
Himmelfahrt und Ermutigung: Gott steht ... seiner Gemeinde bei, wo sie sich nach Ermutigung sehnt!
Apostelgeschichte 1,9-1117.05.2012
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Begrüßung und Hinführung zum Thema
So, guten Morgen allerseits! Es ist schön, wieder bei euch zu sein, und auch viele bekannte Gesichter zu sehen.
Mit CFI verbindet uns ja auch einiges. Immer wieder sind es Leute, die in die Mission gehen und vorher in Kurzbibelschulen bei Fackelträgern waren. So haben wir eine Verbindung.
Danke, es ist ein gutes Werk getan für heute, es passt.
Das Thema für den Morgen ist Himmelfahrt und Ermutigung. Um diese beiden Dinge soll es eigentlich gehen.
Der Bibeltext, den wir dazu lesen werden, ist der Himmelfahrtstext aus Apostelgeschichte 1,9-11. Den nehme ich jetzt einmal heraus, und dann beginnen wir hier.
Der Himmelfahrtsbericht als Ausgangspunkt
Apostelgeschichte 1,9: Als er dies gesagt hatte, wurde er, das ist Jesus, vor ihrem Blickfeld emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und weg vor ihren Augen.
Und als sie gespannt zum Himmel schauten, wie er auffuhr, siehe, da standen zwei Männer in weißen Kleidern bei ihnen. Diese sprachen auch: Männer von Galiläa, was steht ihr hier und seht hinauf zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird so kommen, wie ihr ihn habt hingehen sehen in den Himmel.
Von Kreuzigung bis Himmelfahrt: Die Jünger zwischen Angst und Unverständnis
Die Geschichte von der Himmelfahrt muss man ein wenig im Zusammenhang mit Kreuzigung und Auferstehung sehen. Nach der Kreuzigung hatten sich die Jünger vor den Römern versteckt. Sie hatten Angst, dass sie die Nächsten sein könnten, die gekreuzigt werden. Das ist verständlich.
Nach der Auferstehung ist Jesus den Jüngern erschienen, aber das hatte offenbar nicht allzu viel Wirkung. Wir lesen dann, dass die Jünger wieder fischen gingen, obwohl sie Jesus als Auferstandenen gesehen hatten, so wie früher.
Jesus blieb vierzig Tage lang bei ihnen und erklärte ihnen alles, was das Reich Gottes anbelangt. Aber keiner der Jünger hat wirklich verstanden, worum es geht. Wir lesen in Apostelgeschichte 1,6, dass die Jünger Jesus fragen: Wirst du jetzt das Reich Israels aufbauen, also wiederherstellen?
Jesus korrigiert sie und sagt im Grunde: Nein, nein, nein, ihr habt mich völlig missverstanden. Ihr werdet meine Zeugen sein, angefangen in Jerusalem, in Judäa, in Samaria bis ans Ende der Welt. Es geht um ein weltweites Reich, und ihr seid mitverantwortlich. Das sagt Jesus ihnen: Ihr werdet meine Zeugen sein.
Der Auftrag der Gemeinde statt Blick nach oben
Und dann verschwindet Jesus vor ihren Augen in den Himmel, wie ein Ballon. Und die Jünger schauen verzweifelt nach: Wo geht er jetzt hin? Was ist jetzt los?
Dann kommen zwei Männer und sagen zu den Jüngern: Was steht ihr hier und starrt hinauf zum Himmel? Mir gefällt dieser Satz, weil sie ihnen sagen: Hört auf, in den Himmel hinaufzustarren, sondern schaut nach vorn. Ihr werdet seine Zeugen sein.
Jesus baut seine Kirche, und er tut es durch euch und mit euch. Heute ist es ja oft so, dass wir fragen: Warum lässt Gott das und das zu? Warum hat er nicht eingegriffen, als diese Frau vergewaltigt wurde? Warum hat er nicht eingegriffen, als der bestohlen wurde, und so weiter?
Und die Antwort von Gott ist immer dieselbe. Gott sagt: Warum schaust du hinauf zum Himmel? Ich will helfen, ich will einschreiten. Aber ich gebrauche dich dazu, denn ihr seid mein Leib.
Wir rufen zum Beispiel: Ja, die Leute in Afrika, die brauchen frisches Wasser. Und wir sagen: Gott, die brauchen Wasser. Und Gott sagt: Ja, ich weiß. Und ich will helfen, aber ich gebrauche dich dazu. Du bist mein Leib.
Wir rufen zum Beispiel: Die Menschen in den Slums brauchen Hilfe. Die Kinder, die Jugendlichen, sie brauchen eine Zukunft, eine Hoffnung. Und Gott sagt: Ja, genau das will ich ihnen geben, aber ich brauche halt deinen Leib dazu.
Und wir alle kennen Leute, ob von CFI, meine ehemalige Sekretärin auch, und Mitarbeiter sind mit CFI in Afrika. Die bauen dort Wasserpumpen oder Wasserbrunnen. Eine liebe Freundin von mir ist in Ulaanbaatar in der Mongolei. Sie arbeitet dort unter den Jurten-Slums. Da habe ich sie besucht, als ich in Gefängnissen gepredigt habe, mit Scheideweg.
Und so kann man viele Beispiele nennen, wo Gott sagt: Ja, ich will helfen, aber du bist mein Leib. Er hat sich entschieden, durch dich und mich zu wirken.
Die Dreifaltigkeit als heilsgeschichtliche Bewegung
Mir hat es einmal geholfen, Himmelfahrt und Pfingsten zu verstehen, indem ich die Dreifaltigkeit Gottes aus einer anderen Perspektive betrachtet habe. Das ist jetzt nicht hochtheologisch, aber trotzdem hilfreich.
Stellt euch die Dreifaltigkeit wie drei Akte in einem Theaterstück vor. Akt Nummer eins ist der Vater, Akt Nummer zwei der Sohn Jesus, und Akt Nummer drei der Heilige Geist.
Der erste Akt: Gott der Vater. Im Alten Testament lernen wir Gott kennen als den Schöpfer des Himmels und der Erde. Er ist zwar persönlich, aber zugleich bleibt auch eine gewisse Distanz. JHWH, Jehova, ist involviert, aber er schreitet oft sehr hart ein. Und wenn Gott im Alten Testament eingreift, endet es meistens in einer Katastrophe. Ihr müsst das nachlesen. Insgesamt erscheint Gott im Alten Testament im ersten Akt eher als ein strafender, sehr direkt eingreifender Gott mit katastrophalem Ausgang.
Dann kommt der zweite Akt: Jesus Christus. Gott wird Mensch und begegnet uns in seinem Sohn Jesus. Hier wird besonders seine Barmherzigkeit betont. Er wendet sich dem Sünder in Liebe zu, er vergibt, er heilt. Und in Christus wissen wir jetzt, wie Gott und sein Charakter ist. Übrigens: In Gott gibt es nichts, was nicht wie Christus wäre. Wenn du wissen willst, wie Gott ist, dann schau nur auf Jesus. Und wenn dein Bild von Gott nicht mit dem Bild Jesu übereinstimmt, dann musst du dein Bild von Gott korrigieren.
Wenn du wissen willst, wie Gott über ein Kind denkt, das gerade stirbt, dann schau auf Jesus. Wenn du wissen willst, wie Gott fühlt, wenn eine Witwe hinter ihrem verstorbenen Sohn im Sarg hergeht, dann schau auf Jesus. Dann weißt du, wie Gott denkt. Wann immer ich eine theologische Frage über Gott habe, studiere ich das Wesen Jesu.
Jesus konnte man angreifen, sehen und erleben. Aber Jesus berührte keinen einzigen Menschen in China, in Nordamerika, in Österreich oder Deutschland. Das heißt: Der große Gott hat sich in Jesus geographisch klein gemacht.
Und damit kommen wir zum dritten Akt: der Heilige Geist.
Christus im Geist und in der Gemeinde
Jesus sagt zu den Jüngern: Es ist gut für euch, wenn ich zum Vater gehe. Warum? Denn Jesus sagt: Wenn ich zum Vater gehe, bei der Himmelfahrt Christi, dann komme ich im Heiligen Geist wieder. Dann habe ich nicht nur einen Leib, geboren von der Jungfrau Maria, sondern Millionen Leiber auf der ganzen Welt.
Darum: Starrt nicht in den Himmel und erwartet irgendetwas von dort, sondern macht euch bewusst, Christus wohnt in seinem Leib, der Gemeinde. Und er will Menschen erreichen, er will die Welt retten, aber durch und mit uns.
Die Frage, die sich nun stellt, ist: Wie geht es Gott so mit seinem Leib, mit der Gemeinde Jesu? Wie sind wir unterwegs?
Übrigens, ganz etwas anderes, das muss ich damals fragen: Hast du Gott schon einmal gefragt, wie es ihm geht? Ich weiß nicht, machst du das öfter? Wir sagen ja immer, es ist eine Beziehung. Dann ist es ja nicht schlecht, wenn wir ihn auch mal fragen, wie es ihm geht. Interessiert es uns, wie es ihm geht? Oder ist uns das sowieso egal?
Wenn wir Gott fragen würden: Gott, wie geht es dir immer so? Wie ist dein Tag heute? Ich glaube, Gott würde sagen: Mir, Vater, Sohn und Heiliger Geist, uns geht es recht gut. Wir haben uns immer geliebt. Das ist nicht tragisch, ich hoffe, es beruhigt Sie. Er sagt: Wir haben uns immer geliebt. Der Sohn tut immer das, was der Vater will, der Vater erfreut sich an seinem Sohn. Danke der Nachfrage.
Uns geht es gut, aber wir haben ein Problem mit unserem Leib auf der Erde. Wir haben nämlich einen Leib, in dem wir leben. Wir haben Millionen Füße, die uns gehören, aber sie gehen oft nicht dahin, wo wir gerne hingehen würden. Wir haben Millionen Hände, mit denen wir Gutes tun wollen, aber sie arbeiten meistens nur zum eigenen Vorteil. Wir haben Millionen Zungen, die dieses Evangelium reden sollen, aber oft schweigen sie.
So: Danke der Nachfrage, uns geht es ganz gut, aber wir haben Probleme mit unserem Leib auf der Erde.
Warum Gott mit unvollkommenen Menschen arbeitet
Und wisst ihr, welche Frage ich mir manchmal stelle? Warum vertraut Gott überhaupt seiner Gemeinde, dieser Kirche? Warum hat er überhaupt so einen Plan gemacht? Hätte es keinen besseren Weg gegeben, diese Welt mit dem Evangelium zu erreichen?
Mein Vorschlag wäre zum Beispiel gewesen, Gott sollte ein paar Millionen Engel schicken. Die gibt es. Da gäbe es keine Einreiseprobleme, keine Visaprobleme. Sie müssten nicht finanziell unterstützt werden. Wenn sie bedroht werden, fliegen sie davon. Es wäre alles wesentlich einfacher.
Ausserdem glaube ich: Wenn so ein Engel an der Tür klopft und mit den Flügeln ein bisschen flattert, das wäre doch wesentlich überzeugender, als wenn da so ein Christ wie viele von uns steht und nicht recht weiss, was er sagen soll.
Wenn ich mir so die weltweite Gemeinde Jesu anschaue, kriege ich Kopfschmerzen. Und ich denke mir: Das soll die Gemeinde des allmächtigen Gottes sein? Was hat Gott sich dabei gedacht?
Es gibt zurzeit angeblich etwa 45 verschiedene christliche Gemeinden, Konfessionen und Gruppierungen. 45! Frage: Warum gibt es so viele? Warum gibt es nicht nur die eine katholische oder die eine reformierte oder was auch immer?
Wisst ihr, warum es so viele gibt? Weil ein Christ zur Erkenntnis kommt, dass er eine tiefere Wahrheit erkannt hat als alle anderen, und darum gründet er seine eigene Gemeinde. Nämlich die biblische. Jetzt haben wir 45 verschiedene biblische Gemeinden, alle biblisch, aber alle anders.
Vor ein paar Jahren habe ich in Brisbane in Australien auf einer Konferenz gepredigt. Dann kamen zwei zu mir, und die wollten mich für ihre Gemeinde gewinnen. Sie fanden es nämlich unbiblisch, dass man sich in Kirchengebäuden trifft. Jesaja 66 haben sie mir gezeigt: Gott wohnt nicht in Häusern. Was du sagst, ist ganz gut, aber diese Gebäude sind von Satan, keine Gebäude. Sie wollten mich gewinnen, aber es hat nicht geklappt. Jetzt sind sie immer noch zu zweit.
Ein anderer netter Christ wollte mich überzeugen: Seit dem Holocaust dürfen die Christen nicht mehr die Evangelien lesen, denn das schürt den Antisemitismus. Die Zeit der Evangelien ist abgelaufen. Auch die wollten mich gewinnen. Sie sind immer noch zu dritt.
Wieder ein anderer wollte mich überzeugen, dass die Aborigines, das sind die Ureinwohner Australiens, keine vollwertigen Menschen seien. Er führte immer Bibelverse an, denn Gott schuf am Anfang das Vieh, das sind die Säugetiere, die Griechentiere, das sind die Amphibien, und dann die Tiere oder die Biester, und das sind die Aborigines. Und damit wollte er mich gewinnen.
Und somit haben wir nicht nur 45 Gemeinden, sondern 45. Und man fragt sich: Hat Gott wirklich gewusst, was er da tut? Wenn Jesus sagt: Es ist gut für euch, wenn ich weggehe, dann ist meine Frage wirklich: Warum tut Gott das?
Und ich möchte euch jetzt drei Punkte geben, die uns hoffentlich ermutigen, warum Gott das tut.
Erster Grund: Gottes Handeln braucht keine Rechtfertigung
Erstens muss Gott niemandem etwas beweisen. Gott steht nicht unter Druck, vorweisen zu müssen, wie gut seine Strategie ist.
Ich empfinde es als ein Wunder, dass es die Gemeinde Jesu überhaupt noch gibt, menschlich betrachtet. Und nicht nur das: Die Gemeinde Jesu wächst heute weltweit, und sehr oft nicht wegen der Christen, sondern trotz der Christen.
In Jesaja 55 lesen wir: Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Gedanken sind nicht meine Gedanken. Denn so viel meine Wege höher sind als eure, so sind meine Gedanken höher als eure.
Und dann lesen wir in Jesaja: Mein Wort wird nicht leer zurückkommen. Es wird das tun, wofür ich es gesandt habe.
Ich komme relativ viel herum, was ein großer Segen ist. Und ich habe schon so manchen Prediger und Evangelisten gehört, und ich will da keine Namen nennen, bei dem mir die Haare zu Berge stehen. Innerlich denke ich mir dann: Das ist ja ein Wahnsinn. Aber weißt du was? Irgendwie predigen sie Christus, und Gott verwendet sie.
Das ermutigt mich, selbst weiterzumachen. Das soll kein Freibrief sein, das Evangelium oberflächlich oder gedankenlos zu predigen. Aber es ist eine Ermutigung für mich, dass Gott weit über unser Verstehen hinaus seine Gemeinde baut, mit uns und trotz uns.
Und Gott wirkt auch weit über unsere Begabungen, unser Verstehen und unsere Fähigkeiten hinaus. Es soll auch unser Vertrauen stärken, dass Gott sogar durch falsche Motive wirken kann.
Mir gefällt Paulus in Philipper 1 zum Beispiel. Da sagt er über andere Verkündiger, dass einige aus Neid, aus Streitsucht und aus Eigennutz predigen. Und dann sagt Paulus: Aber wisst ihr was? Was macht es denn? Hauptsache, Christus wird gepredigt. Ob sie es aus Eigennutz tun, aus falschen Motiven oder aus Neid, ist völlig egal.
Zweiter Grund: Die scheinbar Schwachen sind unverzichtbar
Auf meinen Reisendiensten habe ich in den letzten zwanzig Jahren nicht nur viele Prediger gehört, ich habe auch viele Chöre gehört. Gerhard Schnitte ist heute da, habe ich auch gehört. Er war ganz gut.
Aber ich habe auch einige Chöre gehört, die ein Stück aufgeführt haben, das sie nicht hätten aufführen sollen. Es war nämlich zu schwierig für ihr Können, und das hat ein bisschen weh getan. Da führt zum Beispiel ein Chor, der nicht sehr gut ist, Beethovens neunte Sinfonie auf, und das klingt etwas holprig. Aber eine Anmerkung: Wir dürfen deshalb nicht Beethoven beschimpfen. Beethoven war gut, aber nur weil der Chor es nicht gut macht, brauchen wir nicht über Beethoven zu schimpfen.
Andererseits hätte dieser Chor Beethoven nie so holprig aufgeführt, wüssten viele Menschen gar nicht, dass es Beethoven überhaupt gibt. Seht ihr, ich schätze durchaus Gabentests und so weiter, die sind nicht unwichtig. Aber ich bin so dankbar, dass Gott weit über unsere Gaben hinaus in der ganzen Welt wirkt. Und das soll uns ermutigen, hinauszugehen, auch wenn wir jetzt nicht zu den fähigsten oder begabtesten Leuten gehören, so wie es in der Welt oder auch manchmal unter Christen gesagt wird, dass es sein sollte.
Duli, jetzt habe ich ein Problem. Wann habe ich angefangen? Ja, aber ich muss ja wissen. Ja, ist egal, ich mache fertig.
Also erstens: Gott muss niemandem etwas beweisen, das muss uns bewusst sein. Zweitens ist es für mich so ermutigend: Jene Glieder am Leib Jesu Christi, in denen er lebt, und die oft in dieser Welt als schwach oder schwächer erscheinen, sind die, die absolut notwendig sind.
In 1. Korinther 12 haben wir eine Beschreibung über die verschiedensten Gaben im Leib Jesu. Da beschreibt Paulus, dass wir alle verschieden sind, und er vergleicht uns mit einem menschlichen Körper. Mein Körper besteht ja auch nicht nur aus einem einzigen Bestandteil, sondern aus vielen. Ich habe Fuß, Hand, Ohr, Auge, Gehör, Nase und so weiter. Was wäre das für ein Leib, wenn nur eine riesige Nase wäre mit zwei Löchern? Das wäre Wahnsinn, wenn man sich das mal so vorstellt. Aber so beschreibt das Paulus.
Und dann sagt Paulus: Wir sind viele Glieder, aber wir sind ein Leib. Und er sagt, kein Glied am Körper kann zu einem anderen sagen: Hau ab, dich brauche ich nicht. Nein, jedes braucht das andere. Und dann sagt Paulus in 1. Korinther 12, dass gewisse Glieder am Leib Jesu schwächer zu sein scheinen als andere. Er nennt sie die sogenannten weniger ehrbaren Glieder am Leib. Und das sind aber die Wohlanständigen.
Ich lese euch das vor, nur zwei Verse: 1. Korinther 12,21. Das Auge kann auch nicht zur Hand sagen: „Ich brauche dich nicht“, oder wiederum das Haupt zu den Füßen: „Ich brauche euch nicht.“ Sondern gerade die Glieder des Leibes, die schwächer zu sein scheinen, sind notwendig. Und die uns weniger ehrbar am Leib zu sein scheinen, die umgeben wir mit größerer Ehre.
Was heißt das? Zum Beispiel wird hier das Auge genannt als das angenehme, das ehrbare Glied. Und das stimmt auch bei dir und mir, bei den meisten zumindest, speziell bei den Frauen. Das Auge bekommt in der Früh bei meiner Frau, die heute da ist, immer besondere Aufmerksamkeit. Die Frauen lernen sich die Augenbrauen anfärben und die Wimpern, Lidschatten habe ich alles gelernt. Kajalstift hat sie mir heute früh gesagt, manche nehmen Farblinsen, damit es zum Outfit passt, und so weiter. Alles, um das Auge hervorzuheben. Warum? Weil jeder das Auge sieht. Das ist dasjenige Teil, das wir präsentieren.
So wie ich als Prediger. Ich werde sehr oft wie ein Auge behandelt. Magst du nur einen Kaffee? Ja, sehr gut, ich hoffe, es bleibt so. Ist ja ganz nett. Andere hier, ja, die geht man einfach vorbei, weil ich bin das Auge. Und der andere, ja, der ist halt nicht so bekannt oder was immer. Aber das ist interessant.
Interessanterweise kann ein Mensch ohne Auge leben. Ich habe einen Bergsteiger, den ich sehr bewundere. Sein Name ist Andy Holzer. Er ist seit Geburt blind, und er hat alle sieben Summits, die höchsten Berge der Welt, als vollkommen blinder Bergsteiger gemacht. Er hat schwierige Routen gemacht, zum Teil schwerere als ich gemacht habe. Als völlig blinder Bergsteiger. Er ist ein positiver Mensch. Letztlich wurde er bei einem Interview gefragt: Wie viele Berge machen Sie noch? Er hat gesagt: Ich mache gar keine, das macht Gott. Ich besteige sie höchstens.
Das heißt, interessanterweise kann ein Körper ohne Auge leben. Und wenn man einen Arzt fragt: Ja, was ist nun der Körperteil, ohne den ein Körper nicht leben kann? Zum Beispiel die Niere. Ohne die Niere gehst du nach ein paar Tagen zugrunde. Die Niere ist ein Teil, ohne das der Körper nicht leben kann. Und genau das, glaube ich, sagt Paulus hier.
Die Niere habe ich heute nicht besonders gepflegt. Aber auf die muss ich besonders Acht geben, denn sie ist die lebensnotwendige. Und wisst ihr, im Reich Gottes ist es manchmal so, dass die Augen die ganze Aufmerksamkeit kriegen, und jene Glieder, die eigentlich die notwendigen sind, die Nieren, werden oft übersehen. Jene, die die Gebäude sauber halten, ob das Kirche ist, ob das ein Gemeindehaus ist, ob das ein Haus ist, ein Wohnhaus, die nach dem Kaffee wieder zusammenräumen, das Essen machen.
Bei uns am Zentrum am Dauernhof ist die wichtigste Person nicht ich, sondern der Koch. Wenn der nicht da ist, kommt niemand mehr. Wenn ich nicht da bin, kommen sie trotzdem. Seht ihr, was ist notwendig, was brauchen wir unbedingt zum Leben? Auf einer Mission, ich war auf mehreren, hatte ich das Vorrecht, die Frauen von einem Missionar zu sehen, die einfach ihre drei, vier Kinder hochbringt, die niemand dort beachtet, weil sie kulturell nichts Besonderes ist. Aber ohne sie geht es überhaupt nicht, und so weiter.
Und wenn du ein Glied bist, das eine Niere ist, das nicht immer geschminkt wird: Freu dich am geschminkten Auge. Und wenn du ein Auge bist, dann vergiss nicht, dass das wirklich notwendige Glied am Leib die Niere ist, nicht das Auge.
Dritter Grund: Ermutigung bewahrt das Herz
Hebräer 3,13 sagt uns der Schreiber: Ermutigt einander jeden Tag, solange es heute heißt, damit nicht jemand von euch verhärtet werde durch den Betrug der Sünde.
Freunde, eines sollten wir lernen: uns gegenseitig zu ermutigen. Und da ist die deutsche Kultur und die österreichische nicht sehr gut. Da sind die Amerikaner viel besser. Die wissen, wie man sich ermutigt. Wir denken es nur, aber wir sagen es nicht. Wir leiden immer noch unter der Frankfurter Schule: Nichts gesagt ist genug gelobt, sagen wir. Wir sagen: Wenn ich den lobe, dann glaubt er wieder, er sei stolz.
Freunde, das ist Unsinn. Wenn jemand etwas gut macht, ob Niere oder Auge, dann geh hin und sag es ihm. Denn wenn du es nur denkst, dann weiß er es nicht. Das müssen wir lernen.
Ermutigt einander jeden Tag, solange es heute heißt, damit nicht jemand verhärtet werde durch den Betrug der Sünde. Wisst ihr, was geschieht, wenn wir uns nicht ermutigen? Unser Herz wird hart. Und in Kirchen sitzen viele harte Menschen. Sie sitzen immer da, aber sie sind hart geworden. Da kommt nichts Ermutigendes, da kommt keine Liebe. Das ist Herzenshärte, und das kommt, wenn man den anderen nicht ermutigt, egal ob du Niere oder Auge bist. Das dürfen wir lernen.
Die Gemeinde ist nicht der Erlöser
Dritter und letzter Punkt: Ist das noch gestattet, Uli? Alles klar.
Ich bin auch sehr froh. Wir sind nicht die Gemeindebauer, sondern wir sind die Bausteine. So sehr es stimmt, dass wir der Leib Jesu sind und Christus in und durch uns in dieser Welt wirkt, keine Frage, müssen wir gleichzeitig aufpassen, die Arbeit im Reich Gottes nicht auf uns zu reduzieren.
Denn dann hört man diese Slogans, die es immer wieder mal gab, wo wir dann als Christen sagen: Ja, Gott ist ja völlig auf uns angewiesen. Gott hat keine Füße außer unseren Füßen, er hat keine Hände außer unseren Händen, er hat keinen Mund außer unserem Mund. Und man bekommt den Eindruck, ohne uns wäre Gott sowieso verloren.
Die Sache ist die: Wenn wir glauben, wir seien die Gemeindebauer, dann erzeugt das wahnsinnig Stress. Und ich glaube, es ist ein Grund für viele Burn-outs in christlichen Gemeinden heute. Ich nenne es den sogenannten Messias-Komplex. Wenn wir glauben, der Messias sein zu müssen, das hältst du nicht aus, weil du nicht der Messias bist. Der Weltenretter ist Christus, und sonst niemand.
Ja, er gebraucht uns, Gott sei Dank, schön, dabei zu sein. Aber ich bin nicht der Verantwortliche, diese Welt zu retten. Das ist Gott selbst.
Ich habe im Dauernhof, im Vortragsraum, zwei Bibelverse. Die habe ich von Wiedenest gestohlen. Da ist auch so. Ich bin nicht sehr originell, ich stehle immer nur alles, was ich gut sehe.
In Matthäus 16,18 sagt Jesus: Ich werde meine Gemeinde bauen. In Apostelgeschichte 1 heißt es: Ihr werdet meine Zeugen sein. Ich werde Gemeinde bauen, sagt Jesus, und ihr werdet meine Zeugen sein, wie ich baue.
Wir sind nicht die Bauenden, sondern wir sind die Bausteine. 1. Petrus 2,5 sagt, wir sind die lebendigen Steine, die zu einem geistlichen Haus gebaut werden. Das heißt: Ich bin ein Stein in diesem Gebäude. Epheser 2,20 lesen wir: Wir sind in Christus zusammengefügt, und der Bau wächst. Christus ist der Eckstein, der alles hält.
Wir bauen nicht Gemeinde, wir sind Gemeinde, gehalten durch den Eckstein Jesus Christus. Und er wirkt, Gott sei Dank, weit über unsere Vermögen hinaus.
Treue im Kleinen und die Kraft Christi
Paulus war so begeistert von dieser Wahrheit, dass das immer wieder durchdringt. Ich lese nur Kolosse 1,29. Als letzten Vers möchte ich den noch vorlesen: Kolosse 1,29. Da sagt Paulus: „Wozu ich mich auch bemüht habe und ich ringe kämpfend, ich ringe kämpfend, ja, wir ringen kämpfend.“ Und dann sagt er: „Ich ringe mit der Kraft dessen, der in mir kräftig wirkt.“
Paulus sagt: Ja, ich ringe, ich kämpfe, aber nicht mit meiner Kraft. Und darum hatte Paulus kein Burnout. Das heißt, als Christen kämpfen wir nicht mit geballten Fäusten und verkrampfter Anstrengung. Ich muss mich nicht selbst bemitleiden, weil ich ja so viel mehr tue als die anderen. Ich kämpfe in seiner Kraft, die in mir wirkt, und die Last und die Verantwortung des Ergebnisses ist nicht meine Verantwortung, sondern allein seine. Und das macht mich so entspannt in dem, was ich tue als sein Botenjunge.
Alles, was wir tun müssen und tun können, ist, treu an dem Platz zur Verfügung zu stehen, wo Gott uns hingestellt hat. Weil manchmal kriegt man ein bisschen Stress, wenn man rumkommt. Letztes Jahr durfte ich in Afrika sein, auch mit Anne Lore in Tansania bei den Wiedenestern. Da denkst du, da wäre viel zu tun, da könnte ich auch bleiben. Vor ein paar Jahren war ich in Rio bei Straßenkindern, wo ich geholfen habe bei der Ausbildung. Da denkst du, da wäre viel zu tun, das wäre nicht schlecht, wenn ich hier bleibe. In der Mongolei bei den Gefängnissen denkst du, das wäre super, da könnte man viel tun.
Was ich tun muss, ist, Gott zu fragen: Gott, wo willst du mich haben? Und an diesem Ort will ich treu sein und das geben, was ich geben kann. Mehr nicht. Ich bin nicht der Messias, ich bin Glied am Leib Jesu Christi. Ich möchte ihn wirken lassen, ich möchte aus seiner Kraft wirken und leben und treu sein an dem Ort, wo er mich hinstellt.
Schlusswort und Gebet
Und ich schließe mit einer Art Spruch, den ich vor Jahren gelesen habe. Den Autor kenne ich nicht. Er lautet einfach:
Wenn der Herr dir viel anvertrauen will, dann führt er dich so, dass du bei jedem Schritt sagst: „Herr, ich kann es nicht. Herr, es ist unmöglich. Herr, ich schaffe es nicht.“ Und er antwortet: „Geh in dieser meiner Kraft, alles ist bereit, komm!“
Und das will ich, dass mein Lebensmotto ist. Das wünsche ich auch euch, und gerade jenen, die auch heute wieder ausgesandt werden und in andere Länder gehen, um Jesus zu bezeugen.
Ich bete noch: Lieber Vater, hab Dank für diesen Morgen. Danke für das Miteinander. Danke für liebe Brüder und Schwestern, die das Werk der Mission mittragen. Danke, Vater, dass wir Teil sein dürfen am weltweiten Leib Jesu Christi. Wenn auch nur ein Tropfen am heißen Stein, und doch ein spezieller Tropfen, ein Tropfen, den du ausrüstest, den du belebst, den du liebst, den du gebrauchst.
Danke, Herr, für alle Nieren. Danke für alle Augen. Danke, dass wir uns gegenseitig schätzen, lieben und achten lernen können in deinem Leib, im Bewusstsein, dass niemand ohne den anderen kann. Und dass das unsere Haltung ist, das bete ich, Vater: Lehre uns darin, in dieser Haltung zu leben!
Amen.
