Zum Inhalt

Die Verhärtung des Pharao

1. Mose 29,3116.03.2025
Warum verhärtet Gott das Herz des Pharao? Was steckt hinter diesem krassen Widerstand gegen Gott? Die Geschichte zeigt: Gott gibt dem Pharao genau die Kraft, die er braucht, um stur zu bleiben – aber nicht willkürlich, sondern um seine Macht zu zeigen und eine Chance zur Umkehr zu bieten. Was bedeutet das für unser eigenes Herz – ist es weich oder schon verstockt?

Einleitung und Ausgangspunkt der Bibellese

So, ich hoffe, dass ihr alle bei dieser Bibelleseaktion mitmacht. Das war das mit diesem Ding hier, was wir vorhin schon angesagt haben.
Wenn ihr da dabei seid, dann habt ihr euch die letzten Wochen durch 2. Mose gearbeitet, habt den Pharao kennengelernt und die zehn Plagen, also zehn Plagen, die dem Auszug aus Ägypten vorangehen. Und ihr habt dabei ein Thema kennengelernt, was vielleicht ein bisschen verblüffend war.
Das Thema lautet die Verhärtung oder Verstockung des Pharao. Es geht um ein Phänomen, das sich zum Beispiel in 2. Mose 11,10 zeigt. Da heißt es: Aber der Herr hatte das Herz des Pharao verstockt, so dass er die Söhne Israel nicht aus seinem Land ziehen ließ.
Darum soll es gehen. Was heißt es, dass Gott das Herz des Pharao verstockt?
Um in das Thema einzusteigen, gehe ich ein klein bisschen zurück und schaue uns erst einmal einen anderen Text an, der etwas mit dem Thema Erwählung zu tun hat. Das hatten wir vor kurzem als Thema in einer Predigt, wenn ihr euch noch daran erinnert. Da ging es um Erwählung.
Ich hatte damals gesagt, dass Gott, wenn es um Aufgaben geht, die er in der Heilsgeschichte verteilt, wen er will erwählt. Das heißt: Gott erwählt. Derjenige kann dann immer noch Nein sagen. Aber im Blick auf diese Auswahl, welchen Job ich in der Heilsgeschichte bekomme, ist Gott völlig souverän. Er erwählt, wen er will.
Ich will euch das noch einmal an einem Beispiel zeigen: Esau und Jakob. Im Raum steht im Alten Testament die Frage, über wen von beiden, das sind die beiden Söhne von Isaak und Rebekka, die Heilslinie geht. Und da heißt es in Römer 9,11-13: Denn als die Kinder noch nicht geboren waren und weder Gutes noch Böses getan hatten, damit der nach freier Auswahl gefasste Vorsatz Gottes bestehen bleibt, nicht aufgrund von Werken, sondern aufgrund des Berufenden, wurde zu ihr gesagt: Der Ältere wird dem Jüngeren dienen. Wie geschrieben steht: Jakob habe ich geliebt, aber Esau habe ich gehasst.
Das ist so ein Moment in der Heilsgeschichte. Der Ältere wird dem Jüngeren dienen. Esau, der Ältere, wird Jakob, dem Jüngeren, dienen. Wie geschrieben steht: Jakob habe ich geliebt, aber Esau habe ich gehasst.
Achtung: Geliebt und gehasst hat hier überhaupt nichts mit Rettung zu tun. Es geht darum, dass Gott den einen bevorzugt, das ist nämlich Jakob. Jakob wird Teil der Heilslinie. Und den anderen, und das ist der Erstgeborene, das ist Esau, den nimmt er nicht.
Ich muss etwas sagen zu dieser Formulierung geliebt und gehasst. Man findet sie manchmal in der Bibel im Blick auf Beziehungen, und wir müssen sie vielleicht sauber verstehen. Ich habe euch mal zwei Beispiele mitgebracht.
Da heißt es in 1. Mose 29,31: Und als der Herr sah, dass Lea jetzt wird hier übersetzt zurückgesetzt, wörtlich steht da aber gehasst war, da öffnete er ihren Mutterleib; Rahel aber war unfruchtbar.
Worum geht es? Der gute Jakob hatte eine Lieblingsfrau, die Rahel. Und die Tatsache, dass er Rahel mehr liebte als Lea, die wird jetzt hier bezeichnet als gehasst.
Ihr merkt euch das bitte: Im Blick auf Beziehungen kann in der Bibel formuliert werden, hassen und lieben als Gegensatzpaar, und gemeint wird dabei: Den einen mag ich mehr als den anderen. Es geht nicht um ein wörtliches Hassen. Jakob hat diese Lea so sehr gehasst, dass er trotzdem sieben Kinder mit ihr gezeugt hat, damit wir das verstehen.
Ich zeige euch noch eine Stelle, wo das auch im Neuen Testament übernommen wird. Das ist einfach eine Art, wie Semiten sprechen. Das ist einfach eine Sprachform. Hier Lukas 14,26: Wenn jemand zu mir kommt, sagt der Herr Jesus, und hasst nicht seinen Vater und die Mutter und die Frau und die Kinder und die Brüder und die Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein.
Es ist genau der gleiche Gedanke. Hassen im Sinne von weniger lieben. Ich darf andere Menschen nicht mehr lieben als Jesus. Ich muss sie in gewisser Weise zurücksetzen. Ich muss sagen: Ich mag euch, aber ich mag Jesus mehr. Und natürlich würden wir niemals sagen, wir sollen als Christen jemanden hassen im Sinne von: Wir wünschen ihm etwas Böses.
Okay, so weit dazu, damit wir die Stelle richtig verstehen.
Zurück zu Römer 9: Jakob wird erwählt, Esau nicht. Gott ist souverän. Und diese Souveränität zeigt sich jetzt auch noch an anderer Stelle. Römer 9,14: Was sollen wir nun sagen? Ist etwa Ungerechtigkeit bei Gott? Auf keinen Fall.
Warum nicht? Weil Gott für seine Zwecke verwenden kann, wen er will. Und wenn man im Text weiterliest, gibt es ein Beispiel. Das nächste Beispiel ist das Volk Israel, und zwar kurz nachdem sie ums goldene Kalb herumgetanzt waren. Da hätte Gott sie an dieser Stelle einfach verwerfen können, aber er tut es nicht. Er erbarmt sich über dieses Volk und macht mit dem Volk weiter.
Und dann heißt es in Römer 9,17, und jetzt nähern wir uns langsam dem Pharao: Denn die Schrift sagt zum Pharao: Eben hierzu habe ich dich erweckt, damit ich meine Macht an dir erweise und damit mein Name verkündigt wird auf der ganzen Erde. Also nun, wen er will, dessen erbarmt er sich.
Das war die Geschichte mit Israel, das ums goldene Kalb herumtanzt und wo Gott sagt: Okay, ich mache mit euch weiter. Wen er will, dessen erbarmt er sich. Und wen er will, den verhärtet er.
Hier ist unser Thema, mit dem Pharao. Und wir haben hier die klare Aussage, dass Gott den Pharao verhärtet, um seine Macht an ihm zu erweisen, damit mein Name verkündigt wird auf der ganzen Erde.
Also, so sehr man sich mit dem Volk Israel freut, dass Gott mit denen weitermacht, obwohl sie Götzendiener sind. Ja, die sind noch gar nicht ganz durch, das ist auch mit ihrem Glauben noch lange nicht weit her, aber Gott macht mit ihnen weiter in der Heilsgeschichte. Es klingt irgendwie, wenn man das liest, unfair gegenüber dem Pharao, wenn Gott ihn verhärtet, um an ihm ein Exempel zu statuieren. Also ich finde das unfair, ich finde das fast ein bisschen ungerecht, also ich finde es eigentlich richtig ungerecht.
Und immer, wenn ihr so etwas in der Bibel habt, so dieses: Ich kratze mich am Kopf, dann habt ihr so einen Aha-Moment, okay? Und Aha-Momente sind einfach das Beste, was euch beim Bibellesen begegnen kann. Also statt zu sagen: Ich verstehe ja gar nichts, nee, nee, nee, nee, das sind die Momente, wo ihr, ich sage mal, wo ihr mehr Zeit ins Nachdenken investieren müsst, wo es richtig spannend wird.
Ich saß vorher mit ein paar Jungs zusammen, die haben ihre Fragen gestellt. Das sind so Momente, wo man selber nicht weiterkommt. Wie passt das? Ja, super, einfach super. Bleibt da dran, gönnt euch Kopfkratz-Aha-Momente ohne Ende, das ist richtig, richtig gut.
Also die Frage lautet: Wie passt die Idee eines liebenden Vaters zu der Verhärtung des Pharao? Hat Gott Unbußfertigkeit und Schuld bewusst im Leben von dem Pharao produziert, gemacht, um damit seine Macht herausstellen zu können? Das ist die Frage. Darum wollen wir uns heute drehen.
Und ich steige mal ganz einfach ein: Mose. Ja, wer ist Mose? Mose ist ein Levit, stammt also aus dem Volk Israel, aus dem Stamm Levi. Seine Eltern heißen Amram und Jochebed. Mose wird, obwohl Israelit, am Hof des Pharao erzogen, muss dann, als er vierzig Jahre alt ist, in die Wüste fliehen. Warum? Weil er jemand anderen umgebracht hat.
Dort in der Wüste begegnet er seiner Frau, heiratet die, also er begegnet auch vielen Ziegen, aber im Wesentlichen seiner Frau, heiratet die, bekommt zwei Söhne, und dann geht mal vierzig Jahre lang gar nichts. Und nach vierzig Jahren, da ist er dann achtzig, da begegnet ihm Gott am Berg Horeb, brennender Dornbusch. Gott sagt: Hallo, schön, dass du noch da bist, ich habe einen Job für dich. Wie wäre es, wenn du wieder nach Ägypten zurückgehst und dort zum Pharao sagst: Lass mein Volk ziehen!
 2. Mose 5,1. Das macht der dann auch. Danach gingen Mose und Aaron, Aaron ist sein Bruder, hinein und sagten zum Pharao: So spricht der Herr, der Gott Israels: Lass mein Volk ziehen, damit sie mir in der Wüste ein Fest feiern.
So, das ist der Job. Also das ist Mose, kommt zurück und sagt: Hey, lieber Pharao, wir wollen hier raus. Wir haben genug.
Der Pharao hat natürlich null Interesse daran, das Volk Israel ziehen zu lassen. Von Anfang an wird völlig klar: Ganz im Gegenteil. Mose kommt und sagt: Wir wollen weg, und der Pharao sagt: Okay, ich habe euch bis jetzt ein bisschen unterdrückt, jetzt werde ich diesen Frohendienst mal so richtig fett machen, damit ihr nicht auf so blöde Gedanken kommt, hier abhauen zu wollen.
 2. Mose 6,1: Alles, was jetzt kommt, läuft unter dieser Überschrift. Der Herr jedoch sprach zu Mose: Nun sollst du sehen, was ich dem Pharao antun werde. Also, der ist nicht einsichtig, und Gott sagt: Den kochen wir jetzt klein, denn durch eine starke Hand gezwungen wird er sie, das ist das Volk Israel, ziehen lassen, ja, durch eine starke Hand gezwungen wird er sie aus seinem Land hinausjagen.
Das heißt, von Anfang an ist klar: Der Pharao möchte sich nicht beugen. Aber Gott wird ihn zwingen. Wie tut er das? Das ist ganz drollig.
Zuerst gibt es so eine Wizard Battle. Also da kommen so die Hofzauberer auf der einen Seite und Mose auf der anderen Seite. Und dann heißt es da am Ende, 2. Mose 7,13: Doch das Herz des Pharao verstockte sich, und er hörte nicht auf sie, so wie der Herr gesagt hatte. Und der Herr sprach zu Mose: Das Herz des Pharao ist verstockt, er weigert sich, das Volk ziehen zu lassen.
So, es ist von Anfang an jetzt wichtig, dass ihr genau zuhört, wer das Herz verstockt. Hier wird klar: Es ist der Pharao, der sein Herz verstockt. Es ist nicht Gott, der sagt: Du musst jetzt hier was tun, was du gar nicht tun willst. Es startet damit, dass der Pharao selber sein Herz verstockt. Und Gott weiß das natürlich. Sagt es dem Mose auch. Aber jetzt geht es weiter mit den Plagen.
Plage eins: Wasser des Nil wird zu Blut. Dann lesen wir 2. Mose 7,22: Aber die ägyptischen Zauberer taten dasselbe mit ihren Zauberkünsten, und so verstockte sich das Herz des Pharao, und er hörte nicht auf sie, so wie der Herr es gesagt hatte.
Okay, eine Plage hat nicht gereicht. Plage zwei: Frösche. Wir lesen 2. Mose 8,11: Als aber der Pharao sah, dass er Luft bekommen hatte, verstockte er sein Herz und hörte nicht auf sie, so wie der Herr es gesagt hatte.
Okay, dann gibt es Plage Nummer drei, die Mücken. Da lesen wir 2. Mose 8,15: Da sagten die Wahrsagepriester zum Pharao: Das ist der Finger Gottes. Also die Zauberer kriegen langsam, ich will mal sagen, so ein bisschen Muffensausen. Die merken: Ah, jetzt müssen wir das zumindest mal so aus unserer okkulten Expertenmeinung heraus sagen, das ist jetzt heikel, das ist der Finger Gottes. Aber das Herz des Pharao blieb verstockt, er hat sein Herz verstockt, es bleibt verstockt, und er hörte nicht auf sie, wie der Herr geredet hatte.
Okay, Plage vier, dann gibt es eben Stechfliegen, 2. Mose 8,28: Aber der Pharao verstockte sein Herz auch diesmal und ließ das Volk nicht ziehen.
Okay, Plage Nummer fünf: Viehpest, 2. Mose 9,7: Und der Pharao sandte hin, und siehe, von dem Vieh Israels war auch nicht ein Stück gestorben. Aber jetzt hätte man ja sagen können: Ja, hast du was gelernt, Freund? Aber das Herz des Pharao blieb verstockt, und er ließ das Volk nicht ziehen.
Ich hoffe, ihr habt das jetzt mitbekommen. Was dieser Text so hintereinanderweg zum Ausdruck bringen möchte, wenn es hier ums Verstocken oder Verhärten geht, ist: Der Pharao ist derjenige, der sein Herz eben nicht ganz bewusst auf Gott ausrichtet.
Plage Nummer sechs: Geschwüre. Und jetzt wird es spannend. Bis eben haben wir gelesen: Er verstockte sein Herz. Jetzt bei Plage Nummer sechs lesen wir etwas anderes. Es heißt plötzlich in 2. Mose 9,12: Doch der Herr verstockte das Herz des Pharao, und er hörte nicht auf wie, wie der Herr zu Mose geredet hatte.
Merkt ihr? Fünf Plagen lang lesen wir: Der Pharao verstockt, blieb verstockt, verstockt, blieb verstockt. Und jetzt plötzlich, nach fünf Plagen, bei Plage sechs, hört sich das ganz anders an. Jetzt plötzlich macht Gott das.
Frage: Worum geht es eigentlich, wenn Gott das Herz eines Menschen verhärtet oder verstockt? Das ist ein ganz spannender Gedanke, weil das im Deutschen in meinen Augen ganz schlecht rüberkommt. Das hebräische Wort, und es sind insgesamt drei verschiedene Worte, die hier im Hintergrund stehen, bedeutet zuerst einmal stark sein oder stark werden.
Und ich zeige euch dieses Wort, was mit verhärten übersetzt wird, jetzt mal an einer ganz anderen Stelle: 5. Mose 31,6: Seid stark und mutig, fürchtet euch nicht und erschreckt nicht vor ihnen. Das ist das Wort für verhärten, stark sein, stark werden, chasak. Hier: Seid stark.
Wenn ihr das jetzt im Hinterkopf habt: Es geht bei der Verhärtung darum, wörtlich, dass man jemanden stark macht, dass man ihn fest macht. Es ist wirklich wichtig, dass ihr das an dieser Stelle gut versteht. Es geht biblisch beim Thema Verstockung oder Verhärtung nicht darum, dass Gott einem Menschen seinen Willen aufzwingt. Es geht also nicht darum, dass der Mensch gut sein will und Gott sagt: Ich mache dich jetzt böse. Darum geht es nicht.
Es geht vielmehr darum, dass der Pharao von Gott in eine Situation hinein eine Portion Kraft, nenn es ruhig übernatürliche Kraft, bekommt, um das zu leben, was in seinem Herzen drin ist, was er leben möchte, also in dem Fall an diesem Widerstand festzuhalten. Obwohl die Umstände so erdrückend werden, dass eigentlich jeder vernünftig denkende Mensch sagen müsste: Also schon aus reinem Pragmatismus lasse ich es jetzt sein. Ich will es nicht, aber eigentlich macht es Sinn.
Und in diese Situation hinein gibt Gott extra Kraft. Und deswegen haben wir in unseren Bibeln die Übersetzung verhärtet, verstockt oder Verhärtung und Verstockung. Eigentlich ist das erst einmal nichts anderes als Kräftigung. Gott kräftigt das Herz des Pharao.
Und das Spannende, was wir eben gelesen haben in 2. Mose 9,12: Wenn er das das erste Mal tut, das Spannende ist, warum macht er das eigentlich? Und die Antwort lautet: Er gibt ihm Kraft, damit der Pharao in eine Situation hineinkommt, die so katastrophal ist, dass er an der Stelle in seinem Herzen berührt wird, also er verhärtet quasi das erste Mal, um dem Pharao eine Situation zu schaffen, dass der jetzt hoffentlich endlich im Angesicht der absoluten Katastrophe Buße tut.
Hier, wir lesen das in 2. Mose 9,14: Denn diesmal will ich all meine Plagen in dein Herz, unter deine Hofbeamten und unter dein Volk senden, damit du erkennst, dass niemand auf der ganzen Erde mir gleich ist.
Also Gott verhärtet hier in der sechsten Plage. Er tut das erst einmal, das ist der erste Grund. Er tut es erst einmal, um diesen Sturkopf von Pharao in eine Situation zu bringen, die so kaputt und überwältigend ist, dass der eine Chance bekommt auf echte Buße.
Und der Clou: Andere Ägypter ergreifen diese Chance. Das ist der Clou. Andere, bis dahin, dass sie mit dem Volk Israel aus Ägypten ausziehen. Der Pharao tut das nicht. Er denkt nicht an Umkehr, und er verhärtet dann tatsächlich, das könnt ihr nachlesen, er verhärtet selber in 2. Mose 9,35 noch einmal sein Herz, und dann kommt er tatsächlich aus dieser Haltung auch nicht mehr raus.
Dann ist Gott am Zug, der jetzt, und wenn wir weiter lesen würden, würden wir das merken, jetzt kommt Gott und verhärtet ihn. Der Pharao hatte seine Chance. Er hat fünf Plagen lang gesagt: Nein, ich will nicht. Dann kommt Gott noch mal, will ihn noch mal gewinnen, er will immer noch nicht, und jetzt benutzt Gott diesen widerspenstigen Pharao als ein Mittel, um sich zu verherrlichen.
Lasst uns das gut festhalten: Irgendwann ist Schluss. Und natürlich, diese verächtliche Einstellung des Pharao ist von Anfang an da, 2. Mose 5,2. Das ist so, wenn Mose das erste Mal da vorbeikommt, dann sagt er sowas wie: Wer ist der Herr, dass ich auf seine Stimme hören sollte?
Also wenn Mose den Pharao verhärtet oder besser kräftigt, dann gibt er ihm innere Stärke an dieser Entscheidung, ungehorsam zu sein, um an dieser Entscheidung festzuhalten, obwohl um ihn herum eine Katastrophe nach der anderen geschieht. Also Gott hilft dem Pharao nicht, gegen seinen Willen vor den Plagen zu kapitulieren. Jeder andere würde das vielleicht machen, aber Gott sagt: Ich gebe dir die Kraft, deinen Willen, der gegen mich ist, deinen Ungehorsam auszuleben.
Frage: Warum tut er das? Na ja, ganz einfach, das wissen wir ja schon: Weil Gott in seiner Souveränität jetzt diesen Pharao benutzt und sagt: Okay, Freund, dann benutze ich dich. Ich benutze dich als abschreckendes Beispiel.
 2. Mose 9,15: Denn schon jetzt hätte ich meine Hand ausstrecken und dich und dein Volk mit der Pest schlagen können, so dass du von der Erde ausgetilgt worden wärst.
Also wir müssen uns das vor Augen halten: Diese Plagen, die so dramatisch rüberkommen, sind eigentlich nur die kleine Version von dem, was Gott wirklich kann. Hätte dich fertig machen können, habe ich aber nicht getan. Aber eben deshalb habe ich dich bestehen lassen, um dir meine Macht zu zeigen und damit man auf der ganzen Erde meinen Namen verkündigt.
Darum geht es Gott jetzt. Ich benutze dich als abschreckendes Beispiel. Und der Clou ist: Das funktioniert. 40 Jahre oder knapp 40 Jahre später zieht Israel ins verheißene Land ein, und Rahab die Hure sagt noch: Ey, ihr habt alle Angst vor euch. Ja, warum habt ihr Angst? Ja, wir haben uns da, wir erinnern uns an das, was euer Gott unserem, also dem Pharao angetan hat, und wir haben da ziemlich Sorge, dass das bei uns genau so laufen könnte.
Könnt ihr am Anfang von Josua einfach mal durchlesen.
Frage: Wusste Gott von vorneherein, dass der Pharao sich dagegen stellt? Da muss man schon sagen: Na klar, ist ja logisch. Also, wir können Gott nicht überraschen. Das merkt man hier, 2. Mose 4. Also bevor diese ganzen Plagen losgehen, bereitet Gott den Mose schon auf so einen Sturkopf vor. Er sagt hier: Und der Herr sprach zu Mose: Wenn du hinziehst, um nach Ägypten zurückzukehren, sieh zu, dass du all die Wunder, die ich in deine Hand gelegt habe, vor dem Pharao tust, und ich, ich will sein Herz verstocken.
Also das wusste Gott schon. Das ist jetzt nicht so, dass Gott irgendwie nach der fünften Frage denkt: Huch, was machen wir denn jetzt? Ich dachte immer, der würde noch umkehren oder so. Das war ihm schon klar. Ich will sein Herz verstocken, so dass er das Volk nicht ziehen lassen wird.
Gott weiß, was kommen wird. Natürlich kennt Gott die Zukunft. Und er weiß eben auch, was wirklich im Herzen eines Pharao und natürlich auch in deinem Herzen ist. Gott kennt dein Herz durch und durch.
So, warum diese Predigt? Es gibt einen ganz pragmatischen Grund: Ich habe noch nie darüber gepredigt. Man muss mal über Sachen predigen, über die man noch nicht gepredigt hat. Dann aber auch, weil es gut zu diesem Thema Auserwählung passt, das ist eine Frage, die häufiger gestellt wird, und weil ich möchte, dass wir Römer 9 an der Stelle verstehen.
 Römer 9,18 hieß es: Also nun, wen er will, dessen erbarmt er sich, und wen er will, den verhärtet er. Das ist im Blick auf den Pharao gesagt. Und es stimmt: Gott gibt ihm Kraft, er verhärtet ihn, er gibt ihm Kraft, trotz der Plagen sich gegen Gott aufzulehnen. Wen er will, verhärtet er.
Gott entscheidet sich dafür, dem Pharao eine Extraportion Mut und Entschlossenheit zu geben. Warum? Damit der für andere zu einem abschreckenden Beispiel wird. Das muss er nicht tun, und vor allem: Er benutzt den Pharao nicht gegen seinen Willen, er schenkt ihm quasi mehr Willen.
Genau das, was er in seinem Herzen sich wünscht, plötzlich merkt er: Wow, das fällt mir ja ganz leicht, hier gegen Gott zu sein, das ist ja total cool, ja? Ich kann ja, obwohl hier alle verzweifelt sind, immer noch dagegenhalten.
Stimmt, es ist so, dass Gott dem Pharao Kraft gibt, genau das voll auszuleben, was der an Bosheit im Herzen hat, aber eben Achtung: auch bis zum bitteren Ende. Okay, das muss uns auch klar sein.
Kommen wir zum Schluss. Anwendung: Was machen wir damit? Du kannst ja sagen: Ich bin kein Pharao. Ja, stimmt. Drei Lektionen, und es sind drei wichtige Lektionen.
Lektion Nummer eins, und es ist wichtig, dass wir das verstehen: Gott verhärtet irgendwann das Herz des Pharao. Das heißt, es gibt im Leben ein Zuspät, und zwar bevor du tot bist. Wenn du dich nur lange genug gegen Gott stellst, dann sagt Gott irgendwann mal: Okay, Freund, das kannst du haben, dann nicht.
Und der Pharao ist ein gutes Beispiel dafür. Der hat fünf Plagen lang sein Herz verhärtet, kriegt eine Verhärtung, und dann verhärtet er noch einmal sein Herz. Und dann sagt Gott bei Plage acht und bei Plage neun: Jetzt verhärte ich dein Herz, jetzt ist es zu spät. Warte nicht, bis du stirbst. Warte nicht, bis du auf dem Totenbett liegst, um dich zu bekehren. Es könnte viel zu spät sein.
Das heißt in Hebräer 3,15: Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht. Und das wird zum Volk Gottes gesagt, das wird zu uns gesagt. Und deswegen dürfen wir uns die Frage stellen: Gibt es da in meinem Herzen so kleine Bereiche, die anfangen, sich zu verhärten?
Wenn ich an irgendeiner Stelle ein bisschen hart geworden bin, das fängt ja immer nur so ganz klein an, gibt es in meinem Leben diesen Gedanken, dass ich so ein bisschen mein eigenes Ding drehen will, dass ich mich irgendwo nicht mehr korrigieren lasse, dass ich ein bisschen an einer schlechten Gewohnheit festhalte, dass ich Gott nicht mehr in mein Leben hineinsprechen lasse, überall, oder Sünde nicht mehr bekenne? Das fängt nicht. Das ist nicht vollwertiger Ungehorsam, von Null auf Abfall, das ist von Null auf ein bisschen Verhärtung, ein klein bisschen, wo du merkst: Da möchte ich Gott nicht mehr das Recht geben, ganz in mein Leben hineinzusprechen. Das ist der Punkt, dass ich anfange, in meinem Leben irgendwo mein Herz hart zu machen, und es ist nicht mehr weich, weich dafür, dass Gott in mein Leben hineinspricht.
Erster Punkt: Es gibt ein Zuspät. Lasst uns da wirklich vorsichtig sein. Und das ist auch ein Stückchen vielleicht für alle die, die noch nicht gläubig sind hier im Raum: Nehmt das mit, es gibt ein Zuspät.
Zweiter Punkt: Gott ist souverän im Leid. Das heißt: Aber Gott braucht den Widerstand, und er braucht Feinde für seine Zwecke. Ihr müsst euch vorstellen, der Pharao stellt sich hin und sagt: Ich werde Gottes Plan aufhalten. Falsch, wirst du nicht. Du wirst letztlich mit deinem ganzen Widerstand einfach nur ein Werkzeug in Gottes Hand.
Was heißt das für uns? Das heißt, wenn du in deinem Leben Ablehnung und Widerstand erfährst und auf Ungerechtigkeit stößt, weißt du was? Du darfst darauf vertrauen, Gott ist souverän. Der kann diesen Widerstand in deinem Leben zu seiner Ehre und zu deinem Vorteil benutzen. Deswegen steht in der Bibel, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken müssen. Gott ist einfach auch im Leid, wo du sagst, souverän und macht sein Ding.
Und dann drittens: Gott ist Liebe und unparteiisch. Und das heißt, Gott ist nicht ungerecht, Gott ist wirklich Liebe. Er ist auf der einen Seite souverän, aber er ist nicht parteiisch. Er will, dass alle Menschen gerettet werden.
Wenn man im Detail hinschaut, merkt man: Sein Herz schlägt sogar für einen Pharao, obwohl der sich wirklich mit aller Macht dagegen wehrt, gerettet zu werden. Das will der überhaupt nicht. Aber man merkt, dass Gott trotzdem um seine Seele ringt.
Und mich fasziniert das, weil es mir selber hilft. Es hilft mir, mit Liebe auf solche Leute zu reagieren, die mir vielleicht das Leben schwer machen oder die zumindest meiner Vorstellung von einem guten Leben sich da in den Weg stellen. Und wenn ich merke, dass Gott so ein Herz für so einen Pharao hat und um ihn ringt, Plage für Plage für Plage, dann denke ich mir: Okay, wenn Gott Menschen liebt, dann sollte ich das vielleicht auch tun.
Deswegen drei Anwendungen: Erstens, es gibt ein Zuspät. Zweitens, wenn du mitten in einer blöden Situation drinsteckst, Gott ist souverän. Der kann die Situation nutzen für sich und für dich, auch wenn du dir das jetzt gar nicht vorstellen kannst. Und drittens: Gott ist Liebe und unparteiisch, und wir sollten das einfach auch sein. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.

Jürgens aktuellste Gebets-Infos gibt's hier zum Lesen und Abonnieren.