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Einführung in den Predigttext und seine Einordnung
Hebräer 2 ist unser Predigttext, Verse 14 und 15. Der Hebräerbrief steht ganz am Ende der Briefe des Neuen Testaments. Dahinter kommen offenbar nur noch der Jakobusbrief und der Judasbrief.
Wir haben ja in dieser Passionswoche uns Worte aus dem Hebräerbrief ausgesucht und durch diese Worte hindurch das Geschehen der Passion Jesu beleuchtet. Wir wollen das heute abschließen mit diesem Wort aus Hebräer 2.
Er sagte ja am Anfang, dass der Anlass war, dass immer wieder Christen sagen, der Hebräerbrief sei so schwer verständlich. Er ist sicher in seiner Aussage sehr dicht, sehr gefüllt, sehr komprimiert. Darum ist es gut, wenn man nur einmal solch einen kleinen Abschnitt von zwei Versen betrachtet.
Weil nun die Kinder von Fleisch und Blut sind, also wir Menschen von Fleisch und Blut sind, hat auch Jesus gleichermaßen dieses Fleisch und Blut angenommen, damit er durch seinen Tod die Macht nehme dem, der Gewalt über den Tod hatte, nämlich dem Teufel, und die erlöste, die durch Furcht vor dem Tod im ganzen Leben Knechte sein müssen.
Herr, mach uns heute frei von aller Todesfurcht! Amen!
Die scheinbare Gelassenheit gegenüber dem Sterben
Wenn man heute nur so einen Satz ausspricht: Furcht vor dem Tod, dann würden uns viele unserer Zeitgenossen sagen: Ich weiß gar nicht, was ihr habt, ihr Christen, wir haben gar keine Angst vor dem Sterben.
Denen, die dabei waren, bei der Passionsandacht, als wir über Schande sprachen, sagten wir ja ganz betroffen: Viele Leute sagen, Schande ist so schlimm, dass ich lieber den Tod wähle. Die nehmen sich das Leben. Den Tod fürchten sie nicht, aber Schande fürchten sie.
Und wenn wir uns umschauen, dann merken wir, dass die Leute doch sehr unbekümmert auf ihren Tod zu leben. Angst vor dem Tod erlebe ich kaum mehr. Und die Leute bewältigen das ausgezeichnet, ohne irgendeine Seelsorge. Gelassen gehen sie auf ihren Tod zu, gleichmütig, und sagen: Das ist ja alles gar nicht so schlimm. Furcht davor sprecht ihr immer, ihr Christen, sagen sie, wir haben keine Angst vor dem Sterben.
Und wenn ich nach vielen Jahren meiner Amtstätigkeit heute eine Bilanz ziehen soll, dann kann ich sagen: Das Einzige, was die Leute bewegt und was am meisten zu mir gesagt wird bei dem Gespräch vor der Beerdigung: Herr Pfarrer, machen Sie es kurz, ganz kurz. Ich hoffe, dass ich diesem Wunsch, wenn er ausgesprochen wurde, auch immer in gebührender Kürze entsprochen habe.
Wenn es nur schnell vorbei ist, die Feier, und dann geht es wieder zurück, und dann wird sich das schon verlieren. In dieser Zeit kann ich verstehen, dass die Botschaft von der Auferstehung Jesu für die Menschen heute, für den Menschen dieser Generation, wenig bedeutet. Vielleicht ist das noch ein schmückendes Beiwerk, dem man ein Recht gewährt, weil es aus der Tradition unseres christlichen Abendlandes stammt.
Das ist auch recht, wenn man noch einmal davon spricht, über Jesus und die Auferstehungshoffnung, etwa bei einem Begräbnis. Aber eine Bedeutung hat es doch für die meisten Menschen gewiss nicht mehr, vielleicht noch symbolische, bildliche Übertragung dessen, was da geschieht, aber mehr nicht.
Ohne Furcht gehen die Menschen unserer Tage auf den Tod zu, unbekümmert, gelassen. Ohne große Besorgnis.
Die Wirklichkeit der Trauer und der Verlust des Friedens
Eigentlich ist alles erst anders, wenn sie den Tod erleben. Und die unter uns, die in ihrer nächsten Nähe mitmachen mussten, was der Tod wirklich ist, die sind völlig erschüttert. Sie sagen: Wir haben das überhaupt nicht gewusst, welch eine Lücke der Tod reißt, und dass wir überhaupt da schweigen.
Das bleibt doch das große Rätsel unseres Lebens. Und die Trauernden unter uns, die sind ja so alleingelassen, gerade weil sie spüren: Wir nehmen den Tod nicht ernst. Das ist so furchtbar, wenn eine liebevolle Verbindung plötzlich durch den Tod zerbrochen wird. Man kann nur fragen, warum unsere Zeit so oberflächlich geworden ist und an der großen Not der Trauernden heute vorübergeht, die den Tod in seiner grausamen Wirklichkeit erleben und erfahren.
Ich las in diesen Tagen einen Satz: Gegen das Trauern hilft nur das Mittrauen, das sicher richtig und mitfühlend sein muss. Ich will aber noch hinzusetzen: Gegen das Trauern hilft nur das Wissen um den Ostersieg Jesu. Und darüber will ich heute reden, das Wissen um den Ostersieg Jesu. Aber wir müssen zuerst noch einmal zurückblenden.
Was ist denn so schwer am Sterben? Was ist so schwer daran? Sie sagten ja vorhin, wir gehen heute sehr unbekümmert auf das Sterben zu. Vielleicht ist das so schlimm, dass wir gar nicht das Sterben aus unserem Leben verdrängen können. Über uns allen steht ja schon gleichsam dieses Todesdatum fest, und wir kommen daran nicht vorbei und können das Todesdatum unseres Lebens gar nicht verschieben. Und darum verdrängt man das.
Aber das Schwere ist mir immer wieder: Das steht so fest in unserem Leben drin, und das Schwere vom Sterben wollen wir gar nicht wahrhaben, weil wir es nicht ertragen können. Ich habe mich gefragt, woher das eigentlich kommt, dass wir den Tod so leicht nehmen, das Sterben so leicht nehmen. Sonst wird ja in diesen Tagen sehr viel Schlechtes und Unheimliches von der Zukunft prophezeit. Die Menschen sind sehr pessimistisch. Sie haben eine dunkle Ahnung: Irgendwo in der Zukunft, da kommt die große Krise auf allen Gebieten. Es wird immer komplizierter in der Außenpolitik, in der Wirtschaft, in der Armut, in der Überbevölkerung.
Bloß wenn die Menschen in die Zukunft ihres Todes blicken, sind sie merkwürdig optimistisch. Fast alle Menschen sind von einer unbegrenzten Heiterkeit. Wenn man sie fragt, woher sie eigentlich ihre gute Meinung haben, dass mit dem Tod alles so gut werden müsste, dann sagen sie: Ach, das muss doch so sein, ich habe einfach die Hoffnung. Erstaunlich, wie diese helle, lichte Hoffnung sich durch die Menschen unserer Tage zieht und wie sie mit großer Zuversicht sagen: Das wäre doch schön.
Ich vermute, das kommt daher, dass man im Tod ein natürliches Geschehen sieht. Und in unserer Zeit ist man der Natur so weit entfremdet, dass man alles, was von der Natur kommt und bloß ein bisschen grün aussieht, schon als das Paradies ansieht. Und darum sagen die Menschen: Das Sterben, das gehört doch zur Natur. Und wenn ich da wieder zurück darf in die Natur, dann ist doch dort der Friede da. Und man vergisst darüber, dass in der Natur auch das Sterben ein ganz schwerer Vorgang ist.
Wer von Ihnen ein wenig die Wälder und Tiere kennt, der weiß, wie Tiere leiden und Angst haben vor dem Sterben. Und es ist natürlich, Angst zu haben vor dem Sterben. Völlig unnatürlich ist es, die Angst zu verdrängen und zu verschieben.
Und wenn wir zurückdenken in die Zeiten, in denen der Tod noch ganz natürlich in der Mitte der Menschen war, der Friedhof war im Mittelpunkt des Dorfes oder der Stadt, wo die Toten noch in der Wohnung gelegen haben, heute haben wir ja ein perfektes Dienstleistungsgewerbe, das uns das alles abnimmt, nur dass wir den Tod in seiner grausamen Realität nicht erleben müssen. Sie zeigen uns den Toten dann nur noch schön geschmückt und feierlich.
Aber damals, als das alles noch so erlebt wurde, natürlich im Lebensraum der Menschen, da hatte man eine große Ehrfurcht vor dem Sterben und sprach betroffen davon: Mitten wir im Leben sind von dem Tod umfangen. Die Leute haben die Todesnähe erfahren auf ihren Reisen, im Handel, die Pest war allgegenwärtig. Man wusste: Unser Leben ist vom Tod bedroht. Das war natürlicher als unser heutiges Leben, das den Tod verdrängen will.
Und viele von Ihnen erleben auch schon, wie der Tod seine Schatten weit in unser Leben hereinwirft. Da, wo die Trauer durchlitten sein muss, oder da, wo einer schon die Krankheitszeichen in seinem Körper überwinden muss, mit niemandem darüber redet, aber sich immer wieder damit auseinandersetzt, dass er spürt, wie schwach das Herz geworden ist, dass er empfindet, dass irgendwo mit seinen Organen schon eine dieser schweren Störungen sich ankündigt, aus der es keine Heilung mehr gibt und keine Befreiung.
Wenn wir so im Schatten des Todes stehen, dann wollen wir heute Morgen wissen: Was ist denn das, der Tod? Was kommt da auf uns zu? Was ist so schwer am Sterben?
Der Tod als Macht des Feindes
Ich bin so froh über die biblisch realistische Sprache, besonders hier in diesem Abschnitt im Hebräerbrief. Da steht ganz einfach, dass der Tod ein Zeichen der Macht des Teufels ist. Der kann wüten, der hat uns alle in seiner Hand, darum bestimmt er uns so stark.
Die Bibel spricht ja auch vom Tod immer als vom letzten Feind, der überwunden wird. Wenn wir so etwas in unserer Zeit sagen, dann kommt ja gleich der Widerspruch, dass Leute sagen: Glaubst du an den Teufel? Das ist biblische Realität. Hinter der Todesmacht steht der Feind Gottes selbst. Und das macht unser Leben so schwer, dass es nicht nur eine Front zwischen Gott und uns ist, sondern dass dazwischen noch einer steht, der uns ja schon lange bestimmen kann und der auch den Tod benutzt, um uns aus der Nähe Gottes zu ziehen.
Der Tod hat ja eine wichtige Funktion. Er schließt unser Leben ab, selbst da, wo wir unvorbereitet in den Tod gehen. Wir müssen eine Bilanz über unser Leben geben, und dann kommen wir ins Licht Gottes. Dann müssen wir Rechenschaft geben über das, was wir gelebt haben, und dann ist alles offenbar, was wir in diesem Leben gehandelt haben, was wir gesprochen haben, jedes unnütze Wort.
Und dann sagt die Bibel in Offenbarung 12, dass dann der Verkläger noch einmal kommt, der Verkläger, der dann noch einmal darauf pocht und sagt: Ja, du hast kein Recht, dich auf Gott zu berufen. Das macht das Sterben so schwer, dass es uns trennt vom Frieden Gottes, dass die große Unruhe aufbricht, die große Not auch in der Traurigkeit des Abschieds.
Darum sagt der Hebräerbrief: Es ist die größte Erlösungstat, die Jesus vollbracht hat. Er hat Fleisch und Blut angenommen und durch seinen Opfertod dem Tod die Macht genommen. Ja, er hat den Teufel, der den Tod manipulieren kann, entmachtet. Und für solche, für die Jesus Christus gestorben ist, ist es wunderbar, dass sie jetzt den vollen Frieden haben in Jesus Christus.
Die Befreiung durch den auferstandenen Christus
Das muss ich jetzt ein wenig näher ausführen: Der Tod hat keine Macht mehr. Der Tod hat keine Macht mehr.
Wir erleben das ja umgekehrt. Der Tod hat alle Macht. Über unser sterbliches Fleisch kann er jederzeit hereinbrechen. Wir sind ihm ausgeliefert und können gar nichts dagegen tun. Aber an diesem Ostermorgen soll bei uns der Jubel anbrechen: Jesus hat diesen Tod entmachtet. Auch wenn wir noch auf unsere Todesstunde zugehen, hat er keine Macht mehr. Er kann uns nicht mehr den Frieden Gottes rauben.
Ich muss da zum ersten Wort noch einmal sagen: So unter unseren christlichen Gemeinden sicher war das schon bei der ersten christlichen Gemeinde das Kennzeichen ihrer großen Schläfrigkeit, dass sie nämlich von der Auferstehung Jesu zuerst gar nichts begriffen haben. Es fiel auf taube Ohren. Sie konnten es nicht glauben und verstehen. Und bis in unsere Tage hinein ist es ja so, dass die meisten Christen noch überhaupt nie begriffen haben, was die Auferstehung Jesu von den Toten bedeutet.
Und Jesus lebt. Er hat den Tod überwunden. Sie müssen es nur einmal miterleben, wie das ist, wenn ein Mensch zum Glauben an Jesus kommt. Der kann traditionell erzogen sein im christlichen Glauben, er kann Formeln auswendig gelernt haben, Dinge gelesen und manches vielleicht diskutiert haben. Aber wenn er plötzlich entdeckt: Jesus ist der Herr, dann entsteht ja solch eine Revolution im Leben. Das ist der entscheidende Punkt, dass ein Mensch weiß: Ich darf mit Jesus leben. Und dieser Herr, der über die ganze Welt gebietet, der will in meinem Leben wirken, und ich werde ein Werkzeug, das er benutzen kann. Da hat der Tod keine Macht mehr bei uns.
Wenn das jemand entdeckt, der verzweifelt und traurig ist, und plötzlich merkt: Ja, ist das wahr, Jesus, mit dem kann man so reden, der ist eine Person, auch wenn man ihn nicht sieht. Der kommt in mein Leben, mit ihm darf ich eine ganz enge persönliche Gemeinschaft haben. Da wird der Tod besiegt, da wird der Tod überwunden.
Da passiert es ja, dass Menschen sich ganz ruhig auf ihr Sterbelager legen können, ohne sich zu täuschen über den Ernst des letzten Gerichts und der Rechenschaft, die sie vor Gott ablegen müssen, und die doch so fröhlich in dem Herrn sterben, weil sie wissen: Jesus hat meinen Tod zerbrochen. Und wenn ich sterbe, dann geht es zu Jesus. So wie ich ihn jeden Tag von morgens bis abends erleben durfte und bei ihm sein durfte, so darf ich hinübergehen, wie man in die Heimat reist. Der Tod hat seine Macht verloren.
Und wenn ein Mensch solch eine Entdeckung mit Jesus macht, dann ist das mir immer wieder, wie wenn man ein Puzzle zusammensetzt. Da kommen auf einmal die vielen Einzelteile, die man vorher gar nicht verstanden hat, auch aus der Fülle des Glaubens zu einem wunderschönen großen Bild zusammen, wo ich dann jede Aussage des Wortes Gottes durch den lebendigen und auferstandenen Christus ganz neu verstehen und begreifen kann.
Die große Freude der Christen liegt darin, dass sie wissen: Jesus hat mit seinem Opfertod den Teufel entmachtet. Und wie ich am Karfreitag auch wieder so manche Sendungen im Radio oder auch im Fernsehen gehört habe, habe ich gedacht, so wie wir es am Karfreitag ja schon in der Predigt gesagt haben: Es wird viele geben, die das Geschehen des Kreuztodes Jesu verkürzen auf eine Protestsache, auf einen, der gelitten hat. Aber wenn sie es so ansehen, dann haben sie auch keine Osterhoffnung. Merken Sie das! Da ist kein Tod überwunden, da ist dem Teufel nicht die Macht genommen.
Darum legt der Hebräerbrief so viel Wert darauf, dass durch seinen Tod die Macht dem genommen wurde, der Gewalt hat über den Tod, nämlich dem Teufel. Damit wir heute fröhlich leben können, muss man noch einmal zurückdenken, wie die ersten Christen mit einer großen Unbekümmertheit an die Gräber ihrer Freunde hingetreten sind. Sie warteten ja sehnlich und fast ungeduldig auf die Wiederkehr Jesu Christi am Ende der Zeit, und sie meinten, es noch persönlich zu erleben. Und da war es sicher für die Sterbenden sehr schwer: Müssen wir jetzt noch durch den Tod hindurch? Es wird gar nicht viel darüber geschrieben in der Apostelgeschichte. Sie starben in der frohen Zuversicht, so wie Stephanus, der schon die Ewigkeit vor Augen sieht.
Und das ist das Große an unserem christlichen Auferstehungsglauben: Da, wo man eine unmittelbare Lebensbeziehung im Glauben mit Jesus hat, darf man heute schon alles überwinden und fröhlich der großen Zukunft harren.
Leben ohne Knechtschaft und mit neuer Freiheit
Mir ist aber jetzt noch wichtig, dass wir ausbrechen aus der Todesfurcht. Der Hebräerbrief spricht davon, dass wir ein ganzes Leben lang Knechte sein müssen, Knechte sein mussten dem Tod. Was meint er denn damit? Ja, dass das ganze Leben überschattet ist, auch wenn man nicht davon spricht, unbewusst von der großen Todesnähe. Und das gibt unserem Leben ja die große Hektik. Es könnte ja schneller vorbei sein, als wir ahnen. Nutze den kleinsten Augenblick, es zerrinnen dieses knappe Leben, dieses kostbare Gut. Vergeudet euer Leben nicht, das mahnt uns ja der Tod, und darum hat er uns immer unter der Peitsche, unter Druck. Und er bindet uns, und aus der Angst vor dem Tod folgt dann auch so viel, was unser Leben bestimmt.
Wir wollen ja in diesem Leben einige Erlebnisse machen, einige Erfahrungen, und wir lassen uns so schnell von den vergänglichen Dingen dieser Welt bezaubern, die uns verlockend erscheinen. Und viele haben um eines kurzen irdischen Lebens willen ihr himmlisches Ziel verraten und aufgegeben.
Darum wollte ich Ihnen an dieser Stelle noch von dem Grafen Leo Tolstoi erzählen, der 82-jährig immer noch nicht zum Frieden kam, auf der Suche nach dem erfüllten Leben. Er hatte schon seinen ganzen Besitz auf seine Frau überschreiben lassen, er wollte arm sein und hoffte, so Frieden zu finden. Er wollte ja die Bergpredigt buchstäblich verwirklichen und meinte, dann käme ein Mensch zur Ruhe. Und dann entschloss er sich, in einer stürmischen Nacht von daheim wegzulaufen, in ein orthodoxes Kloster zu gehen und Bettelmönch zu werden, um Frieden zu finden. Und unterwegs, in diesem schrecklichen Wettersturm, ist er umgekommen. So hat er den Frieden nicht gefunden.
Wir spüren manchmal heute auch, müssten wir nicht unser Leben noch einmal ganz neu gestalten, dies und jenes wegwerfen. Und doch fürchte ich, manchmal wird unser Leben genauso von einer unruhigen Sorge durchzogen wie bei Graf Leo Tolstoi. Was finden wir am Ende, finden wir den Frieden?
Wie war es denn bei den Christen damals, den ersten Zeugen der Auferstehung? Sie haben begriffen: Jesus starb für mich, er hat meine Schuld vergeben. Von dem Tag an lebten sie frei von der Todesfurcht. Sie nahmen ihre Güter und gaben sie da, wo Not war. Und sie benützten und verwalteten sie da, wo es auch Not war. Und dann zogen sie fröhlich ihre Straße, und sie waren mutige Bekenner und hatten keine Angst vor dem Tod mehr. Das war ja das Kennzeichen, und wahrscheinlich war es die Kraft jener ersten Christen, die dann in den Arenen zu Tode gefoltert wurden, da sie dort sangen ihre fröhlichen Jesuslieder auch im Angesicht des Todes.
Ich muss daran denken, dass in dem Lobgesang des Zacharias genau das Gleiche drinsteht: Da besuchte uns der Aufgang aus der Höhe, das war das Kommen Jesu, auf dass er erscheine denen, die da sitzen im Schatten des Todes, und richte ihre Füße auf den Weg des Friedens.
Jetzt müssen wir ausbrechen aus der Todesfurcht. Ich will das heute Morgen all den Trauernden sagen: Brecht doch aus! All denen, die sich in diesem Leben mitschieben lassen und sich immer wieder ihren Blick vernebeln lassen von dem, was ihnen groß erscheint. Ist alles nicht groß. Wir haben das Große erlebt, dass Jesus von meinen Sünden starb, und er gibt mir heute das neue Leben.
Einer, der Christ wurde, hat gesagt, der Augenblick, wo er Jesus entdeckt hat, sei ihm gewesen wie der Augenblick, wo man auf einem Haufen von Millionen Markscheinen sitzt. Man hat vorher nichts davon gewusst. Ich habe ja einen Reichtum, ich habe ja ein Vermögen. Was ist denn das Vermögen? Ich darf mit Jesus Christus heute leben. Er geht mit mir durch diese Tage und durch meine Aufgaben und Verpflichtungen, in denen ich stehe, und ich darf wirken für ihn.
Er hat uns erlöst, dass wir nicht mehr Knechte des Todes sein müssten, sondern wir könnten jetzt sagen, wie es Paulus im Römerbrief sagt: Knechte Jesu Christi, dass unser Leib und unser Fleisch den Auferstandenen verherrlichen darf. Dann hat Paulus als sein Lebensziel bezeichnet, dass er nicht mehr sich selber lebt, sondern dass er immer mehr, immer mehr die Auferstehungskraft Jesu in sein Leben hineinziehen will. Da müssen wir durchbrechen zu dieser großen Freude eines befreiten Lebens. Amen!

