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Evangelium: Gerechtigkeit durch Glauben

Matthäus 5,6
Matthäus 5,6-5,620.01.2002
Serie•Teil 14 / 37Matthäus-Evangelium
Kenne ich ein tiefes Verlangen, so gerecht zu sein, wie Gott es will? Wie ist der Weg zu einer solchen Gerechtigkeit?

Ein Mönch zwischen Angst und Erkenntnis

Wir schreiben das Jahr fünfzehnhundertdreizehn. Fünfzehnhundertdreizehn.
In Wittenberg studiert ein Mönch, der im Jahr zuvor seinen Doktor der Heiligen Schrift gemacht hatte, die Psalmen. Dabei liest er Psalm 31,2, wo es heißt: Er rette mich durch deine Gerechtigkeit. Und er bekommt Angst. Er, der Mönch, der so ein brennendes Interesse daran hatte, Gott zu gefallen, hatte Angst.
Seine Liebe galt der Bibel. Damals hatte man die Bibel in lateinischer Sprache, das war die sogenannte Vulgata. Und obwohl er erst spät darin lesen durfte, kannte er sie vom vielen Lesen schon fast auswendig. Und weil er die Bibel auswendig kannte, wusste er um seine persönliche Verlorenheit, dass er diesem Maßstab, den er in der Bibel fand, überhaupt nicht gerecht wurde, dass er vor Gott mit seinem Leben nicht bestehen konnte.
Und wie hatte er reagiert? Er hatte sich gedacht: Ich muss meine geistlichen Anstrengungen noch intensivieren. Er hatte mehr gebetet, er hatte strenger gefastet, er war länger wach geblieben, er hat härter gearbeitet. Aber am Ende hat seine Seele keinen Frieden gefunden. Lediglich seine Gesundheit hat er sich fast ruiniert.
Dieser Mann hatte einen Seelsorger, Johann von Staupitz, aber auch der konnte ihm wenig helfen. Kaum war er ein bisschen ermutigt worden, hatte er ein klein wenig Hoffnung geschöpft, da konnte dieser Mönch mit Namen Martin Luther von einem einzigen Bibelfers wieder in ganz tiefe Trostlosigkeit gerissen werden. Ein einziger Bibelfers, in dem es um die Gerechtigkeit Gottes ging, hat ihn total zerschmettert.
Und warum war das so? Es lag daran, dass Martin Luther eine bestimmte Vorstellung von der Gerechtigkeit Gottes hatte. Für ihn war, wenn er von Gottes Gerechtigkeit hörte, das die richterliche Gerechtigkeit Gottes. Es war die Gerechtigkeit, die Gott an mein Leben anlegt, als Maßstab, den er benutzt, um mich zu richten und zu verurteilen. Und Martin Luther wusste genau: Wenn ich das tue, wenn ich Gottes Maßstab an mein Leben anlege, dann kann ich mit meinem Leben einfach nicht bestehen.
Im Lauf der Zeit begann er auf diesem Begriff Gerechtigkeit einen regelrechten Hass zu entwickeln. Und er hat es ganz bewusst vermieden, zum Beispiel den Römerbrief zu studieren, weil da so viel von Gerechtigkeit drinsteht. Er hat ihn gelesen, aber an ein so tiefes Studium hat er sich nicht herangetraut. Da war ein totaler Widerwille da.
Aber eines Tages ist er an den Punkt gelangt, an dem er merkte: Es geht nicht mehr weiter. Ich muss mich mit dem Thema noch einmal grundlegend beschäftigen, und ich muss den Römerbrief studieren. Und er tut es. Dieses Studium verändert grundlegend sein Verständnis von dem Begriff Gerechtigkeit, und er findet persönlichen Frieden.

Die Wende im Römerbrief

Ein Jahr vor seinem Tod beschreibt der Reformator diese Wende folgendermaßen. Und ich zitiere einfach mal etwas, was er geschrieben hat, wie er selbst das empfunden hat. Vielleicht finden wir uns da wieder, oder manch einer findet sich darin wieder.
Martin Luther sagt: Ich konnte den gerechten, die Sünde strafenden Gott nicht lieben, sondern ich hasste ihn. Denn obgleich ich als ein makelloser Mönch lebte, empfand ich mich vor Gott als Sünder. Ich fühlte mich unruhig in meinem Gewissen und wagte auch nicht zu hoffen, dass ich durch meine Bußwerke versöhnt sei. Also, Bußwerke, das waren das, was die Mönche damals taten, um vor Gott gut dazustehen. So raste ich in meinem verwirrten Gewissen vor Wut, aber ich klopfte ungestüm bei Paulus im Römerbrief an, von brennendem Durst getrieben, zu erfahren, was Paulus meine.
Da erbarmte sich Gott meiner. Unaufhörlich sann ich Tag und Nacht. Er hatte noch keinen Kommentar, ja, also er ist jemand, der die Bibel im Original lesen muss. Unaufhörlich sann ich Tag und Nacht, bis ich mich begann, auf den Zusammenhang der Worte zu besinnen. Und dann schreibt er, was er damals verstanden hat. Er sagt: Die Gerechtigkeit Gottes wird im Evangelium offenbart. Wie geschrieben steht: Der Gerechte wird aus Glauben leben.
Da fing ich an, die Gerechtigkeit Gottes als eine solche Gerechtigkeit zu begreifen, durch die der Mensch als durch Gottes Geschenk lebt, also aus Glauben. Durch das Evangelium wird Gottes Gerechtigkeit offenbar oder sichtbar, durch die er uns aus Gnade und Barmherzigkeit rechtfertigt. Da fühlte ich mich völlig neugeboren, ich war in das Paradies eingetreten.
Dieses sogenannte Turmerlebnis aus dem Jahre 1513 stellt die geistliche Grundlage für die Reformation dar. Wir verbinden vielleicht die Reformation mit dem Anschlag der Thesen vier Jahre später, aber die innere Wende im Leben des Martin Luther wurde in diesem Moment vollzogen. Als er verstand, wie ein Mensch vor Gott gerecht wird. Als er verstand: Die Gerechtigkeit, die Gott fordert, ist nicht eine Gerechtigkeit, die ich mir erarbeiten kann mit meinem Leben, durch gute Taten, durch Verzicht oder durch sonst irgendetwas. Sondern es ist eine Gerechtigkeit, die man geschenkt bekommt oder gar nicht hat.
Und darum soll es heute gehen. Meine beiden Mitarbeiter dort hinten mögen die Predigtnotizen starten. Wir haben uns heute wieder mit der Bergpredigt zu beschäftigen, und wir sind einen Vers weiter: Matthäus 5,6.
Glückselig die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten, denn sie werden gesättigt werden.

Hunger nach dem, was vor Gott zählt

Was war eigentlich im Leben von Martin Luther geschehen? Martin Luther ist ein gutes Beispiel dafür, was dieser Vers sagt: „Glückselig die, die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten, denn sie werden gesättigt werden.“
Hunger und Durst nach Gerechtigkeit hatte er. Er war einer, der in der Bibel gelesen hatte, der die Gebote kannte, der ein scharfes Gewissen hatte und der sein Leben auch diszipliniert gelebt hat. Kein Larifari-Typ, nach dem Motto: Na ja, kommst du heute nicht, kommst du morgen, und so ganz eng darf man das auch nicht sehen. Sondern er hat wirklich versucht, bis zum Äußersten zu gehen, soweit es einem Menschen im Leben mit Gott möglich ist.
Und trotzdem: Obwohl er sich so angestrengt hat, ist am Ende kein Friede da. Am Ende ist kein Überzeugtsein von persönlicher Rettung. Und am Ende steht er tatsächlich ohne Hoffnung da, weil er an der Grenze seiner persönlichen Möglichkeiten angekommen war. Da war nichts mehr, was er noch hätte probieren können.
Glückselig die, die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten, denn sie werden gesättigt werden. Martin Luther ist auch dafür ein Beispiel, weil er, wenn man das einfach mal so ausdrücken darf, die ersten drei Seligpreisungen und dann auch die vierte nacheinander durchlitten hat.
 Matthäus 5,3 erinnert euch vielleicht noch. Wer die Bibel hat, mag bitte mitlesen. Dort heißt es: Glückselig die Armen im Geist, denn ihrer ist das Reich der Himmel. Und als wir uns die Stelle angeschaut haben, habe ich gesagt: Glückselig sind Leute, die um ihren Zustand vor Gott wissen. Arm im Geist heißt, anders übersetzt, in geistlichen Dingen bettelarm vor Gott zu stehen. Ich habe verstanden: Ich habe nichts in der Hand, wenn es um geistliche Dinge geht. Ich kann Gott nicht imponieren. Ich kann ihn nicht irgendwie dafür bezahlen, dass ich geistlich von ihm etwas bekomme. Ich stehe arm vor Gott da.
Und das war etwas, was Martin Luther verstanden hat. Sein ganzes Mönchtum, sein ganzes Studium, sogar seine Mitbrüder waren für ihn kein echter Trost. Er fühlte diese Armut vor Gott.
Aber es war noch schlimmer. Matthäus 5,4 haben wir uns angeschaut: Glückselig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden. Und ich hatte damals gesagt: Es geht nicht um die Traurigkeit, wenn jemand stirbt. Sondern es geht um die Traurigkeit, wenn ein Mensch seine Sünde erkennt. Wenn er merkt: Ich möchte eigentlich ganz anders leben, und ich schaffe es nicht. Ich weiß zum Teil, was richtig wäre zu tun, und ich tue trotzdem das Falsche.
Und Martin Luther war so einer. Er war einer, der nicht mit Sünde spielen wollte und schon gar nicht mit ihr leben wollte. Und er konnte sich ihr doch nicht völlig entziehen. Das entwickelte in ihm tiefe Traurigkeit bis hin zur Verzweiflung, dass er nicht mehr weiter wusste. Und dabei wollte er, der Mönch, doch Gott von ganzem Herzen gehorsam sein. Das war doch sein eigentliches Ziel.
Und in Matthäus 5,5 hatten wir gelesen: Glückselig die Sanftmütigen, denn sie werden das Land erben. Und ihr erinnert euch vielleicht: Sanftmut im Blick auf Gott bedeutete, ich bin bereit, seinem Wort zu folgen. Ich bin nicht widerspenstig. Ich nutze nicht diese Möglichkeit, die in mir drinsteckt, einfach Nein zu sagen, sondern ich möchte auf das Wort Gottes hören und ihm gehorchen. Und genau so war Martin Luther.
Die ersten drei Seligpreisungen beschreiben nicht nur, wie ein Christ leben soll, nämlich demütig, heilig und gehorsam. Sie bilden zusammen mit der vierten Seligpreisung auch die Grundlage für echte Errettung, dafür, dass ein Mensch in Gemeinschaft mit Gott eintritt.
Die erste Seligpreisung zeigt uns, dass ein Mensch, der auf dem Weg zu Gott ist, irgendwie verstehen muss, dass er selbst verloren ist. Und diese Einsicht in die eigene Verlorenheit zerbricht seinen Stolz. Ich bin arm.
Das Nächste, was ein Mensch auf dem Weg zu Gott braucht, ist eine Einsicht in seine eigene Sündhaftigkeit. Weg mit dieser Selbstzufriedenheit, diesem: Na ja, eigentlich ist doch alles gar nicht so schlimm. Das muss weg.
Der dritte Schritt auf dem Weg zu Gott ist die Bereitschaft zu gehorchen. Die Bereitschaft, auch das zu tun, was Gott sagt. Die Bereitschaft, auch Gott so zu suchen, wie Gott sich dargestellt hat, zum Beispiel durch die Bibel.
Und der vierte Schritt, um den es mir heute Morgen geht, der vierte Schritt auf dem Weg zu Gott ist Hunger und Durst nach Gerechtigkeit. Etwas, was wir im Leben von Martin Luther sehen. Da ist die Frage: Was ist das eigentlich? Hunger und Durst nach Gerechtigkeit – kann man das essen?

Was dieses Bild wirklich meint

Natürlich nicht, das ist ein Bild. Ich bin froh und dankbar dafür, dass hier im Raum wahrscheinlich keiner sitzt, der Hunger und Durst wirklich kennt.
Wenn wir Werbung haben, wisst ihr, wovon die Werbung spricht? Von dem kleinen Hunger zwischendurch. Kennt ihr das? Für den kleinen Hunger zwischendurch. Warum? Weil keiner von uns richtigen Hunger kennt. Das ist so eine Lust, die jeder hat. Du gehst am Kühlschrank vorbei und denkst dir: Jetzt ein Joghurt, das wäre gut.
Ja, das ist dieser kleine Hunger. In Wirklichkeit ist es überhaupt kein Hunger. Es ist im besten Fall so eine Mischung aus Lust und Verfressenheit. Aber es ist nicht Hunger. Du brauchst das Joghurt nicht oder das Snickers oder was auch immer du dir dann als kleinen Hunger zwischendurch reinziehst.
Und das ist unser Problem. Wir haben gar nicht mehr so einen richtigen Bezug zu dem Thema Hunger und Durst. Aber bevor ich das sage, ein kleiner Zwischenpunkt: Wir sollten dankbar dafür sein, dass keiner unter uns hungert und dürstet. Wir sollten dankbar sein, dass wir dieses Vorrecht haben, jeden Tag genug zu essen zu haben.
In 1. Timotheus 4,3 schreibt Paulus, wozu Gott das Essen gemacht hat. Und vielleicht wusstet ihr das gar nicht, aber Essen hat einen bestimmten Zweck. Wenn man isst, dann zeigt uns Gott auf eine ganz praktische Weise seine Freundlichkeit. Und er möchte, dass wir diese Speisen mit Danksagung nehmen.
Also Gott sagt: Ich gebe euch das Essen, damit ihr es habt und damit ihr mir dafür dankt. Und ich finde es ganz schön, wenn wir als Christen das wirklich nie vergessen, vor dem Essen auch die Hände zu falten und zu danken. Und vergesst nie: Diese Welt wird einmal gerichtet werden, in erster Linie, weil sie Gott nicht gedankt hat. Weil sie einfach die Gaben Gottes angenommen hat, ohne dafür dem, der sich diese ganzen Gaben ausgedacht hat, Danke zu sagen.
Ich denke, wir sollten beim Essen da eine andere Praxis an den Tag legen. Nicht einfach uns reinstopfen und sagen: Na ja, ist eh da. Sondern kurz innehalten und sagen: Danke, Vater, ich weiß um deine Freundlichkeit.
Und egal, was es ist, das Joghurt, das Snickers oder denkt euch noch etwas Kleineres aus oder etwas Größeres: einfach sagen, Danke, Vater. Das ist wirklich eine feine Sache.

Der Ernst des geistlichen Hungers

Gut, aber das war nur so ein Nebengleis. Mein Hauptpunkt ist das Hunger und Durst.
Hunger und Durst sind eigentlich die stärksten körperlichen Bedürfnisse, die du hast. Das merkst du allerdings erst, wenn du nichts zu essen hast. Solange du immer gut drauf bist oder nur, was weiß ich, wie einige jetzt unter uns hier so ein bisschen abnehmen, aber halt nur ein bisschen abnehmen, ist dann nicht wirklich Hunger da.
In der Literatur, wenn man über Leute liest, die richtigen Hunger erlebt haben, dann stellt man fest: Sie beschreiben es so, man kann sich auf nichts anderes konzentrieren als darauf, wo kriege ich jetzt was Essbares her. Das sind Leute, die durch die Landschaft gehen und schauen: Was kann ich jetzt essen? Ich habe von einem Gefangenenlager gelesen, wo die Leute dann überlegt haben, welche Tiere können wir essen. Kann man auch Affen essen? Und als sie zu dem Schluss gekommen waren: Na klar kann man Affen essen, haben sie die Affen gejagt und haben alles gegessen, was ihnen einfach nur in die Hände kam. So weit hat Hunger sie getrieben.
Und das Schlimmste, was ich jemals zum Thema Hunger gelesen habe, steht eigentlich in der Bibel. Dort wird berichtet, dass sich bei einer Belagerung die Frauen darüber unterhalten haben, welche Kinder man zuerst essen soll. Könnt ihr euch das vorstellen? Lissy auf der einen Seite und Uta auf der anderen Seite. Und die sind so verzweifelt vor lauter Hunger, dass sie sich die Frage stellen, wie können wir überleben, und eine macht den Vorschlag: Weißt du was, wir könnten unsere Kinder essen. Lass uns heute Joe Lennart kochen und morgen Diana Kathleen. Einfach nur, dass wir überleben.
Und jeder sagt: Das ist doch grausam, das ist doch unglaublich. Ja, das ist unglaublich grausam. Aber es zeigt, wie weit echter Hunger einen Menschen treiben kann. Man tut einfach alles.
 Matthäus 5,6 sagt jetzt, dass Gerechtigkeit zum geistlichen Leben dazugehört wie Essen und Trinken zum natürlichen Leben. Und wie es kein natürliches Leben auf Dauer ohne Essen und Trinken geben kann, so gibt es auch kein geistliches Leben, das heißt kein Leben mit Gott, ohne Gerechtigkeit.
Es ist das eindeutige Zeugnis der Bibel, dass kein ungerechter Mensch, also einer, der ungerecht lebt, in den Himmel kommt, dass keiner, an dem auch nur eine Sünde klebt, eine Chance hat, vor Gott zu bestehen. Gott wird bezeichnet als der Gott, bei dem keine Ungerechtigkeit ist.
Und jetzt verstehen wir: Wenn das so ist, wenn Gott ein heiliger Gott ist, bei dem keine Ungerechtigkeit ist, und wenn er einfach Ungerechtigkeit nicht toleriert, dann wird vielleicht klar, warum Jesus sagt: Glückselig die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten. Warum er diesen starken Begriff wählt und sagt, das ist ein Thema, worüber du dir in deinem Leben ernstlich Gedanken machen musst.
Das ist nicht so eine kleine Nebensache. Das ist nicht so eine Frage, wie wir es beim letzten Mal hatten mit dem Christbaum, ja oder nein. Das ist essenziell, das ist lebenswichtig. Hungern und Dürsten, da darf ruhig mal der Kopf damit gefüllt sein. Da darf ruhig mal kein Platz mehr nebenbei für irgendeinen anderen Gedanken sein. Hungern und Dürsten nach Gerechtigkeit.
Und Martin Luther war so einer, er schreibt das ja, von brennendem Durst getrieben. Er hatte diesen Hunger und diesen Durst nach Gerechtigkeit, er hatte ein tiefes Verlangen danach. Er wollte seine Sünde loswerden und selbst heilig sein. Er wollte zu Gott kommen, er wollte Gott gefallen, und dann beginnt er, den Römerbrief zu studieren.

Gerechtigkeit als Geschenk

Jetzt die Frage: Was hat er denn eigentlich im Römerbrief so ganz anderes gefunden? Und das, was er im Römerbrief gefunden hat, ist in erster Linie einmal Gerechtigkeit, nämlich das, was er gesucht hat.
Bevor wir uns den Römerbrief anschauen, noch einmal mit euch im Gedankengang zurück. Ihr erinnert euch an Matthäus Kapitel 3, die Taufe Jesu. Johannes der Täufer sieht Jesus kommen und sagt: Du, ich? Nee, dich werde ich nicht taufen. Weißt du, lass mich den Spieß umdrehen. Was hältst du davon, wenn du mich taufst? Und Jesus sagt: Nee, das ist schon in Ordnung so.
 Matthäus 3,15: Lass es jetzt so sein, Johannes. Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Jesus war auf die Erde gekommen, um Gerechtigkeit voll zu machen. Also stellt euch ein Glas Wasser vor, und du machst das voll. Dann sagst du: Es geht nichts mehr rein. Wenn ich jetzt noch was reingebe, läuft es über. Und in diesem Sinn war Jesus auf die Erde gekommen, um das Thema Gerechtigkeit voll zu machen, zum Abschluss zu bringen.
Und diese vollkommene Gerechtigkeit, das ist genau die Gerechtigkeit, von der Martin Luther dann gemerkt hat: Die kann man nicht selber irgendwie erarbeiten. Jesus war vollkommen gerecht, und deswegen kann über Jesus in der Bibel stehen, dass er keine Sünde getan hat. Kann man das von uns sagen? Na ja, nicht so. Oder es steht in der Bibel, dass Jesus Sünde nicht kannte, er hatte keinen Umgang mit ihr. Ja, das kann man über mein Leben auch nicht sagen. Oder dass keine Sünde in ihm war, heißt es an anderer Stelle. Auch da muss ich sagen: Sorry, das bin ich nicht. Aber Jesus ist das.
Und diese vollkommene Gerechtigkeit seines Lebens, die kann jeder Mensch geschenkt bekommen. Und das ist die Aussage, das ist dieses komplett Neue, was Luther im Römerbrief wiederentdeckt. Deswegen schauen wir uns mal im Römerbrief Kapitel 1, Vers 16 und 17 an.
 Römer 1,16-17: Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht, ist es doch Gottes Kraft zum Heil jedem Glaubenden. Denn Gottes Gerechtigkeit wird darin geoffenbart, wie geschrieben steht: Der Gerechte aber wird aus Glauben leben.
Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht, ist es doch Gottes Kraft zum Heil jedem Glaubenden. Das Evangelium denken manche: Na ja, das ist halt so ein Lehrgebäude, woran ich glauben muss. Und Paulus sagt: Nein, das ist viel mehr. Evangelium, das ist eine Kraft, eine Kraft Gottes, die Menschen erretten kann, zum Heil, also zur Errettung, und zwar jedem, der glaubt. Der wird gerettet durch das Evangelium.
Und noch etwas: Das Evangelium offenbart etwas. Es enthüllt etwas. Es zeigt uns etwas so, wie wir es eigentlich sehen sollen, so wie es wirklich ist, und zwar die Gerechtigkeit Gottes. Denn Gottes Gerechtigkeit wird darin geoffenbart. Ein Standbild, das man einweiht, da ist meist so ein weißes Tuch drüber, ja. Und dann gibt es lange Politikerreden, und irgendwann kommt einer und sagt: Jetzt ziehen wir an der Strippe. Und dann zack, ist es da. Oh, ja. Das ist offenbart, enthüllt, sichtbar gemacht. Denn Gottes Gerechtigkeit wird darin geoffenbart.
Die Gerechtigkeit, so wie Gott sich Gerechtigkeit denkt und wünscht, das wird im Evangelium deutlich. Und deswegen müssen wir das Evangelium richtig verstehen, damit wir die Gerechtigkeit Gottes richtig verstehen. Und noch mal die Worte von Luther: Er hat das so beschrieben: Da fing ich an, die Gerechtigkeit Gottes als eine solche Gerechtigkeit zu begreifen, durch die der Mensch als durch Gottes Geschenk lebt. Die Gerechtigkeit als ein Geschenk.
Das Evangelium zeigt mir Jesus. Das Evangelium zeigt mir das vollkommene Leben Jesu, und das Evangelium zeigt mir, dass ich nicht so leben kann. Aber es zeigt mir auch, dass ich die Gerechtigkeit, die Jesus in seinem Leben hatte, geschenkt bekommen kann. Und der Römerbrief bringt dann Beispiele dafür. Ein Topbeispiel ist Abraham.
Der nächste Vers zeigt uns das. Da heißt es in Römer Kapitel 4, Vers 3, über Abraham: Abraham glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet. War Abraham gerecht? Ja. Wodurch? Hat er gar keine Fehler gemacht? Oh, das Leben Abrahams ist gespickt mit Dingen, die nicht so richtig gelaufen sind. War er gerecht? Ja. Woher wissen wir das? Gott hat es gesagt. Wodurch wurde er gerecht? Durch Glauben.
Was ist Glauben? Glauben heißt: Abraham hat komplett ohne Hintergedanken sein ganzes Vertrauen auf diesen Gott gesetzt, der ihm da erschienen war. Und dafür bekommt er nicht nur ganz phänomenale Verheißungen, sondern er bekommt auch Gerechtigkeit geschenkt. Er ist gerecht, weil Gott ihn gerecht spricht, nicht durch sein Leben, sondern dadurch, dass Gott sagt: Ich mache dich gerecht.

Die falsche Sicherheit der Selbstgerechtigkeit

Zweitausend Jahre später kommt der Messias in sein Volk und bietet Israel dieselbe Gerechtigkeit aus Glauben an, und sie lehnen das Angebot ab. In Römer 10,2-3 werden uns die Gründe genannt. Und er schreibt da über die Juden, und es ist ein ganz positives Zeugnis: Die Juden waren nicht faul, sie waren nicht dumm, sondern, denn ich gebe ihnen Zeugnis, dass sie Eifer für Gott haben.
Eifer für Gott? Ich wünschte, das könnte man von uns immer sagen, dass wir Eifer für Gott haben. Die Juden hatten das. Ist Eifer immer richtig, ist Eifer immer gut? Leider nein, denn es geht weiter, aber nicht mit rechter Erkenntnis. Sie hatten Eifer für Gott, aber sie haben die Dinge falsch verstanden. Und die Folge war dann: Denn da sie Gottes Gerechtigkeit nicht erkannten und ihre eigene aufzurichten trachteten, haben sie sich der Gerechtigkeit Gottes nicht unterworfen.
Sie erkannten nicht die Gerechtigkeit Gottes. Das heißt, sie erkannten nicht, dass Gott Menschen durch Glauben gerecht machen will, ihnen einfach Gerechtigkeit schenken will, weil sie sie ohnehin keiner erreicht. Sondern sie haben versucht, ihre eigene Gerechtigkeit aufzurichten, selber etwas zu schaffen, selber etwas zu arbeiten. Und das Problem, wenn ich selber das machen will, was Gott mir eigentlich schenken will, dann unterwerfe ich mich natürlich nicht dem, was Gott vorbereitet hat.
Wir kennen das vielleicht aus unserem Leben auch, ja? Wir können anfangen, Dinge falsch zu machen, indem wir sie einfach nicht so machen wie der, der sich die Sache eigentlich ausgedacht hat. Und überall da, wo ihr mal etwas repariert habt, ja? Ach nö! Das kann man auch anders reparieren, da muss man sich nicht so an die Bauanleitung halten. Meistens trifft es einen bei Ikea-Betten und solchen Dingen. Aber das kann man auch ein bisschen anders, da gibt es einen eleganteren Weg, wie man das zusammenbaut, und am Schluss bleiben drei Teile übrig. Man hat sich einfach der Bauanleitung nicht unterworfen, hat versucht, seine eigene Bauanleitung zu schreiben, und damit erleidet man Schiffbruch.
Und die Israeliten haben im Blick auf die Gerechtigkeit Gottes genau dasselbe Problem. Sie wollten ihre eigene Gerechtigkeit aufrichten, weil sie die Gerechtigkeit, die Gott bereithielt, nicht haben wollten. Selbstgemachte Gerechtigkeit, oder anders: Selbstgerechtigkeit, und die ist wertlos.
 Matthäus 5,20 entlarvt Jesus die Selbstgerechtigkeit der Pharisäer mit den Worten: Denn ich sage euch: Wenn nicht eure Gerechtigkeit vorzüglicher, besser ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Reich der Himmel eingehen.
Nochmal: Wenn eure Gerechtigkeit nicht vorzüglicher ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Reich der Himmel eingehen. Das ist ein ganz brutaler Satz für die damalige Zeit. Ich nehme einfach die Leute, die in puncto Gesetzlichkeit das Nonplusultra waren, wo alle ehrfurchtsvoll auch sagen: Oh, die Schriftgelehrten und Pharisäer, die machen ja nichts anderes als nur Gerechtigkeit den ganzen Tag, das sind ja unsere Diplomheiligen. Und dann sagt Jesus: Das sind eure Vorbilder? Ja, unsere Idole, so können wir nie werden. Oh ja, nur damit ihr es wisst: Wenn eure Gerechtigkeit nicht besser ist als das, was die bringen, hat es keinen Zweck.
Braucht ihr gar nicht über das Reich Gottes, braucht ihr gar nicht über Leben mit Gott nachzudenken, bringt überhaupt nichts. Warum? Weil die Pharisäer selbstgerecht waren. Die Gerechtigkeit der Pharisäer reicht für ein Leben mit Gott nämlich nicht aus.
Wisst ihr, was mich ärgert und was mich traurig macht? Es ist das Denken der Pharisäer, was heute so weit verbreitet ist. Wenn Menschen zu mir sagen: Na ja, ich bin doch eigentlich ein ganz anständiger Mensch und habe auch noch nie jemanden umgebracht, und eigentlich, eigentlich, oh, Gott kann gar nicht so schlimm sein, er muss mich schon reinlassen, er wird schon Fünfe gerade sein lassen. Das ist Selbstgerechtigkeit. Das ist eine Haltung, wo ich sage: Es interessiert mich eigentlich nicht, was Gott sagt, seine Maßstäbe sind mir auch egal, ich lebe im Großen und Ganzen so, wie es mir passt, und dann muss Gott schon irgendetwas machen, damit ich auch dabei bin.
Ein schrecklicher Irrtum. Es stimmt nicht. Gott hat einen Weg gefunden, Menschen zu erretten, ja, das stimmt, und es gibt keinen zweiten. Aber dieser Weg ist nicht, dass ein Mensch irgendwie anständig lebt, als Mönch oder als Humanist oder einfach nur als Durchschnittsdeutscher, sondern der Weg in den Himmel ist einfach der Weg durch den Glauben an Jesus. So wie der Kerkermeister in Philippi es von Paulus hört: Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst gerettet werden. Das ist der Weg, den Gott geschaffen hat, und einen zweiten gibt es im Leben nicht.

Die bleibende Sehnsucht der Glaubenden

Stellt sich die Frage: Haben wir alle diese Gerechtigkeit? Wenn es so wichtig ist, nach Gerechtigkeit zu hungern und zu dürsten, haben wir dann diese Gerechtigkeit? Oder sind wir vielleicht wie die Israeliten dabei, unsere eigene Gerechtigkeit aufzurichten? Sind wir vielleicht die ganze Zeit falsch unterwegs und meinen, gerecht zu sein, wie ein Pharisäer?
Natürlich: Wenn du ihn gefragt hättest, bist du gerecht, hätte er gesagt: Na logisch, ich halte alle die Gebote, ich weiß gar nicht, was du willst. Aber wenn Gott uns die Frage stellt, müssen wir sagen: Nein, deine Gerechtigkeit habe ich nicht in meinem Leben.
Wisst ihr, wie man das herausfindet? Also, man kann es herausfinden, indem man jemandem zwei Fragen stellt. Am Büchertisch macht man das manchmal. Man ist im Gespräch mit dem anderen, man steht so am Büchertisch, hat seine Bücher, und da kommt einer und hält sich und denkt: Was ist das jetzt für einer? Wo gehört der hin? Ist das ein Zeuge Jehovas oder ein Katholik? Ist das ein Evangelikaler oder ein Atheist? Dann kann man ihm zwei Fragen stellen. Und mit den zwei Fragen weiß man ungefähr, wo mein Gegenüber steht. Und das ist hilfreich: So wie er mich ausfragt, frage ich ihn ja auch aus.
Die erste Frage lautet: Wenn du heute sterben würdest, wo wärst du denn? Kann ja passieren, dass mal jemand stirbt. Also: Wenn du heute sterben würdest, wo kämmst du denn hin? Und es ist hilfreich, wenn die Leute sagen: Ich komme in den Himmel. Ah, toll. Ja, die meisten sagen das schon nicht mehr. Dann kann man sie fragen: Warum? Weiß man denn nicht, wo du hinkommst? Ja, das kann man nicht wissen. Ah ja, wenn ihr da seid, geht es in der anderen Richtung weiter, da will ich heute nicht drüber reden.
Nehmen wir an, jemand sagt: Ich komme in den Himmel, gar keine Frage. Dann kommt die zweite Frage. Die zweite Frage lautet: Wenn du sagst, du kommst in den Himmel, was macht dich eigentlich so sicher, dass du da reinkommst? Warum glaubst du, lässt Gott dich in den Himmel? Da gibt es die tollsten Antworten: weil ich ein guter Mensch war, habt ihr schon gehört; ich habe mich bemüht, die Gebote zu halten; und all das. Das sind falsche Antworten.
Die einzige richtige Antwort von der Bibel her lautet: Ich komme in den Himmel, weil ich zum Himmel gehöre, weil ich an den Herrn Jesus glaube, und seine Gerechtigkeit ist meine Gerechtigkeit. Er hat sie mir nämlich geschenkt, und deswegen bin ich gerecht und fit für den Himmel. Alle anderen Antworten sind falsch.
Also die Frage: Wie sieht das in deinem Leben aus? Was hättest du mir auf die Frage geantwortet, wenn ich dir einfach mal gestellt hätte: Was ist, wenn du heute stirbst? Und was macht dich sicher, in den Himmel zu kommen? Ist da doch noch so ein Denken da: Na, ich bin doch eigentlich ein ganz, ganz patenter Kerl, und Gott kann doch eigentlich froh sein, dass er mich hat, und so schlimm bin ich doch gar nicht. Ist dieses Denken noch da? Seien wir ganz vorsichtig an der Stelle.

Ein neues Leben mit neuem Hunger

Letzte Frage: Ist dann dieser Hunger und Durst nach Gerechtigkeit nur etwas für Menschen, die Gott noch gar nicht so richtig kennen? So wie Martin Luther, der auf dem Weg ist, Gott zu finden, und dann davon spricht: Ich bin ins Paradies eingetreten. Da ist eine Last von ihm abgefallen. Endlich frei. Endlich mit Gott so leben können, wie er es sich immer gewünscht hat.
Ist Hunger und Durst nach Gerechtigkeit nur etwas für Menschen, die verloren gehen? Nein! So wie Hunger und Durst zum natürlichen Leben dazugehören, so gehört auch ein beständiger Hunger nach Gerechtigkeit oder nach einem gerechten Leben zum geistlichen Leben dazu.
Wenn jemand wiedergeboren wird, also neues Leben von Gott empfängt, dann pflanzt Gott seine Natur in ihn hinein. Am Anfang ist sie noch ganz klein. Stellt euch das wie einen Blumentopf vor: Da ist ein Same drin. Dann denkst du dir vielleicht: Ja, du kriegst einen Blumentopf mit so einer Zwiebel geschenkt. Und dann fragst du dich: Warum schenkst du mir einen Blumentopf? Aber dann heißt es: Musst warten, wird noch besser. Dann stellst du ihn hin, gießt ihn ein bisschen, und nach einer Weile kommt etwas Grünes. Und dann wird es immer größer und grüner.
So ist es auch im geistlichen Leben. Am Anfang pflanzt Gott seinen Samen in uns hinein. Das ist wirkliches Leben, auch wenn es vielleicht noch nicht so aussieht. Und du denkst dann vielleicht: Eigentlich hat sich doch gar nichts in meinem Leben geändert. Aber gib ihm die richtigen Bedingungen. Gib ihm ein bisschen Gemeinschaft mit Gläubigen, eine ordentliche Portion Gottes Wort und Gebet, Nachdenken darüber und ein bisschen Einsatz in der Gemeinde nach deinen Fähigkeiten. Arbeite einfach so, wie Gott es dir zeigt, und du wirst sehen: Erst kommt etwas Kleines, und dann wird es immer größer. Und irgendwann sagst du: Hätte ich nie gedacht, dass Gott aus mir so etwas machen kann. Das ist ja bombastisch.
Da ist neues Leben da gewesen, und daraus entsteht etwas komplett anderes. Und dieses neue Leben zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass jemand, der mit Gott leben will, nicht sündigen will. Er möchte Gerechtigkeit auch in seinem Leben haben.
Das finden wir zum Beispiel in Hebräer 11 bei den Glaubenshelden. Dort heißt es, sie wirkten Gerechtigkeit. Oder Paulus fordert Timotheus auf: Strebe nach der Gerechtigkeit. Also etwas ganz, ganz Praktisches, was jeder von uns tun sollte.
Und warum? Weil wir die Natur Gottes in uns tragen. So wie ein Apfelbaum Äpfel hervorbringt und keine Birnen, wie wenn man im Zoo Löwen Junge zur Welt bringen lässt und hinten keine Giraffen herauskommen, sondern Löwen, weil auch da die Löwennatur drinsteckt, so ist es auch bei den Christen.
Der Apostel Johannes, das sind die letzten beiden Bibelverse, die ich euch noch zeigen möchte, beschreibt das so. Er sagt in 1. Johannes 2,29: Wenn ihr wisst, dass Jesus gerecht ist – und das wissen wir, Jesus hat ein gerechtes Leben geführt –, so erkennt, dass auch jeder, der die Gerechtigkeit tut, aus ihm geboren ist.
Du möchtest wissen, ob jemand, der dir sagt: Oh, ich bin auch ein Christ, ob das da mit guten und rechten Dingen zugeht? Schau dir doch sein Leben an. Tut er die Gerechtigkeit? Oder sind da eine ganze Menge Dinge, wo man sagen muss: Naja, die sind eigentlich nicht in Ordnung?
Oder weiter unten im ersten Johannesbrief, Kapitel 3, Vers 10: Hieran sind offenbar die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels. Jeder, der nicht Gerechtigkeit tut, ist nicht aus Gott.
Wenn Gott seinen Samen in uns hinein pflanzt, wenn wir seine Natur haben, dann ist Gerechtigkeit eine ganz logische, fast schon zwangsläufige Folge. Denn sie treibt uns dazu, gerecht zu leben, erst im Kleinen und dann immer mehr auch im Großen.

Schlussgedanke: Die geschenkte Gerechtigkeit

Kommen wir zum Schluss.
Errette mich durch deine Gerechtigkeit. Diesen Satz aus Psalm 31,2 hatte Martin Luther gefürchtet. Das war so, bis zu dem Moment, in dem er ihn richtig verstanden hat.
Gott rettet mich durch seine Gerechtigkeit. Genau genommen errettet er mich dadurch, dass er mir die Gerechtigkeit Christi schenken will. Jesus hat ein vollkommen gerechtes Leben geführt. Und die einzige Form, vor Gott gerecht zu werden, ist die, dass wir das Leben Christi geschenkt bekommen, weil wir niemals durch unser eigenes Anstrengen vor Gott gerecht werden können.
Auch als Gläubige hört dieser Hunger und Durst nach Gerechtigkeit nicht auf. Es ärgert uns, wenn wir Sünde sehen im Leben anderer, in der Gesellschaft. Es ärgert uns auch, wenn wir sie im eigenen Leben sehen. Und wir merken, dass in uns etwas steckt, das anders leben will.
Mein Gebet ist, dass dieses Andere immer mehr und mehr auch in der Gemeinde zum Ausdruck kommt.

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