Serie•Teil 16 / 53Lukas-Evangelium
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Einleitung und bisheriger Weg durch das Lukasevangelium
Ich freue mich immer, bei euch zu sein. Und ihr wisst eigentlich schon immer, was kommt, nämlich das Lukas-Evangelium. Also, es geht wie immer beim Lukas-Evangelium weiter, und wir stecken immer noch in diesen Kapiteln sieben und acht, in denen es inhaltlich um das große Thema Errettung geht.
Ich muss sagen, dass ich die beiden Kapitel sehr gerne mag, auch wenn ich mit Leuten in der Bibel lese, gerade die Kapitel vier, fünf, sechs, sieben und acht. Sie tragen ganz viel dazu bei, dass Menschen verstehen, worum es eigentlich geht, wenn wir als Christen sagen: Wir sind gerettet.
Und wenn ihr euch ein Stückchen zurückerinnert an die letzten Predigten, die ich gehalten habe, dann haben wir schon die Frage behandelt: Wie wird ein Mensch gerettet? Nämlich durch Glauben aus Gnade. Das waren so die ersten beiden Erzählungen in diesem Buch, Kapitel sieben und acht. Dann ging es um die Frage: Wie verpasst ein Mensch die Errettung? Auch das ist ja Realität. Wir haben uns angeschaut, dass Vorurteile und Unwilligkeit da zwei gute Möglichkeiten sind.
Das letzte Mal betrachteten wir eine Frau oder mehrere Frauen, die uns deutlich gemacht haben, wie ein Leben von Menschen aussieht, denen vergeben wurde. Wir haben das so vor Augen gestellt, und dieser Punkt: Liebe und Dankbarkeit gehören dazu. Wenn jemand wirklich vergeben ist, wenn es so einfach ist, dass jemand sagt: Ich möchte einfach glauben, ich setze mein Vertrauen auf Gott, dann muss das Leben danach ein Leben der Dankbarkeit sein.
Wenn Gott sagt: Ich will dich, komm her, und ich springe da quasi in die Arme und lass mich retten, dann muss das danach in meinem Leben irgendeine Bedeutung, irgendeine Auswirkung, irgendeine Veränderung haben.
Und heute möchte ich mit euch über die Frage nachdenken: Wenn Errettung so einfach ist, warum finden dann nicht alle Menschen die Errettung, beziehungsweise wie sieht der Weg dahin zu echter Errettung aus?
Das habe ich mir jetzt nicht ausgedacht, dieses Thema, sondern Lukas bringt das als nächstes Thema. Und wir lesen gemeinsam Lukas 8, und wir starten dort in Vers 4 und lesen zunächst die Verse 4 bis 8.
Und jeder, der diesen Text liest, staunt. Also, beim ersten Mal Lesen staunt man noch. Ich weiß nicht, wie es euch geht. Wenn man es dann immer wieder liest, denkt man sich: Naja, es ist halt so. Ich möchte mit euch gern noch einmal staunen über das, was hier steht.
Lukas 8,4-8:
Als sich aber eine große Volksmenge versammelte und sie aus jeder Stadt zu ihm hinkamen, sprach er in einem Gleichnis: Der Sämann ging aus, seinen Samen zu säen. Und indem er säte, fiel einiges an den Weg, und es wurde zertreten, und die Vögel des Himmels fraßen es auf. Und anderes fiel auf den Felsen. Und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. Und anderes fiel mitten unter die Dornen, und indem die Dornen mit aufwuchsen, erstickten sie es. Und anderes fiel in die gute Erde und ging auf und brachte hundertfache Frucht. Als er dies sagte, rief er aus: Wer Ohren hat zu hören, der höre.
Warum Jesus in Bildern spricht
Ich weiss, dass ich den Text zum ersten Mal gelesen hatte. Ich habe ihn zuerst bei Matthäus gelesen, aber dort liest er sich sehr ähnlich. Da dachte ich mir: Mann, was soll das? Warum redet Jesus hier in Gleichnissen? Geht es euch auch so? Ihr lest das und sagt: Vögel, Samen, was soll das? Warum macht er es den Leuten so besonders schwer? Warum sagt er nicht einfach direkt: So ist es, so geht es?
Möchte Jesus nicht, dass jeder Mensch gerettet wird? Und das wäre eine furchtbare Antwort, wenn man das glauben würde. Es gibt Christen, die das glauben, und ich finde diese Antwort, soweit ich denken kann, furchtbar: zu glauben, dass Jesus nicht möchte, dass jeder gerettet wird. Nein, Jesus möchte das. Jesus möchte definitiv, dass jeder Mensch gerettet wird. Und trotzdem redet er so.
Warum redet er so? Er redet deshalb so, weil Jesus möchte, dass die richtigen Menschen zu ihm finden. Und wenn ihr mich jetzt nicht versteht, muss ich euch das erklären.
Lasst uns in Johannes, Kapitel 2, kurz einen Abschnitt lesen, Johannes 2,23-25. Da geht es im Anschluss an die Tempelreinigung. Jesus kommt da ganz früh in seinem Dienst, vielleicht im ersten Jahr, er ist noch nicht so bekannt. Er kommt nach Jerusalem und reinigt den Tempel.
Und natürlich gibt es immer Leute, die sagen: Super, endlich mal einer, der was anpackt. Hier ist der starke Mann, auf den wir uns schon lange gefreut haben. Dann heisst es in Vers 23: Als er aber zu Jerusalem war, am Passa auf dem Fest, glaubten viele an seinen Namen, als sie seine Zeichen sahen, die er tat.
Und ich weiss nicht, wie es euch geht, wenn ihr das Johannesevangelium mit Freunden in so einem evangelistischen Hauskreis lest. Das ist immer eine blöde Situation, weil die Leute doch glauben, und dann liest man weiter: Jesus selbst aber vertraute sich ihnen nicht an, weil er alle kannte und nicht nötig hatte, dass jemand Zeugnis gebe von dem Menschen; denn er selbst wusste, was in dem Menschen war.
Das ist eine ganz dramatische Situation. Leute kommen zu Jesus und sagen: Haha, wir glauben an dich, wir wollen auch deine Jünger sein, wir wollen jetzt auch zu dir gehören, du bist unser Mann, juhu! Und Jesus sagt: Ey, mal ein bisschen ruhig, nicht so dicht bitte. Es ist schön, ja, aber jetzt mal ein bisschen Ruhe. Kommt mal ein bisschen runter.
Und er geht nicht wirklich auf diese Begeisterung ein. Er vertraut sich ihnen nicht an, er lässt sich auf der Beziehungsebene nicht ein. Aber die glauben doch! Und spätestens an der Stelle müssen wir so in einer typischen Bibelstunde über das Johannesevangelium erklären: Ja, es gibt zwei Arten von Glauben. Es gibt dieses Äusserliche, dieses euphorisch Überschwängliche, wo aber innen drin nichts ist. Jemand ist begeistert, weil er die Zeichen sieht, begeistert von dem, was Jesus hier macht, davon, dass Jesus in ist. Aber ganz tief drin, im Herzen, besteht kein Interesse daran, Jesus wirklich kennenzulernen, der zu sein, der er ist.
Und deswegen sagt Jesus hier in Lukas: Wer Ohren hat zu hören, der höre. Jeder von den Zuhörern hat Ohren, also diese Dinger hier an der Seite. Jeder hat zwei Stück davon. Und trotzdem sagt Jesus: Das reicht nicht. Er sucht Zuhörer, die geistliche Ohren haben, die bereit und willens sind, das Wort Gottes anzunehmen und aufzunehmen.
Hören, das wirklich ankommt
Man kann aus ganz unterschiedlichen Motivationen eine Predigt hören. Vielleicht ist es so ein allgemeines intellektuelles Interesse. Das ist doch schön: Andere Leute gehen Sonntagvormittags auf den Flohmarkt, und ich gehe halt in die Kirche.
Vielleicht sagst du: Eigentlich komme ich hierher, und die Predigt nehme ich so ein bisschen gezwungenermaßen mit. Mir geht es eigentlich um die Musik vorher und den Kaffee nachher, und das Dazwischen, das akzeptiere ich halt.
Vielleicht sagst du auch: Nein, ich finde den Prediger gut. Das kann es auch geben, aber das sind alles keine echten Gründe.
Jesus sagt: Ich suche Leute, die geistliche Ohren haben. Ich suche Leute, die richtig zuhören, die Interesse haben, das, was gepredigt wird, auch zu verstehen. Ich suche Leute, die bereit sind, nachzufragen. Und deshalb freue ich mich über jede Rückfrage nach der Predigt. Ich freue mich wirklich. Ihr seid keine Last für mich. Also: Wenn ihr etwas nicht versteht, fragt nach. Das macht mir große Freude. Denn der, der nachfragt, der will verstehen. Der hat geistliche Ohren. Da prasseln die Schallwellen nicht nur aufs Trommelfell, und dann ist dahinter Funkstille, sondern da ist jemand, der zuhört und nachdenkt. Und erst dann ist er mit dem Denken beziehungsweise mit dem Zuhören fertig, wenn er anfängt, etwas zu tun.
So beschreibt es Jakobus im ersten Kapitel, in Vers 22. Jakobus ist ja so ein ganz praktischer Brief. Da heißt es: Seid aber Täter des Wortes und nicht allein Hörer, die sich selbst betrügen. Hören ohne Tun ist Selbstbetrug.
Ich ertappe mich immer bei so einer ähnlichen Sache. Ich kaufe mir gerne Bücher. Also, es gibt so wenig Sachen, die ich wirklich gerne kaufe. Gute theologische Bücher, da muss ich mich echt zurückhalten. Mein Bestand an theologischen Büchern wächst etwa um eineinhalb Meter jedes Jahr. Das ist echt übel. Aber eigentlich ist das nicht übel, wenn ich jedes Buch lesen würde, wenn ich viel davon lesen würde.
Übel ist, wenn man irgendwo ein Buch im Schrank stehen hat und denkt, das reicht. „Ich habe es noch nicht gelesen, aber gut ist, dass ich es im Schrank stehen habe.“ Das stimmt natürlich nicht. Gut ist, wenn du es gelesen hast. Du bräuchtest es nicht mal im Schrank stehen haben. Gut wäre es, wenn du es im Kopf hättest. Gut wäre, wenn das, was in dem Buch steht, sich in deinem Leben wiederfindet. Alles andere schnurzpiepegal.
Und so ist es mit der Predigt hier auch. Wir denken manchmal, ich denke manchmal: Ach, ich kaufe mir schon mal das Buch und stelle es in den Schrank, und dann steht das da, und ich habe ein gutes Gefühl. Quatsch, völliger Unsinn! Ein gutes Gefühl darf sich erst dann einstellen, wenn ich das Buch gelesen habe, wenn ich es verstanden habe, wenn ich mir die Dinge herausgezogen habe, weshalb ich es eigentlich gekauft habe, wenn ich das umgesetzt habe, sei es in der Predigt oder in meinem täglichen Leben.
Deswegen sagt Jakobus: Vorsicht, Selbstbetrug. Das Gefühl, das gute Gefühl, ach, ich habe eine schöne Predigt am Sonntag gehört, ja, dann geht man nach Hause und sagt, jetzt lasst man was essen, und dann geht man ein bisschen raus in den Garten oder so, ja, oder geht noch ein bisschen spazieren. Der Frühling steht auch vor der Tür, die Sonne scheint endlich wieder, ach schön, ich habe da ein gutes Gefühl, ich habe eine gute Predigt gehört. Dazu würde Jakobus sagen: Selbstbetrug. Du machst dir was vor. Das gute Gefühl, eine gute Predigt gehört zu haben, reicht nicht aus. Es geht darum, dass wir bereit sind, unser Leben darauf einzustellen.
Und wer so an das Hören einer Predigt herangeht, wer wirklich da sitzt und sagt: Ich will was lernen, der offenbart ganz viel von seinem Herz. Er zeigt allein dadurch, dass er nachfragt, dass er Unklarheiten anspricht, dass er verstehen will, dass er vielleicht mit anderen ins Gespräch kommt, dass er am Nachmittag am Kaffeetisch nochmal sagt: Ey, können wir über den Vers nochmal reden? Dann habe ich immer noch nicht verstanden, was hat der da gemeint? Oder der die Frage im Hauskreis stellt: Wie kann ich das umsetzen, was da steht? Ich möchte das gerne leben.
Er zeigt dadurch, dass er sich tief mit der Materie beschäftigt, das Gehörte anwenden will, dass er tatsächlich geistliche Ohren hat. Und solche Leute sucht Jesus, und deswegen spricht er in Gleichnissen.
Und deswegen die Frage: Warum bist du heute hier? Warum bist du hier, um Gott zu begegnen, oder aus Gewohnheit? Warum hörst du zu, um etwas zu lernen, um Veränderungen zu erfahren, um nächste Woche wirklich Dinge anders zu machen? Das wäre wirklich toll.
Ich habe einfach die Sorge, dass man aus Gewohnheit kommt, seine Zeit absitzt, vielleicht unterhalten werden will und sich über die Jahre, und das ist gar nicht böse, das passiert so einfach. Das Leben wird so voll an anderen Stellen, dass man irgendwann nicht mehr so die Kraft und die Zeit hat, sich jeden Sonntag wieder auf Gott einzulassen. Dass man irgendwann mehr ein intellektuelles Interesse an der Predigt hat: Aha, jetzt habe ich den Vers auch noch verstanden, Haken dahinter, der Kopf wird immer größer und dicker, ja, ich kann immer mehr Fragen beantworten. Aber in Wirklichkeit ändert sich mein Leben nicht mehr so richtig.
Die Jünger als Beispiel für echtes Nachfragen
Und deswegen müssen wir uns anschauen, wie die Jünger das machen. Die machen das nämlich richtig. Die Jünger sind ja auch nicht die geistigen Überflieger, das ist euch wahrscheinlich auch schon aufgefallen. Und das merkt man hier halt auch wieder.
Seine Jünger aber fragten ihn, Lukas 8, 9-10: Seine Jünger aber fragten ihn, was dieses Gleichnis bedeutet. Sie haben es nicht verstanden. Ha, gut, mich beruhigt der Satz nachhaltig, will ich ehrlich sagen, weil ich auch manchmal Gleichnisse von Jesus lese und mir denke: Was meinst du, Herr?
Er aber sprach: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Reiches zu wissen, den übrigen aber in Gleichnissen, damit sie sehend nicht sehen und hörend nicht verstehen.
Es sind zwei Seiten derselben Medaille, und es sind ernste Seiten. Erstens: Jesus wirft die gute Botschaft von der Rettung nicht vor die Säue. Wenn du nicht willst, kriegst du sie nicht. Das ist die schlechte Nachricht. Jesus kennt dein Herz, und Jesus geht mit dir um, wie es deinem Herzen entspricht.
Die gute Botschaft ist, und das ist die Kehrseite derselben Medaille: Wenn du willst, wenn du wirklich willst, dann bekommst du sie auch. Du kannst so unverständlich und komisch sein wie die Jünger. Also, wenn ihr jemanden sucht als ein gutes Beispiel für jemanden, der alles falsch macht, nehmt die Jünger. Sie verstehen nichts, sie haben keinen Glauben, sie gehen in die falsche Richtung, sie beten nicht, wenn sie beten sollen, dann schlafen sie eher ein, und wenn sie Ohren abschlagen, ihr kennt das ja. Also, sie machen nicht alles falsch. Und Jesus sagt: Wunderbar, ihr seid meine Leute.
Mich beruhigt das echt. Und auch hier wieder: Wenn jemand nichts versteht und zu Jesus kommt und sagt: Ich verstehe es nicht, dann sagt Jesus: Mein Mann, ist doch toll! Wer fragt, bekommt eine Antwort. Wer ehrlich zugeht und sagt: Ich weiß nicht, wo es hingeht, da sagt Jesus: Klasse, wunderbar, solche Leute suche ich. Solche Leute, die wissen, dass sie Sünder sind, dass sie krank sind und einen Arzt brauchen, dass sie keine Ahnung haben und einen Lehrer brauchen, solche Leute suche ich. Und solche Leute sind die Jünger. Wir verstehen es nicht.
Das heißt, der erste Schritt, das ist eine Wiederholung von dem, was wir schon hatten, der erste Schritt auf dem Weg zur Errettung ist ein ganz klares Ja dazu, errettet werden zu wollen. Ja, ich will errettet werden. Ja, ich brauche einen, der mir hilft. Der erste Schritt auf Errettung zu ist dieses: Ich begegne Jesus nicht nur aus Neugierde, sondern ich begegne ihm, weil ich tief drin verstanden habe, dass ich ihn brauche.
Das Gleichnis vom Sämann und seine Deutung
Was will Jesus uns mit diesem Gleichnis vom Sämann sagen? Wir lesen einmal seine Auslegung, die Verse 11 bis 14:
Dies aber ist die Bedeutung des Gleichnisses: Der Same ist das Wort Gottes. Die aber an dem Weg sind die, welche hören; dann kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihren Herzen weg, damit sie nicht glauben und errettet werden. Die aber auf dem Felsen sind die, welche, wenn sie hören, das Wort mit Freuden aufnehmen; und diese haben keine Wurzel. Für eine Zeit glauben sie, und in der Zeit der Versuchung fallen sie ab. Das aber unter die Dornen fiel, sind die, welche gehört haben und hingehen und durch Sorgen und Reichtum und Vergnügungen des Lebens erstickt werden und nichts zur Reife bringen.
Bis dahin erst einmal.
Insgesamt geht es um vier unterschiedliche Reaktionen auf das Evangelium, genau genommen auf das Wort Gottes. Der Schwerpunkt liegt hier auf dem Begriff der Errettung. Das Erste ist: Der Teufel kommt, er hintertreibt das Wort, er reißt es wieder weg. Der zweite Punkt ist: Das Wort wird schnell aufgenommen, es ist irgendwie Freude da, aber es treibt keine tiefen Wurzeln. In der Zeit der Versuchung offenbart sich das fehlende Fundament. Der dritte Punkt: Die Botschaft wird mit etwas mehr Ernst aufgenommen, aber bevor das Wort Gottes richtig sein Werk vollbringen kann, also etwas im Leben verändern kann, wird es durch Sorgen, Reichtum und Vergnügungen des Lebens erstickt. Und keines dieser Ereignisse ist irgendwie gut.
Meine Frage war ja: Wie beginnt Rettung? Das, was hier klar wird, ist: Errettung fängt an mit der Predigt. Etwa ein Vierteljahrhundert später, nachdem das hier gesagt ist, schreibt Paulus den Römerbrief. Und im Römerbrief sagt er ganz genau das Gleiche. Da heißt es an einer Stelle: „Also ist der Glaube aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch das Wort Christi.“ Verkündigung könnte auch durch das Gesagte oder durch die Predigt heißen. Also ist der Glaube aus der Predigt. Römer 10,17.
Glaube kommt deshalb aus der Predigt, weil Glaube einen Inhalt braucht. Ich kann nicht einfach in den Dunst hinein glauben. Ich muss wissen, woran ich glaube. Genau genommen hat Glaube, biblischer Glaube, drei Seiten. Ich muss wissen, woran ich glaube, und da gibt es bestimmte Sachen, die sind nicht verhandelbar.
Wenn wir im Sommer wieder eine Taufe haben, werde ich die Täuflinge nach vorne bitten. Dann werde ich sagen: So, ich lese euch jetzt mal das apostolische Glaubensbekenntnis vor, weil ich glaube, dass das eine gute Zusammenfassung dessen ist, was wir glauben. Und ich möchte danach, bevor ich euch ins Wasser stecke, von euch hören, dass ihr das wirklich auch glaubt. Das finde ich einfach wichtig. Es gibt einen Glaubensinhalt. Und dieser Glaubensinhalt muss über die Predigt vermittelt werden.
Du musst den Leuten sagen: Glaube an den Herrn Jesus. Warum? Weil der Herr Jesus für dich gestorben ist. Ja, wie glaube ich denn? Du musst dein Leben dem Herrn übergeben, er muss Gott in deinem Leben werden. Aha, das muss man den Leuten erklären, das ist der Inhalt.
Und der Inhalt des Glaubens ist genauso wichtig wie die anderen beiden Seiten des Glaubens: dass jemand tatsächlich glaubt, indem er den Akt des Glaubens vollzieht, seine Hände faltet und sagt: Herr Jesus, hier stehe ich, bitte komm in mein Leben. Paulus wird dann sagen: Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden. Das ist genau dieser Moment.
Und natürlich gehört zum Glauben auch immer wieder die Frage, ob mein Leben die Behauptung, ich bin ein Gläubiger, auch unterstreicht. Also: Inhalt, Akt und Leben. Das ist jetzt ein bisschen theoretisch, das weiß ich, aber vergebt mir das einfach. Inhalt, Akt und Leben bilden zusammen ein Ganzes. Ich muss wissen, woran ich glaube, wann ich geglaubt habe, und es muss sich in meinem Leben wieder zeigen. Dann ist Glaube echt.
Und deswegen fängt Glaube mit der Predigt an. Deswegen sind Predigten wichtig. Deshalb beschreibt Jesus mit seinem Gleichnis, was diesem Samen, dem gepredigten Wort Gottes, alles passieren kann. Und er sagt: Der Teufel steht bereit. Und wenn du etwas hörst – und das kann natürlich das erste Mal die Botschaft des Evangeliums sein, aber das kann jedes Mal etwas vom Wort Gottes sein, was in diesem Moment in dein Leben hineinspricht –, dann steht der Teufel bereit und sagt: Na, warten wir mal ab, hoffentlich kriege ich das wieder raus. Wenn er nicht aufpasst, nehme ich es ihm wieder weg.
Die Versuchung steht bereit, um, wenn du nur oberflächlich glaubst, das sofort zu entlarven und zu sagen: Das kriege ich wieder ausgebügelt. Und dieses Dreigespann aus Sorgen, Reichtum und Vergnügungen des Lebens, oder vielleicht würden wir eher sagen: Angst, Geld und Spaß, steht bereit, dafür zu sorgen, dass das Wort Gottes im Leben der Zuhörer keine Frucht bringt. Denn das ist eigentlich das, was Gott möchte. Gottes Wort ist lebendig. Gottes Wort will dich retten, aber es will dich nicht nur retten, es will dich verändern. Es will Frucht bringen, es will dein Leben umkrempeln.
Wisst ihr, geistliches Leben beginnt in dem Moment, wo ich mein Leben Gott anvertraue, wo ich sage: Hier, nimm mein Leben, mach was draus. Und Gott sagt: Super, will ich haben. Lass mal sehen, was ist denn da alles drin. Und dann räumt er auf. Und dann sagt er: Hey, hier bist du begabt, das würde ich gerne, dass du für mich einsetzt. Und hier hätte ich eine Aufgabe für dich, übernimm die mal.
In dem Moment, wo ich anfange zu glauben, Gott mein Leben anzuvertrauen, ihn als Herrn in mein Leben aufzunehmen, startet ein Abenteuer des Glaubens. Aber das ist nur der Startpunkt.
Bewahren, nachsinnen und Frucht bringen
Lukas 8,15: Da sehen wir, was Gott eigentlich möchte und wie ein gutes Leben funktioniert. Dass aber in der guten Erde die sind, welche in einem redlichen und guten Herzen das Wort, nachdem sie es gehört haben, bewahren und Frucht bringen mit Ausharren.
Merken wir das? Hören, bewahren, Frucht bringen. Jesus sagt, das ist eines der Geheimnisse des Reiches Gottes. Das Reich Gottes – die Frage, wie Gott über Menschen herrscht, wie Gott das macht, dass er Menschen dazu bringt, in ihrem Leben das zu tun, was er möchte. Und eines der Geheimnisse ist: Er tut es durch sein Wort. Er redet zu uns und er warnt uns. Er warnt uns, dass Reden allein, dass Hören allein nicht genug ist. Wir müssen uns Gedanken darüber machen, wie wir das Wort Gottes bewahren und wie wir dafür sorgen, dass das Wort Gottes in unserem Leben bewirkt, wozu Gott es ausgesandt hat.
Gott wird dich nie vergewaltigen. Gott wird nicht diesen Nürnberger Trichter aufsetzen, kennt ihr das? Ja, so hier oben ein Loch reinbohren, Trichter rauf, und dann wird da alles reingeschüttet. Das wird nicht passieren. Du wirst nicht eines Morgens aufwachen und sagen: Ich bin heilig. Das wird nicht passieren. Gott wird sagen: Ich rede in dein Leben hinein, ich zeige dir einzelne Punkte, und dann darfst du entscheiden. Es ist Teil der Würde, die dich als Mensch und vor allem als Kind Gottes auszeichnet. Du darfst mein Wort in deinem Leben umsetzen. Es ist Verantwortung, die Gott uns hier anvertraut.
Deshalb die Frage: Wie bewahrt man eigentlich das Wort Gottes? Es ist ja schön, dass das hier steht, wie man es hört, das wissen wir inzwischen. Aber wie bewahre ich das Wort Gottes? Ich denke, es sind drei Dinge, die man tun kann. Du kannst über das Wort Gottes nachsinnen. Das ist Psalm 1, da steht das: der über sein Wort sinnt Tag und Nacht. Du möchtest das Wort Gottes bewahren? Dann verspreche ich dir: Du wirst es bewahren, wenn du nachsinnst. Ich kann dir persönlich nur den Tipp geben, es auswendig zu lernen. Wir haben Jesus gesehen, der in der Versuchung etwas tut. Er steht da wie so mit seinem Colt: Es steht geschrieben, bang. Und wieder bang: Es steht geschrieben. Du musst hier oben wissen, was geschrieben steht. Nachsinnen, auswendig lernen und tun. Das sind die Elemente, wenn du bewahren willst. Es gehört einfach dazu. Ich bin mir sicher, das ist euch nicht neu.
Und wir sollen Frucht bringen. Und ganz kurz: Was ist Frucht in unserem Leben? Ich denke, es sind drei Dinge.
Zum einen ein veränderter Charakter. Der Herr Jesus möchte, dass wir ihm ähnlicher werden. Der Heilige Geist arbeitet daran. Er verändert uns in das Bild Jesu, von Angesicht zu Angesicht heißt das. Wir sehen Jesus, und so wie wir ihn sehen, werden wir durch den Herrn, den Geist, verändert in dieses Bild. Und deshalb ein Tipp: Alle zehn Jahre mal kurz ein bisschen Pause machen und überlegen: Bin ich dem Herrn Jesus ähnlicher geworden? Letzte Woche hat mir jemand gesagt: Ja, du hast dich echt die letzten zehn Jahre verändert. Das ging runter wie Butter. Ich dachte: Ja, das wollte ich auch. Ich wollte ein lieberer Jürgen sein. Ich bin auch nicht lieb, aber ich wollte ein bisschen lieber sein, so ein bisschen mehr wie Jesus. Ich weiß, ich kann noch ziemlich kratzbürstig sein, und ich werde wahrscheinlich auch noch ein paar Jahre daran arbeiten, so zwanzig bis fünfzig. Aber ich bin dran. Und wenn ich in zehn Jahren wieder zurückschaue, sage ich: Ja, ich möchte wieder ein Stückchen mehr wie Jesus werden. Fruchtbringen heißt: Jesus ähnlicher werden. Und es hört nicht damit auf, wenn du, was weiß ich, von den Zehn Geboten fünf halbwegs unter die Füße gekriegt hast.
Der zweite Punkt: Wir sollen ein Segen sein für die Umgebung. Ströme lebendigen Wassers sollen ausfließen. Schau ab und zu mal ganz ehrlich in dein Umfeld: Sind da irgendwelche Leute, denen du zum Segen wirst? So richtig zum Segen? Und ich merke, wie das auch eine Herausforderung ist, wie man sich da auch einen Lebensstil angewöhnen kann, der nett ist, lieb ist, aber wo das Segensmoment doch irgendwann so ein bisschen auf der Strecke bleibt, weil so viel Arbeit und ja, ihr kennt das alle.
Und das andere ist der dritte Punkt, also ein anderer Charakter, ein Segen für Menschen: Wir sollen diese Welt überwinden. Einer, der Frucht bringt, der durchschaut dieses System, in dem er lebt, das dazu geschaffen ist, ohne Gott glücklich zu sein, vollgestopft mit falschen Versprechungen, und sagt: Da falle ich nicht mehr drauf rein. Das gehört dazu, wenn wir Frucht bringen. Und das ist das, was Gottes Wort bewirken will. Gott sagt: Hör zu, bewahre das Wort, also denk darüber nach, lerne es auswendig, tu es. Und bewirke damit, dass in deinem Leben durch das Wort Gottes, das eine lebendige, wirksame Kraft ist, Frucht kommt. Frucht in einem veränderten Charakter, einem veränderten Leben, einer ganz veränderten Einstellung zu dieser Welt.
Und weil das so wichtig ist, hängt Jesus gleich noch ein Gleichnis an, nämlich das Gleichnis von der Lampe, die Verse 16 bis 18: Niemand aber, der eine Lampe angezündet hat, bedeckt sie mit einem Gefäß oder stellt sie unter ein Bett. Sondern er stellt sie auf ein Lampengestell, damit die Hereinkommenden das Licht sehen. Klingt logisch, denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar werden wird, noch geheim, was nicht kund werden und ans Licht kommen soll. Seht nun zu, wie ihr hört. Denn wer hat, dem wird gegeben werden, und wer nicht hat, von dem wird selbst, was er zu haben meint, genommen werden.
Licht, Offenbarung und die Verantwortung des Hörens
Ich denke, dass die Kernaussage, die dieses Gleichnis mit dem Text davor verbindet, das ist, was in Vers 18a steht: Seht nun zu, wie ihr hört.
Es ist tatsächlich extrem wichtig, wie wir hören und wie wir mit dem Gehörten umgehen. Ob wir nur normale Ohren haben oder ob wir geistliche Ohren haben. Und deswegen dieses Gleichnis:
Das Licht, Gottes Licht, ist das Evangelium. Und jeder, der gläubig ist, der das Evangelium angenommen hat, der gerettet ist, der ist eine Lampe. Das ist jemand, der Lichtträger ist.
Wir haben es in deiner Einleitung mit der Stadt auf dem Berg. Wir scheinen, wir können auch gar nichts dagegen machen, es hat keinen Sinn, das zu verbergen. Wenn du gläubig bist, dann lass dein Licht scheinen, werde Jesus immer ähnlicher, sei ein Segen, überwinde die Welt, mach was.
Warum? Vers 17: Niemand kann auf Dauer verbergen, wo er im Blick auf das Evangelium steht. Die Qualität deiner Beziehung zu dem Herrn Jesus wird eh ans Licht kommen. Und deshalb ist es so unsinnig, das zurückzuhalten, sich zu fürchten oder so zu tun, als wäre da in meinem Leben irgendwas nicht passiert.
Wenn wir gläubig sind, sind wir dazu berufen, Frucht zu bringen. Und alles, was dieses Fruchtbringen behindert, das muss weg aus unserem Leben. Und wenn das für die gilt, die gläubig sind, dann gilt natürlich auch: Wir drehen die Münze jetzt einfach nur um. Die Kehrseite ist dann, dass gedankenloses und folgenloses Hören auf das Evangelium gefährlich ist.
Es ist nicht mehr neutral, sondern es ist richtig gefährlich. Denn wer hat, dem wird gegeben werden, und wer nicht hat, von dem wird selbst, was er zu haben meint, genommen werden. Ein furchtbares Wort! Es wird Menschen geben, die glauben, das Evangelium zu haben, gerettet zu sein, die sich irren und am Ende mit leeren Händen dastehen.
Und weil es das gibt, weil das eine Realität ist, weil immer wieder Leute einfach begeistert sind über Gemeinde und über eine gewisse Intellektualität oder eine Zugehörigkeit oder eine Zuwendung, die man erfährt, aber nicht im Kern ausgerichtet sind auf das Wort Gottes, deswegen ist es so wichtig: Seht nun zu, wie ihr hört.
Es ist eine Frage, die ich mich, tja, nie getraut hätte, euch zu stellen, wenn es nicht hier stehen würde. Aber es ist ein Gebot. Jesus sagt: Denkt doch mal darüber nach, wie du zuhörst. Was machst du eigentlich mit dem Gehörten?
Jetzt lass mich das mal runterbrechen, ganz praktisch. Die letzten fünf Sonntage, vorausgesetzt, du warst hier, hast du wahrscheinlich jeden Sonntag eine Predigt gehört. Aber ganz ehrlich: Was haben die letzten fünf Sonntagspredigten in deinem Leben verändert? Welchen Input haben die letzten fünf Predigten gebracht?
Ich sage nicht, dass jede Predigt immer einen Input haben muss. Okay, es gibt auch Predigten, da stehe ich danach auf und sage: Was wollte er mir sagen? Das gibt es. Und es gibt auch Predigten, wo ich denke: Das war schön, aber nicht für mich. Okay.
Aber wenn ich so fünf oder zehn Predigten höre oder regelmäßig die Bibel lese und mir vielleicht hier und da auch noch mal eine Predigt auf dem MP3-Player anhöre, ich verspreche euch: Irgendwo piekst Gott. Du kannst nicht einfach so mit Gott leben, ohne dass er ab und zu piekst.
Also: Welchen Input haben die letzten Gottesdienste in dein Leben hineingebracht? Was machst du jetzt anders? Und wie stellst du es an, dass dieser Moment, wo du merkst: Jetzt spricht Gott zu mir, dir nicht in Vergessenheit gerät?
Und ich möchte jetzt keine Ausreden, also ich möchte gar nichts hören von euch, aber ich möchte, dass ihr einfach überlegt: Wie war das bei mir? Weil Jesus sagt: Seht zu, wie ihr hört.
Und bitte glaubt mir, dass das keine banalen Fragen sind. Wenn wir lässig mit Gottes Wort umgehen und es nicht in unseren Herzen konservieren, dann steht der Teufel schon wartend bereit und will es uns wieder wegnehmen. Du kannst dir ja mal die Frage stellen, wenn du nicht weißt, worüber vorletzten Sonntag gepredigt wurde.
Wenn wir lässig mit Gottes Wort umgehen, dann steht auch die nächste Versuchung bereit, dich aus deinem geistlichen Gleichgewicht zu bringen.
Deswegen ganz ehrlich diese Frage: Wie gehst du mit einer Predigt um? Wie machst du das?
Ich will euch einen Tipp geben, weil ich auch lange Zeit bei Predigten mitgeschrieben habe. Ich finde Mitschreiben immer noch toll, also freue ich mich über jeden, der mitschreibt. Und wenn sich jemand keinen Stift und Block leisten kann, ich bin dir in jedem Fall gern behilflich, wenn du mitschreiben möchtest.
Nichtsdestotrotz weiß ich, dass man seine Unterlagen nur noch selten anschaut. Also ich habe nach so zehn, fünfzehn Jahren Christsein mal so einen Stapel Unterlagen weggeworfen. Ich habe da eh nie mehr reingeschaut. Ich bin so, ja, also ich bin immer der, der nach vorne schaut. Andere Leute schauen auch Fotoalben an, das mache ich auch nicht so oft, ja. Und dann schauen die vielleicht auch in alten Unterlagen, was sie in ihrer stillen Zeit gemacht haben. Da bin ich nicht der Typ.
Aber ich habe mir diese Frage gestellt: Wie mache ich das persönlich, dass, wenn mich etwas anspricht, wenn ich eine Idee habe, wenn man sagt: Das ist ein Punkt, boah, der meint mich, wie bewahre ich aus einer Predigt die wesentlichen Punkte?
Ich sage euch, was ich tue und was sich in meinem Leben grandios bewährt, weil es irgendwie mit wenig Zeitaufwand ein Maximum an Output bringt. Ich nehme aus den Predigten, wo mich etwas persönlich anspricht, den einen Bibelvers heraus, der mich getroffen hat. Und das ist oft nur ein Bibelvers. Jemand bringt eine lange Predigt, und es bleibt ein Bibelvers übrig.
Und diesen einen Bibelvers lerne ich auswendig. Ich bin schon ein bisschen älter, also ich schaffe noch zwanzig, dreißig Bibelverse im Jahr vielleicht zum Auswendiglernen. Aber die zwanzig Verse, die so handverlesen sind, wo ich weiß: Ja, da gibt es in Sprüche 21 einen Vers, der ist letzten Sommer im Juli gepredigt worden. Ich kann ihn langsam auswendig, ich brauche langsam Auswendiglernen.
Aber wisst ihr, was passiert? Ich habe jetzt so meine Box mit meinen Bibelversen drin, und da kommen dann Bibelverse dazu. Und es ist wie so: Da legt Gott den Finger in die Wunde. Und ich habe den Vers auswendig gelernt, und immer, wenn ich dann bei Sprüche 21 wieder vorbeikomme und in meinem Wiederholen das wieder auffrische, weiß ich: Ach stimmt, das wolltest du damals nicht vergessen. Ah, da musst du wieder dran achten.
Und dann denke ich automatisch, wenn ich den Vers nur wiederhole: Und hat sich dann was geändert, ja oder nein? Ist doch klar. Es gibt so Verse wie, nehmen wir mal unangenehme Verse für Männer, Kolosser 3,19, da steht irgendwas von wegen: Ihr Männer, seid nicht bitter gegen eure Frauen. Das ist ein Vers, den ich relativ früh in meiner Ehe auswendig gelernt habe. Offensichtlich warum. Und immer, wenn ich in der Wiederholerei da vorbeikomme, muss ich natürlich kurz mal drüber nachdenken. Wie sieht es denn aus?
Wisst ihr, was das heißt? Ich bin schlecht im Auswendiglernen. Ich muss meine Bibelverse alle sechs Wochen wiederholen, wenigstens. Das heißt: Wenigstens alle sechs Wochen kommt dieser Vers vorbei, grüßt wie ein alter Bekannter und sagt: Hi, und läuft es noch?
Und wenn es nicht läuft, kann ich an dieser Stelle Buße tun und kann wieder für die nächsten sechs Wochen probieren, weil ich weiß: Dann kommt der wieder vorbei und sagt: Hi, ich bin auch noch da.
Und das ist ja nicht nur dieser eine Vers, sondern wenn man so ein bisschen mehr Verse hat, dann begegnet einem jede Woche ein Vers, der etwas sagt zum Thema Ehe, zum Thema Kindererziehung, zum Thema persönliches Leben. Und ab und an Verse, wo man eine Predigt gehört hat und sagt: Stimmt, das wollte ich damals nicht vergessen.
Das ist ein Tipp. Finde einen Weg, wie du es machst. Aber lass es nicht zu, dass du eine Predigt nach der anderen hörst und sie dein Leben nicht verändern.
Wisst ihr, es ist nicht genug, in einen freikirchlichen Gottesdienst zu gehen, so nach dem Motto: Na, ich gehe ja immerhin hierher und bin jetzt nicht in der Kirche oder wo. Das ist nicht genug, darum geht es nicht. Sondern wer zur Familie Gottes gehört, der wird an seinem Umgang mit dem Wort Gottes erkannt.
Die wahre Zugehörigkeit zur Familie Jesu
Und deswegen zum Abschluss die letzten drei Verse, die wir heute betrachten: Lukas 8,19-21. Überschrift: Die wahren Verwandten Jesu.
Es kamen aber seine Mutter und seine Brüder zu ihm, und sie konnten wegen der Volksmenge nicht zu ihm gelangen. Und es wurde ihm berichtet: Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen dich sehen. Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Meine Mutter und meine Brüder sind die, welche das Wort Gottes hören und tun.
Merkt ihr, das ist fast eine langweilige Wiederholung. Du möchtest zum inneren Kreis der Bekannten Jesu zählen. Du möchtest wissen, dass ich wirklich gerettet bin, weil ich eine Beziehung zu Jesus habe. Weil Jesus nicht zu mir sagen wird: Ich kenne euch nicht. Weil nicht passieren wird, was in Johannes 2 beschrieben wurde, dass Jesus sich mir nicht offenbart. Du möchtest von ihm gekannt sein. Du möchtest innerer Teil der Familie sein. Dann hör auf das, was er sagt, und tu es.
Also, meine Eingangsfrage war: Warum verpassen Menschen Gottes Angebot der Errettung, und wie sieht dieser Weg zur Errettung ganz praktisch aus? Die eine Antwort ist, dass letztlich alles davon abhängt, ob ich in meinem Herzen verstehen will. Das ist eine Grundbedingung. Wer sucht, der wird finden. Niemand wird aus Versehen in den Himmel kommen. Und warum nicht?
Letzter Vers für heute aus dem Matthäusevangelium, Kapitel sieben, Verse dreizehn und vierzehn, weil der Weg in den Himmel nicht ganz einfach ist. Da spricht Jesus, Matthäus 7,13-14: Geht ein durch die enge Pforte; denn weit ist die Pforte und breit der Weg, der zum Verderben führt, und viele sind, die auf ihm hineingehen. Denn eng ist die Pforte und schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind, die ihn finden.
Und so glaube ich, wenn wir das Gleichnis vom Sämann lesen, dass wir alle Menschen kennen, mit denen wir schon oft über Gott gesprochen haben. Und das ist irgendwie ein bisschen so: Heute redet man mit ihnen, und morgen ist das, was man gesagt hat, irgendwie schon wieder alles weg. Und wir merken, dass das stimmt, was Jesus sagt, dass der Teufel bereitsteht, das Wort Gottes von den Herzen wegzunehmen.
Und ich glaube, wir kennen noch alle Menschen, die irgendwann mal mit Gott einen Anfang gemacht haben, begeistert waren, sich womöglich haben taufen lassen. Und dann sind Schwierigkeiten gekommen, dann wurde es irgendwie kompliziert, und plötzlich waren sie weg, weil ihr Glaube keine Wurzel hatte.
Und vielleicht kennen wir Menschen, die sich Christen nennen, aber ihr geistliches Leben ist verödet. Diese Welt hat sie überwunden, mit Sorgen. Sie drehen sich um ihre Probleme, mit Reichtum, und sie drehen sich ums Thema Geld oder mit diesem Müll einer Spaßkultur, die unsere Seele auffrisst.
Und vielleicht sagst du: Das bin ich. Wenn das so ist, dann hast du jetzt einfach eine Chance. Du hast eine Chance, Buße zu tun, zu sagen: Ich möchte das nicht länger. Ich möchte das, was Jesus hier sagt, das möchte ich tun. Ich möchte überlegen: Wie gehe ich eigentlich mit dem Wort Gottes um? Wenn Jesus sagt: Seht zu, wie ihr hört, dann möchte ich diesen befriedigenden Weg im Umgang mit dem Wort Gottes einschlagen. Ich möchte hören, ich möchte bewahren, und ich möchte umsetzen.
Ich denke, so ein Text ist eine gute Gelegenheit, innezuhalten. Und wenn man so ein Stückchen aufs Abstellgleis gefahren ist, wenn man so irgendwie auf dem Parkplatz steht und sich nicht mehr wirklich bewegt und der eigentliche geistliche Verkehr so an einem vorbeirauscht, zu sagen: Nee, ich will da wieder zurück, den ersten Gang einzulegen, wieder Fahrt aufzunehmen, wieder sich einzupendeln und zu sagen: Ich will mit, ich will weiter.
Ich will das nicht zulassen, dass Gott mich nicht mehr ansprechen kann. Ich möchte jeden Tag oder wenigstens jeden Sonntag einen kleinen Schritt in Richtung Gott gehen. Ich will das noch mal vormachen, weil mir das eine der wichtigsten Dinge ist, die ich rüberbringen kann für das Thema geistliches Leben.
Wir glauben immer, dass geistliches Leben so funktioniert. Aber das stimmt nicht. Das ist eine Lüge. Ich zeige euch jetzt, wie geistliches Leben funktioniert. Geistliches Leben funktioniert so: Ich will immer noch in die richtige Richtung, ja, aber geistliches Leben: Ich höre Predigten, und jede Predigt verändere ich mich nachhaltiger. Jeden Sonntag gehe ich einen Schritt vorwärts. Seht ihr das? Ich gehe jeden Sonntag einen Schritt vorwärts. Es sind vielleicht keine großen Schritte, aber ich höre etwas, ich bewahre es, ich setze es um. Manchmal gehe ich auch wieder einen Schritt zurück, aber meistens gehe ich vorwärts.
Und so mache ich das einen Sonntag und noch einen Sonntag. Und am Montag vielleicht auch, wenn ich dann auch in der Bibel lese und dann bete und Gott zu mir spricht. Und dann bewege ich mich einfach, ich bewege mich und ich lebe. Ich komme nicht so schnell sprung, es ist nicht so dieses Dramatische, aber ich merke, wenn ich mich so nach einer Weile, nach einem Jahr oder zwei oder drei oder fünf umdrehe, sage ich: Ja, ich bin weitergekommen, ich bin auf meinem Weg vorangekommen. Das ist geistliches Leben.
Und die Gefahr ist, dass das so klein ist, so fast schon unbedeutend, dass wir irgendwann sagen: Nee, das wird zu anstrengend. Und dagegen ist dieser Text, weil der Text sagt: Achte immer wieder darauf, wenn du hörst, was du daraus machst, ob du einen kleinen Schritt vorwärts gehst. Einen kleinen Schritt, einfach nur einen kleinen Schritt.
Das ist eigentlich alles, was ich heute sagen wollte. Und wenn du sagst, ich fürchte mich davor, was ist, wenn ich mich das nicht traue? Was, wenn mir mein Leben zu viel wird, wenn ich den Eindruck habe, Gott schläft, während ich versuche, mein Leben im Sturm alleine zu meistern? Wenn das deine Frage ist, dann lass uns darüber am dreißigsten August reden, denn die und noch eine andere Frage werden wir beim nächsten Mal gemeinsam betrachten.
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