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Gott macht Gottlose gerecht

Römer 3,1-3129.05.1983
Alle haben Schuld – und genau da wird’s ernst: Verharmlosung hilft nicht. Die Frage ist nicht, wie du dich rettest, sondern ob du auf das Kreuz vertraust, das Schuld wirklich trägt.
 Römer 3

Römer 3

Die Ausgangsfrage nach dem Vorzug und der Verantwortung

Nehmen Sie Ihre Bibeln zur Hand und wollen das ganze Kapitel lesen. Es geht hier zuerst um die Frage: Lohnt es sich überhaupt, Jude zu sein? Haben die Juden einen Vorzug vor den anderen Heiden?
In den ausgelegten Bibeln ist es Seite 160 im Neuen Testament, Römer 3. Was haben dann die Juden noch für einen Vorzug, oder was nützt die Beschneidung? Viel in jeder Hinsicht. Zum Ersten: Ihnen ist anvertraut, was Gott geredet hat. Dass aber einige nicht treu waren, was liegt daran? Sollte ihre Untreue Gottes Treue aufheben? Keineswegs! Gott bleibt wahrhaftig, und alle Menschen sind Lügner, wie geschrieben steht: damit du Gott recht behältst in deinen Worten und siegst, wenn man mit dir rechtet.
Wenn aber unsere Ungerechtigkeit Gottes Gerechtigkeit ins Licht stellt, was sollen wir denn sagen? Ist Gott nicht ungerecht, wenn er seinen Zorn walten lässt? Ich rede nach menschlicher Weise. Gewiss nicht! Wie könnte sonst Gott die Welt richten? Wenn aber die Wahrheit Gottes durch meine Unwahrhaftigkeit umso herrlicher wird zu seiner Ehre, warum sollte ich dann noch als ein Sünder gerichtet werden? Für die, die nicht ganz in der Bibel zuhause sind, ist das immer schwer zu verstehen. Darf ich hier schon mal gleich intervenieren und ihnen helfen?
Es geht einfach um die Frage: Paulus bestreitet ja, dass die Juden durch ihren Gesetzesgehorsam mit Gott in Ordnung sind. Aber jetzt argumentiert er, weil dann viele sagen: Da kann ich doch nichts dafür, dann ist ja Gott selber schuld. Dann sagen sie: Nein, sondern auch mit einer Sünde, mit einem Unrecht zeigst du nur, wie gerecht Gott ist. Das ist eine alte Diskussion, die sie kennen aus jedem Bibelkreis, dass man das immer auf Gott schiebt. Warum hat Gott mich so geschaffen? Das ist ja Gottes Art, wenn ich schon sündige.
Gilt dann am Ende das, was einige uns in den Mund legen, um uns zu verleumden: Lasst uns das Böse tun, damit das Gute kommt? Die, die uns das unterstellen, werden zu Recht verdammt. Was sagen wir denn nun? Haben wir Juden einen Vorzug? Gar keinen! Denn wir haben soeben bewiesen, dass Juden wie Hellenisten, also die ganze von der griechischen Kultur geprägten Leute, unter der Sünde sind, wie geschrieben steht:
Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer. Da ist keiner, der verständig ist. Da ist keiner, der nach Gott fragt. Sie sind alle abgewichen und allesamt verdorben. Da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer. Ihr Rachen ist ein offenes Grab. Mit ihren Zungen betrügen sie. Otterngift ist unter ihren Lippen. Ihr Mund ist voll von Flüchen und bitteren Worten. Ihre Füße eilen, Blut zu vergießen. Auf ihren Wegen ist lauter Schaden und Jammer. Und den Weg des Friedens kennen sie nicht.
So aktuell kann Paulus reden, wie wenn er die Friedensbewegung kennt. Keiner weiß doch den Weg, so viel man davon redet. Es ist keine Gottesfurcht bei ihnen. Wir wissen aber, was das Gesetz sagt. Das sagt es denen, die unter dem Gesetz sind, damit allen der Mund gestopft wird und alle Welt vor Gott schuldig dasteht. Weil kein Mensch durch die Werke des Gesetzes vor ihm gerecht sein kann, denn durch das Gesetz kommt es zur Erkenntnis der Sünde.

Die erste Verfälschung: Verharmlosung der Schuld

Nun aber ist unabhängig vom Gesetz die Gerechtigkeit offenbart worden, die vor Gott gilt. Bezeugt wird sie durch das Gesetz und die Propheten.
Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die aus dem Glauben an Jesus Christus kommt und allen zuteil wird, die glauben. Denn es gibt hier keinen Unterschied: Alle haben gesündigt und die Herrlichkeit verloren, die Gott ihnen zugedacht hatte. Und sie werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist. Denn Gott hat ihn für den Glauben als Sühne hingestellt in seinem Blut, zum Erweis seiner Gerechtigkeit, indem er die Sünden vergibt, die früher in der Zeit seiner Geduld begangen wurden, um nun in dieser Zeit seine Gerechtigkeit zu erweisen. So ist er selbst gerecht und macht den gerecht, der aus dem Glauben an Jesus lebt.
Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz? Durch das Gesetz der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens. Denn wir sind überzeugt, dass der Mensch gerecht wird ohne die Werke des Gesetzes, allein durch den Glauben. Oder ist Gott allein der Gott der Juden? Ist er nicht auch der Gott der Heiden? Ja, gewiss, auch der Heiden. Denn es ist der eine Gott, der die Juden gerecht macht aus dem Glauben und die Heiden durch den Glauben.
Wie? Heben wir denn das Gesetz durch den Glauben auf? Keineswegs, sondern wir richten das Gesetz auf.
Herr, wir bedürfen deines Heiligen Geistes, um dein Wort zu verstehen. Amen!
Die Wogen der Erregung gehen ja noch hoch über den riesigen Schwindel, den sich da der Stern geleistet hat. Dass es also Fälscher gibt, ist klar. Aber wir Stuttgarter müssen uns ja schämen, dass das in unserer Vaterstadt geschehen ist, dass da einer sich hinsetzen kann und mit seinem Füller ganz friedlich die Schrift des großen Adolf Hitler noch einmal nachzeichnet und ihm alle seine eigenen Gedanken unterschiebt. Das ist ja schon ein dickes Stück der Fälscherkunst.
Was in unserer evangelischen Kirche abläuft, soll ich es auch Fälschung nennen? Wahrscheinlich geht es da nicht um Millionen. Vielleicht spielt da viel Tölpelhaftigkeit, ja Dummheit, mit hinein. Aber ich wollte Sie heute Morgen einmal in eine Fälscherwerkstatt hineinführen. Denn dieser Römerbrief ist der Mittelpunkt unseres evangelischen Glaubens, unseres biblischen Evangeliums.
Und wir erleben, wie wesentliche Stücke dieser Botschaft, die wir dort hören und lesen, in unseren Tagen verdreht werden. Und das Tückische daran ist: Es werden die gleichen Böckchen und Häkchen benutzt, die gleichen Schriftzeichen, ja sogar die gleichen Worte. Und es wird etwas ganz anderes daruntergelegt, etwas, was man heute sowohl dem großen Reformator unterschieben will wie dem großen Apostel Paulus, ja dem ganzen Evangelium.
Und darum erlauben Sie mir, dass ich Ihnen die drei Gaunerstücke heute einmal vorführe, die wir da im Römerbrief vorfinden.

Die zweite Verfälschung: Passivität statt Glaubensgehorsam

Das Erste, was ich unterschreiben will: Wir sind allzumal Sünder. Da steht im Vers 23; in unserer modernen Übersetzung heißt es etwas anders: Alle haben gesündigt.
Wie oft wird in unseren Tagen dieses Wort gebraucht! Man kann das immer wieder hören, als die große Entschuldigung, wenn einer betroffen ist über seine Fehler und seine Versäumnisse vor Gott, keine Ruhe und keinen Frieden mehr findet und sich dann plötzlich an einen anderen Mitchristen wendet und sagt: Du, hilf mir, ich habe in meinem Leben etwas ganz Übles getan. Gott deckt ihm die Schuld auf, er erkennt seine miese und böse Art, und er sucht Frieden mit Gott.
Dann kann man so oft hören, beruhigend und besänftigend: Du, wir sind allzumal Sünder, reg dich doch nicht auf! Wir stehen in einer großen Solidargemeinschaft der Sünder. Das ist menschlich und gehört ganz normal dazu unter uns, dass wir Versäumnisse in unserem Leben haben, dass wir versagen und sündig sind.
Jetzt möchte ich so sagen: Wenn es bei der Zeitschrift um zehn Millionen ging und um die Irreführung von Menschen, dann ist das alles noch harmlos gegenüber der Irreführung, die hier mit einem Wort des Apostels Paulus geschieht. Denn hier ist dieses Wort überhaupt nie mit einem Hauch der Leichtfertigkeit gesprochen, als ob das verharmlost werden soll. Na ja, wir sind eben alles fehlsame Leute.
Beim Apostel Paulus war doch das Gewissen geweckt. Er war erschrocken. Viele seiner jüdischen Volksgenossen kannten das gar nicht. Und jetzt darf ich das übersetzen, dann merken sie plötzlich, wie aktuell dieser Römerbrief ist. Dann müssen sie ihn noch einmal und noch einmal und noch einmal lesen, für sich zu Hause. Ich habe Ihnen ja gleich am Anfang gesagt, dass das auch in der Vorrede Luthers steht, dass sie ihn täglich durch ihren Kopf gehen lassen müssen.
Denn Paulus redet ja vom Judentum. Aber das heißt doch: So viele seiner Volksgenossen haben gesagt: Ich bin doch Jude, ich bin doch durch den Brauch der Beschneidung Glied des auserwählten Gottesvolkes. So wie wir uns trösten und sagen: Ich bin doch Mitglied der Kirche, ich bin doch christlich getauft, was kann mir denn noch passieren?
Und jetzt nimmt gerade Paulus diesen so gleichgültigen Leuten einfach die Decke von den Augen weg und sagt: Seht ihr es denn nicht, wie in eurem Leben Sünde sich auf Sünde häuft? Und es ist nur eine schlimme Sache, wenn wir heute im Zeichen der Reformation und des großen Evangeliums Sünde verharmlosen und so tun, als ob das nicht tragisch wäre, wenn wir in unklaren Verhältnissen vor Gott leben. Das hat doch gerade den Paulus umgetrieben.
Und er will sagen: Wir haben jetzt sogar bei Gott jedes Recht verspielt, obwohl wir als Glieder des Gottesvolkes eigentlich stolz darauf sein könnten, was Gott uns gegeben hat. Ich will das auch nicht gering achten, was wir als christlich getaufte evangelische Bürger von Gott verliehen bekommen haben in einer bald zweitausendjährigen Geschichte. Abendländische Musik und Kunst, unsere Bildung und unsere Wissenschaften sind überhaupt nicht vorstellbar ohne den großen Einfluss des christlichen Glaubens.
Aber Paulus setzt an und sagt: Wenn das bei dir nur dazu führt, dass du auch im Ungehorsam lebst und dass du auch die Gebote Gottes übertrittst, dann bist du ein Schuldiger. Und dann führt er das noch einmal so konkret hier auf und nennt das mit Namen und zeigt das ganz konkret: Da ist keiner, der Gutes tut.
Wir sind alle Leute, die uns am heutigen Morgen um eine Sache vor allem anderen bekümmern müssen: Wie kommt unser Leben mit Gott in Ordnung? Er spricht von der Not unserer Zunge, dass unser Mund wie ein Schlund ist, ein Rachen, aus dem das Ottergift spritzt, das andere verwundet. Wir tun alles so von unserem christlichen Wohlanständigsein.
Da ist keiner, der nach Gott fragt. Wir haben doch unser Ich nur dauernd im Sinn, wir fragen doch gar nicht, was Gott wirklich will. Wo steht denn bei einem von euch Gott wirklich an erster Stelle, dass er über uns bestimmen kann? Ihre Wege sind lauter Schaden und Jammer, und den Weg des Friedens wissen sie nicht. Sie reden über den Frieden, sie kämpfen um den Frieden, aber sie können ihn nicht gehen.
Und darum führt uns Paulus an dieser Stelle, wo das aufbricht, und sagt: Sagen Sie das nie mehr, dass das heute nicht die Not unserer Zeit wäre. Das ist die Not unserer Welt, an der sie leidet: dass Menschen von Gott weglaufen, seine Ordnung verlieren und den Frieden Gottes nicht mehr haben.
Paulus ist es wie Schuppen von den Augen gefallen, als er Christus begegnet ist vor Damaskus. Es ist eine schlimme Sache, wenn dieser Satz verdreht wird in der Fälscherwerkstatt: Wir sind allzumal Sünder.

Die dritte Verfälschung: Glaube ohne Christusbezug

Aber nun ein zweiter Satz, der so wörtlich nicht dasteht, den man aber auch dauernd hört, als das reformatorische Evangelium: Wir können ja gar nichts machen.
Da entsteht der Eindruck, der fast zum typischen Bild eines evangelischen Christen gehört: Ja, wir Evangelischen, wir halten ja nichts von den Werken. Wir leben ganz vom Glauben, und dann ist das wie beim Lotto. Irgendwo trifft es einen, und den anderen trifft es nicht. Und die Leute sagen: Ja, also ich kann nichts machen, ob Gott mich erwählt hat, ob Gott mich lieb hat, ob Gott mir vergeben hat. Ich hoffe es vielleicht, das ist ja irgendwo eine Gnade, und über die Gnade kann man ja nicht verfügen.
Ein ganz übler Missbrauch geschieht hier mit dem Wort der Werke und dem Wort: Ohne Verdienst werden wir gerecht. Das stimmt. Vor Gott kann keiner prahlen und keiner sich rühmen. Und wenn Sie 50 oder 60 Jahre Ihres Lebens treu dem Herrn gedient haben und sich rüsten, vor den Thron Gottes zu treten, dann können Sie sich nur die Tränen aus den Augen reiben und sagen: Mir ist Erbarmung widerfahren, Erbarmung, deren ich nicht wert bin. Ja, ohne Verdienst. Wir können gar nichts tun.
Aber jetzt wird das missbraucht und herumgedreht. Dann wird so getan, als ob ein Mensch nichts tun könnte, um dieses Heil zu ergreifen, damit ihm die Gnade und Barmherzigkeit Gottes widerfährt. Paulus hatte einen Eifer, durch die Städte und Länder zu reisen, um Menschen hinzuführen zum Glauben an Jesus Christus. Und er war ein Evangelist sondergleichen. Er hat die Menschen aufgerufen und gesagt: Ihr müsst es packen, im Glauben Ja dazu sagen und euch überschreiben mit Haut und Haar. Und er spricht von seinem eigenen Christenleben: Ich jage ihm aber nach, ob ich es wohl ergreifen möchte. Nicht, ob das etwas wäre, auf das ich mir etwas einbilden könnte, sondern ob ich es gewinne, ob ich es bekomme.
Ich las vor ein paar Tagen die Geschichte von einem alten, eigenbrötlerischen Straßenevangelisten in Edinburgh aus dem letzten Jahrhundert, Robert Flockert. Er hat sich in den Abendstunden an die Straßenecken hingestellt und hat versucht, Menschen hinzuführen zum Glauben an Jesus Christus. Er hat viel Spott geerntet, und wenig interessierte sich für seine Botschaft. Eines Abends besuchte er einen befreundeten Evangelisten, und er kam ins Haus. Es gab damals nicht diese Treppenhausbeleuchtung. Er stolperte die drei Treppen hoch bis zu dem Zimmer und klopfte. Und er hört da drin, wie im Dunkeln einer betet: Herr, um diese Stadt bitte ich dich, du kannst diese Menschen nicht verloren gehen lassen. Dann merkt er drinnen: Das war der Robert Flockert, dass ein Besucher kam, und er zündet eine Kerze an. Sie begrüßen sich, der Evangelist brach sich bald wieder auf in die Straßen.
Das Bild eines dieser Boten Jesu, wo sie nun leben, in Sumatra oder England oder Deutschland: Menschen, die sagen, wir müssen etwas tun, damit Menschen das Evangelium hören. Sie dürfen nicht dauernd sagen, die Reformation war dagegen, dass man etwas tut. Nein, gegen den Stolz war sie. Und Paulus sagt, man kann sich vor Gott nicht rühmen. Gott nimmt uns den Stolz weg.
Und wenn es Christen gibt, die meinen, sie hätten in ihrem Leben nur eine Sekunde die Gnade Jesu nicht nötig, auch nach ihrer Bekehrung, das sind solche Traumwandler, solche Leute, die fern sind von der Realität, wo man nur wünschen will, dass ihnen die Augen geöffnet werden.
Ein wunderbares Wort: Wir werden ohne Verdienst gerecht. Ich muss mich nicht erst verquetschen, und Gott sucht nicht, wie ich jetzt herkomme, sondern er will mir jetzt, so wie ich bin, seinen ganzen Frieden zuwenden.

Die eigentliche Mitte: Glaube als Empfang des Heils in Christus

Aber nur noch das dritte Gaumen, noch Stückchen.
Wir werden durch den Glauben gerecht. Ja, sagen Sie, was ist daran denn gefälscht? Wir hören das immer wieder in unseren Tagen: Auf den Glauben kommt es an, durch den Glauben werden wir gerecht. Ich meine, manchmal hat es so viel Irreführung wie in unseren Tagen an diesem wichtigen Stück unseres Glaubens in den vorangegangenen Jahrhunderten kaum geben können.
Welchen Glauben meinen wir eigentlich? Durch welchen Glauben werden wir gerecht? Sicher, das hat Paulus geschrieben: Wir werden durch den Glauben gerecht. Er hat nie damit rechnen können, dass jemand dies in einer solchen Weise missbraucht, indem man ein paar Luthersätze aus dem Zusammenhang reißt und dann sagt: Es kommt eben auf den Glaubenden an. Und dann sagen Leute: Ach, wie ist es so, einen Glauben hat man alle, Moslems oder Hindu, man braucht halt seinen Glauben nicht. Wenn man im Krankenhaus steht und fragt, wie wird es wohl gehen, sagt der Arzt beiseiß auch nicht, aber man darf eben den Glauben nie verlieren.
Der Glaube und das Gesundwerden, meint man natürlich damit. Es ist längst in unserer Christenheit nicht mehr klar, dass wir nicht durch den Glauben gerecht werden, sondern durch Jesus, der für meine Sünden starb. Der Grund, da ich mich gründe, ist Christus und sein Blut. Der Glaube ist nur das Instrument, nur der Kanal, nur die Röhre, durch die mir das zufließt. Und ich kann sie nur anflehen: Gründen Sie Ihre Gewissheit, Ihren Frieden nie auf Ihren Glauben, der schwankt schlimmer als ein Grashalm.
Und wenn in unseren Tagen die vielen Themen heißen: Glauben, wie macht man das, habe ich einen Glauben, ich habe meine Glaubenszweifel, da wird alles psychologisiert und ins Fühlbare hineingedrängt. Umgekehrt will ich Ihnen sagen: Blicken Sie nicht auf Ihren Glauben, blicken Sie auf das Kreuz Jesu. Er ist zum Sühnopfer für uns geworden. Ihn hat Gott dahingestellt zum Erweis seiner Gerechtigkeit, Vers 25, als Sühne hingestellt. Dass es Sühne gibt für Schuld, für massive Schuld, das ist abhängig durch den Tod Jesu am Kreuz. Und wo das Sühnopfer Jesu am Kreuz nicht im Mittelpunkt des Glaubens steht, ist die christliche Glaubens- und Denkungsart zerstört und aufgelöscht.
Wenn Sie nur Glauben haben wie ein Senfkorn, haben Sie alles, den ganzen Frieden Gottes. Es gibt keinen perfekten Glauben, es gibt nur einen angefochtenen Glauben, einen umkämpften Glauben. Der Prediger Spörtchen gebraucht an dieser Stelle in seinem unvergleichlichen Büchlein Ganz aus Gnaden das Bild von den Telefondrähten und sagt: Ein ganz dünner Telefondraht, aber man kann eine Fülle von Telefongesprächen durchführen. Wenn der noch gewusst hat, wenn mal das Glasfaserkabel kommt oder dass man drahtlos gar noch telefonieren kann, so will ich sein Bild noch weiterführen.
Und wenn man nicht sieht auf deinen Glauben, sieh auf das Kreuz Jesu. Glaube nur. Du kannst nicht glauben, du darfst glauben, und er vergibt dir. Und nun will ich es Ihnen zusprechen, was in Ihrem Leben an Schuld ist, an offenbarer und massiver Sünde gegen den heiligen, lebendigen Gott, wo Sie seine Gebote mit Füßen getreten haben, heimlich oder bewusst und absichtlich, ob das in Ihrer Kinder- oder Jugendzeit weit zurückliegt, ob das in Ihrem ledigen Stand ist oder in Ihrem Ehestand: Was an Sünde sich in Ihrem Leben aufgehäuft hat, will Ihnen heute, jetzt, Jesus wegnehmen, weil er Sühne sein will, den Weg für Sie freimachen zu Gott.
Und wenn Sie Gott jahrelang gelästert haben, wenn Sie ihn verflucht haben und wenn Sie sich mit Blut dem Teufel überschrieben haben, er ist Sühne für Ihre Schuld. Und es gibt keine Schuld, für die seine Sühne nicht stark genug wäre. Und wenn es Ihnen Spaß macht, dennoch eine Sache herauszusuchen, wo Sie wieder grübeln und fragen, ob es vielleicht doch nicht wirkt, er spricht es Ihnen zu, dass er Sühne sein will, dass er die Sünden vergibt. Und dann müssen Sie das nachlesen im Wort Gottes, wie das schon die Propheten von ferne gesehen haben: Du wirfst alle deine Sünden hinter mich zurück. Deiner Sünden soll nicht mehr gedacht werden. Oder dann, wie es der Apostel Johannes sagt: Das Blut Jesu Christi macht dich rein von aller Sünde.
Nicht weil es jetzt der Priester sagt, der den schwarzen Frack anhat auf der Kanzel, nicht weil mir es im Abendmahl zugesprochen worden wäre, sondern weil es am Kreuz Jesu verbürgt ist. Das ist der Grund, da ich mich gründe. Einen anderen Grund gibt es nicht. Wir werden nicht durch den Glauben gerecht, das ist nur die Röhre. Wir werden durch Jesus gerecht. Sie sollen gerecht sein, das ist Gottes Sorge.
Sie können heute hindurchtreten, dass Gott Sie an sich zieht, dann sein Herz drückt und sagt: Nichts mehr von dem Alten. Und er wirft all das Belastende und Anklagende, das Schmutzige, in des Meeres Tiefe, wo es niemand mehr hervorholen kann. Daher nur, dass Sie sagen: Amen, Herr, Amen! Ja, ich glaube keinem Menschen, ich bin ein Skeptiker, aber dir traue ich. Dein Blut ist das stärkste Wort, an das will ich mich halten. Amen!