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Die Frage nach der Auferstehung – Teil 3

Jesu Leben und Lehre | Episode 712
Matthäus 22,2905.07.2026
SerieTeil 3 / 4Die Frage nach der Auferstehung

Die Ausgangsfrage der Gegner Jesu

Gott wird Mensch. Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 712
Die Frage nach der Auferstehung, Teil 3
Die Frage der Sadduzäer dreht sich also um die Schwagerehe. Markus 12,19-23:
Lehrer, Mose hat uns geschrieben: Wenn jemandes Bruder stirbt und eine Frau zurücklässt und kein Kind hinterlässt, dann soll sein Bruder seine Frau nehmen und seinem Bruder Nachkommenschaft erwecken.
Es waren sieben Brüder. Der Erste nahm eine Frau, und als er starb, hinterließ er keine Nachkommenschaft. Und der Zweite nahm sie und starb und ließ ebenfalls keine Nachkommenschaft zurück. Und der Dritte ebenso. Und die Sieben hinterließen keine Nachkommenschaft. Zuletzt von allen starb auch die Frau.
Wessen Frau von allen wird sie in der Auferstehung sein, wenn sie auferstehen werden? Denn die Sieben hatten sie zur Frau gehabt.
Das hier ist eine erfundene Situation, rein hypothetisch. Nacheinander heiratet eine Frau die sechs Brüder ihres ersten Mannes. Nachkommenschaft gibt es keine. Am Ende stirbt auch die Frau. Deshalb die Frage: Wessen Frau von allen wird sie in der Auferstehung sein, wenn sie auferstehen werden? Denn die sieben haben sie zur Frau gehabt.
Hinter der Frage steckt die Prämisse, dass es nach der Auferstehung so weitergeht, wie es vor der Auferstehung war. Und man muss den Sadduzäern Recht geben: Wenn dem so wäre, dann könnte die Auferstehung im Leben nach dem Tod zu herrlich verzwickten zwischenmenschlichen Situationen führen. Das Beispiel von der Frau mit den sieben Ehemännern ist dann nur die Spitze des Eisbergs.
Die Formulierung in der Auferstehung meint dabei das Leben nach dem Tod, also das Leben mit Gott nach der Auferstehung und dem Jüngsten Gericht.
Ich gehe davon aus, dass die Geschichte, die hier von den Sadduzäern erzählt wird, gut bekannt war. Ihre Absicht bestand allein darin, den Glauben der Pharisäer an die Auferstehung lächerlich zu machen. Und es kann sein, dass sie ganz lose auf eine Geschichte aus dem apokryphen Buch Tobit zurückgeht, wo eine Frau nacheinander sieben Brüder heiratet, die alle in der Hochzeitsnacht sterben.

Jesu Antwort auf die Falle

Was sagt Jesus darauf? Markus 12,24: Jesus sprach zu ihnen: Irrt ihr nicht deshalb, weil ihr die Schriften nicht kennt und nicht die Kraft Gottes?
Was für eine herrliche Antwort, und ich mag sie, weil für mich das hier die beste Antwort auf liberale Theologie ist. Erinnern wir uns kurz: Die Sadduzeer glauben, soweit wir das rekonstruieren können, nur an die ersten fünf Bücher Mose, also an die Tora. Der Rest des Alten Testaments ist ihnen weniger wichtig. Mit den mündlichen Überlieferungen und Traditionen, die von den Pharisäern so geschätzt werden, wollen sie nichts zu tun haben.
Diese Reduktion auf bestimmte Texte ist für mich bis heute ein Markenzeichen von Liberalität. Es ist der Wunsch, sich aus der Bibel das herauszupicken, was einem in den Kram passt. Und was nicht passt, wird entweder ignoriert oder umgedeutet. Genau das machen die Sadduzeer.
Jetzt muss man sich die Ironie vorstellen: Hier spricht Jesus zur Priesterelite. Genau diejenigen, die vor allen anderen das Wort Gottes kennen und verstehen sollten, müssen sich den Vorwurf gefallen lassen. Matthäus 22,29: Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Ihr irrt, weil ihr die Schriften nicht kennt, noch die Kraft Gottes.
Das möchte ich heute auch manchen liberalen Theologen sagen, die bei ethischen Themen dem Zeitgeist folgen und nicht an die Auferstehung glauben: Ihr irrt, weil ihr die Schriften nicht kennt, noch die Kraft Gottes.

Was wirkliche Schriftkenntnis bedeutet

Was meint Jesus mit dem Vorwurf, dass sie die Schriften nicht kennen? Ich denke, der Vorwurf geht in zwei Richtungen. Zum einen kennen sie die Schriften nicht in ihrer Gesamtheit, zum anderen kennen sie nicht einmal den Teil, den sie akzeptieren, also die fünf Bücher Mose.
Stellen wir uns zuerst die Frage: Wo findet man Hinweise auf die Auferstehung im Alten Testament? Und da müssen wir den Sadduzäern recht geben: In 1. Mose bis 5. Mose finden wir sie nicht. Damit meine ich, dass die offensichtlichen Hinweise auf Auferstehung und ein Leben nach dem Tod nicht in der Tora zu finden sind.
Wenn mich jemand nach AT-Stellen für eine Hoffnung auf Auferstehung fragen würde, dann wären das hier meine liebsten Kandidaten:
 Daniel 12,2: Und viele von denen, die im Land des Staubes schlafen, werden aufwachen, die einen zu ewigem Leben und die anderen zur Schande, zu ewigem Abscheu.
 Psalm 49,16: Gott aber wird mein Leben erlösen von der Gewalt des Scheols, denn er wird mich aufnehmen.
 1. Samuel 2,6: Der Herr tötet und macht lebendig, er führt in den Scheol hinab und wieder herauf.
 Hiob 14,12: So legt der Mensch sich hin und steht nicht wieder auf. Bis der Himmel nicht mehr ist, erwacht er nicht und wird nicht aufgeweckt aus seinem Schlaf.
 Jesaja 25,7-8: Dann wird er auf diesem Berg die Hülle verschlingen, die das Gesicht aller Völker verhüllt, und die Decke, die über alle Nationen gedeckt ist. Den Tod verschlingt er auf ewig, und der Herr, Herr, wird die Tränen abwischen von jedem Gesicht. Und die Schmach seines Volkes wird er von der ganzen Erde hinwegtun, denn der Herr hat geredet.
Das wären Stellen, die ich anführen würde. Aber ich mag auch Stellen wie Jesaja 65,17: Denn siehe, ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde, und an das Frühere wird man nicht mehr denken, und es wird nicht mehr in den Sinn kommen.
Versteht ihr meinen Gedanken? Wenn es einen neuen Himmel und eine neue Erde geben wird, dann braucht es ja auch Leute, die diese neue Erde besiedeln.
Wenn Jesus den Sadduzäern vorwirft, dass sie die Schriften nicht kennen, dann bringt er damit zum Ausdruck, dass sie wichtige Teile davon, die durchaus etwas zum Thema Auferstehung sagen, einfach ignorieren. Aber wie wir noch sehen werden, kennen sie nicht einmal den Teil richtig gut, den sie akzeptieren.

Die bleibende Gefahr selektiver Bibellektüre

Lasst uns an dieser Stelle kurz innehalten und diesen Vorwurf auf uns wirken lassen: Ihr irret, weil ihr die Schriften nicht kennt.
Das ist bemerkenswert. Jesus spricht hier nicht zu heidnischen Philosophen oder zu einfachen Leuten ohne Bildung. Er spricht zur religiösen Elite Israels, zu Menschen, die die Texte studierten, auslegten und lehrten. Und trotzdem sagt Jesus: Ihr kennt die Schriften nicht.
Das zeigt, dass man die Bibel besitzen kann, ohne ihre Botschaft wirklich zu verstehen. Man kann einzelne Texte kennen und dennoch die grosse Linie der Offenbarung Gottes verfehlen. Genau das war das Problem der Sadduzäer.
Die Gefahr besteht aber bis heute. Immer dann, wenn Menschen die Bibel selektiv lesen, wenn unbequeme Aussagen relativiert, umgedeutet oder ignoriert werden, dann wiederholt sich derselbe Fehler.
Wahre Schrifterkenntnis bedeutet nicht, dass wir die Bibel an unsere Vorstellungen anpassen, sondern dass wir uns von der ganzen Schrift korrigieren lassen. Jesus kritisiert nicht mangelnde Intelligenz. Er kritisiert mangelnde Unterordnung unter das, was Paulus später den ganzen Ratschluss Gottes nennen wird.

Persönliche Anwendung und Abschluss

Was könntest du jetzt tun? Denke darüber nach, wo du vielleicht dazu neigst, Texte der Bibel zu ignorieren, weil sie nicht in dein Denken passen. Das war’s für heute.
Überarbeite und aktualisiere jetzt deine Fürbitte-Liste für deine Feinde oder allgemein für Menschen, die dich nicht mögen. Und dann segne sie.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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