Serie•Teil 40 / 64Apostelgeschichte
Generierte Mitschrift
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Warum manche Menschen anders reagieren
Habt ihr euch schon mal gefragt, warum sich manche Menschen zu Gott bekehren und andere nicht? Warum manche Menschen sich gar nicht so schwer tun, Jesus als ihren Herrn anzunehmen, und andere lehnen ihn entweder rundweg ab oder bekehren sich vielleicht, aber das ist immer so eine halbe Sache? Man weiß eigentlich nie so ganz genau, wo die jetzt stehen, ob die das mit Jesus ernst meinen, also ob Jesus Herr in ihrem Leben ist oder ob sie noch selber eigentlich Herr in ihrem Leben sind. Man steht immer so dazwischen und fragt sich: Was ist da eigentlich jetzt los in dem Leben?
Mich hat diese Frage lange umgetrieben und treibt mich auch immer noch weiter um. Das hat damit zu tun, dass ich von meiner theologischen Position nicht reformiert bin. Also, man hat da zwei große Lager in der Christenheit: reformiertes Christentum und nicht reformiertes Christentum. Reformiert würde so sagen: Gott macht alles, Gott entscheidet, wer sich bekehrt, und dann kommt es auch dazu, dass sich jeder bekehrt. Ich bin halt nicht reformiert. Ich glaube, dass der Mensch eine freie Entscheidung treffen muss für eine Bekehrung. Also interessiert mich die Frage: Was macht da eigentlich den Unterschied?
Die Frage hat mich lange nicht losgelassen. Ich habe in der Bibel geforscht und bin da auf eine Sache gestoßen, die immer und immer wieder erwähnt wird. Der Unterschied hat zu tun mit dem Thema Liebe zur Wahrheit. Es gibt in der Bibel tatsächlich Wahrheit. Die Bibel geht davon aus, dass es absolute Wahrheit gibt, die nicht verhandelbar ist, einfach deshalb, weil sie der Realität entspricht.
Ich mache mal ein Beispiel: Es ist wahr, dass in meinem Arbeitszimmer eine Dartscheibe hängt. So, jetzt kannst du das glauben oder nicht. Du wirst an dieser Wahrheit nichts ändern. Als wenn alle von euch sagen: Nee, stimmt nicht! Ich müsste nicht mal ein Bild an die Wand werfen, es wäre trotzdem wahr. Einfach weil Wahrheit nicht verhandelbar ist.
Und wie sehr ein Mensch jetzt ein Interesse daran hat, eine Liebe daran hat, die Wahrheit zu finden, entscheidet in meinen Augen ganz wesentlich darüber, ob er sich bekehrt. Und deshalb lasst uns Apostelgeschichte 17,1-12 miteinander betrachten. Lukas, der Autor der Apostelgeschichte, stellt uns nämlich zwei jüdische Gemeinschaften gegenüber. Da ist auf der einen Seite die Synagoge in Thessalonich und auf der anderen Seite die Synagoge in Beröa.
Ich hätte jetzt gern meine Karte, während ich den nächsten Text vorlese, damit ihr euch an der Stelle mal kurz vergegenwärtigen könnt, wo wir uns befinden. Und ich lese dazu Apostelgeschichte 17,1-5:
Nachdem sie aber durch Amphipolis und Apollonia gereist waren, kamen sie nach Thessalonich. Also wir sind hier oben: da ist Philippi, dann kommen diese zwei Orte, die ich eben vorgelesen habe, und dann geht es hier weiter nach Thessalonich. Und hier unten liegt Beröa, das werden wir nachher noch kennenlernen, damit ihr ungefähr eine Idee habt und sagt: Da würde ich jetzt gerne Urlaub machen. Das kann ich verstehen, macht ihr aber nicht. Ihr sitzt im Gottesdienst, und deswegen müsst ihr euch die Karte von Griechenland anschauen. Das muss für heute reichen. Wir sind hier oben: Philippi, Thessalonich, Beröa. Darum geht es.
Und jetzt kommt Apostelgeschichte 17,1-5: Nachdem sie aber durch Amphipolis und Apollonia gereist waren, kamen sie nach Thessalonich, wo eine Synagoge der Juden war. Nach seiner Gewohnheit aber ging Paulus zu ihnen hinein und unterredete sich an drei Sabbaten mit ihnen aus den Schriften, indem er eröffnete und darlegte, dass der Christus leiden und aus den Toten auferstehen musste und dass dieser der Christus ist, der Jesus, den ich euch verkündige. Und einige von ihnen ließen sich überzeugen und gesellten sich zu Paulus und Silas, und eine große Menge von den anbetenden Griechen und nicht wenige der vornehmen Frauen.
Also, Paulus predigt in Thessalonich in der Synagoge, und er predigt das, was er immer predigt: Er predigt einfach das Evangelium. Drei Sabbate lang öffnet er seinen Zuhörern die Schriften, und das ist nichts anderes als das Alte Testament. Er zeigt ihnen das, was das Alte Testament im Blick auf den Messias vorausgesagt hatte, nämlich erstens: Der Christus muss leiden. Zweitens: Er muss von den Toten auferstehen.
Nachdem er ihnen das gezeigt hat – wenn ihr übrigens wissen wollt, welche Bibelstellen er da verwendet und wie er so eine Predigt aufbaut, das hatten wir schon. Es gibt da eine Musterpredigt, die Paulus in einer anderen Synagoge hält, die wird in Apostelgeschichte 13 behandelt. Hört euch diese Predigt einfach noch mal an, dann merkt ihr, wie er das aufbaut. Hier wird das von Lukas nur kurz zusammengefasst, und es wird am Ende davon ausgegangen, dass, nachdem Paulus diese Dinge so vorstellt, was alles auf den Messias zukommen muss, er dann sagt: Und dieser Messias, der ist tatsächlich erschienen. Jesus von Nazaret, das ist der, der all das durchgemacht hat. Das ist der, der gelitten hat, der gestorben ist, der auferstanden ist und der deshalb der Messias sein muss.
Erst wird etwas vorhergesagt, und dann: Hier ist eine Person, die das erfüllt. Und diesen Messias, diesen Jesus von Nazaret, den verkündigt Paulus jetzt als den Christus.
Wir können uns vorstellen: So eine Botschaft ist einfach eine Zumutung. Also wahrscheinlich bis heute ein Heiland, also ein Retter, der als Schwerverbrecher hingerichtet wird. Wir haben uns nur so dran gewöhnt, oder? Aber man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Da ist ein Retter, der sich selber nicht retten kann, weil er für die sterben muss, die er retten will. Wow! Ein Gott, der Mensch wird und jahrhundertealte Prophezeiungen erfüllt. Entschuldigt, bis heute scheiden sich an dieser Theologie die Geister. Da scheiden sich einfach bis heute die Geister.
Für die einen ist dieses Wort vom Kreuz, also die Geschichte davon, dass Jesus sterben musste, für uns, für meine Schuld, auferstehen musste, einfach nur Blödsinn, einfach nur eine grobe Dummheit, ausgemachter Unsinn. Und für die anderen ist es das Wunder Gottes schlechthin, diese einzigartige Chance auf einen Neuanfang.
In 1. Korinther 1,18 heißt es: Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit. Es muss uns nicht verwundern, wenn jemand sagt: Was für ein Blödsinn, das ist doch nicht ernst. Du bist doch sonst ein ganz normaler Mensch, wie kannst du so in Unsinn glauben? Es ist für die einen Torheit, uns aber, die wir gerettet werden, ist es Gottes Kraft. Das ist für uns. Wir hören dasselbe und denken: Boah, was für eine Chance. Torheit oder Gotteskraft – was mache ich mit diesem Jesus von Nazaret? Wische ich ihn und seine Lehre und sein Sterben so einfach beiseite und sage: Pappelapapp, was soll das denn? Oder gebe ich ihm eine Chance? Bin ich wirklich bereit, über das Evangelium nachzudenken?
Obwohl es so einmalig ist, und wer mit uns montags im Apologetikkurs sitzt, der weiß: Diese Einmaligkeit ist ja ein Punkt, den kann man ja auch mal bringen und sagen, wir haben hier etwas, was ganz Besonderes ist, aber es ist auch gleichzeitig so ein bisschen unwirklich. Ich muss mich entscheiden: Will ich mich auf dieses Evangelium einlassen oder will ich einfach so weitermachen wie bisher? Das ist die Frage.
Und in unserem Text wird genau diese Frage, wie gehe ich mit dem Evangelium um, von den Mitgliedern zweier Synagogen sehr unterschiedlich beantwortet. Zuerst einmal die Juden aus der Synagoge in Thessalonich, Apostelgeschichte 17,5-7: Die Juden aber wurden eifersüchtig. Also Paulus predigt in ihren Synagogen Sabbat für Sabbat für Sabbat, und dann: Die Juden aber wurden eifersüchtig und nahmen einige böse Männer vom Gassenpöbel zu sich, machten einen Volksauflauf und brachten die Stadt in Aufruhr. Und sie traten vor das Haus Jasons und suchten sie unter das Volk zu führen. Als sie sie aber nicht fanden – also sie suchen nach den Aposteln, aber die sind nicht da – schleppten sie Jason und einige Brüder vor die Obersten der Stadt und riefen: Diese, die den Erdkreis aufgewiegelt haben, sind auch hierher gekommen. Die hat Jason beherbergt, und diese alle handeln gegen die Verordnungen des Kaisers, da sie sagen, dass ein anderer König sei, Jesus.
Wir merken fast das gleiche Spiel wie in Philippi. Irgendwie ist das, was man hier an Anklage bringt, ja nicht ganz falsch. Da ist immer so ein Funken Wahrheit dahinter, wie du das am Eingang schon sagtest: Unser Bürgerrecht ist in den Himmel. Jesus bringt tatsächlich ein Königreich, das nicht von dieser Welt ist. Wenn mich jemand fragt: Ist Jesus dein König? würde ich sagen: Ja, kann ich irgendwie nicht anders formulieren, er ist die absolute Nummer eins in meinem Leben, das ist nun mal so ein König. Aber das ist natürlich weit entfernt von dem, was hier den ersten Christen in Thessalonich vorgeworfen wird.
Wenn man sie vor die Obersten führt, wenn man sie quasi vor so ein öffentliches Gericht führt, da will man ihnen etwas unterstellen, was nicht stimmt. Und das merken die Obersten auch. Ja, die sind ja nicht dumm. Deswegen geht es dann in den Versen 8 und 9 weiter: Sie beunruhigten aber die Volksmengen und die Obersten der Stadt, die dies hörten, und nachdem sie von Jason und den übrigen Bürgschaft genommen hatten, ließen sie sie frei.
Also auf der einen Seite so eine Beunruhigung in der Stadt. Da ist schon irgendwas, und da brodelt es ein bisschen, aber natürlich nicht genug, um jemanden ins Gefängnis zu werfen oder zu verurteilen, sondern es reicht, dass man eine Bürgschaft nimmt von Jason und den ersten Christen und sie dann wieder freilässt.
Also noch mal im Großen von oben drauf: In Philippi waren es römische Geschäftsleute, die sich gegen die Apostel gewandt haben. Jetzt sind es in Thessalonich eifersüchtige Juden, die einen Volksauflauf provozieren und dann eben die Christen anklagen. In beiden Fällen geht es glimpflich aus. Jason und die anderen Christen müssen eine Bürgschaft stellen. Die Frage ist: Wofür? Na ja, das ist eine Sicherheit dafür, dass sie sich darum kümmern, dass Paulus und Silas die Stadt verlassen. Darum geht es. Es gibt keine weiteren Anklagen, es wird niemand gefangen genommen, aber die Apostel müssen aus der Stadt raus. Da ist zu viel Unruhe. Und genau das passiert dann auch in Vers 10: Die Brüder aber sandten sogleich in der Nacht sowohl Paulus als auch Silas nach Beröa. Ihr erinnert euch, das war südwestlich von Thessalonich, ihr habt das vorhin auf der Karte gesehen. Die gingen, und als sie angekommen waren, in die Synagoge der Juden.
Und wir merken: Paulus bleibt einfach seiner Linie treu. Ist irgendwie süß, ja. Also: Was macht Paulus, wenn er irgendwo hinkommt? Er schaut: Gibt es hier eine Synagoge? Und wenn es eine gibt, dann geht er dahin und möchte dort predigen.
Nochmal zurück zu unserem Thema: Mir geht es heute um die Liebe zur Wahrheit. Die Juden in Thessalonich ließen sich von ihrer Eifersucht dazu verleiten, die Apostel zu verfolgen. Jetzt ist die Frage: Worauf waren die eigentlich eifersüchtig? Na ja, sie waren eifersüchtig darauf, dass von den anbetenden Griechen und von den vornehmsten Frauen viele gläubig geworden waren. So anbetende Griechen, das sind Leute, die haben, obwohl sie keine Juden sind, also Griechen, Heiden, trotzdem ein Interesse an dem Gott der Juden und kommen in die Synagoge, nehmen teil an dem Gottesdienst, aber sie wagen nicht den ganzen Sprung so Richtung: Ich werde jetzt richtig Jude, so mit Beschneidung und allem drum und dran. Das wollen sie nicht, aber sie finden diese Gottesidee toll. Sie sind quasi so außen um die jüdische Synagoge herum, der Kreis so seiner Corona von Interessierten.
Man kann sich gut vorstellen, wenn da so Leute dabei waren, die auch etwas zu sagen hatten in der Stadt, die ein bisschen was nach außen darstellten, dann konnte man mit denen auch so ein bisschen angeben. Und genau diese Gruppe nimmt jetzt das Evangelium an. Also die verlässt ein Stück das Judentum und bekehrt sich zum Christentum, obwohl man damals natürlich diese strenge Unterscheidung noch gar nicht hatte. Das provoziert die Eifersucht, das provoziert in Thessalonich den Aufstand.
Jetzt der Clou: Die Juden in Beröa hätten denselben Grund gehabt, eifersüchtig zu sein. In Vers 12 heißt es, dass nicht wenige von den griechischen vornehmen Frauen und Männern glaubten. Also dasselbe, was in Thessalonich passiert, dass die Heiden, also die interessierten Heiden, zum Glauben an Jesus als den Messias kommen, dasselbe passiert in Beröa. Und jetzt ist die Frage: Wie gehen die Beröer damit um? Die Thessalonicher hatten den Aufstand gemacht. Was machen die Beröer? Die erleben genau das Gleiche. Paulus predigt, und genau die Leute, die so am Rand stehen, wo man hofft, dass sie den Sprung in die Gemeinde, in dem Fall in die jüdische Gemeinschaft als Juden, wagen, die wenden sich nicht nur vom Judentum ab, sondern genau diesem Christentum zu, genau dem, was Paulus predigt. Frage: Was mache ich? Noch einen Aufstand? Nochmal die Apostel vertreiben?
Und was jetzt kommt, ist ein Vers, von dem ich euch – ich sage das ja öfter mal – bitte, ihn auswendig zu lernen. Einfach nur, damit du diese Predigt heute nicht vergisst. Apostelgeschichte 17,11, das ist das Zentrum für heute. Wenn du den Vers auswendig weißt, lernen andere auswendig, aber wenn du ihn noch nicht weißt, nimm den. Da heißt es: Diese – und gemeint sind die Juden in Beröa – stehen vor demselben Problem. Da kommt einer, predigt, und alle, von denen man gehofft hat, dass die mal irgendwann Teil der Gemeinde werden, wenden sich ab und laufen dem hinterher. Diese aber waren edler, im Sinne von aufgeschlossener oder kultivierter, als die in Thessalonich. Sie nahmen mit aller Bereitwilligkeit das Wort auf und untersuchten täglich die Schriften, ob dies sich so verhielte.
Und ich weiß, als ich das erste Mal Apostelgeschichte gelesen hatte, schon beim allerersten Mal habe ich den Vers gelesen und dachte mir: Wow! Lest euch den Vers noch mal durch: Diese aber waren edler als die in Thessalonich. Sie nahmen mit aller Bereitwilligkeit das Wort auf und untersuchten täglich die Schriften, ob dies sich so verhielte.
Zwei Dinge zeichnen diese Beröer aus: Auf der einen Seite nehmen sie mit aller Bereitwilligkeit das Wort auf, und zweitens untersuchen sie täglich die Schriften, ob das gepredigte Wort wahr ist. Versteht ihr diese geniale Haltung? Auf der einen Seite Offenheit für das, was gepredigt wird, und auf der anderen Seite aber nicht so eine komische Naivität. Es ist Offenheit ohne Naivität. Es ist die Bereitschaft, zuzuhören, verstehen zu wollen, aber gepaart mit dem Wunsch, das Gehörte zu messen, an einem Maßstab. Und dieser Maßstab, das ist eben nicht die Beredsamkeit von Paulus. Das ist auch nicht seine Herkunft aus einer strenggläubigen Pharisäerfamilie oder seine Ausbildung unter Gamaliel, auch nicht dieses schwere Schicksal, was er in Thessalonich irgendwie zu erleiden hatte, sondern sie prüfen das, was Paulus, der Apostel, predigt, anhand der Schrift. Und das ist jetzt hier in diesem Fall erst einmal das Alte Testament, auch wenn der Begriff Schrift, den wir hier vorfinden, im Christentum später dann auch noch erweitert wird auf die Schriften der Apostel und ihrer Mitarbeiter, sprich auf das, was wir heute Neues Testament nennen.
Und es ist so großartig: Da kommt einer, und der hat irgendwie Erfolg, der berührt die Herzen der Zuhörer mit dem, was er predigt, und obwohl das, was er tut, erst einmal so gar nicht passen will zu dem, was man selber dachte, wo es hingehen soll, hört man zu und prüft das, was gepredigt wird, an der Bibel. Wer die Wahrheit finden will, der braucht Aufgeschlossenheit für neue Gedanken, und er braucht die Bereitschaft, die Bibel zu studieren.
Kleiner Einschub: Wahrheit finden heißt in der Bibel immer Jesus finden. Ich sage das noch einmal: Wahrheit finden heißt in der Bibel immer Jesus finden. Jesus sagt von sich: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater als nur durch mich. Das ist großartig, oder? Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. An anderer Stelle fasst Johannes den Dienst von Jesus so zusammen, er sagt: Das Gesetz wurde durch Mose gegeben, und jetzt hört genau zu: Die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. Wahrheit ist geworden.
Wisst ihr, Jesus ist mehr als einer, der nur Wahrheit predigt. Das wäre an sich schon grandios. Jesus ist Wahrheit in Person. Wenn wir Jesus anschauen, dann sehen wir einen Menschen, so wie Gott ihn sich denkt, wie Gott ihn sich wünscht.
Jetzt muss ich etwas Hässliches sagen, aber der normale Mensch, so wie wir ihn erleben, der ist eigentlich so etwas wie eine Lüge auf zwei Beinen. Also nicht unbedingt, weil wir lügen, sondern weil wir als Menschen nicht das ausleben, was der Schöpfer für uns ursprünglich gedacht hat. Ein bisschen sind wir alle wie mein alter Golf, okay? Also ich habe da draußen ein Auto stehen, und wenn man das anmacht, das springt so zwischen dem vierten und zehnten Mal klickmachend an, dann gehen sofort drei gelbe Warnlämpchen an, und er läuft nur noch im Notlauf. Notlauf heißt zweieinhalbtausend Umdrehungen, maximal hundert Sachen und kaum mehr Beschleunigung. Das ist der Grund, warum ich Marwitz, wenn es den Berg hochgeht, so lange im Kreis fahre, bis niemand mehr hinter mir ist, weil ich dann nämlich mit maximal vierzig, fünfzig Sachen hochkomme.
Von außen sieht das Ding aber aus wie ein richtiges Auto. Also wenn du draußen in China schöner Golfer, ja, von außen sieht es toll aus, bis du dich reinsetzt und das Beschleunigungsverhalten erlebst und denkst: Na, kommt er heute noch oder kommt er nicht? Dieses Auto ist eine Lüge, weil es verheißt mehr, als es dir bringt. Da ist ein kräftiger Diesel normalerweise drin, da könntest du richtig, ja, im unteren Drehzahlbereich hat der richtig Newtonmeter, aber davon ist nichts zu spüren.
Und so ist der Mensch. Von außen sehen wir alle so gottsebenbildlich aus, wir sind so kreativ und wir sind so leistungsbewusst und wir können so viel schaffen und wir können alles Mögliche machen. Und dann schaust du mal innen rein und du stellst fest: Der Mensch, wenn du ihn erlebst, geprägt von Gier, Egoismus, Gottlosigkeit, aber auch von viel Hilflosigkeit. Er kann gar nicht der werden, der er gerne werden möchte. Und wir merken: Der Mensch ist eigentlich kaputt, der Mensch ist eine Lüge auf zwei Beinen.
Und jetzt wird Gott Mensch, und jetzt kommt einer, der uns zu einhundert Prozent vorlebt, was es heißt, Gottes Ebenbild zu sein. Mit einem Mal steht Wahrheit als Person vor uns. Deswegen ist es so lustig, wenn Pilatus in dem Verhör fragt: Was ist Wahrheit? Und ich denke mir: Schade, Freund, du hättest fragen sollen: Wer ist Wahrheit? Dann wärst du der Wahrheit deutlich nähergekommen.
Ich habe am Anfang gesagt, wir brauchen Aufgeschlossenheit für neue Gedanken und die Bereitschaft, die Bibel zu studieren, wenn wir Wahrheit finden wollen. Und jetzt sage ich: Wer die Wahrheit gefunden hat, der findet Jesus. Einfach weil er der Zeuge für die Wahrheit ist. Man kann nicht Wahrheit finden, ohne Jesus zu finden. Und wer sich hinstellt und sagt: Ich habe das Leben durchschaut, ich kenne die Wahrheit über das Leben, aber er hat Jesus nicht als Messias erkannt, der hat eigentlich noch gar nichts gefunden, definitiv nicht die Wahrheit über das Leben.
Zurück zu unserem Text. Das war nur der Einschub, dass Wahrheit in der Bibel immer etwas damit zu tun hat, dass Jesus ins Zentrum unseres Lebens rückt. Apostelgeschichte 17,11: Diese aber waren edler als die in Thessalonich, sie nahmen mit aller Bereitwilligkeit das Wort auf und untersuchten täglich die Schriften, ob dies sich so verhielte.
Bitte verzeiht mir das, was ich jetzt sage. Er sei zu meiner Verteidigung gesagt: Es ist mein Gebet, dass ich mich irre. Und ich investiere mein Leben, weil ich mich irren will. Und trotzdem denke ich, dass die evangelikale Bewegung in Deutschland, also das, was wir bibeltreues Christentum nennen, in den nächsten Jahren als Bewegung verschwinden wird, mindestens jedoch völlig an den Rand der Bedeutungslosigkeit gedrängt wird.
Warum denke ich das? Ich bin jetzt 30 Jahre lang Christ, ein bisschen länger sogar, aber über 30 Jahre. Und seit dieser Zeit sehe ich, dass die Warnungen des Herrn Jesus und auch der Apostel, dass ihre Warnungen vor falschen Propheten und falschen Lehrern immer weniger ernst genommen werden. Ich könnte euch das jetzt belegen, das werde ich aber nicht tun. Es ist einfach nur so: Dieses solide, bibeltreue, evangeliumszentrierte Christentum wird jedes Jahr ein wenig mehr unterwandert von Mystik, Liberalität und Gesetzlichkeit.
Und ich stehe irgendwie kopfschüttelnd da und ich nehme einfach nur zur Kenntnis, dass jedes Jahr ein Stück mehr Erfahrungen wichtiger werden, dass ein Leben aus Glauben, dass man Predigten feiert, wie sie zum Beispiel von worthaus.org ins Netz gestellt werden, oder dass man Pseudolehrern, die so jüdische Frömmigkeitsstile, die sagen, man muss wieder den Sabbat halten, dass die plötzlich einen Riesenzulauf haben. Und ich stehe da und schüttle einfach meinen Kopf. Und ich bin wirklich ein Stück weit entsetzt, weil ich mir denke: Was passiert hier? Wo ist der Aufschrei? Wie kann das sein? Wie kann das so einfach sein? Es wäre doch so leicht, den Irrtum zu erkennen. Ganz ehrlich, das ist nicht schwer, das ist einfach nicht schwer. Aber es passiert nicht. Es wäre so leicht, diese falschen Messiasse und Propheten zu entlarven.
Da wird uns eine neue Spiritualität von einer emergenten Kirche verkauft, und ich denke mir: Sieht keiner, sieht wirklich keiner den Wolf hinter dem Schafspelz? Ist das wirklich so schwer zu sehen, wie Stück für Stück nicht so am Rand unserer Theologie, sondern im Kern Dinge erschüttert werden? Ist das wirklich so schwer zu sehen?
Und dann sehe ich die Beröer. Und denke: Niemand muss sich täuschen lassen, weil Gott uns sein kostbares Wort gegeben hat. Wenn wir nur ein bisschen mehr wie die Beröer wieder würden, die täglich die Schriften untersuchten. Aber ich glaube, wir haben einfach zu viel zu tun. Es ist so viel Karriere, es ist so viel Serienschauen, es ist so viel Hobby, so viel Ablenkung. Und wir werden sehen, dass diese Bewegung verschwinden wird. In gewissen Teilen ist sie bereits verschwunden.
Was hochkommt, man sucht Gott, Reden im Innern seiner Seele, was auch immer man da hört, oder man lässt sich – und ich mag dieses Bild – von dem, was Paulus verwendet, müsst ihr euch vorstellen: so eine kleine Nussschale auf einem Ozean, und er sagt, dass es Menschen gibt, die vom Wind der Lehre hin und her geworfen werden, die gar nicht so genau wissen, was sie glauben. Wie kann das sein? Haben wir als evangelikale Bewegung wirklich vergessen, dass wir eine Widersache haben? Haben wir wirklich vergessen, dass es da einen gibt, dem jedes Mittel recht ist, um diesen einfältigen orthodoxen Glauben an Jesus kaputtzumachen? Wollen wir wirklich, dass unsere Familie, vielleicht unsere Generation die letzte ist, die das noch hat?
2. Korinther 11,3: Ich fürchte aber, dass wie die Schlange Eva durch ihre List verführte, so vielleicht euer Sinn von der Einfalt und Lauterkeit Christus gegenüber abgewandt und verdorben wird. Hallo, das ist ernst! Das kann passieren! Das kann uns passieren, das kann mir passieren! Wo ist das?
Oder 1. Timotheus 4,1: Der Geist aber sagt ausdrücklich, dass in späteren Zeiten manche vom Glauben abfallen werden, indem sie auf betrügerische Geister und Lehren von Dämonen achten. Ihr Lieben, meine Liste von Geschwistern, die nicht mehr gläubig sind, und ich könnte heulen, wenn ich darüber rede – meine Liste von Geschwistern wird jedes Jahr länger! Und wenn ich sehe, wer von den Kindern meiner Geschwister nicht mehr zum Glauben gefunden hat, und ich habe sie heute Morgen wieder dem Herrn gebracht, deswegen ist es noch so präsent, entschuldigt, ich könnte heulen, und da sind Leute dabei, hätte ich es nie, nie erwartet, dass sie mal in so einer Teilnahmslosigkeit oder in so einem richtigen Unglauben abdriften. Die hatten irgendwann etwas, wo ich dachte: Boah, das ist echt. Und dann kommt da irgendwas in ihr Leben rein, und es geht einfach alles kaputt.
Keiner von uns ist davor gefeit, auf betrügerische Geister oder auf dämonische Lehren hereinzufallen. Bitte lasst uns das festhalten! Ich bin es nicht! Ich aus mir heraus bin es nicht! Bitte lasst uns nicht so dumm sein, zu glauben, dass uns das nicht passieren kann. Was sich gut anfühlt, muss lange noch nicht wahr sein. Paulus warnt davor, dass der Teufel sich verstellt wie ein Engel des Lichts und seine Diener die Gestalt von Dienern der Gerechtigkeit annehmen können.
Aber wisst ihr was, es gibt ein Gegenmittel, es gibt Hoffnung. Und dieses Gegenmittel ist die Bibel. Und ich weiß, dass sich das so nach Kinderstunde anhört, so: Hast du nichts anderes als die Bibel? Nein, habe ich nicht, nein, habe ich nicht.
Ich möchte diese Predigt beenden mit einem Appell: Lass das der letzte Sonntag in deinem Leben sein, dass du ohne Bibel hierher gekommen bist. Lass es einfach der letzte Sonntag in deinem Leben sein, dass du ohne Bibel in eine Predigt gehst. Und sag nicht, ich lese in der App mit. Nimm dir eine richtige Bibel, in der du anstreichen kannst, wo du dir das Schriftbild merkst. Hab sie dabei, hab deine Bibel, wo du, wenn du schon nicht weißt, wo der Vers genau steht, sagst: Der war links oben, das weiß ich, den habe ich so oft gelesen, ich muss nur noch schauen, ungefähr weiß ich, wo er steht. Hab sowas in deinem Leben. Werde jemand, der sich die wichtigen Verse einprägt, auswendig lernt. Vertiefe dich in Gottes Wort, bis du die Bibel besser kennst als jedes andere Buch in deinem Leben.
Und wenn du sagst, ich habe keine Zeit, dann schalte alles an sozialen Medien ab, gnadenlos weg. Es geht um dein Leben. Du magst mir nicht glauben, das kann sein. Aber das Schöne ist: Ich bin hier nur der Gastprediger, ihr könnt euch danach das Maul zerreißen über diese Predigt. Es ist wunderbar, es stört mich nicht die Bohne, wenn du anfängst, deine Bibel wieder aufzuschlagen und sagst: Wenn du keine hast, kauf dir eine. Wenn du es dir nicht leisten kannst, ich kaufe dir eine mit Goldrand. Ich bin da ganz entspannt. Du musst nur versprechen, sie einmal im Jahr durchzulesen, dann ist alles in Ordnung.
Ich mache das, weil ich glaube, wir brauchen dieses Buch. Mach es dir zu einer Lebensaufgabe, täglich Umgang mit dem lebendigen Wort Gottes zu haben. Hinterfrage jede Predigt, glaube keinem Prediger, bitte, glaube ihm nicht, mir nicht. Nimm dir das Skript jeder Predigt, lass es dir geben und arbeite jedes Skript nach. Schau jede Bibelstelle nach, schau, ob sie im Kontext richtig zitiert ist, mach das! Und wenn du feststellst, das sind Leute, die keine Ahnung haben, dann sag es ihnen. Und wenn du merkst, das sind richtige Irrlehrer, dann nimm Abstand, hör ihre Predigten nicht mehr, aber gönne dir ein Leben, das sich um das Wort Gottes dreht. Bitte gönne dir das!
Der Herr Jesus warnt seine Jünger davor, dass der Teufel uns das Wort, das wir hören, wieder wegnehmen will. Wisst ihr, warum ich euch so oft sage, lernt einen Bibelfers auswendig? Weil ich weiß, dass ihr sonst am Dienstag nicht mehr wisst, was ihr heute gehört habt. Ich bin zu lange im Geschäft, um das nicht zu wissen. Und deswegen musst du Apostelgeschichte 17,11 auswendig lernen, damit du diesen Gedanken verinnerlichst. Und die anderen Verse, die ich zitiert habe, gleich mit? Ja, das schadet nicht. Zwei, drei Verse die Woche zu haben, mit denen man sich dann fünf Minuten am Tag beschäftigt, das geht schon.
Matthäus 13,19, da sagt der Herr Jesus über die Gefahr, in der wir stehen, und der letzte Vers, gleich habt ihr es geschafft: So oft jemand das Wort vom Reich hört und nicht versteht. Ja, was passiert, wenn du eine Predigt hörst und na ja, so oberflächlich ein bisschen mitgedacht hast, aber dann nicht dich wirklich hinein vertieft hast? Was passiert dann mit dir? Ganz einfach, ganz einfach, und das ist das, was real passiert: Der Teufel kommt und nimmt dir das wieder weg. So oft jemand das Wort vom Reich hört und nicht versteht, kommt der Böse und reißt weg, was in sein Herz gesät war.
Das ist die Realität, und ich wünsche mir für uns hier, für euch, dass genau das nicht passiert. Bitte seid euch dieser Gefahr bewusst. Da ist einer, der ist schlau, der kennt dich, der kennt deine Begierden, deine Lüste, der wird heute alles triggern, damit du bloß nicht mehr über diese Predigt nachdenkst. Und du wirst müde werden, und auf YouTube wird ein tolles Video sein, und da wird es schöne Musik geben und ein paar tolle Angebote und einen tollen Film und ein Buch und vielleicht was Schönes zu essen und noch ein bisschen Sport. Bloß nicht nachdenken. Und übermorgen ist das, was du jetzt vielleicht so als ein leichtes Kribbeln fühlst, so eine Leichtbetroffenheit, wo du sagst: Ja, vielleicht hat er Recht, übermorgen ist das weg. Und du kannst deinen alten Trott weiterleben, und der Teufel hat es geschafft, und er macht das, das garantiere ich dir, Woche für Woche. Und wenn du mir nicht glaubst: Was hast du vor vorletzte Woche gehört und wie hat es dein Leben geprägt? Du weißt es nicht mehr? Schön dumm. Das ist passiert. Der Teufel ist eine Realität. Bitte sei dir der Gefahr bewusst und bitte lass es nicht dazukommen.
Zum Schluss: Wir sind dazu berufen, die Wahrheit zu erkennen und frei zu werden. Wir sind dazu berufen, ein Leben zu führen, das dem Tod des Messias würdig ist. Wir sind dazu berufen, schön, schön zu sein für unseren himmlischen Bräutigam, und wir sind dazu berufen, pain in the ass zu sein für den Teufel und seine Dämonen. Wir sind dazu berufen, Gottes Reich zu bauen und dem Bösen zu widerstehen, bis dieser eine Tag kommt, wo der Kampf vorbei ist. Einfach deshalb, weil der Herr Jesus wiederkommt und wir am Ziel sind.
Und bis dahin mein Wunsch für euch: Nehmt euch die Beröer und ihre Liebe zum Wort Gottes, jeden Tag zum Vorbild und prüft und versteht, was ihr lest. Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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