Johannes 20,2702.09.2026
Serie•Teil 4 / 5Vom Sterben des Menschensohnes
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Gott wird Mensch. Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 748
Vom Sterben des Menschensohnes, Teil 4
Johannes 12,27
Der innere Kampf vor dem Kreuz
Jetzt ist meine Seele bestürzt, und was soll ich sagen: Vater, rette mich aus dieser Stunde? Doch darum bin ich in diese Stunde gekommen.
Der Vers markiert einen Übergang. Nach dem Bild vom Weizenkorn und dem Ruf in die Nachfolge spricht Jesus jetzt ausdrücklich über seine eigene innere Erschütterung im Angesicht des kommenden Todes.
Jetzt ist meine Seele bestürzt. Der Herr Jesus geht dem Kreuz nicht emotionslos entgegen. Das hier ist eine reale innere Not, die Bestürzung über den bevorstehenden gewaltsamen Tod. Damit wird zugleich die volle Menschlichkeit Jesu unterstrichen.
Und was soll ich sagen? Das ist keine echte Ratlosigkeit, sondern Ausdruck des inneren Ringens. Jesus steht vor der ganzen Schwere dessen, was vor ihm liegt. Er empfindet reale Todesangst und bringt sie vor den Vater. Zugleich ordnet er seinen eigenen Wunsch dem Willen Gottes unter.
In Gethsemane wird uns dieses Motiv noch deutlicher begegnen. Eine hohe Christologie schwächt also die wirkliche Menschlichkeit Jesu nicht ab. Der, der vom Himmel gekommen ist, erlebt echte seelische Not.
Darum dürfen wir auch die Worte „Rette mich aus dieser Stunde“ nicht so verstehen, als würde Jesus plötzlich an seiner Sendung zweifeln. Das Gegenteil ist der Fall. Schon im nächsten Satz bekräftigt er sie: Doch darum bin ich in diese Stunde gekommen.
Die Angst ist real, aber sie hebt seinen Gehorsam nicht auf. Sie macht nur sichtbar, was ihm dieser Gehorsam kostet. Hier treffen wir auch wieder auf den Schlüsselbegriff diese Stunde. Wie schon gesagt, ist damit mehr gemeint als nur die Stunde seines Sterbens. Es geht vielmehr um den ganzen Komplex aus Tod, Auferstehung und Verherrlichung.
Die Formulierung „Doch darum bin ich in diese Stunde gekommen“ macht deutlich, dass Jesu Tod kein Unfall und nicht bloß die Folge widriger Umstände war. Die Passion ist Teil seines Sendungsauftrags.
Zwei Dinge werden hier gleichzeitig betont: die reale menschliche Abneigung gegen das bevorstehende Leiden und die entschlossene Hingabe an den Auftrag. Oder sagen wir es so: Jesu Gehorsam ist nicht weniger echt, nur weil der Kreuzestod von Anfang an Teil des göttlichen Plans war. Sein Gehorsam zeigt sich gerade darin, dass er angesichts realer Angst den Weg wählt, den Gott ihm vorgibt.
Nachfolge mitten in der Angst
Die Angst des Herrn Jesus bewahrt uns auch davor, die Verse über Selbsthingabe romantisch zu verklären. Wenn wir davon lesen, dass wir unser Leben hassen sollen, dann heißt das eben nicht, dass wir Verlust, Leid und Ausgrenzung angenehm finden.
Der Herr Jesus ist von seinem bevorstehenden Tod erschüttert. Damit ist der Mut zum Gehorsam nicht die Abwesenheit von Angst, sondern die Treue mitten in der Angst. Gerade darin wird sichtbar, was biblische Nachfolge meint. Sie verlangt nicht, dass wir unsere Gefühle verleugnen oder so tun, als würde uns ein Opfer nichts kosten.
Jesus spielt seine Erschütterung nicht herunter. Er überspringt sie nicht mit frommen Floskeln. Er benennt sie und richtet sich dennoch auf den Willen des Vaters aus.
Christliche Hingabe ist keine Gefühllosigkeit, sondern die Entscheidung, dass unsere Gefühle zwar gehört werden dürfen, aber nicht das letzte Wort bekommen. Manchmal müssen wir unseren Ängsten deutlich sagen, was Sache ist.
Psalm 43,5: Was bist du so aufgelöst, meine Seele, und was stöhnst du in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihn noch preisen, das Heil meines Angesichts und meinen Gott.
Merkt ihr, wir müssen Angst nicht erst überwinden, bevor wir gehorsam sein können. Wir müssen nicht warten, bis sich der schwierige Weg leicht anfühlt. Manchmal besteht Glaube gerade darin, mit zitternden Knien den nächsten Schritt zu gehen, wie ein Kind, das die Hand seines Vaters festhält, obwohl der Weg dunkel erscheint.
Vertrauen zeigt sich dann nicht darin, dass die Dunkelheit verschwindet, sondern darin, dass ich mich in der Dunkelheit Gott anvertraue.
Der Preis echter Hingabe
Und genau deshalb ist Selbstverleugnung im biblischen Sinn auch keine Selbstverachtung. Jesus verachtet sein Leben nicht. Gerade seine Erschütterung zeigt, wie kostbar ihm das eigene Leben ist. Er gibt es nicht hin, weil es wertlos wäre, sondern weil der Wille des Vaters und die Rettung der Menschheit ihm wichtiger sind. Das Opfer Jesu erhält sein Gewicht ja gerade dadurch, dass etwas wirklich Wertvolles geopfert wird.
Für uns heißt das: Wenn Nachfolge etwas kostet, dürfen wir diesen Schmerz auch Schmerz nennen. Wir dürfen Verlust betrauern, wir dürfen Angst empfinden, wir dürfen uns sogar fragen, wie wir den nächsten Schritt schaffen sollen. Entscheidend ist nur, ob wir uns in all dem an Christus halten. Nachfolge bedeutet nicht: Mir macht das nichts aus. Sie bedeutet vielmehr: Es macht mir sehr wohl etwas aus, aber der Herr Jesus und sein Reich sind mir wichtiger.
Und machen wir uns bitte nichts vor: Auch wenn wir nicht gleich unser Leben verlieren, kann Verlust sehr konkret aussehen. Ich sehe vor mir den Ältesten, der für seinen Dienst in der Gemeinde beruflich zurücktritt, eine Viertagewoche anstrebt und damit auf Einkommen, Luxus und vermutlich auch Karriere verzichtet. Ich sehe vor mir die Frau, die einen Mann liebt, der ihren Glauben nicht teilt und sich gegen die Ehe entscheidet, im Wissen, dass sie vielleicht für den Rest ihres Lebens allein bleibt. Ich sehe vor mir Eltern, deren erwachsenes Kind den Glauben ablehnt und sich von ihnen entfernt. Sie leiden unter der Distanz und halten doch an Christus fest, auch wenn die Enkel seltener zu Besuch kommen. Ich sehe vor mir den Schauspieler, der nach seiner Bekehrung Rollen ablehnt, die er vor Gott nicht mit seinem Gewissen vereinbaren kann, obwohl ihn das Aufträge und wahrscheinlich seine ganze Karriere kostet. Ich sehe vor mir den Arbeitslosen, der Gottes Wort ernst nimmt und sich eine Arbeit sucht, obwohl er damit am Ende weniger Geld zur Verfügung hat als mit Arbeitslosengeld und Schwarzarbeit.
In all diesen Fällen ist Nachfolge schmerzhaft und mit Verlust verbunden. In den Beispielen ging es um Ansehen, einen Ehepartner, Kontakt zu den Enkeln, den Traumberuf oder schlichtweg Geld. Merkt ihr: Echte Nachfolge tut weh. Und wir dürfen das auch zugeben. Und vielleicht liegt genau hier eine der tiefsten Formen geistlicher Reife: nicht darin, immer stark zu wirken, sondern darin, mit unserer Schwäche vor Gott zu kommen und dann zu sagen: Ich will dir vertrauen. Nicht darin, keine Angst mehr zu haben, sondern unserer Angst zu erklären, auf wen wir harren.
Der Gehorsam Jesu zeigt uns keinen unerreichbaren Heldenmut, sondern echtes menschliches Vorbild: echte Erschütterung, echtes Ringen und echte Hingabe. Das Kreuz beginnt für den Herrn Jesus genau hier. Es beginnt dort, wo der eigene Wille sich dem Willen Gottes anvertraut. Es beginnt dort, wo man die Spannung aushält, weil aus Bestürzung Hingabe wird.
Abschluss und Anwendung
Was könntest du jetzt tun? Denke über die Verluste nach, die deine Nachfolge dir eingebracht hat. Wie sähe dein Leben als Heide aus? Was wäre vielleicht netter?
Das war's für heute. Wenn dir mein Dienst gefällt, mach gern ein bisschen Werbung dafür.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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