Serie•Teil 6 / 6Familienfreizeit 2007
Generierte Mitschrift
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Ein Blick auf frühe Übersetzungen und ihre Bedeutung
die uns heute nicht erhalten ist. Mehr bekannt ist uns dann die sogenannte Vulgata, die von Hieronymus herausgegeben wird, der als Kirchenlehrer in Israel in einem Kloster arbeitet und dann etwa ab 390 die Bibel ins Lateinische übersetzt, also in die Sprache, die im ganzen westlichen Teil des Römischen Reiches gesprochen worden ist.
Darüber hinaus finden wir aus diesen ersten ein, zwei Jahrhunderten Übersetzungen der Bibel ins Syrische, das ist die sogenannte Peschita, oder wir finden dann auch Übersetzungen in verschiedene aramäische Dialekte, zum Beispiel von Tatjan aus dem Jahr 172 nach Christus. Wir haben dann ein aramäisches Neues Testament, das dort erwähnt wird.
Wir haben dann eben auch in verschiedenen anderen Dialekten, so zum Beispiel auch das Koptische, also das, was man in Ägypten spricht und was bis heute von den Christen dort gesprochen wird, schon im dritten Jahrhundert. Wir haben dann äthiopische Bibelübersetzungen. Das ist eben der Kämmerer aus dem Morgenland, der uns ja auch in der Bibel schon erwähnt wird. Er trägt das Evangelium nach Äthiopien, und dort haben wir aus dem vierten Jahrhundert Übersetzungen.
Wir haben dann Bibelübersetzungen ins Arabische. Nein, das ist schon im sechsten, siebten Jahrhundert die frühesten, so dass wir davon ausgehen können: Schon bevor der Islam sich in der arabischen Welt ausbreitet, haben wir dort Übersetzungen der ganzen Bibel. Möglicherweise sind da ja auch Reste, die dann dem Mohammed in Erinnerung kommen, als er dann seinen Koran verfasst. Denn da sind ja viele Parallelen, viele Anklänge, die wir dann unmittelbar wiedererkennen, auch wenn dann manche Dinge verschoben und verfälscht worden sind.
Ich möchte jetzt sagen, warum ich das erwähne. Ich erwähne das, um vor Augen zu führen, dass die Idee der Bibelübersetzung keine neuzeitliche ist. Das ist nicht etwas, wo wir sagen können: Na, jetzt sind wir ja so klug, jetzt haben wir endlich begriffen, dass wir die Bibel in die heimische Sprache übersetzen müssen. Sondern das war den Christen von Anfang an klar. Von Anfang an war deutlich: Die Menschen müssen in einer Sprache, die ihnen allgemein verständlich ist, die Worte Gottes lesen können.
Das war übrigens auch der Grund, warum das Neue Testament in Griechisch verfasst worden ist. Denn hätte man es originalgetreu wiedergegeben, dann hätte man ja die Worte Jesu in Aramäisch beziehungsweise Hebräisch aufschreiben müssen. Denn wir wissen ziemlich sicher: Jesus hat in Israel nicht Griechisch gesprochen, sondern Aramäisch beziehungsweise Hebräisch. Hier war schon eine erste Übersetzung von dem Gehörten, was man von Jesus gehört hat, dann aufgeschrieben im Neuen Testament, zumindest was die Evangelien betrifft, dann übersetzt ins Griechische hinein.
Man hat das getan, weil man gemerkt hat: Das kommt den Menschen näher, das verstehen sie besser, so können sie das aufnehmen. Und so wissen wir, dass bei diesen ganzen Missionsbestrebungen, die ja auch nicht erst neuzeitlich sind, sondern schon in dieser frühen Kirche anfangen, man begleitend gesagt hat: Die Leute müssen die Bibel oder zumindest Teile der Bibel in ihrer Muttersprache lesen können.
Vom Mittelalter bis zur Reformation
Im Mittelalter ist das etwas zurückgegangen, weil man die Mission aus dem Blick verloren hat. Europa war christianisiert und formal christlich. Man beschränkte sich auf Europa. Alles, was außerhalb Europas lag, war unheimlich und fremd. Dort, so stellte man sich vor, wohnten Monster und Ungeheuer. Das waren tatsächlich die Vorstellungen, die die Menschen gehabt haben. Ihr könnt das auf mittelalterlichen Bilderhandschriften sehen, wo dann eben, wenn man über die Karpaten oder über den Ural hinüberkommt, dahinter alle möglichen seltsamen Wesen wohnen. Da gab es zum Beispiel den Einfüßler, also jemanden, der nicht zwei Füße hat, sondern auf einem läuft. Man stellte sich vor, dass er sich auf den Rücken legte, um den Fuß in die Sonne zu halten und dann wie ein Schirm sich darunter im Schatten liegen zu können. Das ist natürlich alles absurd, aber solche Vorstellungen hatte man. Und wenn man niemandem das Evangelium weitergeben muss, dann gab es auch keine Notwendigkeit, die Bibel zu übersetzen. Deshalb gibt es im Mittelalter relativ wenig.
Das Ganze brach in der Zeit der Kreuzzüge wieder auf, weil man hier erneut mit Menschen konfrontiert war, die einen völlig anderen Glauben hatten. Wir müssen uns vor Augen führen, dass in der Kreuzzugszeit nicht nur mit Gewalt gegen Muslime vorgegangen worden ist, sondern dass es parallel dazu eine intensive Missionsbestrebung gab, um Muslime auf friedliche Art und Weise für den christlichen Glauben zu gewinnen. Beispielsweise wissen wir von Thomas von Aquin, der damals ein Handbuch geschrieben hat, seine Summa Theologicae Argentilis, also eine Summe der Theologie, eine Zusammenfassung der Theologie für die Heiden. Das hat er bewusst für Händler und für Reisende geschrieben, die in Länder gekommen sind, in denen die Menschen keine Christen waren. Man hatte auch Bibelübersetzungen angefertigt.
Unter anderem wisst ihr vielleicht, dass auch Franz von Assisi während der Zeit der Kreuzzüge friedlich mit einigen Mönchen nach Alexandrien gegangen ist, also nach Ägypten, um dort das Evangelium zu predigen. Auch das gab es also. Es war nicht nur Gewalttätigkeit. Und so entstehen in dieser Zeit auch wieder neue Bibelübersetzungen.
Wir wissen, dass in der Folgezeit, das heißt im Spätmittelalter, ab dem zwölften, dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert, dann auch zahlreiche Bibelübersetzungen neu in europäischen Sprachen angefertigt werden. Denn bis dahin war die Amtssprache der Kirche Latein gewesen. Das ist ja bis heute im Vatikan noch der Fall, dass alle Verlautbarungen erst einmal in Latein verfasst werden und dann in die einzelnen Landessprachen übersetzt werden. So ähnlich könnte man sagen wie heute das Englische. Personal konnte man überall studieren, aber dann eben auf Latein. Deshalb war es für die Gebildeten nicht nötig, in die Landessprache zu übersetzen.
Das änderte sich, als beispielsweise im dreizehnten Jahrhundert John Wycliffe in England die Bibel ins Englische übersetzte. Der ist ja dann Pate beziehungsweise Namensgeber der gleichnamigen Missionsgesellschaft, Wycliffe Bibelübersetzer, die sich bis heute das Ziel setzen, möglichst in jede Sprache der Welt die Teile der Bibel zu übersetzen. Sie sind nicht die einzigen. Auch die Deutsche Bibelgesellschaft, die Internationale Bibelgesellschaft und auch andere Organisationen machen ähnliche Projekte, aber das ist eben eine Organisation. Und der Namensgeber ist jener John Wycliffe aus dem dreizehnten Jahrhundert, der die Bibel ins Englische übersetzt hat, damit die einfache Bevölkerung das lesen kann. Darüber hinaus hat man dann auch angefangen, die Gottesdienste in den einheimischen Sprachen zu halten.
Die Entwicklung im Englischen und die deutsche Ausgangslage
Die im Englischen bis heute bekannteste Bibelübersetzung ist im Jahr 1611 herausgekommen, die sogenannte King James Version. Das heißt: die von König James angeregte Übersetzung, die bis heute als Normalversion, als die weit verbreitetste gilt, ähnlich wie vielleicht bei uns die Luther-Übersetzung.
In den letzten Jahren sind natürlich auch im Englischen zahlreiche neue Übersetzungen herausgekommen. Bekannt geworden sind die New English Bible von 1961, revidiert 1970, die etwas stärker umgangssprachlich ausgerichtet ist, ähnlich wie vielleicht die Hoffnung für alle oder die Gute Nachricht Bibel. Dann gibt es die Good News Bible von 1976 oder die Inclusive Version von 1995, die noch relativ neu ist. Auch die New American Bible, die 1987 revidiert worden ist, gehört dazu. Diese Übersetzung ist allerdings stärker katholisch geprägt und nicht ganz so stark paraphrasiert.
Ich werde jetzt nicht auf die Bibelübersetzungen in andere europäische Sprachen eingehen. Ich habe in meinem Buch dann auch Hinweise auf Italienisch, Spanisch, Skandinavisch usw., Russisch. Das will ich jetzt hier nicht tun.
Ich möchte stärker auf unsere Situation in Deutschland eingehen und dabei zuerst einmal hervorheben: Wir sind in Deutschland in einer außerordentlich privilegierten Situation, da es nämlich kaum eine andere europäische Sprache gibt, in der so viele verschiedene Bibelübersetzungen angefertigt worden sind und auch eine relativ große Anzahl von zuverlässigen Bibelübersetzungen.
Beispielsweise, wenn man ins Russische sieht: Im Russischen ist die Standardübersetzung eine aus dem vorletzten Jahrhundert stammende, die jetzt gerade neu erarbeitet worden ist, und eine einzige Neuübersetzung, die auch erst gerade vor wenigen Jahren fertig geworden ist. Das gilt für ein riesiges Land, in dem viele Millionen Menschen eigentlich in der Bibel lesen könnten.
Ihr müsst euch vorstellen, ihr hättet jetzt nur die Luther-Übersetzung von 1912 oder noch eine etwas ältere. Das kann man ja auch lesen. Ich meine, ich habe das jahrelang gelesen. Aber es ist schon eine Hilfe für uns, dass wir da einmal vergleichen können, dass wir andere Bibeln heranziehen können.
Also zuerst einmal die Aufforderung: Freut euch darüber, dass wir im Deutschen so viele, auch gute, Bibelübersetzungen haben.
Deutsche Übersetzungen von den Anfängen bis zur Reformation
Die früheste deutsche Bibelübersetzung stammt von Wulfila aus dem Jahr 340. Also, wir sehen: Wir sind da noch gute 1200 Jahre vor Luther. Da gab es die erste Bibelübersetzung.
Allerdings müssen wir sagen, dass diese Bibelübersetzung nicht mehr ganz für uns heute lesbar wäre, denn die deutsche Sprache hat sich durch einige Rechtschreibreformen, die es in der Zwischenzeit gegeben hat, etwas verändert. Das fängt zum Beispiel beim Vaterunser an: „Atta unsar, thu in himinam“. Man kann das noch ein bisschen erkennen, dass es da eine Ähnlichkeit gibt, aber dieses Gotisch, wie es damals hieß, ist für uns heute nicht mehr ganz verständlich.
Aber wir sehen auch im Deutschen sehr frühe Bibelübersetzungen. Im achten Jahrhundert finden wir zum Beispiel eine Übersetzung aus dem Kloster Reichenau, wo Teile des Alten und des Neuen Testaments übersetzt worden sind. In karolingischer Zeit, das heißt im späten achten Jahrhundert, gab es dann, von Karl dem Großen angeregt, eine weitere Bibelübersetzung. Eine noch spätere ist dann im Jahr 1000 von Notger, ebenfalls einem Mönch, angefertigt worden.
Teile haben wir dann auch in der sogenannten Heliand. Das sind Dichtungen, in denen man sich relativ frei der Bibel angenähert hat und Teile in der damaligen Umgangssprache wiedergegeben hat. Wir merken also auch selbst, dass die Hoffnung für alle nicht ganz neu ist; das gab es auch schon im Mittelalter.
Dann haben wir als vollständige Bibelübersetzungen die Augsburger Bibel von 1350, dann die Münchner Bibel von 1472, die Straßburger Bibel von 1466, und es gibt noch einige andere, die relativ weit verbreitet gewesen sind.
Das Besondere der Lutherbibel war ja eigentlich nur, dass sie erstmals sehr sprachgewaltig übersetzt worden war. Das heißt, Luther hatte ein sehr gutes Sprachgefühl. Außerdem war parallel dazu der Buchdruck erfunden worden, und man konnte die Bibel jetzt sehr viel günstiger und schneller herstellen. Dazu kam, dass Luther nicht in einen heimischen Dialekt übersetzte, sondern in eine Kanzleisprache. Diese Kanzleisprache war allgemein verständlich und verbreitete sich deshalb weit. Das waren die Besonderheiten und natürlich auch die Tatsache, dass sie parallel zur Reformation entstand.
Diese Bibel ist bis heute die im deutschen Sprachraum prägende und maßgebende, auch wenn dann später, durch Zwingli initiiert, die Zürcher Bibel herausgekommen ist, die ja gerade in diesem Jahr eine neue Revision erfahren hat. Darüber hinaus gab es dann auch die sogenannte Froschauer Bibel, die ebenfalls im Rahmen der Reformation entstanden ist.
Im Pietismus wurde die Piscatorbibel 1602 herausgegeben. Dann gab es Ludwig Graf von Zinzendorf, der eine Revision der Lutherbibel angeregt hatte. Das hat ihm sehr viel Ärger eingetragen, weil man in der Kirche meinte, man könne doch nicht an dieser heiligen Übersetzung irgendetwas verändern. Dabei muss man sagen: Auch Luther war da ja nicht unfehlbar.
Die Berleburger Bibel 1726 war mir eine von Extrempositionen aus dem Pietismus. Da sind dann auch manche sehr exklusive Interpretationen in die Übersetzung mit hineingenommen worden, was nun die Endzeitprophetie usw. angeht.
Es gab in dieser Zeit auch rationalistische Bibelübersetzungen, in denen man versucht hatte, alle Wunder zu eliminieren, indem man dann auch Bibelkritik schon in die Bibelübersetzung eingeführt hat.
Katholische Übersetzungen möchte ich hier nur nennen. Bekannt geworden sind die von Hans Emser oder eben von Franz von Allioli, die es bis heute gibt. Auch die Einheitsübersetzung ist ja zunächst von verschiedenen Konfessionen gemeinsam angefertigt worden. Die neueste Revision der Einheitsübersetzung ist dann nur noch in katholischer Verantwortung, weil die evangelische Kirche sich zurückgezogen hat, aufgrund der Forderung der Katholiken, dass sie gesagt haben, das letzte Wort habe die katholische Bibelkommission. Da haben die Evangelischen natürlich gesagt: Nein, das können wir ja so nicht machen, das geht nicht, und haben sich dann daraus zurückgezogen.
Es gibt auch jüdische Bibelübersetzungen, die wir mit heranziehen können. Eine bekannte ist beispielsweise die von Goldschmidt, noch bekannter ist uns vielleicht die von Martin Buber und Fritz Rosenzweig.
Gegenwart, Auswahl und erste Orientierung
In der Gegenwart haben wir verschiedene Bibelübersetzungen, die uns zur Verfügung stehen. Wenn ich die katholischen einmal außer Acht lasse, dann bleiben für uns die Lutherbibel und die Elberfelder Bibel.
Die Lutherbibel liegt in einer sehr guten Form vor, nämlich in der letzten Ausgabe, die 1984 herausgekommen ist. Zwischenzeitlich gab es einmal einen etwas verunglückten Versuch von 1975, bei dem man die Lutherbibel anpassen wollte und dabei zum Teil auch bibelkritische Ideen mit hineingenommen hat. Die Ausgabe von 1984 ist jedoch eigentlich eine sehr gute und sehr empfehlenswerte Übersetzung. Sie ist auch die am weitesten verbreitete Bibel in Deutschland.
Von den Brüdergemeinden herausgegeben ist die Elberfelder Bibelübersetzung. Das Neue Testament erschien 1855, die ganze Bibel 1871. Sie orientiert sich insbesondere an der Theologie von John Nelson Darby. An einigen Stellen merkt man das durchaus auch. Im Großen und Ganzen ist sie aber sehr solide gearbeitet und versucht relativ genau, sich am ursprünglichen Bibeltext zu orientieren.
Die Elberfelder Bibel gibt es in verschiedenen Neuausgaben. Die neuesten davon sind die Heilige Schrift aus dem Grundtext, neu übersetzt von der Christlichen Schriftenverbreitung in Hückeswagen herausgegeben. Das ist eine Bibel, bei der lediglich die alten Begriffe der Elberfelder Bibel verändert worden sind, zum Beispiel wenn dort immer Jehova stand. Sonst ist es aber genau derselbe Wortlaut der alten Elberfelder, das heißt der unrevidierten.
Dann gibt es eine ganz neue Revision der Elberfelder Bibel, die im Jahr 2006 in der gemeinsamen Ausgabe vom Burghaus Verlag und der Christlichen Verlagsgesellschaft in Württemberg herausgekommen ist. Diese ist durchaus auch relativ gut. Wer hineinschaut, merkt schnell, dass sie deutlich leichter lesbar ist als die alte Elberfelder Bibel. Trotzdem hat sie ihre Textgenauigkeit bewahrt.
In den Kreisen der insbesondere landeskirchlichen Gemeinschaften war die Bibel von Franz Eugen Schlachter verbreitet. Er hat diese Bibel 1905 zum ersten Mal herausgegeben. Sie hat dann zahlreiche Auflagen erlebt und wurde 1951 leicht revidiert herausgegeben. Das ist meistens die Ausgabe, die viele von uns kennen.
Dann gibt es relativ neu die Schlachter 2000, die allerdings nicht im Jahr 2000, sondern 2002 herausgekommen ist. Sie wird in verschiedenen Grundlagen verwendet, unter anderem in der MacArthur-Studienbibel, aber auch in einigen anderen Bibelausgaben. Sie ist sprachlich relativ verständlich, philologisch und theologisch durchaus sehr zuverlässig und lässt sich nach meinem Dafürhalten sehr gut lesen. Ich glaube auch, dass jeder, der sonst mit Bibelausgaben Schwierigkeiten hat, sie gut lesen kann. Auch Jugendliche können sie tatsächlich sehr gut lesen. Ich finde, das ist eine gelungene Übersetzung.
Eine, die schon etwas älter ist und ein ähnliches Ziel hat, ist die von Ludwig Albrecht. Sie wurde 1920 herausgegeben und hatte für die damalige Zeit einen aktuellen Stil. Sie war auch relativ textgenau, müsste allerdings einmal wieder korrigiert, also überarbeitet werden. Sie hat zum Teil auch recht eigenwillige, manchmal sogar bibelkritische Anmerkungen im Text. Das sollte man wissen.
Hermann Menge hat ebenfalls eine Bibel herausgegeben, die von der Württembergischen Bibelgesellschaft 1923 zum ersten Mal herausgekommen ist. Sie zeichnet sich durch hohe Verständlichkeit und einen sehr ausgewählten Stil aus und ist auch relativ textgenau. Wenn man sie irgendwo findet, kann man sie auch einmal zum Vergleich heranziehen.
Ähnliches gilt für die von Hans Bruhn herausgegebene Bibelübersetzung. Er war Mitarbeiter der Deutschen Christlichen Studentenvereinigung und wollte speziell für dieses Klientel eine Bibelübersetzung anfertigen. Das hat er dann auch gemacht. Sie wurde später noch einmal überarbeitet; die Ausgabe aus dem Jahr 1960 ist die momentan gültige beziehungsweise die momentan verbreitete. Besonders interessant ist, dass er sehr passende und gute Kommentierungen in die Überschriften mit hineingenommen hat. Es ist eine auf wörtliche Übersetzung zielende Bibelausgabe und ebenfalls empfehlenswert.
Es gibt dann noch eine von Ulrich Wilkens, die ebenfalls aus dem Griechischen und Hebräischen übersetzt worden ist und eigene Erläuterungen enthält. Die würde ich hier nicht unbedingt ganz zurückstellen, würde aber sagen, dass sie in der Qualität hinter den gerade genannten Übersetzungen einzuordnen ist.
Dann gibt es natürlich auch im Deutschen vor einigen Jahren die Interlinearübersetzung. Das Alte Testament ist erst im Jahr 2003 herausgekommen, das Neue Testament 1995. Dabei geht es darum, dass ihr, wie ihr vom Henssler Verlag wisst, oben den griechischen oder hebräischen Text habt und darunter den deutschen Text. Das soll bei manchen von euch nicht die Illusion wecken, ihr könntet dann Griechisch und Hebräisch, wenn ihr darin lest. Das ist eher falsch. Diese Bibel kann sogar dazu verführen, dass man meint, jetzt hätte man das Original. Das ist Quatsch, das muss man dazu sagen. Das ist nicht das Original, und man kann in keiner Sprache wortwörtlich übersetzen.
Ich hoffe, ich schockiere euch damit nicht, aber diese Übersetzungsmöglichkeit gibt es nicht. Wenn einige von euch gut Englisch sprechen, dann werdet ihr feststellen, dass selbst von Englisch ins Deutsche das nicht möglich ist. Es gibt immer gewisse Aspekte eines Wortes, die man nicht mit demselben Wort im Deutschen wiedergeben kann, weil das Wortfeld im Englischen anders ist als im Deutschen. Das werdet ihr merken; da stecken häufig andere Dinge mit drin.
Manchmal gibt es auch Wortbilder, bei denen es unsinnig ist, sie wörtlich zu übersetzen, weil dann niemand mehr versteht, was gemeint ist. Wenn ein Engländer zum Beispiel sagt: It’s raining cats and dogs, und man das wörtlich ins Deutsche übersetzt und sagt: Es regnet Katzen und Hunde, dann würde wahrscheinlich ein Deutscher, der dieses Wortbild nicht kennt, sagen: Gott hat ein Wunder getan, da sind Katzen und Hunde vom Himmel gefallen. Das meint der Engländer natürlich gar nicht. Wenn ich es genau übersetzen wollte, müsste ich im Deutschen vielleicht sagen: Es regnete wie aus Eimern oder es regnete Bindfäden oder etwas Ähnliches. Das ist natürlich nicht mehr wörtlich, aber es ist das, was der Deutsche darunter versteht.
Oder ihr wisst ja beispielsweise, dass wir im Griechischen fünf verschiedene Ausdrücke für Liebe haben, im Deutschen aber nicht. Wie übersetzen wir das dann? Wir haben im Hebräischen zum Beispiel neben Singular und Plural, also Einzahl und Mehrzahl als Verbform, noch einen Dual. Wenn zwei Personen etwas tun, gibt es eine spezielle Sprachform. Wie will man das übersetzen? Das kann man gar nicht übersetzen, es gibt kein deutsches Wort dafür.
Es gibt im Griechischen außerdem Aspekte in den Verben, die zum Beispiel zum Ausdruck bringen, dass es sich um eine lang andauernde Handlung handelt oder um eine Handlung, die jetzt zum Abschluss gebracht wird. Das kann man im Deutschen durch ein Verb allein auch nicht ausdrücken. Damit will ich euch sagen: Es ist nicht möglich, eine Übersetzung anzufertigen, die hundertprozentig das wiedergibt, was im Original steht.
Grenzen jeder Übersetzung und der Umgang mit Textvarianten
Darüber hinaus haben wir bei den Übersetzungen auch die Schwierigkeit, dass wir uns auf griechische und hebräische Manuskripte stützen müssen, die sich allerdings, wenn auch nicht wesentlich, so doch in Details voneinander unterscheiden. Nicht alle der alten Manuskripte, die wir haben, geben genau denselben Text wieder. Es gibt vielmehr eine gewisse Spannbreite. Und auch da muss sich ein Übersetzer immer wieder Gedanken machen: Welcher von den Texten, die uns vorliegen, ist denn der ursprüngliche?
Auch da kann man keine letztendgültige, ganz eindeutige Entscheidung treffen, sondern es bleibt immer ein gewisser Spielraum. Ich will euch durch das, was ich jetzt sage, auch nicht frustrieren, sodass ihr sagt: Also wissen wir ja gar nicht, was Gott sagen wollte. Nein, so ist es nicht. Ihr könnt ja die verschiedenen Bibelübersetzungen vergleichen, und dann werdet ihr feststellen: Ja, wahrscheinlich sind 98 Prozent von dem, was da drinsteht, total gleich. Also kommen wir schon sehr, sehr nahe daran. Aber es bleibt immer noch ein gewisser Grad von Interpretation, den jeder Bibelübersetzer mit in seiner Arbeit berücksichtigt.
Neuere Bibelübersetzungen sind nun die Gute Nachricht. Sie ist das erste Mal von der evangelischen und katholischen Bibelgesellschaft gemeinsam 1967 herausgekommen und dann 1983 im Alten Testament neu revidiert, 1997 noch einmal revidiert, auch relativ gut revidiert. Da sind einige der Fehler, die man in den früheren Übersetzungen gemacht hat, wieder aufgehoben worden. Hier haben wir eine Übersetzung, die sich nicht mehr dem Wortlaut verpflichtet fühlt, sondern sagt, sie wolle in erster Linie den allgemeinen Inhalt wiedergeben. Wir würden dann von einer äquivalenten Übersetzung sprechen.
Ähnlich ist das bei Hoffnung für alle im Brunnen Verlag, 1983 erschienen und dann 2002 revidiert herausgegeben. Die Neue Genfer Übersetzung ist noch in Arbeit. Ich werde vielleicht gleich noch etwas dazu sagen. Zur Bewertung komme ich jetzt gleich. Ich wollte Ihnen erst einmal vorstellen, und dann werde ich ja gleich noch etwas dazu sagen.
Die Neue Genfer Übersetzung ist noch in Arbeit. 1988 wurde sie dort in Teilen des Neuen Testaments herausgegeben. Man versucht hier, so einen Zwischenweg zu gehen. Man spricht da von funktional äquivalenten Übersetzungen, das heißt von solchen, die nur den Inhalt weitergeben wollen und den wortgetreuen Übersetzungen einen Zwischenweg dazwischen geben. Man will eine aktuelle, verständliche Sprache, trotzdem aber relativ genau. Das muss definitiv genau sein.
Die Genfer Übersetzung 2000: Da erschien lediglich, wenn man sie zur Hand nimmt, nicht die ganze Bibel, sondern nur Matthäus, Markus, Lukas, Johannes, Apostelgeschichte und Offenbarung. Dann wurden in einer ergänzten Ausgabe 2003 noch der Erste Korintherbrief und der Philipperbrief angefügt. 2005 lassen sich dann auf der Homepage der Genfer Bibelgesellschaft einige andere Bücher wie Epheser, Philemon usw. nachschlagen, aber das ist immer noch ein unverändertes Projekt. Da hört man jedes Jahr wieder neue Nachrichten davon. Deshalb hieß es im letzten Jahr: Ja, das soll jetzt in diesem Jahr herauskommen. Das sagen Sie allerdings schon seit fünf Jahren. Dann habe ich gerade neulich gehört, dass Sie sich zerstritten hätten und das Projekt gar nicht mehr zu Ende führen. Also ihr könnt darauf gespannt sein, ob es die Genfer Bibelübersetzung irgendwann noch einmal geben wird oder eben nicht.
Die Volksbibel, auf die ich nachher noch etwas genauer eingehen will, ist in ihrer ersten Ausgabe 2005 herausgekommen. Man könnte sie eher als freie Nacherzählung des Neuen Testaments überschreiben. Hier, glaube ich, können wir nicht einmal davon reden, dass es eine sogenannte äquivalente freie Übersetzung ist, sondern eher tatsächlich von einer Nacherzählung, auch wenn drinsteht, es sei eine Bibelübersetzung.
Es gibt dann die Neue evangelistische Übersetzung, NeÜ, die von der Dillenburger Verlagsgesellschaft herausgekommen ist, von Karl-Heinz van Heijden, also aus brüdergemeindlichem Hintergrund. Das Neue Testament ist 2004 erschienen. Das Alte Testament ist noch in Arbeit und soll auch herauskommen. Diese Übersetzung ist relativ textgenau, auch wenn sie nicht nur das eine will. Sie will wiederum so ein Zwischenglied bilden, wie die Genfer zwischen der Hoffnung für alle und den wortgetreuen Übersetzungen. Durchaus empfehlenswert, auch relativ verständlich, und sie heißt Neue evangelistische Übersetzung.
Dann gibt es auch die weltanschaulich geprägte biblengerechte Sprache, da will ich auch noch ein bisschen zu sagen. Sie ist 2006 im letzten Herbst, also vor nicht einmal ganz einem Jahr, herausgekommen.
Studienbibeln und ihre unterschiedlichen Akzente
Nun stellt sich für uns natürlich die Frage. In meinem Buch nenne ich dann auch noch einige Studienbibeln, auf die ich jetzt nicht im Detail eingehen werde.
Da ist ja insbesondere bekannt: Die älteste und für uns verbreitetste ist dann die Scofield-Bibel mit ihren Anmerkungen, die einen stark dispensationalistischen Ansatz verfolgt. Sie ist relativ knapp kommentiert, hat viele Kettenangaben, sodass man anhand von einzelnen Verweisen bestimmte Worte, Begriffe und Lehren durch die ganze Bibel verfolgen kann. Sehr empfehlenswert, viele Parallelstellen sind dabei.
Dann ist ja die Thomsen-Studienbibel auch schon seit einigen Jahren, seit 1984, herausgekommen. Die hat noch mehr Anmerkungen, die allerdings zum größten Teil in einem langen Anhang stehen, sodass man sehr viel blättern muss. Da gibt es auch eine Wortkonkordanz, historische Erklärungen sind dabei, Karten ausführlich enthalten, also durchaus auch zu empfehlen.
Die Elberfelder Studienbibel ist für diejenigen zu empfehlen, die sprachlich etwas tiefer gehen wollen. Da sind dann zu allen wichtigen Schlüsselbegriffen kleine Zahlenangaben, und im Anhang finden wir ausführliche Erklärungen der entsprechenden griechischen Worte. Wer also kein Griechisch kann und trotzdem wissen will, was da möglicherweise im Griechischen genau mit gemeint ist, dem ist diese Elberfelder Studienbibel zu empfehlen.
Bekannt ist auch die im Jahr, ich glaube 2002, herausgekommene John-MacArthur-Studienbibel, die den Schlachter-2000-Text zugrunde legt. Sie ist die ausführlichste Studienbibel, die es im Moment im Deutschen gibt. Also sehr, sehr viel theologischer Kommentar, sehr viel Hintergrundinformation und durchaus sehr empfehlenswert. Allerdings muss sich jeder Leser immer wieder dabei sagen: Das ist eine John-MacArthur-Auslegung. Du hast also die Bibel mit Kommentar von John MacArthur darin.
Auffällig bei ihm ist, dass er sehr wenig auf alternative Erklärungen eingeht. Das heißt also: Bei manchen Sachen ist es auch sehr gewöhnungsbedürftig, wie beispielsweise seine Auslegung zur Scheidung, wo er dann bestimmte Ausnahmegenehmigungen findet, die man, wenn man die Bibel liest, dort nicht findet. Oder wie er beispielsweise sagt, bei der Auslegung des Textes: Lasst die Kindlein zu mir kommen, da sagt er, dass kleine Babys bis etwa, also er sagt, bis sie mündig seien, jetzt muss man sagen, wann das ist, im Judentum war das bis sechs, dass die generell gerettet seien. Auch das ist ein bisschen seltsam, weil das doch im Text so gar nicht drinsteht.
Und so sind manche Punkte, da müsst ihr immer darauf achten, wenn ihr darin lest. Die Anmerkungen sind sehr gut, aber es sind viele auch typisch John MacArthur. Also da muss man auch manchmal in Frage stellen, den Unterschied sehen zwischen Bibeltext und Interpretation, also die Interpretation ist nicht inspiriert. Denkt daran, wenn ihr damit lest.
Es gibt auch die Genfer Studienbibel. Die hat ebenfalls den Schlachtertext, im Alten Testament den alten, im Neuen den Schlachter 2000. Hier sind relativ knappe Anmerkungen, zahlreiche Hinweise auf Übersetzungsvarianten, historische, geographische Erläuterungen, theologische Kommentare relativ knapp. Sie ist von reformierter Theologie geprägt, und die Anmerkungen sind meistens in den laufenden Bibeltext mit eingearbeitet.
Soweit dazu.
Welche Übersetzung wofür geeignet ist
Wenn sich jetzt die Frage stellt, welche denn die beste Bibelübersetzung ist, und ab und zu höre ich die, dann muss ich sagen: Die gibt es gar nicht. Die muss ich erst noch selbst anfertigen. Nein, nein, nein, das ist damit natürlich nicht gemeint, das werde ich auch nie tun, da halte ich mich nicht für spezialisiert genug dafür. Nein, ich will damit sagen: Das geht nicht, weil jede Bibelübersetzung bestimmte Vorteile, bestimmte Stärken und bestimmte Schwächen hat.
Und ich glaube, generell müssen wir unterscheiden: Wofür will ich die Bibel benutzen? Was ist das Ziel, das ich damit erreichen will? Beispielsweise würde ich sagen, dass bestimmten Personen, denen das Lesen jetzt sehr schwerfällt, die mit der Bibel gar nicht vertraut sind oder manchmal auch kleinen Kindern, durchaus solche Bibelübertragungen wie Hoffnung für alle oder eben die Gute Nachricht Bibel empfohlen werden können.
Allerdings sage ich das jetzt mit einer Vorsicht dabei. Wir müssen dann immer aufpassen, dass das nicht mit der Zeit zur Normalbibel wird, denn es gibt durchaus viele Gemeinden, wo heute dann im Gottesdienst auch aus Hoffnung für alle vorgelesen wird. Kann man ja machen, und Gott kann auch dadurch retten, sicherlich. Aber wir müssen sehen: Die ist natürlich sehr stark interpretiert, und da geht sehr viel von dem grundsätzlichen Text verloren dabei. Deshalb würde ich diese Bibel durchaus empfehlen, aber mehr als Einsteigerbibel, sowohl für Kinder als auch für Ungläubige oder Leute, die mit der Bibel gar nichts zu tun haben.
Danach, glaube ich, besteht für den Christen gar nicht die Frage. Wir sollten übergehen zu einer der Bibeln, die möglichst wortgenau sind. Ja, warum? Häufig merken nämlich Christen, die dann in der Hoffnung für alle lesen: Früher habe ich nie verstanden, was drinsteht, plötzlich verstehe ich alles, was in der Bibel steht. Das ist ja tatsächlich auch ein Effekt. Aber der Effekt kommt dadurch zustande, indem die Bedeutungsvielfalt im ursprünglichen Text reduziert wird, nur auf eine Bedeutung. Und dann liest du die, und plötzlich ist alles da. Aber dann geht eben auch viel verloren von dem ursprünglichen Text, und das ist das Problem.
Darüber hinaus: Der Ansatz ist ja, man will nicht mehr wörtlich übersetzen, sondern man sagt, ich begreife, was der Autor sagen will, und das versuche ich jetzt möglichst äquivalent, also möglichst mit meinem Sprachgefühl, in die deutsche Sprache zu übersetzen. Jetzt müssen wir aber sagen: Jede Bibelübersetzung hat ja nur ein beschränktes theologisches Verständnis, ohne dass ich den Leuten Vorwurf machen will. Das ist so, weil wir Menschen sind. Und jetzt ist die Frage: Erkennt der denn auch wirklich an jeder Stelle, was da gesagt werden sollte? Und das möchte ich natürlich in Frage stellen.
Weil aber das im Mittelpunkt steht, heißt das: Ihr lest dann die Bibel durch die Brille der Übersetzer, die meinen, das sollte ursprünglich im Text gesagt werden. Hingegen, wenn ihr eine der wortgenauen Übersetzungen habt, dann werdet ihr darauf stoßen, dass manchmal eben mehrere Dinge möglich sind, die da gesagt werden sollten. Und hier wird euch vielmehr die Möglichkeit geboten, selbst darum zu ringen, selbst danach zu suchen, was wollte Gott den Menschen dadurch weitergeben. Und ich denke, als reife Christen sollten wir das vor Augen haben, sollten da an dem Text arbeiten. Es wird uns in jedem Fall weiterführen. Es wird uns in jedem Fall eine tiefere Erkenntnis von dem geben, was Gott sagt, als wenn wir da an der Oberfläche weiterkratzen.
Nun könnte man auch sagen: Ja, welche nehmen wir denn da? Nehmen wir da besser die Elberfelder, nehmen wir da die Schlachter, nehmen wir die Luther, wenn ich mal die als drei der bekanntesten Äquivalente in die wortgenauen Übersetzungen nehme? Man könnte jetzt auch die Neue revidierte Zürcher dazu nehmen, die auch relativ gut ist. Dann kommt es, glaube ich, einerseits darauf an, mehr auf die Sache: Was wollt ihr damit machen? Und auch darauf, was seid ihr gewohnt?
Hier würde ich empfehlen: Grundsätzlich halte ich zum Auswendiglernen die revidierte Lutherbibel 1984 für die idealste. Wir können selbst den Versuch machen. Wenn ihr nicht große Gedankenkünstler seid, werdet ihr sehr schnell spüren, Luther lässt sich leichter auswendig lernen, weil er ein sehr ausgeprägtes Sprachgefühl hat. In den Psalmen merkt ihr: Das ist fast wie ein Gedicht, wie er die Übersetzung hat und trotzdem ganz genau. Also das ist genial, diese Übersetzung. Das hat bisher keine andere Bibelübersetzung in der Weise geschafft.
Darüber hinaus ist es allerdings so, dass manche Stellen natürlich etwas von landeskirchlicher evangelischer Theologie geprägt sind, ist klar. Und da ist es dann gut, zum Vergleich in jedem Fall dann die Elberfelder heranzuziehen. Ich würde dann auch die Neue Elberfelder empfehlen, wie auch die Neue Schlachter Übersetzung, oder eben die Zürcher. Manche schwören auch auf die Einheitsübersetzung. Da möchte ich euch einfach ins Gedächtnis rufen: Die neue Einheitsübersetzung ist stark von katholischer Theologie geprägt, da sollten wir mit gewisser Vorsicht drangehen.
Es ist ja klar: Wenn dann zum Beispiel steht, die Brüder und Schwestern Jesu kamen zu ihm, und dann sagt er ja, nicht die sind meine Brüder und Schwestern, sondern eben die, die den Willen meines Vaters tun, dann steht in der Einheitsübersetzung natürlich die Anmerkung: Das sind die Cousins und Cousinen Jesu. Ja, warum? Ja, weil nach katholischer Auffassung Jesus ja keine Brüder und Schwestern haben durfte. Und so merkt ihr immer wieder, sind dann Anleihen an die katholische Theologie, und deshalb würde ich die mit Vorsicht genießen. Das ist bei den anderen etwas weniger der Fall.
Ja, das heißt, man kann jetzt in Wörterbüchern nachschauen, und es gibt relativ seltene Fälle, vielleicht einer unter hundert, wo dieser Begriff mit Geschwister auch nicht nur Geschwister meinen kann, sondern auch die größere Familie mit einschließen kann. Und auf diese Ausnahmefälle berufen sie sich und sagen, das ist hier gemeint. Aber in Wirklichkeit hängt das nicht von der eigentlichen sprachlichen Überlegung ab, die sucht man nur als Sündenbock sozusagen mit heranzuziehen, sondern in Wirklichkeit ist es hier eine theologische Entscheidung, die man trifft. Und so ist es an anderen Stellen natürlich genauso. Also deshalb würde ich sagen: Die nicht.
Ich würde euch empfehlen, sogar bei eurem Bibelstudium, wenn ihr regelmäßig in der Bibel lest, nehmt mal solch eine Studienbibel zur Hand. Denn die Studienbibel bietet euch die Möglichkeit, dann auch mal Parallelstellen mit aufzuschlagen, die zu dem Text etwas zu sagen haben. Kurze wichtige Anmerkungen über historische Hintergründe habt ihr sonst in den Bibelübersetzungen nicht mit drin. Das würde ich euch empfehlen, das bereichert das Bibelstudium immens.
Ich würde euch auch empfehlen, wenn ihr ein bisschen Zeit habt, lest einmal in zwei Bibelübersetzungen parallel. Ihr kommt dann viel näher dem, was ursprünglich gemeint ist. Ich mache es auch so, dass ich alle paar Jahre meine Bibelübersetzung ändere, die ich lese. Also ich hatte jetzt gerade ein paar Jahre, seitdem sie herausgekommen ist, eben die Neue Schlachter Übersetzung gelesen. Jetzt bin ich gerade mal wieder bei Luther, eben der neuen Luther angelangt, die ich mir jetzt als Lese vorgenommen habe. Die Neue Elberfelder habe ich mir vorgenommen, einfach um mehr damit vertraut zu werden.
Mir geht es so, dass ich viel tiefer in einen Bibeltext hineinkomme, wenn ich eine Bibelübersetzung mal wechsle. Denn mir fällt es auf: Wenn ich eine Bibelübersetzung über Jahre hinweg lese, bin ich damit so vertraut, dass ich manchmal den Anfang eines Verses lese und im Kopf schon den zu Ende rede und nicht mehr ganz genau darauf schaue. Manches Mal kommt es mir vor, wenn ich eine neue lese, dass ich viel aufmerksamer hinschauen muss und dass sich neue Aspekte plötzlich deutlicher werden bei der Übersetzung. Deshalb würde ich empfehlen: Wechselt auch alle paar Jahre mal die Bibelübersetzung, das kann dann neu sensibilisieren.
Wenn ihr in einer Fremdsprache sehr gut seid, dann lest auch die Bibel vielleicht mal ein halbes Jahr Französisch oder Englisch, nicht wegen den Fremdsprachenkenntnissen, aber weil das wieder neu dazu anreizt, genau hinzuhören. Und manchmal fallen in der Fremdsprache auch bestimmte Begriffe viel deutlicher auf. Aber dafür müsst ihr dann einigermaßen gut sein, sonst geht halt zu viel verloren beim fremdsprachigen Lesen. Aber andere Bibelübersetzungen im Deutschen zu nehmen, das ist in jedem Fall eine empfehlenswerte Sache.
Streit um den griechischen Grundtext
Einen Streit, auf den ich hier nur kurz eingehen will und den ihr vielleicht auch in den letzten Jahren mitbekommen habt, halte ich für so überflüssig wie einen Kropf: den großen Streit zwischen den sogenannten Textus-receptus-Übersetzungen und den Nestle-Aland-Übersetzungen.
Falls ihr davon bisher nichts gehört habt, dann vergesst wieder, was ich euch sage. Falls ihr davon gehört habt, will ich ein paar Worte darüber verlieren.
Kurz zum Hintergrund: Die Bibel, die Martin Luther übersetzt hat, gründet sich auf einer Zusammenstellung verschiedener griechischer Texte von Erasmus von Rotterdam. Erasmus von Rotterdam war damals einer der führenden humanistischen Gelehrten. Er war Professor in Basel gewesen und machte sich daran, die Schriften, die man damals hatte, also die Handschriften des Neuen Testaments, in einer textkritischen Ausgabe zusammenzufassen. Textkritisch heißt: die Handschriften miteinander zu vergleichen und zu fragen, welche die ursprüngliche Lesart ist. Diese Ausgabe von Erasmus von Rotterdam wird heute häufig der Textus receptus genannt. Und auf dieser Grundlage hat Luther seine Bibelausgabe erstellt.
Heute gibt es Autoren und Theologen, die sagen: Diese Übersetzung sei, weil sie so segensreich gewesen sei, weil Luther sie verwendet habe und Gott dadurch die Reformation vorangebracht habe, die von Gott gewollte Übersetzung. Das sei der Bibeltext, wie er eigentlich ursprünglich von Gott gedacht worden sei. Alle späteren Textfunde, wie zum Beispiel der Textus Sinaiticus, Vaticanus, Alexandrinus und so weiter, seien ungenau, von sektiererischen Gruppen geprägt worden, und in neuerer Zeit hätten insbesondere textkritische Institute wie das in Münster daran gearbeitet, die Bibel bewusst bibelkritisch umzuinterpretieren, schon in dem Grundtext, den man zugrunde legt. Daran sei insbesondere Kurt Aland beteiligt gewesen, der diesen Nestle-Aland-Text herausgegeben hat.
Das ist in groben Zügen die Geschichte. Es gibt dazu auch noch mehr Verschwörungstheorien. Manche sagen, bestimmte Texte seien bewusst von der katholischen Kirche unterdrückt worden, oder die katholische Kirche habe bestimmte Lehren, wie die Versöhnung durch Jesus Christus und die Gnade allein, unter den Tisch kehren wollen. Es gibt dann auch kleine Traktate, vielleicht habt ihr solche einmal in der Hand gehabt. Darin sind 20 oder 30 Bibelstellen aufgezählt: hier Textus receptus, da Nestle-Aland-Text. Und dann soll deutlich gezeigt werden: Hier komme das Evangelium doch viel klarer heraus beim Textus receptus.
Das ist durchaus auch wahr, dass manche Stellen anders klingen. Wahr ist allerdings nicht die ganze Verschwörungstheorie, die damit verbunden ist. Und wahr ist natürlich auch nicht, dass der Text der ursprüngliche sein muss, der sich in meinen Ohren besser anhört. Denn es kann ja durchaus auch sein, dass an einigen Stellen in der Bibel etwas unklarer ausgedrückt ist. Wir wissen auch, dass im Laufe der Bibelübersetzungen manche Bibelübersetzer, weil sie es klarer machen wollten, an bestimmten Stellen ein wenig ergänzt haben.
Aber deshalb kann ich ja schlecht sagen: Weil mir das besser in meinen theologischen Kram passt, muss es der ursprüngliche Text sein. Damit will ich nicht schwören auf Nestle-Aland, das nicht. Aber ich halte es doch für sehr kurz gegriffen, einfach alle neueren Textfunde zu ignorieren, obwohl sie Jahrhunderte älter sind als die bis dahin bekannten, und so zu tun, als hätten sie gar keine Relevanz. Das halte ich für vollkommen falsch. Und das hat nichts mit Glauben zu tun, sondern mit redlichem Umgang mit den Schriftfunden, die wir vor Augen haben.
Darüber hinaus müssen wir sagen: Erasmus von Rotterdam war beileibe kein frommer Christ. Er hat sich mit Luther eng auseinandergesetzt, stark auseinandergesetzt. Er ging zum Beispiel davon aus, der Mensch sei vollkommen frei. Luther meinte: Nein, der Mensch steht doch unter der Macht der Sünde, und nur Gott kann ihn freimachen. Theologisch lag Erasmus also auch manchmal daneben. Insofern halte ich es für relativ problematisch, seine Zusammenstellung nun als die von Gott inspirierte anzusehen.
Und so halte ich auch diesen ganzen Streit eigentlich für total überflüssig. In den USA gibt es das noch extremer. Dort gibt es manche Gemeinden, die an ihrem Gemeindeschild „King James only“ stehen haben. Das ist im Grunde genau derselbe Streit, nur amerikanisch: Bei uns liest man nur die King-James-Version.
Ich habe das selbst in Deutschland in einer Gemeinde erlebt. Ich bin dort hingekommen und habe eine Bibelauslegung gemacht. Ich hatte die revidierte Lutherbibel dabei. Dann kam hinterher jemand zu mir und sagte: „Was für eine Bibel hast du?“ Ich habe es ihm gesagt. Daraufhin meinte er: „Du bist Bibelkritiker.“ Von allem, was ich gesagt hatte, hatte er scheinbar gar nichts mitbekommen. Er hatte nur diese Traktate im Kopf, die er irgendwo einmal gelesen hatte: Aha, keine Textus-receptus-Bibel, also Bibelkritiker. Was natürlich vollkommen unsinnig ist.
Wenn ihr euch genauer damit auseinandersetzt: Es gibt einige gute Bücher. Am bekanntesten oder wichtigsten dafür ist wahrscheinlich das Buch von Martin Heide, der früher Verfechter der Textus-receptus-These war und auch Bücher darüber geschrieben hat. In der neuesten Revision seines Buches hat er sich durch seine intensive Auseinandersetzung damit eines Besseren belehren lassen und sagt, so deutlich kann man das nicht sagen. Man muss in jeder Stelle natürlich abwägen. Und klar, das würde ich auch unterschreiben: Nicht Nestle-Aland hat in jedem Fall Recht. Aber es sind schon viele Stellen dabei, die gut ausgewählt sind und die, ernsthaft geprüft, wahrscheinlich die älteren und besseren Lesarten sind.
Das will ich jetzt einmal so stehen lassen. Wenn ihr mit diesem Streit noch nichts zu tun habt, nehmt die Bibel, die ihr habt. Nehmt eine von denen, die ich euch genannt habe. Lasst diesen Streit fallen. Das bringt euch Jesus nicht näher, das bringt euch das Verständnis der Bibel nicht näher. Und ich kann euch ziemlich sicher sagen: Gott wird auch durch die revidierte Lutherbibel, wie durch die Elberfelder, zu euch sprechen, selbst wenn diese nicht mehr auf dem Textus receptus aufbauen.
Moderne freie Übertragungen und ihre Probleme
Jetzt möchte ich die restliche Zeit darauf verwenden, es sei denn, es sind gleich noch Fragen von euch, euch von diesen neuen Bibelübersetzungen einiges vorzustellen. Da möchte ich zuerst auf den sogenannten Juniorchef eingehen.
Der Juniorchef ist von Michael Cord übersetzt. Der hat sich insbesondere auch hervorgetan durch Anthologien, also Sammelbände über indianische Religiosität und Ähnliches. Er ist also eher etwas esoterisch ausgerichtet, der junge Mann.
Das Ganze wird auf dem Buchcover folgendermaßen vorgestellt: Lammfromm und unbekümmert schildert Michael Cord das Erdenleben des Gottessohnes. Ein Lesevergnügen für alle, die sich locker vorstellen können, dass der Junior und seine Jünger als Männer aus dem Volk und nicht als muffige Frömmler durch die Lande zogen. Das ist das Ziel.
Dieses Buch wurde hunderttausendfach verkauft und war also durchaus ein Erfolg. Ich habe dann auch im Internet nachrecherchiert, was die Leute sagen, die das gelesen haben. Die meisten sagen: Ach, das war so richtig lustig, da konnte man mal richtig lachen über das, was in der Bibel steht. Aber mit der Zeit sei das alles schal geworden, und sie hätten das Buch dann beiseitegelegt. Kein einziger ist mir bisher begegnet, der durch dieses Buch zum Bibelstudium angeregt worden wäre oder dann zum Glauben gekommen wäre. Was ja vielleicht auch nicht das erste Ziel der ganzen Sache ist.
Der Juniorchef ist eine Biografie Jesu, die dann allerdings eher als Witzfigur endet, also Jesus dabei. Es werden dann Anleihen an die Moderne genommen. So wird zum Beispiel immer wieder gesagt, dass die Jünger Jesu das CVJM-Heim besuchen oder so etwas. Für den CVJM ist das ja ganz nett, aber das gab es halt damals nicht. Es sind aber auch andere Punkte dabei, wo man sagen muss: Bitte? Exactly! Ja, genau, das ist eine der im evangelikalen Raum verbreiteten. Es ist die Volksbibel, da werde ich gleich noch darauf zu sprechen kommen, aber die geht in eine ähnliche Richtung.
Ich will hiermit einfach bloß zeigen: Die Volksbibel setzt diesen Trend fort, der eigentlich schon durch diesen Juniorboss oder, im alten Juniorchef, und das Alte Testament hieß der große Boss, angeklungen ist. Denn da war genau dasselbe: die lockere Sprache, man muss das Ganze ja nicht so genau und nicht so ernst nehmen, und das Ziel ist, das lesen doch jetzt auch breite Teile der Bevölkerung, die sonst an die heranzuführen sind.
Das Ergebnis ist dieses Juniorchef-Buch, das das erste Mal vor fast zwanzig Jahren herausgekommen ist und immer wieder selbst vom Weltbild-Verlag dann in Sondereditionen herausgegeben wurde. Das Ergebnis ist: Kein einziger ist dadurch wirklich an die Bibel herangekommen, sondern es war eher so eine Art Kabarett des Neuen Testaments. Mal über Jesus lachen, mal so ein bisschen sehen, wie könnte es denn heute da und dort sein. Ich gebe euch mal einen Auszug.
Also, das fängt an: Die Ankündigung der Geburt Jesu bei Kort ließ sich folgendermaßen darstellen: Da das unzuverlässige Gewimmel immer wieder aus Evas Töchtern hervorkroch, hatte der große Boss an jenem denkwürdigen Donnerstag die zündende Idee. Wir müssen die entartete Bande mit etwas besserem Gehmaterial veredeln. Der große Boss schlug sich mit Freude über die Blitzidee an seine Denkerstirn, so dass die Funken bis zum Kollegen Zeus hinüber auf den Olymp schossen.
„Genial, Jesus Maria“, frohlockte er. „Evas Sündenvolk muss mit einer Frischblutkonserve verbessert werden, eine göttliche Rose auf einem frischen Trieb der alten Sorte gepfropft werden, auf dem Stamm Davids, versteht sich. Denn die Rotzbänge waren zwar religiös unzuverlässig, aber immerhin gehörten sie zur Ursippe.“ Der große Boss ließ sein göttliches Dreiecksauge wohlgefällig über die hübschen Jungmädel schweifen, und plötzlich sah er eine, die ihn an die kurvenreiche Urmutter Eva erinnerte: Maria. Und so weiter.
Also, ich will euch jetzt nicht endlos das weiter vorlesen, aber ich hoffe, ihr merkt: Aus meinem Empfinden grenzt das an Gotteslästerung. Und wie gesagt, das ist ein Bestseller, und das prägt Leute. Deshalb, ihr merkt, das kann ich euch so natürlich nicht empfehlen.
Andere Auszüge mit den einzelnen Hintergründen könnt ihr in meinem Buch nachlesen. Ich würde euch nicht empfehlen, das selbst anzuschaffen, da unterstützt ihr nur noch finanziell solch ein Projekt. Wenn ihr aber etwas lesen wollt, schaut es bei mir nach. Da habe ich einige Beispiele, wie das nun mit Johannes dem Täufer, mit dem Auftreten Jesu ist.
Da wird dann zum Beispiel Jesu Auftreten als Psychoarbeit in Kapernaum beschrieben, wo er dann eben mit den Leuten spricht. Es ist ja ganz klar: Die Wunder Jesu sind nur Scheinwunder. Da steht, er habe bei den ägyptischen Priestern eben dann so Zauberstunden genommen, dann könne er so ein paar Tricks machen. Wenn Leute von Besessenheit frei werden, dann sei das eben diese Psychoarbeit. Also, er hätte die Psychos, das heißt die, die psychisch krank sind, durch Gesprächstherapie geheilt.
Wir merken: durchsetzt nicht nur von Lächerlichkeit Jesu, sondern auch von bibelkritischer Theologie, die eben nicht glauben will. Was Ihnen unwahrscheinlich klingt, und durch dieses Lesen werden Menschen natürlich nicht zur Bibel hingebracht, sondern eher noch weiter weggebracht, weil sie in ihren Vorurteilen, was die Bibel betrifft, bestätigt werden.
Und darüber hinaus gibt es auch eine ganze Menge Religionsvermischung. Typisch ist auch, dass dadurch dieses „alle Religionen sind gleich“ unterstützt wird. Ein Auszug: Unterwegs, wo Jesus mit den Jüngern unterwegs ist, bringt er ihnen Zitat „Formeln für die Dämonenbekämpfung“ bei.
Ich zitiere weiter: eine Art Psycho-Karate-Training, dreißig Minuten Selbsterfahrung, fünfundzwanzig Minuten Rebirthing, zwanzig Minuten Reiki, fünfzehn Minuten Reinkarnationstherapie, zehn Minuten neurolinguistisches Programmieren, fünf Minuten exorzistische Kommandos und so weiter und so weiter. Um aber Energie sammeln zu können, muss man seine Seele freimachen, nichts wollen als vollkommen sein, einfach sein, der man ist.
Und solche typischen Psychohinweise, die man auch in irgendwelchen Ratgebern lesen kann, werden dann Jesus in den Mund gelegt. Und er formuliert dann auch am Ende, dass es da nun einige Leute gäbe, die sich wahrscheinlich ihm kritisch gegenüber auf ihn stützen könnten. Da sagt er in einem Nachwort für Schriftgelehrte und Pharisäer, das richtet sich an die, die das vielleicht kritisieren könnten, und dann sagt er, ausgehend vom Markus-Evangelium erzähle ich dann, Zitat, „darauf unbeschwert drauf los, was mir der Heilige Geist eingab“. Also, er bezieht sich jetzt auf den Heiligen Geist, der ihm das Ganze eingegeben habe.
Da geht es noch etwas weiter. Cord nimmt dann sogar für sich in Anspruch, recht vorsichtig mit dem biblischen Original umgegangen zu sein. Zitat: „Jesu Kernsätze habe ich dabei nach Möglichkeit im ursprünglichen Wortlaut erhalten, um sie nicht zu verfälschen.“
Also hier scheinbar diese Auseinandersetzung: bewusst verzichtet der Herausgeber auf zahlreiche theologisch wichtige Kapitel des Neuen Testaments, die übrigen Kapitel schreibt er. Das hier, Zitat, „haben mit dem Erdenleben des Juniorchefs so wenig zu tun, dass ich schmerzlos darauf verzichten konnte“, also die Kapitel, die er nicht erwähnt.
Zur Rechtfertigung seiner leicht lockeren Evangeliumserzählung sagt Cord: Warum sollen denn Jesus und seine Freunde muffige Frömmler gewesen sein? Das heißt also, die anderen Übersetzungen sind muffige Frömmler, und die, die das kritisieren, sind auch muffige Frömmler.
Dann ein letzter Auszug daraus in seinem Nachwort: Protestgeschrei und Pingelei engherziger Pharisäer nehme ich furchtlos auf mich, im Herzen wissend, dass der Juniorchef selbst verstockten Sündern großzügig vergibt. Das sagt er über sich selbst.
Ja, er meint ja, er nimmt nichts weg, was nicht auch wichtig war. Ja, ich habe ja versucht, gerade zu sagen: Er meint das, was wichtig war, das hat er alles erhalten und sogar noch besser gemacht als das, was die Frömmler tun. Ja, natürlich, ich stimme der ja vollkommen zu. Ich bin ja gar nicht auf seiner Seite, aber ich versuche nur zu antworten, wie er antworten würde, dass das nicht trifft, dass das total daneben ist, das ist offensichtlich.
Aber so: Der ist Christ, er schreibt sogar in seinem Vorwort, dass er mit einigen Pfarrern zusammengearbeitet hätte, die ihn dafür beraten hätten usw. Also, der versteht sich als Christ, deutlich. Deshalb hier ein Beispiel einer modernen Bibelübersetzung im weltlichen Bereich, also das heißt im kirchlichen Bereich.
Jetzt komme ich zu einem anderen Beispiel, nämlich einer modernen Bibelübersetzung im freikirchlichen Bereich. Und das ist dann die Volksbibel. Die ist herausgegeben von dem Jesusfreak-Gründer Martin Dreyer.
Das Ziel dieser Bibelübersetzung, das will ich erst mal vor Augen führen, ist: Er sah diese Leute, die er da von der Straße erreicht, die sonst nur die Bildzeitung lesen oder gar nichts lesen, denen will er die Bibel nahebringen. Das ist sein Ziel, sagt er auch in mehreren Interviews.
Er sagt darüber hinaus auch, dass er, ebenfalls ähnlich wie Michael Cord interessanterweise, einen Auftrag von Gott bekommen hätte, das zu tun. Gott hätte ihn dazu ermutigt, das zu machen. Darüber hinaus sagt er, dass er versucht, die ursprünglichen Aussagen, die Jesus gemacht hat, in einer zeitgemäßen Jugendsprache wiederzugeben, so dass es den Leuten näherkommt.
Nun möchte ich sagen: Das Durchlesen, ich habe, ich glaube, bis auf einige wenige Kapitel die ganze Bibel durchgelesen, also das ganze Neue Testament nach der Volksbibel, um mir dann auch ein Bild davon zu verschaffen. Ich habe mir dann auch große Teile der jetzt herausgekommenen, in diesem Frühjahr herausgekommenen, zweiten Auflage angeschaut und habe an einigen Stellen mit Freuden festgestellt, dass er auf Kritikpunkte, die ich erwähnt habe, auch eingegangen ist. Vielleicht haben auch andere sie genannt. Er hat sie verändert. Dadurch hat er aber auch auf der anderen Seite wieder neue Probleme reingebaut. Ich werde einige Probleme nachher noch benennen.
Nun, bei manchen Stellen muss ich sagen, dass durch diese Formulierung auch ein langjähriger Christ neu nachdenken kann, was denn diese Aussagen eigentlich bedeuten. Wie gesagt, nicht als Bibelübersetzung, sondern als Ansatz zum Nachdenken. Zwei Beispiele:
So übersetzt er, oder wir müssen sagen, erzählt er frei nach 2. Korinther 5,12. Es geht dabei, dass Paulus die Korinther lobt über ihre Freigiebigkeit bezüglich der Gaben, die sie ihm mitgegeben haben für die Gemeinde nach Jerusalem. Und da übersetzt er folgendermaßen: Ich will euch nun ein paar Argumente an die Hand geben gegen die Leute, die nur auf Äußerlichkeiten abfahren, aber im Herzen total unehrlich drauf sind.
Das klingt jetzt natürlich ein bisschen ungewohnt, aber immerhin empfinde ich: Da sind ja auch durchaus ernsthafte Überlegungen mit drin. Manche Sachen kann man gut verstehen dabei. Also hier würde ich sagen, ist jetzt nicht direkt etwas Gotteslästerliches dabei, sondern es kann tatsächlich dazu dienen, altbekannte Bibeltexte neu zu verstehen.
Oder 2. Korinther 8,14, noch ein bisschen später, jetzt wiederum um die Frage der Sammlung: Da sagt er, zurzeit habt ihr ja mehr als genug und könnt locker an die anderen etwas abgeben. Das nächste Mal können sich die dann vielleicht bei euch revanchieren?
Auch hier würde ich sagen: Das ist nicht direkt gotteslästerlich, das kann man verstehen, kann sogar zum Nachdenken anregen. Die Kritik, die ich auch bei den äquivalenten Übersetzungen genannt habe, die gilt auch hier, dass man sagt, es geht natürlich vom Urtext etwas verloren. Aber hier durchaus möglich, würde ich sagen. Allerdings sollte man diese Bibel dann nicht als Übersetzung kennzeichnen, wie Martin Dreyer das tut, sondern als freie Übertragung an diesen Stellen.
Also, das ist sein Ziel, was er dahinter hat. Es gibt sogar manche Stellen, da bleibt er erstaunlich konservativ, wo man sagen müsste: Na ja, so ein moderner Bibelübersetzer hätte doch was tun können. Zum Beispiel lesen wir: Für Kinder gilt, dass sie das tun sollen, was die Eltern ihnen sagen, und zwar in jedem Bereich. Epheser 5,24. Immerhin, da kenne ich einige konservativere Freikirchler, die das in jedem Bereich und Gehorsam in allen Dingen schnell unter den Tisch fallen lassen. Das kann man doch so nie sagen in so modernen Zeiten. Hier, bei ihm, kommt das drin vor.
Oder wir lesen bezüglich des Lehrverbots der Frauen immerhin ohne Abschwächung: „Ich will aber nicht, dass die Frauen öffentlich lehren“ in 1. Timotheus 2,12. Ja, da sind ja selbst manche Theologen der baptistischen Gemeinden und selbst der freien evangelischen Gemeinden, die diese Stelle ja mit langen Winkelzügen versuchen, anders zu übersetzen. Da habe ich neulich eine gelesen von einem baptistischen Theologen, der übersetzt das dann so: Ich will nicht, dass die Frauen lehren, sondern ich will nicht, dass die Frauen lehren, sie seien Herr über den Mann. Was da natürlich gar nicht steht, das ist totale Verdrehung der Bibeltexte. Hier muss man sagen, ist die Volksbibel relativ genau geblieben.
Warum die Volksbibel nach dieser Sicht problematisch ist
Also deshalb will ich von allem, was ich später sage, das erst einmal vorwegschicken: Es gibt durchaus einige Dinge, bei denen man sagen muss, der meint es schon ernst. Und es sind durchaus auch Dinge dabei, die zum Nachdenken anregen können.
Aber, und hier kommt das Aber, was bei mir zu dem Schluss führt, dass ich euch sagen würde: Nehmt die Volksbibel nicht. Aber jetzt sage ich euch warum.
Übrigens will ich nebenbei erwähnen, dass die Volksbibel nicht nur so eine Randerscheinung ist, sondern dass das ja einer der Bestseller im evangelikalen Bereich ist. Über hunderttausend verkaufte Exemplare in den letzten zwei Jahren. Zwischenzeitlich sind immer mehr Pastoren dazu übergegangen, unter anderem meine Tante ist in der großen Baptistengemeinde in Norddeutschland, da ist der Pastor dazu übergegangen, dass alle, die aus dem kirchlichen Unterricht entlassen werden, einen gemeindlichen Unterricht bekommen und alle Jugendlichen die Volksbibel in die Hand bekommen. Oder hier in Lemgo eine Gemeinde, die sonntags aus der Volksbibel predigt.
Selbst Martin Dreyer wollte das ja nicht, sondern er wollte ja die aus der Gasse damit erreichen. Was er aber erreicht hat, und das ist einer meiner Kritikpunkte: Meistens lesen sie nicht nur die aus der Gasse, denn wer nur die Bildzeitung liest, der liest auch nicht eine 300 Seiten dicke Volksbibel. Denn dann ist derjenige doch zu massiv. Und wenn ihr mal den Drucksatz lest: Der Drucksatz ist ja äußerst mühsam zu lesen, so Blocksatz, alles in schönen kleinen Lettern, schwierig zu lesen. Das heißt, wenn man lesefreundlich sein wollte, hätte man auch im Layout etwas machen können.
Darüber hinaus sind viele Dinge, da komme ich gleich noch darauf zu sprechen, nicht besser zu verstehen, sondern sie sind einfach verfälscht, weil man eine lockere, coole Jugendsprache machen will. Im Grunde genommen dasselbe wie Michael Cord mit seinem Juniorchef: Man will zum Lachen anreizen.
Ich habe in den letzten Jahren mehrfach, regelmäßig, wenn ich in Jugendstunden darüber rede, den Leuten mal so ein paar Seiten vorgelesen, und das Ergebnis ist immer, ausnahmslos immer, welches? Die Jugendlichen fangen an zu lachen. Das ist ja locker, das ist ja cool. Jetzt ist natürlich nur die Frage: Ist das denn das Ziel des Neuen Testaments, dass ich über Jesus und seine Aussprüche lache? Ich würde sagen: nicht. Nicht, dass ein Christ nicht lachen könnte, natürlich könnte er lachen. Aber Jesu Aussagen, wie er mit seinen Jüngern umgeht, das ist nicht zum Lachen, sondern das soll uns treffen. Da will Jesus uns herausfordern. Und da merken wir: Die Bibel eignet sich eben nicht, um dann so ein bisschen lockere Unterhaltung in der Freizeit zu haben. Und das ist ein Problem, aber es ist nur eines am Rande.
Nun, die Volksbibel, das möchte ich als erstes nennen, fördert falsche Lesegewohnheiten. Statt zum Original zu greifen und sich mit Mühe und Nachdenken einer wortgetreuen Übersetzung auseinanderzusetzen, kann man sich hier leicht daran gewöhnen, den mundgerecht formulierten Text der Volksbibel zu schlucken. So wird eine Umgewöhnung an eine normale Bibel erschwert.
Ich habe bisher mehrere Jugendliche erlebt, die früher eine normale Bibel gelesen haben, die jetzt die Volksbibel lesen. Mir ist noch kein einziger begegnet, der mit der Volksbibel angefangen hätte und jetzt zu einer normalen Bibel übergegangen ist. Warum? Das ist dann doch hinterher noch viel mühsamer. Warum soll ich mir denn diese Mühe machen, mit so einer anderen Bibel, als es doch so locker und so toll in der Volksbibel zu lesen? Nur nach einer Zeit verliert selbst das natürlich an Spaß.
Zweitens: Die Volksbibel vertieft den Generationskonflikt. Also bisher findet ihr wahrscheinlich schon in der Gemeinde immer wieder Generationskonflikte, häufig macht er sich an der Musik fest. Hier schafft Martin Dreyer, ob er will oder nicht, einen neuen und zwar riesigen Konflikt.
Stellt euch mal vor, ihr seid im Hauskreis und lest dann aus der Volksbibel vor. Ihr versteht ja gar nicht mehr, was da drin steht, und der versteht nicht, was ihr sagt. Das heißt, hier gibt es einen deutlichen Spalt, der in die Gemeinde hineingehauen wird. Und wer mit der Volksbibel groß wird, und das zeichnet sich immer weiter ab, der bleibt auch in der Volksbibel, wenn er älter wird. Das heißt, dann ist nicht nur der Generationskonflikt zwischen den jetzigen Jugendlichen und den jetzigen Alten, sondern dann ist der Generationskonflikt in die Zukunft vorprogrammiert. Denn die, die jetzt in der Volksbibel groß werden, werden die nächsten zehn Jahre auch noch lesen. Aber in zehn Jahren ist die Jugendsprache natürlich wieder total anders. Also müssen wir in zehn Jahren eine andere Volksbibel haben, die dann die Jugendszene wieder liest.
Was wäre die Folge? Dass ihr zukünftig in der Gemeinde fünf, sechs verschiedene lockere Bibelübersetzungen nebeneinander habt. Keiner versteht den anderen mehr überhaupt. Und das ist ja nicht nur aus der Luft gegriffen, das ist schon jetzt der Fall, wo die Volksbibel in Gemeinden Einzug gefunden hat. Hier trennen sich auch nicht nur die Älteren von den Jüngeren, sondern auch schon nur die etwas Älteren von den etwas Jüngeren oder auch schon die Jüngeren von den Jüngeren. Denn es gibt jetzt die Jüngeren, die in der normalen Bibel lesen, und die, die in der Volksbibel lesen, und die verstehen einander auch nicht mehr. Und da, glaube ich, ist ein großes Problem.
Übrigens, hier wird manchmal fälschlich Luther zitiert. Luther hat ja gesagt, man muss dem Volk aufs Maul schauen, um dann zu übersetzen. Hier wird manchmal gesagt, das hätte die Volksbibel doch auch getan. Das ist allerdings Quatsch. Denn Luther hat das, könnt ihr nachlesen, er hat geschaut, was das Volk gesagt hat. Damit meinte er, er hat Deutsch gesprochen, er hat eben nicht Latein gesprochen. Dann hat er die Begriffe genommen, die in der Hochsprache, nämlich der Kanzleisprache Thüringens damals gebraucht wurden, die hat er benutzt. Denn er hat ja bewusst keine Szenesprache genommen, er hat nicht die Sprache der Bauern oder der Schäfer oder der Bayern oder sonst was genommen, sondern eine Sprache, die allgemein verständlich war. Und das ist die Volksbibel mit Sicherheit nicht. Also hier kann man sich nicht auf Luther berufen, das ist etwas total anderes.
Darüber hinaus hat Luther ja ganz bewusst den Text nicht verfälscht, denn Luther ist eine wortgenaue Übersetzung, die möglichst genau den hebräischen und griechischen Urtext überliefert. Luther kannte Griechisch und Hebräisch, Martin Dreyer spricht beides nicht, weder Griechisch noch Hebräisch. Das spielt für ihn auch keine Rolle, sondern er hat das zusammengenommen aus den deutschen Bibelübersetzungen, das Ganze ein bisschen aufgepeppt mit moderner Sprache, was er zumindest dafür hält.
Ich habe mir extra dann ein Duden Jugendsprache gekauft, um zu sehen, ob nun die Sprache von Martin Dreyer wirklich Jugendsprache ist. Mein Ergebnis dabei: Das ist gar nicht die Jugendsprache, sondern das ist das, was dieser, na ja, schon zwischenzeitlich Alternde, der in meinem Alter Alternde, für Jugendsprache hält. Da, wo ich mit Jugendlichen zu tun habe, und ich habe ab und zu mit Jugendlichen zu tun, sowohl christlichen als auch nicht christlichen, stelle ich fest: So reden die meisten Jugendlichen gar nicht. Die haben nicht in jedem Satz fünf, sechs verschiedene Slang-Ausdrücke.
Vor allen Dingen: Jugend, ja was ist denn das heute? Es gibt ja gar keine einheitliche Jugend. Da ist zum Beispiel der, der auf Rockmusik abfährt, total ein anderer als der, der Hip-Hop-Musik hört, der hat auch andere Worte. Da findet ihr den Jugendlichen, der, was weiß ich, ein Computerfreak ist, der hat total andere Ausdrücke, die sind dann durchsetzt durch alle möglichen Computerbegriffe, als derjenige, was weiß ich, der jetzt, was können wir da nehmen, aus irgendeiner anderen Szene stammt. Was weiß ich, Motorsport oder Fußballfan oder sonst irgendetwas.
Und da müssen wir sagen: Das ist letztendlich nicht Jugendsprache, sondern das ist eine neu kreierte Fassung, wie er vielleicht vor zwanzig Jahren aufgewachsen ist, und da hat er möglichst alle Begriffe da reingepackt, wie ein normaler Jugendlicher eigentlich gar nicht spricht. Und ich muss euch sagen, die meisten Jugendlichen können deutlich unterscheiden. Wenn die meisten Jugendlichen mit ihren Eltern oder Lehrern oder sonst was sprechen, können die relativ gut reden, oder? Also ich weiß nicht, ob euch alle anderen immer sagen: Hey Alter, du bist cool drauf heute. Also sehr selten, glaube ich. Wobei das ist ja jetzt nur meine Jugendsprache, vielleicht vor zwanzig Jahren, das ist ja nicht mehr die jetzt aktuelle. Heute ist ja nicht mehr cool, sondern heute ist fett, wobei fett ist auch nicht mehr in und solche Sachen. Gras oder sowas. Oder unsere Kinder haben jetzt noch etwas anderes, das ist, wie heißt denn das, die brauchen das doch immer wieder, aber jetzt habe ich sie vergessen. Ja, ihr habt doch auch Kinder, jetzt ist der Moment: Das ist Hammer, das ist Hammer!
Ja, das ist alles Hammer. Also das Lied ist Hammer oder so, oder du bist Hammer, wenn du gut drauf bist, so kann man ja auch sagen. Aber das wird auch in fünf Jahren natürlich nicht mehr Hammer sein, weil da wird es ein neues Wort geben dann dafür.
Also das, was ich damit sagen will, ist: Auch Jugendliche können unterscheiden zwischen der Sprache, die sie unter Gleichaltrigen sprechen, und der, die sie mit anderen sprechen. Und hier sollte doch klar sein: Jesus ist eben nicht der Kumpel, mit dem ich in die Disco gehe. So nicht. Jesus will mein Herr sein, also eher das Verhältnis von Chef zu Angestellten oder von Autoritätsperson zu demjenigen, der da zu hören hat. Und das ist ja gerade nicht, was Martin Dreyer macht. Sondern für Martin Dreyer ist es der Kumpel, der sogar noch lockerer ist als ich, der noch ein bisschen lockerer spricht, als ich das vielleicht tue. Das ist das, was die meisten Leute dabei betrifft.
Nächster Punkt: Die Volksbibel hat die Gefahr, dass sie Anpassung statt Herausforderung setzt. Die erfolgreichen Außenseiterarbeiten der vergangenen Jahrhunderte waren immer diejenigen, die die Außenseiter oder Gestrandeten herausgefordert und aus ihrem Dreck herausgezogen haben. Diejenigen, die sich dort anzupassen versuchen, sind früher oder später alle gescheitert.
Nehmt die Heilsarmee: Was hat die gemacht? Die Heilsarmee, eine der erfolgreichsten Arbeiten seit 150 Jahren unter Leuten, die aus dem Dreck kommen: Prostituierte, Zuhälter, Alkoholiker. Was machen die? Sagen die: Okay, als Missionare müssen wir jetzt auch abgerissene Anzüge, bisschen Stinken, bisschen Rotwein rübergießen, dann gehen wir zu den Pennern? Nein, gerade nicht, genau das Gegenteil. Sie sagen: Hier, du musst von vornherein deutlich machen, wir sind total anders. Und gerade das hilft den Leuten aus der Gasse. Denn für die ist vollkommen klar: Wenn ich einmal den Anzug der Heilsarmee angezogen habe, ich gehöre nicht mehr dazu. Das ist ein Schutz, den sie haben. Das ist auch deutlich: Ich bin anders geworden. Bei denen ist sogar die Sache nicht: Jetzt machen wir mal, was weiß ich, Abendmahl ein bisschen mehr Wein, sondern generell gar kein Alkohol mehr. Also das heißt: Das, was ihnen geholfen hat, und dadurch sind ja Millionen Menschen aus dieser Szene herausgekommen. Und in Deutschland sind sie ja nicht mehr ganz so groß, aber die größte Arbeit der Heilsarmee ist ja in Indien, mit mehreren Millionen Leuten dabei. Ihr Hauptgeheimnis ist gerade, das Entgegengesetzte herauszuziehen. Und ich glaube, genau dasselbe hat Jesus auch getan. Jesus hat so gesprochen, dass die Leute es verstehen konnten, hat sich aber nicht angepasst an die Leute. Und genau das soll hier getan werden. Ich halte diese Anpassung eher für schädlich als für hilfreich.
Was wir tun müssen, ist, wenn Leute rauskommen wollen, eine Alternative bieten. Das muss keine frömmlerische in dem Sinne sein, aber eine echte. Und eine, die sich auch in der Sprache ausdrückt und natürlich auch in den Bildern, die da genannt werden.
Zweitens, nächstens: Die Volksbibel fragmentiert die Christenheit. Denn jetzt ist ja die Frage: Wenn wir jetzt eine Bibel haben für eine Szene, nämlich die Szene der Jugendlichen, die häufig in die Disco und Kneipe gehen, das sind vielleicht diejenigen, die das mit der Bibel ansprechen, dann müssen wir ja mit Recht die Frage stellen: Dann müssten wir doch morgen vielleicht eine Bibelübersetzung haben, die dann insbesondere diejenigen anspricht, die meinetwegen die Computerfreaks sind. Denn die verstehen ja nicht die Volksbibel, die haben ja etwas ganz anderes.
Meinetwegen übersetzt mal etwas in die Computersprache. Dann müsste jetzt vielleicht von der Software geredet werden, die beeindruckt, oder dem Hacker, der als Teufel bezeichnet wird, oder die Schöpfung der Welt muss in Bits und Bytes geordnet werden. Man spricht vielleicht von Virtual Reality, wenn es um das Unkraut im Acker geht, oder von Viren im Rechner, wenn wir mit Anfechtung zu tun haben. Könnte man doch genauso machen, könnte man doch genauso machen, oder nicht? Ich meine, das würden die doch vielleicht besser verstehen.
Wenn ich jetzt das Argumentationsmuster heranziehe, müsste ich doch sagen: Ich kann auch nicht nur für eine Szene, sondern auch für andere. Ja, jetzt könnte man ja auch eine Bikerbibel haben, die hat nicht vorneherauf nur mit Motorrad mit einem Lederanzug, sondern die haben jetzt auch dann richtig die Sprache der Biker, nicht? Versteht natürlich kein anderer Mensch mehr.
Wozu führt das mit der Zeit? Wenn wir das konsequent verfolgen, dann hätten wir in zwanzig Jahren wahrscheinlich in einer Stadt nicht nur theologisch unterschiedliche Gemeinden, sondern zwanzig verschiedene Gemeinden, jeder hat die nach seiner Szene. Dann gibt es eben die, die ein wenig esoterisch sind, da ist dann der Heilige Geist plötzlich die Waber der Energie oder so etwas, weil sie es besser verstehen können. Oder wenn Jesus heilt, dann können wir das mal als Beispiel machen: Ja, das ist die christliche Reiki oder so, können wir ja genauso machen, warum nicht?
Ich habe den Eindruck, hier wird ein Tor aufgestoßen, was, wenn wir konsequent folgen, und ich bin davon überzeugt, das kommt noch. Es werden in der Zukunft noch mehr solche Szenenbibeln kommen, weil das im Augenblick einfach im Trend liegt. Wird aber dazu führen, die Christenheit versteht sich noch weniger, wird noch mehr fragmentarisiert und die Bibel dadurch noch mehr verfälscht. Und es wird noch schwieriger, miteinander umzugehen.
Dass die Volksbibel nicht nur zum Lachen sein soll, das habe ich auch erwähnt. Das, was ich jetzt aber noch viel schlimmer halte, das sind jetzt alle formalen Dinge, ist, dass die Volksbibel handfeste Bibelkritik betreibt, und das finde ich besonders erschreckend.
Die Bibelübersetzer der vergangenen Jahrhunderte haben ihr Leben darum gegeben, im wortwörtlichen Sinne, die sind dafür gestorben, wie zum Beispiel Tyndale, Wyclif und andere, dafür gestorben, dass sie die Bibel möglichst wortgenau übersetzt haben. Da kommt einer heute her mit dem Handstreich und lässt schreibt das alles über Bord.
Da sprecht ihr mit Muslimen, und die Muslime werden den Christen vorwerfen, dass die Christen doch ganz frei mit der Bibel umgegangen sind, dass die doch alles Mögliche verfälscht hätten, was in der Bibel steht. Stellt euch mal vor, einem Muslim kommt eine Volksbibel in die Hand. Ja, der wird nie mehr Christ. Der sagt: So geht es ja mit dem Heiligen Buch um, das, was Gott gesagt hat. Ja, bei uns im Koran ist das ganz anders, und man muss mal sagen: Zu Recht. Das können wir doch wirklich nicht sagen, wenn wir vorhin gehört haben: kein Wort verändern, kein Buchstabe verändern. In der Offenbarung steht sogar, wer ein Wort wegtut oder dazufügt, dem werden alle Gerichte der Offenbarung, der wird darunter leiden und solche Sachen. Da können wir doch nicht so leichtfertig gehen, dass ohne Not, und es ist ja ganz ohne Not, diese Sachen vollkommen preisgegeben werden. Das ist Bibelkritik.
Da werden eindeutige Aussagen in der Bibel gesagt, da spielt doch alles gar keine Rolle, wie ihr übersetzt, das mal ganz anders. Wenn so die Bibel in der Zukunft weiter übersetzt wird, dann ist das tatsächlich wie stille Post. Dann wird es in tausend Jahren nur noch eine Bibel geben, die kein Mensch mehr versteht. Denn wenn dann die Volksbibel als Grundlage genommen wird, ja, was ist denn einer, wenn der jetzt wieder von der Volksbibel aus übersetzt? Ja, dann ist die Übersetzung der Übersetzung der Übersetzung, hinterher erkennt man dabei gar nichts mehr. Das hier ist tatsächlich Bibelkritik.
Ich nenne Beispiele dafür: historische Fälschungen. Offensichtlich waren zur Zeit Jesu keine Dollar im Umlauf, oder? In Matthäus 27,9 steht das aber, das ist nämlich die jüdische Tempelpulle, die eben da im Tempel mit Dollar bezahlt worden ist. Jetzt könntet ihr natürlich sagen: Ja, spielt ja keine Rolle. Ja, aber was versuchen wir denn gerade den Gegnern des Christentums zu zeigen? Die Bibel ist historisch zuverlässig und genau. Ja, und dann liest einer das, der hat in der Schule vom Religionslehrer gehört: Die Bibel, das war alles nur so erfunden, braucht man gar nicht so genau nehmen. Und dann liest er das, und wenn er sich noch ein bisschen auskennt, dann weiß er: Ja, das stimmt ja alles gar nicht. Ja, die Bibel ist erlogen und erstunken.
Dann wird da gesagt, als Jesus von der jüdischen Tempelpolizei festgenommen wird, dass sie ihn festnehmen mit MGs. Ja, hat man zur Zeit Jesu MGs? Ganz neu. Wofür muss das denn sein? Da steht doch im Original, dass sie Schwerter gehabt haben. Jetzt frage ich euch mal: Kennt ihr irgendeinen Jugendlichen, der nicht weiß, was ein Schwert ist? Ja, selbst die, die nur vorm Computer sitzen, die kennen, bei World of Warcraft, da kämpfen sie andauernd selbst mit Schwertern. Ich kenne keinen einzigen Jugendlichen, der nicht weiß, was ein Schwert ist.
Also wenn hier der Ansatz ist, wir wollen das verständlicher machen, hier wird das nicht verständlicher gemacht, hier geht es einfach bloß darum, um cooler zu klingen, nimmt man statt eines Schwertes ein MG. Aber in Wirklichkeit, was man macht, und das ist nicht ohne, ist totale Bibelfälschung.
Oder wie ist es, wenn die Jünger bei der Speisung der 5000 bei Matthäus 15, ab Vers 32, empfehlen, dass man doch zu Aldi oder McDonalds gehen könnte? Klingt ja cool, nicht? Aber es ist natürlich totale Bibelfälschung, nicht nur weil es nicht in der Bibel steht, sondern weil es auch historisch falsch ist.
Hier müssen wir sehen: Das ist ja gerade die Glaubwürdigkeit. Wenn Lukas sagt, er hat alles ganz genau überprüft, hat genau überprüft, wie es gewesen ist, und sagt es zuverlässig dem Theophilus weiter, dann sollte das unsere Leitlinie sein. Wenn Lukas dann sogar schreibt, das war zur Zeit, als Augustus Kaiser war und Kyrenius Landpfleger in Syrien, dann will er uns die Möglichkeit geben, historisch zu überprüfen: Das war wirklich so. Diese Möglichkeit wird den Jugendlichen genommen, die die Volksbibel lesen.
Wie ist es erklärlich, dass Jesus am Palmsonntag nach der Volksbibel Matthäus 21 mit einem roten Mofa nach Jerusalem einfährt? Kennen Jugendliche heute keine Esel? Übrigens, das war einer der Punkte, den sie jetzt korrigiert haben, da habe ich mich ja gefreut. In der neuen Volksbibel steht dann: Er fuhr mit einem roten Fahrrad nach Jerusalem. Jetzt sind also schon die Volksbibelleser sich dann uneinig. Der eine hat die alte Volksbibel, der andere die neue. Was hat der jetzt gehabt? Vielleicht steht in der nächsten, weil es im Moment bei Jugendlichen in ist, auch nicht mehr Motorrad zu fahren. Da merkt man: Motorrad ist ja typisch, das ist der Martin Dreyer, nicht vor zwanzig Jahren vor jugendlichem Motorrad. Heute ist doch nicht mehr Motorrad cool, sondern dann hätte Jesus mit dem Motorroller fahren müssen, denn das ist heute bei den Jugendlichen eher cool. Das ist vielleicht dann die nächste Übersetzung, ich kann sie mir vorschlagen, für die dritte Revision. Nein, werde ich nicht tun, ich will ihn ja nicht da verführen.
Darüber hinaus haben sie dann im synoptischen Vergleich neue Probleme. Das heißt nämlich, im Matthäusevangelium fuhr er nun also mit dem Mofa, beim Lukasevangelium ritt er mit einem Esel. Jetzt muss man fragen: Lieber Martin Dreyer, wieso machst du neue Widersprüche in die Bibel rein, wo vorher keine waren? Also auch hier ein Problem. Da liest also der Jugendliche weiter und plötzlich liest er etwas ganz anderes und fragt sich: Ja, was stimmt denn dabei eigentlich? Also auch da muss ich sagen: Das ist doch unsinnig.
Darüber hinaus sind dann wohlbekannte Gleichnisse, die wir kennen werden, verfälscht, ohne Sinn, und dass der Inhalt dadurch auch verändert wird. Anstatt Öl für ihre Lampen fehlt beispielsweise den Frauen aus Matthäus 25 Benzin für ihre Vespas. Ja, und dann müssen wir sagen: Das ist doch ein total anderes Bild. Denn das Bild für Öl in der Bibel, das steht ja beispielsweise auch für den Heiligen Geist, das ist das Salben der Könige und Propheten im Alten Testament, das Öl war etwas, was man gegessen hat und so weiter und so weiter. Das ist doch hier etwas ganz anderes, was man dabei hat, ein total anderes Bild.
Und was passiert dann? Die kurven dann mit durch die Stadt, um dann eine Tankstelle zu finden, und kommen dann zu spät zum Hochzeitsfest. In der Gegensprecheinlage verhandeln sie da mit dem Bräutigam, der nicht mal mit Augen mit Augen mit ihnen spricht und so weiter. Aber die ganze Bedeutungsvielfalt von Öl und Licht, das Öl ja auch zum Lichtanzünden ist, das also Feuer brennt, Licht bringt, Wärme bringt, das geht alles verloren, ist nur noch ein technischer Gegenstand. Das heißt, die Vielfalt der biblischen Motive gerät vollkommen außer Rand und Band. Dabei ist etwas total anderes, obwohl es durchaus möglich wäre. Man könnte doch in der Fußnote für Jugendliche erklären, das ist meinetwegen heute so und so, das wäre doch viel besser.
Oder dann beispielsweise das Gleichnis von dem jungen Wein und den alten Schläuchen gibt es in der Volksbibel gar nicht mehr. In der neuen Übersetzung steht immerhin dann als Fußnote dran: Fand ich ja gut, dass das früher so anders in der Bibel stand. Nein, da steht einfach in der Volksbibel das Gleichnis von dem alten Computer und dem neuen Betriebssystem. Das kann man ja durchaus mal erzählen, wenn man einen lockeren Jugendgottesdienst machen will, aber das darf man nicht als Bibelübersetzung ausgeben. Denn alter Computer und neues Betriebssystem ist zwar manchmal auch ein Problem, aber ein total anderes Problem als der junge Wein und die alten Schläuche. Und da müssen wir sagen: Hier geht viel von der Bedeutungsvielfalt verloren, und ohne Not, statt zu erklären, was es bedeutet, baut man sich neue Probleme aus, verfälscht, weil es natürlich auch gar keinen Computer zur Zeit Jesu gegeben hat und ein Betriebssystem natürlich auch nicht.
Dann sind auch kulturelle Missverständnisse, die neu aufgebaut worden sind. Statt dann etwas zu erklären, werden dann Sachen verändert, die total unsinnig sind, zum Beispiel: Aus den hundert Schafen im Gleichnis Jesu werden auf einmal hundert Meerschweinchen. Jetzt ist für mich die Frage: Was soll das? Hat das mit besserem Verständnis zu tun? Darüber hinaus, jeder, der sich ein bisschen mal, da braucht nur ein Jugendlicher mal bei Wikipedia nachschauen, dann fällt ihm auf, dass Meerschweinchen aus Südamerika kommen und zur Zeit Jesu gar nicht da waren. Jetzt könnte man ja natürlich dann glauben, wenn er ganz gläubig ist: Na ja, gut, Jesus hat ihn mal materialisiert aus dem Nichts heraus. Das ist natürlich auch totaler Unsinn.
Darüber hinaus wird dann beispielsweise das Siegel aus Offenbarung 8,1 mit Schloss übersetzt, also Schloss zum Abschließen. Dabei hat Siegel ja viel mehr Assoziationen, die man erklären müsste. Ein Siegel ist zum Beispiel eine Beglaubigung. Ist ein Schloss eine Beglaubigung? So ein Fahrradschloss? Das hat mit Beglaubigung nichts zu tun. Ein Siegel verschließt auch etwas, das tut ein Schloss auch. Aber ein Siegel hat eben noch viel mehr, da steht zum Beispiel auch das Zeichen desjenigen drauf, der versiegelt macht, also das Identitätszeichen, die Unterschrift. Ein Schloss hat keine Unterschrift dabei. Und so weiter.
Also es gibt viel mehr Aspekte, die bei Siegel mit drin sind, die bei Schloss unter den Tisch fallen. Und da geht eben auch sehr, sehr viel verloren, und zwar, wie gesagt, ohne Not. Bibelverfälschung wird da gemacht.
Nun, darüber hinaus, ich habe ja auch mit den Schafen gesprochen, die ein Meerschweinchen werden: Was ist mit der ganzen Assoziation? Die Christen werden doch auch als Schafe in der Bibel gezeichnet, Jesus als guter Hirte und all sowas, das geht ja alles verloren. Wenn da in der Offenbarung steht, das Lamm auf dem Thron, da geht ja auch alles verloren, diese Beziehung Lamm und Schaf. Da steht ja nicht das Meerschweinchen auf dem Thron, wäre auch unsinnig. Und dann merken wir hier: In der Bibel werden total wieder auseinandergerissen Missverständnisse nicht nur historischer Art, sondern auch kultureller Art, die man nicht verstehen kann.
Dann zum Beispiel statt Pharisäer steht da Theologen. Hier jetzt steht mal ein Jugendlicher, der zum Glauben kommt, der liest da die bösen Theologen, die Jesus alle fertig gemacht haben. Und jetzt kommt er bei euch in die Gemeinde und dann stellt ihr euch vielleicht als Pastor vor: Ja, ich habe Theologie studiert. Was geht bei dem Jugendlichen im Kopf ab? Genau, dann sagt der: Feindbild, das ist auch einer von den Pharisäern, bloß weg hier aus der Gemeinde! Ja, ist doch klar, wie soll der denn unterscheiden, dass die Theologen in der Bibel dann andere sind als heute? Und dabei muss man sagen: Die Pharisäer waren eben nicht vergleichbar mit den heutigen Theologen. Natürlich gibt es auch heute Theologen, die Unsinn sagen, aber das war total etwas anderes als die Pharisäer zur Zeit des Neuen Testaments. Und auch hier kulturelle Dinge, die eher platt und falsch wiedergegeben werden und total falsche Assoziationen und falsche Schlussfolgerungen für den Christen heute zur Folge haben.
Das Problem ist, dass Martin Dreyer eigentlich eben kein Theologe ist, sondern dass er mehr ein Pragmatiker ist. Und deshalb interessieren diese Sachen ihn einfach gar nicht. Er hat von Gott den Auftrag bekommen, und so wie die Leute früher bei den Jesusfreaks gemäkelt haben, so mäkeln sie jetzt bei seiner Volksbibel. Aber er sieht doch, dass das erfolgreich ist, weil die Leute es kaufen und lesen, und das fällt ihm als Bestätigung Gottes an. Er lässt durchaus mit sich reden, er ist nicht so einer, der kalt schneuzig ist, aber er geht nicht darauf ein, außer so bei Details. Nicht bei Details, als Rückfahrer kommt es okay, dann wird aus dem Mofa mal ein Fahrrad, aber nicht grundsätzlich. Und das ist schade.
Also ich denke, der Mann meint es eigentlich gut, das ist nicht die Frage. Ich will ihm nicht böse Motive unterstellen. Aber er macht sich keine Gedanken über die Brisanz, die das hat, er macht sich keine Gedanken über die Auswirkungen, die das hat, sondern bleibt bei dem, von dem er meint, dass er den Auftrag von Gott dafür bekommen hat. Und das ist traurig.
An einigen Stellen habe ich schon gehört, beispielsweise hier in Lemgo in der Gemeinde, da war neulich der Martin Dreyer zu Besuch gewesen in einer Gemeinde, und da war es so gewesen, der hat sich darüber erstaunt gezeigt, dass die in der Gemeinde eben die Volksbibel nehmen. Er hat gesagt: Das wollte ich damit doch gar nicht. Also wo er dann selbst zumindest ansatzweise merkt, das läuft in eine andere Richtung, als er das vielleicht mal gut für sich aus seinen Motiven gut gedacht hat.
Meine Erfahrung ist: Ihr könnt gehen, wohin ihr wollt, die meisten Leute, die heute Volksbibel lesen, sind nicht die Ungläubigen auf der Straße, sondern die Jugendlichen aus christlichen Gemeinden. Das heißt, das ist gar nicht das Zielpublikum, was er vor Augen hat. Das sind nicht die mit reduziertem Wortschatz, die kein Wort mehr verstehen können, das sind nicht diejenigen, die nie die Bibel aufgeschlagen hätten, die nicht auch mal das erklärt bekommen könnten, sondern das sind die Jugendlichen, denen es cooler erscheint, lockerer erscheint, jetzt eine Volksbibel in die Hand zu nehmen als eine normale Bibel. Und da muss man sagen: Auch da total in die falsche Richtung losgegangen.
Es sind so ein paar ganz wenige, die das auch auf der Straße lesen, aber denen hätte man genauso gut auch eine andere Bibel geben können. Denn ich habe ja einige Zeit mache ich schon Missionsarbeit, ihr wahrscheinlich auch, und bisher habe ich einige Leute mit zum Glauben führen dürfen dabei. Und ich bin bisher nie auf eine Volksbibel angewiesen gewesen. Ich habe auch nie Probleme gehabt, dass Leute mich nicht verstehen konnten. Also jetzt verbal, dass ich jetzt mit irgendwelchen Straßenausdrücken operieren musste, selbst bei Jugendlichen nicht. Man kann normal sprechen. Es gibt natürlich die, die die Sprache Kanaan ansprechen, da muss man dann schon mal ein bisschen runter auf die normale Sprache, aber normale Sprache heißt nicht Straßensprache.
Nun, ein anderer Punkt: Es gibt auch diese irreführenden Assoziationen, ich habe schon darauf hingewiesen, auf die Theologen, oder ich meine, ich halte es für problematisch, das ist jetzt natürlich eine Sache des Gefühls dabei, da wird Lydia vorgestellt, Apostelgeschichte 16, die, so steht da, mit Specialstoffen dealt. Tatsächlich in der Jugendsprache heißt dealen manchmal auch einfach nur verkaufen, das gibt es. Aber es gibt jetzt auch andere Jugendliche, die diese Jugendsprache nicht verstehen, und für die oder für Ältere, wie jetzt für mich, heißt dealen ja in erster Linie Drogen. Und Specialstoffe, na ja, da denke ich nicht zuerst an Seide und Samt, sondern Specialstoffe im Zusammenhang mit Medizinalen, ja, da denke ich dann vielleicht an Speed oder so etwas. Ja, und das ist ja nur ein Beispiel von vielen anderen, wo ich sagen würde, auch das halte ich nicht für ganz unproblematisch.
Darüber hinaus ist es auch ein Irrtum anzunehmen, dass wenn man den Inhalt eines Textes verändert, dass sich dann nicht auch die Form verändert, dass sich auch nicht der Inhalt verändert. Ich habe das ja an Beispielen deutlich gemacht. Ich glaube, wenn man eine andere Sprache nimmt, verändert sich auch der Inhalt, und das berücksichtigt er dabei nicht.
Beispielsweise bei den Antithesen in der Bergpredigt, da stellt er die Lehre der Alten der Interpretation den biblischen Geboten gegenüber. Die Volksbibel macht daraus: Im Alten Vertrag steht. Natürlich ist es durchaus möglich, dass Jesus sich hier aufs Alte Testament bezieht, wahrscheinlich tut er das aber nicht. Nämlich wahrscheinlich setzt Jesus sich hier auseinander mit der pharisäischen Interpretation des Alten Testaments. Denn dann müssen wir sagen: Wo steht denn im Alten Testament, du sollst deinen Feind hassen? Da steht er ja gar nicht, das war die Interpretation der Pharisäer. Aber weil Martin Dreyer das liest und er denkt dabei: Aha, Antithesen sind jetzt Altes Testament, schreibt er auch Altes Testament, hat dadurch aber noch einen größeren Widerspruch. Denn was ist jetzt das Problem? Aha, dann widerspricht sich Gott ja selbst. Im Alten Testament sagt Gott so und im Neuen Testament sagt Gott so. Ich glaube, dass das eben gar nicht der Fall ist.
Wenn Jesus spricht: Die Alten haben euch gesagt, ist das gerade nicht das Alte Testament, sondern sind das die Alten, war mich damals auch ein terminus technicus, ein Fachbegriff für die Pharisäer, für die Schriftgelehrten, und dass er die damit meint: Die Pharisäer haben euch gelehrt, das Alte Testament sagt. Denn wie steht schon im Alten Testament, da sei es zum Beispiel, wie Jesus mit dem Ehebruch sagt, wenn ihr schon eine Frau angesehen habt, habt ihr schon Ehebruch begangen, ja, das ist doch aus dem Alten Testament, das ist nämlich das zehnte Gebot, da steht nämlich: Du sollst nicht begehren deines Nächsten usw. Weib. Also das heißt, es ist nicht gegen das Alte Testament, sondern es ist gegen die Interpretation. Das kommt hier aber, fällt dann unter den Tisch.
Das Vaterunser beginnt dann nach Volksbibelstil folgendermaßen: Hey, unser Papa da oben, du allein sollst auf der Welt ganz groß rauskommen. Ja, verständlich ist dieser Text ja durchaus, aber es werden einige wichtige Aspekte des Originals, und dann fallen unter den Tisch, denn „du da oben“ meint in der Volkssprache meistens die Höhergestellten, das heißt die Politiker zum Beispiel, die aber gerade nicht mit gemeint sind, weil Himmel lässt doch an etwas ganz anderes assoziieren. Himmel ist natürlich, was wir sehen, aber Himmel ist auch die total andere Welt, nämlich dass Gott in einer anderen Dimension sozusagen ist. Himmel ist der Herrschaftsbereich Gottes in der Bibel. Und nicht nur „du da oben“. Also auch hier werden durch die Sprache andere Dinge dafür mitvermittelt.
Beim Siegel habe ich hier schon darauf hingewiesen. Auch die Übersetzungsprinzipien halte ich für sehr bedenklich bei der Volksbibel. Darüber hinaus: Der Person, der Charakter Jesu wird verfälscht, es wird der Mensch statt Gott in den Mittelpunkt gestellt. Es geht nicht darum, Gott Trost zu machen, sondern dem Menschen nach dem Mund zu reden. Auch dafür erwähne ich dann zahlreiche Beispiele in meinem Buch.
Schlussfolgerung daraus: Ich halte die Volksbibel grundsätzlich für nicht empfehlenswert. Wenn man jetzt einen Jugendgottesdienst evangelistischer Art hält und sagt: Jetzt mache ich euch mal eine freie Nacherzählung, wie man das auch ausdrücken könnte, und dann ganz gezielt einen Text rauszieht, der einigermaßen in Ordnung ist, kann man das machen. Aber dann darf man das nicht als Bibelübersetzung und schon gar nicht als Wort Gottes kennzeichnen. Das tut Martin Dreyer, und ich glaube, dass er hier Jugendlichen mehr schadet als hilft und auf Dauer eher einen Trend in Gang setzt, der, ich habe es genannt, zur Fragmentarisierung, Generationskonflikt usw. usw. stattfinden wird, beitragen wird.
Kinder, Bibelgebrauch und die Frage nach geeigneten Einstiegen
Das hängt ein bisschen davon ab, wie weit die Kinder in ihrer sprachlichen Entwicklung sind und wie weit sie beim Lesen sind. Also ich würde sagen, ein guter Einschnitt ist zum Beispiel, wenn sie von der Grundschule in die weiterführende Schule kommen. Dann sind sie sprachlich einigermaßen so weit. Sie haben vier Jahre lang Schreiben und Lesen gelernt, und jetzt geht das langsam ein bisschen besser.
Ich würde sagen: Lieber frühzeitig eine Herausforderung, denn wenn sie erst einmal in die Pubertät kommen, sind Herausforderungen immer viel schwieriger. Deshalb lieber ein bisschen früher anfangen. Im Moment würde ich zum Beispiel die Schlachter-Übersetzung empfehlen, weil sie meines Erachtens relativ gut lesbar ist, sehr wenig Fachbegriffe benutzt und dem Original relativ nahekommt.
Manche Kinder habe ich durchaus auch schon erlebt, die in der Grundschule beim Lernen ganz fit und fleißig sind. Da würde ich sogar sagen, kann man das überspringen. Dann kann man direkt mit so einer Bibelübersetzung anfangen. Obwohl ich selbst als kleines Kind nicht so gut lesen konnte: Meine erste Bibel war keine Hoffnung für alle. Die war damals auch noch nicht ganz so verbreitet. Meine war eben dann die ältere Schlachter. Danach kam dann mal Luther, und das war schon eine Umstellung, weil es ein alter Luther von 1912 war. Aber diese Schlachter am Anfang fand ich recht gut. Ich habe sie als Jugendlicher gut verstanden.
Also ich habe dann angefangen, die zu bekommen. Ich glaube, ich war elf oder zwölf. Und ich denke, in dem Alter ist das eine Herausforderung, aber eine Herausforderung, die dem Kind hilft. Denn hier willst du ja auch die Lesegewohnheiten deines Kindes für die weitere Zukunft mitprägen. Und das ist dann, glaube ich, schon gut. Man sollte nicht vermitteln: Ach, das ist ja so schwer und so. Sondern man sollte sagen: Jetzt kannst du mal eine richtige Bibel nehmen, jetzt kannst du mal richtig damit studieren.
Ich würde auch durchaus versuchen, Kindern dabei zu helfen. Wir müssen ihnen natürlich zeigen, wie man mit der Bibel umgeht. Entweder eine Bibellesehilfe oder meine Konkordanz an die Hand geben, ein Bibellexikon, damit sie Sachen, die sie nicht verstehen, auch nachschlagen können. Denn sonst sind manche Sachen für Kinder natürlich unverständlich. Aber dann müssen wir ihnen gleich den richtigen Weg zeigen, wie sie Antworten finden können, und nicht so einen Scheinweg, indem wir das einfach unter den Tisch fallen lassen.
Die Bibel in gerechter Sprache und ihre hermeneutischen Voraussetzungen
Nun, ich will jetzt nicht mehr lange dabei verweilen. Aber weil ich es angekündigt habe, will ich zumindest noch ein paar Worte darüber sagen, dass es mich die Bibel in gerechter Sprache betrifft.
Die Bibel in gerechter Sprache habe ich auch schon kurz an einem der Abende angedeutet. Im landeskirchlichen Bereich ist sie weit verbreitet. Sie ist von der Gütersloher Verlagsgesellschaft herausgegeben worden und wurde auf der letzten Buchmesse im Herbst in Frankfurt vorgestellt. Seitdem ist sie durchaus ein Erfolg, hat allerdings auch Kontroversen hervorgerufen. Es sind immer mehr, insbesondere Pfarrerinnen, die sie in ihren Gemeinden als Normalbibel einführen. Ich habe mit einigen Leuten aus Landeskirchen gesprochen, die sich darüber erschrocken gezeigt haben, weil es deutliche Veränderungen gibt.
Deutliche Veränderungen sind, und ihr werdet Beispiele in meinem Heft, in meinem Büchlein, finden: Beispielsweise wird durchgehend durch die ganze Bibel der Gottesname immer gewechselt in Gott oder Göttin. Manche Psalmen, die ihr plötzlich kennt, stehen dann statt dem Herrn mit der Göttin oder so etwas da. Das ist also einer der Ansätze. Man will in drei Punkten gerecht sein.
Ich habe dann auch die Schriften der Herausgeber gelesen, wie sie das interpretieren. Ich habe die Bibel zum großen Teil gelesen. Sie sagen, sie wollen gerecht sein. Sie sagen auch, die bisherigen Bibeln seien ungerecht. Also: Alle anderen sind ungerecht. Sie schreiben auch, sie sei die Bibelübersetzung des einundzwanzigsten Jahrhunderts. Das ist ein großer Anspruch, den sie haben.
Nun, der Ansatz ist erst einmal, die bisherige Bibel sei ungerecht für Frauen, ungerecht für Juden und ungerecht für Arme, und das wollen sie korrigieren. Und ich zitiere dann auch wörtlich, dass sie sagen: Weil die Bibel ungerecht ist, muss man sie eben korrigieren. Hiermit verabschieden sie sich natürlich davon, dass sie von Gott inspiriert ist, sondern wir sind heute der Maßstab dessen, was gültig ist. Man kann sogar in den Bibeltext eingreifen, wenn es nötig sei.
An einigen Stellen finden wir das. So heißt es nicht die Apostelgeschichte, sondern die Geschichte der Apostelinnen und Apostel, wobei ihr natürlich durchgehen könnt: Apostelgeschichte gibt es keine einzige. Es gibt da interessanterweise auch die Pharisäerinnen, wobei ihr historisch nachsuchen könnt: Historisch ist keine einzige Pharisäerin überliefert, außer natürlich die, die verheiratet war mit Pharisäern. Aber das waren keine Pharisäerinnen, sondern das waren Frauen eines Pharisäers, was auch einen Unterschied macht. Dann sind da die Priesterinnen im Alten Testament, wobei es keinen einzigen Priester gegeben hat. Also hier werden Frauen an Stellen gesetzt, wo es gar nicht der Fall war.
Das ist bei den Juden genauso. Wenn dann beispielsweise die Juden bei der Kreuzigung Jesu sagen: Sein Blut komme über uns und unsere Kinder, dann stehen in den Anmerkungen dazu, wie die Übersetzer sagen: Das kann man ja heute so nicht sagen. Denn das würde ja von den Neonazis herangezogen, und das würde ja die Judenverfolgung bestätigen und befürworten. Also muss man das anders übersetzen, weil das ungerecht ist. Und so geht das durch die ganze Bibel durch.
Das heißt, viele, viele Stellen, die ganz deutlich in der Bibel stehen, zum Beispiel alttestamentliche Stellen, Gerichtsansagen aus Jeremia über Israel: Da steht dann, das darf man doch so nicht sagen, weil das ja heute Leute bestätigt, die antisemitisch eingestellt sind. Dass man hier natürlich total unhistorisch umgeht, fällt dabei unter den Tisch. Darüber hinaus, dass man ja mit historischen Quellen so nie umgehen kann. Ein Historiker hat das Ziel, möglichst genau wiederzugeben, was der ursprüngliche Wortlaut war, egal in welchen Dokumenten. Und auch für einen Ungläubigen ist doch die Bibel erst einmal historisches Dokument. Dann muss man sagen: Ich kann ja hinterher interpretieren, was ich will, und dann kann ich darüber diskutieren. Aber hier nehme ich den Gliedern der Gemeinde die Möglichkeit, den Originalwortlaut erst einmal festzustellen.
Das heißt, hier ist ein, und das sagen sie auch deutlich: Die Übersetzer wurden ausgesucht, ob sie feministische Theologie vertreten, und die sollte dann zum Ausdruck kommen. So hat beispielsweise Frau Schöttow, eine bekannte feministische Professorin, dann das Matthäusevangelium übersetzt und es voll von Hinweisen auf die Frau gemacht, was das bedeutet und wie sehr das Patriarchat schlecht ist und all solche Sachen, was Jesus natürlich nie gesagt hatte.
Also hier setzt man eine Zeitgeistbrille auf. Man versucht, das, was mir passt, aber nicht als theologischen Kommentar deutlich zu machen, sondern in den ursprünglichen Text mit hineinzudeuten. Natürlich gibt es auch bei der Bibel ein paar Dinge, die gar nicht schlecht sind. Beispielsweise legt man im Alten Testament mehr Wert darauf, dass man nicht nur „Herr“ übersetzt, was ich durchaus sinnvoll finde, sondern dann auch mal „El-Schaddai“, „El-Adonai“, also diese Vielzahl der Gottesnamen, die es damit hinein nimmt. Das Problem ist nur, dass die dann in der Hälfte der Stellen verweiblicht werden. Also die machen das eben so per Würfelsystem: hier männlich, da weiblich, hier männlich, da weiblich. Das liest sich dann vielfach sehr holperig und natürlich ist es eine Verfälschung der Bibel, muss man auch hier eindeutig sagen.
Und so hat auch diese Bibelübersetzung das Problem: Hier ist nicht nur der Bibelkritiker, der in der Gemeinde predigt und sagt, das sei alles so nie geschehen. Sondern hier ist derjenige, der den Gemeindegliedern sozusagen per Erziehungsprogramm ein Umdenken anbietet und sie damit hineinnimmt, wo ihnen gar nicht mehr möglich ist, selbst sich eine Meinung anhand der Bibel zu bilden. Das halte ich für ein großes Problem. Und das wird auch in der Zukunft leider, muss ich hier sagen, wahrscheinlich in den Kirchen, insbesondere der evangelischen Kirche, sich immer weiter verbreiten.
Es sind ja, ich erwähne das auch bei mir, zahlreiche Kirchenpräsidenten, selbst Bischöfe, evangelische Kirchen, die sich dahinter gestellt haben. Also nicht nur irgendwelche kleinen Lichter, die man sagen kann, die da ihre Sachen machen, sondern natürlich Theologieprofessoren und Professorinnen insbesondere. Einige Feministinnen geht das auch nicht weit genug. Die wollen dann eben auch beim Vaterunser, da steht dann eben Vater, also Vater und Mutter unser. Und selber wollen sie noch stärker verändern, weil sie meinen, eigentlich seien die Frauen die Guten und die Männer die Bösen. Ganz so weit geht man da noch nicht, aber wer weiß, vielleicht bei der nächsten Revision der Bibel in gerechter Sprache.
Falls ihr dann noch mehr lesen wollt, erwähne ich am Textbeispiel genaue Auseinandersetzungen, Zitate von den entsprechenden Personen, die das übersetzen, eben hier mit drin. Da könnt ihr noch mehr lesen. Ich habe das mal etwas an den Rand gestellt, weil ich jetzt die Zeit schon ausgekostet habe und, wie es so häufig ist, alles doch nicht gesagt werden kann. Trotzdem noch ein paar Minuten für Rückfragen.
Hermeneutik als Schlüssel und die Folgen eines veränderten Bibelverständnisses
Das liegt ganz einfach daran: Die Bibel in gerechter Sprache ist in der Volkskirche stärker verbreitet, die Volksbibel dagegen eher bei den Freikirchlern, aber nicht nur dort, sondern manchmal auch bei den Landeskirchlern. Dahinter steht der Ansatz in der Hermeneutik. Das ist jetzt ein Fachwort.
Hermeneutik heißt die Lehre davon, wie wir die Bibel auslegen. Und das ist der Kern und der Knackpunkt. Über die einzelnen Bibelverse kann man natürlich streiten, dieser oder jener, wie man sie besser übersetzt. Das sind eigentlich die Auswirkungen dieser hermeneutischen Voraussetzungen.
Hermeneutik heißt: Was ist die Bibel überhaupt? Für den modernen Theologen heute ist die Bibel nicht das von Gott inspirierte Wort, sondern freie Verfügungsmasse. Die meisten Theologen würden, wenn man sie auf den Punkt festnagelt, sagen: Das sind die Erlebnisse, die Menschen mit Gott haben. Das sind die Gedanken, die sich Menschen früherer Jahrhunderte über Gott gemacht haben. Weil das aber nur Gedanken von Menschen sind und diese Menschen in einer anderen Kultur lebten, kann ich das natürlich alles über Bord werfen.
Das heißt: Ich kann das als Anregung nehmen, ich kann mich innerlich motivieren und inspirieren lassen, aber ich bin nicht verpflichtet, das zu glauben und zu übernehmen. Und wenn ich die Bibel so sehe, also wenn sie für mich nicht das ist, was sie selbst vorgibt zu sein, dann ist das ein grundlegendes Problem. Die Bibel sagt ja, sie sei von Gott eingegeben. Wir lesen im 2. Timotheusbrief, dass es keine Offenbarung, also keine Prophetie von Menschen ist, sondern aus dem Geist Gottes. Und so wird da ja alles gesagt: Gott steht dahinter.
Oder wenn Jesus sagt: Himmel und Erde werden vergehen, meine Worte werden nicht vergehen, dann ist das dieser dauerhafte Anspruch, dieser Anspruch: Hier redet Gott. Der wird aber von all diesen Theologen, die so etwas übersetzen, ad acta gelegt. Dann wird gesagt, es gebe nur so eine allgemeine Aussage, so eine globale Frage, und die könne ich dann natürlich herausfinden, jeder für sich selbst. Und die müsse sich transportieren, und alles andere spiele keine Rolle.
Und das tun eigentlich alle diese drei Bibelübersetzungen. Alle diese drei Bibelübersetzungen haben sich verabschiedet von einer Inspiration der Bibel, die bis ins Wörtliche hineingehen kann. Stattdessen sagen sie: Es gibt da so ein allgemeines Gefühl, so eine allgemeine Aussage, und die behalten wir bis heute. Und die unterscheidet sich natürlich bei den feministischen Theologen. Da ist das Allgemeine: Jesus ist für die Emanzipation der Frau. Das ist das, was sie sagen. Oder er ist gegen Antisemitismus, oder er ist für eine multikulturelle Gesellschaft. So übersetze ich die Bibel.
Und das ist jetzt nicht nur heute so. Das gab es schon im 19. Jahrhundert, da gab es rationalistische Bibelübersetzungen. Ich bin ja kurz darauf eingegangen. Da wurden dann zum Beispiel Gleichnisse Jesu unter den Tisch fallen gelassen, weil sie nicht passten. Da wurden Wundererzählungen umgeschrieben, damit sie mehr dem materialistischen Weltbild entsprachen usw. Da hat man zum Beispiel auch sehr viele Hinweise auf den Sühnetod Jesu herausfallen lassen.
Ich war vor einiger Zeit bei einer Tagung, die von der kirchlichen Hochschule in Bethel angeboten worden ist, über das Abendmahl. Und dann wurde ganz deutlich gesagt: Abendmahl hat mit dem Sühnetod Jesu nichts zu tun. Das sei, so wurde gesagt, eine patriarchale, mythologische Vorstellung der Antike. Wofür ist das Abendmahl dann? Ja, das Abendmahl ist ein Zeichen der Solidarität, das die Armen mit den Reichen teilen. Ja, das ist heute gängiger Usus in der evangelischen Kirche.
Ich habe da mit Professoren diskutiert, mit Pfarrern diskutiert. Ich habe die natürlich auch gefragt: Was steht in 1. Korinther 11? Da steht doch, der, der hungrig ist, soll erst mal zu Hause essen und dann soll er das Abendmahl nehmen. Ja, was ist denn mit dem Teilen? Ja, die sind nicht verlegen um eine Antwort. Die sagen: Ja, das gilt für diejenigen, die nicht teilen wollen, die sollen zu Hause essen. Das ist natürlich total absurd, aber so wird das heute ausgelegt, weil man auch in Theologenkreisen sagt: Blut, Sühne, Tod Jesu, das kann doch nicht sein.
Und wenn man dies im Kopf hat, diese Theologie, dann versucht man, die Bibeltexte natürlich dementsprechend umzuschreiben. Also, wie gesagt, das Problem ist: Die wollen nicht irgendetwas Böses, sondern sie haben von vornherein diese Hermeneutik, diese Stellung zur Bibel, eine total andere als wir hoffentlich haben, nämlich diejenige, dass das freie Erfahrungen, freie Überlegungen sind, und genauso können wir heute überlegen.
Das mündet letztendlich darin, ich bin gerade bereit, einen Aufsatz zu schreiben über Donald Walsh. Ich weiß nicht, ob ihr den kennt: Bestseller, Millionenauflage weltweit, über seine Gespräche mit Gott. Er hat zwei Internetseiten offiziell, da könnt ihr viele Sachen sehen. Das mündet dann darin, dass er nämlich heute selbst mit Gott sprechen kann und dass Gott für ihn im Gespräch mit ihm zahlreiche Dinge aus der Bibel korrigiert hat, zum Beispiel korrigiert hat, dass es eigentlich keine Sünde gibt, sondern dass du Sünde dir selbst vergeben kannst, solche Sachen. Das ist dann der nächste Schritt.
Erstmal: Das sind Erfahrungen nun Leute in früheren Jahrhunderten, ich habe heute meine. Er sagt dann sogar: Gott spricht zu jedem von uns und zeigt mir, was für mich gut ist. Und dieser Donald Walsh, ich habe in den letzten Jahren immer mehr Leute erlebt, selbst Intellektuelle, die total auf den abfahren und den total toll finden. Dann brauchst du die Bibel gar nicht mehr. Wenn Gott zu dir spricht, dann weißt du selbst, dann liest du eben die Bücher von Donald Walsh, Billionenauflage.
Also, bis zur letzten Revision der Gutenachricht-Bibel hätte ich mich eindeutig für die Hoffnung für alle ausgesprochen. Jetzt würde ich das nicht mehr so eindeutig machen. Sie sind durchaus beide als Einstiegsbibel empfehlenswert. Die ältere Hoffnung für alle hatte starke theologische Defizite, starke Verfälschungen von Bibeltexten, da ist man eher etwas zurückgerudert. Man hat also wieder etwas genauer übersetzt. Trotzdem möchte ich hier deutlich sagen: Beide sind keine Übersetzungen, sondern eher Übertragungen. Das sollten wir im Kopf behalten. Aber ich meine, beide sind heute durchaus einsetzbar als Übertragungen.
Die ältere, also wenn ihr noch ältere habt von der Hoffnung für alle, von der Gutenachricht-Bibel, die würde ich eher sein lassen. Die würde ich keinem geben. Da sind also wirklich deutliche Veränderungen erfolgt, wo manchmal ganze Bibeltexte fehlen. Bei der neuen hat man da einiges korrigiert und verbessert. Ja, das stimmt, das ist vollkommen richtig, dem würde ich mich anschließen. Aber es gibt eben kein Gesetz, das das schützt oder verbietet.
Deshalb: Was wir tun können, ist öffentlich dazu Stellung zu nehmen. Das tue ich in solchen Fällen und in den Zeitschriftenartikeln, die ich dazu geschrieben habe, in Diskussionen dazu. Das Wichtigste, was wir aber alle tun können, ist, bei uns in unserem Umfeld, unserer Familie und unserer Gemeinde mitwirken, dass das da nicht zum Zug kommt. Das kann jeder von uns tun.
Denn im Moment sagen wir vielleicht noch: Das machen die anderen. Ich garantiere euch: Wartet zehn Jahre, wartet 15 Jahre, die Volksbibel wird, wenn sie jetzt noch nicht angekommen ist, bei euch auch in der Gemeinde angekommen sein. Ich glaube, da muss das in der Gemeinde deutlich angesprochen werden, und ich würde in der Gemeinde, wenn ich als Gemeindeältester wäre, ein Verbot dafür geben, dass in Gemeindeveranstaltungen die Volksbibel genutzt wird. Und das muss man natürlich begründen. Dann würde ich ein paar Begründungen machen, und dann würde ich sagen: Okay, wer sie privat für sich lesen will, das ist ja seine persönliche Entscheidung.
Aber hier würde ich auch keine lange Diskussion machen. Wenn du mit der Diskussion einmal anfängst, kriegst du die hinterher nicht mehr unter Kontrolle in der Gemeinde. Und deshalb würde ich sagen: Eure Verantwortung ist bei euch zu Hause, bei euch in der Gemeinde, wenn ihr die Möglichkeit habt, auch in der Öffentlichkeit diesen Trend generell zu brechen. Das werden wir nicht tun können. Ein paar Leute, die sich in der Öffentlichkeit äußern, gibt es, das tue ich ja auch. Aber auch das dreht diesen Trend nicht um. Der ist in der Gesellschaft mit drin. Und wir können dafür beten, natürlich, dass Gott dort eingreift, mal einen Gegentrend setzt. Aber wir können im kleinen Maßstab etwas dazu tun, dass das nicht diese flächendeckende Wirkung hat.
Und letztendlich bin ich ja für das, was ich tue, vor Gott verantwortlich und nicht für das, was irgendein Pastor XY tut, irgendwo ganz anders. In vielen Fällen ist es so, dass wir eben nicht nur als die Miesmacher dastehen, die jetzt alles verbieten, sondern umgekehrt den Kindern auch Freude vermitteln am Lesen der Bibel.
Jetzt die Frage, wie wir das tun. Das wäre jetzt ein ganz eigenes Seminar, wo ich euch ein paar Tipps geben kann zum Bibellesen, wie man das interessanter gestalten kann, und so wären durchaus noch interessante Maßnahmen. Aber das will ich jetzt nicht mehr anfangen, denn wenn ich diese anfange, dann kommen wir vielleicht nicht mehr zum Mittagessen.
Aber das müssen wir natürlich: Einerseits ist zu sehen, wo ist eine Gefahr, andererseits müssen wir auch sehen, wie können wir Leute dahin führen, motivierend dafür zu sein, dass die Bibel relevant ist, dass man auch Spaß haben kann, sich damit auseinanderzusetzen. Das braucht auch kreative Ideen, und das muss eine Gemeinde natürlich genauso machen.
Aber wie gesagt, ich glaube, es ist nicht damit geholfen, so eine kurzfristige Therapie zu machen: Ach, jetzt liest keiner mehr in der Bibel, dann setzen wir das Niveau immer weiter herab, bis die Bibel zum Unterhaltungsroman oder zur Komödie verkommt. Damit helfen wir letztendlich niemandem. Da sind wir herausgefordert, uns eine Überzeugung zu machen, dann in unserer Familie und Gemeinde, und wenn wir dann die Möglichkeit haben, auch im größeren Maßstab. Das ist notwendig, und wir werden sehen, das etabliert sich mit der Zeit.
Es gab am Anfang auch bei der Volksbibel ein paar Leute, die dann etwas gesagt haben. Jetzt wird das immer weniger, irgendwann gewöhnt man sich daran. Wie das leider bei so vielen Sachen ist. Interessanterweise sind bei solchen neuen Bibelprojekten wie auch bei manchen anderen blasphemischen Äußerungen in der Öffentlichkeit in den letzten Jahren immer mehr Muslime, die dagegen protestieren, selbst sogar öffentlich. Da frage ich mich: In was für einer Welt sind wir, dass Freikirchler Bibelverfälschung betreiben und Muslime sich dagegen verwehren?
Ja, warum verwehren die sich? Ja, weil die ja sagen, auch die Bibel ist Wort Gottes. Wir werden auch ein bisschen verfälscht durch die Christen in der Vergangenheit, eben dass da nichts von Mohammed drinsteht und solche Sachen, Jesus Gottes Sohn ist, aber es ist Wort Gottes, denn das sagt Mohammed selbst, das darf man doch nicht einfach so preisgeben. Wie gesagt, die gehen ja jetzt nicht von der Inspiration aus, wie wir das ausgehen, aber immerhin so, dass sie diese Art von Bibelverfälschung und Blasphemie eigentlich nicht unterstützen.
Ja, und das ist erschreckend. Ich meine, es ist gut, dass sie es machen, aber es ist erschreckend, dass Christen selbst dafür so wenig sensibel sind. Und wie gesagt, Freikirche, was ich ja gar nicht verstehe: Wenn ihr seht, der Anfang der Brüderbewegung, da ging es darum, die Bibel ganz treu und nur bei der Bibel. Heute ist durchaus selbst in Brüdergemeinden dann die Volksbibel nicht mehr tabu. Das finde ich unverständlich.
Leute wie Luther, die ihr Leben dafür gegeben haben, die Bibel ins Deutsche zu setzen, möglichst genau, heute in der lutherischen Kirche: Verfügungsmasse, egal, bibelgerechte Sprache, Jesus der erste Feminist oder sowas. Das ist ein bisschen absurd, nicht? Aber das gibt es manchmal. Da war doch neulich auch ein Fall Homosexualität, ich weiß nicht, ob ihr das mitbekommen habt. Es war eine Weltkonferenz der anglikanischen Kirche in England, und da wollten die englischen Bischöfe die Homosexualität für Gemeindeglieder, also Traumhomosexuelle, durchsetzen. Und was war dann gewesen? Dann haben mehrere anglikanische Bischöfe aus Afrika protestiert und haben gesagt: Wenn ihr das tut, dann treten wir aus dem Weltbund der Anglikaner aus.
Muss man doch sagen: Es ist irgendwie eine verdrehte Welt. Diejenigen, die früher in Afrika missioniert haben, sind diejenigen, die heute von den Afrikanern auf die Finger geklopft bekommen. Noch Fragen? Für den Augenblick sehe ich im Augenblick nicht. Ihr könnt ja gerne hinterher noch auf mich zukommen, dann werde ich zum Abschluss mit euch beten.
Abschlussgebet
Vater im Himmel, wir danken dir dafür, dass du dich uns mitgeteilt hast und dass wir in der Bibel zuverlässige Informationen darüber haben, was du von uns willst und wie du Geschichte geschrieben hast mit Israel und mit der ersten Gemeinde.
Wir danken dir dafür, dass dies über Jahrhunderte hinweg so zuverlässig überliefert worden ist. Wir danken dir dafür, dass wir in der Bibel Wahrheiten erfahren können, die überzeitlich gültig sind. Wir danken dir auch dafür, dass wir in unserem Leben erfahren konnten, dass das wirklich Leben verändert und dass es Wahrheiten sind, die gelten, selbst wenn sich irgendein Zeitgeist oder irgendeine Mode in unserer Zeit ändert.
Und mit Erschrecken sehen wir, dass immer mehr Leute, die sich Christen nennen, mit deinem Wort so oberflächlich umgehen. Das tut uns weh. Wir möchten dich bitten, dass du uns davor bewahrst, sondern dass du uns hilfst, einen guten Zugang zu deinem Wort zu bekommen, dass du uns hilfst, auch das zu verstehen, was uns schwerfällt, und dass du uns die Weisheit gibst, mit Menschen umzugehen, ihnen die Bibel nahezubringen und ihnen zu helfen, das zu verstehen.
Ich möchte dich bitten, gerade für die Leute, die für solche Bibelübersetzungen mitverantwortlich sind, dass du ihnen ins Gewissen sprichst und ihnen deutlich machst, wo da die Probleme liegen, und dass dann auch Veränderungen vorgenommen werden.
Amen.

