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Betet für die Ausbreitung des Evangeliums!

Kolosser 4,3-410.02.2008
Du kannst viel organisieren – aber niemanden zum Glauben zwingen. Die eigentliche Frage ist: Betest du mit dafür, dass Gott Herzen öffnet und dein Einsatz überhaupt ankommt?

Einleitung und biblischer Ausgangspunkt

Der Text zur Predigt steht im Kolosserbrief, Kapitel 4, Verse 2 bis 6. Dort schreibt Paulus Folgendes:
Betet mit aller Ausdauer, voll Dankbarkeit gegenüber Gott und ohne in eurer Wachsamkeit nachzulassen. Tretet auch für uns ein, wenn ihr betet. Bittet Gott, uns eine Tür für seine Botschaft zu öffnen. Dann können wir das Geheimnis weitergeben, das Christus uns enthüllt hat und für das ich im Gefängnis bin. Betet, dass ich meinen Auftrag erfüllen und dieses Geheimnis klar und verständlich verkünden kann.
Verhaltet euch klug im Umgang mit denen, die nicht zur Gemeinde gehören. Wenn sich euch eine Gelegenheit bietet, euren Glauben zu bezeugen, dann macht davon Gebrauch. Eure Worte sollen immer freundlich und mit dem Salz der Weisheit gewürzt sein. Dann werdet ihr es auch verstehen, jedem, der mit euch redet, eine angemessene Antwort zu geben.

Eindrückliche Erfahrungen mit Fürbitte

Guten Morgen, ich habe gesehen, das war ein super Kongress. Hans-Peter wusste gar nicht, was er aus dieser Fülle überhaupt machen sollte. Da kann man nicht aufhören, es ist wirklich so. Es ist sehr beeindruckend.
Und nur noch eine Ergänzung, die ich noch machen darf: Diese Frau, diese Managerin, hatte ein Buch veröffentlicht und über ihr Leben geschrieben, auch darüber, wie sie den Rauswurf aus der Firma erlebt hat usw. Hables hat mit ihr weiter Kontakt gehalten, kam mit ihr dann ins Gespräch, und im Laufe der Zeit, ich weiss nicht, ob ein halbes Jahr oder ein Jahr später, hat sie ihr Leben Jesus gegeben und ist jetzt ganz glücklich. Sie hat gesagt, so einen Frieden hätte sie noch nie erlebt in ihrem Leben, wie sie ihn jetzt durch den Glauben an Jesus Christus erlebt.
Also, wir haben sehr viel Eindrückliches erlebt, und ich kann dem Hans-Peter nur beipflichten. Schön, wenn wir nächstes Mal noch mehr sind. Wir haben ja schon einige solcher Kongresse besucht, und die, die da waren, wissen alle: Man kommt wirklich bereichert und motiviert zurück. Das hat uns auch immer wieder geholfen.
Nun zu diesem Abschnitt. Ich weiss nicht, wer Corrie ten Boom noch kennt. Sie war eine Frau, die lange im Konzentrationslager lebte. Dort erlebte sie auch, wie ihre Schwester gestorben war. Es gibt auch einen Film darüber, der gedreht wurde.
Nun reiste sie dann als Referentin in der Welt herum, an verschiedenen Orten, und gab Zeugnis. Sie hat auch Bücher geschrieben. Einmal fuhr sie in einem Auto durch die kalifornischen Berge, von Los Angeles nach San Francisco, das erzählte sie. Es ist ein schwacher Punkt bei mir, sagt sie, dass ich mich fürchte, wenn ich mit Amerikanern durch die Berge fahre. Denn meistens fahren sie mit ganz gehöriger Geschwindigkeit. Neben der Strasse befand sich ein Abgrund, und ausserdem hatte sie viele Haarnadelkurven.
Aus Erfahrung wusste ich, was ich machen musste, wenn ich in solche Angstzustände gerate. In der Gefängniszelle hatte ich oft solche Ängste auszustehen, und dann fing ich an zu singen. Singen half immer. Auch jetzt sang ich ein Lied nach dem anderen, und der Fahrer fragte mich neckend: Haben Sie Angst?
Ja, sagte ich, und deshalb singe ich.
Aber er ging dann nicht mit der Geschwindigkeit herunter. Vielleicht typisch Mann, vielleicht gab er noch mehr Gas. Aber diesmal hatte das Singen keinen Erfolg. Jedes Mal, wenn wir uns einer Kurve näherten, dachte ich: Wenn nun ein Auto von der entgegengesetzten Seite kommt, dann gibt es einen Zusammenstoss. Und erschrocken hörte ich auf zu singen. Nein, singen nützte diesmal nichts.
Ich versuchte zu beten, aber immer war es dasselbe: Herr, bringe uns wohlbehalten nach San Francisco, gib, dass wir nicht in diesen Abgrund stürzen, und gib bitte, dass bei der Kurve da vorne uns kein Auto von der anderen Seite entgegenkommt. Ich betete fortwährend gegen meine Angst, und dann, ich weiss nicht, wie ich auf den Gedanken kam, fing ich an, für andere zu beten. Für jeden, der mir in den Sinn kam, für die Menschen, mit denen ich gereist war, mit denen ich im Gefängnis gesessen hatte, mit denen ich zur Schule gegangen bin.
Ich weiss nicht, wie lange ich betete, aber dies weiss ich: Ich fürchtete mich nicht mehr. Durch die Fürbitte war ich von meiner Angst befreit worden.

Die Kraft der Fürbitte im Gebetsleben

Ganz interessante Erfahrung, die Corrie ten Boom auf dieser abenteuerlichen Fahrt machte: Während sie für andere betete, verlor ihre eigene beängstigende Situation an Einfluss auf ihr Wohlbefinden.
Fürbitte ist ein wichtiger Bestandteil im Gebetsleben der Christen. Wir bringen Gott Anliegen, die uns nicht selbst betreffen. Wir denken nicht an uns, sondern beschäftigen uns mit den Nöten und Bedürfnissen der anderen. Und genau darum bittet Paulus auch die Korinther, und mit diesen beiden Versen möchten wir uns heute Morgen beschäftigen.
Was wir eben gehört haben: Tretet auch für uns ein, wenn ihr betet. Bittet Gott, uns eine Tür für seine Botschaft zu öffnen. Dann können wir das Geheimnis weitergeben, das Christus uns enthüllt hat und für das ich im Gefängnis bin. Betet, dass ich meinen Auftrag erfülle und dieses Geheimnis klar und verständlich verkündigen kann.
Bevor Paulus die Gemeinde zur Fürbitte auffordert, macht er eine allgemeine Bemerkung zum Gebet: Betet mit aller Ausdauer und Dankbarkeit gegenüber Gott und ohne in eurer Wachsamkeit nachzulassen. Darüber allein könnten wir uns heute Morgen Gedanken machen. Hier geht es um die Anbetung, eben um Dankbarkeit gegenüber Gott. Darin sollen wir nicht nachlässig sein.
Das Gebet hilft uns auch, in den wichtigen Dingen des Lebens nicht nachlässig zu werden. Es schützt uns vor Versuchungen und auch in Versuchungen. Wie Jesus in seinen schwersten Stunden in Gethsemane seinen Jüngern sagte: Steht auf und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet.

Warum Paulus selbst Fürbitte braucht

Wir beschäftigen uns heute jedoch mit der Bitte des Paulus an die Gemeinde, dass sie für ihn, das heißt für seinen Dienst, beten sollen. Und mit Recht könnte man fragen: Hat das Paulus überhaupt nötig? Das Gebet der Gemeinde?
Er war doch außerordentlich intelligent und gebildet. Er war ein vollmächtiger Schreiber und ein vollmächtiger Verkündiger. Er konnte die Menschen überzeugen. Wir müssen nur einmal den Römerbrief lesen, die Briefe des Paulus, wie er argumentiert: haarscharfe Gedanken, manchmal etwas schwierig, sagte auch Petrus. Paulus war nicht so einfach zu verstehen. Er war ein scharfer Denker. Hat er das überhaupt nötig?
Kaum war er bekehrt, heißt es von ihm: Saulus jedoch trat mit immer größerer Entschiedenheit auf und brachte die Juden, die in Damaskus lebten, in größte Verwirrung, weil er überzeugend darlegte, dass Jesus der Messias ist. Er konnte die Leute durch seine Verkündigung in die Enge treiben, nicht böswillig, sondern einfach so, dass sie erkennen mussten: Da muss ja etwas dran sein. Das ist ja gar nicht so dumm. Sie konnten ihm gar kein Argument mehr entgegenbringen.
Und Paulus wusste natürlich auch um seine spezielle Berufung, die ihm Gott dann anvertraute. Denn in Epheser berichtete er: Mir, dem allergeringsten von allen, die zu Gottes heiligem Volk gehören, hat Gott in seiner Gnade den Auftrag gegeben, den nichtjüdischen Völkern zu verkünden, was für ein unermesslich großer Reichtum uns in der Person von Jesus Christus geschenkt ist.
Ist das nicht phantastisch? Was für ein unermesslich großer Reichtum in Jesus Christus uns geschenkt ist. Verstehen wir das als Verkündigung? Wir können den Menschen von einem großen Reichtum erzählen. Das ist ja faszinierend, diese Sichtweise. Wir müssen nicht nur das Evangelium erzählen, wir dürfen von dem großen Reichtum erzählen, den wir in Christus haben.
Und da wusste Paulus, dass er dafür direkt von Gott beauftragt war. Von höchster Stelle berufen. Wieso braucht Paulus dann noch das Gebet der Gemeinde, wenn er von höchster Stelle für diesen Auftrag berufen ist?
Paulus kannte die Kehrseite der Verkündigung. Er musste erfahren, dass er durch die Verkündigung des Evangeliums massive Widerstände zu überwinden hatte. Im 2. Korintherbrief schrieb er über seinen Aufenthalt in Ephesus: Hier haben sich mir große und vielversprechende Möglichkeiten eröffnet. Meine Anwesenheit in dieser Stadt ist auch deshalb nötig, weil es zahlreiche Gegner gibt.
Ständig, immer und immer wieder war Paulus mit Widerstand konfrontiert. Dass er von Gott berufen war und seinen Auftrag hatte, hieß nicht, dass er beflügelt von Erfolg zu Erfolg reiste und sich alle Hindernisse ihm sofort aus dem Weg räumten. Es war der Widerstand, der Paulus hart zusetzte.
Und übrigens saß er auch, als er das schrieb, im Gefängnis. Der Beauftragte Gottes ist quasi blockiert in Gefangenschaft. Er hätte Grund genug gehabt, um zu verzweifeln und zu fragen: Was ist jetzt los mit diesem Gott? Warum lässt er mich jetzt im Gefängnis? Was bin ich für ein armes Kerlchen? Und jetzt habe ich alles aufgegeben, und das ist jetzt der Preis dafür. Er hätte jammern können.

Schwachheit, Widerstand und die Abhängigkeit von Gott

Trotz seiner klaren Berufung und Beauftragung durch Jesus fühlte sich Paulus oft sehr schwach. Als er nach Korinth kam, um dort das Evangelium zu verkündigen, fühlte er sich alles andere als stark. Er schrieb über diese Zeit: „Ich fühlte mich schwach, ich war ängstlich und sehr unsicher, als ich zu euch sprach.“
Dieser große Paulus scheut sich nicht zu sagen, wie es ihm geht. Er hatte nicht den Eindruck, er müsse ein Stigma aufbauen, dass er stark sei und dann alles klappe. Nein, er sagte: Ich war schwach, ich war ängstlich, als ich zu euch sprach. Und trotzdem hat er es getan.
Auch als Paulus nach Thessaloniki kam, musste er sich aufraffen. Wir würden sagen: Er musste sich einen richtigen Schubs geben. Er musste sich neu motivieren lassen, damit er weitermachte. Der Gemeinde schrieb er: „Kurz zuvor in Philippi hatten wir noch viel zu leiden gehabt. Ihr wisst, dass wir beschimpft und misshandelt worden waren. Aber unser Gott schenkte uns neuen Mut, und obwohl wir auch in Thessaloniki auf heftigen Widerstand stießen, konnten wir auch sein Evangelium frei und offen verkündigen.“
Schon nach Philippi hätte Paulus seinen Dienst quittieren können und sagen können: Leute, ich habe, glaube ich, jetzt genug gelitten für das Evangelium. Jetzt lasse ich mich pensionieren, und die Jungen sollen ran. Timotheus soll kommen, Titus soll kommen, die sollen sich jetzt mal ein bisschen schlagen lassen, und dann sollen die Nächsten wiederkommen. Ich setze mich zur Ruhe. Nein, in Gott fand er wieder den Mut, die Freiheit und die Offenheit, das Evangelium zu verkündigen, den Reichtum, den wir in Christus haben. Und selbst in Thessaloniki, wo ihm heftiger Widerstand entgegentrat, hat er frei und offen das Evangelium verkündet.
Und bei uns ist es nicht oft so: Wenn ein Windchen weht, verschwinden wir; wenn einer lacht, schweigen wir. Trotz dieser enormen Widerstände verkündigt jedes Evangelium. Das benötigt unwahrscheinlich viel Kraft. Kein Mensch, nicht einmal Paulus, kann diese Aufgabe ohne Unterstützung von Christen bewältigen.
Aber es gibt noch einen anderen wichtigen Grund, weshalb Paulus die Gemeinde zur Fürbitte auffordert. Ihm war bewusst, dass weder seine Intelligenz noch seine Bildung, weder sein Bekehrungserlebnis, das sehr eindrücklich ist, noch besondere Offenbarungen, die er hatte, dazu führen, dass Menschen umkehren. Das wusste er. Paulus wusste: Wenn nicht Gott selbst die Herzen von Menschen berührt und öffnet, dann ist alles Reden und Predigen unwirksam.
Deshalb blieb er, selbst wenn er noch so überzeugend predigen konnte, ganz und gar von Gott abhängig. Ob die Predigt das Herz des Hörers erreicht, ist und bleibt das Werk Gottes. Und das müssen wir nicht nur theoretisch begreifen, das sagen wir ja schnell, sondern das müssen wir auch praktisch begreifen. Das werde ich uns noch versuchen, begreiflich zu machen.

Gott öffnet Herzen und Türen

Deutlich wird das bei dem Bericht über die Verkündigung des Paulus, als er nach Europa kam. In der Apostelgeschichte wird geschrieben, dass eine dieser Frauen Lydia hieß. Sie war eine Purpurhändlerin aus Thyatira, die an den Gott Israels glaubte.
Während sie uns zuhörte, öffnete ihr der Herr das Herz, sodass sie das, was Paulus sagte, bereitwillig aufnahm. Während sie zuhörte, öffnete Gott ihr das Herz. Und dann hörte sie zu und nahm auf, was Paulus, dieser intelligente und gewandte Verkündiger, sagte. Hätte Gott dieses Herz nicht geöffnet, hätte Paulus noch so argumentieren können, noch so überzeugend.
Ich habe schon erlebt, dass ich in Gemeinden gewesen bin und gepredigt habe. Da haben mir die Leute gesagt: Wenn sich jetzt niemand bekehrt, dann verstehe ich die Welt auch nicht mehr. Ehrlich gesagt ich manchmal auch nicht. Aber es liegt eben nicht nur an Überzeugungskraft, sondern auch daran, dass Gott die Herzen öffnet.
Gott öffnet das Herz dieser Lydia. Diese Vollmacht hatte Paulus nicht, und hat niemand von uns. Diese Grenze konnte er deshalb nicht überschreiten. Darum war es ihm wichtig, dass die Gemeinde für ihn und vor allem für seinen Auftrag betet.
Alle unsere Anstrengungen nützen nichts, wenn Gott nicht selbst eingreift und die Herzen der Menschen öffnet. Wenn der vorbildliche und von Gott bevollmächtigte Paulus es für nötig erachtete, dass ihn die Gemeinde im Gebet unterstützte, wie nötig haben wir das dann, dass wir uns gegenseitig im Gebet unterstützen und dafür beten, dass Gott Herzen öffnet. Die beste Überzeugungskraft und Argumentation hilft nichts, wenn nicht Gott die Türen der Herzen der Menschen öffnet.
Wir arbeiten in unserer Gemeinde an verschiedenen Projekten, um Menschen die wichtige und lebensrettende Botschaft von Jesus weiterzugeben. Wir haben diesen wichtigen Auftrag in unserer Gemeindeversion festgehalten. Wisst ihr, kann mir jemand auf Anhieb sagen, welches unsere Gemeindeversion ist, von der ich ehrlich gesagt immer noch begeistert bin? Exakt! Darüber könnte ich auch eine Predigt halten.
Ich finde das faszinierend, dass sie beinhaltet: Wir möchten mit Menschen wachsen, die durch Begegnungen mit uns zu Jesus finden. Das ist unsere Vision. Die sollte jeder einfach vom Stand aus sofort sagen können. Das muss sich in uns hineinfressen.

Gemeindeauftrag, Projekte und die Gefahr des bloßen Organisierens

Und wir versuchen, diese Vision in verschiedenen Projekten umzusetzen, zum Beispiel mit dem Bücherstand am Stauffacher. Denn wir haben jetzt schon seit einigen Jahren das Anliegen, Menschen zu begegnen, damit sie mit Jesus in Kontakt kommen.
Diesen Musical-Workshop, den wir übernächste Woche, also am Montag in einer Woche, mit 61 Kindern aus dem Gebiet von Friesenberg starten, machen wir deshalb, weil wir überzeugt sind, dass die Botschaft von Jesus Christus ein Reichtum ist, den wir weiterzugeben haben. Die Sunday States ist etwas, das wir machen, weil wir die Botschaft weitergeben wollen, nicht weil wir einfach coole Gottesdienste machen möchten, sondern weil das Evangelium zu den Menschen kommen soll. Die Jungschar arbeitet seit Jahren daran, dass junge Menschen mit dem Evangelium in Kontakt kommen und diesen Reichtum erkennen. Und das läuft gut.
Wir sind gut darin. Wir können fast perfekte Sonntagszeiten machen, mit einem hohen Level. Wir können super Musicalwochen machen, auf einem hohen Level. Wir haben eine super Jungschararbeit. Wir sind gut organisiert am Stauffacher und was noch alles. Alles geschieht. Aber, meine Lieben, wie viel betet ihr dafür, dass der Herr Herzen öffnet? Wie viel beten wir dafür, dass Menschen den Reichtum des Evangeliums erkennen, den Reichtum, den wir in Christus haben?
Und wie selbstverständlich nehmen wir das hin, dass die Sunday States schon läuft. Das ist ja für die, die nicht glauben. Nun muss ich gar nicht hingehen. Aber darf ich mal fragen: Wenn du nicht hingehst, betest du wenigstens dafür, dass wenigstens die, die da sind und Jesus noch nicht kennen, dass Gott ihnen das Herz öffnet? Oder sind wir so organisationsgläubig?
Wisst ihr, es gibt zwei Gegensätze. Der eine ist: Alles macht der Herr. Und wenn wir etwas gut organisieren, dann sagt man: Das ist Menschenwerk. Dann klagt man: Ja, die machen alles perfekt, die können gut organisieren, aber das ist nicht, was Menschen zum Glauben bringt. Das ist das eine Extrem.
Und das andere Extrem ist, dass die sagen: Wir müssen alles perfekt machen. Wenn wir nicht alles perfekt machen bis ins Detail, dann kommt niemand zum Glauben, weil nur, wenn es gut organisiert ist, kommt jemand zum Glauben. Beides ist dumm. Beides gehört zusammen.
Wir können nicht einfach etwas liederlich machen und sagen: Die Hauptsache macht ja Gott. Gott erwartet von uns, dass wir unser Bestes geben. Und das wollen wir versuchen, wenn wir Musical-Workshops machen. Das wollen wir versuchen, wenn wir Sunday States machen, wenn wir am Stauffacher sind, wenn die Jungschar arbeitet. Wir wollen das Beste geben, wir wollen Qualität liefern.
Aber lassen wir uns nicht täuschen: Das ist nur ein Teil, nur eine Seite, die wir zu tun haben. Die andere Seite ist, dass wir vor Gott auf den Knien flehen, dass er Herzen öffnet.

Persönliche Herausforderung und geistliche Ausrichtung

Es bewegt mich manchmal wirklich. Oder ich war schon so abgeflaggt, dass es mich gar nicht mehr berührte, wenn ich hörte, dass Gemeindeglieder nicht mehr wissen, dass wir einen Sunday State hatten oder jetzt gleich einen haben.
Das ist der zentrale Auftrag, den wir haben. Wenn ihr euch jetzt zurücklehnt und denkt: Ja, die Musicals haben die ja so gut gemacht, und ich freue mich jetzt auf das Zacchaeus-Musical, und dann kann ich das geniessen, und ihr vergesst dabei zu beten, dass Gott Menschenherzen öffnet, in den Familien, wo diese Lieder heute gesungen oder abgespielt werden, und die Eltern müssen das mithören, die Kinder hören das Evangelium – was denken wir dann?
Dann sind wir doch, wenn wir ganz ehrlich sind, ein Stück weit organisationsgläubig. Die Hardware, mal so ganz plump gesagt, die Hardware ist unsere Sache, die Software ist Gottes Sache. Wir müssen unsere Sache sehr gut machen, aber wir dürfen uns nicht täuschen lassen, dass wir sagen: Das ist so perfekt, da kommen Leute zum Glauben. Dann hätte Paulus nicht darum bitten müssen, dass die Gemeinde für ihn betet, damit er seinen Auftrag erfüllen kann.
Da möchte ich uns wirklich ein bisschen herausfordern, dass wir irgendwo auch diese Vision, die wir haben, nicht nur auswendig können, sondern dass wir wissen, was das heisst. Gott öffnet die Herzen der Menschen. Es ist wichtig, dass wir das gut machen, und es ist wichtig, dass wir beten. Und wenn ihr gegen irgendetwas, was wir organisieren, etwas dagegen habt oder denkt, das ist nicht so in Ordnung, oder Probleme habt mit dem Sunday State und deshalb nicht kommt, denkt, das sei nichts für euch, dann betet bitte wenigstens dafür, dass Gott Herzen öffnet. Demütigt euch wenigstens zu dem.
Ich konnte das über Jahre nicht verstehen, dass Leute unsere Sunday States boykottieren, aber nicht in die Gebetszeit kommen, um für Menschen zu beten. Das habe ich nie verstanden, wirklich nie. Denn Gott ist es, der Herzen ändert, und wir versuchen nur, das Beste zu tun, damit Menschen das Evangelium verstehen können, wenn Gott die Herzen öffnet. Und dazu braucht es uns, die wir vor Gott flehen und dieses Anliegen vor ihn bringen: Herr, öffne die Herzen der Menschen!
Wenn wir das Musical machen, öffne die Herzen der Eltern und die Herzen der Kinder. Schenke, dass die Liedertexte ihnen tief ins Herz hineingehen.

Der Blick weg von sich selbst

Etwas ganz Auffälliges, das einem zuerst gar nicht auffällt, ist in diesem Text, dass Paulus, der im Gefängnis sitzt, mit keinem Wort die Gemeinde darum bittet, für sein Wohlergehen zu beten. Er bittet auch nicht besonders darum, dass er aus dem Gefängnis freigelassen würde. Das würden wir doch erwarten. Ich würde das vermutlich auch so schreiben, ehrlich gesagt: Betet, dass ich da endlich mal rauskomme. Wieder mal nach Hause.
Paulus bittet die Gemeinde einzig darum, ihn im Gebet zu unterstützen, damit er seinen Auftrag, die Verkündigung des Evangeliums, dort ausüben kann, wo er gerade ist, im Gefängnis. Statt zu jammern, was er alles nicht kann, beschäftigt ihn der Gedanke, dass er auch da, wo er jetzt ist, ein Zeuge für Jesus ist. Das ist sehr erstaunlich, finde ich.
Sicher, Paulus hatte auch ab und zu persönliche Anliegen weitergegeben. So schrieb er an Philemon: Ich hoffe, dass eure Gebete erhört werden und Gott mir in seiner Gnade ein Wiedersehen mit euch schenkt. Und es gibt noch andere Stellen, an denen Paulus für bestimmte Dinge bittet. Aber immer geht es ihm auch hier um die Erfüllung des Auftrags.
Genauso war es auch bei den Christen in Jerusalem. Als sie massiv verfolgt wurden, war es nicht ihr Hauptanliegen, dass Gott sie von dieser Verfolgung erlöst und die Verfolgung aufhört. Natürlich hätten sie das gerne gehabt, aber das Hauptanliegen war folgendes: Höre nun her, wie sie uns drohen, und hilf uns, als deinen Dienern furchtlos und unerschrocken deine Botschaft zu verkündigen.
Ich finde das krass. Da geht es nicht um Erlösung aus der Schwierigkeit, sondern um die Bitte, in der Schwierigkeit das Wesentliche zu tun. Trotz der Widerstände die Freiheit zu behalten und zu bekommen, unerschrocken die Botschaft zu verkündigen. Selbst wenn die Verfolgung deshalb noch massiver wird.
Die Sorge der Christen war, dass sie sich einschüchtern lassen und das Evangelium nicht mehr verkündigen würden. Das war ihre Sorge, und das wollten sie auf keinen Fall zulassen. Dafür haben sie gebetet. Sie wussten: Dafür brauchen wir die Kraft Gottes. Aber wir wollen die Kraft Gottes genau dafür, weil er uns erlöst hat und wir ihm dienen wollen. Sie wollten den Auftrag, das Evangelium zu verkündigen, ausüben. In ihrer Bitte ging es nicht um ihr persönliches Wohlbefinden.

Gebet, Selbstbezogenheit und die Priorität von Gottes Reich

Wie stark sind unsere Gebete von diesem Anliegen bestimmt, dass es uns gut geht? Oder beschäftigen wir uns in unseren Gebeten vor allem mit unseren persönlichen Anliegen, mit unseren privaten Anliegen? Nicht, dass wir das nicht dürften, aber bitte in einem gesunden Mass.
Jakobus bemerkte diesbezüglich: Wenn ihr Gott bittet, bekommt ihr es nicht, weil ihr nur in der Absicht bittet, eure unersättliche Genusssucht zu befriedigen.
Ein Leben lang können wir uns anscheinend geistlicherweise um uns selber drehen. Das heisst, wir erwarten eigentlich, dass sich Gott vorwiegend um unsere Anliegen kümmert. Er soll sich um mein Leben drehen. Die Aufgabe Gottes ist, mein Leben so schön wie möglich zu machen.
Wenn wir die Schrift lesen, drehen wir Menschen uns um Gott, und wir fragen: Wie können wir dir dienen? Das ist ein Unterschied, ein grosser Unterschied.
Eine gläubige Frau war durch allerlei körperliche Gebrechen gezwungen, ständig mit Medikamenten und restlicher Kontrolle zu leben. Dazu kamen Sorgen in der eigenen Familie, Schwierigkeiten im Haushalt, Ärger und Probleme mit Nachbarn und Hausbewohnern. Kurzum: Ihr Leben war voller Schwierigkeiten und Widerwärtigkeiten.
Aber eines Tages geschah bei ihr eine totale Wandlung, und zwar durch ein Mädchen, das in Not und Verzweiflung an ihrer Tür stand und sie um Hilfe bat. Im Umgang mit diesem Mädchen und beim ernsthaften Beten um seine Rettung erlebte sie, wie plötzlich eine echte Liebe zu den verlorenen Menschen in ihr aufbrach. Je mehr sie sich um sie kümmerte, desto mehr sah sie auch andere, die in Not geraten waren.
Und wenn sie vorher nur ihre eigene Person gesehen hatte, bekam sie jetzt einen Blick für die Schwierigkeiten und Nöte um sie herum. Und je mehr sie anfing, für die Not der anderen zu beten, desto mehr verschwand ihre eigene Not. Sie wurde hilfsbereit. Sie war frei geworden für die Not ihrer Mitmenschen. Durch ihr Gebet für die anderen wurde sie auch an das Stromnest der Liebe Gottes angeschlossen und dadurch frei von sich selbst.
Welche Anliegen bestimmen dein Gebetsleben? Deine ganz persönlichen? Oder auch Anliegen, die gottwichtig sind?
Natürlich, man muss es ja nicht übertreiben, wie jene Studentin, die dann von dem Gedanken, man soll vor allem an die anderen denken, folgendermassen betete: „Herr, da ich nicht für mich selber beten möchte, bitte ich dich für meine Mutter, dass du ihr einen Schwiegersohn schenken möchtest.“
Das wäre dann ein bisschen übertrieben, oder? Das wäre so auch nicht das Wahre. Wir dürfen für eigene Anliegen beten, wir dürfen mit unseren Sorgen vor Gott kommen, das wissen wir ja alle intus. Aber ist uns das auch präsent, wie wichtig es ist, für andere Menschen zu beten, und wie wichtig es ist, dafür zu beten, dass Gott Herzen öffnet?
Was bewegt dich wirklich in deinen Gebeten?

Schlussappell und Gebet

Wie gesagt, wir unternehmen viele Anstrengungen, damit wir unseren Auftrag als Gemeinde erfüllen können. Doch wenn du dabei den Eindruck hast, es würde ja alles gut laufen, und vieles läuft wirklich gut, dann muss ich sagen: Wir stehen immer wieder staunend davor, dass Gott uns das Gelingen schenkt.
Aber wenn du meinst, weil es so gut läuft, deine Gebete für diese Sache seien nicht wichtig, dann irrst du dich ganz gewaltig. Und wenn wir uns fragen, warum in unserer Mitte nicht mehr Menschen zum Glauben kommen, und wir die Fehler bei der Art der Organisation suchen, dann möchte ich dir sagen: Frag dich doch zuerst selbst, wie oft ich dafür gebetet habe, dass Gott Menschen hierher führt und ihnen die Herzen öffnet, damit sie das Evangelium verstehen.
Die Mitarbeitenden versuchen, ihr Bestes zu geben. Das ist eine einfache Angelegenheit. Aber vielleicht müssen wir die Frage einmal umkehren: Wie wichtig ist es mir persönlich, dass Menschen Jesus kennenlernen und gerettet werden, für Zeit und Ewigkeit? Welche Priorität hat das in meinen Gebeten? Und haben die Termine, die wir in unserer Gemeinde haben, Platz in meinen Gebeten? Wir sagen ja auch immer: Wenn am Stauffacher der Tisch aufgestellt wird, hat das Platz in meinen Gebeten, dass Gott uns dort gute Begegnungen schenkt, auch wenn ich nicht selber hinkomme, und dass er gute Gespräche schenkt?
Wir sind auf die Gebete für die verschiedenen Projekte angewiesen, wenn wir die Kraft Gottes erleben möchten. Und erst wenn wir, jeder für sich, Gott darum anflehen, dass er das schenkt, und dann nichts geschieht, dann würde ich jemandem erlauben, den Finger zu erheben und zu sagen: Was macht ihr denn da falsch? Aber nur zu sagen: Was macht ihr denn da falsch, dass keine Menschen zum Glauben kommen?, und selber nicht einmal fünf Sekunden dafür zu beten, dass Gott die Herzen der Menschen öffnet und sie hierher führt, das kann ich nicht akzeptieren. Für mich nicht und für niemanden anders.
Ich bin froh um diese Botschaft, auch für mich. Für unsere Gebete soll gelten, was Jesus einmal selbst sagte: Es soll euch zuerst um Gottes Reich und um Gottes Gerechtigkeit gehen; dann wird euch das Übrige alles dazugegeben. Das könnte auch ein Leitvers für unser Gebetsleben sein.
Worum soll es uns in erster Linie gehen im Gebet? Um Gottes Reich. Und woran hat Gott Freude in seinem Reich? Er freut sich, wenn Menschen, Sünder, umkehren und er ihnen ewiges Leben schenken kann.
Ich bete mit uns.
Vater, wir machen so vieles gut in unserer Gemeinde. Vieles gelingt uns, auch Organisatorisches und Vorbereitungen, und viele helfen mit. Und vielleicht muss ich auch von mir eingestehen, dass ich vergessen habe, so intensiv darum zu ringen, dass du Herzen öffnest.
Wir wissen das alle theoretisch: Dass wir das, worauf es ankommt, nicht selber machen können. Man kann das nicht planen, nicht organisieren, sondern das kannst du in deiner Kraft bewirken. Und hilf uns, dass wir Kinder von dir sind, Menschen, dass wir eine Gemeinde sind, die weiß, dass du das Wesentliche tust, und die nicht aufhört, vor dich zu treten und dich anzuflehen, dass du Menschen rettest, dass du Herzen öffnest, dass du das gebrauchst, was wir tun: Sunty State, Musical, Jungschar oder auch am Stauffacher.
Dass wir das tun im Bewusstsein, dass das dann Wirkung hat, wenn wir uns bewusst sind, dass du das Wesentliche tust, dass das zusammenspielen muss mit dem, was wir organisieren, mit dem, was du tust durch die Kraft deines Geistes.