Einführung in die Heilung der zehn Aussätzigen
Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist. Episode 611: Die Heilung der zehn Aussätzigen, Teil 2.
In der letzten Episode haben wir zehn Aussätzige kennengelernt, die im Grenzland zwischen Samarien und Galiläa leben. Interessanterweise ist einer von ihnen ein Samariter. Dabei fällt auf, dass Samariter und Juden sich zumindest dann verstehen, wenn es ihnen gemeinsam schlecht geht.
Dieses Prinzip finden wir auch in der Kirchengeschichte wieder. Dort, wo die Gemeinde Gottes von Tyrannen verfolgt wurde, wurde nicht mehr zwischen Lutheranern, Baptisten oder Pfingstlern unterschieden. Man war einfach nur Christ und stand gemeinsam in der Schusslinie – gemeinsam zum Herrn Jesus.
Doch zurück zu den zehn Aussätzigen: Alle werden geheilt, aber nur einer kehrt zurück. Er fällt vor Jesus nieder, preist Gott und bedankt sich bei seinem Rabbi.
Lukas 17,15-17: Einer aber von ihnen kehrte zurück, als er sah, dass er geheilt war, und verherrlichte Gott mit lauter Stimme. Er fiel aufs Angesicht zu seinen Füßen und dankte ihm – und das war ein Samariter.
Die Bedeutung von Dankbarkeit im Glauben
Jesus aber antwortete und sprach: Sind nicht die zehn gereinigt worden? Wo sind die neun? Einer kehrt zurück, und Jesus weist darauf hin, dass etwas nicht stimmt. Wo sind die neun?
Die Frage ist berechtigt, denn sie weist bei denen, die nicht zurückgekommen sind, auf ein Defizit hin. Heilung zu erleben, aber Gott den Dank zu verweigern, ist ein Symptom. Einfach deshalb, weil Dank für den Gläubigen zum Leben dazugehört.
Dank ist keine Handlung, die man nur aus Höflichkeit zeigt. Dank ist logisch und in gewisser Weise ein Gebot.
Psalm 107,19-21 sagt: „Dann aber schrien sie zum Herrn um Hilfe in ihrer Not. Aus ihren Bedrängnissen rettete er sie, er sandte sein Wort und heilte sie, er rettete sie aus ihren Gruben. Sie sollen den Herrn preisen für seine Gnade, für seine Wunder an den Menschenkindern.“
Auch das Neue Testament kennt diesen Gedanken eines Dankgebotes.
Kolosser 3,17: „Und alles, was ihr tut, im Wort oder im Werk, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und sagt Gott dem Vater Dank durch ihn.“
1. Thessalonicher 5,18: „Sagt in allem Dank, denn dies ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch.“
Dank als Ausdruck des Glaubens
Warum ist Dank so wichtig? Die Antwort ist einfach: Dank ist ein Ausdruck von Glauben.
Dank ist genauso ein Ausdruck rettenden Glaubens wie Gehorsam oder die Bereitschaft, Jesus zu bekennen. Das müssen wir wirklich verstehen. Glaube findet nicht dort statt, wo ich intellektuell Glaubenswahrheiten abnicke. Wissen, dass etwas wahr ist, bedeutet noch keinen rettenden Glauben.
Von den Dämonen schreibt Jakobus: „Du glaubst, dass nur einer Gott ist, du tust recht; auch die Dämonen glauben und zittern.“ (Jakobus 2,19) Hier sehen wir eine Form von Glauben, die nicht rettet. Dämonen glauben, sie zittern sogar, aber sie werden nicht gerettet. Warum nicht? Weil das Kennen der Wahrheit allein noch niemanden rettet.
Wissen gehört zwar zum Glauben dazu, und es ist notwendig, an die richtigen Dinge zu glauben. Doch für unsere Errettung reicht Wissen allein nicht aus. Aus dem Wissen muss ein Lebensstil erwachsen. So wird aus einem Glauben als Lippenbekenntnis ein Glaube, der uns zu Nachfolgern Jesu macht.
Glaube ist in der Bibel eine Einstellung zum Leben, die sich in allen Bereichen meines Lebens zeigt. Ich kann also an dem Leben eines Menschen erkennen, ob er gläubig ist oder nicht. Das steckt hinter der Aussage von Jakobus: „Ihr seht also, dass ein Mensch aus Werken gerechtfertigt wird und nicht aus Glauben allein.“ (Jakobus 2,24)
Achtung: Hier wird der Begriff „Glaube“ im Sinne von Lippenbekenntnis verwendet. Jakobus schreibt, dass Rechtfertigung nicht dort geschieht, wo ich Wahrheiten nur abnicke, sondern im Tun. Genauer gesagt dort, wo ich Gottes Willen tue und zuerst nach seinem Reich trachte.
Glaube in der Bibel ist relational, er ist beziehungsorientiert. Wer Gott vertraut, muss selbst vertrauenswürdig sein. Wer auf Gottes Treue hofft, muss selbst treu sein. Es ist, um mit Habakuk zu sprechen, immer der Gerechte, der aus Glauben lebt, nie der Ungerechte.
Die besondere Rolle des Samaritaners
Und damit kommen wir zurück zu den Aussätzigen, Lukas 17,17-19. Jesus aber antwortete und sprach: „Sind nicht die zehn gereinigt worden? Wo sind die neun? Haben sich sonst keine gefunden, die zurückkehrten, um Gott Ehre zu geben, außer diesem Fremdling?“
Und er sprach zu ihm: „Steh auf und geh hin, dein Glaube hat dich gerettet.“
Erst hier erkennen wir, dass die Neun anders sein müssen als der Fremdling. Wir können also davon ausgehen, dass es sich um neun Juden und einen Samariter handelte.
Und jetzt wird es interessant. Lukas 17,19: „Und er sprach zu ihm: Steh auf und geh hin, dein Glaube hat dich gerettet.“
Was für eine spannende Formulierung: „Dein Glaube hat dich gerettet.“ Hier spricht Jesus dem Samariter etwas zu, was die anderen neun nicht erhalten haben. Alle wurden geheilt, aber nur einer wird gerettet.
Einer wird gerettet, weil er Glauben beweist. Wodurch? Ganz einfach: Dadurch, dass er zurückkommt, Gott preist und sich bei Jesus bedankt. Dank ist Ausdruck von rettendem Glauben, weil Dank eine intakte Gottesbeziehung widerspiegelt.
Wer wie die neun anderen Aussätzigen einfach nur geheilt werden will, sucht die Gaben, aber nicht den Geber. Und es kann sein, dass Gott auf so einen Wunsch nach Heilung eingeht.
In diesem Fall werden alle geheilt. Gott ist gut, und Gott ist nicht kleinlich. Er erhört auch das Gebet von Heuchlern, die ihn Herr und Meister nennen, es aber nicht ernst meinen.
Gott ist gut, aber er ist nicht naiv. Er blickt hinter die Fassade unserer Frömmigkeit und sieht genau, worum es uns geht. Ob wir ihn wirklich wollen oder nur ein gutes Leben. Gott kennt unser Herz.
Dankbarkeit als Zeichen einer echten Gottesbeziehung
Ein Symptom für ein Herz, das nur auf sich selbst bedacht ist, ist ein Mangel an Dankbarkeit. So einfach ist das. Doch auch das Gegenteil ist wahr: Wer sich beschenken lässt und zurückkehrt, um Gott zu preisen und ihm zu danken, offenbart durch sein Handeln die Echtheit seines Glaubens. Er zeigt, wie es um seine Beziehung zu Gott steht und an wem sein Herz hängt.
Deshalb kann Jesus sagen: „Geh hin, dein Glaube hat dich gerettet.“ Gerettet nicht nur vom Aussatz, sondern auch vom Unglauben. Gottes Güte will Buße provozieren. Deshalb formuliert Paulus in Römer 2,4: „Oder verachtest du den Reichtum seiner Gütigkeit, Geduld und Langmut und weißt nicht, dass die Güte Gottes dich zur Buße leitet?“
Gottes Güte führt zur Buße, und Buße kann man sehen. Ein Aspekt unserer Buße ist der Dank. Dank, weil ich mehr gefunden habe als nur Heilung – nämlich Gott selbst.
Abschluss und praktische Anwendung
Was könntest du jetzt tun?
Lerne 1. Thessalonicher 5,18, Epheser 5,20, Kolosser 3,17 und Psalm 50,23 auswendig.
Das war's für heute. Nimm dir jetzt Zeit, um einer Person von einer Sache zu erzählen, mit der Gott dich in letzter Zeit beschenkt hat. Mach ein bisschen Gottwerbung.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
