Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 663: Die Heilung zweier Blinder, Teil 5.
Voraussetzungen für rettenden Glauben
Wir betrachten am Beispiel eines blinden Bettlers aus Jericho, was es braucht, um gerettet zu werden. Alles beginnt damit, dass ich etwas über Jesus weiß – genug, um davon überzeugt zu sein, dass Jesus mich retten kann. Das Vertrauen, das ich in Jesus setze, braucht eine Grundlage.
Ich hatte bereits gesagt, dass mein Wissen über Jesus immer bruchstückhaft sein wird. Ich kann also richtig glauben, ohne alles über Jesus zu wissen. Allerdings gibt es meiner Meinung nach bei der Fehlerhaftigkeit meines Wissens durchaus Grenzen. Einfach nur irgendwie aus irgendwelchen Gründen an eine Person namens Jesus zu glauben, die im ersten Jahrhundert nach Christus gelebt hat, reicht wahrscheinlich nicht aus.
Deshalb kann der Apostel Johannes seine Leser auch vor den katastrophalen Folgen einer defizitären Christologie warnen. In 2. Johannes 1,7 und 9 heißt es: „Denn viele Verführer sind in die Welt hinausgegangen, die nicht Jesus Christus im Fleisch gekommen bekennen. Dies ist der Verführer und der Antichrist. Jeder, der weitergeht und nicht in der Lehre des Christus bleibt, hat Gott nicht. Wer in der Lehre bleibt, der hat sowohl den Vater als auch den Sohn.“
Ich kann nicht genau sagen, wann meine Christologie, also meine Theologie über Jesus, so falsch ist, dass sie nicht mehr als Grundlage für rettenden Glauben taugt. Ich vermute sogar, dass Gott im Einzelfall eher aufs Herz als auf die Theorie schaut und sehr wohl die Biografie eines Menschen mitberücksichtigt.
Und trotzdem steht hier eben die Warnung: Wer weitergeht, das heißt über die apostolische Lehre von Jesus hinausgeht – zum Beispiel wie hier im Text, indem er „ihn nicht als einen Gott sieht, der Mensch geworden ist“ –, der hat weder den Vater noch den Sohn. Wer Jesus Christus nicht im Fleisch gekommen bekennt, hat weder den Vater noch den Sohn.
Die Begegnung mit Bartimäus: Glaube und Beharrlichkeit
Aber kommen wir zurück zu Bartimäus. Alles beginnt damit, dass er Jesus den Nazarener für den Sohn Davids hält, also für den Messias.
Dann kommen zwei Dinge zusammen: Erstens schafft Gott die Voraussetzungen für die Begegnung mit seinem Sohn, und zweitens lässt sich Bartimäus durch nichts davon abhalten, gerettet zu werden.
Markus 10, Verse 47 und 48: Als er hörte, dass es Jesus der Nazarener sei, fing er an zu schreien und zu sagen: „Sohn Davids, Jesus, erbarme dich meiner!“ Viele bedrohten ihn, dass er schweigen solle. Er aber schrie umso mehr: „Sohn Davids, erbarme dich meiner!“
Das ist ein zweiter Aspekt der Rettung: Sie muss häufig gegen den Widerstand von Menschen durchgefochten werden. Erinnert euch bitte an die letzte Episode, in der die Frage gestellt wurde, warum man sich nicht einfach auf dem Totenbett bekehren kann. Die Antwort lautet: Weil derjenige, der wirklich verstanden hat, dass er blind ist, sofort sehend werden will.
Warum sollte ich auch nur eine Minute länger blind sein wollen, als unbedingt nötig? Ich habe doch lange genug mit den Einschränkungen gelebt. Wer die Notwendigkeit von Rettung erkannt hat, der will sie sofort und ganz. Nur wer nicht wirklich von seiner eigenen Verlorenheit überzeugt ist, schiebt den Moment der Bekehrung vor sich her.
Und er tut es, weil er sich ja nur im Kopf und vorsichtshalber bekehren will, ohne echte Überzeugung. Das Herz hängt eigentlich nicht an Gott, er ist nur ein Notnagel, nicht mehr. Ganz anders bei Bartimäus: Er lässt sich auch von den Drohungen der Leute, die Jesus begleiten, nicht abhalten. Stattdessen schreit er umso lauter: „Sohn Davids, erbarme dich meiner!“
Ist es nicht ein bisschen verrückt, dass es Leute gibt, die Jesus begleiten, vielleicht sogar seine Jünger sind, und gleichzeitig einen offensichtlich blinden Bettler davon abhalten wollen, sich an Jesus zu wenden? Zum Glück klappt das bei Bartimäus nicht, und er hat mit seinem Schreien Erfolg.
Markus 10, Vers 49: Jesus blieb stehen und sagte: „Ruft ihn!“ Sie rufen den Blinden und sagen zu ihm: „Sei guten Mutes, steh auf, er ruft dich!“
Gottes Wertschätzung der Schwachen und die Herausforderung der Heilung
Worin bestand wahre Größe im Reich Gottes? Darin, dass ich Aladiner werde. Hier bleibt Gott das Wort stehen, um sich für einen Blinden Zeit zu nehmen, während sich Menschen über die Unverschämtheit des Bartimäus ärgern und nicht aufgehalten werden wollen. Doch Jesus nimmt sich Zeit.
Jetzt wird es interessant. Markus 10, Verse 50 und 51: „Er aber warf sein Gewand ab, sprang auf und kam zu Jesus. Und Jesus antwortete ihm und sprach: Was willst du, dass ich dir tun soll?“
Ist das nicht eine der merkwürdigsten Fragen, die je gestellt wurden? Ein Blinder ruft: „Sohn Davids, erbarme dich meiner!“ Und kaum steht er vor dem Mann, in den er so lautstark seine Hoffnung gesetzt hat, fragt dieser ihn: „Was willst du, dass ich dir tun soll?“
Ist das nicht offensichtlich? Was sollte sich ein blinder Bettler anderes wünschen, als sehend zu werden? Warum also die Frage? Warum den armen Kerl nicht so schnell wie möglich heilen?
Es kann natürlich sein, dass Jesus gar nicht wusste, was Bartimäus gerufen hatte. Vielleicht ist die Frage völlig ernst gemeint. Vielleicht weiß Jesus nicht, was dieser blinde Bettler von ihm will. Aber das klingt irgendwie unwahrscheinlich. Jesus hatte ja eben erst persönlich dafür gesorgt, dass Bartimäus zu ihm kommen konnte. Vermutlich hatte er ihn gehört oder wurde wenigstens von einem seiner Jünger auf ihn aufmerksam gemacht.
Wozu also die Frage: „Was willst du, dass ich dir tun soll?“ Meine Antwort wäre: Weil sich Bartimäus gut überlegen muss, ob er sein ganzes Leben auf den Kopf stellen will. Wenn Jesus ihn heilt, wird aus dem blinden Bettler ein Sehender. Hm, ja, was denn? Tagelöhner? Die Almosen sind jedenfalls weg.
Wir müssen gut verstehen, worum es hier geht: Heilung – und dasselbe gilt noch mehr für Bekehrung. Heilung hört sich erst einmal gut an, aber die Heilung eines Blinden ist ein Schritt in die Eigenverantwortung und damit ins Ungewisse. Am Morgen noch wusste Bartimäus, wo er sich hinsetzen musste, um zu betteln und so viel zu bekommen, dass er irgendwie überleben konnte. Jetzt ist er im Begriff, diese Sicherheit aufzugeben und ein ganz neues Leben mit ganz neuen Herausforderungen zu beginnen.
Willst du das, Bartimäus?
Die Bedeutung der Entscheidung für ein neues Leben in Christus
Was bei einem blinden Bettler noch etwas komisch anmutet, wird absolut logisch, wenn wir die Heilung des Bartimäus als ein Bild für die Rettung eines Menschen verstehen.
Was will der Sünder, der zu Jesus kommt, denn von ihm? Will er nur irgendwie seine Sünde loswerden und dabei doch der Alte bleiben? Eben nur so viel Jesus wie nötig, aber kein bisschen mehr? Das wird nämlich nicht funktionieren.
Oder will er sehend werden und ein ganz neues Leben anfangen? Ein neues Leben mit Blick auf Jesus? Ein Leben, in dem Jesus die Hauptrolle spielt, denn das ist es, was jeder tut, den Gott erleuchtet. So jemand wird ein Jünger Jesu.
Merkt ihr, wie relevant die Frage plötzlich ist: Was will ich eigentlich von Jesus, wenn ich ihn anflehe: „Erbarme dich meiner“? Was will ich von ihm? Will ich dann nur mein schlechtes Gewissen beruhigen, oder bin ich bereit, den Preis zu bezahlen, der damit einhergeht, dass Jesus mich von meinen Sünden rettet? Will ich wirklich, dass der Messias Gottes mich erleuchtet und Herr in meinem Leben wird? Will ich ihm folgen?
Das steckt hinter der Frage: „Was willst du, dass ich dir tun soll?“
Abschluss und Segenswünsche
Was könntest du jetzt tun? Bete deine Gebetsliste für Ungläubige durch und erweitere sie um ein oder zwei Personen. Das war es für heute.
Als ich Chrissi und Franz Metzold als Podcastgäste hatte, war ihre Internetseite gerade offline. Jetzt ist sie wieder erreichbar unter www.familylife.de. Dort findest du alle Informationen zum Ehementoring von Campus für Christus.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
