Einleitung
Radio DRS machte in Luzern eine Umfrage. Sie wollten wissen, was die
Leute über Pfingsten wissen.
Das Resultat war äusserst bedenklich! Niemand war in der Lage, eine
angemessene Antwort zu geben. Es handelte sich übrigens nicht nur um
junge Leute, die befragt wurden. Selbst ältere Menschen wussten nicht,
wie sie Inhalt und Sinn dieses Festes beschreiben sollten.
Dies führt uns mit Erschrecken vor Augen, wie christlich unser Land in
Wirklichkeit ist.
Nun beschäftigen wir uns heute mit dem, was an Pfingsten vor bald 2000
Jahren geschah.
Text lesen: Apg. 2,1-13
I. Das Feuer wird angezündet (1-4)
Das Pfingstfest (1)
Gott verordnete den Juden drei Feste, zu denen sie sich in Jerusalem
versammeln sollten.
Dreimal im Jahr soll alles, was männlich ist in deiner Mitte, vor dem
Herrn, deinem Gott, erscheinen, an der Stätte, die der Herr erwählen
wird: zum Fest der ungesäuerten Brote, zum Wochenfest und zum
Laubhüttenfest. Sie sollen aber nicht mit leeren Händen vor dem Herrn
erscheinen. Dt.16,16.
Zum Passah mit den anschliessenden Fest der ungesäuerten Brote, zum
Wochenfest oder Pfingsten, diese Feste gehören zum Frühlingszyklus.
Und im Herbstzyklus das Laubhüttenfest.
8. Eigentlich sollte jeder jüdische Mann, wenn immer möglich, an diesen
Festen in Jerusalem sein. Auch Paulus war es ein Anliegen zu Pfingsten in
Jerusalem zu sein, wie wir das in der Apg. sehen:
Denn Paulus hatte beschlossen, an Ephesus vorüberzufahren, um in der
Provinz Asien keine Zeit zu verlieren; denn er eilte, am Pfingsttag in
Jerusalem zu sein, wenn es ihm möglich wäre. Apg.20,16.
Natürlich war Jerusalem von Menschen überlaufen, viele gottesfürchtige
Juden aus der ganzen Welt reisten nach Jerusalem, um den Anweisungen
Gottes folge zu leisten.
Es wurden dann verschiedene Opfer dargebracht. Es war das Fest der
Ernte und gleichzeitig galt es als Schlussfest der Passahzeit.
Das Pfingstfest fand 50 Tage nach dem Passah statt und bildet den
Abschluss der Frühjahrsfeste.
Der Heilige Geist kommt (2-4)
An Pfingsten versammelten sich auch die Jünger von Jesu. Es waren um
die 120 Personen (Apg.1,15). In der Zeit zwischen Jesu Himmelfahrt und
Pfingsten, wählten sie Matthias ins Apostelamt an Stelle von Judas, der
Selbstmord beging.
Vor ungefähr zehn Tagen begegneten sie Jesus zum letzten Mal. Kurz
bevor er zum Vater ging, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen,
er sagte:
Und siehe, ich will auf euch herabsenden, was mein Vater verheissen
hat. Ihr aber sollt in der Stadt bleiben, bis ihr ausgerüstet werdet
mit Kraft aus der Höhe. Lk.24,49.
Ja, Jesus erklärte schon vor seinem Sterben, dass er ihnen einen
Tröster senden wird, welcher für sie wichtig sein wird. Er sagte:
Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe.
Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich
aber gehe, will ich ihn zu euch senden. Joh.16,7.
Jesus musste zuerst die Jünger verlassen, damit der Tröster, der
Heilige Geist kommen konnte. Welche Bedeutung dieser Geist hat, erklärte
ihnen Jesus folgendermassen:
Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in
alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern
was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er
euch verkündigen. / Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen
wird er's nehmen und euch verkündigen. Joh.16,13-14.
Die Nachfolger Jesu, also ca. 120 Leute, warten nun in Jerusalem in
einem Haus auf dieses grosse Ereignis. Sie wissen nicht, wann es
eintreffen wird, aber sie befolgten die Anweisung von Jesus.
Plötzlich, begann ein Brausen vom Himmel, ähnlich wie ein gewaltiger
Wind und dieses Brausen erfüllte das ganze Haus.
Es erschienen Zungen wie von Feuer, die sich teilten und er, der
Heilige Geist, setzte sich auf einen jeden von ihnen.
Alle wurden erfüllt vom Heiligen Geist, und sie fingen an in Zungen zu
reden, so wie der Geist es Ihnen eingab.
Sie berichteten von den grossen Taten Gottes. So begann sich bereits
die Voraussage Jesu zu erfüllen als er sagte:
aber ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, der auf euch
kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz
Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde. Apg.1,8.
Damit ist eine neue Zeit angebrochen, die schon im AT angekündigt
wurde. Was Gott ankündigt geschieht auch nicht versteckt. Dieses
einmalige Ereignis geschah nicht an einem stillen Ort zu einem
unbedeutenden Zeitpunkt. Nein, wie die Kreuzigung genau auf das Passah
fiel, so ereignete sich die Ausgiessung des Heiligen Geistes, an einem
grossen jüdischen Fest, wo sozusagen ganz Israel versammelt war.
Mit diesem Ereignis bricht ein neues Zeitalter für die Gemeinde an.
Oder noch anders kann man sagen, ist dieses Ereignis die eigentliche
Gründung der NT Gemeinde.
Jetzt werden die Nachfolger Jesu ausgerüstet, dass sie in der Kraft
Gottes unter der Leitung des Heiligen Geistes Gemeinde bauen.
Jesus hat an Pfingsten das Feuer angezündet, das bis heute nicht
verschloschen ist und nie verschlöschen wird. Er sagte zu seinen Jüngern:
Ich bin gekommen, ein Feuer anzuzünden auf Erden; was wollte ich
lieber, als dass es schon brennte! / Aber ich muss mich zuvor taufen
lassen mit einer Taufe, und wie ist mir so bange, bis sie vollbracht
ist! Lk.12,49-50.
Jesus musste zuerst gekreuzigt werden und zum Vater gehen, erst dann
konnte er dieses Feuer anzünden.
Ohne Pfingsten gäbe es uns nicht, denn nicht Menschen sind die
treibenden Kräfte für die Ausbreitung der Gemeinde, sondern der Heilige
Geist. Denn er öffnet den Menschen die Augen, so wie Jesus sagt:
Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und
über die Gerechtigkeit und über das Gericht; Joh.16,8.
Anwendung
Sind wir uns dieser grossen Bedeutung bewusst? Dieses Wissen behält uns
stets in einer gesunden Haltung. Es bewahrt uns vor Überheblichkeit.
Paulus schreibt den Korinthern:
Denn wer gibt dir einen Vorrang? Was hast du, das du nicht empfangen
hast? Wenn du es aber empfangen hast, was rühmst du dich dann, als
hättest du es nicht empfangen? 1.Kor.4,7.
Alles haben wir empfangen. Keinen Grund haben wir deshalb uns selbst zu
rühmen. Auch die 120 Nachfolger haben den Heiligen Geist empfangen ohne
dass sie etwas besonderes dazutun konnten. Plötzlich wurden sie vom
Heiligen Geist erfüllt.
Pfingsten ist der Anbruch eines neuen Zeitalters. Früher standen nur
wenige unter der Leitung des Heiligen Geistes, und dies oft zeitlich
eingeschränkt und an ein Amt gebunden (Könige, Priester u. Propheten).
Nun ist aber die Zeit gekommen, wo der Heilige Geist in jeden Menschen
kommt, der an Jesus glaubt.
Der Mensch wird dadurch zum Tempel Gottes. Paulus sagt:
Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in
euch wohnt? 1.Kor.3,16.
Seit Pfingsten ist dies möglich.
Pfingsten in Jerusalem ist ein einmaliges, unwiederholbares
geschichtliches Ereignis. Wie Jesu Sterben und Auferstehen nicht
wiederholt wird und auch nicht wiederholt werden kann, so kann auch
Pfingsten nicht wiederholt werden.
Damit ist nicht gesagt, dass es keine besonderen Momente, der Erfüllung
mit dem Heiligen Geist gäbe, dies ist durchaus möglich und durch die
Bibel nachzuweisen, aber eine besondere Erfüllung mit dem Heiligen Geist
ist nie und nimmer gleichzusetzen mit Pfingsten.
An Pfingsten hat der Heilige Geist erstmals in den Menschen, die Jesus
nachfolgen und ihn lieben Wohnung genommen. So dass wir, wenn wir an
Jesus glauben, zu einem Tempel des Heiligen Geistes werden.
Zusammenfassend kann man sagen:
Wie Pfingsten das Fest am Abschluss der Getreideernte war, so schliesst
das Kommen des Heiligen Geistes das Heilswerk Jesu ab. Im Heiligen
Geist ist die Gemeinde Jesu mit dem erhöhten Herrn bis zu seiner
Wiederkunft verbunden.[1]
II. Zweifaches Wunder (5-13)
Sprachwunder
Die Erfüllung mit dem Heiligen Geist war von einem aussergewöhnlichen
Zeichen begleitet. Die Jünger sprachen auf einmal in anderen Zugen, oder
wie es auch übersetzt werden könnte in anderen Sprachen.
Der Heilige Geist liess sie nicht in ihrer Muttersprache sprechen,
sondern in fremden Sprachen.
Dies gibt dem Ereignis ein ganz besonderes Gepräge.
Wir können hier von einem Sprachwunder sprechen.
Es gibt nun hier zwei verschiedene Sichtweisen. Die einen vertreten, es
handle sich um Fremdsprachen. Andere sehen darin einen Sprachausdruck,
der nichts mit einer bestehenden Volkssprache zu tun hat. Ich persönlich
neige zu dieser Ansicht.
Hörwunder
Wenn diese Sicht richtig ist, dann können wir gleichzeitig auch von
einem Hörwunder sprechen.
Denn viele Juden aus aller Welt hielten sich in Jerusalem, eben wegen
diesem Pfingstfest, auf. Sie werden auch als gottesfürchtige Männer
bezeichnet.
Sie gehörten den verschiedensten Völker an, wie dies auch heute noch
ist. Ihre Muttersprachen war nicht Aramäisch wie man zu der Zeit in
Jerusalem sprach, sondern die jeweilige Landessprache, von wo sie kamen.
Als dieses Brausen sich ereignete lief eine Menge von Menschen
zusammen. Offenbar war es nicht nur von den Jüngern wahrgenommen worden,
sondern auch von den Menschen in Jerusalem.
Gott lässt auch bei diesem wichtigen Ereignis, die Juden nicht im
Ungewissen. Seine Liebe führt ihn dazu, seinem Volk immer wieder
deutliche Zeichen zu geben, damit sie sich ihm zuwenden können.
Nun sind diese Menschen völlig erstaunt. Obwohl die Jünger aus Galiläa
gebürtig waren, hörte ein jeder was sie sagten, in seiner eigenen
Muttersprache.
Die Jünger erzählten von den grossen Taten Gottes, schade dass uns
Lukas keinen Einblick gibt in das, was sie erzählten.
Jedenfalls konnte jeder in seiner Muttersprachen verstehen, was sie
erzählten. Somit hat der Heilige Geist selbst die Übersetzungsarbeit
getan, die nach dem Korintherbrief durch einen Menschen geschehen sollte.
Anwendung
Gerade dieses Zungenreden hat in der Vergangenheit schon viele
Diskussionen ausgelöst und führte gar zu Gemeindespaltungen.
Man berief sich immer wieder auf diese Wunderzeichen an Pfingsten, aber
eben, es war an Pfingsten so. Und Pfingsten ist einfach nicht
wiederholbar.
Manche Leute behaupten, dass jeder, der mit dem Heiligen Geist erfüllt
sei, in Zungen reden könne.
Dagegen stellte sich eine andere Meinung, die die Zungenrede völlig
ablehnte und erklärte, so etwas gäbe es heute nicht mehr.
Obwohl ich selber nicht in Zungen rede und noch nie eine Zungenrede
hörte, von der ich mit Überzeugung hätte sagen können, sie sei göttlichen
Ursprungs. So scheue ich mich trotzdem, in absoluter Weise zu behaupten,
es würde heute überhaupt keine Zungenrede mehr geben.
Im Brief an die Korinther macht Paulus deutlich, dass die Zungenrede
eine der Gaben ist, die der Heilige Geist austeilt und die nicht jeder
hat. Und er verwendet dann einen längeren Abschnitt, in dem er regelt,
wie mit der Zungenrede verantwortlich umgegangen werden soll.
Wenn ich mit Zungrede konfrontiert würde, so würde ich mich an die
Anweisungen des Paulus halten, dann wird es bestimmt in geordneten Bahnen
laufen.
Evangelisation
Die Menschen waren etwas verwirrt über das, was hier geschah. Die ienen
fragten: Was das wohl bedeuten soll. Andere trieben ihren Spott und
machten sich lustig darüber und meinten: Sie sind voll von süssem Wein.
Durch dieses Ereignis kam aber niemand zum Glauben an Jesus. Sondern
erst nachdem Petrus das Evangelium vom Tod und Auferstehung Jesu
verkündigte.
Nach dieser Verkündigung war es vielen klar, um was es geht und sie
fragten, was sie tun sollen. Petrus antwortete:
Tut Busse, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu
Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe
des heiligen Geistes. Apg.2,38.
Also, zuerst sollen wir Busse tun, d.h. wir sollen unseren Sinn ändern,
indem wir erkennen und anerkennen, dass wir gegen Gott leben.
Wir sollen unseren Sinn ändern, indem wir uns Jesus zuwenden und
bekennen, dass wir bis anhin gegen ihn lebten, sei es durch
Gleichgültigkeit oder in aktiver Auflehnung.
Hast Du das selber getan in Deinem Leben? Das ist auch ein einmaliger
Moment, wie Pfingsten.
Wenn wir das tun, werden wir den heiligen Geist empfangen. So erklärte
es Petrus an Pfingsten.
Also über eine klare Sinnesänderung, eine klare Abwendung vom alten
Leben hin zu Jesus, werden wir den heiligen Geist empfangen.
Seit Pfingsten ist der Empfang des Heiligen Geistes engstens verbunden
mit der Busse, der Umkehr des Menschen zu Gott. So schreibt es auch
Paulus den Ephesern:
In ihm seid auch ihr, die ihr das Wort der Wahrheit gehört habt,
nämlich das Evangelium von eurer Seligkeit - in ihm seid auch ihr, als
ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem heiligen Geist, der
verheissen ist, / welcher ist das Unterpfand unsres Erbes, zu unsrer
Erlösung, dass wir sein Eigentum würden zum Lob seiner Herrlichkeit.
Eph.1,13-14.
Also, wenn wir gläubig werden, dann werden wir mit dem Heiligen Geist
versiegelt. Er ist gleichsam ein Unterpfand, eine Anzahlung, für das
Erbe, das wir bei unserer Auferstehung empfangen werden.
Bist Du Dir gewiss, dass Du den Heiligen Geist empfangen hast? Denn
ohne den Heiligen Geist bist Du nicht gerettet und Du kannst Gott mit
allen Guten Werken nicht gefallen.
Gott hat uns aber versprochen, dass, wenn wir uns ganz zu ihm wenden,
dann will er uns den Heiligen Geist geben. Er will uns führen und leiten
und will uns dadurch zum Ziel bringen, nämlich zur Seligkeit unserer
Seele.
Gerne zeige ich, wie man diesen Schritt tun kann, was es konkret heisst
Busse zu tun, damit du den Heiligen Geist empfangen kannst und somit
ewiges Leben bekommst.
Schluss
Pfingsten ist sozusagen das Geburtsfest der Gemeinde Jesu. Wäre der
Heilige Geist nicht gekommen, so wäre die Bewegung von 120 Leuten eine
Episode der Vergangenheit geblieben.
Durch den Heiligen Geist ist aber diese kleine Bewegung gewachsen in
deren Nachfolge wir hier in Zürich stehen.
Derselbe Geist, der dort ausgegossen wurde, gründete unsere Gemeinde,
derselbe Geist führt uns weiter.
An uns liegt nur, dass wir uns leiten lassen, dass wir uns als gehorsam
erweisen und Gott dienen mit unserem ganzen Herzen, ansonsten behindern
wir den Heiligen Geist, weil wir ihm keinen Raum geben.
Gott möchte uns brauchen und einsetzen, aber er ist nie und nimmer
abhängig von uns.
Ja, das Feuer ist angezündet! Kann es in uns weiterbrennen, oder
ersticken wir es? Amen.
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[1]Fritz Rienecker: Lexikon zur Bibel, Sp.1065.

