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Wehe ihr Gesetzesgelehrte – Teil 4

Jesu Leben und Lehre, Teil 505/697
14.01.2025Lukas 11,49-51
SERIE - Teil 505 / 697Jesu Leben und Lehre

Einführung in die Anklage gegen die Gesetzesgelehrten

Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.

Episode 504: Wehe ihr Gesetzesgelehrte, Teil 4.

Scheinheiligkeit war Jesu Vorwurf an die Gesetzesgelehrten in der letzten Episode. Die Gesetzesgelehrten haben eine Vorliebe für die Grabmäler toter Propheten, doch gleichzeitig verhalten sie sich wie deren Mörder. Genau das ist Scheinheiligkeit.

Scheinheiligkeit hat schlimme Konsequenzen, besonders wenn sich ein ganzes Volk scheinheilig verhält.

Die Konsequenzen der Verfolgung der Propheten

 Lukas 11,49-50: Darum hat auch die Weisheit Gottes gesagt: Ich werde Propheten und Apostel zu ihnen senden, und einige von ihnen werden sie töten und verfolgen. So wird das Blut aller Propheten, das von Grundlegung der Welt an vergossen worden ist, von diesem Geschlecht gefordert werden.

Jesus selbst wird seine Boten zu diesem Volk senden, und auch diese werden Verfolgung und Tod erleiden. Als Folge dieses Handelns wird das Blut aller Propheten von diesem Geschlecht gefordert werden. Das bedeutet, die Generation zur Zeit Jesu wird für den Mord an allen Propheten Gottes zur Rechenschaft gezogen.

Warum das so ist, steht hier nicht ausdrücklich. Doch wir wissen, dass in den Propheten der Geist Christi wirkte und der Fokus ihrer Prophetien immer die Zeit des Neuen Bundes war. So kann Petrus über die Propheten des Alten Testaments schreiben: 1. Petrus 1,12: Ihnen wurde offenbart, dass sie nicht sich selbst, sondern euch dienten im Blick auf das, was euch jetzt verkündigt worden ist durch die, welche euch das Evangelium verkündigt haben im Heiligen Geist.

Versteht ihr, was Petrus sagt? Die Propheten bereiteten jeder auf seine Weise das Kommen des Messias vor. Wenn ein Volk Gottes Boden Nummer eins verwirft, verfolgt und tötet, dann wird es nicht nur an seinem Tod schuldig, sondern es wird zu Recht für seinen grundsätzlichen Umgang mit den Propheten Gottes zur Rechenschaft gezogen.

Der Mord an Jesus ist nur der Höhepunkt einer gesellschaftlichen Ablehnung des offenbarten Wortes Gottes – quasi ein trauriges Finale.

Persönliche und gesellschaftliche Schuld bei Sünde

Eines ist hier wichtig zu verstehen: Es gibt bei Sünde einen Unterschied zwischen persönlicher und gesellschaftlicher Schuld.

Einerseits lesen wir ganz klar in Hesekiel 18,20: „Die Seele, die sündigt, sie soll sterben. Ein Sohn soll nicht an der Schuld des Vaters mittragen, und ein Vater soll nicht an der Schuld des Sohnes mittragen. Die Gerechtigkeit des Gerechten soll auf ihm sein, und die Gottlosigkeit des Gottlosen soll auf ihm sein.“ Meine Sünde ist also zunächst meine persönliche Angelegenheit. Jedenfalls gilt das für die Folgen meiner persönlichen Sünde.

Dann gibt es aber auch Sünde, die zwar nicht von allen, aber von vielen oder sehr bedeutenden Persönlichkeiten eines Volkes begangen wird und damit das Schicksal des Volkes beeinflusst. Es kann also sein, dass ich für die Sünde anderer leide, weil Gott mein Volk richtet. Ich muss dann sein Gericht erdulden, obwohl ich in der Sache selbst unschuldig bin.

Ganz grundsätzlich kann man festhalten: Es kommt in der Bibel immer wieder vor, dass Unschuldige in einem kollektiven Kontext – also zum Beispiel als Familienmitglieder oder als Einwohner einer Stadt – die Konsequenzen der Sünde anderer mittragen müssen.

Weil Achan in Jericho einen Mantel sowie etwas Silber und Gold stiehlt, wird seine ganze Familie und alles, was er hatte, umgebracht. Weil David aus Hochmut eine Volkszählung veranlasst, kommt eine Pest über Israel, an der Zehntausende sterben.

Die babylonische Gefangenschaft ist eine Folge des in Israel weit verbreiteten Götzendienstes. Leider betrifft sie auch Gläubige wie Daniel, Jeremia oder Hesekiel.

Natürlich sagt die Tatsache, dass ich das Gericht Gottes erlebe, nichts über meine persönliche Errettung aus. Trotzdem ist es das, was Jesus hier dem Volk Israel verheißt.

Die Forderung nach Rechenschaft für das Blut der Propheten

 Lukas 11,49-50: Darum hat auch die Weisheit Gottes gesagt: Ich werde Propheten und Apostel zu ihnen senden, und einige von ihnen werden sie töten und verfolgen.

Damit soll das Blut aller Propheten, das von der Grundlegung der Welt an vergossen worden ist, von diesem Geschlecht gefordert werden – der mörderische Geist des Volkes.

Der mörderische Geist des Volkes

Und um es noch einmal zu sagen: In dem Volk gibt es auch gläubige Menschen, aber eben nicht viele. Der mörderische Geist des Volkes ist der Grund dafür, dass Gott die Zeitgenossen Jesu zur Rechenschaft zieht, weil sie Propheten und Apostel verfolgen und töten. Deshalb wird Gott von diesem Geschlecht Rechenschaft fordern.

Wann wird das sein? Da die Betonung auf „diesem Geschlecht“ liegt, hat Jesus hier die Zerstörung Jerusalems im Jahr siebzig nach Christus im Blick. Gott selbst wird kommen und alles vernichten, was an den alten Bund erinnert: das Priestertum, den Tempel und die Stadt.

Dann wird Jesus ganz deutlich in Lukas 11,51 sagen: „Von dem Blut Abels an bis zu dem Blut des Secharja, der zwischen dem Altar und dem Haus umkam. Ja, sage ich euch, es wird von diesem Geschlecht gefordert werden.“

Wir merken hier: Jesus verwendet den Begriff „Prophet“ eher allgemein. Propheten sind, wie man schön am Beispiel von Abel sehen kann, die Gerechten, die mit ihrem Leben ein Zeugnis für Gott abgeben. In gewisser Weise ist ja jeder, der in Gottes Sinn lebt, ein Bote Gottes, sprich ein Apostel oder ein Prophet.

Deshalb verstehen wir auch, warum Jesus im Vers davor von dem Blut aller Propheten gesprochen hat, das von der Grundlegung der Welt an vergossen wurde.

Die Bedeutung von Abel und Zacharia

Wer Abel ist, ist klar: Er ist das erste Mordopfer. Er wurde von seinem Bruder Kain erschlagen.

Auch wenn ich hier nicht weiter darauf eingehe, bestätigt Jesus mit diesem Beispiel und seiner Argumentation die Authentizität des Berichts aus 1. Mose 4. Abel ist real, sein Blut ist geflossen, und die damit verbundene Schuld wird ebenso real von diesem Geschlecht gefordert werden.

Die Frage lautet: Wer ist Zacharia, der zwischen dem Altar und dem Haus umkam? Um die Antwort zu verstehen, muss ich eine Sache vorausschicken.

Im Judentum ist die Reihenfolge der biblischen Bücher anders als wir sie kennen. Am Ende der hebräischen Bibel, des Tanach, kommen die Geschichtsbücher. Das letzte Buch ist deshalb das Buch der Chronik. Hier gibt es also einen Unterschied: Wir unterscheiden zwischen dem ersten und zweiten Buch Chronik, im Tanach ist es aber nur ein Buch.

So wie Abel der erste Tote in der hebräischen Bibel ist, so ist Zacharia, wenn man die Bücher des Alten Testaments nach jüdischer Ordnung anordnet, der letzte Prophet, der stirbt.

In 2. Chronik 24,20-21 heißt es: Und der Geist Gottes kam über Zacharia, den Sohn des Priesters Jojada, und er trat vor das Volk und sagte zu ihnen: „So spricht Gott: Warum übertretet ihr die Gebote des Herrn? So wird es euch nicht gelingen, weil ihr den Herrn verlassen habt, so hat auch er euch verlassen.“

Sie machten eine Verschwörung gegen ihn und steinigten ihn auf Befehl des Königs im Vorhof des Hauses des Herrn.

Schlussgedanken und Anwendung

Was könntest du jetzt tun? Bete für das Land, in dem du lebst. Vergiss nicht, dass Gott immer noch Völker für ihre Sünde richtet.

Das war's für heute. Lerne Bibelverse auswendig. Es mag mein Tick sein, aber es ist trotzdem wichtig.

Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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