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Gott (er-)kennen Teil II

Frieden trotz Chaos, Freude statt Sünde: Was füllt dein Herz wirklich?
Psalm 46,1118.07.2026
EventTeil 1 / 3Esra Jugendtag 2026
Wovon lebst du wirklich? Erst wenn Gott größer wird als deine Angst und deine Ersatzquellen, findest du inneren Frieden und Freude, die Sünde nicht mehr so leicht verdrängen kann.

Einleitung und Hinführung zum Thema

auf die wir so sehr angewiesen sind. Genauso sind wir darauf angewiesen, wenn wir jetzt auf dich hören, auf dein Wort hören, dass du uns offene Ohren und offene Herzen schenkst und dass du an unseren Herzen wirkst, Geist Gottes, um dich selbst großzumachen, denn darum geht es. Dort finden wir wahres Glück, dort finden wir wahre Freude, wenn wir dich in deiner Herrlichkeit sehen. Tue dieses Werk in unserer Mitte. Wir erheben dich und lieben dich, Herr. Amen.
Ich freue mich, dass es weitergeht. Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich hier den ersten Vortrag beendet habe. Ihr seht schon, wir wollen noch einmal beim ersten Wort anknüpfen. Wir haben gehört, warum es so wichtig ist, Gott zu erkennen, und was es bedeutet, Gott zu erkennen. Und jetzt wollen wir uns anschauen, welche gute Frucht Gottes Erkenntnis im Leben hervorbringen wird.
Und ich möchte das so sagen: Es wird diese Frucht in deinem Leben hervorbringen, je tiefer du deinen wunderbaren Gott erkennst. Und ich möchte euch das anhand zweier Themen exemplarisch beleuchten, bei denen ich das persönlich erleben durfte, nämlich bei den Themen Frieden und Freude. Es geht nicht um Friede, Freude, Eierkuchen, sondern um etwas viel Besseres, nämlich wahren Frieden und wahre Freude bei unserem wunderbaren Herrn zu finden.

Frieden als Frucht der Gotteserkenntnis

Also, erster Punkt: Friede.
Wenn ich jetzt von Friede rede, dann kann man ja alles Mögliche hineininterpretieren. Mir geht es dabei nicht um einen äußeren Frieden in der Welt oder in deinem Leben. So wünschenswert das natürlich ist, keine Frage. Mir geht es vielmehr um die Erkenntnis: Ich bin Gott.
Seid still und erkennt, dass ich Gott bin.
Und bei diesem „Seid still“ geht es weniger darum, dass wir uns hinsetzen und stille Zeit machen, was natürlich auch sehr wichtig ist, keine Frage. Hier geht es im Kontext vielmehr darum, dass wir in unserem geschäftigen Alltag, in dem wir so gerne die Kontrolle über alles haben, innehalten und erkennen: Wir sind nicht Gott. Wir haben nicht alles unter Kontrolle.
Unser Gott ist absolut souverän. Und das gilt nicht nur für unseren Alltag, sondern auch dann, wenn wir auf das große Weltgeschehen blicken. Das tut ihr vielleicht auch ab und zu. Wir hören von Naturkatastrophen, wir hören von Kriegen an unterschiedlichen Orten, und das alles ist letztlich nur einen Klick weit entfernt auf unserem Smartphone sichtbar. Und wenn wir ganz ehrlich sind, neigen wir schon dazu, uns davon innerlich mitreißen zu lassen.
Ich möchte euch bitten, da noch einmal genau zuzuhören, wie viel uns allein in diesen paar Versen über Gottes herrliches Wesen offenbart wird. Wir lesen dort Folgendes:
Gott ist unsere Zuflucht und Stärke, ein Helfer, bewährt in Nöten. Darum fürchten wir uns nicht, wenn auch die Erde umgekehrt wird und die Berge mitten ins Meer sinken, wenn auch seine Wasser wüten und schäumen und die Berge zittern vor seinem Ungestüm.
Hier stellt uns der Psalmist Gott als eine Zuflucht in Naturkatastrophen vor. Dann heißt es weiter in den Versen sieben und acht:
Die Völker toben, die Königreiche wanken; wenn er seine Stimme erschallen lässt, dann zerschmilzt die Erde. Der Herr der Herrscharen ist mit uns, der Gott Jakobs ist unsere sichere Burg.
Hier wird uns Gott als unsere Zuflucht in Kriegen und in Unruhen offenbart.
„Seid still“ ist die einzige Stelle in diesem ganzen Psalm 46, in der Gott selbst spricht. Wir leben in einer gefallenen Welt, in der Sünde immer noch an der Tagesordnung ist, bis wir eines Tages in der herrlichen Gegenwart Gottes sein werden. Leid, Naturkatastrophen und Kriege werden bestehen bleiben, bis diese Welt zu Ende ist.
Und wir können deshalb unsere Hoffnung nicht auf einen äußeren Frieden legen, dass alles irgendwie schon besser werden wird. Unsere Hoffnung liegt in Gott. Und die Erkenntnis seines Wesens gibt uns Frieden im Inneren, den die Welt uns nicht geben kann, den die Welt uns aber auch nicht nehmen kann.

Gottes Wesen als Quelle innerer Ruhe

Der Pastor Johnny Ardovanes schreibt in seinem Buch nicht nur über die Gegenwart von etwas, das allein Gott bringen kann: den Frieden.
In Jesaja 26,3-4 lesen wir Folgendes: „In einem festen Herzen bewahrst du den Frieden, den Frieden, weil es auf dich vertraut. Vertraut auf den Herrn alle Zeit, denn der Herr ist ein Fels der Ewigkeiten.“
Und in Johannes 16,33 spricht Jesus Folgendes: „Dies habe ich zu euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Bedrängnis; man kann auch sagen: In der Welt habt ihr Angst. Aber seid getrost, denn ich habe die Welt überwunden.“
Und genau das ist es, was ich in meinem Leben persönlich erfahren habe. Ich war schon immer ein ziemlicher Kontrollfreak. Vielleicht geht es dir ähnlich. Alles, was nicht unter meiner Kontrolle war, machte mir ziemliche Angst. Und ich denke eigentlich, dass es fast jedem Menschen so geht. So sind wir einfach beschaffen.
Dann kam das Jahr 2020. Vielleicht erinnert ihr euch noch an das Jahr, in dem Corona allgegenwärtig war. Es war das Jahr, in dem meine Frau nach längerer Wartezeit durch Gottes Gnade zum ersten Mal schwanger wurde. Das bedeutete für uns auch räumlich bedingt einen Umzug nach Dresden; damals haben wir noch in Dresden gelebt. Zudem arbeitete ich in diesem Jahr an drei unterschiedlichen Jobs. Mit all diesen Situationen war ich gleichzeitig konfrontiert, und das alles mitten im globalen Chaosjahr 2020.
Und vielleicht kannst du dir ansatzweise vorstellen, wie das war. Natürlich war vieles von dem, was passiert ist, auch gut, das will ich gar nicht leugnen. Aber ich hatte zumindest mittendrin, mitten im Auge des Hurrikans, einfach keine Ahnung, wo das alles hinlaufen würde, wie das werden würde, weil ich die Zukunft nicht einsehen konnte. Und in solchen Situationen wäre ich früher äußerst unruhig geworden.
Aber es war diese Zeit, in der ich begann, mich intensiver mit dem Charakter und dem Wesen Gottes zu beschäftigen. Und ich kann durch den erlebten Unterschied von vorher und nachher wirklich sagen, dass es mich tiefgehend verändert hat. Ja, ihr könnt auch meine Frau fragen, sie ist leider nicht hier, aber sie wird es bestätigen. Es kam ein Frieden in mich, weil ich wusste, wer mein Gott, wer mein Vater ist.
Du und ich, wir haben einen souveränen Gott. So offenbart er sich uns in der Bibel.
In Sprüche 21,1 heißt es: „Gleich Wasserbächen ist das Herz des Königs in der Hand des Herrn; er leitet es, wohin immer er will.“
 Jesaja 46,9-10 sagt: „Gedenkt an das Frühere von der Urzeit her, dass ich Gott bin und keiner sonst, dem keiner zu vergleichen ist. Ich verkündige von Anfang an das Ende und von der Vorzeit her, was noch nicht geschehen ist. Ich sage: Mein Ratschluss soll zustande kommen, und alles, was mir gefällt, werde ich vollbringen.“
Gottes Souveränität ist das Kopfkissen, auf dem du nachts ruhig schlafen kannst. Unglaube an Gottes Souveränität hingegen kann als Rezept für Angst fungieren, wenn du an der Illusion festhältst, dass du die Kontrolle über alles in deinem Leben hast.
 Psalm 119,68 heißt es: „Du bist gut und tust Gutes. Du bist gut und tust Gutes.“
Und diese beiden Charaktereigenschaften Gottes, seine Souveränität und Güte, wurden für mich zu einer Quelle des inneren Friedens. Denn wäre Gott zwar gut, aber nicht souverän, dann wäre ich am Ende irgendein Spielball des Universums, des Zufalls oder was auch immer. Und wäre Gott zwar souverän, aber nicht gut, dann hätte ich auch keine Ruhe, weil ich der Spielball eines Tyrannen wäre.
Wo Gott ist, sind sowohl die Güte als auch die Souveränität in Person.

Vertrauen in Gottes Fürsorge

Folgende Aussage unseres Herrn Jesus aus Matthäus 10 illustriert das sehr gut. Er spricht dort: Verkauft man nicht zwei Sperlinge um einen Kroschen? Und doch fällt keiner von ihnen auf die Erde. Ihr seid mehr wert als die Sperlinge.
Jeden Tag sterben so viele Vögel, und kein Interessierter kennt oder sieht jeden einzelnen. Kein Vogel stirbt ohne das Wissen und ohne die Zustimmung des Vaters. Das bedeutet, was Jesus hier sagt: dass sie nicht ohne euren Vater auf die Erde fallen.
Also lasst uns doch mal anschauen, was hier für Wahrheiten drinstecken.
Wahrheit eins: Gott lenkt selbst die unwichtigsten Ereignisse der Welt, zum Beispiel den Tod von Vögeln.
Wahrheit zwei: Ihr Jünger, also die, die Jesus nachfolgen, seid viel wichtiger als die Vögel.
Und Wahrheit drei: Euer himmlischer Vater sorgt selbst im Kleinsten für euch. Er zählt sogar eure Haare. Er ist vollkommen souverän. Er ist ein liebender Vater, der seine Kinder im Blick hat.
Wichtig zu betonen ist bei dem Ganzen, dass Gott nicht eine Eigenschaft mehr als die andere ist, sondern dass alle seine Charaktereigenschaften gleichermaßen vollkommen sind. Manchmal hat man in christlichen Kreisen die Tendenz, bestimmte Eigenschaften stärker zu betonen. Aber Gott ist in seinem Wesen so rein und ungeteilt, dass er nicht aus verschiedenen Eigenschaften besteht, sondern jede seiner Eigenschaften selbst ist.
In der Theologie spricht man von der Einfachheit Gottes. Das heißt konkret: Gott ist nicht sechzig Prozent Liebe, dreißig Prozent Güte und zehn Prozent Gerechtigkeit, sondern er ist hundert Prozent Liebe, hundert Prozent Güte und hundert Prozent Gerechtigkeit. Wenn Gott zum Beispiel souverän handelt, dann ist das immer eine gütige und liebevolle Souveränität. Oder wenn er liebevoll handelt, dann ist es immer eine gerechte, souveräne Liebe.
Und weil mein Gott eben so ist, weil auch dein Gott so ist, deshalb kann ich Römer 8,28 in der Tiefe meines Herzens glauben. Vielleicht wisst ihr, was da steht: Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach dem Vorsatz berufen sind.
Ihr Lieben, es können ganz plötzlich Dinge in unserem Leben über uns hereinbrechen, die uns überrumpeln: eine erschreckende Krankheitsdiagnose, der Verlust eines geliebten Menschen oder der Arbeitsstelle. Und natürlich kommen dann die Wehfragen: Warum, Gott? Wie soll es nun weitergehen? Vielleicht kennst du das aus deinem Leben.
Wenn wir ehrlich sind, tappen wir meist im Dunkeln, und die konkreten Antworten bleiben auf diese Fragen aus. Diese Warum-Fragen, diese Wie-Fragen bleiben häufig unbeantwortet.
Wenn wir aber Gott immer tiefer kennenlernen, wenn wir wissen, wer unser Gott ist, dann können wir in jeder Situation, und davon bin ich überzeugt, einen inneren Frieden besitzen. Und das ist auch ganz wichtig: ohne die schwierige Situation zu leugnen.
Gottes Wege sind mit jedem hier in diesem Raum ganz unterschiedlich. Wir haben alle unterschiedliche Biografien, und wir wissen noch nicht, wie sich unser weiteres Leben entwickeln wird. Ja, wir wissen noch nicht einmal, was morgen sein wird oder in einer Stunde. Das ist letztlich der entscheidende Punkt: Gottes Wesen, sein Charakter, ist für uns alle derselbe. Und alles, was Gott am Ende tut, in deinem und in meinem Leben, das speist sich aus seinem Charakter heraus.
Weshalb er sagt: Ja, wir haben in der Betrachtung über Christus ein Heilmittel für alle Wunden. Im Nachsinnen über den Vater kommt all unser Kummer zur Ruhe, und unter dem Einfluss des Heiligen Geistes finden wir den Balsam für jede Verletzung. Möchtest du dein Leid überwinden, möchtest du deine Sorgen ertränken? Dann tauch ein in das tiefe Meer der Gottheit, in seine Unermesslichkeit, und du wirst dich wieder erheben, wie von einer Ruhestätte erneuert und gestärkt.
Ich weiß von nichts Größerem, das uns so ermutigen, die Wogen von Leid und Kummer stillen und die Stürme der Prüfung in Frieden verwandeln kann, wie ein nah und aufrichtiges Nachsinnen über den Gegenstand der Gottheit.
Soviel zu dem Thema Friede.

Freude als tiefere Antwort des Herzens

Ich möchte noch zu einem zweiten Thema kommen, nämlich Freude. Errte finden, der bei normalem Verstand ist und sagt: Das brauche ich nicht, das will ich nicht? Wir wollen das alle. Das Problem ist nur, dass wir Menschen an allen möglichen Orten und in allen möglichen Dingen diese Erfüllung suchen, nur nicht bei Gott. Leider muss ich das auch bei uns Christen immer wieder feststellen, und genauso auch bei mir selbst.
Das ging nicht nur uns Christen so, es ging auch schon dem Volk Israel so im Alten Testament. In Jeremia 2,13 lesen wir, wie Gott seinem Volk ihre Sünde vor Augen hält. Er sagt dort Folgendes: Denn mein Volk hat eine zweifache Sünde begangen: Mich, die Quelle des lebendigen Wassers, haben sie verlassen, um sich Zisternen zu graben, löchrige Zisternen, die kein Wasser halten.
Mich, die Quelle des lebendigen Wassers, haben sie verlassen, um sich Zisternen zu graben, löchrige Zisternen, die kein Wasser halten.
Und im Kontext dieser Aussage lesen wir, wie Gott seinem Volk vor Augen hält, wie er es aus Ägypten aus der Sklaverei geführt hat, wie er es durch die Wüste geführt hat, wie er es versorgt hat, Gnade um Gnade seinem Volk erwiesen hat. Und dennoch begeht das Volk diese zweifache Sünde, obwohl sie Gott vor Augen hatten und gesehen haben, was er ihnen an Gnade getan hat. Sie haben sich von der Quelle des lebendigen Wassers, also Gott selbst, abgewendet und dann sich auch noch selbst löchrige Gruben gegraben, die doch gar kein Wasser halten können.
Kennst du das aus deinem Leben? Du nennst dich Christ, weißt, dass du ein Sünder bist und dass Jesus für deine Sünden am Kreuz auf Golgatha an deiner Stelle gestorben ist, trotzdem suchst du deine Erfüllung in anderen Dingen, die dich letztlich nicht erfüllen.
Und zuerst einmal müssen wir festhalten, dass Sünde äußerlich betrachtet schön und begehrenswert aussieht. So lesen wir auch ganz am Anfang der Bibel in Genesis 3,6 beim Sündenfall: Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen und ein begehrenswerter Baum wäre, weil er weise macht; und sie nahm von seiner Frucht und aß, und sie gab davon auch ihrem Mann, der bei ihr war, und er aß.
Und in Hebräer 11 lesen wir über Mose: Er zog es vor, mit dem Volk Gottes Bedrängnis zu erleiden, anstatt den vergänglichen Genuss der Sünde zu haben, da er die Schmach des Christus für größeren Reichtum hielt als die Schätze, die in Ägypten waren; denn er sah die Belohnung.
Also: Genuss. Da ist diese eine hartnäckige Sünde, die du jetzt vielleicht direkt im Kopf hast, während ich darüber rede. Diese hartnäckige Sünde, zu der es dich immer wieder hinzieht. Vielleicht beobachtest du auch Menschen in deinem Umfeld, die keine Christen sind und denen es scheinbar so gut geht. Neid steigt in dir auf. Dein Leben sieht äußerlich betrachtet ganz gut aus, aber in deinem Herzen lechzt du eigentlich nach den Vergnügungen der Welt.
Vielleicht bist du es sogar leid, Christ zu sein, weil es so anstrengend und so ermüdend ist. Da ist keinerlei Freude, keinerlei Erfüllung. Die Realitäten in deinem Herzen stimmen nicht mit deinem äußeren Erscheinungsbild als vorbildlicher Christ überein. Du fühlst dich wie ein Heuchler. Vielleicht kennst du diese Gedanken. Das weiß sie sehr gut.
Natürlich alles ganz schön in einer Maske, gut christlich versteckt, dass es ja keiner sieht. Und zudem hatte ich einen besonders großen Sündenkampf in meinem Leben: Pornografie. Und ich rede darüber so offen, weil ich dank Gottes Gnade von diesem Teufelszeug freigekommen bin und weil ich um die Not in den christlichen Gemeinden weiß. Und ich bin mir zu hundert Prozent sicher, dass hier Leute in diesem Raum sitzen, die genau mit diesem Thema zu kämpfen haben und dass sie in Scham festhängen, nicht ihrer Berufung als Sohn oder Tochter Gottes nachkommen, weil sie durch diese Sünde so gelähmt sind.
Genauso ging es mir lange Zeit auch. Und ich möchte dir sagen: Du bist nicht allein, und Freiheit ist möglich.
Und ich möchte dich auch in diesem Zusammenhang ermutigen, wirklich ermutigen, dass du dir einen Rechenschaftspartner suchst in deinem Leben, egal, ob du mit diesem Thema zu kämpfen hast. Der Theologe Dietrich Bonhoeffer gibt in seinem Buch Gemeinsames Leben einen wunderbaren Rat, was diesen Rechenschaftspartner auszeichnen soll. Er schreibt: Allein der Bruder, ich füge noch hinzu die Schwester, unter dem Kreuz kann meine Beichte hören; nicht Lebenserfahrung, sondern Kreuzeserfahrung macht den Beichthörer. Der erfahrenste Menschenkenner weiß unendlich viel weniger vom männlichen Herzen als der schlichteste Christ, der unter dem Kreuz Jesu lebt. Die größte psychologische Einsicht, Begabung, Erfahrung vermag er das eine nicht zu begreifen, was Sünde ist.
Deswegen such dir als Mann einen Bruder und als Frau eine Schwester, die die Abgründe ihres eigenen Herzens kennt, die aber gleichzeitig um die Kraft des Kreuzes und der Vergebung weiß.
Auch Pornografie ist ein Krebsgeschwür, das Menschen, Ehen, Familien und ganze Gemeinden zerfrisst. Und das ist ja nur letztlich ein Beispiel dafür, wo Christen Erfüllung und Freude suchen. Aber eins kann ich dir versprechen: Sünde raubt dir immer das Leben. Sünde raubt dir immer die Freude. Sünde ist letztlich wie Salzwasser. Du verspürst einen inneren Durst, du glaubst, dass dir die Sünde Befriedigung bringt, aber am Ende wirst du nur noch durstiger und willst immer mehr, bis es dich schließlich zerstört, bis es dich schließlich tötet.
Die Frage ist: Wie können wir diesem Teufelskreis entkommen?
Ich habe euch eine Geschichte aus der griechischen Mythologie mitgebracht, weil ich ein Fan von griechischer Mythologie bin oder das irgendwie total hype finde. Aber ich finde, sie gibt uns ein wunderbares Bild dafür, was ich euch eben erzählt habe, und sie zeigt uns auch eine Lösung auf.
In der Sage um Odysseus gibt es auch die sogenannten Sirenen. Die Sirenen sind wunderschöne Wesen, die auf einer Insel leben und verführerisch singen können. Und wenn Seefahrer mit ihren Schiffen dann an diesen Inseln vorbeifuhren, erlagen sie den schönen Gesängen der Sirenen. Sie segelten dann mit ihren Schiffen viel zu nah an diese Felsen heran, an diese Inseln heran, und schließlich zerbrachen die Schiffe an den Felsen. Die Sirenen entpuppten sich als dämonische Menschenfresser und verschlangen die Seefahrer. Ein wunderbares Bild für Sünde.
Und auch Odysseus ist mit seiner Besatzung an den Sirenen vorbeigefahren, mit dem Ziel, sie zu hören. Er befahl aber seiner Besatzung, dass sie ihre Ohren mit Wachs verstopfen sollten, damit sie die Gesänge nicht hören konnten. Ihn jedoch sollten sie an den Schiffsmast binden, allerdings ohne wachsende Ohren, damit er die Gesänge hören konnte. Und es kam, wie es kommen musste: Odysseus war völlig betört, tat es aber wegen des Mastes und wegen der Fesseln nicht. Aber das Entscheidende ist: Innerlich, in seinem Herzen, hatte er nachgegeben. Sein Nein war nicht die Frucht einer echten innerlichen, tief verwurzelten Abscheu, sondern nur das Produkt einer äußerlichen Fessel.
Und genauso geht es vielen Christen, und genauso ging es mir auch lange. Unsere Herzen lechzen nach den vorübergehenden Vergnügungen der Sünde, und jedes Nein ist so ein Kampf, so ein Krampf. Und wir haben es so gelernt und übernommen, vielleicht aus unseren Elternhäusern, aus unseren Gemeinden, dass wir nicht sündigen sollen, was auch absolut richtig ist. Aber es ist häufig einfach nur äußerlich antrainiert und keine Realität in unserem Herzen. Es ist nur eine erzwungene Diät, ohne dass eine echte, tiefe, wirkliche Geschmacksveränderung stattgefunden hat.
Bist du womöglich auch an einen religiösen Mast gebunden, obwohl dein Herz eigentlich etwas anderes möchte? Sei ruhig ganz ehrlich mit dir und Gott, klär das mit ihm. Ich selbst kenne es nur zu gut.
Aber es gibt noch eine andere Person in der griechischen Mythologie namens Jason. Jason fuhr ebenfalls wie Odysseus bei den Sirenen vorbei, aber er ging anders mit der Versuchung um. Er brachte nämlich Orpheus mit sich, einen unvergleichlichen Musiker der Leier und der Flöte. Und als sich dann das Schiff den Sirenen näherte, weigerte sich Jason, seiner Besatzung die Ohren mit Wachs zu verstopfen und sich selbst an einen Mast zu fesseln. Stattdessen befahl er Orpheus, seine schönsten und verlockendsten Lieder zu spielen.
Und wisst ihr was? Die Sirenen wurden übertönt, weil etwas weitaus Lieblicheres, Edleres und Beruhigenderes zu hören war.
Und vielleicht wisst ihr schon, worauf ich hinauswill: Wenn dein Herz fasziniert ist von Gott und du Freude in Gott hast, wirst du gerne, innerlich tief überzeugt und mit Frieden und Freude, Nein zur Sünde sagen, weil dahinter ein Ja zu etwas so viel Größerem steht.
Unser Problem liegt nicht darin, dass wir Sehnsucht nach Zufriedenheit, nach Erfüllung und Freude haben, denn all das hat Gott in dich hineingelegt. Aber er hat uns auf sich hin geschaffen, weil nur er eben diese Leere ausfüllen kann in deinem Herzen.
Warum gehen wir immer wieder zur Sünde? Warum verlangt es uns nach etwas, das gut, schön, herrlich und zentral ist? Ein Gott und ein Satz zum Mitschreiben: Du wirst der Sünde nur widerstehen in deinem Leben, wenn du eine größere Freude in Gott findest.
Du wirst der Sünde in deinem Leben nur widerstehen, wenn du eine größere Freude in Gott findest.
Und genau diese Erkenntnis hat mich auch von der bereits erwähnten Pornografie befreit. Ich hatte meinen ersten Vortrag bereits aus den Chroniken von Narnia von C. S. Lewis zitiert, und dieser britische Schriftsteller hat sehr viele kluge Dinge gesagt, kann man sehr empfehlen. Und einmal meinte er, dass das Problem von uns Menschen ist, dass wir uns viel zu leicht zufriedengeben, nämlich mit Sünde. Er schreibt: Wir halbherzigen Geschöpfe spielen mit, dass sich nicht vorstellen kann, was es bedeutet, Ferien am Meer angeboten zu bekommen.
Lasst uns unseren wunderbaren Gott immer tiefer kennenlernen. Gott, wir haben es schon gehört, ist die Quelle des lebendigen Wassers, so hat er sich in Jeremia 2,13 offenbart. Und unser Herr Jesus Christus sagt in Johannes 4,14 etwas ganz Ähnliches. Er sagt dort: Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm zu einer Quelle von Wasser werden, das bis ins ewige Leben quillt.
Wie verherrlichst du den Wert einer Quelle? Ich habe im vergangenen Jahr mit meiner Familie in unserem wunderschönen Thüringen Urlaub gemacht. Verherrlicht man so den Wert einer Quelle? Nein, man verherrlicht den Wert einer Quelle, wenn man sich niederkniet und nach Herzenslust trinkt und trinkt und trinkt und trinkt und trinkt und immer weiter. Und wenn man dann den Menschen um sich herum voller Freude von dieser Quelle erzählt und sagt: Ich habe etwas gefunden, was wirklich die Leere in deinem Herzen ausfüllen kann, was du sonst nirgendwo auf dieser Welt finden wirst.
Gott ist die Quelle des lebendigen Wassers, so offenbart er sich selbst, und so verherrlichen wir Gott, ihr Lieben, wenn wir zu ihm kommen, von ihm empfangen und bei ihm unsere höchste Freude finden, die sich auf alle anderen Lebensbereiche ausbreitet.
Ich hatte im ersten Vortrag schon die erste Frage aus dem kleinen Westminster Katechismus genannt: Gott zu verherrlichen und sich für immer an ihm zu erfreuen. Also Gott zu verherrlichen und meine Freude an ihm ist ein Paar Schuhe; das sind nicht zwei getrennte Sachen.
Weil ihr könnt ja auch lesen: Hier ist von einem Ziel die Rede, nicht von höchsten Zielen, sondern von einem Ziel, Einzahl, indem wir Gott mehr als alles andere lieben und wertschätzen und er die Quelle unserer Freude ist, verherrlichen wir ihn, weil wir der Welt zeigen, wie wunderbar, wie schön er ist. Und das ist das Beste für dich, weil du die größte Erfüllung und die größte Freude bekommst.

Leben aus Gottes Fülle und der Blick auf den Himmel

Der Kirchenvater Augustinus hat einmal gesagt: Gott dürstet es danach, dass wir nach ihm dürsten.
Gott dürstet es danach, dass wir nach ihm dürsten. Wisst ihr was? Unser Gott ist ein glückseliger Gott. Wenn du ein anderes Bild von ihm im Kopf hast, dann streich es. Denn er ist in sich selbst, von Ewigkeit her, vollkommen glücklich in der Beziehung zwischen Vater, Sohn und Heiligem Geist. Er besitzt alles. Er hat dich und mich aus einer Fülle, aus einer Freude und aus einer Liebe heraus geschaffen. Darauf gehe ich dann in meinem nächsten Vortrag noch näher ein.
Für jetzt ist es einfach wichtig, sich vor Augen zu halten: Gott gibt ab. Deswegen fange an, von ihm zu empfangen. Fange an, von der Quelle des lebendigen Wassers, der Freudenquelle, zu trinken.
In Psalm 4,8 heißt es: Du, also Gott, hast mir Freude in mein Herz gegeben, die größer ist als ihre. Er redet von den Heiden, also von denen, die nicht mit Gott wandeln, wenn sie Korn und Most in Fülle haben. Also wenn sie quasi so gut wie alles besitzen, was man sich weltlich vorstellen kann, besser als ein Elon Musk oder eine Taylor Swift, weil er Gott von denen und durch ihn und zu ihm alle Dinge sind, seinen Vater nennen darf.
Und deswegen schreibt auch Paulus in Philipper 4,4: Freut euch im Herrn allezeit. Freut euch im Herrn allezeit, abermals sage ich: Freut euch.
Und ihr Lieben, ich möchte euch zum Abschluss zurufen: Fangt an, euch mit Gottes Wesen zu beschäftigen, in seinem Wort. Fangt an zu trinken, und ihr werdet Durst bekommen. Ihr werdet es nicht bereuen, bis es in alle Ewigkeit weitergeht. Es ist so etwas Wunderbares.
Eine Person aus der Kirchengeschichte wurde auch der Waisen-Vater von Bristol genannt. Ja, also wenn ihr Georg Müller noch nicht kennt, beschäftigt euch mit seiner Geschichte. Lest mal seine Biografie, da gibt es ganz kurze Bücher. Es wird euch einfach extrem ermutigen, was ihr dort lest.
Zum Beispiel hat er in seinen 63 Jahren als Waisenvater fast 1,5 Millionen Pfund an Spendengeldern bekommen, das sind umgerechnet auf unsere Zeit ca. 150 Millionen Euro. Entscheidender ist aber: Er hat nie jemanden darum gebeten. Er hat alles auf Knien im Gebet empfangen. Er hatte so eine enge Beziehung zu seinem Herrn. Er wusste, er wird sich um die Belange der Waisen kümmern, weil er sich so offenbart hat als ein Gott der Waisen und der Witwen. Das ist so ermutigend.
Und dieser Georg Müller, und mit diesen Zitaten möchte ich schließen, hat Folgendes gesagt. Und ich denke, wenn wir sein Leben anschauen, sollten wir das auch ernst nehmen, was er gesagt hat: Wahre Freude, und je mehr wir mit ihm vertraut werden, desto wahrhaft glücklicher werden wir. Was wird uns im Himmel so über die Massen glücklich machen? Es ist die Gewissheit, dass unsere Gotteserkenntnis dann umfassender als je zuvor sein wird.
An anderer Stelle schreibt er: Achtet vor allen Dingen darauf, dass eure Seelen froh und beglückt in dem Herrn sind. Erachtet danach, dies Tag für Tag zur wichtigsten Beschäftigung eures Lebens zu machen. Das Geheimnis allen wahren, wirksamen Dienstes ist Freude in Gott, in dem die Vertrautheit und Gemeinschaft mit Gott selbst eine tagtägliche Erfahrung ist.
Genau das wünsche ich uns allen.

Schlussgebet und Bitte um bleibende Veränderung

Herr, im Psalm 42,2 heißt es: Wie ein Hirsch lechzt nach Wasserbächen, so lechzt meine Seele. Genau das möchte ich dich für jeden hier in diesem Raum bitten: dass jeder von uns Durst bekommt, Durst auf mehr von dir. Dass wir auf der einen Seite mehr gefüllt werden und gleichzeitig mehr wollen, weil du immer mehr hast, weil du unerschöpflich bist, so wie du dich auch in deinem Wort offenbarst, Herr.
Und ich bitte dich, dass du das in unserem Herzen tust, Heiliger Geist. Schaffe diese Erkenntnis, diese Freude an dir, so dass es uns immer leichter fällt, Nein zur Sünde zu sagen. Sie will uns die Lebensfreude nehmen und zerstört so viel in unserer Gesellschaft, in unseren Familien und in unseren Gemeinden. Und dass wir in dir zur Fülle gebracht werden, Herr.
Hilf uns, da voranzukommen. Lass uns nicht träge sein, sondern motiviert, uns nach dir auszustrecken, Herr. Wir sind so abhängig von deiner Gnade, und ich bitte dich wirklich darum, dass du das an jedem Einzelnen hier tust. Und dass das nicht heute mit diesem Tag endet, sondern weitergeht in der nächsten Woche, im nächsten Monat und im Rest des Lebens: dich immer tiefer zu erkennen und mit Freude Nein zur Sünde zu sagen, weil wir ein Ja zu etwas viel Besserem, Größerem und Schönerem haben, nämlich zu dir selbst, Herr.
Wir lieben dich und wir ehren dich.