Einleitung: Vertrautheit, Veränderung und bleibende Freundschaft
Also, ich muss sagen: Das ist, glaube ich, die schönste Vorstellung, die ich je hatte. Freund des wahren David – besser kann man gar nicht vorgestellt werden. Alles andere ist schon fast Nebensache, auch wenn wir uns auf unser zweites Kind sehr freuen und sehr gespannt sind auf das, was sich dadurch auch wieder im Leben verändert.
So ist das Leben: Es verändert sich immer wieder. Aber eins bleibt gleich, eins bleibt immer gleich: Wenn wir mit Jesus Christus unterwegs sind, dann sind wir seine Freunde. Das wird sich nie ändern. Dafür sind wir dankbar. Und deswegen sind wir auch hier und wollen jetzt gemeinsam Jesus Christus auch im Alten Testament begegnen, ihn im Alten Testament entdecken.
Samuel hat es ja schon ein bisschen eingeleitet am Anfang. Wir haben häufig das Bild, dass wir im Neuen Testament einen anderen Gott haben als im Alten Testament. Im Neuen Testament wird also mehr die Gnade betont und im Alten Testament mehr das Gericht.
Wir möchten uns heute Morgen in eine Geschichte vertiefen, in der wir sehen, dass das nicht der Fall ist. Der Gott, an den wir glauben, der Gott, der uns in Jesus Christus erschienen ist, ist derselbe im Alten Testament wie im Neuen Testament. Und er handelt auf dieselbe Art und Weise, wie er es auch im Neuen Testament tut.
Bevor wir uns in diese Geschichte vertiefen, möchte ich noch mit uns beten und Gott bitten, dass er uns aufmerksame Ohren schenkt.
Himmlischer Vater, wir danken dir dafür, dass du uns dein Wort gegeben hast. Du offenbarst dich in deinem Wort, aber wir werden dein Wort nur verstehen, wenn du es uns auftust. Deswegen bitten wir dich darum, dass du heute Morgen zu uns redest durch deinen Heiligen Geist, der uns dein Wort offenbart und dein Wort verständlich macht. Und wir bitten dich, dass du in uns wirkst. Amen!
Von Jakob zu Israel: Der Weg nach Ägypten und die neue Bedrohung
Gestern haben wir uns gemeinsam in eine Geschichte vertieft, in der Gott einer einzelnen Person begegnet ist, Jakob, und in der er Jakob durch diese Begegnung verwandelt hat. Wir möchten uns jetzt eine Geschichte anschauen, in der Gott nicht einer einzelnen Person begegnet, sondern einem ganzen Volk. Und die Geschichte ist gestern schon das eine oder andere Mal angeklungen, sowohl bei mir, glaube ich, als auch bei Benjamin, und zwar die Geschichte vom Exodus, die Geschichte vom Durchzug durchs Schilfmeer, in die wir uns gemeinsam vertiefen möchten. Wir werden sehen: Entschuldigt meine Stimme, irgendwie hat meine Stimme seit gestern Abend gelitten. Ich weiß auch nicht genau, was der Grund ist, aber ich merke es gerade selbst extrem. Auf jeden Fall werden wir sehen: Gott rettet durchs Gericht hindurch. Gott rettet durchs Gericht hindurch, und das ist ein Grundprinzip, das wir in der Bibel sehen und das nicht erst im Neuen Testament offenbart wird, sondern eben auch schon im Alten Testament. Wir werden sehen, was es bedeutet, dass Gott durchs Gericht hindurch rettet.
Bevor wir aber in diese Geschichte hineingehen, müssen wir wie gestern einen kurzen Rückblick machen. Gestern haben wir einen kurzen Rückblick gemacht, wer eigentlich Jakob ist. Heute machen wir einen kurzen Rückblick: Wer ist eigentlich Israel, beziehungsweise wie kommt es eigentlich dazu, zu dieser Situation am Schilfmeer?
Nach der Situation, die wir uns gestern angeschaut haben, in der Gott mit Jakob ringt, kommt Jakob ein wenig später mit seiner Familie nach Ägypten. Damals kommen sie nach Ägypten als Freunde. Doch die Zeiten ändern sich ein wenig, der Pharao ändert sich, und sie sind auf einmal nicht mehr Freunde in Ägypten, sondern sie sind Sklaven. Sie sind nicht mehr frei in Ägypten, sondern sie dienen dem Pharao, und zwar zwangsläufig, weil der Pharao es so möchte, der König von Ägypten.
Und jetzt schreien sie zu Gott um Hilfe. Sie erinnern sich an den Gott ihrer Erzväter, an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, und sie schreien zu Gott. Gott hört ihr Schreien, und er rettet sie aus Ägypten. Dort ist ja diese Geschichte, die sicherlich den meisten von uns sehr gut bekannt ist: die Geschichte von den zehn Plagen. Also keine Angst, ich frage euch jetzt nicht ab, was die zehn Plagen sind, sondern Gott gebraucht zehn Plagen, um das Ganze nach und nach voranzutreiben. Man könnte sagen: Er dreht die Schraube ein bisschen fester zu, bis zur zehnten Plage, wo es darum geht, dass Gott eben alle Erstgeburt des Landes tötet.
Nach dieser zehnten Plage hat er den Pharao an einem Punkt, an dem der Pharao das Volk ziehen lässt. Ja, nicht nur ziehen lässt, er jagt es förmlich aus dem Land. Denn Gott hat letztlich seine Macht gezeigt und gezeigt, wer wirklich der Herr im Haus ist, wer wirklich das Sagen hat. Und der Pharao und seine Götter hatten nichts, aber auch gar nichts, auszurichten gegen Gott. Und jetzt ist dieses Volk frei, es ist aus der Gefangenschaft heraus.
Zwischen Angst und Glauben: Das Volk am Rand des Auswegs
Aber nicht allzu lange danach merken wir: Okay, so frei ist es dann doch nicht, wie es eigentlich ist. Zumindest ist die Situation irgendwie noch ein bisschen schwierig, denn der Pharao überlegte es sich anders. Weil Gott sein Herz bewegt hatte, überlegte er es sich anders. Und plötzlich bekommt er den Gedanken: Mensch, was habe ich jetzt gemacht? Jetzt habe ich meine besten Arbeitskräfte ziehen lassen, ich muss die wiederholen. Also jagte er mit seiner Streitmacht hinterher.
Zum Verständnis: Ägypten war damals eine Weltmacht. Und die Streitmacht der Ägypter war so ziemlich eine der besten und bestausgebildeten Armeen, die es gab. Und diese Armee zieht jetzt diesem Volk Israel hinterher, einem Volk, das nicht kämpfen konnte. Das waren Sklaven. Die haben gearbeitet, die haben nicht gekämpft. Das heißt, sie hatten keinen blassen Schimmer von Kämpfen, sie hatten keine Waffen und gar nichts.
Und jetzt kommt diese Armee hinter ihnen her, und auf einmal sind die Israeliten wie eingekesselt. Denn vor ihnen, sie sind in der Wüste, und vor ihnen ist das Meer. Es gibt keinen Ausweg. Hinter ihnen die Armee, vor ihnen das Meer. Und genau hier wollen wir einsetzen in den Text.
Ich lade euch ein, auch wenn ihr eure Bibeln dabei habt, ruhig eure Bibeln mit aufzuschlagen, und zwar im zweiten Buch Mose, Kapitel 14. Ich lese uns Vers 10: Und als der Pharao nah herankam, also mit seiner ganzen Streitmacht, hoben die Kinder Israel ihre Augen auf, und siehe, die Ägypter zogen hinter ihnen her. Da fürchteten sich die Kinder Israel sehr und schrien zum Herrn.
Also: Diese Armee kommt, die Israeliten sehen diese Armee, und die Reaktion der Israeliten ist völlig verständlich. Sie bekommen Angst. Wohlgemerkt bekommen sie Angst, obwohl ja Gott eigentlich noch zwischen dieser Armee und dem Volk Israels ist. Das hatte gestern Benjamin erwähnt: Gott, der in der Feuersäule beziehungsweise in der Rauchsäule und in der Nacht im Feuer da ist, stellt sich hinter das Volk und baut so wie eine Barriere zwischen den Ägyptern und dem Volk Israel auf. Und trotzdem sehen sie natürlich die Armee, und sie bekommen Angst, weil sie wissen: Wenn diese Armee uns erreicht, bedeutet das unser Ende.
Und ihre Reaktion wird dann verdeutlicht, wenn wir einen Vers weitergehen: Und sie sagten zu Mose: Waren nicht Gräber in Ägypten, dass du uns weggeführt hast, damit wir in der Wüste sterben? Warum hast du uns das angetan, dass du uns aus Ägypten geführt hast?
Dieses Volk scheint offensichtlich total vergessen zu haben, was in der Vergangenheit war. Sie waren Sklaven. Sie waren keine freien Leute, sondern sie haben dem König von Ägypten gezwungenermaßen gedient. Und sie haben offensichtlich auch vergessen, zumindest ist es ihnen nicht wirklich präsent, was Gott getan hatte. Er hat diesen Pharao in die Knie gezwungen. Dieser Pharao hatte nichts entgegenzusetzen.
Und jetzt sind sie aber konfrontiert mit dieser Armee und diesem Pharao, und auf einmal bekommen sie weiche Knie. Sie bekommen Angst. Sie bekommen Angst, und sie bekommen, man könnte sagen, so ein Stück weit eine Rückwärtssehnsucht. Und sie erinnern sich an das, was sie in Ägypten hatten, und sie haben das vor Augen, was sie sich vorstellen können. Und sie können sich vorstellen: Okay, wenn die Armee uns erreicht, dann sind wir tot. Dann sterben wir, das war unser Ende.
Also logisch: Was ist der logische Schluss? Es wäre besser gewesen, wir wären in Ägypten geblieben, da wären wir zumindest am Leben. Übrigens: Diese Rückwärtssehnsucht bei Israel, die hört nicht auf mit dem Durchzug durchs Schilfmeer. Da komme ich nachher noch darauf zurück. Die Rückwärtssehnsucht nach Ägypten, die bleibt bestehen, auch noch in Kapiteln danach, wo sie sich zurücksehnen nach den Fleischtöpfen von Ägypten.
Auf jeden Fall sehen wir hier wieder etwas. Ich habe gestern gesagt, bei Jakob begegnet Gott uns nicht dann, wenn wir ihn in erster Linie suchen, sondern dann, wenn er beschlossen hat, uns zu verwandeln. Und genauso sehen wir hier ein Volk, dem Gott nicht begegnet, da wo es stark ist, sondern da, wo es am Ende ist.
Dieses Volk ist völlig am Ende. Sie sind eingekesselt. Es geht nicht vor, nicht zurück. Es gibt keinen Weg für sie. Und das, was sie sich vorstellen können, das, was sie sehen, ist der sichere Tod, das Ende. Und genau hier begegnet Gott. Genau hier kommt Gott hinein in diese Situation, und er schafft etwas, was nicht von dieser Welt ist. Und das sehen wir jetzt, oder ich denke, die meisten von euch kennen die Geschichte, was kommt. Trotzdem schauen wir uns jetzt gemeinsam die einzelnen Dinge an, zumindest so im groben Durchgang.
Gottes Eingreifen: Rettung, die nicht aus menschlicher Kraft kommt
Die Antwort von Mose an das Volk ist ziemlich interessant. In den Versen 13 und 14 heißt es: Fürchtet euch nicht! Steht fest und seht zu, was für eine Rettung der Herr euch heute bereiten wird. Denn wie ihr die Ägypter heute seht, werdet ihr sie in Ewigkeit nie mehr sehen. Der Herr wird für euch kämpfen, und ihr werdet stille sein.
Die Antwort von Mose ist nicht: Keine Angst, ich habe einen Plan. Hinter diesem Stein sind ganz viele Waffen, die sind übernatürlich, und wir werden die Ägypter besiegen. Das ist nicht die Antwort von Mose. Die Antwort von Mose ist: Leute, habt keine Angst, tut einfach nichts. Das ist die Antwort von Mose. Tut einfach nichts, schaut einfach zu, weil nicht ihr werdet kämpfen, sondern Gott wird kämpfen.
Nicht Gott ist Zuschauer hier. Gott hat dieses Volk nicht in eine brenzlige Situation gebracht, in eine ausweglose Situation, um zuzuschauen, wie sie vernichtet werden. Sondern Gott hat dieses Volk in diese Situation gebracht, damit sie zuschauen können, wie Gott sie rettet. Nicht Gott ist Zuschauer, sondern das Volk. Nicht das Volk handelt und kämpft sich den Weg heraus, sondern Gott. Gott hat dieses Volk in die Situation gebracht, damit sie sehen können, wie Gott sie rettet. Und wie rettet er sie? Eben auf eine übernatürliche Weise. Wie gesagt, es gibt keinen Weg.
Und jetzt gibt Gott Mose einen Auftrag. Und dieser Auftrag klingt natürlich aus menschlicher Sicht total bescheuert. Mose, nimm deinen Stock und streck ihn aus. Ja, was soll da schon groß passieren? Und dann macht Gott etwas, und gestern hat Benjamin das schon angedeutet: Er macht hier etwas, was mit Erschaffung zu tun hat. Er schafft einen Weg, er schafft Land, wo nur Wasser ist. Er schafft einen Weg, wo das Volk trockenen Fußes hindurchgehen kann, durch dieses Wasser. Und damit knüpft er an die Schöpfung an. Er handelt in gleicher Weise wie in der Schöpfung. Er schafft etwas, was nicht da ist.
Das heißt, Gott geht her und setzt kurzerhand einfach die Naturgesetze, die er selber in die Welt hineingelegt hat, außer Kraft. Und so lesen wir: Und die Kinder Israels gingen auf dem Trockenen mitten ins Meer hinein, und das Wasser war ihnen eine Mauer zu rechter und zu linker Seite. Das Volk geht jetzt trockenen Fußes durch dieses Wasser hindurch. Gott hat ihnen einen Weg geschaffen, wo kein Weg war. Dort, wo kein Ausweg war, hat Gott einen Weg geschaffen.
Gericht und Rettung im selben Ereignis
Aber dieser Weg ist etwas Besonderes, weil dieser Weg nicht einfach ein, man könnte sagen, neutraler Weg ist, auf dem man jetzt hin und her gehen kann, so wie man möchte, sondern dieser Weg ist ein zweifacher Weg. Auf der einen Seite ist dieser Weg Rettung für Israel.
Und jetzt lesen wir weiter, was die Ägypter machen. Natürlich, logisch, sie laufen hinterher. Sie wollen ja die Israeliten fangen, wollen sie wieder zurückholen. Und wenn die Israeliten das können, dann können wir das erst recht. Zwischendrin merken sie auf einmal: Oh Mist, das ist ja gar kein Kampf zwischen Israel und uns, sondern es ist ein Kampf zwischen Gott und uns, dem lebendigen Gott. Da ist es schon zu spät, weil wir lesen dann in Vers 27: Da streckte Mose seine Hand aus über das Wasser, und das Meer kam gegen Morgen in sein Bett zurück. Und die Ägypter flohen ihm entgegen, so stürzte der Herr die Ägypter mitten ins Meer.
Dieser Weg, den Gott hier schafft, durch das Wasser hindurch, ist auf der einen Seite Rettung für das Volk, auf der anderen Seite ist es letztlich Gericht für Ägypten. Die Ägypter ersaufen, die Ägypter gehen unter. Und genau das ist das, was Gott hier tut. Er rettet auf wundersame Weise durch das Gericht hindurch. Gericht für Ägypten, Rettung für Israel. Gericht für den, der sich gegen Gott stellt, Rettung für den, der glaubt.
Denn was mussten die Israeliten tun? Glauben, vertrauen. „Seht zu, was ich tun werde“ bedeutet nichts anderes als: Seid still und seht zu, was ich tun werde. Es bedeutet nichts anderes als: Vertraut mir und schaut, was ich tun werde. Es ist Glaube. Der Glaube, der sie hier hindurchführt, und das Gericht, das letztlich die Ägypter trifft.
Das Spannende ist ja: Wenn wir jetzt hier weiterlesen, dann sehen wir jetzt so einen Rückblick, und dort lesen wir davon: So errettete der Herr Israel an dem Tag aus der Hand der Ägypter, und Israel sah die Ägypter tot am Ufer des Meeres. Da Israel die große Hand sah, mit der der Herr an den Ägyptern gehandelt hatte, fürchtete das Volk den Herrn, und sie glaubten an den Herrn und an seinen Knecht Mose.
Gott gebraucht dieses Ereignis, dieses Gericht an den Ägyptern, nicht nur, um das Volk einfach zu retten, sondern auch noch, um ihren Glauben zu stärken. Sie blicken zurück, sie sehen, wie Gott Gericht geübt hat an den Ägyptern, und ihr Vertrauen zu ihm wird gestärkt.
Erinnert euch an dieses Volk: Das Volk ist immer noch dasselbe Volk, das ein paar Verse davor zu Mose gesagt hat: Wären wir doch besser in Ägypten geblieben, wären wir doch besser dort geblieben, da wären wir wenigstens am Leben geblieben. Also dieses Volk, das eigentlich zurück nach Ägypten wollte, was macht Gott? Er begräbt Ägypten, er schließt den Weg. Der Weg zurück ist zu.
Es ist ein Gericht, das Gott übt, auf der einen Seite, um Rettung zu schaffen, auf der anderen Seite, um den Glauben des Volkes zu stärken. Und was wir hier sehen, ist nicht einfach eine einzelne Episode. Es ist nicht das einzige Mal, dass Gott Gericht übt und dadurch rettet, sondern es ist ein Prinzip, das wir in der Bibel sehen, und zwar das Prinzip, dass Gott durch das Gericht hindurch rettet. Gericht ist kein Fremdkörper der Heilsgeschichte Gottes, sondern es ist ein Werkzeug in der Heilsgeschichte Gottes. Gott gebraucht Gericht, um zu retten.
Gottes Treue und das Nein zum Widerstand gegen seine Verheißung
Gehen wir noch einmal zurück zu dem, was Gott hier sagt. In Vers 13 und 14, oder was Mose sagt: Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu, was für eine Rettung der Herr euch heute bereiten wird.
Das Ziel Gottes war ja nicht, Gericht zu halten, um zu zerstören, weil Gott Lust daran hat, zu zerstören. Das ist gar nicht der Gedanke hier. Der Gedanke Gottes, warum er Gericht übt, ist vielmehr, dass er retten möchte. Das heißt: Das, was Gott tut, ist Rettung. Das Gericht ist an dieser Stelle sozusagen das notwendige Übel, das, was zwingend notwendig ist, damit Rettung geschieht.
Wir sehen dann auch, wie Gott Gericht übt, bevor die Ägypter untergehen. Da sagt Gott jetzt hier eben zu Mose in Vers 26: Aber der Herr sprach zu Mose: Strecke deine Hand aus über das Meer, damit das Wasser über die Ägypter zurückkehrt, über ihre Wagen und Reiter.
Gericht ist nicht etwas, was im Chaos passiert. Gericht ist nicht etwas, was willkürlich passiert, sondern Gericht ist etwas, das geordnet ist, das von Gott angeordnet ist, das zielgerichtet ist und das begrenzt ist. Das Gericht Gottes fokussiert sich hier auf die Ägypter. Sie sind die, die untergehen. Es ist nicht einfach ein willkürliches Gericht.
Und Gericht ist hier, oder Gericht wird deutlich: Es ist nichts anderes als ein Zeichen der Treue Gottes. Gericht ist ein Zeichen der Treue Gottes. Das klingt für uns manchmal ein bisschen komisch in unseren Ohren, in unserer heutigen Gesellschaft, aber Gericht ist ein Zeichen der Treue Gottes.
Warum ein Zeichen der Treue Gottes? Gott hatte Verheißungen gegeben, bereits Abraham Verheißungen gegeben. Was war die Verheißung? Die Verheißung war, dass er seine Nachkommen zu einem großen Volk macht, dass er dieses Volk in das Land Kanaan bringt. Und zu dieser Verheißung hat sich Gott verpflichtet.
Jetzt haben wir die Ägypter. Was ist die Mission der Ägypter? Die Mission der Ägypter ist: Dieses Volk wird niemals nach Kanaan ziehen, dieses Volk wird nicht ein großes Volk werden. Der Pharao hatte angeordnet, die Kinder der Ägypter, die männlichen Nachkommen, vorher zu töten. Der Pharao von Ägypten verfolgt eine Agenda, die der Verheißung Gottes entgegentritt. Und das, was der Verheißung Gottes sich in den Weg stellt, muss sterben. Das ist ganz simpel. Ein ganz simples Prinzip: Das, was sich der Verheißung Gottes in den Weg stellt, muss Gott aus dem Weg räumen, um seiner Verheißung treu zu sein.
Und genau das passiert hier, genau das sehen wir hier. Man könnte sagen: Gericht Gottes ist das Nein zu allem, was sich ihm in den Weg stellt, das Nein zu der Gewalt, das Nein zu der Unterdrückung, das Nein dazu, dass sich dieser Pharao an die Stelle Gottes setzen wollte. Und gleichzeitig ist das Gericht das Ja zu seinen Verheißungen, das Ja zum Leben, wozu Gott den Menschen und auch spezifisch hier in diesem Fall das Volk Israel bestimmt hat. Denn dadurch, dass er das andere tötet, das andere im Meer ersaufen lässt, schützt er das Leben. Er schützt sein Ja, er gibt seinem Ja Raum.
Das heißt nicht, dass Gott Spaß daran hat. Übrigens als Beispiel nur Hesekiel 18,23: Meinst du, dass ich Gefallen habe am Tod des Gottlosen, spricht der Herr, Herr, und nicht vielmehr daran, dass er sich von seinen Wegen bekehrt und lebt?
Gott hat keine Freude daran, dass der Gottlose stirbt. Es macht ihm keinen Spaß, um in der Sprache unserer Gesellschaft zu sein. Es macht ihm keine Freude. Nein, es ist ein notwendiges Übel. Er muss es tun. Und wenn Gott rettet, dann stirbt zwangsläufig etwas. Und zwar alles, was sich seinem Ja zu seinen Verheißungen, zu dem, was er gesagt hat, entgegenstellt.
Das Passa als Vorbild: Stellvertretung und das Blut des Lammes
Gehen wir noch einen kleinen Schritt zurück, bevor Israel durchs Schilfmeer zieht, sehen wir eine andere Situation, in der auch jemand durch etwas hindurchzieht: nicht das Volk, sondern Gott. Er zieht durch das Land hindurch, durch Ägypten. Und diese beiden Situationen gehören ein Stück weit zusammen. Es ist mehr oder weniger eine große Thematik des Exodus, also des Auszugs aus Ägypten.
Und was sehen wir dort? Das ist wichtig. Es ist etwas Ähnliches wie das, worauf gestern schon hingewiesen wurde. Das ist auch wichtig für das Verständnis. Wir gehen zurück in Kapitel 12, und ich möchte einfach Vers 12 lesen.
Kapitel 12, Vers 12:
Wir sind bei der zehnten und letzten Plage, denn ich will in derselben Nacht durch Ägypten gehen und alle Erstgeburten in Ägypten erschlagen unter Mensch und Vieh und will über alle Götter der Ägypter Strafgericht halten, ich, der Herr.
Bei der zehnten und letzten Plage sagt Gott: Ich gehe durch das Land, und ich halte Gericht in diesem Land. Und hier meint Gott zunächst auch das Land an und für sich. Das heißt, Gott geht durch das gesamte Land hindurch. Wer war auch in dem Land? Die Israeliten. Sie waren ebenfalls in diesem Land, sie haben dort gelebt. Das heißt, Gott geht auch bei ihnen vorbei.
Warum bleiben aber die Israeliten verschont? Warum wird die Erstgeburt der Israeliten verschont, während die Erstgeburt der Ägypter stirbt? Der Grund dafür ist nicht die Leistung der Israeliten. Es ist nicht so, dass sie Gott gegenüber besonders treu gewesen wären. Es ist auch nicht so, dass sie moralisch besser gewesen wären als die Ägypter. Das kann sein, dass sie vielleicht etwas besser gewesen sind; zumindest von der Beschreibung her könnte das nahelegen. Aber das ist hier nicht der Punkt. Das ist gar nicht der Punkt, warum Gott an den Israeliten vorbeigeht.
Der Punkt ist vielmehr, dass Gott das Blut sieht. Das ist der Grund, warum Gott an den Israeliten vorbeigeht, warum er nicht die Erstgeburt der Israeliten tötet. Denn Gott hat vorher das sogenannte Passa eingesetzt. Und beim Passa war es so, dass ein Lamm stellvertretend sterben musste. Das heißt: Ein Lamm wurde geopfert, pro Familie oder pro Haus, und dann wurde das Blut des Lammes genommen und an die Türpfosten gestrichen. Dieses Lamm musste sterben, damit die Erstgeburt leben konnte. Das ist der Gedanke dahinter.
Das heißt, wir haben hier ein stellvertretendes Opfer, einen Stellvertreter. Israel wird nicht aus der Sklaverei in Ägypten befreit, weil sie besser wären als die Ägypter, sondern Israel wird befreit, weil Gott gnädig ist. Sie gehen durchs Schilfmeer nicht als moralisch gute Helden, sondern als Begnadigte. Das ist die Realität bei den Israeliten. Und das ist auch die Grundlage dafür, warum sie überhaupt erst durchs Schilfmeer hindurchgehen.
Und dieses Stellvertreterprinzip ist übrigens ein Prinzip, das die Bibel extrem entfaltet, auch innerhalb der gesamten Schrift. Wir sehen das zum Beispiel in Jesaja, in dieser ganz bekannten Stelle vom leidenden Gottesknecht, Jesaja 53, wo Gott unter anderem sagt: Aber er ist wegen unserer Schuld verwundet und wegen unserer Sünde zerschlagen worden, die Strafe liegt auf ihm, damit wir Frieden haben, und durch seine Wunden sind wir geheilt.
Das heißt, Gott schafft hier eine Stellvertretung. Stellvertretung bedeutet: Jemand anderes, der nichts getan hat und der kein Gericht zu erwarten hat, nimmt das Gericht auf sich für jemanden, der es eigentlich verdient hat. Das ist Stellvertretung.
Und diese Stellvertretung gipfelt natürlich, wenn wir uns die Schrift ansehen, in Jesus Christus. Es gibt keinen größeren Stellvertreter als Jesus Christus. Alle Stellvertretungen, die wir in der Schrift haben, weisen im Alten Testament auf Jesus Christus hin. Wir reden in der Theologie dabei von Typus und Antitypus. Typus bedeutet gewissermaßen: Es ist ein Abbild, ein Vorausschatten, etwas, das noch nicht vollkommen ist, sondern das den Antitypus abbildet. Anti klingt für uns ein bisschen negativ, ist in diesem Fall aber nicht negativ, weil Anti hier das Urbild meint, das Wirkliche, das Vollkommene. Und der Antitypus ist Jesus Christus. Er ist der wirkliche Stellvertreter, er ist das wirklich stellvertretende Opfer, das wegen der Sünde von uns Menschen gerichtet wurde.
Die tiefere Rettung: Von Ägypten zur Sünde, von der Gegenwart zur Verherrlichung
Gehen wir zurück ans Meer, ans Schilfmeer, ans Wasser. Dasselbe Wasser, was ich ja schon gesagt habe: Dasselbe Wasser bringt Gericht und Rettung. Es ist exakt dasselbe Wasser. Gericht für die Ägypter, Rettung für Israel. Gericht und Rettung fallen hier eben zusammen. Und wie gesagt, das ist ein Grundprinzip, das sich durch die Bibel hindurchzieht.
Aber schauen wir uns an, was wir hier überhaupt haben, die einzelnen Elemente, damit wir das Grundprinzip verstehen. Wenn Rettung geschieht, braucht es ja auch etwas, wovor gerettet wird. Ansonsten braucht es keine Rettung. Das ist, glaube ich, für jeden von uns klar. Gerettet werden muss nur der, der auch etwas hat, wovor er gerettet werden muss.
Bei den Israeliten war die Rettung vor der Sklaverei, oder von der Sklaverei in Ägypten. Sie waren Sklaven in Ägypten, Gott hat sie gerettet aus dieser Sklaverei heraus. Jetzt ist es so: Israel war gerettet, physisch gerettet aus Ägypten, und Ägypten war auch nach dem Schilfmeer physisch tot.
Jetzt ist es aber so, dass, was ich eben schon erwähnt habe, diese Rückwärtssehnsucht nach Ägypten immer noch da ist. Ägypten ist zwar physisch tot, aber Ägypten ist immer noch im Herz der Israeliten. Und spätestens da wird übrigens auch deutlich, dass die eigentliche Rettung nicht aus der Sklaverei Ägyptens sein kann, sondern dass es eine viel tiefere, eine viel tiefgründigere Rettung braucht, und zwar aus der Sklaverei der Sünde. Und das ist das Bild, das uns ja die Bibel aufbaut.
Und hier haben wir jetzt eben, wenn wir uns das anschauen, verschiedene Stadien, könnte man sagen, von denen wir reden. Wenn wir aus der Rettung aus der Sklaverei der Sünde sprechen, haben wir auf der einen Seite die Rettung von den Folgen der Sünde. Wir sind gerettet von den Folgen der Sünde. Als Christus am Kreuz gestorben ist, mit seinem Blut bezahlt hat und auch auferstanden ist und wir daran glauben, sind wir gerettet von den Folgen der Sünde, von dem Tod, von dem ewigen Getrenntsein von Gott. Das heißt, wir sind gerettet von dem Gericht, das uns eigentlich erwartet, weil wir es verdient haben.
Auf der anderen Seite sind wir auch gerettet von der Macht der Sünde. Die Sünde selbst hat keine Macht mehr über uns, das macht die Bibel uns deutlich. Christus hat die Macht der Sünde am Kreuz gebrochen. Und die beiden Sachen, könnte man sagen, spricht man von, oder man könnte sie als Rechtfertigung und Heiligung bezeichnen. Wir sind gerechtfertigt und wir sind geheiligt.
Jetzt ist es aber so, und das ist uns, glaube ich, allen bewusst: Heiligung ist nicht nur ein Zustand, sondern auch ein Prozess. Wir sind nicht nur geheiligt, sondern wir sind in einem Prozess der Heiligung. Und das hätte etwas mit dem dritten Punkt zu tun, bezüglich der Sünde. Und zwar gibt es etwas, was noch nicht Realität ist, auf das wir noch warten, und zwar, dass wir gerettet werden von der Gegenwart der Sünde, weil die Sünde noch da ist. Die Sünde existiert noch in dieser Welt, und es ist immer noch möglich, uns zurückzusehnen nach der Sünde. Es ist immer noch möglich, dass wir mit Sünde konfrontiert sind, so wie das Volk Israel, wo zwar die Ägypter physisch tot sind, sie durch das Meer hindurchgezogen sind, aber trotzdem immer noch diese Rückwärtssehnsucht haben.
Das könnte man mit der Verherrlichung bezeichnen. Das heißt, wir warten noch darauf, dass wir verherrlicht werden, und das werden wir, wenn wir eines Tages in der Ewigkeit bei Gott sind. Dann, wenn wir in der neuen Schöpfung sind, dann, wenn es keine Sünde mehr, kein Schmerz, kein Leid mehr geben wird. Also Rettung geschieht vor der Sklaverei, oder von der Sklaverei, und zwar im Endeffekt von der Sklaverei der Sünde.
Gnade, Mittlerschaft und das bleibende Muster göttlichen Handelns
Wie geschieht Rettung? Wie hat Gott Israel am Schilfmeer gerettet? Ich habe es eben erwähnt, in den Versen 13 und 14. Dort sehen wir es. Ich lese uns noch einmal kurz die Verse:
Mose aber sagte zum Volk: Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu, was für eine Rettung der Herr euch heute bereiten wird. Denn wie ihr die Ägypter heute seht, werdet ihr sie in Ewigkeit nie mehr sehen. Der Herr wird für euch kämpfen, und ihr werdet stille sein.
Wie geschieht die Rettung? Es ist Gnade, es ist schlicht und weg Gnade. Israel tut nichts, rein gar nichts. Es ist einfach nur Gnade. Gnade ist nicht etwas, was im Neuen Testament neu erfunden wird. Israel ist aus Ägypten gerettet worden aus Gnade, nicht weil sie etwas getan hätten, sondern sie sollten still sein, zuschauen, vertrauen. Das heißt, es ist keine Leistung, die sie rettet. Genauso wenig auch, wenn wir auf Christus schauen.
Die Rettung aus der Sklaverei der Sünde hat nichts mit Leistung zu tun. Es ist Gnade, wir haben nichts dazu beigetragen. Gar nichts. Das Einzige, was wir tun, ist, wir schauen aufs Kreuz und wir vertrauen darauf, dass Christus für uns gestorben und auch auferstanden ist.
Und wodurch geschieht die Rettung? Das ist noch interessant. Wodurch geschieht die Rettung? Die Rettung geschieht durch einen Mittler. Wir haben hier den Mittler bei Israel. Wer ist der Mittler? Das ist, glaube ich, für uns alle, wenn ich die Frage stelle, relativ simpel zu beantworten. Das ist Mose. Es wird ja auch keine andere Person namentlich erwähnt.
Das heißt: Mose tritt hier als Mittler auf, weil er sich auf der einen Seite mit Israel identifiziert. Er wird mit Israel identifiziert, mit diesem Volk, das gerettet werden muss. Und auf der anderen Seite wird er mit Gott identifiziert, als derjenige, der dem Volk Gottes Auftrag weitergibt, gewisse Dinge zu tun, und durch den Gott die Rettung letztlich herbeiführt. Das heißt, wir haben hier diesen Mittler Mose, der als Mittler zwischen dem Volk und zwischen Gott auftritt, und so wird die Rettung eigentlich mit ihm, durch ihn, an ihm vollzogen.
Und Mose ist hier nur ein Vorschatten auf den eigentlichen Mittler. Denn der eigentliche Mittler ist nicht Mose. Mose ist kein vollkommener Mittler. Mose ist ein Sünder wie du und ich. Mose ist nicht ganz Mensch und ganz Gott. Aber jemand anders, und zwar Jesus Christus.
Und das wird auch dadurch deutlich, durch das, was gestern schon kurz von Benjamin erwähnt wurde. Bei der Exodus-Geschichte sehen wir im Neuen Testament, dass Paulus sagt, Israel wurde auf Mose getauft. Das heißt: Mose, der Mittler hier. Während wir auf Christus getauft sind. Also er macht das nicht im selben Zug, sondern das eine steht im 1. Korintherbrief, das andere zum Beispiel im Römerbrief. Aber es wird deutlich: Auf der einen Seite ist Israel durch Mose gerettet, oder nicht durch Mose gerettet, aber Mose ist der Mittler. Sie sind auf Mose getauft, wir sind auf Christus getauft. Er ist der Mittler.
Und wenn wir, ähnlich wie Israel hier, ich lese uns noch einmal den Vers 31: Da Israel die große Hand sah, mit der der Herr an den Ägyptern gehandelt hatte, fürchtete das Volk den Herrn, und sie glaubten an den Herrn und an seinen Knecht Mose.
Dort, wo Gott Gericht übt und wir das Gericht sehen, dort, wo wir Gottes Hand im Gericht sehen, dort werden wir auch lernen, Gottes Hand im Heil oder in der Rettung zu sehen. Genau das ist es, was wir hier bei den Israeliten sehen. Sie sehen jetzt dieses Gericht. Sie sehen die toten Ägypter. Sie sehen, wie ihre Vergangenheit gestorben ist. Das Alte ist tot. Und in dem Moment, was passiert? Sie fürchten Gott, ihr Glaube wird gestärkt.
Und genau das ist dasselbe, was bei uns passiert, wenn wir aufs Kreuz schauen. Wir sehen: Das Alte ist tot. Und was passiert? Wir fürchten Gott, und unser Glaube wird gestärkt.
Das Kreuz als Erfüllung: Gericht und Rettung in Christus
Was bedeutet es, dass Gott sein Volk durchs Gericht hindurch rettet und im Gericht begegnet? Wenn wir auf Israel schauen, dann sehen wir zunächst: Das Alte ist Vergangenheit. Die alte Sicherheit, die sie hatten, ist weg, sie ist tot. Die alte Knechtschaft ist Vergangenheit. Gott hat die Vergangenheit begraben; er hat sie in den Fluten untergehen lassen, im Schilfmeer.
Es heißt: Gott führt das Volk in eine neue Zukunft, in Freiheit, in seine Gemeinschaft. Und ganz wichtig ist hier: Das Alte ist tot. Gott hat Ägypten im Schilfmeer ersaufen lassen, genauso wie er die Sünde am Kreuz besiegt hat. Es ist ein und dasselbe Prinzip. Gott handelt immer in gleicher Weise, Gott ändert sich nicht.
Genauso wie er Israel durch das Schilfmeer geführt hat, genauso führt er uns letztlich durch das Gericht am Kreuz hindurch. Nicht wegen uns, nicht weil wir etwas zu leisten hätten, sondern aus Gnade. Und zwar durch Jesus Christus, indem er an ihm sowohl das Gericht vollzieht, also das Nein sagt zu allem, was sich seinen Verheißungen entgegenstellt, als auch gleichzeitig das Ja gibt, indem er ihn von den Toten auferstehen lässt. Dort finden Gericht und Rettung endgültig ihre Vereinigung.
Das, was wir beim Schilfmeer sehen, wo Gericht und Rettung zwar nebeneinander sind, das sehen wir auf einmal beim Kreuz, dass es zusammenfällt. Eine und dieselbe Person wird gerichtet, und durch diese Person wird die Rettung deutlich. Gott hat den ultimativen Weg der Rettung bereits geschaffen.
Und ähnlich wie bei Israel heißt es aber für uns in unserer Welt, in der wir leben, leider noch nicht, dass die Sünde nicht mehr existiert. Auch wenn die Sünde zwar keine Macht mehr hat, auch wenn wir nicht mehr unter den Konsequenzen der Sünde leiden, unter den Konsequenzen der Sünde aus der Sklaverei und aus der Sklaverei der Sünde, darum heißt es nicht, dass die Sünde nicht mehr existiert. Sie ist noch da, genauso wie bei Israel Ägypten immer noch da war, an das sie sich immer wieder zurückerinnert haben.
Und hier dürfen wir jetzt nicht den Fehler machen und sagen: Okay, gut, ja, Gott hat uns befreit, er hat uns quasi bildlich durch das Schilfmeer geschickt, und wir sind auf der anderen Seite angekommen, und jetzt liegt es an uns. Das Evangelium von Jesus Christus ist nicht einfach ein Startbooster. Es ist nicht so, quasi: Ja, Gott hat mir jetzt halt den Start ermöglicht. Es ist nicht einfach nur das Eintrittsticket in die Gemeinschaft mit Gott. Nein, es ist die gesamte Reise, es ist das gesamte Leben. Sola gratia, also die Gnade allein, ist das gesamte Leben, nicht nur ein einziger Punkt im Leben.
Und das sehen wir auch bei Israel übrigens, wenn wir uns die Geschichte weiter anschauen. Gott erinnert das Volk immer wieder daran, was er getan hat, aber nicht nur in einer Art, wo er sagt: Ja gut, übrigens, ich habe euch befreit, jetzt was habt ihr daraus gemacht? Sondern Gott nimmt sie immer wieder an die Hand, er zieht sie immer wieder zurück, er holt sie immer wieder zurück. Es ist immer wieder seine Gnade, es ist nie der Verdienst des Volkes.
Lest mal Hosea 11, ich finde es ein spannendes Kapitel in der Bibel, Hosea 11, wo Gottes Liebe zu seinem Volk deutlich wird, zum Volk Israel, und wo deutlich wird: Es ist nicht nur dieses eine Ereignis, nein, immer und immer wieder zieht er sie durch seine Gnade zu sich.
Und das finde ich extrem tröstlich, das finde ich extrem entlastend, weil es letztlich auch alle Last von meiner Schulter nimmt. Es geht nicht um mich. Nicht ich bin derjenige, der rettet oder richtet, nicht ich bin derjenige, der etwas leisten muss, nein, es ist Gott, der es tut. Und das ist nicht etwas, was wir erst im Neuen Testament sehen, das ist etwas, was Gott von Anfang an tut, was Gott seit dem Garten, wo der Mensch eben rausgetrieben wurde, weil er eben gesündigt hat, seitdem tut. Immer und immer wieder. Und er hat es ein für allemal getan in Jesus Christus.
Und das ist das Wunderbare und das Schöne, worauf wir zurückblicken dürfen, wofür wir Gott loben dürfen und ihn preisen dürfen mit unserem ganzen Leben.