferstehung ist der Beleg dafür, dass Jesus der Sieger über den Tod ist, der Retter aller Menschen vor dem Tod, vor dem ewigen Tod, wenn sie an ihn glauben.
Der Auftrag bleibt: Menschen von Jesus erzählen
Und genau das ist es, was Heinz hören muss. Und ich wünsche euch, dass ihr in der nächsten Woche eine Chance findet, einem Heinz zu begegnen und ihn anzusprechen. Ihm zu sagen: Hey, es gibt da einen, den musst du kennenlernen. Der ist für dich gestorben und der ist für dich auferstanden.
Und wenn du sagst, das geht mir einen Schritt zu weit, dann traust du dich vielleicht, jemanden einfach in den Gottesdienst einzuladen. Ich weiß es nicht. Aber wozu ich Mut machen möchte, im Angesicht dieser evangelistischen Predigt, die vor zweitausend Jahren gehalten wurde: Ich möchte Mut machen, dass ihr in der kommenden Woche an irgendeiner Stelle den Mund aufmacht, so weit geht, wie ihr euch traut, und jemandem von Gott erzählt. Amen!
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