Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einordnung in die Zeit des Umbruchs
Unser Predigttext steht im Buch Jesaja, Kapitel 6, Vers 1 bis 8. Hat jemand bei den ausgelegten Bibeln schon die Seitenzahl? 857. Jesaja 6,1-8.
In dem Jahr, als der König Usia starb, muss ich doch gleich eine Erklärung dazu machen. Das ist ja immer in der Bibel so, dass sie ihre Zeitrechnung an den Ereignissen damals orientiert hat. Und es ist immer so, dass die Bibel uns exakte Tatsachen vermitteln will. Aber das ist noch außerdem bedeutsam, weil dies wahrscheinlich für Israel ein ganz wichtiges Datum war.
Der König Usia hat vierzig Jahre oder etwas länger regiert, und es war eine ausgesprochen gute Zeit des Wohlstandes und der Wirtschaft. Die Leute waren voll Unruhe: Was wird nun werden? Alle hatten Tag für Tag nichts anderes zu reden als die politischen Tagesereignisse. Ein junger König kam auf den Thron, und dann hatte man Sorge: Wird er auch das meistern können? Wird er das Erbe fortführen?
In diesem Jahr, als Usia starb, da redet Gott.
Die Schau der Heiligkeit
Da sah ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron, und sein Saum füllte den Tempel. Seraphim standen über ihm, ein jeder hatte sechs Flügel. Mit zwei bedeckten sie ihr Angesicht, mit zweien bedeckten sie ihre Füße, und mit zweien flogen sie. Und einer rief zum anderen und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaot; alle Lande sind seiner Ehre voll.
Das, was in der Bibel Ehre ist, ist im hebräischen Urwort Kabod auch gleichzeitig die Herrlichkeit. Oder in der Weihnachtsgeschichte die Klarheit des Herrn oder die Herrlichkeit Gottes oder die Ehre oder die Macht Gottes. Das Wort deutet all das an.
Und die Schwellen bebten von der Stimme ihres Rufens, und das Haus ward voll Rauch. Da sprach ich: Weh mir, ich vergehe! Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen; denn ich habe den König, den Herrn Zebaot, gesehen mit meinen Augen.
Da flog einer der Seraphim zu mir und hatte eine glühende Kohle in der Hand, die er mit der Zange vom Altar nahm, und rührte meinen Mund an und sprach: Siehe, hiermit sind deine Lippen berührt, dass deine Schuld von dir genommen werde und deine Sünde gesühnt sei.
Und ich hörte die Stimme des Herrn, wie er sprach: Wen soll ich senden, wer will unser Bote sein? Ich aber sprach: Hier bin ich, sende mich.
Der Ruf, der den ganzen Menschen fordert
Dann hat Gott also auch Personalnöte, liebe Gemeinde. Ja, natürlich, gute Leute sind immer rar. Aber es gibt ja allerhand tüchtige Leute. Und die Schar derer, die sich Gott zur Verfügung stellen, ist nicht zu klein. Nein, das ist hier nicht gemeint.
Wer will mein Bote sein? Wenn ich nur an die letzten Tage zurückdenke, dann muss ich sagen: In manchen Gesprächsstunden hat es sich so plötzlich ergeben, dass ich wach wurde. Ich spürte genau: Diesem Menschen müsstest du jetzt ein Wort Gottes sagen. Nicht irgendeinen schönen Spruch, sondern ein dringendes Wort: Bring dein Leben mit Gott in Ordnung. Aber das Wort sagte ich nicht. Ich schwieg, und wir sprachen vom Wetter, weil ich feige bin.
Und jetzt prüfen Sie sich doch auch einmal an diesem Eingeständnis, warum das bei Ihnen auch nicht anders ist, dass wir uns oft schämen und den Mund nicht aufkriegen. Wer will mein Bote sein? Wir sind ja alles so gute Unterhalter, so nette Plauderer und manchmal auch so freundliche Schwätzer. Aber das ist ja etwas ganz anderes, als wenn Gott sagt: Wer will mein Bote sein?
Nicht bloß einer, der wie der Briefträger irgendwo etwas in den Briefkasten einwirft und dann wieder davongeht und sagt: So, jetzt bin ich fertig. Sondern einer, der sich mit Haut und Haar Gott verschrieben hat und sagt: Das, was ich lebe und bin in dieser Welt, das mache ich ganz allein und ausschließlich für Gott. Ich stehe in einem Dienstverhältnis, aus dem es keinen Urlaub und keinen Feiertag gibt, sondern ich diene ihm.
Wer will mein Bote sein?
Das Unmögliche und die erste Antwort
Mein erster Punkt: Etwas völlig Unmögliches wird da verlangt, etwas völlig Unmögliches wird da verlangt. Jetzt verstehen Sie, warum Gott Personalnöte hat. Sie werden nie in der Bibel einen Spruch finden, dass Gott Fans sucht, die ab und zu auf der Tribüne ihm zujubeln oder an den Feiertagen und Sonntagen ihm ein paar Lieder trällern. Im Gegenteil: Gott hat sich dies ausdrücklich verbeten. Er hat den Gehorsamen gefordert. Und er hat gefordert, es soll ihm niemand dienen, der ihn nicht erkenne mit seinem ganzen Leben.
Wie ist das, wenn man Gott erkennt? Ich stelle mir das so vor, dass dieser Jesaja an einem Sabbat hinaufging in den Tempel Jerusalems und er dort oben sich einreihte in die große Schar der Beter. Und plötzlich hat er eine Schau, und er sieht. Was er eigentlich sieht, weiß man gar nicht richtig. Es lässt sich gar nicht beschreiben. Wenn schon der Saum des Gewandes den ganzen Tempel füllt, dann frage ich mich: Was hat er von Gott überhaupt gesehen? Vielleicht doch nur den Saum seines Gewandes. Denn man kann Gott als sterblicher Mensch nicht ins Auge schauen.
Und wenn immer wieder Leute von ihren Visionen erzählen, dann frage ich mich, ob das wirklich ein Schauen Gottes war. Wo wir doch mit unseren sündigen Augen die Herrlichkeit Gottes gar nicht fassen können, wo wir doch erblinden müssen, wo selbst ein Mose sich eine Decke vor die Augen hängte vor dem Widerschein der Herrlichkeit Gottes. Und es hat diesen Jesaja schier zusammengehauen, als er die Größe und Ehre und Macht und Gewalt Gottes nur von ferne ahnte.
Wir betreiben einen kümmerlichen Versuch, wenn wir hier erklären wollten, was Seraphim sind, die dort als dienstbare Geister um den Thron Gottes stehen und dieses große, dreimal heilig singen: Heilig, heilig ist Gott der Herr. Ich kann nur davon reden, wie dieser Jesaja plötzlich berührt wird und merkt: Da ist eine Welt, die so völlig anders ist als die Welt, die ich kenne. Diese Gegenwart Gottes umgibt mich. Diese Welt Gottes ist so schön und so vollkommen, weil nichts Menschliches drin ist. Kein Stückchen von dieser Welt ist heilig, heilig. Und kein Missklang dieser Erde kann diese Harmonie Gottes auch nur trüben.
Und wie fern ist das Reden und Diskutieren, ob es einen Gott gibt und wo Gott ist. Da steht er plötzlich im Lichte Gottes. Wir werden das ja alle auch erleben mit der Stunde unseres Todes, dass wir im Lichte Gottes stehen. Für einige ist das sehr nah, für manche noch ein paar Jahre länger entfernt. Aber das passiert ja auch immer wieder in unseren Tagen, dass Menschen Gott erkennen.
Gottes Wort trifft mitten ins Gewissen
Nochmal will ich ganz klar betonen, dass das nicht jetzt an irgendeiner übersinnlichen Schau liegt. Mich hat das beeindruckt, wie einer der großen Zeitungsmanager unserer Tage, der dann so gerne offen davon sprach, bis ihn Gott in jungen Jahren heimholte, ein Katholik sagte, wie er zum ersten Mal Gott begegnet ist. Er war viel in christlichen Versammlungen gewesen und dann auf Abstand gegangen. Gar nichts Besonderes war passiert, als ihn das Wort Gottes im Gewissen traf. Und er wusste, er erkannte wie Jesaja: Da ist der Herr.
Das kann bei Ihnen am Schreibtisch sein. Das kann wie bei Jesaja im Gottesdienst sein, dass Sie getroffen sind und sagen: Was bin ich für ein Nach, dass ich dauernd mein Leben mit nichtigen Dingen fülle, und da ist er, der Herr, der doch mich in seine Gegenwart stellt. Und wer bin ich denn, dass ich Gott begegnen sollte? Ich kann doch Gott überhaupt nicht begegnen. Wer will mein Bote sein? Wie kann ich ein Bote dieses Gottes sein?
Ich muss Ihnen jetzt einmal erzählen, dass auf unsere Gottesdienste hin bei manchen Gottesdienstbesuchern sich ein Disput entzündet. Die sagen, in der Ludwig-Hofacker-Kirche geschieht etwas ganz Schlimmes. Da eröffnet der Pfarrer den Gottesdienst mit einem persönlichen Gruß. Und das klingt ja so, als wenn der das in seinem Namen, als seine Privatsache, machen würde, der begrüßt die Leute. Und er müsste doch eigentlich den Gottesdienst im Namen Gottes eröffnen.
Wenn dann Leute mich ab und zu besorgt fragen und sagen: Wie ist das bei Ihnen, wollen Sie das nicht im Namen Gottes sagen?, dann sage ich meist nur sehr kurz: Das ist keine Formel für uns am Eingang unseres Gottesdienstes, sondern das ist eine Sache, die uns im Gottesdienst schier erdrückt, dass jedes Predigtwort im Namen Gottes gesprochen wird. Nicht an der Formel liegt das, sondern an der Sache, ob das Blasen und Singen hier im Namen Gottes geschieht, im Namen dieses Gottes, der sein Heilig, heilig, heilig singen lässt. Wer sind wir denn, dass wir überhaupt von ihm reden?
Dienst im Namen Gottes
Und das ist so grundverschieden, als wenn man in so vielen christlichen Versammlungen über Gott ein paar weise und gelehrte Gedanken hat, nicht über Gott, sondern Reden in seinem Namen. Das kennen wir vielleicht noch aus der Abendmahlsfeier, wenn da uns einer sagt: Als verordneter Diener Christi verkündige ich dir im Namen Gottes die Vergebung all deiner Schuld. Aber doch nicht bloß beim Abendmahl. Das muss doch in jedem Wort des Gottesdienstes sein, im Namen dieses Gottes.
Und wenn sie in ein Krankenbett treten, in wessen Namen kommen sie denn? Welcher Bote wollen sie sein, als ein Bote Gottes? Und wo wollen sie denn reden, wenn sie einen Menschen zum Glauben führen, als zu sagen: Im Namen Gottes komme ich zu dir.
Das ist so etwas völlig anderes, als dass wir unsere weißen und klugen und eindrucksvollen Reden halten, die wir noch ein bisschen garnieren und würzen mit ein paar Bibelzitaten. Um das geht es doch nicht, sondern ob heute, in der Jungscharandacht und bei dem Hausbesuch Gott mich senden kann, der ewige, der heilige Gott, der in diese Welt hineinredet und der heute ein Wort hat an die Menschen, die um uns leben, und der sie wieder zurücksendet zu ihren Berufskollegen: Ich will euch senden.
Am schlimmsten ist das sicher bei uns, die wir doch so oft im Gottesdienst sitzen. Und die wir dann auch immer wieder meinen: Ach ja, das ist doch wichtig, dass Gott einen Segen für mich hat. So wie ein Brotpate sagt: Es wäre doch auch noch schön, wenn wir schon so glücklich sind, Gott würde uns auch noch einen Segen geben. Schaden kann es ja nichts.
Die nie begriffen haben, dass Gott nicht unser Zeremonienmeister ist, den wir ab und zu bei den Familienfeiern bemühen und sagen: Lieber Herr, hilf uns, dass es uns gut schmeckt mit dem Essen und dass der Arzt seine Arbeit besser tun kann, wenn mein Leib nicht mehr richtig funktioniert. Sondern dass der heilige Gott ruft: Ich will der Erste in deinem Leben sein, der Herr! Und er beansprucht unbedingte Autorität.
Wundert es Sie, dass Gott von einer Christenheit weicht, die nicht mehr klar weiß, wer Gott ist und was sein Wort ist? Die darüber redet, welchen Gehorsam sie Gott schuldig ist? Sie brauchen sich nicht zu wundern, wenn ihr Glaubensleben leer und matt und nichtssagend geworden ist.
Gott redet, und er ruft. Und er gibt diesem Jesaja einen ganz schwachen Eindruck seiner Majestät und Größe, wenn diese Engel um seinen Thron dieses große Lob- und Anbetungslied singen: Heilig, heilig ist Gott der Herr.
Wir feiern heute Sonntag der Dreieinigkeit. Und es bleibt für uns immer ein Geheimnis, dass wir nur stammelnd nachbeten können, dass Gott uns auf dreifache Weise so machtvoll begegnet: als der Schöpfer aller Dinge und Erhalter der Welt, als der, der in Jesus sich zu dem schuldigen Menschen herunterbeugt und Schuld ausstreicht, und er durch seinen Geist heute uns leiten und führen will und an unsere Türe klopft.
Wem soll ich senden, wer will mein Bote sein? Ein unmögliches Programm: Wer will mein Bote sein? Es gibt so viele Schwätzer und Blautrock, es gibt so viele Unterhalter, die auch noch in fromm machen können, es gibt so viele fromme Veranstaltungen. Gott ist nicht daran interessiert. Er sucht Boten, die nichts anderes in diese Welt hineintragen als sein Wort.
Es geht auch nicht um Visionen heute, es geht um sein Wort, sein Wort, das er uns gibt, als das, durch das er zum Menschen kommt.
Befähigung durch Gottes Eingreifen
Mein zweiter Punkt: Gott befähigt. Das erste war etwas völlig Unmögliches, was da verlangt wird: Bote Gottes zu sein. Gott befähigt. Das war interessant, gerade in diesen Tagen.
Jetzt habe ich mit jemandem aus unserer Gemeinde gesprochen und ihn gebeten, bei der Hofacker-Konferenz ein kurzes Wort zu sagen, was ihm die Bibel bedeutet. Ach ja, hat sie gesagt, das kann ich nicht. Ich finde das prima. Es gibt auch Leute, die sagen: Gut, das kann ich.
Es geht mir jedes Mal so beim Predigen, dass ich meine, es müsste doch irgendwie gelingen, das so darzustellen, dass die Konfirmanden etwas mitnehmen, dass es interessant wird und dass es unter die Haut fährt. Und dann kann man die Nacht vorher nicht mehr schlafen.
Er las sich in einer Predigt von Manfred Hausmann zu dem Text im abgründigen Geheimnis abgedruckt, unvergesslich, wie er sagte: Wer das Wort Gottes reden will, dem geht es so, dass er schier erwürgt wird. Der fühlt sich wie ein Schlachttier, dem das Messer an den Hals gesetzt ist. Man will das Wort Gottes reden und merkt: Ich kann es doch gar nicht sagen, weil ich doch selbst diesem Wort gar nicht gehorsam bin. Und man spürt den Totalanspruch Gottes auf unser Leben.
Hoffentlich spüren Sie das noch. Und hoffentlich sind Sie nicht so ein munterer Plauderer, der über Gott und die Welt und die Zeitprobleme reden kann. Das werden Sie nächste Woche wieder hören, wie auf dem Kirchentag jedes Zeitproblem mit Christentum überdeckt werden kann. Da gibt es christliche Sozialisten und christliche Nationalisten und christliche Kommunisten, da ist Gott irgendwo noch die Randfigur in der Ideologie.
Und Gott predigt sein Reich, und er ruft Menschen in seinen Gehorsam. Und da hängt er sich nicht irgendwo an eine Zeitströmung an, und da springt er nicht aufs Trittbrett auf, sondern da fordert er uns zum Gehorsam.
Dass der Jesaja aufschreit, das ist so typisch für all die Berufungsgeschichten, bin ich der Meinung, dass das stimmt, was in unserem Gemeindeplatz steht, zu diesem Sonntagstext, dass nur der Jesaja eine Gerichtsbotschaft zu predigen hat. Ach, wie gut ist es, dass wir heute von Jesus, vom Frieden und von der Liebe predigen dürfen.
Das Wort von Jesus ist genau so ein Gerichtswort für unsere Zeit, an der Buße und Bekehrung gefordert ist, Umkehr und neues Leben. Und dieses Wort von Jesus, das wird uns so schwer, wenn Jesus sagt: Komm und folge mir nach. Und jedes Jesuswort, und erst recht das der Bergpredigt, das ist so wie dieses Messer, das uns an den Hals gesetzt ist. Wie kannst du davon reden und doch so anders leben?
Und dann verstehen sie, dass das ihnen auch nicht anders gehen kann. Und dann ist alles klar, warum wir schweigen, warum wir solche Probleme haben, nicht über Gott zu reden oder über die Kirchensteuer oder über die Probleme der Konfession, sondern das Wort Gottes zu sagen.
Ich habe Ihnen heute das zu sagen: Das eine Wort von Gott bringt ein Leben mit Gott in Ordnung.
Reinigung, Sendung und die Frage nach dem Boten
Jesaja hat später seine ganzen Zeitgenossen daran gemessen und geprüft. Er stand vor Königen und vor den Herrschern seines Volkes. Und er hat sie aufgerufen und gesagt: Worauf vertraut ihr eigentlich? Ihr rüstet eure Stadtmauern, ihr plant, und ihr habt eure eigenen Gedanken. Das ist doch alles nichts, glaubt ihr nicht? So bleibt ihr nicht. Bergt euch im lebendigen Gott!
Und wenn die Menschen sich heute unterhalten, wie der Frieden gerettet werden kann, wie unser Leben sicherer gemacht werden kann und wie ich mich hüten kann, damit ich mich vor tödlichen Krankheiten bewahre, dann sagen wir: Leben mit dem Wort Gottes! Und gib dein ganzes Leben in die Nachfolge des einen Herrn, der dich ruft!
Aber Jesaja sagt: Ich kann kein Bote sein, weil ich nicht geeignet bin. Und er dachte nicht an eine Befähigung durch irgendwelche Prüfungen und Examina. Er dachte nicht an eine Berufung durch menschliche Gremien, sondern er wusste: Ich bin ein sündiger Mensch. Und erst vor der Heiligkeit Gottes wird uns das bewusst. Herr, wie soll ich von dir reden können, wo mein Mund so viel Nichtiges plappert, wo ich so viel Verlogenes daher schwätze? Im Lauf der Zeit: Wie willst du ausgerechnet meinen Mund benutzen, damit dadurch deine Herrlichkeit in der Welt erklingt?
Wollte Gott immer vorgehalten werden: Warum hast du gerade den Mund der Menschen benutzt? Es gäbe doch ganz andere Dinge. Durch Zeichen und Wunder hättest du reden müssen. Nein, er wählt den Mund von sündigen Menschen.
Dann kommt einer der Seraphen mit dieser glühenden Kohle. Und es ist ja nur ein Symbol dafür, dass Gott Reinigung unserer Lippen schenken kann. Und das will er: dass seine Boten sich reinigen. Das gilt im alten und im neuen Bund, dass Gott unser Leben durch und durch erneuern will, dass wir Träger werden seiner Herrlichkeit, heilige Menschen, die von der Sünde frei werden, weil sie die Vergebung Jesu erfahren haben.
Das ist heute so wichtig, dass ich es Ihnen in diesem Gottesdienst zusprechen kann: Sünde, die ins Licht Gottes gebracht wird, ist vergebene Schuld. Jetzt legen Sie doch diesen Schmutz ihres Lebens einmal hin und heiligen Sie sich für diesen Gott, damit sie sein Bote sein können. Heiligen Sie Ihre Hände, Ihren Besitz, Ihr Herz und Ihre Gedanken!
Da sitzen Leute heute unter uns, die sagen: Bei mir, da kommen die hässlichen Gedanken. Und wir wissen, wie das ist heute in unserer Zeit, wo so viel auf uns einstürmt. Heiligen Sie sich, weil Gott entsühnen kann, entsündigen kann und versühnen kann, weil er die Schuld wegnimmt und freimacht.
Und dann heißt es auf einmal: Nicht ich, sondern er. Nicht ich, sondern er. Dann geht es gar nicht mehr um den kleinen Jesaja. Der Jesaja ist bloß einer, der den Finger ausstreckt und sagt: Da ist der ewige Gott. Ein größeres Zeugnis gibt es gar nicht, als auf Jesus hinzuweisen.
Wenn Sie wissen wollen, was heute unsere Zeit will, dann will sie gar nicht diese Modechristen, die nach dem Geschmack der Zeit reden, dieses billige Aufguss-Evangelium, sechsmal verdünnt und noch einmal verwässert, sondern sie suchen nach Menschen, die ihnen die Gegenwart des heiligen Gottes nahebringen. Und wenn ihnen das gelingt, dass sie sagen: Ich will nur ein Wort Gottes sagen, und sie sagen das in ganzer Schwachheit, ohne Pathos, ohne Feierlichkeit, einfach so: Ich habe das selber bei mir erlebt, und das will ich weitergeben, dann kann Gott zum Menschen reden.
So wie es unsere jungen Leute erlebt haben, wo einer hier unter uns ist, der als ein alternativer Aussteiger in die Schweiz zog und irgendwo auf einem Albenhof das neue andere Leben suchen will. Wen lockt das nicht, einmal nur noch den Käse der Kühe zu essen und zu sagen: Jetzt lebe ich ganz mit der Natur? Aber den Frieden hat er nicht gefunden, und die Erfüllung hat er nicht gefunden.
Auf der Rückkehr bei einem Almbauern wollte er ihm Heu liegen, der hat ihn eingeladen, ein Rätoromaner, er sprach ganz schlecht Deutsch. Er hat ihm ein Zeugnis von Jesus gegeben, hat ihm Schallplatten vorgespielt, und an dem Abend hat er sein Leben Jesus gegeben, hat die Herrlichkeit Gottes gefunden.
Und wenn das unser Ziel ist, wenn wir sagen: Ich will das nur mit meinem Leben erreichen, dass ich anderen etwas weitergeben kann, Herr, entsündige mich, so wie jener tuberkulosekranke Schuhmacher in den Karpaten, der 1943 wusste, er lebe nur noch ein paar Wochen, und sagte: Herr, ich möchte noch einen zu dir führen, irgendeinen Menschen.
Bei einem großen Gewitter stand ein Ehepaar unter bei ihm in der Schuhmacherei in den Karpaten. Und sie sprechen, und dann merkt er: Da hat er einen waschechten Kommunisten vor sich. Es war einer, der als Führungskader bestimmt war zur Führung der Untergrundabteilung in Belgien damals und der auf der höchsten Schmiede der Untergrundarbeiter in Moskau gedient hat: Richard Wurmbrand. Und das spricht ein sterbender Mann und darf einen in die Gegenwart Gottes führen, Bote Gottes.
Vielleicht sind wir viel zu sehr auf unsere Gaben und Fähigkeiten versessen. Vielleicht meinen wir viel zu viel, mit dem, was wir können, Gott zu befähigen. Und als Letztes: Gott braucht dich.
Die Sendung der Schwachen
Also die Frage da: Wen soll ich senden?, sagt Gott. Es sind so viele, die seinen Namen im Munde führen. Aber Bote sein? Nein, Boten gibt es so wenig, die allein Gott gehören. Und ich habe gedacht, vielleicht muss ich Ihnen das Wort Bote nur anders übersetzen: Botschafter.
Jetzt denken Sie einmal an den Botschafter der Vereinigten Staaten, der in Moskau sitzt. Wenn der sich geniert, wenn der sagt: Ich traue mich nicht, die Fahne aufzuziehen, was denken auch die Leute, die da um die Botschaft wohnen? Er hat die Interessen seines Landes zu vertreten. Dazu ist er bestellt, und das ist sein Auftrag, und das ist seine Berufung. Und wenn er in den Kreml bestellt wird, dann wird er sagen, was seine Regierung will. Da braucht es keinen eigenen Kommittat dazu. Er muss sagen, was ihm aufgetragen ist.
Wer will mein Bote sein? Wir sind Botschafter, denn Gott vermahnt durch uns. Ich muss immer an den Apostel Paulus denken, wie er in die Gemeinden kam und sagte: Ich bin zu euch gekommen in großer Schwachheit. Das war vielleicht der Unterschied zu uns, dass er nicht ungehorsam war, auch dann, wenn ihn die Kraft verlassen hatte und wenn er wusste: Ich kann keinen Eindruck mehr machen. Er sagt: Es war gut, dass ich in Schwachheit zu euch kam, auf dass euer Glaube bestehe, nicht auf Menschenweisheit, sondern auf Gotteskraft. Dann ist Gott der alleinige Urheber eures Glaubens.
Wen soll ich senden? Wo sind Leute, die so auf Gott schauen? Der Jesaja saß da und sagt nur: Hier bin ich. Gott fragt nicht nach einer einzigen menschlichen Vorbedingung, nur nach dem: Willst du dich zur Verfügung stellen? Alles andere macht er. Hier bin ich, sende mich.
Und das ist heute nicht nur ein Wort, das Sie fragen lässt, ob Sie von Gott reden, sondern ob Sie in Ihrem Leben vor allen Ihren anderen Verpflichtungen und Aufgaben ganz allein Gott zuerst, vor allem anderem, dienen, sein Bote sein wollen, mit allem, was Sie sind. Was sagen Sie?

