Einleitung und Vorstellung des Gastes
Willkommen, ich bin Markus, Gründer vom überkonfessionellen Bibelfitdienst. Um Christen in der Nachfolge zu stärken, erstellen wir kostenfreie Infomaterialien. Zieh gern alles aus diesem Video raus, was du kannst, vor allem aber werden dir die Infomaterialien auf dieser Website helfen. Die nehmen sich jeden Tag Menschen mit, die neu im Glauben sind, aber auch Tausende von Menschen, die schon seit Jahrzehnten Jesus nachfolgen. Da steht alles schon gratis für dich bereit, dafür kannst du freiwilligen monatlichen Unterstützern aus dem ganzen Land danken, Menschen wie du und ich. Und wer auch möchte, dass Videos wie dieses in unserem Land weiter ausgespielt und nicht verborgen werden, der sollte jetzt auf diese Glocke drücken, die hier unten rechts unter diesem Video ist. Vielen Dank an alle Unterstützer, ob mit der Glocke, mit Geld oder mit Gebet. Es macht einen echten Unterschied, und dieses Video ist für dich.
Heute ist zu Gast Niels Petersen, Evangelist, Familienvater, Sozialunternehmer und Musiker. Nils ist ein Mann, der eigentlich gar nicht mehr am Leben sein sollte. In seinem alten Leben, vor seiner Bekehrung, war Nils ein sehr anderer Mensch. Er war ein norddeutscher Drogenhändler, der damals die Stadt Flensburg und Umgebung autoweise mit diesem Gift überflutet hat. Als die Kriminalpolizei so kurz davor war, seinen Drogenring festzunehmen, setzte Nils sich ab nach Kolumbien, dem Hauptursprungsland für den weltweiten Kokainhandel, auch um dort ganz groß einzusteigen.
Bald stand Nils in Kontakt mit einflussreichen und skrupellosen Männern, die ganze Landstriche kontrollieren. Nils musste schnell am eigenen Leib spüren, dass hinter einem vermeintlich harmlosen Joint oder nur einem Gramm Koks in Deutschland echtes Blut in Südamerika gefordert wird. Nils hat Machetenangriffe miterlebt, er hat Vergewaltigungen mithören müssen und etliche erschossene Minderjährige gesehen, alles wegen dieses teuflischen Gifts auf unseren Straßen. Auch Niels selbst hat nur knapp einen Attentatsversuch überlebt, und er war monatelang an den Rollstuhl gefesselt.
Eines Tages, nachdem er mächtigen Männern Zusagen gemacht hatte, aber dann ein lokaler Boss ermordet wurde und ein weiterer entführt wurde, stand Niels als Lieferant plötzlich mit dem Rücken zur Wand. Bei einem verzweifelten Schmuggelversuch wurde er am Eldorado-Flughafen in Bogotá verhaftet und direkt zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt, in Kolumbien. Aber dann hatte er richtig Pech, weil er nach La Modelo kam, auch bekannt als das Gefängnis des Todes, einer der gefährlichsten Orte in ganz Zentralamerika, in dem Serienmörder und Gangsterchefs einsitzen, in dem Häftlinge Sturmgewehre und Granaten herumtragen und jeden Morgen gezählt wird, wer die Nacht überlebt hat. Und dort ist er tatsächlich gestorben, geistlich gestorben und dann mit Jesus wieder auferstanden.
Heute, dreizehn Jahre später, ist Nils frei von Mördern und Gefängnismauern, aber auch von seinen eigenen Sünden. Ich habe ihn auf der Straße das Evangelium predigen hören. Lass das nicht einfach so an dir vorbeiziehen, als würde es nichts bedeuten, denn es ist das absolut Bedeutendste in deinem Leben. Nichts ist so bedeutend wie das, was Jesus Christus für dich am Kreuz getan hat. Er hat Hunderte Bibeln an kolumbianische Häftlinge verschenkt. Er warnt in Schulen und in Jugendzentren auch in Deutschland, auch in deiner Nähe, vor der schiefen Bahn, und seine evangelistische Musik, mit der er zu einem geraden Weg und zu Buße und Umkehr und zu Jesus ruft, wird millionenfach gehört. Inzwischen wurde sein Leben verfilmt, und Nils gibt gleich wertvolle Tipps für jeden, der das hört und Leute kennt, die in Drogen und Kriminelles verstrickt sind oder drohen, abzurutschen.
Also, falls du Freunde, Bekannte oder Familie hast, die das auch betrifft oder die auch mit einem Fuß in der Szene stehen und du dir Sorgen um sie machst, hör gut zu, schick ihnen diesen Beitrag weiter, es wird helfen, gerade zum Schluss. Also leg dir gern schon mal deinen Zettel, Stift, deine Notiz-App bereit, wir starten jetzt!
Und deswegen begrüße ich heute ganz herzlich Nils Petersen. Nils, der Mann, der als Brandstifter geboren wurde und als Feuerwehrmann stirbt. Danke, lieber Nils, dass du dich heute zugeschaltet hast.
Sehr gerne, ich freue mich.
Freut ist ganz meinerseits. Nils, wir wollen so ein bisschen durchgehen durch dein Leben. Ich weiß, du hast sehr viel zu erzählen, wir können nur bruchstückhaft ein paar Sachen rausnehmen. Ich habe einen großen Fehler gemacht, Nils, ich muss dir was bekennen. Vor kurzem war ich im Urlaub gewesen mit meiner Frau, und normalerweise ist es so, dass ich im Urlaub so der bin, der sehr viel Sport macht und so, und meine Frau sich eher ein bisschen erholt und genießt. Diesmal war ein ganz großes Problem: Ich habe nämlich ein Buch mitgenommen in Urlaub, das war das hier, und das sah dann so aus, dass sie immer schwimmen gegangen ist und ich immer da saß und es nicht weglegen konnte. Es war absolut irre, es war Wahnsinn.
Lass uns doch mal, wir haben es natürlich alles unten drunter verlinkt, und liebe Zuschauerinnen, liebe Zuschauer, ich kann es dir wirklich nur empfehlen. Es ist definitiv eines der zwei, drei besten Bücher, die ich in den letzten zwei, drei Jahren gelesen habe, definitiv. Und was wir einfach mal Folgendes machen wollen, ist: Nils, es hat doch alles ganz harmlos angefangen. Also, wie jeder junge Mann ganz klar, wir kennen es ja alle. Du wolltest Ansehen, du wolltest Respekt, du bist auch begabt, du bist intellektuell begabt, du bist sportlich begabt und so weiter, und dann landest du am Ende in einem Knast, wo es eigentlich ein Wunder ist, dass du lebend rausgekommen bist. Wie kann das passieren, wie kann man so auf die schiefe Bahn geraten?
Vom ersten Reiz zur kriminellen Laufbahn
Ich denke, das ist eine Kette von vielen Dingen, die dort mit eingeflossen sind. Viele falsche Entscheidungen, die ich getroffen habe, haben mich dann auch auf diese Abwege geführt.
Und ich muss immer, wenn ich so eine Frage bekomme, am Anfang natürlich sagen: Es hat in meinem Herzen gelodert. Diese Sünde, die in mir war, hat gebrannt. Und dann gab es viele Dinge, die wie Brennstoff auf diesem Feuer waren und es noch mehr entzündet haben. Zum Beispiel Musik. Ich habe mich sehr früh in Hip-Hop, also in Rap, verliebt und habe es dann auch rauf und runter gehört. Diese säkulare Rapmusik verherrlicht Drogen, Kriminalität und sexistische Sachen etc. etc. Ich habe das in mich aufgesogen, und das war natürlich wie Brennstoff auf das Feuer, das in mir schon gelodert hat. Das Gleiche mit Filmen natürlich auch. Auch das Umfeld von Freunden. Da muss ich aber nicht sagen, dass die mich unbedingt geprägt haben, sondern wir haben uns irgendwie gegenseitig geprägt. Man sucht sich natürlich auch diejenigen, mit denen man solche Sachen auch machen kann.
Ich bin in einem guten Elternhaus aufgewachsen, in einem gutbürgerlichen Elternhaus, und es fing wirklich alles gut an. Denn mit dreizehn, vierzehn ging es dann so los, als die Pubertät auch losging. Dieser Wunsch nach Anerkennung, einen Namen zu haben, gerade auf der Straße, wurde immer größer. Es ist auch letztendlich das gewesen, was ich in dem Film, in diesem Gangsterfilm oder in dem Rap, den ich gehört habe, so dargestellt gesehen habe: Man muss als junger Mann knallhart durchziehen auf der Straße, du musst dir einen Namen machen, du musst dein Geld machen auf der Straße. Es geht alles nur um dicke Sachen, also dicke Ketten, dicke Autos, dicke Frauen, um das mal so zu sagen, ganz klipp und klar. Und da war ich halt voll drin.
Ich hatte keine Geschwister, auch keine älteren Brüder, keine so und so viele Onkels, die mir den Rücken gegeben haben oder mich letztendlich irgendwie beschützen konnten. Ich musste mir für meinen Namen wirklich auf der Straße mit Blut bezahlen. Das bedeutet, dass ich da wirklich gewalttätig geworden bin. Natürlich noch nicht mit dreizehn, vierzehn. Da hatte man zwar schon die eine oder andere Schlägerei auf dem Schulhof. Mit fünfzehn habe ich, glaube ich, angefangen zu kiffen und habe dann auch angefangen, das Zeug, also das Gras, meinen Mitschülern mitzunehmen und zu verkaufen.
Aber dann ging es auch wirklich so mit sechzehn, siebzehn los, wo das alles heftiger wurde, wo man schon etabliert war, auch auf der Straße. Da war das dann auch nicht mehr so ein Kleinkram, was man in der Schule verkauft hat, sondern da war man mit siebzehn auf jeden Fall schon im Kilobereich. Ich habe unsere Stadt hier, Flensburg, und die Region mit Gras beliefert. Mit siebzehn, achtzehn sind wir dann auf härtere Partys gegangen, wo andere Drogen konsumiert wurden. Da hat man natürlich noch mal ganz andere Kontakte gemacht. Schnell habe ich dann auch Ecstasy, Amphetamin und Kokain verkauft, auch in immer größeren Mengen.
Ich hatte immer irgendwie schon seit sehr jungen Jahren so ein Faible dafür, kaufmännisches Talent, vielleicht könnte man sagen, und war sehr ambitioniert in den Sachen, die ich gemacht habe. Und ja, habe mir dann auch einen Namen auf der Straße gemacht und dann auch mit anderen Leuten zusammengearbeitet, die sich ebenfalls wirklich ihren Respekt auf der Straße verschafft hatten. So hatte man schon in jungen Jahren ein Netzwerk aufgebaut, einen Drogenring, und war schon wirklich hochkriminell, mit achtzehn, neunzehn Jahren. Man hat sich wirklich auch diesen Namen in einem Drogenmilieu gemacht, in Flensburg und im Umkreis und in der Region.
Es blieb nicht dabei, dass man nur einen Namen auf der Straße hatte, sondern man hat sich auch ganz schnell einen Namen bei der Polizei gemacht. Und so hatte ich, seitdem ich zwanzig oder einundzwanzig bin, wirklich Ermittlungsverfahren gegen mich. Es wurden immer wieder Ermittlungen gegen mich eröffnet, Observationen rund um die Uhr, Zivilpolizeiwagen vor meinem Apartment, die gewartet haben, mir hinterhergefahren sind, Telefone abgehört wurden. Also ich musste schon sehr früh in meiner Drogendealer-Karriere, um das mal so zu sagen, sehr schnell professionell werden, damit ich nicht gepackt werde.
Und so ist es dann halbwegs wirklich gewesen, dass ich in Deutschland noch nie mit einem einzigen Gramm erwischt wurde. Es sind zwar viele Ermittlungen gegen mich gemacht worden, und auch eine Anklage ist da einmal durchgekommen, weil einer irgendetwas ausgesagt hat. Aber das war kein direkter Kunde, also musste das auch wieder fallen gelassen werden. Aber ich wusste: Ich bin kochend heiß.
So kam es dann, dass ich übers Internet letztendlich meine erste kolumbianische Freundin kennengelernt habe. Da war ich so 25, das war 2007. Davor habe ich dann schon den Schritt gemacht, dass ich nicht mehr im Drogenmilieu war, sondern noch einen Schritt weiter runter und dann wirklich hauptsächlich nur noch mit Kokain zu tun hatte. Auch im großen Stil. Und das ist dann die Unterwelt. Das ist dann nicht mehr das Drogenmilieu an sich, das sind dann schon andere Leute, mit denen man dort auch Geschäfte macht und zu tun hat.
In Deutschland ist das, um das mal so zu sagen, die Unterwelt. Das sind dann die Rockerbanden, die Clans, die teilweise auch schon kartell- und mafiamäßig unterwegs sind, egal ob Russen oder Albaner oder sonstige. Da hast du dann wirklich auch schon Leute, die ganz anders durchgreifen, was Gewalt angeht. Und auch die Menge an Geld einfach, die Summen, die dort auftauchen, sind eine ganz andere Liga als im Drogenmilieu an sich.
Und das sehen wir heute leider auch. Ich glaube, um das mal so einen kleinen Side-Step in die heutige Zeit zu machen: Wir haben in Deutschland ein riesiges Gewalt- und Drogenproblem. Und nicht nur vom Konsum her, was auch ganz, ganz schlimm geworden ist, sondern auch vom Drogengeschäft her. Das hat sich jetzt alles von Holland und Belgien mehr und mehr verlagert, nach Hamburg, also wo die Drogen reinkommen. Das ist der Nummer-eins-Umschlagplatz geworden für die Kartelle aus Kolumbien und Co. Und so kommt dieser Drogenkrieg natürlich auch mehr und mehr nach Deutschland.
Das siehst du in Hamburg, wo plötzlich Drive-by-Shootings passieren: Ein Auto fährt an einem anderen Auto vorbei und ballert da mit einer Maschinenpistole zwanzig Mal rein. Wann hatte man das mal in Hamburg? Also es ist hier angekommen. Ich glaube, das, was wir in den Medien mitbekommen, ist nur die Spitze des Eisbergs. Und ich hoffe, dass die Polizei dafür sensibilisiert ist, dass sie sich mal wirklich auf die Spur macht und die wirklich aktiven Leute da festnimmt. Also, wir haben ein großes Problem.
Zurück zur Story: Wie schon sagte, ich habe meine erste kolumbianische Freundin über das Internet kennengelernt, über Myspace damals. So eine Sache, so ein Social-Media-Ding, hauptsächlich für Künstler, aber noch vor Facebook. Künstler war ich damals schon. Ich habe damals schon Rap gemacht, schon in sehr frühen Jahren habe ich angefangen. Auch da merkte man, dass ich ein großes Talent dafür hatte. Ich wurde von einem Underground-Label in Hamburg gesignt, wo ich mit Rappern zusammen auf einem Label war, die heutzutage die berühmtesten Rapper in Deutschland sind, wie zum Beispiel Bonez, Gzuz, Saphir und einst 187 Straßenbande. Mit denen war ich zusammen auf einem Label und habe dieses ganze Rap-Ding angefangen.
Wir haben natürlich Gangsterrap gemacht. Wir haben darüber gerappt, was wir auf den Straßen wirklich gemacht haben. Aber das war bei euch, wenn ich da kurz einhaken darf, nicht unbedingt nur Fiktion. Sonst kann man ja sagen: Ja, mehr Schein als Sein und so weiter. Und bei euch war das so ein bisschen auch der Charme von dem Milieu, wenn ich das richtig verstehe: So ein Na, ist es jetzt wahr, übertreibt er oder steckt vielleicht auch was dahinter?
Ja genau. Also in meinem Fall war es auf jeden Fall absolut keine Fiktion. Bei dem einen oder anderen hat sich natürlich dann vielleicht auch mit fremden Federn geschmückt, so sage ich mal. Aber wir waren da schon wirklich das Label, wo man auf der Straße bekannt war und was wirklich straßenaktiv war.
Und so hast du es halt heute oder durchgehend seit Jahren schon in Deutschland, dass es diesen Gangsterrap gibt, dass jeder auf Straße macht, jeder macht auf Ghetto, auf G, auf Gangster. Aber weil ich halt auch aus diesem Milieu komme, kann ich da wirklich sagen, dass vielleicht 90 Prozent von den Leuten fake sind, also ein Bluff, nicht das, was sie auf ihren Songs sagen. Zehn Prozent sind halt vielleicht wirklich das oder kennen das, sind in dem Umfeld davon. Aber das Problem ist einfach: Egal ob Bluff oder nicht Bluff, das, was sie da den jungen Leuten, gerade den Jugendlichen, vormachen, die denken, das ist echt. Und umso mehr wollen sie das nachmachen.
Und so hast du es halt, dass die Jugendlichen immer früher anfangen, Drogen zu konsumieren, kriminell zu werden. Es ist nicht mehr genug, sich zu prügeln. Heute laufen die Jugendlichen alle mit Messern rum, schon mit zwölf Jahren. Ich mache ja viel Präventionsarbeit in den Schulen. Ich bin echt schockiert, womit die in jungen Jahren schon mit Messern rumlaufen. Mit zwölf, dreizehn Jahren laufen die mit Messern in die Schule und sind bereit, sie zu benutzen.
Früher hatten sie vielleicht keine Hemmschwelle, jemanden übel ins Gesicht zu schlagen und dennoch zuzutreten. Das war in meiner Jugend die Zeit. Heute haben sie keine Hemmschwelle, dem anderen einen Stich zu geben. Nur das Problem ist, dass du bei einem Stich jemanden sofort töten kannst. Messer ist etwas ganz, ganz Ekliges. Also alle Waffen natürlich. Aber auch an die Jugendlichen oder an die jungen Leute, die hier vielleicht zuhören: Wenn du ein Messer ziehst und dein Gegenüber zieht auch ein Messer, da gibt es nicht einen Gewinner, sondern nur zwei Verlierer. Das lasst euch bitte auch gesagt sein. Also nehmt die Dinge einfach gar nicht erst mit, weil wenn du das am Mann hast, dann bist du auch bereit, das irgendwie zu benutzen.
Da würde ich gerne mal ein Zitat aus deinem Buch bringen. Da sagst du an einer Stelle: In den Rap-Texten klingt das alles mega cool. Die Leute scheinen alles zu haben: Kohle, Autos, Frauen, Ansehen, was man als junger Mann denkt, dass man ja will, und unantastbar zu sein. Aber das sind sie nicht. Entweder, sagst du, ist das alles fake, oder sie sind wirklich kriminell und müssen ein genauso beschissenes Leben führen wie ich damals, immer im Verborgenen, immer mit Paranoia und Kino im Kopf, weil jederzeit irgendwer irgendwas mitbekommen hat. Zitat Ende.
Ja, weil dieser Weg, und das kann man in meinem Buch glaube ich zur Genüge auch sehen, ist etwas, was auch hängen bleibt. Und das sage ich auch immer wieder Jugendlichen, wenn ich diese Präventionsarbeit mache, auch wenn ich in die Schulen gehe, in Drogeneinrichtungen oder in Haftanstalten gehe, dass dieser Weg der Kriminalität nur zwei Enden hat: Knast im besseren Fall oder Grab. Aber es gibt nicht dieses Happy End. Das ist Quatsch.
Ich sage in einem Songbrief an die Straße: Frag die Echten, sie wollen raus aus diesem Drecksgeschäft, denn sie wissen, dieser Film hat kein Happy End. Je länger du da drin bist, je länger du dabei bist, umso weniger macht es Spaß. Keiner von denen, die lange am Start sind und wirklich dick drin sind, macht das noch, weil er Bock drauf hat. Nein, sie machen das, weil sie da zu tief drin sind und nicht mehr rauskommen oder weil sie Schulden haben oder weil sie irgendwie in irgendetwas gebunden sind. Und sie wissen, wie das endet, gerade wenn du lange dabei bist, weil sie das in den Erfahrungen ihrer Jahre mitgemacht haben: wie viele auf der Strecke bleiben, wie viele in den Knast wandern, wie viele draufgehen, und, und, und, und, und. Und das auch schon in Deutschland.
Also das ist jetzt nicht mehr nur so ein Ding, dass ich sage: In Kolumbien gehen sie da in diesem Geschäft drauf wie Fliegen. Es gibt eine Statistik, die gemacht wurde, dass du, sobald du einen Fuß in dieses Drogengeschäft setzt in Kolumbien, im Durchschnitt noch eine Lebensqualität von fünf Jahren hast. Muss man sich mal reinziehen. Und in Mexiko waren es, glaube ich, drei, ne? In Mexiko drei. Und das habe ich am eigenen Leib erfahren. Aber vor vier Jahren wurde mein Schwager erschossen. Es sind einfach Dinge passiert, um das mal so zusammenzuhaben.
Und das war auch etwas, Nils, das fand ich an deinem Buch wirklich mit eine der radikalsten Erkenntnisse, von den geistlichen Sachen, auf die wir gleich kommen, mal ganz abgesehen, und auf die wollen wir ja eigentlich zu sprechen kommen. Wir bleiben aber trotzdem noch mal ganz kurz in der Finsternis. Weil ich komme ja ursprünglich aus der Finanzbranche, und da ist es so: Du hast halt die jungen Investmentbanker und so das Ziel, jeder will mit dreißig Millionär sein. Die einen schaffen es, die anderen schaffen es nicht, das ist jetzt gar nicht der Punkt. Aber dann ist so: Und dann was? Dann haben die Leute die ersten Hunderttausend, dann haben sie die ersten Dreihunderttausend, dann die ersten Fünfhundert, dann die erste Million, und dann was?
Mancher zieht dann die Reißleine, weil er irgendwie eine tolle Frau kennenlernt, die sagt: Du, warte mal, es gibt aber noch was anderes im Leben. Aber manche finden halt nicht diesen Absprungpunkt. Und jetzt kann man sagen: Na gut, das ist alles legal, und du wirtschaftest vielleicht deine eigene Gesundheit darunter, mach, was du willst. Aber was ist, wenn es um Menschenleben geht und wenn es höchst kriminell und lebensgefährlich ist?
Mal zwei Zitate aus deinem Buch, wenn ich darf. Aber das war etwas, was sich wirklich noch mal fett unterstrichen hat. Zitat: Nur noch das eine große Ding durchziehen und dich dann zur Ruhe setzen, das ist das Ziel jedes Drogenschmugglers oder Drogenhändlers. Erreichen tut es aber kaum jemand. Das Happy End, dass jemand Summe XY verdient, was immer das dann für die Leute ist, aussteigt und sich ein entspanntes Leben macht, das passiert fast nie. Zuerst will man die hunderttausend Euro schaffen, dann die Millionen, und letztlich ist es niemals genug. Die Gier auf das schnelle Geld wird immer größer.
Und dann, zweites Zitat: Es ist wie eine Sucht. Irgendwann wirst du erwischt. Man gibt seine Ruhe und seinen Frieden auf, um dreckiges Geld zu verdienen, mit dem man dann meint, sich zur Ruhe setzen zu können und Frieden zu haben. Die Realität ist aber, dass keiner von diesen Capos, Drogenbossen, die durch Drogen vielleicht sogar Milliarden geschäffelt haben, ihren Reichtum je genießen können. Sie müssen sich immer verstecken, untertauchen, sind immer auf der Hut, dass sie nicht gepackt oder von den Feinden ermordet werden, und leben in Isolation und Armut.
Das ist halt diese, sozusagen, es ist so unlogisch. Das ist halt nämlich genau das. Ich sage das, ich weiß nicht, ob ich das sage, glaube ich auch im Buch, dass sie erst mal bereit sind, ihren Frieden und ihr entspanntes Leben aufzugeben, um Millionen zu schäffeln in diesem Drecksgeschäft. Und dann haben sie diese Millionen, und dann sind sie bereit, all ihr Geld da wieder zuzuführen und zu bezahlen, damit sie diesen Frieden, den sie vorher hatten, wiedererlangen. Also es macht am Ende des Tages keinen Sinn. Aber in dem Zustand, oder in dem Status, dass sie nicht einfach mehr so aussteigen können und diesen Frieden wiedererlangen, gibt es genug Beispiele.
Also der von dem größten Kartell, was jetzt momentan immer noch die Macht hat oder die größten Territorien regiert, das ist der Clan del Golfo oder Clan Usuga, und der Otoniel, der Boss von diesem Kartell ist, der Milliarden geschäffelt hat, wahrscheinlich noch viel mehr als Pablo Escobar, wahrscheinlich weil er viel, viel länger im Dunklen agiert hat, konnte die letzten zwei Jahre oder die letzten drei Jahre aber seinen Reichtum überhaupt nicht mehr genießen. Weil er konnte nicht mal zwei Nächte am selben Ort schlafen. Er musste sich im Dschungel vor Panama verstecken und ist von Lichtung zu Lichtung wahrscheinlich irgendwie so, er hat sich da immer sein Zelt aufgebaut mit seinen zwei, drei Bodyguards, die mit ihm waren. Und das Einzige, was er an Luxus hatte, war eine Matratze, eine gute Rückenmatratze, wo er ein bisschen besser drauf schlafen konnte. Ansonsten konnte er keinen Luxus genießen und wurde am Ende dann doch festgenommen und jetzt ausgeliefert in die USA und wird da jetzt lebenslang in einem Hochsicherheitsgefängnis in den USA sitzen. Ja, das ist halt mal das Ende eines Capos.
Und währenddessen will man gar nicht wissen, wie viele Tausend Menschenleben er vielleicht auf dem Gewissen hat. Tausende, Tausende. Das ist halt leider das, was so viel Blut an diesem Zeug klebt, an dem Kokain. Und das ist halt auch das, was ich jedem sage: Hier muss sich jeder bewusst sein in Deutschland, egal ob er mit diesem Zeug handelt oder ob er sich das einfach am Wochenende oder egal wann in die Nase zieht, gerade vielleicht auch in der Finanzbranche sind halt viele, die dadurch, kennt man ja von Filmen wie Wall Street und so, dass die sich damit den Schub geben und Hauptsache sie bleiben wach und so. An jedem Gramm, was man sich in die Nase zieht, klebt Blut von Kolumbianern, Mexikanern, Ecuadorianern, Peruanern und Bolivianern. Das muss man einfach wissen, weil da sterben sie wirklich wie die Fliegen. Da sind die Kriege um die Küchen, um die Routen, um die Territorien und um den Hafen. Und so viele Menschen, die daran sterben, auch unschuldige Menschen, Bauern, die dazu gezwungen werden, Coca anzubauen. Leute, die dazu gezwungen werden, Dinge zu schmuggeln und und und und. Hirten, die sich dann weigern und deswegen getötet werden. Es ist ein ganz, ganz schlimmes Geschäft, was der Teufel natürlich ordentlich vorantreibt, weil da so viel Geld drin hängt.
Auch das sage ich, glaube ich, in meinem Buch. Es ist unwahrscheinlich, wie viel Umsatz dieses Geschäft macht. Das Kokaingeschäft weltweit macht dreimal so viel Umsatz wie alle Industrien in Europa. Okay, du hast Nils gehört. Um das für dich zu vertiefen, habe ich dir hier den biblischen Geldratgeber geschrieben, mit dem du lernen kannst, in deinen Geldentscheidungen und in deinen Prioritäten, in deiner Herzenshaltung diesen Sachen zu entkommen, die für Nils Fallstricke geworden sind, vor allem aber den Fallstricken, die du wahrscheinlich noch nicht mal siehst, denn das ist ja genau der Punkt: Es geht um die Herzenshaltung, ja, es geht darum, wir können nicht zwei Herren dienen. Dieser Geldratgeber soll dir dabei helfen. Der stand zwischendurch auf der Amazon-Bestseller-Liste, falls das irgendetwas zählt, und die Inhalte daraus haben schon Tausenden Menschen geholfen. Du kannst ihn gern mitnehmen, für deinen Hauskreis, für deine Familie und gerne auch für deine und eure Gemeinde. Er ist komplett gratis. Klick dafür einfach auf den ersten Link hier unter diesem Video, nimm ihn dir gern jetzt mit. Danke für alle, die das möglich machen, und weiter mit Nils.
Auf der Zunge zergehen lassen: Es steckt so viel Geld darin, dass du deswegen halt wirklich bis in höchste Kreise, auch da muss man natürlich jetzt ein bisschen vorsichtig sein, aber in vielen Ländern bis hin in die höchsten Kreise, in die Kongresse Leute hast, die da korrupt mit involviert sind in dem Geschäft. Venezuela ist ein bestes Beispiel, dass der Maduro, der jetzt da die Wahlen gefälscht hat und jetzt wieder gewählt wurde und jetzt so Massenmord begeht an Leuten, die gegen ihn aufstehen. Das ist ein Narko-Präsident, also das ist jemand, der die Routen für die Guerilla, die aus Kolumbien mit dem Zeugs dargestellt hat. Und das kann man jetzt so offen sagen, weil das wissen eigentlich viele, da berichten schon so viele darüber. Also es ist unglaublich, unglaublich.
Ja, und leider, wenn ich das so erzähle, und oftmals könnte das klingen, als ob da so ein bisschen so: Ja, ich war ja so dick in diesen Sachen drin und guck mal, das Leben habe ich da gelebt. Als wäre da noch so ein Stolz oder Ruhm über das, was ich mal war. Und da möchte ich auch noch mal ganz klipp und klar sagen: Also ich rühme mich nichts von dem, was ich einmal war. Ich schäme mich zutiefst dafür, dass ich ein Teil dieser ganzen finsteren, teuflischen Maschinerie war, dass ich mich dafür habe gebrauchen lassen. Ich habe es zutiefst bereut, ich habe Buße dafür getan, aber dazu kommen wir ja gleich noch. Und ich rühme mich nichts davon. Ja, also das möchte ich auch noch mal ganz, ganz deutlich machen.
Danke für deine Offenheit. Wir gehen jetzt ein bisschen in deiner Lebensgeschichte weiter. Du bist dann nach Kolumbien rüber, also zwischendurch mal drüben, dann Deutschland wieder hier. Ich vereinfache es jetzt natürlich, im Buch kann man es alles natürlich deutlicher nachlesen. Du hast es ja auch sehr offen, sehr ehrlich aufgedröselt. Du erzählst dann so ein bisschen, kannst uns ja gleich mal einen Einblick geben, wie du auf Umwegen natürlich in kartellähnliche Strukturen hineingekommen bist, also auch willentlich teilweise, wie du ans bewaffnete Verbrechen reingekommen bist, ohne dass du selbst was verübt hast, aber einfach umgeben warst von entsprechenden Leuten, paramilitärische Organisation, also wirklich ganz krass.
Und zwei Zitate einfach mal aus deinem Buch: Das eine Zitat ist: Heute erschrecke ich darüber, wenn ich daran denke, wie abgestumpft ich war. Und das andere Zitat ist, wo du sagst, da redest du an einer bestimmten Ortschaft und sagst, dort waren fast jeden Tag Beerdigungen von jungen Männern, ich ergänze jetzt Teenager, ist damit gemeint, und viele Jugendliche standen dann vollkommen stoned am Grab ihrer Kumpels. Was ist passiert, Nils?
Abstumpfung, Gewalt und der Weg nach unten
Ja, ich bin in Kolumbien geblieben, als ich dort meine erste kolumbianische Freundin kennengelernt habe. Ich habe sie besucht, bin dort geblieben und habe mich entschieden, wirklich auszuwandern. Ich habe meine Zelte in Flensburg abgebrochen und habe dann über Dritte Männer kennengelernt, die stark verwurzelt waren in paramilitärischen Organisationen. Zu meiner Zeit war das die größte Organisation oder eine der größten Organisationen in Kolumbien. Heute wurde sie abgelöst von dem Clan del Golfo, von dem ich gerade erzählt habe.
Ich hatte dort einen Partner, sein Alias war El Mono. Ich sage seinen Alias so, weil er nicht mehr unter uns ist, er wurde erschossen. Das sagt auch schon wieder einiges. Ja, wir haben Dinge einfach konkreter werden lassen, um das mal vorsichtig so auszudrücken. Es war einfach mein Wunsch, das richtig dicke Geld zu machen, selbst eigene Routen zu haben, Multimillionär zu werden und dann, wie ich das auch gerade, wie du es zitiert hast, irgendwann, wenn man genug hat, ein entspanntes Leben zu leben. Das ist natürlich nie so gekommen.
Und da war es für mich schon irgendwie attraktiv, denn auch das war alles willentlich, dass ich dort am Ursprung bin, jemanden habe, von dem ich die Ware bekomme, und dann mein Netzwerk in Nordeuropa hatte, wo ich das dann vertreiben kann. Und ja, Dinge sind einfach konkreter geworden, um das mal so zu sagen. Ich bin angekommen in einer Welt, in der ein Menschenleben keinen Wert hat. Der Partner wurde erschossen, ein anderer Partner wurde gekidnappt und dann erschossen.
Ich habe mich dann von meiner Freundin getrennt, mit der ich zusammen war, und bin in die nächstgrößere Stadt gezogen, nach Medellín. Medellín ist ja vielleicht jedem bekannt wegen dem Medellín-Kartell und Pablo Escobar. Der war natürlich zu meiner Zeit, als ich da war, also 2008, schon längst tot. 1993 wurde er erschossen. Aber die Mafia lebt dort weiter, ebenso die Probleme in den Straßen und die Kriege zwischen den Banden.
Medellín ist eine Stadt, die ich liebe. Eine wundervolle Stadt. Wenn es da nicht so viel Gewalt gäbe, würde ich da sofort hinziehen. Wirklich eine wundervolle Stadt, wundervolle Menschen. Meine Frau kommt auch aus Medellín, sogar aus dem Viertel, das du da gerade zitiert hast: aus Castilla, einem Viertel, in dem viele, viele Banden miteinander im Krieg sind.
Du hast in Medellín in einer Stadt, in der 3,2 Millionen Menschen leben, und in der ganzen metropolitanen Gegend vielleicht 5,5 Millionen. Aber du hast dort mehr als 350 aktive Banden. Eine Bande kann aus zwanzig Jungs bestehen, aber auch aus tausend oder dreitausend. Also hast du dort auch Megabanden, und die sind miteinander im Krieg um Territorien. Und da geht es dann auch teilweise natürlich um die Narko, also um die internationalen Routen, aber da geht es dann mehr um den Mikrotraffic, um die Placas, wie das dort heißt, also um die Plätze, wo Drogen in der Stadt verkauft werden.
In diesem Viertel Castilla habe ich ein Jahr, vielleicht anderthalb Jahre so gelebt. Ich habe dann dort mitbekommen, dass jede Nacht Schießereien waren. Direkt 100 Meter weiter unten war der Friedhof, wo dann wirklich diese jungen Männer zu Grabe getragen worden sind. Und dann machen ihre Kollegen dort diese heftigen Rituale mit ihren Motorrädern, alle natürlich stoned und mit Alkohol, und leben das Leben weiter.
Und das ist halt das, was einem so zeigt, dass es bei mir ja genauso war. Ich war ja kein Deut besser, und ich war genauso blind. Aber man sieht dieses Leid und diese Zerstörung. Und sie sind tot vor sich, und sie machen trotzdem weiter. Also das ist halt das, was einen so wirklich schockiert. Weil, ich meine, sie haben nur dieses eine Leben und danach die Ewigkeit. Und sie sind einfach, genau wie ich damals, bereit gewesen, für nichts ihr Leben wegzuschmeißen. Und so ist es auch fast gekommen.
Also du erzählst in dem Buch zum Beispiel sehr drastisch, dass es 2010, nachdem du da schon sehr, sehr stark involviert warst, zumindest nach den Begriffen von jemand Außenstehendem, einen Attentatsversuch auf dich gab. Du musstest dann auf der Flucht von einer Brücke springen, bist acht Meter, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, auf Stein geknallt, hattest mehrere Knochenbrüche, saßt mehrere Monate im Rollstuhl, und ich hoffe, ich trete dir nicht zu nahe, ich glaube, du trägst bis heute noch einige Narben an deinem Körper. Die Konsequenzen.
Auch heute kann ich nicht mehr richtig laufen. Also ich kann noch gehen, Gott sei Dank, dafür bin ich sehr dankbar, aber die Schmerzen sind da. Es sind einfach die Konsequenzen des alten Lebens. Ich kann zwar heute hier sitzen und sagen, Jesus hat jeden Riss in meiner Seele geflickt, das hat er wirklich, aber Narben sind noch spürbar. Und das ist einfach die Konsequenz. Jeder Schritt trägt Konsequenzen. Also wir müssen bedacht sein, welchen Schritt wir tun, weil jeder Schritt Konsequenzen haben wird, zum Guten oder zum Schlechten, hier auf Erden und auch dann in der Ewigkeit.
Ein so wichtiger und tiefer Punkt von Niels. Hilf gern mit, dass mehr Menschen, die das wirklich brauchen, diesen Beitrag hier sehen. Wir haben unseren Teil schon gemacht, also drück du gern einfach auf diese Glocke hier unten rechts unter diesem Video, und der YouTube-Algorithmus erledigt das ganz allein für dich. Vielen Dank an alle, die das machen. Das ist eine schöne Wertschätzung für den Einsatz von Niels. Danke dafür.
Dann war es so, dass du immer weiter dort eingestiegen bist, hattest mit diversen Geschäftspartnern zu tun, und eines Tages ist es so: Dein Partner war mit seinem Anwalt einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Die beiden waren mehrere Wochen spurlos verschwunden. Und es war so, du hattest eine Diskothek, die am Anfang auch sehr, sehr gut lief, die sehr in war, wo auch viele mächtige Leute unterwegs waren. Dann haben sich die Situation geändert, die Lagen verändert, und lange Rede, kurzer Sinn: Du brauchtest schnell Geld. Und ich springe ein bisschen vor. Irgendwann waren dann die schicksalhaften Worte, die du gesagt hast: Mama, gib mir mal bitte Papa. Was ist dazwischen passiert?
Der Absturz und die Verhaftung in Bogotá
Es ist so viel passiert. Um das abzukürzen: Diese Abwärtsspirale ist in meinem Leben so deutlich erkennbar. Diese Abwärtsspirale der Kriminalität. Es geht nie nach oben, es geht immer nur nach unten.
Dass ein Partner gekidnappt wurde. In diesem Moment bin ich selber fast, oder wäre ich wahrscheinlich auch gekidnappt worden, wenn ich da gewesen wäre, weil ich eigentlich bei diesem Meeting, bei diesem Treffen, mit dabei sein sollte. Ich habe aber verschlafen, was in diesem Geschäft natürlich ein absolutes No-Go ist. Ein absolutes No-Go. Aber ich weiss auch nicht, das ist mir auch noch nie passiert. Es sollte wohl irgendwie so sein, als würde jemand wollen, dass ich da nicht hingehe.
Und ja, in dem Meeting, genau in diesem Treffen, wo ich auch eigentlich hätte dabei sein sollen und ich verschlafen habe, wurde mein Partner gekidnappt. Er ist vor Wochen verschwunden. Wir hatten dort eine neue Route, die wir ausprobieren wollten, mit Leuten vom Kartell von der Küste. Das Material stand schon bereit, also die Drogen standen schon bereit, und wir wollten einen kleinen Test fahren.
Mein Partner, der gekidnappt wurde, sollte investieren. Er hatte wirklich auch viel Geld. Er war ein grosser, kann man schon fast sagen, Kapo von der Küste. Aus Barranquilla kam er. Und ich hatte halt nicht das Geld. Jetzt wurde er gekidnappt, und jetzt musste ich irgendwie sehen, dass ich dieses Geld ranbringe. Denn mit diesen Menschen kannst du halt nicht spassen. Da kannst du nicht einfach sagen: Was ist dazwischengekommen, lasst mal, macht mal euer Ding alleine. Da gehst du sofort für drauf.
Also sagt man da drüben: Ein Mann, ein Wort. Das würde man hier in Deutschland sagen. Da drüben sagt man: La palabra es una. Also das Wort ist eins. Du gibst dein Wort, und dann stehst du auch für dein Wort oder fällst für dein Wort.
Und natürlich hatte ich auch Interesse daran, dass diese Route, dieser Test, funktioniert und dann eine laufende Route hat, wo man dann diese Illusion, der ich hinterhergelaufen bin, viel, viel Geld damit zu machen, wollte ich einfach durchziehen. Ich stand dann wirklich mit dem Rücken an der Wand. Ich dachte damals wirklich, ich habe keine andere Option, und habe dann mit einem Chemiker, den ich dort kannte, einen Backpacker-Rucksack präpariert. Wir haben in den Schaumstoffboden einen doppelten Boden eingezogen, so nennt sich das professionell ausgedrückt. In diesem doppelten Boden haben wir dann sechshundert Gramm Base eingestrichen. Das ist ein Vorprodukt von Kokain. Ich bin dann mit Anti-Dog, Anti-Scanner drauf los zum Flughafen Bogotá, zum El Dorado in Bogotá, und hatte den Flug über ...
Und jetzt muss man vielleicht noch dazusagen, damit man ein bisschen Kontext hat: Sechshundert Gramm Kokain ist wirklich einerseits sehr, sehr, sehr viel, wenn man es als Strassenhändler verkauft. Das ist extrem viel. Andererseits, wenn ich das richtig verstehe, war das für euch nur ein Testballon, um zu sehen, ob die Route funktioniert. Da wären wahrscheinlich noch ganz andere Summen geschoben worden.
Ja, also das war eines meiner kleinsten Dinge, die ich jemals gedreht habe. Ich habe mich auch selber nie ins kalte Wasser geschmissen. Und da wollte ich halt, weil diese Route, diese Testroute, bereitstand, jetzt dieses Geld schnell machen. Ich sah keine andere Möglichkeit und habe dann halt selber geschmuggelt. Ich wusste auch, dass es 50:50 ist, ob ich durchkomme oder nicht. Aber es war mir zu der Zeit egal. Und so kam es dann wirklich auch.
Ich bin zwar am Scanner vorbei, ich bin am Zoll vorbei, ich bin an den Hunden vorbei. Ich sass im Gate und dachte, ich habe es geschafft. Ich habe mir die Sneakers ausgezogen. Dann kam aber eine Durchsage von der Fluggesellschaft, von Air France, weil der Flug: Wir gingen von Bogotá über Paris nach Hamburg. Dann kam die Durchsage, dass alle Passagiere noch einmal aus dem Gate raus sollen. Und dann kam eine Horde Polizisten rein, haben ihre Tische aufgestellt, und dann musste jeder Passagier noch einmal mit seinem Handgepäck ran. In jedes Handgepäck wurde auch reingestochen, auch in meins.
Und das sind halt absolute Profis. Vielleicht die beste Drogenpolizei der Welt findest du in Kolumbien, und die Besten der Besten im Flughafen von Bogotá. Und so haben sie mich halt wirklich festgenommen.
Ich wurde abgeführt, durfte einen Anruf machen. Da kommen wir halt zu der Szene, die du gerade angeteasert hattest: Mama, gib mir mal Papa. Ich durfte einen Anruf machen, und ich wusste, ich muss zu Hause anrufen. Warum? Weil mein bester Freund mich jetzt in Hamburg abgeholt hätte. Der wusste auch nichts von dem ganzen Müll, den ich da verzapft hatte. Der wollte mich nur abholen und dann zu meinen Eltern fahren. Die hätten dann mit Abendbrot auf mich gewartet.
Und wenn ich jetzt nicht auftauche, weil ich ja festgenommen worden bin, ich werde ja nicht auftauchen, wenn meine Mutter nicht wüsste, was mir passiert ist, sie würde sich sorgen, sie würde wahrscheinlich umfallen. Und das wusste ich. Ich wusste, ich muss zu Hause anrufen.
Zeitumrechnung, die Differenz war wahrscheinlich irgendwie drei Uhr nachts dort. Mama ging ans Telefon, und ich sagte dann diesen Satz, den du gerade gesagt hattest: Mama, gib mir mal Papa. Dann ging mein Vater ans Telefon, und ich sagte ihm: Papa, ich bin am Flughafen festgenommen worden, erwischt worden.
Und er fragte dann auch gleich, mit wie viel. Er wusste also gleich, worum es geht und wie, wo, was. Er war wahrscheinlich schon genug sensibilisiert, ja, kann man so sagen. Und er fragte dann, wie gesagt, mit wie viel, und ich sagte dann unter ein Kilo. Dann sagte er etwas, was mir wirklich viel Kraft gegeben hat, aber auch wie ein Stich ins Herz war. Er hat gesagt: Nils, melde dich, wenn du kannst. Pass auf dich auf, und vergiss nicht, wir lieben dich.
Und das ist wirklich so etwas, was ich immer gerne auch nehme, um es Eltern mitzugeben. Er hätte alles sagen können. Ich weiss auch ganz ehrlich nicht, wie ich jetzt reagieren würde. Ich hoffe genauso meinen Kindern gegenüber. Ja, ich meine, er hätte alles sagen können. Wir wussten, dass du da irgendwie in kriminelle Sachen verstrickt bist, und du machst unser ganzes Leben kaputt, und und und. Verständlich: Frust, Wut, über so etwas. Aber nein, er sagt: Vergiss nicht, wir lieben dich.
Und das hat mir sehr viel Kraft gegeben. Und das ist auch etwas, was ich den Eltern heutzutage mitgeben möchte und wo ich auch selber das zu mir in erster Linie sage: Ich möchte auch so ein Vater sein, der so eine bedingungslose Liebe hat. Eine bedingungslose Liebe, die ich ja von meinem fleischlichen Vater Gott sei Dank erleben durfte, aber noch in viel grösserer Fülle von meinem Vater im Himmel, von Gott selbst, der uns ja bedingungslos liebt.
Und das möchte ich Eltern mitgeben, dass sie ihren Kindern wirklich nie die Tür zumachen, dass sie immer diese Tür offenlassen. Egal, in was ihr Kind verstrickt ist, wie sehr es verloren ist: Gebt eure Kinder nicht auf, liebt sie weiterhin. Mit egal wie viel Frust, wie viel Sorge, wie viel Wut auch in euch ist. Aber irgendwann kommt vielleicht dieser lichte Moment, und wenn da die Tür zu ist, weil irgendeine Entscheidung getroffen wurde, dass man lieber den Kontakt erst einmal abbrechen möchte, dann kann das für immer gewesen sein.
Aber wenn da die Tür offen ist und das Kind wirklich diese bedingungslose Liebe spürt, dann macht das etwas mit einem. Letztendlich ist es ja auch diese Liebe und die Güte Gottes, die einen wirklich zur Umkehr führt, die einen wirklich dazu bringt, dass man auf die Knie geht und zu ihm schreit, weil dieses Vertrauen auch da ist.
Genau. Und dann wusste ich, als ich festgenommen wurde, das, was jetzt kommt, wird brutal hart werden. Mal eine grosse Show, Kolumbien vorbei, Drogenbusiness in Kolumbien, das ist alles vorbei. Und das, was jetzt kommt, wird richtig, richtig mies.
Im Gefängnis des Todes
Ja, Nils, da sind wir jetzt im Gefängnis. Ich glaube, viele von uns kennen Geschichten oder kennen vielleicht jemanden, der in Deutschland im Gefängnis saß, oder vielleicht waren einige auch selbst schon hier in einer Justizvollzugsanstalt gewesen. Alles möglich. Aber ich glaube, was du da gesehen hast und was du erlebt hast, ist ein bisschen anders als das, was wir hier vor Augen haben.
Du bist ja auch nicht in ein normales Gefängnis gekommen, sondern was ist passiert?
Ja, ich bin in das berüchtigte Gefängnis La Modelo in Bogotá eingefahren. Ein Gefängnis, das berühmt und berüchtigt ist für diese schrecklichen Dinge, die dort passieren. Also Terror, Kriege, Leute verschwinden von einem Tag auf den anderen. Es passieren wirklich schreckliche Dinge dort.
2011 bin ich in dieses Gefängnis eingefahren, in einem Moment, in dem es die absolut höchste Zahl an Insassen hatte. Das Gefängnis hatte zu der Zeit, als ich dort saß, mehr als zehntausend Häftlinge, obwohl es nur eine Kapazität für dreitausend hatte. Man kann sich, glaube ich, nicht vorstellen, wie menschenunwürdig die Verhältnisse da drinnen wirklich waren.
Die Männer haben in den Fluren dicht an dicht wie Sardinen geschlafen, teilweise bis unter die Pissoirs. Es war einfach komplett überfüllt. Ich musste mir meine Zelle kaufen, also Korruption am laufenden Band. Das Essen wurde von den Wächtern nur liebevoll wimpy genannt, also Essen für Schweine. Und es war grauenvoll. Es war Fleisch mit Maden, es war irgendeine Masse, Suppenmasse, bei der du gar nicht wissen wolltest, was da drin ist.
Und ja, du hast halt viele Sachen mitbekommen, darunter Messerstechereien, Selbstmorde. Plötzlich ist von einem Tag auf den anderen einer verschwunden und nie wieder aufgetaucht. Und das, was ich wirklich als das Schlimmste von allem sage, war, dass du nachts Männer schreien gehört hast. Also Schreie, nicht einfach nur so, dass sie ihr Leben an die Wand gefahren haben, sondern Folter-, Todes-, vielleicht Vergewaltigungsschreie. Das ist schon heftig, wenn du das so hörst.
In der ersten Woche musste ich natürlich erst mal sehen: Wie komme ich da zurecht? Wie läuft das da ab? Wem kann man vertrauen? Wie funktioniert das mit dem Geld? Wie kann ich mir ein bisschen Komfort zulegen, also zum Beispiel eine Zelle kaufen und und und. Du kannst da drin alles haben, alles hat seinen Preis. Du hast da drin Handys, Smartphones, Waffen. Und ich rede jetzt nicht nur von Messern, sondern auch von Pistolen, teilweise sogar Maschinengewehren. Alles da drinnen. Für die Häftlinge.
Ja, ja, die Häftlinge. Ich will das nur mal klar machen: Du hast zehntausend Straftäter, also Leute, die ja nicht aus Spaß ins Gefängnis kommen, in einem Gebäudekomplex, der für zweitausendfünfhundert ausgelegt ist, und die Leute haben dort AK-47-Sturmgewehre. Was soll schiefgehen?
Ja, genau. Also natürlich sind sie in der Zeit, in der ich da saß, nicht mit diesen Gewehren so öffentlich frei herumgelaufen, sondern hatten sie in ihren Verstecken. Für den Fall, dass etwas passiert. Aber im Jahr 2000 zum Beispiel war dort noch ein offener Krieg in diesem Gefängnis zwischen der Guerilla und dem Paramilitär. Das war also elf Jahre vorher, bevor ich da saß. Sie haben dort einen Krieg ausgefochten, wo sie sich mit AKs beschossen haben und viele, viele Menschen auch draufgegangen sind.
Wenn ich mal ein paar Sachen ergänzen darf, die man auch öffentlich über das Gefängnis lesen kann, damit Leute ungefähr ein Bild davon haben, was das für eine Umgebung ist: Viele nennen es die Hölle auf Erden. Gut, der Begriff wird für vieles leichtfertig benutzt, aber das zählt als einer der objektiv gefährlichsten Orte der Welt.
Ein paar Sachen, die ich gelesen habe, in deinem Buch, aber auch in externen Quellen noch einmal nachvollziehen kann: Als du dort warst, waren noch die AK-47-Einschusslöcher an den Wänden, unter anderem von Fluchtversuchen, hast du geschrieben. Dann hast du geschrieben, dass innerhalb des Gefängnisses in der Zeit, in der du da warst, mehr Menschen an Krankheiten sterben, durch die nicht vorhandene Hygiene, durch das, was wir mal Essen in Anführungsstrichen nennen, als durch gewaltsame Auseinandersetzungen. Über die Männerschreie hast du schon gesprochen. Und dann so Sachen wie, dass in Hof vier eine dicke Rauchwolke aufgeht, weil dort einfach brennende Matratzen mit jemandem in eine Zelle eingesperrt werden, damit er bei lebendigem Leib verbrennt.
Und tatsächlich ist es so, das kann man auch an den offiziellen Sachen nachvollziehen, dass im Lauf der Jahre mehrere Hundert Menschen in diesem Gefängnis verschwunden sind. Niemand wusste wohin. Und eines Tages gab es Wartungsarbeiten bei den Kanalisationsschächten etc. Und dann, Zitat von dir: Bei den Opfern, deren zerstückelte Überreste unter dem Gefängnis gefunden wurden, handelte es sich nicht nur um Häftlinge, sondern auch um Besucher und Zivilisten, die dann identifiziert wurden.
Und jeden Morgen, hast du geschrieben, gab es eine Zählung nach dem Motto: Schauen wir mal, wer die Nacht überlebt hat.
Ja, richtig, genau. Das war das Gefängnis. Mein für kurze Zeit, Gott sei Dank nur mein Zuhause. Ein Gefängnis, das aber nicht aufhört mit seiner schrecklichen Geschichte. Denn im Jahr 2020, als Corona anfing, gab es eine Revolte. Da haben mehrere Insassen versucht, die Autorität an sich zu reißen und auch einige zu flüchten. Offiziell, was in den Nachrichten herumging, waren es 23 Tote: 22 Häftlinge und ein Wächter.
Aber wir waren ja jetzt in diesem Gefängnis im Jahr 2023. Wir waren dort wegen der Doku-Dreharbeiten über meinen Film, waren dort wieder in diesem Gefängnis. Ich habe dort natürlich auch in diesem Gefängnis gepredigt und Bibeln verteilt. Das ist immer das, was ich auf dem Herzen habe, wenn ich in die Gefängnisse gehe, natürlich in erster Linie.
Und da haben, weil wir da mit Kameras drinnen waren und so, natürlich Insassen zu uns gekommen und hatten es wirklich auf dem Herzen, uns zu sagen, was da wirklich passiert ist. Auch wenn es in unserer Doku jetzt nicht direkt um diese Revolte ging, aber das wussten die Insassen, die zu uns kamen, halt nicht. Und die haben wirklich gesagt, dass da teilweise inoffiziell Zahlen aufkommen, dass da mehr als zweihundert Menschen ermordet worden sind und auch viele, viele verschwunden sind in dieser Revolte. Und das im Jahr 2020.
Ich hole noch einmal ein bisschen aus: Vor drei Monaten ist der Direktor von diesem Gefängnis auf offener Straße draußen erschossen worden. Und das auf Warnung von einem Boss. Es gibt mehrere verschiedene Gefängnishöfe dort, und jeder Hof hat so seinen Boss. Also ein Straftäter, der dort diesen Hof an sich gerissen hat und seine kriminellen Machenschaften da weitermacht und sein Geld verdient.
Und aus Hof vier, der war auch neben uns, das war der schrecklichste Hof von allen, wo wir viel, viel schreckliche Sachen auch miterlebt haben, hat der Boss dort vor Kurzem eine Warnung an den Gefängnisdirektor herausgegeben und gesagt: Wenn ihr noch einmal bei uns eine Durchsuchung macht, dann wirst du und deine Familie dafür sterben.
Ja, und vor zwei, drei Monaten wurde der Direktor dieses Gefängnisses auf offener Straße erschossen. Also, es nimmt seinen Lauf, auch diese Historie dieses Gefängnisses. Nur damit die Leute auch einfach wissen, in was für einer Hölle auf Erden ich da wirklich saß, wenn ich das den Menschen so sage.
Genau, das war so mal in der ersten Woche. Wenn wir da mal zurückgehen: Erstmal musste ich sehen, wie komme ich da zurecht. Und in der zweiten Woche, da knallte dann auch die Hoffnungslosigkeit rein. Mir wurde dann schon auch bewusst, dass ich mein Leben an die Wand gefahren habe. Denn bevor ich in dieses Gefängnis eingefahren bin, ich wurde festgenommen, bin direkt vor den Haftrichter gekommen, der hat mir acht bis zwölf Jahre gegeben.
Und wenn du mit diesen acht bis zwölf Jahren im Nacken in dieses Gefängnis einfährst, dann brichst du zusammen. Und ich bin zwar nicht körperlich zusammengefallen, weil du musst da natürlich irgendwie dein Mann stehen und darfst da jetzt keine Schwäche zeigen. Das ist wirklich so Survival of the Fittest, kann man wirklich so sagen. Aber ich habe schon innerlich gemerkt, das war’s. Was für eine Hoffnungslosigkeit sich in mir aufgemacht hat. Todesangst auch natürlich. Bei den Schreien, die du nachts hörst, nicht zu wissen, ob du jemals wieder lebendig aus diesem Gefängnis rauskommst, was das mit meinen Eltern macht, was, wenn ich hier rauskomme nach acht bis zwölf Jahren, was für eine gescheiterte Existenz bin ich denn?
Es sind einfach viele Dinge in mir in der zweiten Woche so durch den Kopf gegangen, und das hat mich wirklich richtig, richtig, richtig, ich war richtig am Boden zerstört. Also psychisch und seelisch wusste ich so: Das ist das Schlimmste, was mir jemals passieren konnte.
Aber dann, gleich auch in dieser zweiten Woche, als ich mich so gefühlt habe, in dieser Hölle auf Erden, sage ich immer, dann ist etwas passiert, was mein Leben um hundertachtzig Grad gedreht hat. Denn mir ist der Himmel begegnet, im wahrsten Sinne des Wortes.
Gerne. Also wie du schon gesagt hast, wir wurden jeden Morgen um sechs Uhr gezählt. Wir mussten uns in Fünferreihen auf dem Gefängnishof aufstellen, nach dem Motto, ob auch jeder diese Nacht überlebt hat. Und an diesem einen Tag in der zweiten Woche, ich kann jetzt nicht mehr genau sagen, welcher Wochentag das war, aber es war in der zweiten Woche, gleich am Anfang meiner Haftzeit, stand ich in dieser Fünferreihe morgens und spürte so ein Ziehen an meinem Herzen. Also nicht so, dass ich jetzt gleich einen Herzinfarkt bekomme, nein, ein anderes Ziehen. Es war irgendwie so etwas wie ein Drang, ein Ziehen, dass ich nach der Zählung in den evangelischen Gottesdienst reingehe.
Und jeden Morgen waren da zwei Gottesdienste: Aula eins, der evangelische Gottesdienst, und daneben in der Aula zwei war der traditionell römisch-katholische Gottesdienst. Und es zog mich förmlich in diesen evangelischen Gottesdienst. Ich stand dort in der hintersten Reihe und hörte meinen Mithäftling, der jeden Morgen dort gepredigt hat, predigen. Und ich habe das erste Mal in meinem Leben wirklich das Evangelium von Jesus Christus gehört. Also diese gute Botschaft, diese rettende Botschaft von Jesus Christus, dass er für unsere Schuld am Kreuz gestorben ist, am dritten Tag auferstanden ist von den Toten und den Tod besiegt hat und den Weg in die Herrlichkeit freigemacht hat. Und dass wir, wenn wir mit aufrichtigen Herzen darum bitten, wirklich Vergebung unserer Sünden haben, dass wir in Jesus Christus Vergebung unserer Schuld haben und Frieden mit Gott.
Und das jetzt mal kurz zusammengefasst. Ich werde aber vielleicht auch noch ein bisschen detaillierter darauf kommen gleich. Aber als ich das gehört habe, war für mich klar, dass es nur einen einzigen Menschen, nur einen einzigen Gott gibt, der mich retten kann, und das ist Jesus Christus. Und ich konnte das glauben. Also es kam Glaube in mir hoch.
Das ist mir so eine Sache: Glaube ist nicht eine Sache, die wir Menschen selber produzieren, aus uns selber heraus. Ja, jetzt fange ich mal an zu glauben. Nein, Glaube ist eine Sache, die wird uns geschenkt, die wird dir ins Herz gelegt. Und es geht auch nicht um irgendeinen Glauben, sondern es geht um einen ganz fein definierten Glauben, nämlich den Glauben an Jesus Christus, an den Retter der Welt, an den, der alles vollbracht hat am Kreuz, damit wir gerettet sein können, und der den Tod besiegt hat durch seine Auferstehung.
Und dieser Glaube, da komme ich gerne gleich noch einmal ein bisschen detaillierter darauf, dieser Glaube spricht uns gerecht vor Gott. Wir haben nämlich alle ... und wollen wir erstmal noch weiter über die Story oder möchtest du, dass ich gerne jetzt schon einhaken mit dieser wundervollen Botschaft? Da richte ich mich gerne über deinen ...
Ich würde die Story noch zum Abschluss bringen, dass wir uns das für das Ende aufheben, wenn es für dich okay ist.
Ja, absolut. Auch wenn der Prediger in mir gerade brennt. Ja, ja, ja. Halt den Bogen noch kurz aus, mein Freund.
Absolut, absolut.
Nils, das Kuriose ist ja, du wusstest ja vorher schon, dass es einen Gott gibt. Das war dir vorher schon irgendwie klar. Du hast ja auch mal in Songs und Ähnlichem gesagt, sowas wie: Ja, only God can judge me, also nur Gott kann mich verurteilen. Das ist ja in der Rapperszene so ein beliebtes Ding, nach dem Motto: Ah, vielleicht gibt es ja auch einen Gangsterhimmel und so weiter. Also dieses, dass da irgendwie irgendwo abstrakt was ist, das war jetzt nicht der Riesenschocker.
Aber du hast gesagt, eine andere Sache, die ist dir da langsam und dann doch sehr schlagartig klar geworden. Was war das?
Ja, um das auch noch mal ein bisschen vielleicht ganz visuell zu zeigen: Ich habe mir mit achtzehn Jesus Christus auf den linken Oberarm tätowiert und darunter ein paar Jahre später, aber auch noch in meiner aktiven Straßenzeit: Solamente Dios puede juzgar me, also Only God can judge me, nur Gott kann mich richten. Und das ist halt ein Vers von einem meiner damaligen Lieblingsrapper, von Tupac, ein berühmter Vers, der genau das, was du halt gesagt hast, was du jetzt sagen willst, ist da: Wirklich für Gangster kommt auch ein Himmel? Kommt ein Gangster auch in den Himmel? Und nur Gott kann mich richten, sagt man so schnell mal heraus, so salopp, so nach dem Motto: Ja, du kannst mir gar nichts, auch du Polizist kannst mir nichts, auch du Richter kannst mir nichts, am Ende des Tages, sondern nur Gott kann mich richten. Das ist so ein bisschen Gangster-Gephasel, um das mal so zu nennen.
Aber was mir dann da drinnen wirklich auch bewusst wurde, auch als ich das Evangelium, als ich mit diesem heiligen, gerechten Gott konfrontiert wurde, was mir bewusst wurde, ist, dass wenn ich vor ihm stehen werde, und das werde ich, jeder Mensch wird das, dann habe ich ein großes Problem. Denn dann wird er mich richten. Dann wird er mich richten. Das ist nicht nur einfach so: Ja, nur Gott kann mich richten. Nein, er wird es auch tun. Und das ist leider die herausfordernde Seite der guten Botschaft, auf die wir dann auch gleich noch mal kommen werden.
Aber dass wir alle einmal vor Gott stehen werden und Rechenschaft abgeben müssen und kein Mensch vor Gott gerecht bestehen kann. Und ich als der Sünder, der ich damals war, am allerwenigsten. Und das wurde mir bewusst. Und ich wusste, ich habe ein sehr, sehr großes Problem. Sowieso dort in diesem Gefängnis zu sein, aber nicht nur, ehrlich jetzt gedacht, sondern auch ein Ewigkeitsproblem, ein Problem mit Gott selbst.
Da gibt es nur zwei Antworten darauf. Es gibt nur zwei Reaktionen, wenn dir das klar wird: Entweder Stillschweigen. Dein Mund ist gestopft, verstopft, und du kannst nichts dazu sagen. Du bist wie geschockt und still, weil du weißt: Egal, was ich jetzt sage, ich bin sowieso schuldig, ich habe keine Ausreden.
Oder hoffentlich die zweite Reaktion: Du schreist zu Gott aus und bittest ihn, dass er dir vergibt, und bittest ihn, dass er dir hilft, dass er dich errettet, vor sich selbst. Diese beiden Reaktionen. Bei mir hat es wirklich diese zweite Reaktion hervorgerufen, dass ich auf die Knie gefallen bin und zu Gott geschrien habe: Herr, bitte vergib mir meine Sünden. Bitte hilf mir, dieses Leben zu leben, wie es dir gefällt. Du siehst ja, wo ich mein Leben alleine hingefahren habe.
Und das ist halt dieser Moment, diese 180-Grad-Kehrtwende, die wir Christenumkehr oder Buße nennen, wo wir sagen, wir laufen nicht mehr vor Gott weg, sondern wir kehren um zu ihm und laufen in seine Arme. Das ist in dem Gefängnis passiert, in diesem Knastgottesdienst im August 2011, wo ich wirklich sagen kann: Dort hat Gott mein Leben verändert. Dort hat er alles angefangen, neu werden zu lassen in mir. So sehr, dass ich mich dann so ein discipleship gemacht habe, also so ein discipulado nennt man das auf Spanisch.
Jüngerschaftskurs dann.
Genau, auf Deutsch, richtig. Jetzt haben wir es auf allen drei Sprachen durch. Und mich vorbereitet habe auf meine Taufe. Ich wurde zwar als Baby getauft, aber weder konnte ich mich daran erinnern, noch konnte ich mich dazu bereiterklären und Ja oder Nein sagen. Deswegen war für mich ganz klar: Ich möchte das, was in mir drin passiert ist, ich möchte das öffentlich machen. Jeder soll das sehen, jeder soll sehen, dass ich zu Jesus Christus gehöre. Jeder soll wissen, dass ich mit ihm am Kreuz gestorben bin, mit ihm begraben worden bin und dass ich mit ihm auferstehen werde und dass er mich durch sein Blut wie durch das Wasser jetzt gereinigt hat.
Deswegen halt diese Taufe, und nicht die Taufe, mit der sie den Wasser überträufeln, sondern einfach wirklich einmal komplett unter Wasser gehend. Der alte Nils bleibt sozusagen im Wasser drin und der neue Nils kommt raus. Das war im Waschbottich, wo normalerweise dann, also ihr habt ja keine Taufbecken logischerweise in La Modelo. Das ist im Waschbottich gewesen, wo die Wäsche gewaschen wird, und davon gibt es auch wundervolle Fotos, auch im Buch zum Beispiel. Ich erinnere mich gerne daran zurück.
Ja, krass.
Ja, und dann könnten wir jetzt auch wieder eine ganz große, eine eigene Folge dazu machen, aber ich überspringe jetzt ganz viel. Dann ist es so: Später in Deutschland gab es auch noch einmal einen harten Cut mit vielen Dingen. Aber lange Rede, kurzer Sinn: Du hast dich danach, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, anderthalb Jahre im Gotteswort vergraben. Du hast in der Zeit sehr viel gebetet, hast dich selbst überführen lassen in Gottes Wort, hast geforscht, hast weise und kluge Lehrer und Leiter aufgesucht. Du hast angefangen, für deine spätere Ehefrau zu beten, die du dann auch kennengelernt hast.
Und ja, jetzt ist es so: Du machst ganz viel. Du bist Landwirt, du gibst Tätern und Opfern des Drogenkonflikts Arbeit, neue Heimat. Du gehst zurück in die Gefängnisse, du predigst auf der Straße, du predigst durch die Musik, du predigst in sozialen Medien. Also eigentlich überall, wo man dir ein Mikrofon gibt, und wenn nicht, dann nimmst du dir eins. Also das ist eigentlich wirklich ganz toll.
Bevor wir zu diesem Evangelium kommen, wo jetzt, glaube ich, viele Leute schon sehr gespannt sind, das einfach mal aus deiner Perspektive zu hören, habe ich vorher noch eine Frage, die vielleicht ist sie geistlich, vielleicht nicht. Aber es ist für viele Leute auch eine sehr persönliche Frage.
Nils, dir hören jetzt Leute zu aus ganz unterschiedlichen Altersgruppen. Da hören jetzt Eltern zu, Großeltern, Brüder, Schwestern, Onkels, Tanten, Cousins, Cousinen etc. Was mache ich, Nils, wenn mein Kind auf die schiefe Bahn gerät? Was mache ich, wenn mein Bruder, mein kleiner Bruder, auf die schiefe Bahn gerät? Was mache ich denn jetzt?
Was Angehörige tun können, wenn jemand abrutscht
Ich habe es vorher schon mal ein bisschen angeteasert, in diese Richtung geht es auch ein bisschen. Also hör nicht auf, für dein Kind zu beten. Wenn du ein Christ bist, hör nicht auf, für dein Kind zu beten. Das Gebet eines Gerechten wirkt viel. Und ich bin mir sicher, dass auch das Gebet meiner Eltern, obwohl wir vielleicht noch gar nicht so sehr mit Gott vertraut waren, auch geholfen hat.
Und hör nicht auf, dein Kind aufzugeben, gib es nicht auf, sei für dein Kind da, versuch es wirklich. Ich weiss, wie schwer das ist, und das soll jetzt auch nicht einfach so ein dummes Dahergerede sein. Aber versuch es wirklich, auch wenn es ganz schwierig ist, es trotzdem bedingungslos zu lieben und für dein Kind da zu sein.
Natürlich, wenn es im Anfangsstadium ist, dass es anfängt, diesen Weg zu gehen, muss man natürlich noch darüber aufklären, auch ermahnen, das Gespräch suchen. Kommunikation ist ein Schlüssel. Versuch, die Kommunikation mit deinem Kind immer aufrechtzuerhalten. Lass nicht zu, dass es sich in deinem Zimmer vergräbt und sagt: Ja Mama, ich mache jetzt das und ich möchte alleine sein. Nein, versuch wirklich, diese Kommunikation aufrechtzuerhalten, zu wissen, was macht mein Kind, wie geht es ihm wirklich.
Ich glaube, das ist ganz, ganz wichtig. Kommunikation sowieso in allen Beziehungen, aber gerade mit seinem Kind, wenn man nicht ganz genau weiss, in welche Richtung das geht. Und wenn es dann natürlich schon sehr weit drin ist in diesen Kreisen, auch da: Hör nicht auf, gib es nicht auf. Verschliesse niemals deine Tür, lass deine Tür immer auf und sei immer der Pol, dieser Zufluchtsort, wo es weiss, dass es immer zurückkommen kann.
Weil wenn es da im Streit auseinandergeht oder die Tür zugeknallt wird und gesagt wird: So, ja, du tust uns nur Leid an mit deinem Leben, und ja, es ist ja auch so, es ist ja so ... Aber wenn man da die Tür zumacht und das Kind weiss, ich kann da jetzt nicht mehr zurückkommen, dann macht man das eigentlich nur noch schlimmer.
Und von daher: So schwer es auch ist, behaltet eure Herzenstür auf und auch die Haustür, so dass das Kind einfach weiss, ich kann immer zurückkommen zu Mama und Papa, ich habe dann noch meinen Zufluchtsort. Wenn es jetzt auch hier schiefgeht auf der Strasse, und das wird es, dann kann es dahin zurückkommen.
Das Gleiche halt mit dem kleinen Bruder, mit dem kleinen Bruder. Ich meine, ich habe keinen kleinen Bruder, ich bin Einzelkind, aber es einfach wissen zu lassen. Ich glaube, hätte ich jemanden gehabt, einen Hope Dealer, der mir in gewissen Altersspannen vielleicht so das erste Mal mit fünfzehn, dann vielleicht noch mal mit siebzehn, wo schon mehrere falsche Wege gegangen worden sind, mir wirklich aufgeklärt hätte und gesagt hätte, wo das wirklich endet, mit Autorität und Authentizität, weil derjenige das gelebt hat, dann wäre ich wahrscheinlich viel sensibilisierter.
Und ich sage das auch in einem Song. Ich sage das: Hätte ich gewusst, wohin das alles führt, dann hätte ich niemals angefangen. Hätte ich gewusst, was das mit meinen Eltern macht, denn was habe ich ihnen bloss angetan? Ich hätte nicht angefangen, hätte ich gewusst, wo diese ganze Reise hinführt und was ich meinen Eltern damit antue.
Und das kann ich zum Beispiel aus dieser heutigen Position gerade den Jugendlichen sagen: Seid euch bewusst, dass es ein Weg voller Leid und Zerstörung ist, nicht nur von eurem eigenen Leben, sondern auch von denen, die euch lieben. Und ja, das ist so, denke ich, das, was ich mitgeben würde. Danke.
Dann habe ich noch eine letzte Frage. Nils, was ist das Evangelium, was ist die gute Nachricht?
Das Evangelium als Wendepunkt und neue Identität
Ja, es ist diese Botschaft, die die Seelen rettet. Es ist die wundervollste Botschaft, die es auf der Welt gibt. Es ist die Botschaft, die Leben verändert und Frieden macht mit Gott, mit deinem Schöpfer.
Und wenn ihr bis hierhin zugehört habt, dann habt ihr viel über die Geschichte gehört, die Gott mit mir geschrieben hat. Und ja, es ist eine crazy Geschichte. Und nein, du musst nicht erst so tief fallen, um nach Gott zu schreien. Aber eines möchte ich dir sagen: Egal, ob du auf ähnlichen Wegen bist oder vielleicht ein ganz anderes Leben lebst, ganz fern von diesen Sachen, von Kriminalität und Drogen und sowas, und eigentlich alles gut in deinem Leben läuft, wir sitzen alle im selben Boot. Denn die Bibel sagt uns: Da ist keiner gerecht vor Gott, kein einziger. Wir alle haben uns schuldig gemacht an Gott, an diesem heiligen und gerechten Gott.
Denn ich habe das zuvor schon mal angeteasert: Jesus kam auf diese Welt, um für unsere Schuld am Kreuz zu sterben. Aber um zu verstehen, warum er am Kreuz sterben musste, müssen wir erst mal verstehen, wer dieser Gott ist. Weil viele sagen mir, wenn ich ihnen von Jesus erzähle: Ja, für mich musste keiner sterben. Aber das ist, weil sie Gott nicht kennen. Und wenn wir Gott wirklich verstehen, wer dieser Gott ist, unser Schöpfer, dass er ein heiliger Gott ist, dann wird klar, was die Bibel davon spricht: Er ist so heilig, dass er das Böse nicht anschauen kann. Er ist so heilig, dass er den Sünder nicht bei sich wohnen lässt. Er lässt den Sünder nicht in seine Gegenwart.
Und wir alle sind Sünder. Das heißt, wir dürfen Gott von Grund auf nicht nahen. Und er ist nicht nur heilig, sondern er ist auch gerecht. Und wie gut, dass wir einen gerechten Richter haben! Wie schlecht wäre es, wenn der Schöpfer von Himmel und Erde so ein gemeiner Diktator wie zum Beispiel Nicolas Maduro von Venezuela wäre. Nein, unser Gott ist gerecht. Aber er ist nicht nur gerecht, sondern er macht auch gerecht. Aber dazu komme ich gleich noch mal.
Er ist gerecht, das bedeutet, er kann Sünde nicht einfach unter den Teppich kehren, als wäre Sünde nie passiert. Er muss Sünde und Sünder gerecht bestrafen. Und die gerechte Strafe, wie es in der Bibel steht, ist die ewige Trennung von diesem Gott, von dem Schöpfer von Himmel und Erde. Eine ewige Trennung an dem Ort, den die Bibel Hölle nennt. Eine ewige Trennung, aber nicht von Gott, denn Gott ist allgegenwärtig, er ist auch dort in der Hölle, aber diese ewige Trennung ist von seiner Gnade, von seiner Liebe und von all seinen Segnungen.
Der Weg, der dort in die Hölle führt, ist ein Weg, und wie Jesus sagt: Jesus spricht mehr über die Hölle als jeder andere. Er sagt, das ist ein unauslöschliches Feuer. Richtig. Das ist kein Spaß.
Und wenn wir dann weitergehen und sagen, du glaubst immer noch, dass du keinen Dreck am Stecken hast, dann brauche ich, glaube ich, nur ein Gebot zu zitieren von den zehn Geboten, die Gott gegeben hat. Das neunte Gebot sagt: Du sollst nicht lügen. So ganz norddeutsch. Und jeder von uns weiß, dass er schon mal gelogen hat. Das ist nur eines von vielen Geboten, und das Gesetz sagt: Wenn du ein Gebot gebrochen hast, dann machst du dich am ganzen Gesetz schuldig. Das heißt, wir alle haben uns vor Gott schuldig gemacht. Er hat seinen perfekten, heiligen Maßstab, und kein Mensch schafft es, diesen Maßstab zu erreichen.
Das heißt, kein Mensch kann gerecht vor Gott bestehen. Wir sitzen alle im selben Boot. Der eine ist mehr Sünder als ich als der andere, aber kein Mensch schafft es, gerecht vor Gott zu bestehen. Und wenn diese Message hier zu Ende wäre, dann würde es nicht Evangelium heißen. Denn Evangelium kommt aus dem Griechischen und heißt gute Botschaft. Dann wäre es nämlich absolut keine gute Botschaft, das wäre eine grauenvolle Botschaft. Aber diese Botschaft hört nicht auf, und deswegen heißt es Evangelium.
Denn dieser gerechte und heilige Gott ist nicht nur gerecht und heilig, sondern er ist die Liebe in Person. Er ist ein gnädiger und barmherziger Gott, und in seiner großen Liebe zu uns, zu den Seinen, hat er seinen Sohn in die Welt gesandt, Jesus Christus, der ein Mensch wurde, so wie du und ich. Er kam aus zwei Gründen, nämlich um erstens das Leben zu leben, das keiner von uns leben konnte.
Jesus Christus, weil er nie aufgehört hat, Gott zu sein, hat das Leben gelebt, das Gesetz Gottes, die Gebote Gottes, auf Punkt und Komma erfüllt. Er hat dieses Leben gelebt, das keiner von uns leben konnte. Ein gottgefälliges Leben, auf Punkt und Komma, komplett gerecht.
Und dann der zweite Punkt, warum er kam: Dann ist er für uns ans Kreuz gegangen und hat dort gelitten und ist vor uns dort gestorben. An unserer Stelle starb er am Kreuz, gab sein Leben, was wir eigentlich verdient hätten. Wir hätten den Tod verdient, aber er ging vor uns in den Tod am Kreuz und hat dort die Strafe auf sich genommen, die wir verdient hätten. Und er hat den kompletten Zorn Gottes über die Sünde der Welt auf sich genommen. Er blieb aber nicht im Grab. Er ist am dritten Tag auferstanden von den Toten, hat den Tod besiegt und den Weg frei gemacht in die Herrlichkeit Gottes.
Dort am Kreuz hat Jesus Christus Frieden gemacht zwischen dir, zwischen mir und unserem Schöpfer. Denn wir alle waren Feinde Gottes und haben gegen Gott rebelliert. Aber durch das, was Jesus am Kreuz getan hat, hat er Frieden gemacht mit Gott und bietet jedem Menschen dieses Gnadengeschenk an. Jedem Menschen geht dieser Ruf des Evangeliums raus. Und wenn du diesen Ruf wirklich in deinem Herzen wahrnimmst, dann sei dir sicher: Du bist berufen. Und dann sagt er dir: Wenn du daran glaubst, wenn du daran glaubst, was Jesus Christus am Kreuz getan hat für dich und dass er auferstanden ist von den Toten, dass es Frieden mit Gott in Jesus gibt und Vergebung deiner Sünden und ewiges Leben, wenn du das glaubst, dann sagt die Bibel: Du bist gerettet.
Und so sieht Gott uns durch unseren Glauben nicht mehr in unserem Lumpenkleid voller Sünden, sondern eingebettet in die Gerechtigkeit seines Sohnes Jesus Christus. Gott sieht uns komplett gerecht, und deswegen spricht er uns gerecht. Er sagt: Du bist gerecht gesprochen. Vorher war das Urteil der Hammerschlag, wir sind schuldig gewesen, aber durch unseren Glauben werden wir eins mit Jesus Christus. Wir sind mit ihm zusammen somit am Kreuz gestorben, mit ihm begraben und werden mit ihm auferstehen.
Und weil Gott uns jetzt in Christus eingebettet sieht, durch unseren Glauben, sieht er uns heilig und tadellos und ohne Schuld, weil Jesus, sein Sohn, am Kreuz für unsere Sünden so behandelt wurde, als hätte er all diese Sünden begangen, damit wir schuldfrei sein können. Und er rechnet uns diese Gerechtigkeit seines Sohnes an, als hätten wir all die gerechten Taten seines Sohnes Jesus Christus getan. Und so stehen wir gerecht, heilig und tadellos vor Gott. Und all das hat er aus Gnade und aus Liebe getan.
Du kannst dir den Himmel nicht verdienen. Es gibt keine Treppe in den Himmel. Du kannst dir den Himmel nur schenken lassen. Also, was musst du tun? Glaub an diese Botschaft und kehr um zu Gott. Diese Umkehr bedeutet, dass du dich lossagst von deinen eigenen Wegen, von deinen Sünden, und dass du dich Gott hingibst, komplett hingibst und sagst: Ich kehre um zu dir, bitte vergib mir meine Sünden, ich möchte jetzt dieses Leben für dich und mit dir leben.
Und das Schöne ist: Du musst das nicht alleine. Sondern Jesus Christus, durch seinen Geist, der dann in dir wohnt, wird dir dabei helfen. Er wird dir helfen, dieses Leben mehr und mehr so zu leben, wie es Gott gefällt. Und die größte Hoffnung von uns als Christen, die auf uns wartet, ist dieses ewige Leben, was wir in Jesus Christus haben, ein Leben in der Herrlichkeit Gottes, wo wir unseren Schöpfer von Angesicht zu Angesicht wiedersehen werden.
Und dieser Jesus wird bald wiederkommen. Wann, ich weiß es nicht, aber die Bibel sagt, er wird bald kommen. Er wird aber diesmal nicht kommen, um zu retten, sondern um zu richten. Von daher, wenn du diese Botschaft jetzt hörst, die wundervollste Botschaft der Welt, ist es auch eine sehr gefährliche Botschaft, denn du hast keine Ausreden mehr vor Gott. Und diese Botschaft sagt dir auch: Heute ist der Tag deiner Errettung, nicht morgen.
Also wenn du diese Botschaft heute hörst und du merkst dieses Ziehen im Herzen, wie ich es damals gemerkt habe, dann geh bitte auf die Knie und gib dich Gott ganz hin. Bitte um Vergebung deiner Sünden und glaub an das Evangelium. Und die Bibel sagt: Wenn du mit einem aufrichtigen Herzen kommst, wird dir Errettung geschenkt. Das ist das Evangelium, das ist diese rettende Botschaft aus Gnade, die dein Leben komplett verändert, weil sie alles neu macht.
Um das abzuschließen, möchte ich noch mal sagen: Das Evangelium ist nicht eine Botschaft, die sagt, hier sitzt jetzt ein besserer Nils als damals. Das ist nicht das Evangelium. Das Evangelium ist: Hier sitzt ein neuer Nils. Der alte Nils ist tot, der ist mit Jesus Christus am Kreuz gestorben. Das Evangelium ist kein Tapetenwechsel, es ist eine Abrissbirne. Es reißt das Alte kaputt und lässt etwas Neues entstehen. Das ist das Evangelium.
Alles ist neu gemacht, wir haben eine neue Identität bekommen, die in Jesus Christus eingebettet ist, durch unseren Glauben. Das ist diese wundervolle Botschaft, die uns aus Gnade geschenkt wurde.

