Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 669: Das Gleichnis vom einen Pfund, Teil 2
Einführung in das Gleichnis und seine historische Einbettung
Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem. Kurz vor der Stadt erzählt er den Menschen, die ihn begleiten, ein Gleichnis. Er tut dies, um dem Gerücht entgegenzutreten, dass das Reich Gottes sofort erscheinen werde. Das ist jedoch nicht der Fall.
Man muss vorsichtig formulieren: Das Reich Gottes wird in der Form, wie die Umstehenden es erwarten, vielleicht nie erscheinen.
In dem Gleichnis geht es um einen hochgeborenen Mann, der in ein fernes Land zieht, um ein Königreich zu empfangen. Das heißt, er soll als König eingesetzt werden. Den Zuhörern waren historische Vorbilder bekannt, wie Herodes der Große und sein Sohn Herodes Archelaus, die genau diese Erfahrung gemacht hatten.
Letzterer wurde aufgrund einer gegen seine Einsetzung als König protestierenden Delegation von Juden kein vollwertiger König. Stattdessen erhielt er nur den Titel eines sogenannten Ednarichs.
Die Aufgaben der Knechte und die Reaktion des dritten Knechts
Aber kommen wir zurück zum Gleichnis. Der hochgeborene Mann hat Knechte, denen er je ein Pfund gibt – das entspricht etwa dem Gegenwert von vier Monatsgehältern – damit sie damit Handel treiben.
Der erste Knecht ist ziemlich erfolgreich, wird gelobt und belohnt. Der zweite stellt sich ebenfalls gut an.
Nun sind wir beim dritten, dem anderen Knecht. Lukas 19,20: „Und der andere kam und sagte: ‚Herr, siehe, hier ist dein Pfund, das ich in einem Schweisstuch verwahrthielt.‘“
Das ist natürlich nicht das, was der Herr von seinem Knecht erwartet hatte. Dieser Knecht ist vielmehr ein Beispiel für Untreue und Sorglosigkeit. Untreue, weil er mit dem Geld nicht handelt, was er hätte tun sollen. Sorglos, weil er es nur in einem Schweisstuch verwahrt und es nicht einmal vergräbt, was halbwegs sicher gewesen wäre.
In einem anderen ähnlichen Gleichnis heißt es deshalb auch Matthäus 25,25: „Und ich fürchtete mich und ging hin und verbarg dein Talent in der Erde; siehe, da hast du das Deine.“
Die Angst des dritten Knechts und seine falsche Darstellung des Herrn
Warum ist der dritte Knecht ungehorsam? In Lukas 19,20-21 heißt es: „Und der andere kam und sagte: Herr, siehe, hier ist dein Pfund, das ich in einem Schweißtuch verwahrt hielt; denn ich fürchtete dich, weil du ein strenger Mann bist. Du nimmst, was du nicht hingelegt hast, und erntest, was du nicht gesät hast.“
Warum tut der Knecht nicht, was man ihm aufträgt? Er fürchtet sich. Wovor? Vor der Strenge des Herrn. Dabei beschreibt er seinen Herrn als jemanden, der sich ungerechterweise das nimmt, was ihm gar nicht gehört: „Du nimmst, was du nicht hingelegt hast, und erntest, was du nicht gesät hast.“
Stimmt das? Soweit wir wissen, nicht. Der Umgang des Herrn mit den anderen beiden Knechten war von Wertschätzung und Großzügigkeit geprägt. Warum sagt der Knecht dann so etwas? Warum betont er die Strenge seines Herrn?
Weil er damit seine Bequemlichkeit und Gleichgültigkeit rationalisiert. Genau das bringt der Herr jetzt zum Ausdruck.
Die Anklage des Herrn und die Selbstverurteilung des Knechts
Lukas 19,22-23: Er spricht zu ihm: „Aus deinem eigenen Mund werde ich dich richten, du böser Knecht! Du wusstest, dass ich ein strenger Mann bin. Ich nehme, was ich nicht hingelegt habe, und ernte, was ich nicht gesät habe. Warum hast du mein Geld nicht auf eine Bank gelegt? Dann hätte ich, wenn ich zurückkomme, es mit Zinsen eingefordert.“
Der Knecht wird als böser Knecht bezeichnet. Warum ist er böse? Weil er nicht nur faul und sorglos ist, sondern auch unehrlich. Wenn er wirklich geglaubt hätte, dass sein Herr ein strenger Mann ist, hätte er anders handeln müssen. Er hätte das Geld zumindest bei einer Bank anlegen sollen. Dann hätte sein Herr bei seiner Rückkehr Zinsen erhalten.
Doch das tut er nicht. Stattdessen behauptet er, er habe sich vor der Strenge seines Herrn gefürchtet. Versteht ihr den Widerspruch? Wenn er sich wirklich gefürchtet hätte, hätte er einen ungefährlichen Weg gefunden, das Geld seines Herrn wenigstens ein wenig zu vermehren. Vielleicht hätte er nicht gewagt, damit zu handeln, um Verluste zu vermeiden. Aber gar nichts zu tun und dann auf den vermeintlich strengen Charakter des Herrn zu verweisen, das verurteilt ihn selbst.
Das Problem liegt nicht in der Strenge des Herrn. Das Problem ist der Charakter des bösen Knechts. Er wollte nichts tun. Jetzt geht es ihm nur darum, eine halbwegs vernünftig klingende Ausrede zu finden. Dabei bleibt offen, ob er inzwischen selbst glaubt, was er da sagt.
Böse Menschen sind Meister darin, sich selbst zu betrügen und sich alles Mögliche einzureden. Arbeitsscheu, unüberlegt und unehrlich – vielleicht nicht einmal ehrlich zu sich selbst – so ist dieser Knecht.
Die Konsequenzen für den untreuen Knecht und das Prinzip der Belohnung
Lukas 19,24: Und er sprach zu den Dabeistehenden: Nehmt das Pfund von ihm und gebt es dem, der die zehn Pfunde hat.
Wir wissen nicht genau, wer die Dabeistehenden sind, vielleicht die übrigen Knechte. Ursprünglich waren es ja nicht nur drei, sondern zehn Knechte. Der Knecht, der seinen Auftrag nicht erfüllt hat, verliert sein Pfund. Der erste erfolgreiche Knecht bekommt zu seinen zehn Pfund Gewinn noch das eine Pfund hinzu.
Lukas 19,25-26: Und sie sprachen zu ihm: Herr, er hat ja schon zehn Pfunde. Ich sage euch: Jedem, der hat, wird gegeben werden. Von dem aber, der nicht hat, wird selbst das weggenommen, was er hat.
Merkt ihr, wie es den Dabeistehenden sauer aufstößt, dass gerade der, der schon zehn Pfund hat, nun elf Pfund bekommen soll? Wie antwortet der Herr darauf? Er stellt den Dabeistehenden ein Prinzip vor.
Das Prinzip der Verantwortung und der Folgen von Untätigkeit
Jedem, der da hat, wird gegeben werden. Von dem aber, der nicht hat, wird selbst das weggenommen, was er hat. Worum geht es hier?
Jedem, der da hat, wird gegeben werden – das ist einfach zu verstehen. Wer fleißig mit seinem Pfund gehandelt hat, bekommt von Gott nicht nur Lob und Ansehen, sondern auch einen Bonus. Das bedeutet: Es lohnt sich, fleißig zu sein. Diese Botschaft ist klar: Der Bonus ist für den, der mit den zehn Pfund gearbeitet hat, nicht für den mit den fünf Pfund.
Was der Herr hier tut, ist ganz einfach: Er motiviert seine Knechte. Nächstes Mal, wenn du ein Pfund bekommst, leg dich richtig ins Zeug. Dann bekommst auch du einen Bonus. Merken wir uns das gut: Gott ist ein Gott, der fleißige Knechte schätzt.
Es gilt aber auch: Von dem, der nicht hat, wird selbst das weggenommen, was er hat. Wer also nichts dazugewonnen hat, verliert am Ende auch das, was ihm anvertraut wurde – das eine Pfund.
Warum ist das wichtig? Dieses eine Pfund steht für den Auftrag oder die Berufung, die der Knecht erhalten hatte. Vor diesem König reicht es nicht aus, nur berufen zu sein. Man muss auch die Aufgaben erledigen, die man bekommt, sonst werden sie einem wieder weggenommen.
Am Ende steht man dann ganz ohne Aufgabe da. Weder hat man ein Pfund, mit dem man Handel treiben könnte, noch eine Stadt, die man im Auftrag des Herrn regieren darf. Vielmehr wird dann die eigene Nutzlosigkeit für alle Anwesenden offenbar.
Persönliche Reflexion und Abschluss
Was könntest du jetzt tun? Frage dich einmal ganz ehrlich, wie nützlich du für das Reich Gottes bist. Nutzt du die dir gegebenen Möglichkeiten?
Ist das schon alles für heute? Der wichtigste Tipp lautet: Lerne Bibelverse auswendig. Das Wort Gottes muss ins Herz und durch gute Gewohnheiten in den Charakter eingeprägt werden.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
