Einführung in den Einzug Jesu in Jerusalem
Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter ist, Weg, Wahrheit und Leben.
Episode 678: Der Einzug in Jerusalem, Teil drei.
Matthäus 21,5 sagt: „Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir, sanftmütig und auf einer Eselin reitend, und zwar auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers.“
Jesus zieht in Jerusalem ein und reitet dabei auf einem Eselsfohlen. Er handelt so, weil es im Propheten Zacharia heißt:
Zacharia 9,9: „Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir, gerecht und siegreich ist er, demütig und auf einem Esel reitend, und zwar auf einem Fohlen, dem Jungen der Eselin.“
Die vier Eigenschaften des kommenden Königs
Der Prophet beschreibt hier den kommenden König mit vier Eigenschaften: gerecht, siegreich, demütig und auf einem Esel reitend.
In der letzten Episode haben wir bereits den Aspekt der Gerechtigkeit betrachtet. Diese meint nicht nur persönliche Rechtschaffenheit, sondern beschreibt einen Herrscher, der im Sinne des Bundesgottes für Gerechtigkeit sorgt. Er schützt die Schwachen und beseitigt Unrecht.
Das zweite Merkmal ist siegreich. Das zugrunde liegende hebräische Wort bedeutet eigentlich „gerettet“ oder „von Gott zum Sieg geführt“. Es zeigt keinen König, der selbstherrlich triumphiert, sondern einen, dem der Sieg von Gott geschenkt wird. Seine Stärke liegt nicht in seinem Auftreten oder seinem Militär, sondern in der Hilfe des Herrn.
Was hier beschrieben wird, erfüllt sich auf wunderbare Weise bei Jesus. Sein Weg nach Jerusalem ist kein prunkvoller Aufmarsch, sondern der stille Weg des Sohnes, der sich ganz auf den Vater verlässt. Sein Sieg zeigt sich nicht in der Vernichtung von Feinden, sondern darin, dass Gott ihn durch Leid und Tod hindurch rettet und erhöht.
Der Triumph des Kreuzes ist Sieg durch Hingabe, göttlicher Sieg in menschlicher Schwachheit.
Die Bedeutung von Demut und das Bild des Esels
Kommen wir zu dem Begriff „demütig“. Das hebräische Wort bedeutet im Alten Testament nicht einfach „bescheiden“ oder „freundlich“. Es beschreibt vielmehr einen Menschen, der arm ist, unterdrückt wird oder wenig gesellschaftliche Macht besitzt. Diese Bedürftigen sind diejenigen, die keine eigene Stärke vorzuweisen haben und deshalb ihre Hoffnung ganz auf Gott setzen.
Dass der kommende König so bezeichnet wird, ist überraschend. Könige verbindet man normalerweise mit Reichtum, Einfluss und militärischer Stärke. Hier aber wird ein Herrscher angekündigt, der sich nicht über andere erhebt, sondern sich mit den Schwachen identifiziert. Er steht nicht auf der Seite der Mächtigen, sondern auf der Seite der Schutzlosen.
Im Alten Testament gehört es zwar zur Aufgabe eines guten Königs, den Armen Recht zu verschaffen, doch Sacharja geht noch einen Schritt weiter. Dieser König hilft den Niedrigen nicht nur, er teilt ihre Niedrigkeit. Seine Demut ist sichtbar und prägt sein ganzes Auftreten. Er herrscht nicht durch Einschüchterung oder Gewalt, sondern durch Nähe, Gerechtigkeit und Solidarität.
Schauen wir uns abschließend den Esel an. Die Formulierung „auf einem Esel reitend und zwar auf einem Fohlen, einem Jungen der Eselin“ ist eine poetische Doppelung, ein sogenannter Parallelismus. Es geht nicht um zwei Tiere, sondern um die nähere Beschreibung desselben Tieres. Dieses Tier ist das Fohlen eines Esels.
Im Alten Orient war der Esel kein Kriegstier. Wer Macht demonstrieren wollte, ritt auf einem Pferd oder zog mit Streitwagen in die Stadt ein. Pferde standen für militärische Stärke. Wenn der angekündigte König bewusst auf einem Esel kommt, verzichtet er damit auf das Symbol militärischer Gewalt.
Das passt natürlich auch zum nächsten Vers in Sacharja, wo Gott ankündigt, Pferde und Kriegswaffen abzuschaffen. Der kommende König bringt eben Frieden. Wie wir heute wissen, ist dieser Friede zuerst ein innerer Friede, eben Friede mit Gott. Aber dieser Friede hat das Potenzial, Beziehungen zu prägen und Gesellschaften zu verändern.
Sacharja 9,10: „Und ich rotte die Streitwagen aus Ephraim und die Pferde aus Jerusalem aus, und der Kriegsbogen wird ausgerottet, und er verkündet Frieden den Nationen, und seine Herrschaft reicht von Meer zu Meer und vom Strom bis an die Enden der Erde.“
Auch wenn der Esel nicht für militärische Macht steht, ist er trotzdem nicht bedeutungslos. Auch ein rechtmäßiger König konnte auf einem Maultier oder Esel reiten. Als Salomo zum König eingesetzt wurde, ließ David ihn auf seinem eigenen Maultier reiten. Das Tier steht dort für eine legitime, friedliche Thronfolge.
Und so verbindet Sacharja beides: Dieser König ist wirklich der verheißene Sohn Davids, aber seine Herrschaft ist von Frieden geprägt, nicht von Krieg.
Jesu Einzug in Jerusalem und die Reaktion der Menschen
Matthäus 21,5 sagt: Der Tochter Zion sei gesagt: Siehe, dein König kommt zu dir, sanftmütig und auf einer Eselin reitend, und zwar auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers.
Der König kommt in seine Stadt. Doch er tut das nicht auf einem Schlachtross an der Spitze seiner Truppen. Stattdessen reitet er auf einem Fohlen, und hinter ihm laufen ganz gewöhnliche Menschen. Dieses Fohlen ist zudem das Junge eines Lasttiers; seine Mutter war im wahrsten Sinne des Wortes ein Arbeitstier.
Als die Jünger hingegangen waren und getan hatten, wie Jesus ihnen aufgetragen hatte, brachten sie die Eselin und das Fohlen. Sie legten ihre Kleider auf sie, und Jesus setzte sich darauf.
Eine sehr große Volksmenge breitete ihre Kleider auf dem Weg aus. Andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie ebenfalls auf den Weg.
Die Volksmengen, die vor ihm hergingen und nachfolgten, riefen und sprachen: „Hosanna dem Sohn Davids, gepriesen sei der, der da kommt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe!“
Am Straßenrand steht eine sehr große Volksmenge und jubelt. Die Menschen bereiten Jesus einen roten Teppich aus Kleidern und Zweigen. Doch Jesus kontrastiert ihre Erwartungen durch seine Erscheinung.
Sie rufen „Hosanna dem Sohn Davids“, und Jesus widerspricht ihnen nicht. Er ist tatsächlich der Sohn Davids, der verheißene messianische König.
Allerdings interpretiert er seine Königsherrschaft radikal anders als die Volksmenge. Seine Herrschaft hat nichts mit Armeen und Politik zu tun. Ihm geht es um Frieden mit Gott und um die Herzen der Menschen.
Seine Herrschaft will aus Egoisten selbstlos liebende Jünger machen. Darum geht es ihm.
Abschließender Gedanke.
Abschließende Gedanken und Anwendung
Mit wie vielen Eseln haben wir es hier zu tun? Die Antwort lautet: zwei.
Auf welchem Tier reitet Jesus? Auf dem Fohlen.
Wozu brauchen wir dann die Eselin? Wir brauchen das Muttertier vermutlich, um das Fohlen zu beruhigen. Auf dem Fohlen hatte nämlich noch nie jemand gesessen. Die johlende und schreiende Menge muss für das arme Tier ziemlich herausfordernd gewesen sein.
Was könntest du jetzt tun? Schreibe dir die Begriffe aus Sacharja auf und verwende sie, um den Herrn Jesus anzubeten.
Das war's für heute. Denke darüber nach, wie du den letzten Gottesdienst nachbereiten kannst. Was wollte Gott dir durch den Prediger sagen?
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
