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Psalm 84

Die Psalmen - das Gesang- und Gebetbuch der Bibel, Teil 20/26
06.06.2015Psalm 84
SERIE - Teil 20 / 26Die Psalmen - das Gesang- und Gebetbuch der Bibel

Einführung: Fragen nach Heimat und Glück

Ich möchte heute Morgen, wie angekündigt, den Psalm 84 mit euch betrachten. Als Einstiegsfrage stelle ich zunächst: Hast du schon einmal Heimweh gehabt? Vielleicht hast du nie Heimweh verspürt, weil du immer zu Hause geblieben bist. Oder was ist dein sehnlichster Wunsch? Und eine weitere Frage: Bist du ehrlich gesagt glücklich?

Diese Fragen tauchen im Psalm 84 auf. Ich habe ihn für heute unter die Überschrift gestellt: Heimweh nach Gottes Wohnung – oder: Wo ist dein Zuhause?

Zunächst möchte ich diesen Psalm vorlesen.

Psalm 84: Sehnsucht nach Gottes Wohnung

 Psalm 84
Dem Chorleiter nach der Gittit, von den Söhnen Korachs, ein Psalm.

Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr der Heerscharen!
Es sehnt sich, ja es schmachtet meine Seele nach den Vorhöfen des Herrn.
Mein Herz und mein Leib jauchzen dem lebendigen Gott entgegen.

Auch der Vogel hat ein Haus gefunden, und die Schwalbe ein Nest für sich,
wo sie ihre Jungen hingelegt hat, deine Altäre, Herr der Heerscharen, mein König und mein Gott.

Glücklich sind die, die in deinem Haus wohnen;
sie loben dich stets.
Glücklich ist der Mensch, dessen Stärke in dir ist,
in dessen Herz gebahnte Wege sind.

Sie gehen durch das Tränental und machen es zu einem Quellort,
ja, mit Segnungen bedeckt es der Frühregen.
Sie gehen von Kraft zu Kraft,
sie erscheinen vor Gott in Zion.

Herr, Gott der Heerscharen, höre mein Gebet,
vernimm es, Gott Jakobs!
Blicke doch auf unseren Schild,
schau an das Gesicht deines Gesalbten.

Denn ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend.
Ich will lieber an der Schwelle stehen im Haus meines Gottes
als wohnen in den Zelten des Unrechts.

Denn Gott, der Herr, ist Sonne und Schild;
Gnade und Herrlichkeit wird der Herr geben,
kein Gutes vorenthalten denen, die in Lauterkeit wandeln.

Herr der Heerscharen, glücklich ist der Mensch, der auf dich vertraut.
Soweit Gottes Wort.

Die Söhne Korachs: Herkunft und Bedeutung

Das ist ein besonderer Psalm, den ich ebenfalls sehr liebe. Manche Worte in der Bibel sind sehr anschaulich und plastisch formuliert. Es werden Bilder verwendet, um Vergleiche zu ziehen. So haben wir hier gesehen, dass die Söhne Korach Bilder von Vögeln benutzen, um zu verdeutlichen, wie wir im Haus Gottes sein können. Darauf werden wir später noch eingehen.

Zunächst einmal: Dieser Psalm stammt nicht von David, auch nicht von Asaph. Wir haben gelesen, dass er von den Söhnen Korach ist. Wer waren diese Söhne? Ihr Vorfahre Korach war ein Vetter von Mose und Aaron. Ich habe hier die Verwandtschaftsbeziehungen aufgezeichnet. Ihr seht, sie stammen aus dem Stamm Levi. Levi hatte drei Söhne: Gerson, Kehat und Merari. Kehat hatte vier Söhne: Amram, Jessa, Hebron und Usir. Von Amram stammen Mose, Aaron und übrigens auch Mirjam ab. Von Jessa stammt Korach. Das bedeutet, Korach war ein Vetter von Mose und Aaron.

Er war also nah verwandt und gehörte zum Stamm der Leviten. Dieser Stamm war von Gott dazu bestimmt, später im Land keinen eigenen Landbesitz zu erhalten, sondern im Haus Gottes zu dienen. Die Leviten hatten verschiedene Aufgaben. Sie waren beispielsweise dafür zuständig, die Geräte der Stiftshütte zu pflegen. Wenn die Stiftshütte in der Wüste transportiert wurde, hatte jeder aus diesem Stamm die Aufgabe, einen bestimmten Teil zu tragen. So war alles genau organisiert.

Wenn die Leviten losmarschierten, musste niemand erst sagen: „Nimmst du das? Nimmst du das?“ Jeder wusste genau, welches Teil er schultern musste. Was er zu transportieren hatte, war klar festgelegt. Andere wiederum hatten die Aufgabe, die Sachen der Leviten zu transportieren. Diese Regelung war also sehr genau und strukturiert. Deshalb hatten die Leviten sehr verantwortungsvolle Aufgaben.

Parallele zu heutiger Organisation: Gemeindefahrten und Choreinsätze

Uns geht es häufig ähnlich, wenn wir zum Beispiel alle zwei Jahre mit unserer gefährdeten Hilfe nach Ungarn fahren und dort ungarische Gefängnisse besuchen. Meistens reisen wir mit etwa fünfundvierzig Personen, also einer Busladung.

Vorher wird geprobt und geübt. Wir treten als Chor auf und lernen an zwei Wochenenden zwölf bis vierzehn ungarische Lieder. Das ist schon eine Herausforderung wegen der Sprache. Man singt etwas, das man selbst nicht versteht, aber andere verstehen es. Das ist spannend, wenn man die Situation betrachtet.

Natürlich haben wir in unserem Liederbuch die Übersetzungen danebenstehen, damit wir wissen, was wir singen. So sehen unsere Gesichter auch nicht traurig aus, wenn es ein Loblied ist. Man weiß also, worum es inhaltlich geht.

Wenn wir dann in die Gefängnisse gehen, muss alles sehr schnell und organisiert ablaufen. Wir müssen unsere Personalausweisnummern abgeben. Für alle Instrumente und Geräte wird vorher genau festgelegt, wer vom Chor welches Teil transportieren muss. Diese Person ist auch verantwortlich dafür, dass das Teil hinterher wieder mit herauskommt.

Diese Aufgabenverteilung wird vorher genau festgelegt. Dadurch wird die Arbeit erleichtert. Man muss nicht jedes Mal neu überlegen, ob alles mitgenommen und eingepackt wurde. Jeder ist für sein Teil verantwortlich, sei es die Kabeltrommel, die Verlängerungsschnur oder der Notenständer. Alles ist genau geplant.

Ähnlich war es damals auch in Israel. Wenn die Leviten unterwegs waren, wusste jeder genau, welches Teil er transportieren musste. So war sichergestellt, dass alle Teile mitgenommen wurden und nichts in der Wüste liegen blieb.

Anekdote zur Organisation: Ein fehlender Teilnehmer

Übrigens eine kleine Anekdote dazu: Wir waren in einem Gefängnis, fuhren zum nächsten Gefängnis und wollten dort wieder aufbauen. Dabei bemerkten wir, dass ein Teil fehlte. Erst dann fiel uns auf, dass auch der Junge fehlte, der das Material transportieren sollte.

Das war überhaupt nicht aufgefallen, als wir alle wieder in den Bus stiegen und zum nächsten Gefängnis fuhren. Das stellte ein Problem dar. Deshalb musste einer der ungarischen Begleiter zurück zum vorherigen Gefängnis fahren. Dort saß der Junge auf den Treppenstufen. Er war gerade auf der Toilette gewesen und hatte nicht mitbekommen, dass wir schon abgefahren waren. Und niemand hatte es bemerkt.

Ich denke, so ähnlich wäre es damals auch gewesen, wenn einer der Leviten nicht aufgepasst hätte und hinter dem nächsten Busch verschwunden wäre, während die Mannschaft weitergezogen ist. Das wäre spätestens aufgefallen, wenn sie wieder die Stiftshütte aufbauen mussten und ein Teil fehlte.

Die Leviten und die Führung Israels

Die Leviten hatten ganz bestimmte Aufgaben. Mose und Aaron wurden aus dem Stamm Levi herausgenommen, um das Volk zu führen.

Während der Wüstenwanderung kam es zu einer Revolution. Im vierten Buch Mose, Kapitel 16, wird ausführlich berichtet, wie Korah, der Vetter von Mose, zusammen mit drei anderen – Datan, Abiram und On – einen Aufstand gegen Mose plante.

Sie traten ihm entgegen und fragten: „Wieso seid ihr die Ersten im Volk? Wieso spricht Gott nur zu euch? Wir sind genauso wie ihr. Das ganze Volk ist heilig, und wir wollen auch Priesterdienst tun.“

Das war schon schwierig. Vielleicht kennt man das aus der einen oder anderen Gemeinde: Wenn es um Ältestendienste oder Diakonendienste geht, kann es schon zu Reibereien kommen. Neid entsteht, und die Frage lautet: Warum hat der andere den Dienst und ich nicht?

Korah erhob also den Anspruch, genauso wie Mose und Aaron vor Gott treten zu dürfen. Er wollte wie die anderen Priester mit einer Räucherpfanne vor Gott kommen und Anbetung bringen. Das führte zu einer kräftigen Revolution.

Sie scharten weitere vornehme Israeliten um sich – alle Fürsten des Volkes, zweihundertfünfzig Männer – und traten gegen Mose und Aaron an.

Gottes Eingreifen und das Urteil über Korah

Mose fällt auf sein Angesicht und bittet Gott um Hilfe und Rat. Daraufhin handelt Gott und sagt zu Mose, er solle dem Volk mitteilen, dass sie sich von den Aufrührern fernhalten sollen. Sie sollen also einen Abstand zu den Zelten dieser Aufrührer einhalten, weil Gott Gericht üben wird.

Offensichtlich haben die anderen Israeliten dies befolgt – mit Ausnahme von Dathan, Abiram und On. Diese stammen aus dem Stamm Ruben und bleiben mit ihren Kindern und Frauen vor ihren Zelten stehen. Mose fordert sie erneut auf, sich von den Aufrührern zu trennen, doch sie weigern sich.

Daraufhin greift Gott ein: Die Erde öffnet sich genau unter diesen Männern und verschlingt sie lebendig. Dieses Ereignis ist ein deutliches Zeichen für das Gericht Gottes. Er macht klar, dass Mose und Aaron die von ihm eingesetzten Führer sind.

Bis heute gilt: Die Gemeinde des Neuen Testaments, die Gemeinde Jesu Christi, ist keine demokratische Angelegenheit. Gott setzt die Führer und Diener ein. Wie wir im Psalm 23 sagen: Nicht die Schafe wählen ihren Hirten, sondern andersherum.

Die Gemeinde ist, wie damals Israel, eine Theokratie – ein Verband, der von Gott regiert wird. Sie ist keine Demokratie, in der das Volk regiert (Demo = Volk). Gott greift damals ein, und das Volk steht unter Schock.

In 4. Mose 26,11 steht ein interessanter Vers: „Doch die Söhne Koras starben nicht.“ Das zeigt, dass Gott nicht sippenhaft vorgeht, sondern nur diejenigen verurteilt, die wirklich aufrührerisch waren. Ausgenommen sind die Verwandten von Dathan, Abiram und On, die weiterhin zu ihnen hielten und sich nicht abgesondert hatten.

Der Vers macht ausdrücklich deutlich, dass die Söhne Koras verschont bleiben. Trotz des Ungehorsams ihres Vaters erleben sie, dass Gott sie verschont.

Die Söhne Korachs als Tempelsänger und Psalmdichter

So handelt Gott bis heute. Wir werden nicht für das bestraft, was unsere Eltern getan haben. Jeder ist selbst Gott verantwortlich.

Einige Generationen später, unter David und Salomo, werden die Söhne Koras beziehungsweise deren Nachkommen, die ebenfalls Söhne Koras genannt werden, Tempelsänger. Offensichtlich handelt es sich um eine musikalische Familie.

Von diesen Söhnen Koras werden keine einzelnen Namen genannt, sondern immer nur die ganze Sippe. Sie haben folgende Psalmen gedichtet: Psalm 42, Psalm 44 bis 49, Psalm 84 bis 85 und Psalm 87 bis 88.

Diese Nachkommen stammen von einem Mann, der einen Aufstand gegen die Führung in Israel gemacht hat. Offenbar haben sie aus dem Fehler ihres Vorfahren gelernt. Sie stellen sich Gott mit dem zur Verfügung, was er ihnen gegeben hat.

Sie werden Tempelsänger und Tempelinstrumentalisten. Einige von ihnen dichten Psalmen für den Gottesdienst. Das finde ich sehr bezeichnend.

Wir haben es ja gelesen, Vers 2: „Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr der Herrscher!“ Wenn man sich vorstellt, dass dies die Söhne eines Aufrührers sind, muss man sich wundern, dass sie innerlich wirklich damit zurechtgekommen sind. Sie sehnen sich nach Gottes Wohnung und sind gerne dort.

Aufbau und Einteilung des Psalms 84

Schauen wir uns diesen Psalm einmal genauer an, insbesondere die Einteilung. Vers 1 enthält, wie in vielen Psalmen, sozusagen das Vorwort. Dort wird angegeben, von wem der Psalm stammt, also der Autor, sowie Angaben zur Musik.

Wir haben Folgendes gelesen: Zuerst zeige ich die Einteilung, dann die Verse 2 bis 5, anschließend die Verse 6 bis 9 und schließlich die Verse 10 bis 13. Man könnte diese Abschnitte auch als Strophen bezeichnen. Nach jeder Strophe folgt ein Zwischenspiel, das mit dem Wort „Sela“ gekennzeichnet ist. Dieses Wort weist darauf hin, dass dazwischen Pausen sind, damit man über das Gesagte und Gesungene nachdenken kann.

Strophe 1 umfasst die Verse 2 bis 5, Strophe 2 die Verse 6 bis 9 und Strophe 3, mit dem Schlussakkord, die Verse 10 bis 13.

Schauen wir uns Vers 1 genauer an. Dort steht: „Dem Chorleiter nach der Gittit von den Söhnen Korachs ein Psalm.“ Daraus kann man erkennen, dass dieser Psalm so gedichtet wurde, dass er vom Chorleiter vorgesungen wurde und die anderen anschließend nachsangen. Oft war es so, dass nicht alle Sänger Noten hatten. Der Chorleiter sang dann vor, und die anderen sangen nach.

Die Bezeichnung „nach der Gittit“ bezieht sich höchstwahrscheinlich auf ein Musikinstrument. Gehen wir darauf noch einmal zurück: Es handelt sich vermutlich um ein Instrument ähnlich einer Handharfe oder einem Zwischending zwischen Gitarre und Harfe. Dieses Instrument wurde in der Hand gehalten und entweder mit den Fingern oder mit einem kleinen Stöckchen gespielt.

Ich habe bereits erklärt, wer die Söhne Korachs waren. Es wird außerdem ausdrücklich gesagt: „Ein Psalm“. Das griechische Wort „psalein“ bedeutet so viel wie „in die Saiten schlagen“. Das heißt, es handelt sich um Gesang mit Saitenbegleitung, also mit Saiteninstrumenten.

Strophe 1: Gottes Wohnort und menschliche Sehnsucht

Schauen wir uns Strophe eins an, Verse zwei bis fünf: „Wie lieblich sind deine Wohnungen“, singen die Söhne Koras. Man könnte fragen: Wo wohnt Gott?

Wir sagen, Gott wohnt im Himmel. Das ist aber schwer zu definieren. Natürlich meinen wir damit nicht das Firmament hier, sondern das Unsichtbare – den Ort, an dem Gott wohnt. Es ist nicht das Weltall. Auch die Israeliten unterschieden zwischen Weltall und Himmel. Sie wussten, dass der Himmel, wie er in der Bibel beschrieben wird, offenbar aus mehreren Etagen besteht.

Die Bibel spricht vom dritten Himmel, vom siebten Himmel. Es scheint verschiedene Stufen zu geben, auch der Herrlichkeit. Wie das genau sein wird, müssen wir uns überraschen lassen. Paulus sagt einmal, dass er entrückt wurde bis in den dritten Himmel und Dinge sah, die man nicht formulieren kann. Dafür gibt es keine deutschen Worte.

Genauso ist es, wenn man die Offenbarung liest. Euch geht es sicherlich wie mir: Viele Dinge sind Symbole, und wir verstehen nicht genau, was der Schreiber meint. Man merkt, dass Johannes die Offenbarung schreibt, als er einen Blick in den Himmel tut. Er versucht, mit menschlichen Worten etwas Himmlisches auszudrücken – und das ist schwierig.

Schon bei der Übersetzung aus einer fremden Sprache ist es schwer. Wenn man etwas aus einer anderen Perspektive oder Dimension erklären will, kann man es nur mit menschlichen Vergleichen beschreiben. Deshalb ist die Offenbarung oft schwer zu verstehen. Es sind Dinge, die man mit unseren Worten kaum ausdrücken kann.

Manchmal denke ich, wie schwer es für Jesus gewesen sein muss, als er hier auf der Erde war – in Raum und Zeit. Er, der Ewige, kam aus einer völlig anderen Dimension. Wenn wir an Jesus denken, sehen wir meist nur den Mensch gewordenen Jesus, weil wir uns nicht vorstellen können, wie er wirklich im Himmel ist.

Man kann etwas davon ahnen, wenn er nach der Auferstehung den Herrlichkeitsleib hat. Aber wir merken, das sind völlig unterschiedliche Dimensionen.

„Wie lieblich sind deine Wohnungen“ – dieser ewige Gott hat den Wunsch, bei uns Menschen zu wohnen. Damals im Garten Eden hat er das getan. Er besuchte Adam und Eva in der Kühle des Abends, und sie unterhielten sich miteinander. Das muss eine herrliche Zeit gewesen sein.

Doch durch den Sündenfall war diese enge Beziehung nicht mehr möglich. Trotzdem war in seinem Herzen – und das kommt in der Bibel immer wieder vor, wie ich in diesem einen Buch schildere – der Wunsch, mitten unter den Menschen zu wohnen.

Das scheint eigentlich unmöglich, wie Feuer und Wasser. Der heilige Gott inmitten von Sündern – Gott müsste, weil er gerecht ist, alle Sünder töten. Sündhaftes passt nicht zur Heiligkeit Gottes.

Für uns Menschen ist das schwer vorstellbar. Wir denken oft, Gott drücke einfach die Augen zu. Nein, dann wäre er nicht mehr gerecht. Gott ist heilig.

Damals gab er seinem Volk die Stiftshütte. Er ließ Mose das Muster der Stiftshütte im Himmel sehen und gab ihm den Auftrag, die Stiftshütte zu bauen. Diese Bilder sind auch symbolisch für etwas, das im Himmel ist.

Später wurde der Tempel nach dem gleichen Prinzip gebaut wie die Stiftshütte – nur größer. Auch der Tempel besteht aus zwei Räumen: Heiligtum und Allerheiligstes.

Im Allerheiligsten wollte Gott wohnen, inmitten seines Volkes, als Thron die Bundeslade und als sichtbares Zeichen der Schichina, der Wolkensäule – das Zeichen der Gegenwart Gottes.

Das musste für jeden Israeliten klar sein. Sie wohnten in ihren Zelten rings um die Stiftshütte und sahen Tag für Tag die Wolkensäule. Sie konnten sich an der Wolkensäule orientieren: Da ist das Zentrum. Nachts die Feuersäule, tagsüber die Wolkensäule. Sie hätten erkennen können: Gott ist da.

Doch Gott weiß das ganz genau. Heute hat Jesus verheißen, da zu sein, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind. Wir glauben, dass Jesus hier bei uns ist. Trotzdem gewöhnt man sich schnell daran und lebt, als wäre er nicht da.

Ich fand das schon beeindruckend. Es gibt russische Christen, die lange Jahre so praktiziert haben, am Essenstisch immer einen Platz freizulassen – symbolisch für den Herrn Jesus. Aber auch daran kann man sich gewöhnen.

So ist es hier auch. Doch die Söhne Koras haben ein Empfinden dafür. Sie sagen: „Ich möchte da sein, wo Gott wohnt.“ Wo wohnt Gott?

In der Bibel finden wir verschiedene Aussagen dazu. Einerseits wohnte er damals in der Stiftshütte beziehungsweise im Tempel. Andererseits wird im Neuen Testament gesagt, dass er in der Gemeinde wohnt.

Die Gemeinde ist das Haus Gottes, der Tempel Gottes – nicht aus Steinen gebaut, sondern aus lebendigen Steinen. Die Bibel sagt sehr deutlich, dass jeder von uns, der an ihn glaubt, ein Tempel des Heiligen Geistes ist.

Jesus sagt, dass er und der Vater kommen und Wohnung bei uns machen. Das heißt, er wohnt auch bei uns.

Jesaja sagt das schon, in Kapitel 57: Gott wohnt im Himmel und bei jedem, der zerschlagenen Herzens ist. Die Voraussetzung, dass Gott bei mir wohnt, ist, dass ich vor ihm zerbrochen bin – dass ich mir bewusst bin, dass ich Vergebung meiner Sünden brauche.

Als Zweites wird in diesem Vers gesagt: „Herr der Herrscharen“ oder in der Lutherübersetzung „Herr Zebaoth“. Das heißt dasselbe: Herr der Herrscharen, der Größte über alle Mächte – auch über alle himmlischen Mächte und Engel.

Ich bin dankbar, dass wir, wenn wir zu ihm kommen – und wir dürfen ja durch den Herrn Jesus zu Gott kommen –, sozusagen Audienz bei ihm, dem Allerhöchsten, haben.

Mir kommt dazu vor, dass die Söhne Koras sich das bewusst machen. Sie sagen: „Wie lieblich sind deine Wohnungen.“

Dabei muss man sagen: Eigentlich war damals die Stiftshütte der Vorhof, und die Stiftshütte selbst sah von außen nach nichts aus. Einfach Sandboden, ein paar Zeltstangen, Stoff drumherum – ein Zelt. Man sah nicht, was drin war.

Drinnen war es kostbar, aber von außen sah man Dachsfelle – unscheinbar. Trotzdem ist er der Herr der Heerscharen – und er liebt diesen Ort.

Sehnsucht nach Gottes Haus und Gemeinde

Es stellt sich die Frage: Wie geht es uns? Lieben wir die Wohnung Gottes? Sagen wir: die Gemeinde. Heute gibt es viele Christen, die sagen, sie kämen ohne Gemeinde aus. Die Bibel macht jedoch deutlich, dass man dadurch etwas versäumt.

Gott hat uns als Gläubige die Gemeinde gegeben, damit wir nicht alleine sind. Er hat uns nicht als Eremiten geschaffen, sondern damit wir Gemeinschaft haben und gemeinsam Gott loben und preisen, wenn wir zusammenkommen. In Vers 3 heißt es: „Es sehnt sich, ja es schmachtet meine Seele nach den Vorhöfen des Herrn.“ Wonach sehnst du dich? Was ist für dich Heimat?

Geht es dir so, dass du Heimweh bekommst, wenn du mal sonntags nicht in der Gemeinde bist? Oder kannst du gut auf deine Geschwister verzichten? Die Söhne Koras sagen, sie sehnen sich. Es schmachtet ihre Seele. Das ist ein Ausdruck, der heute kaum noch gebraucht wird, bedeutet aber so viel wie „Ich habe Hunger“. Im Plattdeutschen sagt man für Appetit „Schmacht“; „ich habe Schmacht“ kommt von diesem Wort. Es bedeutet, ich habe Sehnsucht danach, ich habe Hunger danach.

Jesus sagt das einmal in Lukas 22. Dort sitzt er am letzten Abend vor seinem Sterben mit seinen Jüngern zusammen und sagt: „Mit Sehnsucht habe ich mich gesehnt, dieses Passa mit euch zu feiern, ehe ich leide.“ Manchmal denke ich, wenn ich diesen Vers lese: Herr Jesus, warum hast du Sehnsucht danach? Du weißt, dass du leiden wirst, dass du sterben wirst, dass du in den nächsten Stunden verprügelt, gegeißelt und verspottet wirst – und du sagst, ich habe Sehnsucht.

Die Jünger haben das damals nicht verstanden. Aber verstehen wir das heute? Haben wir Sehnsucht danach, zum Mahl des Herrn zusammenzukommen, so wie der Herr Jesus es hatte? „Ich habe Sehnsucht danach. Ich möchte mit euch zusammen sein, ich möchte Gemeinschaft mit euch haben.“

Stellt euch vor, der Herr Jesus lädt uns zu sich ein, und wir sagen: „Aber ich bin so müde, ich schlafe lieber aus, ich habe etwas Besseres zu tun.“ Die Söhne Koras hatten Sehnsucht, in der Gegenwart Gottes zu sein. Dabei stellen wir fest: Sie waren Leviten. Sie durften nur im Vorhof sein, nicht ins Heiligtum, schon gar nicht ins Allerheiligste. Aber sie sehnten sich allein danach, im Vorhof zu sein, weil sie wussten, dort sind sie Gott nah.

Ich wünsche mir einfach, dass diese Sehnsucht auch in unseren Herzen wächst: Sehnsucht nach der Gemeinde, nach dem Haus Gottes. Er sagt: „Meine Seele sehnt sich danach.“ Die Seele ist in der Bibel das Innere des Menschen, der Sitz der Gefühle und das, was Gott uns gegeben hat. Ich brenne danach, Gott nah zu sein.

Die Bilder von Vogel und Schwalbe als Symbol für Heimat

Und dann gebrauchen die Söhne Korachs zwei Bilder. Auch der Vogel hat ein Haus gefunden. Luther und auch die ältere Elberfelder Übersetzung sagen, es ist der Spatz oder der Sperling.

Der Spatz ist eigentlich ein sehr einfacher Vogel. Manche sagen, er sei ein frecher Vogel. Ich finde die Spatzen tatsächlich lustig und schön. Sie sind sehr zufrieden, mit wenig zufrieden, und sie zwitschern den ganzen Tag – nicht nur morgens und abends, sondern den ganzen Tag.

Auch der Vogel hat ein Haus gefunden. Ich weiß nicht, wer von euch das Buch von Werner Gitt und Karl Ernst van Heyden kennt: „Wenn Tiere reden könnten“. Dort gibt es einen interessanten Artikel über die Spatzen. Ich erspare mir, euch daraus vorzulesen, kann euch aber nur Appetit machen. Das Buch ist so geschrieben, als würden die Tiere selbst von sich erzählen. Darin wird auch geschildert, dass es Gottes kleine Hausgenossen sind, so wie Luther es gesagt hat.

Der Herr Jesus nimmt Bezug auf die Spatzen. Spatzen waren damals nicht viel wert. In Matthäus 10,29 steht, man bekam zwei Sperlinge für einen Cent oder Pfennig – also für die geringste Minzeinheit damals gab es zwei Spatzen. Im Lukas-Evangelium Kapitel 12 heißt es, fünf Spatzen gab es für zwei Cent. Wer gut rechnen kann, merkt: Das ist ein Geschenk.

Daran erkennt man, dass Spatzen nichts wert waren. Wir können uns das heute kaum vorstellen. Aber offensichtlich waren damals, als die Söhne Korachs diesen Psalm gedichtet haben, Spatzen im Vorhof. Dort gab es sicherlich reichlich zu essen, denn am Brandopferaltar fiel immer etwas ab. Das war sicher für die Spatzen, sodass sie prima essen konnten.

Wir können uns kaum vorstellen, dass Spatzen bei uns im Gemeinderaum herumhüpfen. Aber offensichtlich hat es die Söhne Korachs nicht gestört. Sie machen den Vergleich: „Guckt euch die Spatzen hier an, sie haben ein Haus gefunden.“ Spatzen nisten in der Regel in einer Nische unter dem Dach. Sie sind sehr anpassungsfähig, haben bessere Augen als Menschen, ein starkes Herz, das 460 Mal in der Minute schlägt – mach das denen mal nach! – und besonders leichte Knochen. So wiegt ein Spatz nur dreißig Gramm.

Gott hat diesen Tieren etwas gegeben, damit sie überleben können, selbst unter widrigen Umständen.

Als zweites Bild gebrauchen die Söhne Korachs die Schwalbe. Die Schwalbe hat ein Nest, in das sie ihre Jungen legt. Könnt ihr euch das vorstellen, dass Schwalben am Tempel draußen nisteten? Demnach auf jeden Fall, oder? Also nicht nur am Kuhstall, sondern am Tempel.

Würden sie das heute machen? Stellt euch vor: Gut, am Kölner Dom wohnen die Tauben. Aber wenn heute Schwalbennester an Gotteshäusern wären, würde man sie wahrscheinlich entfernen, oder? Passt nicht, sie verdrecken alles. Jeder müsste Angst haben, wenn er unten vorbeigeht, dass er etwas auf den Anzug bekommt. Man hat den Eindruck, sie seien nicht sauber. Das kleckert da ganz schön, vor allem, wenn die Schwalben ihre Jungen füttern. Und das ist ein Gezwitscher!

Ich versuche mir das vorzustellen: Spatzen und Schwalben beim Tempel. Und wir sagen: „Passt nicht.“ Aber offensichtlich war das so. Die Söhne Korachs nehmen darauf Bezug und machen etwas deutlich: Der Spatz ist hier bei Gott zu Hause, und die Schwalben haben ein Nest für ihre Jungen beim Tempel.

Für mich ist die Frage dabei: Wo wachsen unsere Nachkommen auf? Heute hört man oft, dass Kinder mit in die Gemeinde kommen. Manche sagen, sie seien noch zu jung, sie verstehen nichts, also lassen wir sie zu Hause. Wir schieben sie ab in die Kinderstunde, in den Mutter-Kind-Raum.

Hier wird deutlich: Die Söhne Korachs machen klar, was Gott auch im 5. Buch Mose Kapitel 6 sehr deutlich sagt: Kinder gehören in den Gottesdienst. Im Neuen Testament finden wir das auch immer wieder.

Wenn Paulus zum Beispiel den Epheserbrief oder den Kolosserbrief schreibt, spricht er nicht nur die Eltern an: „Ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn“, sondern er spricht auch direkt die Kinder an: „Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern.“ Da steht nicht: „Ihr Eltern, sagt euren Kindern zu Hause, sie sollen gehorsam sein“, sondern Paulus spricht die Kinder direkt an.

Was heißt das? Kinder waren im Gottesdienst dabei, sie wurden durch den Brief direkt angesprochen. Natürlich stören sie manchmal, oder? Aber das gehört dazu. Offensichtlich stört sich Gott nicht so sehr an Kindergeplärre.

Jesus macht das deutlich, als er nach Jerusalem einzieht. Da rufen die Kinder, und die Pharisäer sagen: „Verwehrt ihnen das, das passt nicht.“ Jesus antwortet: „Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien.“ Aus dem Mund der Unmündigen hast du dir Lob bereitet – Gott ist kinderlieb.

Hier machen die Söhne Korachs einen Vergleich: Die Schwalben legen ihre Jungen in das Nest am Tempel. Wo wachsen deine Kinder auf?

Ich muss sagen, ich bin sehr dankbar. Als Hausmeister habe ich im Gemeindehaus gewohnt, und meine Kinder sind im Gemeindehaus groß geworden. Es war ihr Zuhause. Ich bin dankbar, dass mein Ältester, als wir nicht mehr Hausmeister sein konnten, sagte: „Papa, ich mache weiter.“ Die Geschwister waren froh, weil sie sagten: „Der weiß, was auf ihn zukommt.“ Aber mich hat es gefreut, dass die Kinder wirklich in der Gemeinde zu Hause waren.

Die Altäre im Haus Gottes als Zentrum

Und dann macht er einen Gedankensprung: Auch der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest für sich, wo sie ihre Jungen hingelegt hat. Deine Altäre, Herr der Heerscharen, mein König.

„Mein Gott“, macht deutlich, was das Zentrale beim Haus Gottes ist, damals bei der Stiftshütte oder beim Tempel. Er sagt, es sind die Altäre Gottes. Welche Altäre gab es damals beim Tempel, bei der Stiftshütte? Das eine war der Brandopferaltar, der im Vorhof stand, und das andere war der Räucheraltar. Dieser stand im Heiligtum vor dem Scheidevorhang, also vor dem Allerheiligsten.

Was war der Unterschied zwischen diesen beiden Altären? Der Brandopferaltar spricht von Sünde. Dort wurden Opfer dargebracht, wenn ein Mensch gesündigt hatte, um wieder mit Gott ins Reine zu kommen. Er brachte ein Opfertier, das an seiner Stelle starb.

Der Räucheraltar hingegen spricht von Anbetung. Dort wurde für das Volk durch den Hohen Priester gebetet. Auch das ist bis heute in der Gemeinde das Kernstück dessen, was wir als Christen tun.

Einmal dient die Gemeinde dazu, das Evangelium weiterzusagen. Auch für uns, die wir gläubig sind, ist es wichtig, uns von Sünde zu überführen, Buße zu tun und das Opfer des Herrn Jesus anzunehmen.

Zum anderen ist dieser Ort dafür da, dass wir Gott anbeten. Und er sagt dann: Mein König und mein Gott. Wir merken, dass der Dichter dieses Psalms eine ganz persönliche Beziehung zu Gott hat. Er ist für ihn der König, der Herr. Der, der zu sagen hat, und dem er sich unterstellt. Er ist mein Gott.

Er fasst das zusammen in Vers fünf: Glücklich sind, die in deinem Hause wohnen, stets werden sie dich loben. Das ist sozusagen das Ergebnis der ersten Strophe.

Wir finden in diesem Psalm drei Verse, in denen es um Glücklichsein geht. Hier ist das erste: Glücklich sind die, die in deinem Haus wohnen. Das heißt: Wohnst du im Haus Gottes oder kommst du nur zu Besuch?

Natürlich gehen wir vielleicht nur ein- oder zweimal in der Woche ins Gemeindehaus. Aber bist du dort wirklich zu Hause? Mir ist das bewusst geworden, als ich vor der Wende öfter in der Slowakei gewesen bin und Gemeinden besucht habe. Das war auffallend.

Die Geschwister dort in der Slowakei wohnten selbst sehr arm und einfach. Aber das Gemeindehaus war das Beste vom Besten. Sie gaben alles dafür. Man merkte, dass sie dort zu Hause waren, in ihrem eigenen Zuhause. Das war nur nebenbei.

Das hat mich sehr beeindruckt, muss ich sagen. Man merkte sehr deutlich, wo sie innerlich zu Hause waren: stets werden sie dich loben.

Dann folgt ein instrumentales Zwischenspiel, so dass die Zuhörer dieses Psalms nachdenken konnten.

Strophe 2: Stärke in Gott und Vertrauen in schwierigen Zeiten

Die zweite Strophe, Verse sechs bis neun

Glücklich ist der Mensch, dessen Stärke in dir ist. Die erste Strophe endet mit dem Wort „glücklich“, und die zweite beginnt ebenfalls mit „glücklich“.

In dieser zweiten Strophe geht es um Dank für Beistand und Hilfe. Glücklich ist der Mensch, dessen Stärke in dir ist, in dessen Herz gebahnte Wege sind. Und das weißt du sicherlich auch: Wenn bei dir alles mit Gott in Ordnung ist, dann bist du glücklich.

Der Psalmdichter fährt fort: Sie gehen durch das Tränental – oder, wie Luther sagt, das Jammertal – und machen es zu einem Quellort. Ja, Segnungen bedeckt es der Frühregen, selbst in schwierigen Zeiten, selbst wenn Not da ist, wenn Krankheit da ist.

Wo bekommen wir Trost her, wo bekommen wir Kraft her? Ich denke, es ist immer das Wort Gottes, das Lebenswasser, das, was Jesus uns gibt. Vielleicht kennst du auch manche Gläubigen, die auf dem Krankenbett liegen. Du gehst vielleicht hin, um sie zu ermutigen, ihnen Trost zu geben, und sie strahlen dich trotz Schmerzen an. Dann bist du getröstet, wenn du von ihnen weggehst. Selbst im Tränental haben sie Brunnen, haben sie Quellorte.

Es ist gut, dass wir das Wort Gottes haben, dass wir Jesus selbst haben und wissen dürfen: Jesus ist bei mir, auch wenn es mir schlecht geht. Sie gehen von Kraft zu Kraft. Sie erscheinen vor Gott in Zion.

Offensichtlich wird dem Psalmdichter, oder es kommt ihm in Erinnerung: Wenn die Israeliten nach Jerusalem hinaufgingen zum Tempel, um dort die Feste zu feiern oder zu opfern, dann kamen sie in der Regel durch den Wadi Kelt von Jericho nach Jerusalem. Jericho liegt 400 Meter unter dem Meeresspiegel, Jerusalem 800 Meter über dem Meeresspiegel. Das ist ein Höhenunterschied von 1.200 Metern.

Ich bin diese Strecke zum Glück nur mit dem Auto gefahren. Aber ich habe mir vorgestellt, dass Jesus mit seinen Jüngern diesen Weg gegangen ist. Und die ganzen Israeliten, wenn sie zum Haus Gottes gingen, mussten 1.200 Meter Höhenunterschied bewältigen. Auf dem Weg haben sie gesungen.

Du sagst: „Keine Kraft mehr“, du „pfeifst auf dem letzten Loch“, selbst wenn du bis in die dritte Etage gehst. Aber der Psalmdichter sagt: Sie gehen von Kraft zu Kraft. Wenn der Herr Jesus mein Alles ist, wenn Gott mein Alles ist, dann kann ich bei ihm Kraft schöpfen.

Sie erscheinen vor Gott in Zion. Jedem Israeliten war es aufgetragen, dreimal im Jahr vor Gott in Jerusalem zu erscheinen. Dieser Weg durch den Wadi Kelt ist ein sehr beschwerlicher Weg. Er war schmal, und man musste im Gänsemarsch gehen.

1.200 Kilometer wären ein bisschen zu weit, also sind es 1.200 Meter Höhenunterschied. Dann kommen sie in Jerusalem an. In der Regel kommt man, wenn man diesen Weg hochgeht, über Bethphage und Bethanien auf den Ölberg. Von dort hat man einen gewaltigen Blick über Jerusalem.

Das ist selbst heute beeindruckend, wo der Tempel nicht mehr steht, sondern der Felsendom. Ich habe mir vorgestellt: Wir hatten es damals gut, wir sind mit dem Bus gefahren. Aber wenn man die Strecke hinter sich hat, völlig außer Puste, dann macht man oben Pause, erholt sich erst, bevor man zum Tempel geht.

„Herr Gott der Heerscharen, höre mein Gebet, vernimm es, Gott Jakobs!“ So merken wir, wie der Psalmist den Berg herauf in die Gegenwart Gottes kommt. Das, was er auf dem Herzen hat, bringt er zu Gott.

Das bewegt mich auch: Gott nennt sich der Gott Jakobs. Wir haben in den letzten Monaten in unseren Hauskreisen das Leben Jakobs durchgenommen. Und da muss man sich wirklich wundern, dass Gott sich nicht schämt, der Gott Jakobs genannt zu werden.

Jakob war ja ein Schlitzohr ohne Ende, der betrogen hat. Und wie lange hat es gebraucht, bis Gott ihn klein gekriegt hat! Trotzdem nennt Gott sich der Gott Jakobs – nicht nur der Gott Israels, das ist er auch –, sondern der Gott Jakobs. Das heißt: Gott sagt Ja zu diesem knorrigen Menschen.

Ich bin dankbar, dass er auch mein Gott ist, dass er mit mir ebenso Geduld hat wie mit Jakob. Und dann gibt es wieder ein Zwischenspiel zum Nachdenken über das, was gesagt wurde.

Strophe 3: Gebet um Schutz und die Überlegenheit eines Tages bei Gott

Strophe drei, Verse zehn bis dreizehn. Er bringt sein Anliegen vor Gott vor und sagt: „Blick doch, Gott, auf unserem Schild, schaue an das Gesicht deines Gesalbten.“

Damals geht es um den König, doch die Formulierung ist so gewählt, dass wir sie auch auf den Herrn Jesus anwenden können. Er ist unser Schild, der eigentliche Gesalbte, der Messias, der Christus.

Er sagt weiter: „Ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend. Ich will lieber an der Schwelle stehen im Hause meines Gottes als wohnen in den Zelten des Unrechts.“

Das ist eine gewaltige Relation, oder? Ein Tag ist besser als tausend. Ich überlege: Ein Tag in der Gegenwart Gottes ist besser als knapp drei Jahre ohne Gott. Und wir spüren diesen Unterschied.

Jedes Mal merke ich, wenn ich nicht in der Gemeinde war, dass mir etwas fehlt. Es ist etwas anderes, ob ich zu Hause im Radio oder Fernsehen Gottesdienst schaue oder höre, oder ob ich selbst dabei bin.

Ich sage mir oft: Gut, die Zeit wird wahrscheinlich noch kommen, in der ich nicht mehr mobil genug bin, um in die Gemeinde zu gehen. Dann ist so etwas vielleicht ganz gut. Aber solange ich noch irgendwie gehen kann, möchte ich zur Gemeinde gehen.

„Ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend“, denn sagt der Psalmdichter: „Gott, der Herr, ist Sonne und Schild. Gnade und Herrlichkeit wird der Herr geben, kein Gutes vorenthalten denen, die in Lauterkeit wandeln.“

Gnade und Herrlichkeit. Gnade wurde sichtbar, als der Herr Jesus zum ersten Mal auf diese Erde kam. Er brachte Gnade, damit wir Vergebung bekommen.

Wenn er das zweite Mal kommen wird, in Macht und Herrlichkeit, dann wird seine Herrlichkeit sichtbar. Beim ersten Mal sahen nur die Eingeweihten seine Herrlichkeit, wie Johannes in Johannes 1,14 sagt: „Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“

Äußerlich sah der Herr Jesus nicht herrlich aus. Er war nicht so, wie er meistens gemalt wird. Er sah aus wie ein Sünder. Die Menschen sagten: „Du bist noch nicht mal 50 Jahre alt und du wirst Abraham gesehen haben?“ Wie alt war der? Gerade 30, oder? Und die Leute sagen 50.

Wir merken, der Herr Jesus war nicht dieser blond gelockte Jüngling, sondern ein Mensch wie du und ich. Er sah aus wie ein Sünder, in Gleichgestalt des Leibes der Sünde. Doch in ihm steckte die Herrlichkeit.

Die Jünger sagten: „Wir sahen seine Herrlichkeit.“ Wahrscheinlich denkt Johannes an den Augenblick auf dem Berg der Verklärung, wo Jesus umgestaltet wurde und sie ein wenig von seiner Herrlichkeit sahen.

Gott ist Sonne und Schild. Gott erwärmt und er schützt. Und ich bin dankbar, dass Jesus das für uns auch ist – und weit mehr noch.

Wir dürfen heute durch das Neue Testament vieles erkennen und wissen, was damals die Söhne Koras noch nicht kannten. Aber die Söhne Koras kommen dann zu diesem Schlussakkord: „Herr der Herrscharen, glücklich ist der Mensch, der auf dich vertraut.“

Das wünsche ich auch uns hier: Wenn es euch mal nicht gut geht, lest diesen Psalm. Mich tröstet Psalm 84 immer wieder, bis man zu diesem Schlussakkord kommt: „Herr der Herrscharen, glücklich ist der Mensch, der auf dich vertraut.“

Auch wenn es mir äußerlich nicht gut geht, darf ich wissen, dass er für mich da ist und mich durchträgt. Amen.

© Autor, Referent: Eberhard Platte

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