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Wachsamkeit und Treue im Dienst - Teil 1/2

Matthäus 24,1-25,4616.03.2019
Serie•Teil 1 / 2Wachsamkeit und Treue im Dienst
Treue zeigt sich nicht im großen Auftritt, sondern darin, ob du andere zur richtigen Zeit gut nährst. Wer den Herrn wirklich erwartet, dient ohne Machtspiel und Selbstbetrug.

Einleitung und Hinführung zum Gleichnis

Wachsamkeit und Treue im Dienst
Wachsamkeit habt ihr jetzt alle nötig, und ich möchte gerne aus Matthäus 24 einige Verse lesen. Ich darf also heute Nachmittag über ein Gleichnis des Herrn sprechen, und das liegt mir viel näher als die vielen Endzeichen, Zeichen und Schwierigkeiten, die mit all diesen Datierungen und so weiter verbunden sind.
Ich staune immer wieder darüber, wie Brüder, und gerade auch Roger, das fertigkriegen, alles so auf die Reihe zu kriegen, dass man es versteht und auch nachvollziehen kann. Ich freue mich immer, wenn ich eine bildhafte Geschichte vor mir habe. Da kann ich mich ein bisschen hineindenken. Mein Grips reicht nicht so weit, dass ich jedes einzelne Wort deuten kann, aber wenn ich eine Geschichte vor mir habe, dann wird sie zumindest für mich ein bisschen lebendig.
 Matthäus 24, ab Vers 45 bis 51:
Wer ist nun der treue und kluge Knecht, den sein Herr über sein Gesinde gesetzt hat, um ihm die Speise zu geben zur rechten Zeit? Glückselig jener Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, also tuend findet. Wahrlich, ich sage euch: Er wird ihn über seine ganze Habe setzen. Wenn aber jener böse Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr verzieht zu kommen, und anfängt, seine Mitknechte zu schlagen und isst und trinkt mit den Trunkenen, so wird der Herr jenes Knechtes kommen an einem Tag, an welchem er es nicht erwartet, und in einer Stunde, die er nicht weiß. Und er wird ihn in zwei schneiden und ihm sein Teil setzen mit den Heuchlern; da wird sein das Weinen und das Zähneknirschen.
Ja, ich möchte versuchen, eine kurze Einführung oder Hinführung zu diesem Gleichnis zu schildern. Roger hat das ja schon ausführlich getan und über die Ölbergrede einiges Zusammenhängende gesagt. Ich möchte eines ganz kurz wiederholen, damit wir auch die Platzierung dieses Gleichnisses vielleicht nachvollziehen können, warum der Heilige Geist das so gemacht hat.
Denn in den nächsten drei Vorträgen, die jetzt vor uns liegen, heute Nachmittag und morgen noch ein Vortrag, haben wir drei Gleichnisse vor uns. Und zwar sind das die letzten drei Gleichnisse im Matthäusevangelium, die uns da geschildert werden, bevor in Kapitel 26 die Leidensgeschichte unseres Herrn Jesus anfängt, mit den bekannten Worten: Und es geschah, als Jesus alle diese Reden vollendet hatte, sprach er zu seinen Jüngern: Ihr wisst, dass nach zwei Tagen das Passa ist.
Es ist recht interessant, wenn man die letzten Gleichnisse in den anderen Evangelien damit vergleicht, nur ganz kurz. Markus schildert in Kapitel 13 als letztes Gleichnis zu diesem Zeitpunkt, zwei Tage vor Passa, die Geschichte von einem Menschen, der außer Landes reiste, nachdem er sein Haus seinen Knechten anvertraute und dem Türhüter einschärfte zu wachen. Dieses Gleichnis endet mit den Worten: Was ich aber euch sage, sage ich allen: Wacht.
Entschuldigung, ich habe eben eine falsche Kapitelangabe gemacht. Es ist nicht Kapitel 14, sondern Kapitel 13, dieses letzte Gleichnis in Markus. Da geht es also auch um Wachen.
Lukas berichtet an dieser Stelle kein Gleichnis als Letztes, bevor nun diese zwei Tage da beginnen, sondern er endet seine Endzeitrede mit dem Befehl: Wacht aber zu aller Zeit betend. Da wurden wir heute Morgen schon darauf hingewiesen, dass es hier wirklich um Aufmerksamkeit, um Sachwachsamkeit geht in der letzten Zeit.
Johannes berichtet von keiner Endzeitrede vor der Gefangennahme, sondern er schildert das ergreifende Gebet unseres Herrn Jesus, das er zu seinem Vater spricht, Kapitel 17, und praktiziert damit das, was er den Jüngern befohlen hat: Wacht aber zu aller Zeit betend, Lukas-Zitat. Also, Jesus schildert keine Endzeitreden, er ist nur noch mit seinen Jüngern beschäftigt und damit seinem Vater beschäftigt in Kapitel 17 und betet, bevor es dann zu der Begegnung kommt mit den Soldaten und mit Judas usw.
Ich finde das ganz interessant, wie jeder Evangelist entsprechend seinem Charakter diese Szenen hier schildert.

Der Platz des Gleichnisses in der Ölbergrede

Ja, kurz zu Kapitel 24 noch einmal. Roger hatte uns gestern da schon ein bisschen geschildert, und ich kann das ganz kurz machen: die Szene, wie die Jünger mit dem Herrn Jesus aus dem Tempel kommen und ihm dann den Tempel oder die Gebäude des Tempels zeigen wollen. Das ist ja auch eigenartig. Da wollen die Jünger dem Herrn Jesus einmal zeigen, wie der Tempel aussieht. Es ist fast zum Grinsen, wenn man sich das so vorstellt. Herr Jesus, kann man dir noch etwas aus dem Tempel oder von dem Tempel zeigen? Welch eine Geduld, dass der Herr Jesus so mit sich umgehen lässt.
Und dann gehen sie vom Tempel hinweg. Ich stelle mir vor, dass er im Weggehen noch einmal zurückblickt, dann auf die Gebäude zeigt und den Jüngern sagt: Wahrlich, ich sage euch, hier wird nicht ein Stein auf dem anderen gelassen werden. Markus schildert diese Szene etwas dramatischer. Ich zitiere: Und als er aus dem Tempel heraustritt, sagte einer der Jünger zu ihm: Lehrer, siehe, was für Steine und was für Gebäude! Also total beeindruckt, um dem Herrn Jesus das vor Augen zu halten, was hier doch wirklich für ein wunderbarer Tempel steht.
Roger erwähnte, dass das wohl eines der gewaltigsten und größten Bauwerke der damaligen Zeit war, oder eines der prächtigsten. Aber da sehen wir, dass sich der Herr Jesus nicht aufhalten lässt. Er sieht den großartigen Tempel mit ganz anderen Augen und Gefühlen. Er verlässt den Tempel und wird diesen Tempel nie wieder betreten, und seine Stimme wird dort im Tempel auch nie wieder gehört werden.
Dann setzt er sich mit den Jüngern auf den Ölberg und hält dort diese Endzeitrede, die aus drei Teilen besteht. Das haben wir auch schon ein bisschen gemerkt. Der erste Teil waren die Zeichen der letzten Zeit, anfangend von den gläubigen Juden damals in den ersten Jahrzehnten der Christenheit. Und es geht ein bisschen hin zur Wiederkunft des Herrn in Macht und Herrlichkeit, auch wieder mit der Mahnung zu wachen.
Ein zweiter Teil, Matthäus 24,45, den wir jetzt gerade gelesen haben und den wir dann näher ein bisschen ansehen möchten, bildet einen Einschub oder beginnt einen Einschub von drei Gleichnissen. Als würde der Herr Jesus hier praktisch seine Rede jetzt einmal unterbrechen und etwas einschieben. Und zwar drei Gleichnisse, in denen der Herr Jesus hier in unserem Gleichnis, das wir gelesen haben, als Herr über sein Gesinde geschildert wird. In dem nächsten Gleichnis, darüber wird Martin Fedder sprechen, wird er vorgestellt als Bräutigam. Und im dritten Gleichnis, das morgen früh wieder drankommt, als Herr über seine Knechte. Das finde ich sehr interessant.
In allen drei Fällen ist der Herr Jesus in diesem Gleichnis abwesend, also der Herr abwesend, als Bräutigam noch nicht anwesend und im dritten Gleichnis außer Landes. Ich glaube, dass es einige Gründe gibt, anzunehmen, dass diese drei Gleichnisse nicht auf eine ganz bestimmte Zeit gemünzt sind, aber vielleicht doch besonders auf die Zeit der Gemeinde und der Christenheit, in der der Herr Jesus nicht anwesend ist. Er ist außer Landes, könnte man sagen, aber seine Wiederkunft steht bevor.
Und dann im dritten Teil, Matthäus 25,31-46, da geht es dann um alle Nationen oder um alle Völker oder Heidenvölker, wie Luther übersetzt, die vor dem Thron der Herrlichkeit versammelt werden, wo das Gericht stattfindet und die Schafe von den Böcken geschieden werden. Das haben wir zum Schluss dann auch noch gehört.
Das finde ich also sehr, sehr interessant, dass mitten in diesen ganzen Endzeitreden plötzlich ein Block kommt, in dem der Herr Jesus uns so ein bisschen zur Seite nimmt und uns eine Lektion mitteilen will, die für unsere Gegenwart sehr, sehr wichtig ist.

Die drei Gleichnisse und ihr gemeinsamer Schwerpunkt

Liberale Ausleger haben riesige Probleme mit der Auslegung dieses Kapitels 24, der Ölbergrede. Ich denke an Barclay, falls der euch bekannt ist. Er wird ja als evangelikal bezeichnet, kommt da aber total ins Schleudern, um die Dinge einzuordnen. Aber auch bibeltreue Ausleger, wie zum Beispiel die Wuppertaler Studienbibel, die weitgehend doch unbedingt bibeltreu ist oder sein möchte, und auch diese sogenannten Bundestheologen, die die Ersatztheologie vertreten, haben natürlich enorme Schwierigkeiten, hier mit diesen Endzeitreden und mit diesen Prophezeiungen etwas anzufangen und das einzuordnen.
Sie deuten diese Kapitel ganz anders, wie wir das heute Vormittag gesehen haben, je nachdem, welche Brille sie aufhaben. Es gibt also ganz viele Variationen, diese Kapitel, diese Verse auszulegen.
Heute Nachmittag, in zwei Vorträgen, morgen geht es um diesen mittleren Teil, um diese Gleichnisse: Im ersten, über das wir jetzt nachdenken, geht es um den treuen Knecht und auch um einen bösen Knecht. Im zweiten, im nächsten Vortrag, geht es um die zehn Jungfrauen, fünf töricht, fünf klug. Und im dritten, morgen Vormittag, geht es um treu und untreu im Umgang mit den anvertrauten Talenten. Das sind drei Gleichnisse mit drei Schwerpunkten oder drei Themen.
Hier in unserem jetzigen Gleichnis geht es um den Innendienst, wenn ihr versteht, was ich meine, an dem Gesinde, also nicht Gesindel, sondern Gesinde. Das ist die Elberfelder Bibel, Schlachter übersetzt Dienerschaft. Das ist natürlich sehr richtig. Also geht es um alle, die sich in diesem Haus befinden. Da geht es um gute Versorgung, Nahrung. Daraus ergibt sich auch ein gutes Klima im Haus des abwesenden Herrn. Das ist also der Schwerpunkt dieses Gleichnisses.
Das Zweite, was nachher kommt, da geht es vor allem um Wachsamkeit in Bezug auf die Erwartung des noch abwesenden Bräutigams. Darüber wird Martin sprechen, wie gesagt. Und im dritten Gleichnis morgen Vormittag geht es um den Außendienst der Knechte des abwesenden Herrn und ihren Lohn am Tag der Wiederkunft und des Preisgerichtes oder der Abrechnung.
Also noch einmal: In diesen drei Gleichnissen geht es weniger um den prophetischen Ablauf, nicht um prophetische Ereignisse, sondern vor allem um den Charakter, die Herzenshaltung und die Gesinnung der Knechte und der Jungfrauen. Und deswegen ist das, meine ich, auch ein sehr praktisches Kapitel für uns, oder dieser Abschnitt für uns, die wir hier sitzen.

Versorgung, Nahrung und geistliche Verantwortung

So, jetzt endgültig zu unserem ersten Gleichnis: dem treuen und klugen Knecht und dem bösen Knecht.
Was auffällt, ist, dass der Herr Jesus dieses erste Gleichnis nimmt und von dem Innendienst spricht, von der Versorgung mit der richtigen Speise zur richtigen Zeit, und nicht zuerst von den missionarischen Aufgaben, die wir haben, um mit unseren Talenten in dieser Welt zu wuchern. Können wir daraus eine Schlussfolgerung für uns ziehen? Vielleicht ist es doch eine Andeutung des Herrn, dass die Versorgung und Ernährung des Gesindes, also der Dienerschaft, dem Herrn wichtiger ist als der Außendienst, um weitere Talente zu erwirtschaften oder zu gewinnen.
Und ich möchte es auf jeden Fall so auf uns anwenden. Denn man hat doch den starken Eindruck, dass dem Herrn Jesus hier vorrangig wichtig ist, dass das Gesinde, die Dienerschaft, gut genährt, gut bewahrt wird und wirklich in einem guten Zustand ist. In Epheser 5 kennen wir den wichtigen Vers 29, dass Jesus Christus seine Braut nährt und pflegt. Das ist also ein vorrangiges Ziel in seinem Dienst an uns. Der gute Gesundheitszustand, die gute Ernährung seiner Gemeinde ist ein sehr, sehr wichtiges Anliegen. Und das sollte auch uns ein wichtiges Anliegen sein.
Nicht Evangelisation ist die wichtigste Aufgabe der Gemeinde, sondern die Anbetung Gottes und die Ehre Gottes, dann die Stärkung und Ernährung der Gemeinde. Und das ist die Voraussetzung für Missionen, Diakonie, Evangelisation usw. usw. Könnt ihr das nachvollziehen? Ich meine, den meisten von uns ist das sowieso klar. Aber in der allgemeinen evangelikalen Szene würde man sagen: Was ist die wichtigste Aufgabe der Gemeinde? Natürlich Evangelisation und Mission. Und das ist ja auch nicht verkehrt, wenn man dafür ein großes Interesse hat. Ganz im Gegenteil, wir freuen uns ja darüber. Aber in Gottes Augen ist die Gemeinde für ihn zunächst einmal das Wichtigste, dass sie gut ernährt wird, gepflegt wird und dann auch in der Lage ist, glaubwürdig zu evangelisieren und zu missionieren.
Gemeindeprogramme wie ICF oder Willow Creek oder City Church usw. haben heute in unserer Zeit enormen Zulauf durch ein sehr attraktives Programm, um vor allem Außenstehende anzuziehen. Kirche für die Welt, sagt man gerne. Man möchte Nichtchristen anziehen und begeistern, und man entwickelt auch ein super Programm, wirklich ausgetüftelt und trainiert und gemacht. Einige Brüder hier unter uns waren dabei, und die können euch das auch mal erzählen, wie sie sich da abquälen müssen und wie sie pauken müssen und auswendig lernen müssen, um eine Moderation zu machen, und darüber das Bibellesen und Beten vergessen.
Ich habe vor einigen Wochen noch mit einem jungen Bruder gesprochen, das ist ein Familienvater, so ganz jung ist er auch nicht mehr. Der war in der ICF-Bewegung bekannt und war ein ausgezeichneter Musiker und was nicht alles. Der sagte mir, er wäre mit seiner ganzen Familie geistlich draufgegangen, weil er einfach nicht mehr Zeit fand, um die Bibel zu lesen, um zu beten, um irgendwie Gemeinschaften zu erhalten, um zu dienen. Dort in dieser ICF-Gemeinde oder in den ICF-Gemeinden hat er sein geistliches Leben, seine geistliche Kraft verloren. Sinn der Sache.
Aber diese Gemeinden, und das wird auch jeder bestätigen, der sich da ein bisschen auskennt, haben eine unwahrscheinliche Fluktuation. Das heißt, es ist ein Kommen und Gehen dort. Und viele, wie auch hier die beiden Freunde unter uns und auch der, von dem ich eben erzählt habe, die sind dann auch mit der Zeit so frustriert, dass sie nicht mehr lange da bleiben. Sie brauchen Speise. Und manchmal, auch um ihr geistliches Leben über Wasser zu halten, trennen sie sich dann von der Bewegung und schließen sich einer Gemeinde an, wo hoffentlich feste Speise geboten wird, wie ich auch annehme.
Also es geht nicht um Spaß und Unterhaltung auf Kosten gesunder Ernährung. Noch einmal: Die Gemeinde oder die Kirche ist nicht zuerst für die Welt da, für die Menschen, sondern vor allem für den Herrn da und dann für die Kinder Gottes da. Und wenn das klar ist, ergibt sich von selbst dann auch eine kraftvolle und glaubwürdige Evangelisation.

Der Dienst des Wortes und die rechte Nahrung zur rechten Zeit

In Hebräer 3,6 wird Christus als Herr seines Hauses vorgestellt. Wir haben hier auch einen Haushalt vor uns, und da wird gesagt, dass dessen Haus wir sind, wir Christen. Uns allen ist klar: Es geht hier nicht um ein Gebäude, sondern um ein geistliches Haus, um die Menge der Gläubigen, die sich als Gemeinde versammeln und verstehen.
Und genau dieser Herr, unser Herr, hat treue und kluge Knechte für sein Gesinde, für seine Dienerschaft, bestimmt. Was sind das für Leute? Das sind Brüder, die als Älteste, als Führer oder Leiter die Aufgabe haben, die Gemeinde mit guter, gesunder Speise zu ernähren. Und das soll auch ein wenig der Schwerpunkt sein in dem, was ich hier heute sagen möchte.
Paulus spricht in 1. Korinther 4 davon, von sich und seinen Mitarbeitern: Dafür halte man uns für Diener Christi und Verwalter der Geheimnisse Gottes. Und er fügt hinzu: Im Übrigen sucht man hier an den Verwaltern, dass einer für treu befunden werde. Darum geht es dem Herrn, darum geht es dem Apostel Paulus.
Als es in der jungen Gemeinde in Jerusalem Unruhe wegen sozialer Unterschiede gab, ihr kennt die Geschichte dort mit der Versorgung der Witwen und so weiter, und dann ein großer Handlungsbedarf aufkam, da sagten die Apostel etwas sehr Interessantes: Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen; wir aber werden im Gebet und im Dienst des Wortes verharren. Apostelgeschichte 6,2 und 4.
Ist es nicht interessant, dass die Apostel großen Wert darauf legen, dass sie beim Wort Gottes verharren beziehungsweise dass sie das Wort Gottes nicht vernachlässigen? Wie sieht das aus, wie kann das aussehen? Ist es möglich, dass wir heute auch hier unter den anwesenden Brüdern das Wort Gottes vernachlässigen, weil so viele andere Aufgaben in der Seelsorge oder Organisation, ich weiß nicht was, vorhanden sind? Und man tatsächlich, wie mir jetzt noch ein guter Freund und begabter Bruder sagte, wenn er die Bibel am frühen Morgen liest, dann liest er sie für andere, um daraus eine Predigt zu machen. Oder ein anderer hat keine Zeit mehr, um bei dem Wort Gottes zu verharren, um dann, wie wir gleich noch hören werden, alles Neue dann auch wirklich anbieten zu können.
Aber in der tragischen Situation wussten die Apostel ganz genau: Bei uns kommt alles darauf an, dass wir das Wort Gottes nicht vernachlässigen, und wir werden im Gebet und im Dienst des Wortes verharren. Und da finden wir wieder die beiden Dinge. Gebet gehört dazu oder ist eine Voraussetzung. Und wenn wir das auch nicht mehr können aus zeitlichen Gründen, dann wird irgendwann, während wir auf dem Schlauch stehen, und wir haben der Gemeinde nur noch alte Konserven zu öffnen oder etwas aufzutischen, was wir schon zehnmal gepredigt haben. Und das ist unbedingt nicht gesund.
Ich sage nicht, dass das nicht geschehen kann. Ich weiß von vielen Brüdern, bekannten Brüdern, die manche Predigt zigmal gehalten haben, in großem Segen. Aber da gehört auch viel Abhängigkeit dazu. Und es wäre schon schön, wenn wirklich das, was wir aus Gottes Wort bringen, frisch ist und wirklich aus der Stille und aus der Gemeinschaft mit dem Herrn resultiert.
Ich glaube, es ist 30 Jahre her, da hatte ich meinen ersten Besuch, wenn ich mich recht entsinne, in einer russlanddeutschen Gemeinde. Die Geschwister liebe ich ja sehr gerne, weil sie sehr kernig sind und auch sehr ehrlich, manchmal auch ein bisschen komisch, aber auf jeden Fall originell. Da komme ich dann zur Gemeinde rein, da steht mein Bruder an der Tür, und dann fragte er mich als Erstes: Bist du voll, Bruder?
Ich fing an zu stutzen. Ich sage: Habe ich einen Alkoholschaden oder was? Was meint er, bist du voll? Da habe ich gut gegessen, und ich sage: Wie meinst du das, bist du voll? Ja, ja, bist du voll? Dann dämmerte mir: Er wollte mich deutlich fragen, ob ich voll des Wortes Gottes wäre. Das war sein Anliegen. Peinliche Frage! Ich weiß auch gar nicht mehr, was ich da geantwortet habe.
Aber wenn ihr mich jetzt fragen würdet: Bist du voll, Bruder? Peinliche Frage. Ich wage das nicht zu sagen, dass ich voll bin, absolut nicht. Wie schön wäre es, wenn es so wäre. Aber eigentlich sollte das der Fall sein. Verkündiger sollten voll heiligen Geistes sein und natürlich auch voll mit dem Wort Gottes. Das ist ein großes Problem in unserer Zeit, wenigstens in meinem Leben.
Was gehört zu diesem Dienst des Wortes, den die Apostel hier beschrieben haben? Meine Definition einmal: die Lehrpredigt durch begabte Lehrer, das haben wir heute Vormittag erlebt; dann aber auch die erbauliche und seelsorgerliche Predigt, die auf unser Gewissen zielt, durch begabte Hirten; dann Ermahnung oder Warnung oder Korrektur durch begabte Propheten, die wir brauchen, die uns Gottes Wort in die Situation hineinsprechen können, in der wir uns befinden, wenn es da Probleme gibt oder was auch immer.
Auf jeden Fall kennt die Bibel, das Neue Testament, kein Ein-Mann-Prinzip, dass ein Bruder oder ein Pastor oder ein Prediger alle Dienste in sich vereinigen muss oder soll. Mir tun diese Männer sehr, sehr leid, denn der Herr hat viele Gaben gegeben. Darüber sprechen wir morgen dann noch einmal: die Gaben, die Gott der Gemeinde gegeben hat, zum Dienst, damit wirklich ein gesundes Wachstum möglich ist.
Auch gerade in diesen Kreisen der lieben russlanddeutschen Geschwister: Wenn ich nach Kasachstan kam oder war es in Kirgisistan, war eine der ersten Fragen: Bist du auch eingesegnet? Auch wieder so eine Frage: Bist du eingesegnet? Ich sage dann meist: Nein, ich bin nur gesegnet. Was meint er damit? Ja, bin ich ordiniert, hat man mir irgendwann einmal die Hände aufgelegt zum Predigerdienst oder zum Evangelistendienst? Hat man natürlich nicht. So habe ich mich dann ein bisschen rausgeschlichen mit der Antwort: Ich bin nur ein gesegneter Bruder.
Na ja, das ist leider auch so eine Vorstellung. Das hat alles seine Gründe. Man möchte die Gemeinde bewahren vor fragwürdigen und zweifelhaften Verkündigern, möchte sicher sein und glaubt, wenn die einmal eingesegnet wurden von einer geistlichen Instanz, dann kann man einigermaßen für die Garantie stehen, was sicherlich auch ein Irrtum ist, wenigstens in vielen Fällen.
Aber wie schön ist es, wenn wir doch ein biblisches, neutestamentliches Bild haben, auch vom Dienst des Wortes und ganz im Allgemeinen von der Bedienung der Geschwister in der Gemeinde. Es geht ja hier darum, das finden wir in Vers 4 und 5 in der zweiten Hälfte: Der Herr hat jemanden über sein Gesinde gesetzt, um ihnen die Speise zu geben zur rechten Zeit.
Ja, manchmal ist es Zeit, nur Milch zu geben. Da klagt der Apostel Paulus darüber bei den Korinthern. Und er sagt: Ich habe euch Milch zu trinken gegeben, nicht Speise, denn ihr vermochtet es noch nicht. Das war damals angebracht in Korinth, es war ein Notstand. Und Paulus war in der Lage, durch den Geist Gottes geleitet, ihnen nun das zu geben, was sie wenigstens dann noch vertragen konnten, um einfach am Leben zu bleiben.
Und im Hebräerbrief, ich nehme an, es war auch der Apostel Paulus, der es gesagt hat, unter Leitung des Geistes schreibt er: Milch ist für Unmündige, Unerfahrene, feste Speise aber für Erwachsene oder für Ausgewachsene, die geübte Sinne haben zur Unterscheidung des Guten sowie auch des Bösen.
Also, es geht darum, dass die richtige Speise zur richtigen Zeit, zur angemessenen Zeit gebracht wird. Aber es geht, denke ich, auch um die richtige, ausgewogene und gesunde Nahrung zur richtigen Zeit. Man kann auch eine feste Speise bringen, die schwer verdaulich ist oder nicht angemessen ist. Und deswegen ist es schon wichtig, dass alle, die hier unter uns auch Diener des Wortes sind, dass wir da viel darüber nachdenken, auch darüber beten, dass wir wirklich die richtige Nahrung zur richtigen Zeit bringen.
Ich war bis vor einigen Tagen 14 Tage allein in unserem Haus. Meine liebe Frau war bei unserer ältesten Tochter Christine, und unsere Deborah, die am Büchertisch ist, hatte dann etwas vorgekocht. Sie wohnte auch nicht bei mir im Haus, sondern etwas entfernt. Und da gab es dann in den ersten drei Tagen immer wieder aufgewärmte Nudeln mit Hackfleischsauce. Das esse ich eigentlich sehr, sehr gerne. Aber nach drei Tagen habe ich mich doch nach etwas anderem gesehnt, auch wenn das gut zubereitet war.
Ja, dann hatte sie noch Erbsensuppe gemacht, und ich hatte nicht daran gedacht, dass sie irgendwie so quirlte oder so etwas. Die stand aus dem Kühlschrank, und dann hatte ich zwei, drei Tage damit zu kämpfen. Und am dritten Tag konnte ich fast mit Messer und Gabel diese Erbsensuppe essen, so steif und dick war sie wie Kleister. Das ging also wirklich nicht mehr runter. Und dann bin ich umgestiegen auf Cornflakes mit Obst, das war etwas leichter verdaulich, aber all das war nicht besonders nahrhaft und gesund. Das war keine ausgewogene Nahrung, das war einfach ein Notbehelf, ganz klar.
Aber das möchte ich nur als Bild gebrauchen: Wie sieht das in unserer Gemeinde aus? Es gibt Brüder, die haben immer nur ein Pferd, das sie durch die Manege reiten. Ein Thema auf ihrer Fahne, das ist meinetwegen Israel oder die Entrückung oder die Prophetie, so wichtig das ist. Andere haben nur zum Thema die Stellung in Christus. In jungen Jahren musste ich mir das fast jeden Sonntag anhören, sodass sich ein gebrochenes Feld es hat zum Epheserbrief, tut mir leid, dass ich das jetzt sagen muss, aber das war jahrelang immer ein Thema in der Gemeinde: unsere Stellung in Christus. Und darüber vergisst man dann die Praxis unseres alten Lebens. Das ist keine gesunde Ernährung, so wichtig dieses Thema unbedingt ist. Ich hoffe, ihr versteht mich nicht falsch.
Dann wieder andere haben das Thema Verantwortung oder Jüngerschaft, sprechen da gerne und viel drüber, ein wichtiges Thema. Aber nur ein Thema immer wieder, das ist nicht gesund, das ist nicht ausgewogen. Und da müssen wir eben sehr darauf achten. Und deswegen ist es gut, wenn wir viele Brüder haben in der Gemeinde und auch junge Brüder nachwachsen, die wirklich dafür sorgen, dass eine reichhaltige Nahrung da ist, dass für jeden etwas da ist und dass wir nicht irgendwie einseitig ernährt werden.

Der Schatz der Schrift und die Vielfalt des Dienstes

In Matthäus 13, am Ende der Himmelreichsgleichnisse, finden wir noch ein letztes Gleichnis von dem Herrn Jesus. Er sagt dann: Jeder Schriftgelehrte, der für das Reich der Himmel unterrichtet ist, gleicht einem Hausherrn, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorbringt.
Also möchte ich das einmal so anwenden: Nicht nur Predigen aus dem Neuen Testament. Viele Geschwister sagen, wir hören fast nur Predigten aus dem Neuen Testament, sondern eben auch aus dem Alten Testament. Du liebe Zeit, jetzt habe ich dieses schöne, dicke Buch, Deborah, ist da so ein alter Schinken da oben auf dem Schrank, das ist ja wunderbar, kannst du das immer bringen. Herzlichen Dank, das ist jetzt keine Werbung für ein Buch, sondern das soll nur etwas deutlich machen.
Im frühen neunzehnten Jahrhundert gab es in Wuppertal, in Elberfeld, einen ganz berühmten Erweckungsprediger: Gottfried Daniel Krummacher. Stellt euch mal vor, der hat 91 Predigten gehalten über die Namen der Lagerstätten Israels in 4. Mose 33. Nur über die Namen der Lagerstätten Israels in 4. Mose 33. Also hat er über zwei Jahre lang nichts anderes gesprochen als das. Ich würde sagen, das war auch einseitig, oder nicht? Aber die Kirchen waren so voll, dass sie nicht alle Platz fanden. Das war natürlich eine Zeit der Erweckung, ein Hunger nach Gottes Wort war da, und dieser Mann, der konnte wirklich in der Bibel schürfen. Das ist also ganz erstaunlich. Da gibt es diesen dicken Schinken, Die Wanderung Israels durch die Wüste nach Kanaan, von Gottfried Daniel Krummacher, 800 Seiten.
Nur die Namen der Lagerstätten Israels, natürlich auch, was da so abgelaufen ist usw. Aber auch die Bedeutung der Namen. Und das zeigt, wie in der Bibel wirklich nichts umsonst ist. Auch kein Name und auch keine Ortsbezeichnung hat eine geistliche Bedeutung, wenn man sich nur die Zeit nimmt und so begabt ist, wie der Roger Hebräisch kann und was nicht alles, um das dann auch richtig zu deuten. Also das ist wirklich total erstaunlich.
Übrigens: Wir haben ja heute Morgen schon von Lenin gehört. Da würde ich gerne noch anschließen, was Friedrich Engels, der aus Wuppertal kommt, der zur gleichen Zeit in Wuppertal gelebt hat, über den Krummacher geschrieben hat. Krummacher war von so merkwürdigen Sitten, dass tausend Anekdoten von ihm zirkulieren, nach denen man ihn für einen kuriosen Sonderling oder einen herzlich groben Mann halten muss. Das war also das Urteil von Friedrich Engels, dem Mitbegründer der Kommunisten hier in Deutschland. Tausend Anekdoten, kurioser Mann, herzlich grob, nun ja, er blieb Junggeselle bis in sein Alter, dann wird man schon noch ein bisschen grob, das sei ihm verziehen.
Aber Pastor Wilhelm Busch, dem ich sehr, sehr viel verdanke, stellte sich einmal die Frage: Wenn er in den Luftschutzkeller fliehen muss und nur noch kurz Zeit hat, zwei Bücher mitzunehmen, außer seinen Medikamenten, was würde er nehmen? Da sagt er: die Bibel und Die Wanderung Israels durch die Wüste. Das war sein Lieblingsbuch. Wie schön ist es, wenn Brüder Gottes Wort und auch das Alte Testament wirklich so lieben, aber auch in der Lage sind, das Wort Gottes so lebendig zu machen, dass das nichts Abgestandenes ist, sondern ganz aktuell.
Ja, ich kann nur hoffen und beten, dass der Herr uns das auch ansatzweise schenkt. Und das ist natürlich ideal, dass man alte Wahrheiten, die man eigentlich schon immer gehört hat, ganz neu und aktuell darlegen kann. Denn die Bibel, das haben wir auch schon gehört, ist ein unergründlicher Schatz. Aber man muss eben darin graben und auch Zeit investieren. Keine Inspiration ohne Transpiration. Wir kennen diesen Spruch. Schlichter gesagt: Ohne Fleiß keinen Preis.
Und da möchte ich wirklich die anwesenden Brüder und gerade auch die jüngeren Brüder bitten: Nehmt euch die Zeit und grabt in Gottes Wort!
Um euch das ein bisschen leichter zu machen, würde ich ganz gerne auf ein Buch hinweisen, das wir auch zu einem Sonderpreis anbieten: für 6,50 Euro statt 16,90 Euro. Das ist ein einfacher Grund, das kauft kaum jemand: Das Evangelium nach Lukas von David Gooding. Gooding ist ein bekannter Bibellehrer, ein ausgezeichneter Professor für bestimmte alte Sprachen, die ich überhaupt nicht kenne, und der hat wirklich in Gottes Wort gearbeitet. Er ist vielen, vielen zum Segen gewesen, er lebt noch, ist inzwischen ziemlich alt. Aber der Mann hat das Lukasevangelium so gut aufgearbeitet, das ist so interessant, wenn man das in der stillen Zeit neben der Bibellese liest. Das ist erbaulich und erwecklich, aber auch sehr, sehr anregend, um darüber nachzudenken.
Denn Lukas hat seine Geschichten, Wunder und Zeichen ganz anders sortiert als die anderen ersten beiden Evangelisten. Und er hat einen Zweck damit. Und durch bestimmte Gegenüberstellungen, wie Lukas das zusammengestellt hat, möchte der Herr uns Lektionen geben. Und die sind so überraschend und so interessant, das ist einfach eine Riesenfreude, darin zu arbeiten.
Um gerade den Jüngeren Mut zu machen und Anreiz zu geben, bieten wir das Buch jetzt zu solch einem Preis an, für 6,50 Euro, bei etwa 400 oder 300 Seiten. Das muss man auch nicht unbedingt von vorne bis hinten lesen, vielleicht auch bestimmte Kapitel, die einem wichtig sind. Aber da wird gegraben, und da leuchten plötzlich Schätze auf in Gottes Wort. Man meint, man hätte das alles schon gekannt und gewusst, und man kann sich nur freuen, dass der solche Gaben geschenkt hat. Und ich wünsche sehr, dass wir sie mehr nutzen.
Jetzt mache ich keine Werbung für ein Buch, denn das Buch haben wir gar nicht dabei. Das ist die Lebensgeschichte von Harold Sankt John, wenn er bekannt ist. Sankt John, sagen manche. Patricia Sankt John ist die Tochter, die die vielen Kinderbücher geschrieben hat und die großartigen evangelistischen Jugendbücher. Der hat einmal Folgendes geschrieben:
Der Strom Gottes trocknet niemals aus. Du brauchst nie einen abgestandenen, unzeitgemäßen Dienst zu tun, der das Volk Gottes nur langweilt. Du brauchst nie wie die Gibeoniter zu sein, die Josua verschimmeltes Brot und geborstene Weinschläuche brachten. Josua hätte es vorher erkennen müssen, dass der Herr sie niemals gesandt haben konnte. Josua hätte sagen sollen: Gott würde euch nie solche Weinschläuche geben. Nein, wenn der Strom des Geistes Gottes in deinem Leben fließt, dann wird dein Dienst immer erfrischend für das Volk Gottes sein, denn es ist der Herr selbst, der für die Erfrischung seines Volkes sorgt.
Darum ist jeder Schriftgelehrte, der vom Reich der Himmel unterrichtet ist, gleich einem Hausherrn, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorbringt. Was bedeutet das? Man soll dauernd aus der Seele Schätze hervorholen. Das ist ein lebendiger Dienst, der den Bedürfnissen des Volkes Gottes gerecht wird. Neue Dinge, denn wir brauchen keine Männer, die wie Schallplatten sind; die gab es damals noch. Immer dieselbe Leier. Wir brauchen einen lebendigen, neuen Dienst, eine Kraft, die neue, ja alte und neue Dinge ans Licht holt. Das heißt, dass wir neue Auslegungen all der Wahrheiten bringen sollen, die ihre Wurzeln tief in den ewigen alten Dingen verankert haben. Neu und alt zugleich muss unser Dienst sein.
Ich meine, das wäre eine schöne Erklärung, die man nicht viel besser geben kann, als wie das dieser bewährte Diener des Wortes vor vielen Jahrzehnten getan hat.

Treue, Lohn und die Gefahr des inneren Abfalls

Glückselig jener Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, so findet. Und da lesen wir dann, dass der Herr sagt: Wahrlich, ich sage euch, er wird ihn über seine ganze Habe setzen.
Der Auftraggeber ist der Herr, keine menschliche Instanz. Es ist keine kirchliche Erlaubnis nötig, wirklich nicht, keine Einsegnung, auch wenn sie gut gemeint ist. Der Beurteiler und auch der Belohner ist unser Herr. Und wenn wir treu sind in diesem Dienst, dann wird er uns mehr anvertrauen. Er wird uns nicht nur über ein Haus, sondern auch über seine Habe setzen, wie immer man das jetzt auch auslegen möchte.
Jetzt haben wir noch ein paar Minuten Zeit, um auch über den bösen Knecht nachzudenken, Verse 48 bis 51. Seine Abwärtsentwicklung beginnt, wie alle Sünden und Verirrungen auch in unserem Leben, mit einem Selbstgespräch in seinem Herzen. Wenn aber jener böse Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr verzieht zu kommen, usw. Also rechnet er nicht mehr mit der baldigen Wiederkunft oder Rückkehr seines Herrn. Er schiebt sie in weite Ferne.
Und das ist vielleicht wichtig, was ich jetzt sage. Das ist zwar nichts Neues: Immer dann, wenn in der Kirchengeschichte oder in einer Epoche einer Gemeinde die Naherwartung des Herrn aufgegeben wird, kommen meist theologische Irrtümer auf. Und man blickt jetzt nicht mehr zum Himmel, zum Herrn, sondern auf diese Erde, auf das Diesseits. Und das hat oft moralisch negative Konsequenzen. Wenn wir Zeit hätten, könnte man das auch nachweisen, in den verschiedenen Epochen der Kirchengeschichte. Immer dann, wenn man irgendwie die Naherwartung weg erklärt hat oder geglaubt hat, wie die katholische Kirche, man sei schon im Tausendjährigen Reich. Oder auch wie manche lutherischen Kreise, die meinen, dass das Tausendjährige Reich mit der Reformation begonnen hat, wo eben der Satan aus dem Himmel geworfen wurde, eben der Papst. Da gibt es ja zig verschiedene Variationen, wie man das macht. Dann wird immer die Gefahr groß, dass wir uns auf diese Erde besinnen, auf die irdischen Dinge, und geistlich austrocknen und uns oft auch wirklich moralisch verirren, wie das genau hier bei dem untreuen und bösen Knecht berichtet wird.
Ihr erinnert euch, als Mose auf dem Berg war und Gott ihm die Gebote und auch das Muster der Stiftshütte zeigte und ganz genaue Angaben gab, wie das Haus Gottes, möchte ich mal sagen, gebaut werden sollte, wurde das Volk Israel im Tal total unruhig. Und ich zitiere aus dem zweiten Buch Mose: Als das Volk sah, dass Mose zögerte, vom Berg herabzukommen, versammelte sich das Volk zu Aaron, und sie sprachen zu ihm: Auf, mach uns Götter, die vor uns herziehen! Denn dieser Mose, der Mann, der uns aus dem Land Ägypten herausgeführt hat, wir wissen nicht, was ihm geschehen ist.
Vorher standen sie stramm, hatten gezittert, gebebt bei all dem Spektakel, da die Posaune und der Berg zitterte und rauchte und was nicht alles, von Gottesfurcht erfüllt. Dann vergingen die Wochen, Mose kam nicht wieder. Das uralte Lied, das sich bis in unsere Zeit wiederholt. Dieser Mann Mose, verächtlicher Ausdruck, der uns damals herausgeführt hat, keine Ahnung, was mit ihm ist. Auf, mach uns einen Gott!
Und das kann man wirklich in der kirchlichen Geschichte immer wieder verfolgen. Und bewahren uns der Herr vor diesem Denken. Denn dann sucht man sichtbare, sinnliche Götzen. Dann zieht man irdische Dinge vor und sucht die zeitliche Götzung der Sünde, wir lesen im Hebräerbrief, und zieht die dann dem selbstlosen Dienst vor. Und hier bei diesem bösen Knecht da zeigt sich das in Machtmissbrauch und Vergnügungssucht: Schlagen und Essen und Trinken mit den Betrunkenen.
Und genau das war und ist das Kennzeichen zum Beispiel der römisch-katholischen Kirche, nicht nur im Mittelalter, sondern auch heute. Und wenn ich jetzt die katholische Kirche kurz herausgreife, dann nicht, als gäbe es das nicht in anderen Kreisen auch. Nur hier wird es sehr, sehr deutlich. Ich zitiere nur ganz kurz aus der Kirchengeschichte: Als Papst Innozenz um 1250 anlässlich des Konzils in Lyon, also in Frankreich, die Stadt nach acht Jahren verließ – so lange dauerten damals die Konzilien –, erklärte sein Kardinal Hugo in einer Abschiedsrede vor den Bürgern sarkastisch: Seit wir herkamen, fanden wir drei oder vier Bordelle; hinter uns lassen wir nur eins. Wir müssen jedoch hinzufügen, dass es sich vom Ost- bis zum Westtor erstreckte.
Schlimm: Fast zweihundert Jahre später, während Johannes Hus in Konstanz verbrannt wurde, kann man lesen, dass 1415 während des Konzils in Konstanz die Zahl der Prostituierten auf 1200 geschätzt wurde, die rund um die Uhr arbeiteten, um für das leibliche Wohl des Klerus zu sorgen.
Grauenhaft: Wenn man nicht mehr an die Wiederkunft des Herrn denkt, nicht mehr an seine Existenz, im Bewusstsein der Gottesfurcht lebt, dann sind wir alle zu allen Sünden fähig, alles natürlich unter frommen Namen, alles, ja. Und was heute an Missbrauch in der katholischen Kirche geschieht, könnt ihr jeden Tag fast in der Zeitung lesen, das brauche ich auch nicht groß zu erläutern.
Aber auch in der evangelikalen Szene fallen solche bösen Knechte auf. Und da denke ich jetzt nicht nur an die Scharlatane innerhalb der Kreismatschen und Pfingstbewegung. Es gibt dort, haben wir auch gehört, wirklich Treue und hingegebene Brüder, die sich ein bisschen verirrt haben in manchen Fragen. Aber es gibt dort wirklich auch Scharlatane. Da kann man sich wirklich nur empören, wenn man deren Auftreten sieht und wofür sie alles Geld erwarten und verlangen.
Und wir kennen ja manche Geschichten, die dann durch die Presse gingen, von ganz abartigen sexuellen Sünden und Leben in der Pornografie und in der Homosexualität und so weiter und so weiter, von bekannten Propheten. Aber wir finden das auch unter den konservativen Evangelikalen. Vor einer Woche in Topic konnte man lesen: Innerhalb der Südlichen Baptisten, das ist eine Gruppe Baptisten, die relativ konservativ sind, hätten in den letzten zwanzig Jahren 380 Pastoren und kirchliche Mitarbeiter rund 700 Personen missbraucht. Zweihundert dieser Pastoren seien inzwischen verurteilt worden, so Topic im März dieses Jahres. Das sind nur die öffentlich bekannt gewordenen Fälle, die angezeigt wurden, und die Dunkelziffer wird sehr viel höher sein.
Der Gründer von Willow Creek, Bill Hybels, das ist auch durch die Presse gegangen, ist einer von ihnen, der deswegen auch angezeigt wurde und dann abtreten musste. Es war auch ein Erdbeben bei den Evangelikalen, denn er war vor fast einem Jahr noch hier in Deutschland oder wurde übertragen auf dem Willow-Creek-Kongress. Ein begabter Mann, viele Bücher geschrieben, das alte Lied.
Ganz aktuell: Machtmissbrauch ganz hier in der Nähe im Gospelforum Stuttgart. Leute aus der Umgebung kennen das. Man sagt, das ist die größte deutsche evangelikale Gemeinde mit 5.000 Mitgliedern nach eigenen Angaben. Jedes Wochenende 6.000 Besucher dort im Gospelforum, 1.000 ehrenamtliche Mitarbeiter, und der Leiter, ein sehr begabter Mann, Peter Wenz, ist gleichzeitig, obwohl überzeugter, strenger, extremer Charismatiker, im Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz. Ein sehr begabter Redner, eine charmante Persönlichkeit, duldet aber keine Kritik an seiner Person.
Als einer seiner Mitpastoren ihn persönlich auf seinen autoritären, manipulativen Führungsstil ansprach und er sich als der Gesalbte des Herrn ausgab, und dieser Mitpastor oder Bruder aus dem Vorstand ihn deswegen ansprach, dass er sich doch da wohl ein bisschen vergaloppiert und gesündigt habe, dann war seine Antwort, die wurde dann auch sehr folgenschwer bewertet: Jetzt hast du den Gesalbten des Herrn angerührt, und jetzt kommt der Fluch auf dich.
Das hat dazu geführt, ich will das kurz machen, viele langjährige Mitarbeiter verlassen das Gospelforum, zig Mitglieder treten aus, sind restlos enttäuscht und verwirrt, weil alle, die ihn irgendwie in Frage stellen, irgendwie dann rausgeworfen oder hinauskomplimentiert werden, mit allen möglichen Tricks und mit negativen Konsequenzen gedroht wird. Inzwischen hat die Hälfte der freiwilligen oder ehrenamtlichen Mitarbeiter ihren Dienst quittiert.
Viele suchen Orientierung, und die bibeltreuen Gemeinden hier unten im süddeutschen Raum haben eine große Aufgabe vor sich, diese Leute aufzufangen und ihnen wirklich eine biblisch gute Heimat zu bilden. Ich wünsche euch da viel, viel Gnade und viel Weisheit, aber auch viel Liebe für diese wirklich gebeutelten Geschwister.
Aber diese Gefahr von Machtmissbrauch macht auch vor unserer Gemeinde nicht Halt, nur etwas frommer verpackt, etwas subtiler. Schon in apostolischen Zeiten hat der Apostel Paulus darauf hingewiesen, 2. Korintherbrief, und auch Johannes nennt in seinem dritten Brief sogar einen Namen, Diotrephes. Das sollte uns auch Mut machen, auch in bestimmten Fällen Männer beim Namen zu nennen, welcher der Erste sein will und alle, die ihn korrigieren wollen, aus der Gemeinde hinauswirft.
Und das auch in engsten Kreisen hier unter uns. Das ging dann auch leider, leider nicht durch die Presse, Gott sei Dank noch nicht. Aber ein ganz bekannter Bruder, Missionar und Autor von mindestens einem sehr, sehr wertvollen Buch, er hatte mehrere geschrieben, wurde plötzlich bekannt, dass er jahrelang Kinder missbraucht hat. Das ist alles möglich, auch in unserem Leben, wenn wir nicht wachsam sind.

Schlussgedanke und Bitte um Bewahrung

Ja, was geschieht mit dem bösen Knecht? Ich hoffe, ich mache das jetzt ganz schnell und kurz.
Da gibt es unter den Lehrbrüdern, wie man so sagt, unter den Aufschlägern, verschiedene Meinungen. Einige nehmen an, dass der Knecht, weil er den Herrn ja anerkennt – er redet ja: Mein Herr verzieht zu kommen –, wohl gerettet ist, aber seinen Lohn verliert. Dann sind andere überzeugt, dass das kein echter Christ war, sondern nur ein Bekenner, ein Namenschrist, der ewig verloren ist.
Und die Tatsache, dass er dort sein wird, wo das Weinen und Zähneknirschen ist: Wenn man diese Stellen alle ernst nimmt, dann ist das, meine ich, ein deutlicher Hinweis darauf, dass es hier wirklich um die ewige Verdammnis geht.
Aber ich will mich da nicht streiten. Es ist ernst genug. Und umso dramatischer und trauriger ist es, wenn eine solche böse Gesinnung auch unter uns irgendwo ansatzweise zu beobachten ist, von solchen, die wir als Brüder bezeichnen und von denen wir annehmen, dass sie wiedergeboren sind.
Deswegen können wir nur beten, dass der Herr alle, die Diener des Wortes sind, und auch darüber hinaus alle, die dem Herrn dienen möchten, sich bewahren lässt und sie in der Demut und Liebe zum Herrn und zu seinen Geschwistern erhält, indem wir auf den Herrn wirklich warten, wie wir das heute Morgen gehört haben. Und unser einziger und großer Wunsch ist, dass wir ihn mit unserem Leben und unserem Dienst ehren. Amen.