Serie•Teil 4 / 4Fasten und Gebet
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Einführung in das Thema und die Rolle des Fastens
Pfingstkonferenz Kriwitz zweitausendsechsundzwanzig
Fasten und Gebet
Theologie, die dich im Glauben wachsen lässt, Nachfolge praktisch: dein geistlicher Impuls für den Tag.
Mein Name ist Jürgen Fischer, und im vierten Teil spreche ich über praktische Aspekte des Fastens.
Wo Sie sagen: Ich habe hier etwas, das mir wichtig ist, dafür bete ich. Aber eigentlich ist Gebet an der Stelle nicht genug. Wenn es darum geht, Älteste einzusetzen, wenn es darum geht, in der Gemeinde einen Dienst voranzubringen, wenn es darum geht, eine bestimmte Entscheidung zu treffen, ist Gebet einfach nicht genug. Da gibt es mehr. Da brauche ich eine Extraportion Gewicht in dem, was ich sage. Und die biblische Antwort ist an der Stelle Fasten.
Wir verstehen jetzt vielleicht etwas besser, warum Jesus in Matthäus neun formuliert: Und Jesus sprach zu ihnen: Können etwa die Hochzeitsgäste trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen weggenommen sein wird, und dann werden sie fasten.
Jesus sagt hier, es wird eine Zeit kommen, da werden seine Jünger fasten. Sie werden es tun, weil sie Anliegen haben. Sie werden es tun, weil sie sich wünschen, dass diese Anliegen nicht nur erhört werden, sondern erfüllt.
Und damit wir uns nicht falsch verstehen: Es geht hier nicht um mechanisches Plappern, wie die Heiden das tun. Das verurteilt der Herr Jesus aufs Allerschärfste. Es geht nicht darum, dass wir beim Beten Gott versuchen zu manipulieren oder zu informieren.
Und trotzdem, obwohl es nicht darum geht, ist die Art und Weise, wie wir beten, direkt Ausdruck unseres Glaubens. Mein Gebetsleben spiegelt wider, was ich von Gott erwarte. Wer wenig betet, erwartet wenig.
Bitte noch mal: Mein Gebetsleben ist ein Spiegel meines Glaubens.
Warum Fasten für Jünger Jesu sinnvoll wird
Und deswegen brauchen die Jünger natürlich nicht zu fasten, solange Jesus da ist. Wozu auch? Es ist doch logisch: Der König ist da. Ist jemand krank? Schwupp, jede Krankheit wird geheilt, jeder Dämon wird ausgetrieben, jede Frage wird beantwortet. Da brauche ich nicht zu fasten, da gibt es keine Probleme.
Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen weggenommen sein wird. Dann werden sie fasten, weil sie sich wünschen, dass ihre Kinder und Enkel zum Glauben kommen. Sie werden fasten, weil sie sich vor Krankheit und vor Kriegen und vor Konflikten fürchten. Sie werden fasten, weil Gemeinden schrumpfen und evangelistische Bemühungen ins Leere laufen. Sie werden fasten, weil sie sehen, dass der Glaube von Geschwistern langsam schwindet, weil Jobs verloren gehen und weil Weisheit im Miteinander fehlt. Sie werden fasten, das ist das, was der Herr Jesus sagt.
Jünger Jesu werden an dieser Stelle begreifen: Hier reicht es nicht, nur ein oberflächliches Gebetsleben zu führen. Hier brauche ich Gewicht. Durchschlagskraft. Das ist etwas, wo es mir nicht mehr egal ist, ob die Sache sich erfüllt oder nicht.
Und deswegen möchte ich zum Schluss mit euch kurz darüber nachdenken, wie man das praktisch werden lassen kann.
Ein Blick auf jüdische Praxis als Orientierung
Es gibt ja kein Gebot, und weil es kein Gebot gibt, gibt es auch keine Vorschrift, so und so müsst ihr das machen. Ich kann deshalb an dieser Stelle euch nur mit hineinnehmen in meine eigenen Überlegungen. Und ich will wirklich sagen: Es sind meine Überlegungen, ihr dürft das komplett anders machen.
Aber ich habe mir diese Frage einfach vor Jahrzehnten gestellt und überlegt: Was mache ich jetzt damit? Und ich dachte mir, es ist vielleicht klug, sich erst einmal anzuschauen: Wie haben die Juden das denn gemacht? Jesus sagt: Ihr werdet fasten. Was meint er denn damit konkret?
Und jetzt kann man in den rabbinischen Schriften ein bisschen stöbern und sich überlegen: Was hieß das denn damals, dass die Juden gefastet haben? Wie sah denn das normale Fasten eines Juden aus?
Das normale Fasten eines Juden ging etwa so: Man hat einen Tag vorher gesagt: Morgen möchte ich fasten. Dann hat man am Tag darauf frühmorgens noch etwas gefrühstückt und abends etwas gegessen. Dazwischen, also zwischen morgens und abends, hat man auf Essen und Trinken verzichtet. Das ist das klassische jüdische Fasten, so wie wir es in den Schriften der Rabbiner finden.
Das heißt, faktisch wurde da nicht ein ganzer Tag gefastet, sondern eigentlich nur so ein halber Tag. Und es wurde in der Regel auf Essen und Trinken verzichtet. Wenn jetzt jemand sagt: Ich faste eine Woche, dann bedeutete das, er hat sieben Tage lang immer so einen halben Tag gefastet. Das war seine Woche.
Deswegen konnten die auch so lange fasten. Bei Jesus war das anders, und bei Mose auch. Die waren die absolute Ausnahme. Aber das klassische jüdische Fasten ist, wenn man so will, ein halber Tag. Und mittags wird dann gebetet.
Sie beteten dreimal am Tag, und dann gab es als Ergänzung noch ein viertes, nämlich ein Fastengebet. Das war die Idee bei den Juden. Das sind die Regeln, die wir aus den Schriften des rabbinischen Judentums entnehmen können.
Und ich fand das für mich ganz erhellend, weil ich mir die Frage gestellt habe: Wie kriege ich das in meinen Alltag? Und deswegen: Wie mache ich das?
Persönliche Umsetzung im Alltag
Ich mache es so, dass ich mich zuerst hingesetzt und überlegt habe, welche Anliegen mir so wichtig sind, dass ich für sie fasten möchte. Das ist der erste Schritt. Du brauchst zuerst eine Liste mit Themen, bei denen du sagst: Die sind mir richtig wichtig. Also eine Liste mit Anliegen für meinen Fastentag. Die schreibt man auf.
Und dann mache ich es am Fastentag selbst tatsächlich so, dass ich frühstücke und abends esse. Das Mittagessen lasse ich ausfallen. Die Zeit des Mittagessens nutze ich für das Fastengebet. Ich verzichte nicht auf Trinken, das schaffe ich nicht. Ich habe es probiert, das funktioniert nicht. Aber ich verzichte aufs Essen. Und das ist dann schon so um zwei Uhr mittags, wenn du denkst: noch bis abends, das kann schon interessant sein. Aber das ist meine Art.
Das heißt, ich nehme mir einen Tag in der Woche, das war bei mir der Freitag, und da habe ich diese Liste. Die bete ich vor Gott, und ich bringe die Ernsthaftigkeit dieses Gebets dadurch zum Ausdruck, dass ich auf mein Mittagessen verzichte. Und da kommen dann meine ganzen, ich nenne das mal, meine Mega-Anliegen.
Also da kommen die Politiker in unserem Land. Da habe ich jetzt gerade nicht den Eindruck, dass es zu viel bewirkt, aber ich glaube auch einfach, wahrscheinlich müsste man an der Stelle mehr fasten. Vielleicht ist das genau der Fehler, dass wir zu wenig dafür fasten. Fangt alle damit an, vielleicht wird es dann besser.
Dann ist da natürlich meine Familie dabei, da sind meine aktuellen Projekte dabei, da sind meine Lieblingssünden dabei. Wir hatten das ja: Wenn ich jeden Tag meine Sünden bekenne, dann kommt natürlich irgendwann eine Lieblingssündenliste dabei raus. Wo hänge ich denn gerade? Was läuft gerade nicht in meinem Leben? Oder die Entwicklung der Gemeinde ist natürlich für mich ein Thema, wo ich sage, dafür faste ich.
Das ist das eine, dass ich in meiner Woche so einen Tag eingebaut habe. Nochmal: Ihr müsst das nicht tun. Das ist, wie Jürgen sich überlegt hat, wie übersetze ich das für mich in meinen Alltag.
Längeres Fasten und weitere Formen des Verzichts
Und dann gibt es daneben noch etwas Zweites. Daniel hat ja über drei Wochen hinweg auf Deodorant und Wein verzichtet. Das heißt, ich kann Ernsthaftigkeit auch dadurch zum Ausdruck bringen, dass ich das mit Essen und Trinken nicht mache, sondern dass ich mir etwas anderes nehme, bei dem ich sage: Da möchte ich mal für eine längere Zeit darauf verzichten, obwohl ich es eigentlich total gern mag und obwohl es auch gar keine Sünde ist, das zu tun.
Ich habe das jetzt aktuell bis zum Sommer laufen. Ich verzichte bis zum Sommer gerade auf jede Form von Serien und Filmen und, was mich besonders schmerzt, auf Trailer. Ich mag Filmtrailer. Ich weiß nicht warum, ich könnte mir wahrscheinlich einen halben Tag lang Filmtrailer anschauen. Ich finde das total gut, und es ist so schmerzhaft, wenn du dann bei YouTube siehst: Ah, es ist wieder ein neuer rausgekommen. Ah, okay.
Also bis zum Sommer habe ich mir gesagt: Nein, ich verzichte bewusst darauf. Es ist ein anhaltendes Fasten, weil mir bestimmte Anliegen besonders wichtig sind. Immer, wenn ich meinen Fastentag habe, bekenne ich das noch einmal vor Gott und sage: Warte, du weißt schon, wir sind da gerade dran, das machen wir gerade nicht, weil ... Und dann sage ich noch einmal:
Im Moment sind es fünf Anliegen, für die ich das mache: einmal Bewahrung der Gemeinde vor Vandalismus, weil wir da ein bisschen Probleme hatten; Entwicklung der Ältestenschaft, weil wir da eine neue Phase einsteigen; Entwicklung der Hauskreise, weil wir etwas Neues ausprobieren wollen; die Integration von neuen Leuten, weil wir gerade ein bisschen zu viele neue Leute in die Gemeinde kriegen; und fruchtbare Evangelisation.
Das sind fünf Punkte, von denen ich sage: Die sind mir richtig wichtig. Und damit das auch bei Gott rüberkommt, dass es mir richtig wichtig ist, nehme ich etwas, was mir eigentlich ganz lieb ist, und ich verzichte darauf und lasse es sein. Es ist jetzt nicht super schmerzhaft, das merkt ihr schon, aber es ist natürlich eine Einschränkung im Leben. Und sie zeigt, wie Fasten geht.
Ermutigung zu einem konkreten nächsten Schritt
Noch einmal: Es gibt keine Regeln zum Fasten. Es gibt nur die Aussage des Herrn Jesus, dass seine Jünger es tun werden. Deshalb habe ich es mir angewöhnt, weil ich glaube, dass wir als Christen einfach nicht genug Segen bekommen können.
Und deswegen lasst uns nicht allgemein enden, sondern ich würde euch gern den Ball zurückspielen. Überlege mal: Gibt es irgendein Anliegen, bei dem du sagst, das ist ein bisschen größer als das nächstliegende Problem, das dir gerade einfällt? Also nicht nur irgendein frommer Gedanke, sondern etwas, bei dem du weißt: Da brauche ich jetzt wirklich Gott. Da brauche ich, dass er eingreift. Und wenn er nicht eingreift, dann kann die Sache schiefgehen.
Ja, vielleicht ist das jemand, von dem du weißt, dass er sich immer weiter von Jesus entfernt. Und du schaust da zu und denkst: Ah ...
Oder vielleicht ist es eine Sünde, die dich schon zu lange beherrscht, wo du dich vielleicht schon gar nicht mehr traust, sie zu bekennen, weil du denkst, da ändert sich ja eh nichts.
Vielleicht ist es etwas in deiner Ehe, in deiner Familie, in deinem Dienst, in deiner Gemeinde. Vielleicht irgendeine evangelistische Tür, wo du sagst: Boah, ich würde mir so wünschen, wenn da mal was aufginge.
Also etwas, wo du sagst: Hier ist ein Thema, das mir richtig wichtig ist. Nimm dir so ein Thema und lege bitte mal einen Verzicht daneben. Es geht nicht darum, Gott zu beeindrucken. Es geht nicht darum, Gott unter Druck zu setzen. Das funktioniert sowieso nicht. Sondern es geht darum, deinem Gebet für die Sache ein bisschen Nachdruck zu verleihen.
Sag nicht nur: Herr, das ist mir wichtig, sondern zeige es ihm. Zeige es ihm durch eine Sache. Wie gesagt, du hast x Möglichkeiten, such dir einfach etwas aus. Verzichte auf Mittagessen, verzichte auf Medien, irgendetwas, was dir etwas bedeutet. Und dann mach es so, dass keiner es mitbekommt.
Also ich finde es total ätzend, dass ich euch das erzählen muss, aber es geht nicht anders. Irgendwann, das ist der Nachteil von Vorbildsein, da muss man mal was sagen. Aber eigentlich geht euch das alles nichts an, das ist mein Leben.
Mach es so, dass niemand es mitbekommt, weil dein Vater sieht im Verborgenen, und er wird dir im Verborgenen vergelten. Also er wird dich dafür belohnen.
Vielleicht ist genau das in deinem Glaubensleben der nächste Schritt. Und es ist vielleicht ein Schritt, der uns in unseren Gemeinden häufig fehlt. Damit meine ich: Ich glaube, dass wir von unserer Prägung her gut darin sind, mehr Erkenntnis zu gewinnen. Wir wissen, wo es steht. Und jetzt möchte ich euch ein Stückchen herausfordern zu einem ersten kleinen Gehorsamsschritt. Das muss nichts Großes sein. Ein Schritt hinein in diese eher ungewohnte Praxis des Fastens.
Also nimm ein Anliegen, lege einen Verzicht daneben, und dann schickst du Armbrustbolzen auf Armbrustbolzen los, bis aus der Erhöhung eine Erfüllung wird.
Das war's für heute. Nimm dir Zeit, in Ruhe über das Thema Fasten und Gebet nachzudenken. Was solltest du ändern? Welche Bibelverse könntest du auswendig lernen? Welche Aspekte des Themas müsstest du noch studieren?
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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