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Auf Gottes Stunde warten

1. Samuel 24,1-2309.03.1986
Wenn du nur um dich selbst kreist, wird der Glaube klein. David zeigt: Höher blicken, warten und nicht vergelten — so wird aus Druck echte Freiheit.

Einleitung und biblischer Ausgangspunkt

Wir lesen weiter aus 1. Samuel 24,8.
Als aber Saul sich aufmachte aus der Höhle und seines Weges ging, machte sich auch David auf und ging aus der Höhle hinaus. Und David rief Saul nach und sprach: Mein Herr und König!
Saul sah sich um. Und David neigte sein Angesicht zur Erde und fiel nieder. Und David sprach zu Saul: Warum hörst du auf das Geschwätz der Menschen, die da sagen: David sucht dein Unglück? Siehe, heute haben deine Augen gesehen, dass dich der Herr heute in meine Hand gegeben hat in der Höhle. Und man hat mir gesagt, dass ich dich töten sollte. Aber ich habe dich verschont. Denn ich dachte: Ich will meine Hand nicht an meinen Herrn legen, denn er ist der Gesalbte des Herrn. Mein Vater, siehe hier den Zipfel deines Rocks in meiner Hand. Daran erkennst du, dass meine Hand rein ist von Bosheit und Empörung. Ich habe mich nicht an dir versündigt, aber du jagst mir nach, um mir das Leben zu nehmen.
Daher wird der Herr Richter sein zwischen mir und dir und wird mich an dir rächen. Aber meine Hand soll dich nicht anrühren. Wie man sagt nach dem alten Sprichwort: Vom Bösen kommt Böses. Aber meine Hand soll dich nicht anrühren. Wem jagst du nach, König von Israel? Wen jagst du nach? Einem toten Hund, einem einzelnen Floh? Der Herr wird Richter sein zwischen mir und dir, und er wird meine Sache führen, dass er mir Recht schaffe wider dich.
Als David diese Worte zu Ende geredet hatte, sprach Saul: Ist das nicht deine Stimme, mein Sohn David? Und Saul erhob seine Stimme und weinte. Er sprach zu David: Du bist gerechter als ich; du hast mir Gutes erwiesen, ich aber habe dir Böses erwiesen. Und du hast mir heute gezeigt, wie du Gutes an mir getan hast, als mich der Herr in deine Hände gegeben hatte und du mich doch nicht getötet hast. Wo ist jemand, der seinen Feind findet und lässt ihn mit Frieden seinen Weg gehen? Daher vergelte dir der Herr Gutes für das, was du heute an mir getan hast. Und nun siehe, ich weiß, dass du König werden wirst und das Königtum über Israel durch deine Hand Bestand haben wird.
So schwöre mir nun bei dem Herrn, dass du mein Geschlecht nach mir nicht ausrotten und meinen Namen nicht auslöschen wirst aus meines Vaters Haus. Und David schwor Saul. Da zog Saul heim. David aber zog mit seinen Männern hinauf auf die Bergfeste.
Ja, das war erst wenige Tage her, als mich unser Willy Ehre, der aus unserer Gemeinde ausgesandte Landwirtsmissionsar, dort in der Nähe seiner Hütte in Kaltungo zu einem stillen Plätzchen führte. Da standen zwei Grabsteine. Der kleinere: Hier ruht unsere geliebte Tochter. Daneben ein etwas größerer zum Gedenken an die Frau des Missionars, die in den zwanziger Jahren an einer Epidemie starb, im Alter von einunddreißig Jahren, die Mutter dieses Kindes.
Und das schoss mir durch den Kopf. Und ich dachte: Was waren das für Opfer? Nur zwei Schicksale aus dem riesigen Heer der Zeugen Jesu, die da wochenlang in den Norden Nigerias gewandert waren, um unerreichte Stämme zu suchen, um ihnen von der Liebe Jesu zu sagen, in glühender Hitze gearbeitet hatten und dann von einer Epidemie weggerafft wurden. Opfer.
Und dann kam mir der Gedanke: Ach, wenn der alte Wieso-nach-noch jetzt da wäre und an dem Grab stehen würde, wir würden kopfschütteln und sagen: Opfer nennst du das? Ich habe in meinem Leben kein Opfer gebracht. Es gibt nur ein Opfer: das Opfer Jesu für mich. Ich werde mein Leben lang nicht fertig darüber nachzudenken, dass mir Gott noch einmal das Leben neu geschenkt hat in seiner Vergebung. Und wenn ich mein Leben zum Dienst hingebe, mache ich das doch, weil ich nichts Besseres und Schöneres, nichts Erfüllteres denken kann.
Und dann, schrieb er, möchte ich noch umso deutlicher rühmen, dass keine Not mir die Freude des Glaubens nehmen kann und dass nichts mir den Blick des Glaubens verdunkeln kann.
Wenn man sich nur so ein einzelnes Schicksal vergegenwärtigt, dann muss man immer wieder sagen: Warum ist heute unser Glaubensleben so müde, so schwach, so problematisch, ohne jede zielgerichtete, mutmachende Ausrichtung? Man meint immer wieder, das hängt wie Bleigewichte an unseren Füßen. Wir können uns kaum rühren und drehen uns immer um uns selbst.
Ich möchte Ihnen sagen, dass darin der Grund liegt: Wenn wir manchmal die Geschichten noch lesen von solchen Zeugen Jesu und sie bewundern, dann tun wir schon etwas Unrecht. Das waren ja ganz normale Leute, so schwächlich und so beschränkt wie Sie und ich. Aber sie haben in ihrem Leben einmal begriffen: Gott ruft mich, ich werde gebraucht von ihm zum Dienst. Ich will mich ihm weihen. Ich will die Tage meines Lebens nur in seiner Gegenwart und unter seiner Führung leben. Und das hat sie auf einmal große, kühne Wagnisse unternehmen lassen.
Und heute da schrecke ich immer wieder, wenn wir uns zum Gottesdienst versammeln. Wir haben oft bloß noch ich bei uns. Nicht auch: Habe ich so die Frage, hoffentlich sagt er was zu meinen Nöten, zu meinen Fragen? Wir haben unsere ganze kleine ich-bezogene Welt. Das Schreckliche ist, dass das immer um mich und meine Gefühle und meine Verbitterung, die Enttäuschung und die Verwundungen kreist, um das Schwere, das Gott mir auferlegt. Und ich komme gar nicht dazu zu merken: Gott führt mich so wie der Psalm 23 so schön singt. Er führt mich auf rechter Straße, natürlich auch durch finstere Täler, aber er führt mich. Und ich weiß, dass ich auf einer großen Route lebe.
Dann möchte ich Ihnen heute einfach wieder diesen Ruf Gottes weitergeben, den einst David gehört hat, als Gott ihn wegführte von den Schafhirten durch Samuel. Eben die Berufung ist wichtig. Jetzt ist gar nicht wichtig, dass man in einen geistlichen Dienst tritt. David war Musikant, hat mit diesem Beruf gedient, hat Gott verherrlicht. Er war später Staatsmann und hat darin Gott verherrlicht. Es gibt alle Möglichkeiten, wie Sie Gott dienen können. Sie müssen das finden für Ihr Leben, dieses große, weite, reiche Leben.
Ich habe das wieder ein wenig unterteilt. Dazu müssen Sie zuerst höher blicken, höher blicken als immer nur auf das, was Sie heute betrübt, belastet und beschwert. Wie höher blicken? Ich kann es gar nicht. Deshalb lassen Sie mich noch einmal Halt machen bei David und fühlen Sie das auf, lassen Sie es auf sich wirken, wie das war, als David jahrelang in der Wüste war.
Ich weiß nicht, ob Sie wissen, was Hitze ist. Ich habe Schattentemperaturen von vierzig Grad miterlebt und war froh, dass es Coca-Cola gab, wo man wieder sauberes Wasser trinken konnte. Ich weiß nicht, welche Brühe David dort in der Wüste geschlürft hat, wo er gelegen ist, wo die Skorpione waren. Und selbst wenn Sie das wochen- und monatelang durchhalten, dann kommt der Augenblick, wo Sie gegen Gott rebellieren und wo Sie sagen: Gott, ich halte das nicht mehr aus.
Nicht, dass Sie immer bloß denken, Ihr Leben wäre so schwer. Das, was die Bibel erzählt, ist doch immer so von Menschen des Glaubens, die ganz in die Tiefe geführt werden. Von einem Herrn Schmidt aus Bopfingen, der die Leiden an seinem eigenen Körper durchlitten hat, vielleicht noch viel, vielmals tiefer als Sie. Und er darf in der Wüste leben. Und er sagt: Gott, ich will doch gar nicht viel. Lass mich doch wieder zu meinen vier Wänden zurück. Ich wollte doch gar nicht viel. Warum hast du mich in dieses unruhige Leben hineingerissen?
Und dann kommen die Warum-Fragen. Und achten Sie mal drauf, dass die bei David in den Psalmen gar nie kommen. Sie müssen immer die Psalmen parallel lesen. Da wird zwar davon gesprochen, wie David klagt: Herr, warum stellen sie mir nach? Warum stellen sie mir Fallen? Wie Löwen umgeben sie mich? Und warum erheben sie falsche Anklagen wider mich? Dann kommt immer mächtig: Aber du, Herr, bist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten?
Sie müssen diesen Schritt des Glaubens jedes Mal aus ihrer eigenen Schwermut heraus machen und dann ganz fröhlich im Glauben sich freuen, wenn Sie Ihr Leben wirklich in die Hand Jesu legen können. Wenn du nur bei Jesus bist, wenn du nur sagen kannst: Das ist bei mir nicht bloß damals in der Bekehrungsstunde ein Schritt gewesen, das möchte ich täglich vollziehen. Meine Sorgen, meine Ängste lege ich in die Hand Jesu. Und dann bekümmert mich nicht, wie mein Leiden weitergeht, wie meine Sorgen sich lösen sollen.
Wie war David froh, als er endlich eine Höhle fand, Unterschlupf. Und aber Saul hatte dreitausend auserlesene Männer zusammengesucht. Warum noch? Auch noch gerade gewiefte Spezialisten? Hätten es nicht zweitausendachthundert auch getan? Das ist die Perfektion der Vernichtungsmaschinerie.
Ihrem Glauben, den Sie sich manchmal so zurechtlegen: Es gibt heute so viele Leute, die sagen: Ich glaube ja doch noch ein bisschen. Gut, dann können Sie eine Zeit lang aufrechterhalten. Aber wenn das in Ihrem Leben so geht wie bei David, da werden alle falschen Stützen des Glaubens gebrochen. Da bleibt nichts mehr übrig. Dreitausend Männer ziehen gegen einen los. Da wird jemand gesucht, der doch gar nicht gefährlich werden kann.
Und dann kommt das Größte, was David in seinem Leben je tun konnte: still sein, vertrauen in Gott, obwohl er nicht sieht und nicht mehr hoffen kann und jeder Gedanke an Rettung sinnlos und töricht ist, eine Ausflucht. Da wird er glauben: Gott, deine Güte ist besser als Leben. Ich will die Freundlichkeit des Herrn schmecken und sehen. Wohl dem, der auf ihn traut.
Und er hat auf Gott in der Weise gute Stunde, die kommt, wenn die Stunden sich gefunden, durch die Hilfe mit Macht herein und ein Kremmen zu beschämen wird es unversehens sein.
Ich habe auf meiner Reise, auf den langen, viele tausend Kilometer langen Autofahrten, einen treuen Pastor als Chauffeur gehabt, den Pastor Zacharias. Der war dreizehn Jahre Offizier in der koreanischen Armee und war froh, dass er seine ganze Zeit in den Verkündigungsdienst stellen kann. Und er hat immer einen Spruch gehabt, wenn er einen Mitfahrer auf dem freien Autoplatz unterwegs von den Treffen hatte. Er hat immer gesagt: Sie haben siebzig Jahre Zeit, sich auf die Ewigkeit vorzubereiten.
Ich habe immer gesagt: Ja, stimmt doch gar nicht. Manche haben ja nur fünfundzwanzig Jahre Zeit, manche dreiundvierzig oder, wie ich, siebenundvierzig. Ich weiß nicht, was noch kommt, ob man noch viel Zeit hat. Aber es geht mir immer nach diesem Spruch: Die Zeit meines Lebens dient doch nicht dazu, dass ich meine Wünsche befriedige. Mein Gott, gib mir eine Zeit, wo meine Persönlichkeit ewigkeitsreif machen will. Mein Glaube muss noch trainiert werden für die künftige Herrlichkeit.
Und bei David ist das noch nicht fertig. Der muss noch durch dieses Training durch. Dann möchte ich gut, dass der Glaube noch in einer viel tieferen Stelle seines Lebens verwurzelt ist. Merken Sie jetzt: Man kann ja den Glauben an Jesus haben, und im Augenblick der Not merkt man, dass da gar nichts mehr ist, nur ein Hohlraum. Darum lässt Gott den David wirklich ganz bewusst in diese Not hineinlaufen. Dreitausend Berufskiller suchen ihn. Furchtbar. Wie soll er sich denn retten können aus dieser schrecklichen Not? Da geht es um Leben oder Tod. Was sollen wir denn da helfen? Da helfen keine frommen Sprüche.
Und er macht seinen Glauben fest, indem er auf den Herrn blickt. Höher blicken, auf die Stunde Gottes warten. Ich glaube, dass das Ihnen alles heute Morgen ganz viel bedeuten kann. Ganz viel bedeuten kann, dass Sie Ihren eigenen Sorgenberg kurz zu Füßen legen und sagen: Ich möchte dir gehören. Du hast mich gerufen. Das ist dein Leben, deine Führung mit mir, dein Ziel, das du hast und das du mit mir zu Ende bringst. Darum bin ich fest und vertraue darauf, dass du mit mir zu Ende kommst.
Das Zweite: Warum darf ich das Warten lernen? Die ganze Geschichte ist ja von einer eigenartigen Spannung. Eigentlich hätte ich gerne um unserer jungen Freunde willen, unserer Konfirmanden, eine Predigt gehalten: Wie David mit dem Messer durch die Höhle schleicht. Das ist wie ein Krimi, Blutgeschichte. Und dann ist auf einmal die Dramatik, dass dieses Schwert kurz davor hält.
Dann sagen Sie: Das geht bei mir nicht ums Töten. Ich habe mit schmutzigen Geschichten nichts zu tun. Ich halte nichts davon, wenn man sich heute so leicht dispensieren kann. So: Ich habe mit dem Töten und mit dem ganzen Ding nichts zu tun. Ich will mit Krieg nichts zu tun haben. Wir sitzen ja in dieser Welt des Tötens mittendrin. Es geschieht so schreckliches Elend.
Aber David muss an einer Stelle noch lernen, und das geht seine innersten Gefühle zu zügeln. Da passiert etwas ganz Furchtbares, wie David mit seinen Männern nach vorne hält. In diesem Augenblick stürmen auf ihn ja Gedanken ein: Hass und Rache. Wenn Sie so wochen- und monatelang, ja jahrelang leiden und Nachteile erdulden müssen, ob Sie sich überhaupt vergegenwärtigen können: In so einem Augenblick reagieren Sie spontan und rächen sich, wenn Sie die Chance haben. Dann lassen Sie das an sich raus. Und genau da muss die Heiligung bei David einsetzen.
Gott möchte unsere Persönlichkeiten ewigkeitsreif machen. Er möchte, dass die Erneuerung unser ganzes Wesen ergreift. Und da sitzt doch die persönliche Verwundung. Ich weiß doch, wie das bei so vielen ist, dass sie die Verwundungen von ihren Eltern her noch nicht verkraftet haben und sie als psychischer Schaden bei ihnen drin liegt, weil sie es geistlich noch nie überwinden konnten, was mir alles zugefügt wurde in meinem Leben. Immer müssen Sie davon reden. Und wenn Sie davon reden, müssen Sie daran denken: Das Große bei David ist, dass er so frei wird.
Die Bibel erlaubt uns ja nicht einen Einblick in die Psyche, weil das das persönliche Feld der Seelsorge ist, das nicht der Öffentlichkeit preisgegeben wird. Ob sich bei David nicht noch ein inneres Ringen abgespielt hat: Soll ich zuschlagen? Er war ja einer, der zuschlagen konnte, meinen Löwen auf die Schafe sich gestürzt hat. Ja, bei Goliath hätte er zuschlagen können. Wenn es darum ging, jetzt merken Sie: Die Goliath-Geschichte ist die größte Geschichte der Offenbarung Gottes im Leben Davids.
Das Größte ist, wo er das Messer wieder zurückschickt und wo sein Herz schon zu klopfen anfängt, wo er nur ein Stück vom Uniformzipfel abgeschnitten hat. Ob das nicht schon zu viel war mit dem Handanlegen an den Gesalbten? Ungeheuer, wie uns die Bibel geistlich sensibel macht.
Warten lernen, nicht meine Wege und Gottes Wege will ich lernen. Obwohl da lauter Leute bei David waren, die ihm sagten: Das ist also gefährlich, das ist von Gott. Jetzt erfüllt sich das Wort Gottes an dir. Sie werden immer eine Fülle von Menschen treffen, die Ihnen sagen: Das hat gut getan, und das ist die Auslegung der Bibel, und darauf können Sie sich verlassen. Seien Sie vorsichtig. Es gibt so viele blinde Blindenleiter, die das noch mit christlichen Vokabeln und den frömmsten Worten untermauern. Aber dabei vertreten sie einen fleischlichen Weg, das heißt einen, der mein Ich zur Geltung bringt.
Und wenn Sie immer wissen wollen, was die Wege Gottes sind, sind es immer die, wo mein Ich stirbt. Die, die Jesus angehören, kreuzigen ihr Fleisch samt den Lüsten. Da geht meine ganze Ich-Person dazu, die immer nur von den Problemen und Nöten redet, von den Verwundungen, die mir zugefügt werden, von dem Unrecht, das mir widerfährt. Und die Bibel will gar nichts davon wissen. Gott will nur wissen, ob ich brauchbar werde für ihn. Und ich werde nur in dem Maße brauchbar, wo ich von mir wegblicke, auf Jesus blicke und infolgedessen in der Bibel gebraucht werde.
Da gern das Wort von der Läuterung. Und das ist so wichtig, auch wenn Sie fragen: Warum, warum dürfen alte Menschen nicht sterben und leiden immer noch? Weil die Läuterung immer mehr die eigene Schwäche zeigt und die unermessliche Stärke Gottes, auf die ich ganz bauen kann. Je länger ich lebe, in meinem Glaubensleben wird das Schauen auf mich immer kleiner werden, Schauen auf ihn immer größer. Das Reden von meiner Sünde muss immer mächtiger werden, das Reden von der Gnade und Vergebung Gottes immer größer.
Läuterung, geläutert euch leiden. Auch der David muss das. Das ist das schwerste Leiden, wenn man dadurch muss, durch diesen inneren Kampf, der Zerreißprobe. Fleischlich, mein menschliches Wesen schreit nach Vergeltung, und ich will die Sache geistlich regeln und sagen: Kein Wort.
Wenn Sie heute einmal bei einem Juwelier das sehen können, wie er einen Kristall schleift, diesen kostbaren Kristall hebt, daran diesen Schleifstein hin und lässt ihn dann so lange schleifen, bis das Einzige noch übrig bleibt, das den Spiegeln kann. Mehr braucht er nicht mehr. Und dann wird er wunderbar, wenn das Licht sich wieder wirft in all den Farben. Ich glaube, dass Gott uns so ewigkeitsreif machen will, dass wir seine Güte, seine Barmherzigkeit, seine Liebe widerspiegeln.
Paulus sagt einmal, wir sollten Jesus anziehen mit unserem ganzen Wesen. Es wird heute so viel gesprochen, dass man vorbildlich leben will. Ich glaube immer, dass das so primitiv gesprochen ist, dass man meint, wenn wir ein paar gute Taten machen, soll man schon plakativ wirksam für Jesus sein. Es geht um etwas ganz anderes.
Herr, lass das Wunder gelingen, dass all die von Ihnen, die in einer schwierigen Ehe verheiratet sind, das fertigbringen, wieder schweigen, wenn man gescholten wird. Alle die von Ihnen, die schreckliches Unrecht aushalten müssen, die lieben können und segnen können, denen, die geflucht wird. Das ist das mächtigste Jesuszeugnis in der Welt, das es gibt. Und etwas ganz anderes als das heutige Reden: Ich möchte für Jesus ein Zeugnis ablegen durch meinen guten, frommen Lebenswandel.
Das ist ein Ring, wo das Innere des Herzens und der Psyche zerbrochen wird, um ein bloß noch Jesus schreien kann und sagt: Ich will dir gehören. Mein Recht getreten würde alles machen, dass Jesus du bist mein, mir gehört dir. Und das muss ein David lang, berufen, den Königsthron steigt, sonst wird er zum Schluss genauso korrupt, von der Macht besessen sein wie alle anderen, die auf dem Thron sitzen.
Heute hatten wir auch später noch einmal gedemütigt, als sein eigener Sohn diesen Militärputsch anzettelte und stürzte. Da musste David barfuß in Ölberg hinausfliehen, um sein Leben zu retten. Und er trat ihm ja entgegen. In solchen Stunden kommt ja immer noch einer, der noch einmal oben eins draufsetzt. Der David war ja wirklich ein Wrack, ein leidgeprüfter. Und da steht Simei und lässt ihn da wieder streiten: König, wie wird das den König verwundet haben! Doch nicht, weil man Kritik nicht ertragen könnte. Irgendwo, das hat ihn nicht verwundet.
Als einer von den Begleitern vom David ging, rüber und wollte mit dem kurzen Prozess machen, den schlugen zusammen, sagt David: Lass ihn. Das ist die königliche Art der Gotteskinder. Nicht, dass sie die Kronen tragen, sondern dass sie das Wesen Gottes gelernt haben und dass sie sagen: An mir und meinem Leben ist nicht auf dieser Erde, sondern ich trage nur die göttliche Barmherzigkeit, und die will ich mit meinem Leben verkündigen. Nichts anderes.
Apostelgeschichte steht: nette Geschichte, eigentlich gar nicht so nett. Petrus war ins Gefängnis geführt, und in der ganzen Nacht brannte in Jerusalem die Leuchter in allen kritischen Häusern. Kein einziger denkt dann schlafen. Die knien um den Familientisch. Neue Gebetsgemeinschaft für den inhaftierten Petrus. Nur einer schläft. Petrus im Gefängnis, als der Engel kommt und sagt: Die Türen offen.
Und den Petrus wecken. Wissen Sie, was Glaubensgeborgenheit ist? Mitten in der Not. Das müssen Sie an Petrus lernen. Das ist so überwältigend. Alles macht er schläft, obwohl das sein eigenes Ende bevorstand. Sein Leben war doch in der Krise. Ach, das war so unwichtig. Er war doch in den Armen Jesu geborgen.
Dann wissen Sie, was Glaubensmut und Freude heißt: Warten auf die Stunde Gottes. Wenn man sich selber so ganz hell gibt und nicht mehr sein Ich sucht, nur noch die Sache Gottes sucht, dann kann man ruhig und sorgenlos sein. Dann kann man sagen: In der Freude, in allem Leide, Halleluja singen und fröhlich sein.
Noch das Letzte: Ich habe die Predigt überschrieben: Auf die Stunde Gottes warten. Das Warten haben wir gehabt, dann haben wir das Auf-Gott-Blicken gehabt. Aber das mit der Stunde, das ist auch noch wichtig, dass wir das noch einmal sehen. Mit der Stunde. Jedes Ding hat seine Stunde. Auch der Saul hat ja seine Stunde gehabt. Beim David kommt die Stunde, wenn Gott ihn wieder zu Ehren bringt. Gott hat seinen Terminkalender für unser Leben. Das wollen wir gar nicht irgendwie versuchen, jetzt eigenmächtig etwas zu verzwingen.
Aber das Schlimme ist ja auch, dass der Saul eine Stunde gehabt hat. Nämlich dort hat er einen Augenblick der Buße erlebt. Er weint. Es ist ja doch immer das große Zeichen der Rührung, wenn man spüren kann, wie tief das bei Ihnen geht. Und dann, ach, der Saul, der entschuldigt sich doch und sagt: Ich weiß doch sogar, dass du König werden musst. Ich kenne sogar den Plan Gottes. Und meint jetzt kommt der Saul an den Augenblick, wo er sagt: Ich möchte doch auch bloß, dass Gott aus meinem Leben, das gescheitert ist, noch einmal etwas Neues macht durch seine Vergebung.
Und er bricht nicht durch. Ich erinnere mich an manche Evangelisation und manche Predigt, wo viele hier drin sitzen und sogar Tränen vergießen, aber sie brechen nicht durch zum Frieden, nicht zu dem Ja, das das ganze Leben mit dem ganzen Falschen bei Gott niederlegt, wo es zu einer Umkehr kommt, wo das Alte fallen gelassen wird und das Neue ergriffen wird. Nein, das nicht. Der Saul zieht weg, und was kommt wieder raus? Sein altes ungekehrtes Ich, das sich gegen Gott sträubt, am Königsthron festhält, die Schuld leugnet, nicht zugeben will. Es wird mir ganz schwer, von dieser Stunde Sauls zu sprechen, die versäumt wurde.
Und darum lassen Sie mich einfach schließen: Dass David auch diese Stunde in der Wüste begriffen hat, also eine Gnadenzeit seines Lebens. Ich möchte Ihnen das so konkret sagen, dass das, was Sie heute an Kummer und Leid bewegt, gar nicht das Schwerste ist. Schweres nur, wenn Sie am Glauben Schiffbruch erleiden. Und da sind Sie knapp davor. Nicht die Nöte sind schlimm, die bedrohen Sie gar nicht. Nicht Lebensgefahren, Krankheit ist schlimm. Und die Glaubenskrise, wo das eigene Ich sich nicht gut ausliefern kann, wo man mit Gott hart bleibt wegen der Bitterkeit, das ist so schlimm. Wo man Gott nicht verzeihen kann, den schweren Weg dafür.
Darum möchte ich Ihnen heute das so konkret vor die Augen gezeichnet haben, was der David durchlitten hat: eine Segensstunde, die er begriffen hat. Wie man überlegt, es gibt so viele Lieder, aus denen man das noch zeigen kann. Das Schwere, das man umsetzen kann in Glaubensfreude.
Ich will Ihnen einfach noch das Lied zum Schluss lesen von Friedrich Traub, dem jungen Kondalermissionar, der mit dreißig Jahren in China starb und in Yung-Ce beerdigt wurde. Das schöne Lied gedichtet hat auch in den Stürmen damals, Boxeraufstand in China und in Lebensnot, so dass ich drin stehen in englischen und dennoch:
Wenn es auch tobt und stürmt, wenn Dunkel mich umhüllt, wenn Woge sich auftürmt und fast mein Schifflein füllt, ja dennoch will ich stille sein, nicht zagen in Gefahr, will flüchten mich in Gott hinein und ruhen immerdar.
Gleich wie ein neugeborenes Kind liegt still im Mutterschoß, und trotz des allerstärksten Windes still und sorgenlos, so will auch ich, mein treuer Herr, mich dir fest anvertrauen und stille auf dein göttlich Wort in Nacht und Stürmen bauen.
So wütend nun du, wildes Meer, und roh, Felsenriff, es ist der allgewaltige Herr in meinem kleinen Schiff. Er ist der Mann, er führt hinaus, obwohl ich Staub nur bin, er bringt mich durch das Meeresgebraus zum Friedenshafen hin.
Und dennoch, wenn es auch tobt und stürmt und dunkel mich umhüllt, vertraue ich froh, dass Gott mich schirmt und Sturm und Wetter stillt.
Wenn Sie in der Höhle der Schwermut sitzen, wie David in dieser Höhle hingehen, dann machen Sie so, sagen Sie: Herr, es ist eine Sache, ich bin so froh, dass du mich führst. Amen.