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Dieses Video ist für dich. Du lernst gleich eine Christin kennen, die es sonst nicht gewohnt ist, vor dem Mikrofon zu stehen. Sie hat alle Hände voll zu tun, Leben zu retten. Sie ist buchstäblich eine Frau der Tat, die anderen Frauen beisteht und vor allem Müttern in Not hilft.
Wie viele ungezählte Gespräche hat sie schon mit jungen Frauen geführt, die aus ihrem Elternhaus rausgeworfen wurden und die sie aufgenommen hat, bevor diese jungen Frauen sich prostituiert haben? Wie vielen Frauen hat sie schon Zuflucht geboten, nachdem ihre Partner diese Frauen verprügelt haben oder Schlimmeres? Und wie viele Frauen hat sie schon aufgefangen und getröstet, nachdem diese Frauen im sechsten Schwangerschaftsmonat – nicht Woche, sondern Monat – von ihrem Partner zur Abtreibung im Ausland gezwungen wurden?
Es sind erheblich mehr Frauen – auch erheblich mehr Deutsche und Österreicher –, als du denkst. Dieses helfende Herz dieser Geburtsbegleiterin hat sie schließlich dazu angetrieben, auch über die deutschen Grenzen hinaus Frauen auf dem Weg zur Abtreibungseinrichtung Hilfe anzubieten. Ein ehrenamtlicher Dienst, den so viele Frauen angenommen haben, den keine Frau je bereut hat.
Und nun wird ihr dieser Dienst, muss man sich mal vorstellen, als Gehsteigbelästigung ausgelegt. Bild dir ein eigenes Urteil.
Heute ist Schwester Monia Boll Leiterin vom Haus Nazareth, in dem Frauen in Not schnell und unbürokratisch Hilfe finden. Eines Tages, das hoffe ich und gehe stark davon aus, werden wir im Himmel sehen, wie viele Menschen durch sie und ihr Team vor dem sicheren Tod bewahrt worden sind.
Hinweis für sensible Zuschauer und falls Kinder in der Nähe sind: Du wirst gleich herausfordernde Schilderungen hören. Wir haben uns gegen Originalaufnahmen entschieden, aber einige Situationen mit animierten Illustrationen nachgestellt.
Begegnung mit Schwester Monia Boll
Schwester Monette, es ist eine große Freude, dass wir uns heute hier treffen können.
Das finde ich auch. Dankeschön, Markus. Ja, das mache ich von Herzen gern.
Schwester Monia, manche Leute feiern dich und eure Arbeit. Sie stehen wirklich im Gebet dahinter und unterstützen euch auch finanziell. Manche sagen, wir brauchen mehr solche Heldinnen wie euch. Andere wiederum würden euch am liebsten per Gerichtsurteil und Gesetz verbieten. Du stehst also in dieser Spannung. Wie fühlt sich das für dich und für euch an?
Spannend. Als Heldin habe ich mich jetzt nicht bezeichnet, und so fühle ich mich auch gar nicht. Wir sagen immer, die Frauen sind die Heldinnen, die sich für ihr Kind entscheiden. Aber darauf kommen wir später noch zurück.
Es ist wirklich so: Wenn wir auf diesem Gehsteig stehen, werden wir eher als die Teochoten gesehen. Das habe ich öfter mehr präsent. Das Spannungsfeld ist richtig da. Man versucht, das auch ein bisschen auszublenden, weil es um die Sache geht – es geht um Gott, es geht um die Frauen, es geht um die Kinder und alles andere.
Ja, diese Spannungswelt kennt jeder. Da könnte man jetzt viel zu sagen. Aber vielleicht kannst du uns mal ein Stück weit mit hineinnehmen: Wie bist du denn eigentlich zu dieser sehr besonderen Arbeit gekommen?
Das war ja nicht immer so. Ich glaube, du hattest auch mal eine Phase in deinem Leben – hast du mir mal erzählt –, in der das relativ fern von dir war. Da wärst du nicht auf so eine Idee gekommen. Kannst du uns da mal ein Stück weit mit hineinnehmen?
Der Weg zur Lebensrettung
Ja, das ist spannend, genau. Also, gleich zu Beginn – was heißt zu Beginn, auf meiner Bekehrungszeit –, aber das ist ein anderes Thema: Ich war in so einer kleinen Gebetsgruppe. Dort war eine Frau, die eine Abtreibung hatte. Damals war ich mit diesem Thema überhaupt nicht vertraut. Ich wusste, dass es Abtreibung gibt, ich wusste, dass Abtreibung nicht von Gott gewollt ist, aber das war es eigentlich auch schon. Ich hatte keine näheren Berührungspunkte und habe mich nie intensiv damit befasst.
Die Frau war jedoch, jetzt im Nachhinein, wenn ich das heute weiß, sehr traumatisiert und sehr belastet durch dieses Thema. Sie hat keine Hilfe bekommen, deswegen war das für sie ständig gegenwärtig. Das war für mich sehr viel, und ich muss wirklich sagen, es tut mir leid, dass ich gerade zu dieser Zeit diese Sensibilität hatte.
Aufgrund dessen habe ich mich ein bisschen von diesem Thema distanziert, weil es einfach ihr Lebensinhalt war. Sie war traumatisiert, belastet, und sie hat ihr Kind verloren. Jetzt verstehe ich das, aber damals war es einfach ihr Thema. Für mich war es zu viel, ich war frisch bekehrt und hatte das nicht präsent. Naja, so war das leider.
Dann war ich in einer Ordensgemeinschaft zu Gast und wurde dort wieder mit diesem Thema konfrontiert, aber auf einem etwas anderen Weg. Wir haben eine Firmengruppe geleitet, in der ein junges Mädchen schwanger wurde. Außerdem haben wir einen Glaubenskurs gemacht, in dem eine Frau war, die keine Abtreibung hatte.
Ich war inzwischen schon ein bisschen älter und bin deshalb seelsorgerisch anders an dieses Thema herangegangen. Ich begann, ein wenig zu recherchieren und mich richtig mit diesem Thema zu befassen, was ich vorher nicht gemacht hatte. Dabei habe ich gemerkt: Wow, was passiert da eigentlich in der Gesellschaft? Was heißt das und bedeutet das?
Diese Erkenntnisse kamen zum Teil aus dem Internet, aber natürlich auch durch das Gespräch mit diesem jungen Mädchen. Was heißt es wirklich, für so ein junges Mädchen, im Konflikt zu sein? Ich habe ihr zugehört, und das hat für mich eine ganz andere Dimension eröffnet – genauso wie bei der anderen Frau. Dieses Zuhören, dieses vorurteilsfreie Zuhören hat mir eine neue Dimension eröffnet, und ich habe wirklich gedacht: Meine Güte!
Parallel dazu habe ich im Internet recherchiert, um herauszufinden, was da eigentlich los ist. Das ist mir sehr, sehr bewusst geworden.
Dann hat mir jemand in Wien die Gehsteigberatung beziehungsweise das Lebenszentrum empfohlen. Dort werden Gehsteigberater ausgebildet. Ich bin quasi direkt von diesem Gespräch auf den Gehsteig „geflogen“. Gott hat mich durch jemanden, den ich kennengelernt habe, dorthin geführt. Dort hatte ich dann meine ersten Begegnungen mit Frauen, die kurz vor einer Abtreibung standen.
So bin ich langsam in dieses Thema hineingewachsen.
Und da gehen wir jetzt gleich natürlich auch darauf ein: In welchem Jahr war das ungefähr? Das war vor etwa vierzehn Jahren, also Anfang der 2010er Jahre, müsste es gewesen sein.
Darüber muss man jetzt erst rechnen. Aber vor vierzehn Jahren war das, nicht genau. Vierzehn Jahre bin ich da jetzt schon dabei. Da hast du das eine oder andere erlebt.
Das stimmt, ja.
Das Haus Nazareth – Ein Ort der schnellen Hilfe
Und jetzt gerade, wie gesagt, wir sprechen gleich über die Erfahrungen, die du und ihr gesammelt habt. Aber jetzt gerade bist du im Haus Nazareth. Wie kam es dazu, und was macht ihr?
Das Haus Nazareth ist entstanden, weil wir im Gespräch mit den Frauen gemerkt haben, dass wir schnell und unbürokratische Hilfe anbieten müssen. Also, es war mir nicht bewusst, ganz konkret Haus Nazareth: Wir leben hier mit schwangeren Frauen im Konflikt. Das ist so der Überbegriff. Diese Frauen nehmen wir schnell und unbürokratisch auf, wie gerade schon gesagt.
Im Gespräch haben wir gemerkt, dass der deutsche Staat leider sehr bürokratisch ist. Für Frauen im Konflikt ist es manchmal sehr schwierig, ein Dach über dem Kopf zu finden. Auch das war mir vorher nicht bewusst. Es geht ja nicht nur darum, den Frauen zu sagen: „Behalte ein Kind“. Man muss ja auch Hilfe anbieten. Wenn wir dann auf die Suche gegangen sind, wo diese Frauen hinkommen können, sind wir an unsere Grenzen gestoßen.
Frauenhäuser haben gesagt: „Nein, schwangere Frauen, wir haben keinen Platz.“ Weil die einen höheren Bedarf haben, mehr Zimmer brauchen, Mutter-Kind-Häuser. Das Jugendamt ist natürlich auch nicht das Richtige für jede Frau, weil manche Frauen sich einfach um ihr Kind kümmern können und diesen Bedarf nicht haben. Und was es sonst noch gibt, wie etwa Obdachlosenheime, ist natürlich auch nicht das richtige Umfeld für eine schwangere Frau.
Dementsprechend haben wir kein Dach über dem Kopf gefunden für diese Frauen, die ihr Kind eigentlich wollen, sich für ihr Kind entschieden haben, aber aufgrund dessen weg müssen von ihrem sozialen Umfeld. Deshalb war klar: Es braucht so etwas. Und dann haben wir das gemacht. Wir haben das Haus Nazareth eröffnet. Das war zuerst so einfach, aber es war ein längerer Weg. Aber daher kam das.
Kannst du einfach nochmal so einen kurzen Einblick geben? Du hast gerade gesagt, ihr seid teilweise im Kreißsaal mit dabei. Du bist dabei, wenn das Baby das erste Mal im Ultraschall zappelt. Du hilfst den Frauen, wenn sie nachts Schwangerschaftsbeschwerden haben. Also einfach mal so einen Eindruck, was bei euch los ist?
Also, das muss ich sagen: Bei uns im Haus, für mich und für meine Arbeit, ist es ein ganz großer Segen, dass ich Frauen konkret vom Anfang bis zur Einschulung begleiten darf. Die Frauen, die bei uns wohnen, haben in der Regel niemanden mehr. Wenn sie Unterstützung im familiären und sozialen Umfeld hätten, würden sie dort Hilfe bekommen und dort einziehen.
Frauen, die zu uns kommen, haben niemanden mehr: keine Mama, keinen Kindsvater, keinen Freund, niemanden. Vielleicht müssen sie sogar das Handy abgeben. Und dann darf ich einfach da sein. Dann darf ich da sein.
Das heißt, wir gehen zum ersten Mal zusammen zum Frauenarzt, wir fiebern mit, ob das Kind ein Junge oder ein Mädchen wird. Sie überlegen mit mir zusammen, welchen Namen das Kind bekommen soll. Aber das weiß sonst niemand außer mir. Das ist für mich so ein Segen.
Diese Frauen haben natürlich auch viele Tiefpunkte. Sie vermissen den Kindsvater, sie vermissen die Mama, das ist ganz klar. Aber auch da stehen wir nach, wir tragen dieses Leid zusammen, wir gehen gemeinsam durch das Ganze.
Und irgendwann kommt dann der Tag, an dem wir zusammen sind. Da fragen sie mich natürlich auch: „Monja, wie sieht es aus? Wirst du bei der Geburt mitgehen?“ Oder: „Hoffst du, wirst du mitgehen?“ Ja, ich gehe mit.
Es ist so schön, wenn dann ein Kind zur Welt kommt, dessen Mama Ja gesagt hat. Dieses Kind war nicht ungewollt. Nein, das Kind war gewollt. Deswegen hat die Mama sich für ihr Kind entschieden, selbst wenn der Konflikt so groß war.
Aber wenn das Kind dann zur Welt kommt und ich dabei sein darf, diese Frau so begleite, die ganzen Wege mittrage, wenn sie nach Hause kommt und ich manchmal auch nachts helfe oder mit dem Stillen unterstütze, bis wir das zusammen hinkriegen, bis alles klappt – wie es halt bei jedem Zuhause auch ist, wenn ein Kind geboren wird –, dann empfinde ich das als eine ganz große Gnade.
So nah bei den Frauen und ihren Gefühlen dabei sein zu dürfen und sie so intensiv begleiten zu dürfen, das ist schon ein großes Geschenk.
Ich hoffe, die Frauen geben mir positive Rückmeldungen. Für mich ist das vor allem auch als gottgeweihte Schwester ein Segen. Ich verzichte ganz bewusst auf eigene Kinder und auf einen Ehepartner und bin trotzdem im Kreißsaal dabei. Ich darf still helfen und die Mamas nachts entlasten, damit sie mal ein paar Stunden schlafen können.
Das ist unser Leben hier im Haus Nazareth. Ja, das ist für mich auch ein großer Segen.
Liebe Zuschauerin, lieber Zuschauer, liebe Zuhörerin, lieber Zuhörer: Wir haben natürlich Informationen zum Haus Nazareth hier unter diesem Video verlinkt.
Die Gehsteigberatung – Haltung und Motivation
Ja, jetzt lass uns mal ein bisschen den Blick auf das Ich richten. Ich weiß, du kannst jetzt viel erzählen, aber vielleicht kannst du uns sanft hinführen und die Geschehnisse sowie die Erlebnisse schildern, die du und ihr gemacht habt, als es an manchen Orten noch legal war, direkt vor den Kliniken den Frauen Hilfe anzubieten und gegebenenfalls einen Ausweg zu zeigen. Das ist jetzt ein anderes Thema, als es noch legal war, sozusagen.
Vielleicht kannst du uns da mal ein bisschen hinführen, bevor wir gleich tiefer einsteigen.
Ja, also ich würde vielleicht ganz kurz vorab sagen, und das finde ich eigentlich das zentrale Wichtige, bevor es jetzt um diese Geschehnisse geht: Du hast es schon richtig gesagt, es geht darum, Hilfe anzubieten. Denn das Thema Gestaltberatung ist sehr vorbelastet durch Medien und Presse. Selbst in der Lebensrechtsbewegung wird das Thema umstritten behandelt, was ich einerseits auch verstehen kann.
Aber deswegen ist es mir ganz kurz wichtig zu erzählen, welche Haltung wir dort haben oder wie wir da draußen stehen. Wenn wir da draußen stehen, sind wir keine Demonstranten, das ist mal das Erste. Selbst wenn wir rechtlich gesehen eine Demonstration beantragen müssen bei der Gemeinde und so weiter, machen wir keine Demonstrationen. Das ist das zentral Wichtige.
Wir stehen da, um zu beten und Hilfe anzubieten, wir demonstrieren nicht. Wir sind auch keine Terroristen, wie uns die Medien bezeichnen. Niemand bedrängt die Frauen oder bezeichnet sie als Mörderinnen, sondern in der Liebe und in der Freiheit stehen wir da. Das heißt, die Frauen können sich frei entscheiden, mit uns zu reden oder auch nicht.
Und die Liebe muss vorherrschen. Das heißt, unsere ganzen Berater, alle Beter, die da stehen, alle, die mit rausgehen, werden geschult. Da legen wir großen Wert darauf. Wir achten oder gucken auch genau hin, welche Gesinnung oder Motivation dahintersteht. Denn wenn die Liebe nicht vorherrscht, dann hat das alles keinen Sinn.
Wir müssen den Frauen, den Begleitpersonen, selbst dem Personal und den Leuten komplett vorurteilsfrei begegnen. Das ist eine große Herausforderung, besonders wenn man auch krasse Situationen erlebt. Trotzdem muss man mit der Liebe bleiben. Darum geht es.
Sobald die Leute oder die Frauen merken, dass wir Vorurteile haben oder sie als böse betrachten – die begeht jetzt eine kleine Abtreibung, die Frau ist böse, sie tut etwas Schlechtes –, aber sie selber ist ja nicht böse. Sie verurteilt sich ja schon für das, was sie tut. Das müssen wir nicht auch noch tun.
Also diese Grundgesinnung, diese Grundhaltung: Ich will dieser Frau helfen. Diese Frau an sich ist nicht böse. Das könnte ja meine Nachbarin sein, das könnte irgendjemand anderes sein. Es ist jetzt wirklich eine Frau in Not. Das könnte ja meine kleine Schwester sein oder sonst jemand. Also eine Frau, die wirklich eine enorm große Not hat, und ich will ihr einfach beistehen und ihr helfen.
Diese Grundgesinnung, die Liebe, das ist einfach das zentrale Wichtige. Sonst werden wir da draußen die Herzen der Menschen nicht berühren. Gott vergegenwärtigen – das ist so das Zentrale. Diesen Ort des Todes zu einem Ort des Lichtes zu verwandeln, zu einem Ort des Gebetes.
Die Gesamtatmosphäre ändert sich einfach. Die Frauen laufen auf uns zu, sie schauen uns in die Augen und wissen sofort, was los ist. Ohne Worte. Darum geht es. Wenn hier nicht die Liebe stimmt, dann ist alles andere ganz fruchtlos.
Deswegen als kurzer Einschub vorab: Das ist ganz, ganz wichtig, dass du das sagst, Schwester Monia. Nicht nur, um geradezustellen, was da für Unwahrheiten verbreitet werden – das ist uferlos –, sondern auch einfach, weil ich das so entscheidend finde. Wir merken das ja auch, und wir ziehen da in vielen Punkten am gleichen Strang.
Es gibt einen Unterschied zwischen den richtigen Dingen und den richtigen Motiven. Ich kann ganz viel machen, was äußerlich vielleicht irgendwie hilfreich sein könnte. Aber wenn die Absicht dahinter, wenn das Herz nicht stimmt, dann ist es müßig. Dann ist es wirklich, wie es im Buch Prediger heißt: Es ist einfach Nichtigkeit.
Genau so ist es, ja.
Und wenn wir natürlich Begegnungen mit dem Abtreibungsarzt oder mit dem Personal haben, wenn wir da draußen bespuckt werden oder ähnliches, dann geht es schon zur Sache. Dann ist es wirklich eine Herausforderung zu sagen: Ja, ich liebe dich trotzdem. Das ist unsere große Herausforderung.
Aber es sind einfach die Augen, die Bände sprechen. Die Augen der Frauen sprechen Bände, unsere Augen sprechen Bände, und sie sehen einfach: Das ist der Blick. Die Frauen laufen an uns vorbei, und wir haben nur einen Bruchteil von Sekunden Zeit.
Gerade wenn es um die Gehsteigberatung in Holland geht, da kommen Frauen zur Abtreibung, die sind in der 18. bis 24. Schwangerschaftswoche. Sie haben sich manchmal schon lange intensiv mit diesem Tag und dieser Situation beschäftigt. Jetzt ist der Tag da.
Wir haben eigentlich nur zehn Sekunden Zeit, dass diese Gesinnung, dieses Herz, die Einstellung verändert wird. Die Frauen laufen an uns vorbei, zehn Sekunden, und zack, sind sie drin.
Natürlich beten wir draußen. Gott verändert die Herzen auch während sie drinnen sind. Da sind auch schon Wunder passiert. Aber diese Begegnung trägt einfach alles.
Diese zehn Sekunden – Gott und die Liebe, Gott ist die Liebe – das ist das, was dort vorherrschen muss. Das ist das, was alles verändert, wo dann Leben entstehen kann.
Diese zehn Sekunden sind einfach entscheidend.
Ja, das ist gut, dass du das noch mal so vor Augen führst. Man denkt immer, ah, es ist so ein großer Prozess, und da sind dann stundenlange Gespräche und so weiter. In manchen Fällen können die vielleicht folgen, das kann durchaus sein.
Aber es fängt ja wirklich alles mit dem Bruchteil einer Sekunde an, wenn dann die Frau oder auch meinetwegen die Frau und der Partner – da kommen wir sicherlich gleich drauf – an euch vorbeigehen. Es ist wirklich ein Blickkontakt, und dann ist es wieder weg.
In diesen Situationen, in diesen Augenblicken kann sich tatsächlich so viel entscheiden.
Ja, kannst du uns vielleicht mal, soweit das für dich in Ordnung ist, einnehmen in ein paar von den Erlebnissen, die du und ihr da gemacht habt im Laufe der Jahre? Also dort draußen auf dem Gehsteig, wie wir es hier jetzt einfach so bezeichnen, vor diesen Abtreibungsstätten.
Für mich, wenn ich das so betrachte, gibt es keinen Ort – naja, das ist ein bisschen übertrieben –, aber für uns ist es ein Ort, an dem die Not so vergegenwärtigt und so deutlich sichtbar wird.
Klar, wenn eine Katastrophe passiert, ist die Not auch irgendwie sichtbar. Aber es ist einfach ein Ort des Todes. Und das sieht man und erlebt man auch, und das kann auch keiner verleugnen. Das verleugnet komischerweise auch keiner.
Wenn man mit den Nachbarn redet, die sehen ja auch, wenn Frauen weinen etc. Das kann man nicht verleugnen, das geht nicht.
Wenn man sich die Zeit nimmt und mal wirklich mit Interesse an so einem Ort steht, vielleicht auch zwei oder drei Tage, dann sieht man und erlebt man, was eine Abtreibung mit einer Frau machen kann.
Das ist natürlich nicht prinzipiell so, das ist klar. Es ist nicht so, dass jede Frau da einen riesigen Schmerz hat. Klar, es gibt auch die, die rein und raus gehen wie Maschinen. Aber trotzdem spiegelt sich die ganze Tragik, die hinter diesem Thema steht, ganz zentriert in diesem Moment wider.
In diesem Moment, wenn eine Frau kurz vor der Abtreibung steht oder eben direkt nach einer Abtreibung.
Und ganz, ganz hart natürlich auch in Holland, wo wir von Abtreibungen in der 18. Schwangerschaftswoche reden, die auch sexuell praktisch ganz anders erfolgen als in Deutschland, wo es ja auch schon eine Dramatik ist.
In der 16. Woche sind Jungs und Mädchen so groß, dass sie in deine ausgestreckte Hand passen. Ihre Augen sind mit über 20 Millionen Zellen so leistungsfähig, dass sie durch Mamas Bauchdecke hindurch Licht sehen können.
In diesem Alter reagiert das Kind schon deutlich auf Berührungen, tastet und greift, spielt mit der Nabelschnur, trinkt Fruchtwasser und reagiert auf unterschiedliche Geschmäcker von dem, was Mama gegessen hat.
Das Herz pumpt täglich mehr als 24 Liter Blut durch den Körper mit über 200.000 Herzschlägen. Man entwickelt jede Minute über 250.000 neue Gehirnzellen und kann sogar schon Musik hören.
Also was das mit einer Frau macht, wie es bei einer Frau geht, das sieht man und erlebt man einfach dort.
Da könnte ich jetzt ganz, ganz viele Beispiele erzählen.
Vielleicht ein Beispiel, das mir ganz besonders in Erinnerung geblieben ist, betrifft einen Mann. Wir haben auch sehr viel Kontakt mit Männern, und darauf würde ich nachher gern noch eingehen, weil sie bei diesem Thema oft vergessen werden. Dabei sind sie wirklich traurig und spielen eine entscheidende Rolle in dem ganzen Prozess, eine absolut entscheidende Rolle.
Dieser Mann hat eigentlich bloß eine Frau zu diesem Ort gefahren, er war weder der Kindsvater noch sonst jemand.
Er ist auf uns zugekommen, und äußerlich sah er sehr markant aus. Er ist glatzköpfig, überall tätowiert, mit einem Blick, der mir unter die Haut gefahren ist. Er hat uns wirklich fokussiert angeschaut und war zentral auf uns zugegangen.
Er stand kreideweiß da und zitterte fast so wie ich jetzt.
Dann hat er mich angesehen und angefangen, auf Englisch zu sprechen. Er wollte mir etwas sagen. Er hatte schon so vieles erlebt in seinem Leben: Er war im Gefängnis, im Krieg, hat vielleicht jemanden umgebracht oder ähnliches, wurde als Kind misshandelt und so weiter.
Aber das, was er heute oder in diesem Moment an diesem Ort erlebt hat, übertraf alles.
Dann stand er da und hat geweint. Das berührt mich jetzt auch noch, wie er da stand und weinte.
Er war ja nicht mehr bei der Abtreibung dabei, er hat einfach die Atmosphäre wahrgenommen, die Frau genau wahrgenommen, und hat geweint.
Dann hat er sich bedankt für das, was wir hier tun, und ist wieder gegangen. Wir haben kurz mit ihm gesprochen.
Dann habe ich gedacht: Meine Güte, das ist … Wenn so jemand so etwas sagt mit dieser Geschichte, dann können wir uns gar nicht erahnen, was eigentlich dort los ist.
Das hat mich sehr, sehr berührt.
Ja, eben. Die Situation der Männer ist mir auch unter anderem in der Gehsteigberatung ganz bewusst geworden.
Manchmal dauert eine Abtreibung in der 18. Schwangerschaftswoche Stunden, einen ganzen Tag. Da kommt man einfach ins Gespräch.
Die Männer sind froh, wenn sie mit jemandem reden können.
Wir hatten ein Wohnmobil dabei und haben Kaffee angeboten.
Da wurde mir noch mal neu bewusst, dass wir nicht vergessen dürfen, dass selbst wenn Männer – und das ist ja leider häufig der Grund für eine Abtreibung: der Druck vom Kindsvater, vom Freund etc. – selbst wenn Männer Druck auf eine Frau ausüben, stecken sie genauso in einer Art Schwangerschaftskonflikt wie die Frau auch.
Sie machen das ja nicht ohne Grund, dass sie Druck auf diese Frau ausüben.
In diesen Gesprächen wurde mir sehr bewusst, in was für einem Konflikt sie auch stecken können.
Genau dort muss man sie auch abholen.
Ich hatte mal ein Gespräch mit einem Mann beziehungsweise habe ich eine Frau beobachtet, wie sie immer vom Parkplatz, vom Auto zum Abtreibungseingang lief.
Das war innerhalb des Abtreibungsgeländes. Ich stand draußen, ich durfte da nicht rein.
Sie lief die ganze Zeit hin und her, über eine halbe Stunde, war drin und wieder draußen.
Irgendwann verschwand sie drin. Sie wollte nicht mit mir reden.
Dann kam der Mann auf mich zu und sagte auf Deutsch: „Ich habe schon gesehen am Autokennzeichen, dass ihr Deutsche seid.“
Ich antwortete: „Ja, stimmt.“
Er sagte: „Ich habe meine Frau zur Abtreibung gezwungen.“
Das war der erste Satz.
„Ja, ich habe sie gezwungen.“
Und dann fragte ich: „Und verurteilst du dich jetzt für das, was du getan hast?“
Er antwortete: „Ja.“
Dann sagte ich: „Nein, dich verurteile ich nicht, aber klar, das, was du getan hast, schon. Aber dich nicht. Warum hast du das getan?“
Dieser Satz „Ich verurteile dich nicht, das, was du getan hast, schon, aber dich nicht“ nahm plötzlich die ganze Anspannung aus der Situation.
Wir haben fast zwanzig Minuten über ihn gesprochen, über seine Rolle als Ehemann, als Kindsvater, was eigentlich seine Aufgaben sind.
Das hat ihn komplett verändert.
Er wollte dann rein, wollte seine Frau rausholen, leider war es schon zu spät.
Wir haben trotzdem noch gesprochen, denn die Ehe, die Beziehung, wir müssen das alles irgendwie versuchen zu retten.
Aber es wird mir immer bewusster, dass wir die Männer nicht vergessen dürfen.
Natürlich erleben wir auch andere Situationen als bei einer Frau.
Ich habe eine Frau beobachtet, die sich am Ärmel ihres Mannes festkrallte, auf den Knien lag.
Das Personal stand im Hintergrund an einem Fahrradständer und rauchte eine Zigarette.
Wir haben einfach zugeschaut, ich durfte das Gelände nicht betreten.
Die Frau lag auf den Knien, und der Mann zog sie einfach hinein.
Das ist natürlich krass, die ganze Situation ist krass.
Aber genauso wenig, wie wir die Frauen verurteilen, dürfen wir auch die Männer verurteilen, die ihre Frauen zwingen.
Es ist verboten, es ist dramatisch, es ist klar.
Aber auch da müssen wir tiefer blicken.
Das versuchen wir in diesen Gesprächen.
Die Rolle der Männer ist ganz entscheidend.
Deswegen achten wir darauf, immer auch mit den Männern ins Gespräch zu kommen.
Klar, in erster Linie mit den Frauen, aber eben auch mit den Männern.
Wenn die Männer stabil werden in ihrer Rolle und Entscheidung, weil die Frau eigentlich hören will: „Ja, komm, wir schaffen das, ich beschütze dich, ich beschütze dein Kind.“
Das erleben wir sehr oft.
Wenn wir die Männer erreichen und sie versuchen, ihre Frauen zu unterstützen, dann ist das so wertvoll.
Wir haben es auch schon erlebt, zum Beispiel mit einem jungen Pärchen aus Deutschland.
Sie standen am Ticketautomaten, und das ist für uns immer eine gute Situation, weil die Automaten kompliziert sind.
Da haben wir ein bisschen Zeit.
Die beiden kannten sich nicht so gut aus, und dann sagten sie: „Hey, kommt ihr aus Deutschland?“
„Ja, genau, hier sind die Parkticketautomaten.“
Das ist für mich immer super, weil ich so auf die beiden zugehen kann.
Ich sage: „Hey, ihr kommt aus Deutschland, stimmt? Die Ticketautomaten sind ein bisschen kompliziert, ging mir am Anfang auch so.“
So kamen wir ins Gespräch.
Das war ein junges Pärchen.
Sie sagten, sie hätten einen Termin hier drin.
Sie meinte: „Oje, die Autofahrt war nicht einfach. Acht Stunden hierher fahren.“
Sie schüttelte die ganze Zeit den Kopf.
Er wurde sehr vehement: „Was labert ihr uns jetzt zu? Lasst uns doch in Ruhe. Uns ist ja eh schon alles schwer genug.“
Aber sie blieb stehen und sagte nichts.
Irgendwann sagte sie: „Jetzt lass sie doch, sie meint es doch bloß gut.“
Da merkte ich: Huch, okay.
Wir waren zu zweit und haben die beiden ein bisschen getrennt.
Ich fing ein Gespräch mit ihr an.
Ein Mann, der dabei war, verwickelte ihn dezent in ein Gespräch.
Ich bin mit ihr ein bisschen weggegangen.
Sie sagte zu mir: „Ich glaube, Gott hat euch jetzt geschickt.“
Ich fragte: „Warum meinst du das?“
Sie sagte: „Ich habe die ganze Zeit überlegt, wie ich es schaffen kann, die Abtreibung nicht zu machen.“
Sie hatte sich schon überlegt, vier Stunden lang, da reinzugehen und ihrem Partner zu sagen: „Ich habe es gemacht“, obwohl sie es ja nicht getan hatte.
Aber sie hatte Angst. Irgendwann sieht man den Bauch, sie hatte Angst, ihn als Freund zu verlieren.
Das war ihre Schwäche.
Sie überlegte die ganze Zeit, wie sie aus der Nummer rauskommt.
Natürlich ist es erst mal so passiert, dass sie sich auf dem Gehsteig getrennt haben.
Sie ist mit uns heimgefahren, er ist alleine heimgefahren.
Wir konnten sie ein bisschen in ihrer Entscheidung stärken.
Es geht ja um sie.
Wir haben sie gestärkt.
Später haben sie sich oft wieder zusammengefunden, nachdem man gut mit ihm reden konnte, ihn ebenfalls abgeholt hat.
Dann sind sie wieder zusammengekommen.
Sie haben ein kleines Mädchen geboren.
Halleluja!
Ja, genau.
Das sind wirklich viele Geschichten.
Die Hintergründe der Abtreibungen in den Niederlanden
Ja, das lässt, glaube ich, niemanden kalt, der das jetzt hört, egal ob Mann oder Frau. Ich finde es bemerkenswert. Ihr könnt jetzt ganz viele Aspekte anknüpfen, aber ich nehme mal nur zwei heraus.
Das eine ist, dass du sagst – verstehe ich dich richtig –, dass ganz häufig der Weg, also anders gesagt, dass viele Frauen das nicht aus eigener, intrinsischer Motivation wollen. Sie denken nicht: „Ich will das von mir aus“, sondern es sind äußere Faktoren, ganz häufig der Vater, der dazu drängt. Das wissen wir aus zahlreichen Studien. Und jetzt sagst du, deswegen ist es in der Praxis häufig ein lebensbejahender und der Mutter helfender Weg, ausgerechnet mit dem Vater ins Gespräch zu kommen.
Genau so ist es. Wir erleben oft, wenn man mit den Frauen länger ins Gespräch kommt, dass schon alleine das Wort „Schwangerschaftskonflikt“ aussagt, dass ein Konflikt vorliegt. Das heißt immer, es steht etwas für und etwas gegen. Und das ist es oft für das Kind. Es steckt in der Natur der Frau, sie weiß einfach: „Ja, ich bin schwanger, ich bin mit einem Kind schwanger.“ Das weiß sie vom Herzen her. Und da kann, selbst wenn sie jetzt darüber streiten, ob es ein Zellklumpen sei oder was auch immer der Frau da verkauft wird, sie weiß: „Ich bin schwanger.“ Und sie weiß auch, dass sie mit einem Kind schwanger ist. Das ist das, was ihr Herz sagt und was ihr Gewissen sagt.
Dann kommt natürlich das Andere: Ausbildung, Studium, keine stabile Partnerschaft, viertes Kind von vier Männern oder eben auch der gesellschaftliche Druck. Was denkt die Gesellschaft über mich, wenn ich vier Kinder von vier Männern habe? Oder: „Du machst doch erst mal das Studium zu Ende.“ Das sind dann diese Stimmen von außen, die das überdecken. Und das ist dann dieser Kampf, dieser Konfliktkampf zwischen dem, was ich fühle, wie es meinem Herzen geht, was mein Gewissen sagt, und den anderen Dingen, die vom Verstand her auf mich einströmen.
Und das ist dann auch unser Ansatz: Wir sagen, „Hey, blend doch mal diese ganzen Probleme aus. Wenn jetzt die Gesellschaft, etc., einfach alles wegfällt – du allein, du, du, du, nur du – und guck, was ist denn da eigentlich? Es geht ja um dich. Du musst nachher mit einer Abtreibung leben, und genauso auch nachher bekommst du dieses Kind.“ Also, was sagt denn dein Herz?
Und dann sagen sie schon wirklich: „Ja, es ist einfach schwierig.“ Das ist dann oft so: „Ja, es ist schwierig.“ Und genau an diesem Punkt geht es ja. Es sind wirklich oft diese Stimmen von außen, von der Gesellschaft, von dem Druck, die auf dieser Frau lasten. Hinzu kommen natürlich auch noch Hormonumstellungen und so weiter. Da geht ja alles drunter und drüber in dem Moment. Selbst natürlicherweise sind sie erst mal komplett überfordert, wenn die Schwangerschaft da ist. Meistens ist sie nicht geplant. Aber da kommt schon: Eine Frau, ungeplant schwanger, mit äußeren Problemen, ist in einem absoluten Ausnahmezustand.
Und eigentlich – also wenn wir zu dieser Situation kommen – meinen die Männer oft, sie tun etwas Gutes, wenn sie sagen: „Es geht ja um dich, tu das, was du willst. Ich unterstütze alles, mach das, was du willst.“ Aber sie braucht jemanden, der vorsichtig mit ihr einen Weg geht, um hinzuhören: „Hey, okay, jetzt schau mal in dich hinein.“ Sie braucht wirklich eine Handreichung, um zu finden, was ihr Herz sagt, was ihr Herz sagt. Das ist dann die Form der Beratung.
Und eben genauso auch, weil es ja auch klar ist, dass Partnerschaft, Frau-Mann-Beziehung, Männer stabilisiert werden müssen. Wenn eine Frau merkt, dass der Mann sich für sie und für das Kind ausspricht, dann hat sie nicht mehr die Angst, verlassen zu werden. Sie gewinnt an Stabilität. Dann ist das gut gekoppelt, so wie es eigentlich auch sein sollte.
So wie es sein sollte, ja. Und danke, dass du das nochmal hervorhebst, das ist super, super wichtig.
Jetzt noch mal eine Frage, die für den einen oder anderen, der das jetzt zum ersten Mal hört, interessant sein könnte: Ihr seid in Holland, und dort begegnen euch deutsche Paare, die in die Niederlande fahren, um dort ihre Kinder abzutreiben. Warum fahren die denn extra acht Stunden Auto? Warum machen sie das nicht in Deutschland? Kannst du uns da vielleicht noch ein bisschen die Hintergründe erklären?
Ja, also in den Niederlanden sind Schwangerschaftsabbrüche bis zur 24. Woche erlaubt, in Deutschland bis zur zwölften Woche. In den Niederlanden ohne Indikationsgrund. Das heißt, Deutsche können dort einfach unbürokratisch anrufen, wenn sie in einem Konflikt sind. Selbst wenn sie nur einen Tag einen Aussetzer im Kopf haben – das ist ja so, Gefühle gehen auf und ab –, können sie morgens anrufen und sagen: „Wie sieht's aus? Ich plane eine Abtreibung.“ Und dann können sie am nächsten Tag kommen.
Also in Holland sind Abtreibungen bis zur 24. Schwangerschaftswoche möglich, ohne Indikation. Das heißt, es muss keine Behinderung vorliegen. Es besteht keine Beratungspflicht mehr, und die Bedenkzeit von fünf Tagen wurde jetzt auch abgeschafft.
Und die 24. Woche – das ist welcher Monat? Sechster, sechster Schwangerschaftsmonat. Also nicht sechste Woche, sondern sechster Monat.
Genau, sechster Schwangerschaftsmonat. Ich habe Kinder erlebt, die in der einundzwanzigsten Woche geboren wurden und überlebt haben. In diesem sechsten Monat ist das Baby wenige Wochen vor seiner natürlichen Geburt. In normalen Situationen haben Eltern häufig die erste Babykleidung, sind für den Geburtsvorbereitungskurs angemeldet und richten zu dem Zeitpunkt das Kinderzimmer ein.
Im sechsten Monat sind Jungs und Mädchen so groß, dass du sie mit beiden Händen halten musst. Sie öffnen viele Male am Tag die Augen und drehen sich manchmal weg, wenn etwas zu hell oder zu laut ist. Ihr Herz schlägt über zweihunderttausend Mal am Tag und pumpt mehrere Dutzend Liter Blut durch den gesamten Körper.
In dem Alter ist das Gehirn mit über achtzig Milliarden hochempfindlicher Nervenzellen schon so gut ausgebildet, dass man die Stimmen seiner Eltern klar erkennt, sich an Gute-Nacht-Lieder und Reime erinnert und sogar verschiedene Sprachen und Dialekte unterscheiden kann.
Wie bekommen Abtreibungsärzte also fast voll ausgewachsene, lebende Kinder aus ihrer Mama heraus, aber möglichst so, dass die Kinder am Ende nicht mehr leben, damit niemand dem Kind Schmerzensgeld und lebenslangen Unterhalt zahlen muss?
Es gibt verschiedene Methoden. Bei der ersten Abtreibungsmethode, dem sogenannten Fetuzid, wird dem Kind eine große Kanüle tief in den Körper gestochen, häufig mehrfach, und ihm wird die gleiche Überdosis gespritzt, die man in Ländern mit Todesstrafe wie China bei der Hinrichtung von Schwerstverbrechern nutzt.
Dieses Verfahren wird in Deutschland fast alle zwölf Stunden angewandt. Wir wissen von vielen Müttern, dass sie häufig erst dann realisieren, was gerade passiert, und dass ihnen nun die Geburt ihres toten Kindes bevorsteht.
Die zweite sehr häufige Abtreibungsmethode ist die sogenannte Dilation and Evacuation (DNE). Die läuft so ab: Erst wird Mamas Muttermund erweitert, dann wird eine sogenannte Sofa-Zange, auch Ovum-Zange oder Uterus-Fast-Zange genannt, in die Mama eingeführt. Dann wird der lebende Junge oder das lebende Mädchen Stück für Stück aus der Mama herausgezogen – erst die Beine, dann die Arme, dann die Rippen und der Kopf.
Schließlich kommt die Absaugkanüle zum Einsatz, um restliche Körperteile, das Blut und die Plazenta herauszusaugen. Am Ende muss protokolliert werden, ob alle Körperteile draußen sind, besonders Wirbelsäule und spitze Teile der Schädelknochen, die dabei zerbrochen wurden.
Das wird protokolliert. Die Körperteile des Kindes werden in einen medizinischen Abfalleimer geworfen und auf Müllverbrennungsanlagen für Stromerzeugung beseitigt. Damit ist diese Abtreibung abgeschlossen, und der Arzt kann zum nächsten Eingriff übergehen.
Bei der dritten, sehr häufigen Abtreibungsmethode werden der Mama stark wehenauslösende Mittel gespritzt, die ihren Körper zwingen, das Kind unmittelbar zur Welt zu bringen. Manchmal stirbt das Kind bei den Strapazen, häufig wird es lebendig geboren, wo es ohne Fürsorge schließlich erstickt oder erfriert.
In Südkorea ging es einem Arzt nicht schnell genug, sodass er das schreiende Kind in einem Wassereimer ertränkte. Im Universitätsklinikum Wien wurden mindestens einhundertzweiundzwanzig lebende Kinder nach der Prozedur in der Kälte ohne Fürsorge gelassen. Die meisten sind nach 32 Minuten erstickt, eines verbrachte vier Stunden und siebenundzwanzig Minuten im Todeskampf, bevor es ebenfalls erstickte.
In Deutschland wurde in der städtischen Frauenklinik Oldenburg ein lebendes Kind nach der Prozedur allein in einen Nebenraum gelegt. Erst die nächste Krankenhausschicht bemerkte, dass der Junge zwar beinahe erfroren, aber nach zehn Stunden Todeskampf bei Schnappatmung immer noch nicht erstickt war. Man nahm sich seiner an, und er wuchs schließlich in einer christlichen Familie auf, die ihn liebevoll großgezogen hat.
Es gibt verschiedene Methoden. Alle drei hiervon werden hier bei uns in Europa diese Woche am helllichten Tag praktiziert, ohne dass die Polizei eingreifen darf.
Wer mehr Berichte von Abtreibungsüberlebenden hören möchte, die hier auch selbst zu Wort kommen können, der sollte jetzt die Glocke unter diesem Video drücken und in die Kommentare schreiben: „Videowunsch Überlebende.“
Also dort laufen Frauen an uns vorbei. Wir reden da. Die Frauen in Holland wissen genau, um was es geht. Sie haben uns ja gesagt: „Ja, sie wissen, es wird ein Junge. Sie sind auf dem Weg, sie spüren das Strampeln“, erzählen sie mir.
Also, in was für einem Ausnahmezustand, in was für einem Konflikt ist eine Frau, die ganz genau weiß, dass sie jetzt über Leben und Tod von dem Kind entscheidet, das gerade in ihr ist? Das kann man sich, glaube ich, gar nicht vorstellen.
Und das ist genau das, was man dort eben sieht und erlebt, in dieser ganzen Dramatik, manchmal in einer Schockstarre – vorher, hinterher. Das kann man nicht fassen.
Ja, wir haben schon Frauen erlebt, die sind rausgerannt und haben dann gesagt: „Blut, nein, oh nein, oh nein, ich will mein Baby zurück, ich will mein Baby zurück, ich will mein Baby zurück.“ Das ist eben genau das: keine Beratung, keine Bedenkzeit. Die Frauen entscheiden an einem Tag, an dem alles aus dem Ruder läuft, an dem Streit mit dem Freund ist, sie sind irgendwie in der achtzehnten Woche, das heißt, da gab es mal einen Punkt oder in der vierundzwanzigsten.
Warum warten sie sonst so lange? Dieser Konflikt? Natürlich gibt es Frauen, die es erst spät bemerken, aber das ist die Minderheit. Es sind auch Ängste, dass vielleicht der Frauenarzt gesagt hätte: „Ja, Sie sind ja schon über der 14. Woche, es könnte sein, dass das Kind behindert ist, man muss mehr gucken.“ Dann bricht eine Panik aus, eine Angst, sodass sie einfach schnell hingehen.
Zahlen und gesellschaftliche Wahrnehmung
Ja, Schwester Monia, kannst du uns mal ungefähr einen Eindruck geben? Du weißt ja selbst, es ist sehr schwer, an offizielle Zahlen zu kommen. Es gibt ja Abtreibungsärzte sowohl in Deutschland als auch in Österreich, die ganz selbstbewusst behaupten, dass sie nicht alle Fälle melden. Das heißt, es ist immer sehr schwer, verlässliche Daten zu bekommen.
Kannst du uns ungefähr sagen, wie viele deutsche Paare in die Niederlande fahren? Ich bleibe mal bei dieser einen Konstellation. Wie schätzt du die Größenordnung ein, basierend auf dem, was ihr selbst gesehen habt? Kommt das ein- oder zweimal im Jahr vor, oder ist das etwas, das häufiger passiert?
Ich kann keine genaue Zahl nennen, aber das, was wir wahrnehmen, wenn wir eine ganze Woche draußen stehen, sieht man ja an den Autokennzeichen. Man erkennt, wer da wie rein- und rausfährt. Es gibt drei Abtreibungsstätten in Holland, die Schwangerschaftsabbrüche bis zur 24. Woche durchführen. Dort stehen wir auch, und das sind natürlich die Kliniken, zu denen die Deutschen gehen.
Die anderen Kliniken führen ebenfalls Schwangerschaftsabbrüche bis zur 14. Schwangerschaftswoche durch. Aber von diesen drei Kliniken kommen am Tag viele Frauen, und sie haben alle fünf Tage die Woche geöffnet, also Montag bis Freitag, in der Regel von acht bis siebzehn Uhr.
Man muss dazu sagen, dass es wirklich reine Abtreibungskliniken sind. Nicht so wie in Deutschland, wo es noch Frauenarztpraxen oder Kliniken gibt, die auch Verhütung oder andere Untersuchungen anbieten. Die Frauen, die durch diese Türen gehen, machen eine Abtreibung, weil in diesen Häusern nichts anderes gemacht wird.
Am Tag kommen dort bestimmt sechs bis acht deutsche Autos, mit Sicherheit. Am Tag? Ja, am Tag. Am Anfang war ich auch geschockt. Ich war wirklich überrascht, wie viele es sind. Klar kann es auch mal einen Tag geben, an dem nur drei kommen. Was heißt schon nur? Selbst drei Autos pro Tag sind ja schon unfassbar. Ich bin mir sicher, diese Fälle werden in den deutschen Statistiken nicht aufgeführt.
Natürlich nicht. Oft wird auch gefragt: „Kannst du Niederländisch sprechen?“ Dann sage ich: „Nein, aber ich brauche es eigentlich gar nicht.“ Es kommen so viele Deutsche. Das ist schockierend, es ist wirklich entsetzlich und schockierend.
Das heißt, du schätzt, dass mindestens 3.000 im Jahr ohne Beratungsschein und in der Regel ohne Indikation bis zum sechsten Monat dorthin fahren. Dort wird dann direkt abgetrieben. Das ist das, was den ganzen Tag gemacht wird. Du sagst, die Öffnungszeiten sind ganz normal, montags bis freitags, morgens bis abends, wie ein normales Geschäft. Dort werden Kinder bis zum sechsten Monat abgetrieben. Das sind weit über 3.000 im Jahr.
So sieht es aus, ja. Das ist meine Wahrnehmung, basierend auf dem, was wir dort erleben und an den Autokennzeichen sehen. Das ist erschreckend. Das muss ich auch sagen, es ärgert mich sehr, dass das so verleugnet wird oder dass nicht darüber gesprochen wird.
Ja, genau. Wie denkst du, müsste man darüber sprechen? Was müsste passieren, damit das in Deutschland klarer wird? Dass das natürlich alles komplett unter dem Radar läuft, in keiner Statistik auftaucht und so weiter. Was müsste sich in der öffentlichen Diskussion ändern, nach deiner und eurer Erfahrung?
Boah, ja, überhaupt, dass diese Möglichkeit überhaupt existiert. Das ist etwas Grundsätzlicheres. Natürlich wird über Spätabtreibung in Deutschland gesprochen. Ich finde es gut, wenn man die Möglichkeit hat, Leute zu hören, die dort hingehen. Aber sonst bin ich in der Politik zu wenig aktiv.
Ich finde es gut, wenn darüber gesprochen wird, damit das mehr ins Bewusstsein kommt. Vielleicht auch wirklich mit… Ja, ich weiß es nicht. Ich weiß wirklich nicht, wie man das mehr in die Gesellschaft, in die Köpfe oder in die zentrale Statistik bringt. Aber wie man das macht, keine Ahnung. Man weiß es nicht.
Eindrücke von der Gehsteigberatung
Und jetzt gehen wir mal gedanklich zurück auf den Gehsteig. Kannst du uns noch ein bisschen mitnehmen in ein paar der Erlebnisse, die du und ihr im Laufe der Jahre hattet?
Eines meiner ersten Erlebnisse war ziemlich früh. Ich kam etwas später dazu und sah eine Frau, die alleine auf einer Treppe am Eingangsbereich saß. Ich sprach sie an, und sie war sehr bedrückt und bekümmert. Sie erzählte, dass sie die Welt nicht mehr versteht. Sie wünschte sich schon lange ein Kind und ging ständig in die Kinderwunschklinik. Ihre Freundin, die gerade oben war, trieb gerade ab. Für sie war das alles absolut surreal. Trotzdem wollte sie ihre Freundin begleiten. Später kamen noch zwei andere Frauen hinzu, sodass sie zu dritt standen. Danach konnten wir nicht mehr so privat reden.
Für sie war die Situation extrem schwierig. Sie kämpften mit den Tränen. Irgendwann zückte eine von ihnen ihr Handy, bekam einen Anruf und sie gingen hoch, um die Freundin abzuholen. Diese konnte kaum noch laufen. Die zwei Frauen stützten sie. Diejenige, die sich so sehr ein Kind wünschte, weinte ohne Ende. Die betroffene Frau wurde rausgetragen. Ich sah nur, wie sie halb tot, körperlich komplett lahm, beim Beifahrersitz ins Auto gesetzt wurde.
Das war ein Ausnahmezustand für diese Frau, die unter Schock stand, für die Freundin, die weinte, und für die anderen. Ich ging kurz zu ihnen, doch ein Gespräch war nicht mehr möglich. Die Situation musste sich erst beruhigen. Ich sprach noch mit einer anderen Freundin, weil alle überfordert waren. Sie wussten nicht, wie sie helfen sollten oder wohin sie gehen könnten. Aber auch mit ihr konnte ich nicht richtig reden.
Die betroffene Frau war im Schockzustand und begann zu weinen. Sie erlebte ein richtiges Trauma. Ich konnte kein Gespräch mit ihr führen. Sie schaute nach unten, gab der Freundin meine Adresse und Telefonnummer. Es war sichtbar, dass diese Frau ein absolutes Trauma erlebte – einen Ausnahmezustand, Schock und pure Hilflosigkeit bei den Menschen im Umfeld, vor allem bei den direkten Menschen.
Das Schwierige ist, dass dieses Thema besonders nach einer Abtreibung mit so viel verbunden ist. Es ist ein großes Tabuthema. Vor der Abtreibung wird viel über Schwangerschaftskonflikte und Beratung gesprochen. Da heißt es oft, die Frau habe kein Problem, Abtreibung sei einfach und so weiter. Aber hinterher steht die Frau komplett alleine da. Denn kaum jemand weiß oder traut sich, darüber zu reden, dass sie leidet. Das trauen sich die wenigsten, weil es mit so viel Scham behaftet ist. Wenn sie dann etwas sagt, sind alle komplett überfordert. Das liegt daran, dass man sich eingestehen müsste, dass das Umfeld vielleicht doch nicht so hilfreich ist.
Der Anblick, wie diese drei Frauen die betroffene Frau rausgetragen haben, ist etwas, das wir immer öfter erleben. Ein junges Mädchen, das mir jemand in Wien erzählte, war schwanger mit Zwillingen. Sie war etwa achtzehn Jahre alt. Sie hatte schon vorher immer wieder mit Beratern gesprochen, also vor der Abtreibung. Trotzdem ging sie zur Abtreibung. Sie fiel in die Arme der Beraterinnen. Wenn es nur eine gewesen wäre, hätte das Jugendamt das doch bezahlt, so ist es in Österreich. Sie war völlig am Ende, wirklich völlig am Ende.
Ich habe auch erlebt, dass eine Sechzehnjährige, mit der ich vorher kurz gesprochen hatte, dann reinmarschierte. Die Mama oder eine Begleitperson war dabei. Nach der Abtreibung kam sie auf mich zu und weinte. Sie sagte immer wieder: „Ich will mein Baby zurück, ich will mein Baby zurück.“ Die Tränen flossen unaufhörlich. Vorher schien sie noch recht stabil, auch wenn es Konflikte und Schwierigkeiten gab. Aber nachdem ihr Bauch plötzlich leer war, wurde ihr bewusst, was passiert war. Sie sagte sogar: „Mein Bauch ist so leer, ich will mein Baby zurück.“ Das ist der Moment, in dem vielen Frauen klar wird, was sie durchgemacht haben.
Das ist auch meine Motivation. Natürlich hoffen wir und beten, wenn wir draußen stehen, dass wir Frauen helfen können, sich für ihr Kind zu entscheiden. Wir erleben ja die Gegensätze. Frauen, die sich draußen für ihr Kind entscheiden, fahren oft mit einer Gelassenheit nach Hause, die beeindruckend ist. Ich hatte einmal ein Gespräch mit einem ausländischen Paar aus Deutschland, die kein Wort Deutsch sprachen. Ich gab ihnen ein kleines Geschenk und sagte, ich bete für sie. Sie gingen weg, kamen aber zwanzig Minuten später zurück. Ich dachte, das sei zu kurz. Dann fuhren sie an mir vorbei, drehten die Windschutzscheibe runter, und er weinte, sie auch. Sie zeigte mir das Geschenk und sagte nur: „Baby bleibt.“ Das Baby bleibt. Ich musste nicht viel sagen. Vielleicht hat das Geschenk etwas bewirkt, ich weiß es nicht.
Man sieht diese gelösten Gesichter oder auch die Frau, von der ich vorher erzählt habe, die trotz Trennung von ihrem Freund froh war. Diese Gegensätze zu erleben ist beeindruckend. Eine Frau nach einer Abtreibung sieht man an, dass nicht nur ihr Kind gestorben ist, sondern auch etwas von ihr selbst. Das sieht man ihr an. Im Gegensatz dazu steht eine Frau, die trotz schwierigster Umstände ganz klar sagt: „Ich will nichts verlieren.“ Frauen, die sich für ihr Kind entscheiden, sind für mich Heldinnen.
Wir sprechen zum Beispiel von muslimischen Frauen. Wenn sie sich für ihr Kind entscheiden, werden sie vermutlich ihre Familie nie wiedersehen, weil die Familienschande so groß ist, ein uneheliches Kind zu bekommen. Sie wissen ganz genau, dass sie ihre Mutter wahrscheinlich nie wiedersehen werden. Nach Allah kommt bei ihnen die Mama. Sie leben noch zu Hause, doch wenn sie sich für ihr Kind entscheiden, müssen sie weg von der Familie. Das ist ein muslimisches Thema, das viele Herausforderungen mit sich bringt. Ich bekomme mit, wie sie Schutz brauchen.
Aber was kann ich als Beraterin zu ihnen sagen? „Entscheide dich gegen deine Familie, gegen deine Mama, und für ein Kind, das nicht geplant war und das du eigentlich gar nicht willst?“ Sie wollen ja ihr altes Leben zurück. Trotzdem entscheiden sie sich für das Kind. Das finde ich absolut heldenhaft.
Oder eine Frau, die einfach eine Schwäche hat und von einer Beziehung in die nächste stürzt. Ich begleite gerade eine Frau, die vier Kinder von vier verschiedenen Männern hat. Sie weiß genau, wenn das jemand erfährt – Kindergarten, Schule, vier verschiedene Väter – dann steckt sie in einer Schublade. Sie weiß selbst, dass das nicht gut und richtig ist. Und dann komme ich zu ihr und sage: „Alles okay, wir schauen hin.“ Natürlich ist es schwierig. Aber was verlange ich von ihr? Dass sie immer mit schiefen Blicken und Vorurteilen der Gesellschaft leben muss? Sie hat sich für ihr Kind entschieden, obwohl sie weiß, dass Unterhaltsstreitigkeiten und andere Probleme auf sie zukommen. Das sind für mich alles Heldinnen.
Mir ist sehr bewusst, dass ich draußen auf dem Gehsteig mit den Frauen rede und hoffe, dass sie sich für ihr Kind entscheiden. Das verlangt viel von ihnen. Aber es ist die richtige Entscheidung. Das merken sie später selbst. Ich habe noch nie eine Frau erlebt, die es hinterher bereut hat oder mir Vorwürfe gemacht hat.
Die Frauen, die hier in unserem Haus Nazaret im Schwangerschaftskonflikt sind, schicken mich nach Holland. Sie gehen dorthin und helfen den Frauen, weil sie selbst wissen, was es bedeutet, im Schwangerschaftskonflikt zu sein, Hilfe zu bekommen und sich für ihr Kind zu entscheiden.
Wir haben hier eine Frau aus der Zwangsprostitution, die jahrelang missbraucht wurde. Man sagt ja immer, Frauen, die vergewaltigt werden, erleben ein furchtbares Drama – das weiß ich. Aber sie hat sich für ihr Kind entschieden. Sie sagt, sie hätte ihrem Kind sowieso etwas Besseres tun können, weil das Kind ihr so viel Gesundes schenkt. Das Kind schenkt ihr so viel Liebe, und es passiert viel Heilung.
Deshalb setze ich mich für das Leben ein, weil ich diese Gegensätze hautnah erlebe. Man fragt mich oft: „Bist du für oder gegen Abtreibung?“ Ich bin für die Frau, absolut. Ich weiß, was eine Abtreibung für eine Frau bedeutet und was es heißt, sich für das Kind zu entscheiden. Ich erlebe es einfach. Deshalb ist es mir ein absolutes Herzensanliegen.
Wenn es dir wie den meisten geht, hattest du wahrscheinlich keinen blassen Schimmer, was da draußen alles passiert und was hinter geschlossenen Türen wirklich geschieht. Es fehlt einfach an grundlegender Information. Ich will nicht sagen, die Öffentlichkeit wird dumm gehalten, aber so ungefähr ist es.
Was wollen wir dazu beitragen? Dafür habe ich dir hier deinen Grundkurs, dein Schlagfertigkeitstraining für Lebensrecht und für ungeborene Kinder, für Kinder im Bauch, entworfen. Das ist ein Grundkurs, in dem du wirklich die wichtigsten Dinge über das Thema lernst. Dieser Kurs wird bereits in vielen staatlichen Schulen im Ethik- und Religionsunterricht gezeigt. Viele Leute haben dadurch ihre Meinung geändert und gesagt: „Okay, doch, ich möchte pro life sein. Ich möchte für das Leben im Bauch eintreten.“
Diesen Kurs kannst du dir gerne komplett kostenlos mitnehmen. Der erste Link unter dem Video führt dich zum kompletten Onlinekurs mit Begleitmaterialien. Wir werden ihn dauerhaft ergänzen und weitere Inhalte hinzufügen. Nimm ihn gern mit, es ist komplett gratis. Das ist der erste Link hier unter dem Video.
Und weiter mit Schwester Monja.
Herausforderungen und Begleitung nach der Abtreibung
Obwohl das jetzt schon viele Jahre im Blickfeld ist, bewegt es mich immer noch sehr. Man spürt auf jeden Fall diese Authentizität und Einfühlsamkeit, die du mit einbringst. Du bist dabei nicht mit einer rosaroten Brille unterwegs. Du zeigst, was es bedeutet, einerseits, wenn die Frau das Kind nicht bekommt, und andererseits, wenn sie das Kind bekommt. Beides ist mit Herausforderungen verbunden.
Ihr betreut die Frauen ja auch weit über die Gehsteig-Geschichten hinaus. Du kennst beide Seiten. Du weißt, was es Frauen abverlangt, das Kind zu behalten und dazu zu stehen – als Mutter das Kind großzuziehen, manchmal allein, manchmal sogar gegen Widerstände. Umgekehrt weißt du auch, was es mit einer Frau machen kann, je nachdem, ob sie eine Abtreibung hinter sich hat.
Dabei ist ganz klar: Wir verurteilen keine Frau, die eine Abtreibung begonnen hat. Wir betreuen und begleiten auch diese Frauen. Wir wissen, dass sie sich in einem Ausnahmezustand befinden. Auch ihnen begegnen wir mit viel Liebe. Nach einer Abtreibung sprechen wir mit den Frauen und sagen: „Hey, wenn du Hilfe brauchst, jemanden zum Reden, hier ist meine Nummer. Es gibt trotzdem einen Ausweg. Es gibt Hilfe.“
Das ist vielleicht noch einmal ganz wichtig zu betonen: Wir verurteilen niemanden. Dieses Recht haben wir nicht, und wir tun es auch nicht. Unser Ziel ist es, zu helfen. Die Frauen sind oft komplett allein und fühlen sich unverstanden. Diese Frauen begleiten und ihnen helfen zu dürfen, das lohnt sich wirklich.
Natürlich sind alle Strapazen, die damit verbunden sind, nicht zu unterschätzen. Wenn ich draußen am Gehsteig stehe, ist das nicht schön – besonders im Winter, wenn es kalt ist, regnet und stürmt. Es gibt Tage, an denen keine Gespräche zustande kommen. Das ist zäh.
Einmal hat uns ein Nachbar mit dem Spritzschlauch von oben bis unten nass gemacht. Die Polizei kommt ständig. Leute bespucken uns. Es ist wirklich nicht schön. Aber zu sehen, wie die Frauen reagieren, ist interessant. Die Widerstände kommen nicht von den Frauen selbst, sondern von Begleitpersonen, Passanten oder Leuten von außen.
Diese Blicke von Frau zu Frau – obwohl um uns herum alles tobt – sprechen Bände. Wenn es nur der Moment ist, in dem sich eine Frau nicht ganz allein fühlt, ist das schon viel wert. Das tröstet uns manchmal auch ein bisschen.
Natürlich gehen trotzdem viele Frauen zur Abtreibung, auch solche, mit denen wir vorher gesprochen haben. Wir wissen, dass sie das tun. Dann müssen wir sagen: „Okay, ich war trotzdem da, ich war für das Kind da.“ In solchen Momenten rutschen wir in die Rolle von Sterbebegleitern. Wir versuchen, das Kind so einfach wie möglich in den Himmel zu verabschieden.
So helfen wir uns, das zu verarbeiten. Und hinterher sagen wir der Frau noch einmal: „Meld dich einfach, die Not ist so groß, da muss man etwas tun.“ Es ist schade, denn eigentlich sollte das viel früher passieren, damit es erst gar nicht so weit kommt.
Deshalb hilft es einfach über alles andere hinweg, die Frauen zu sehen, denen geholfen werden kann.
Gebetsanliegen und Abschluss
Wahrscheinlich geht es dir wie vielen, die das hier gerade zusammen mit dir hören. Und das wird noch einige Tage in dir nachwirken.
Hilf gern mit, dass mehr Menschen diesen Beitrag sehen und hören. Wir haben schon alles dafür vorbereitet, damit du jetzt die Glocke hier unten rechts unter diesem Video drücken kannst. Der Algorithmus erledigt dann den Rest. Vielen Dank an alle, die das jetzt machen. Das ist auch eine schöne Wertschätzung für den unschätzbaren Dienst von Schwester Monia. Danke dafür!
Hast du zwei, drei Gebetsanliegen, die du noch mit uns teilen kannst? Also Gebetsanliegen sind natürlich in erster Linie die Frauen im Konflikt. Das sind einfach die Frauen, natürlich auch das Kind – ganz klar, dass Kinder leben dürfen. Aber vor allem eben die Frauen im Konflikt. Dass Gott ihnen einen Menschen zur Seite stellt, der sie auffängt und gut begleitet – zu einem Ja zum Kind.
Die Frauen sind oft so mutterseelenallein, das glaubt man gar nicht. Wie viele Frauen gehen zur Abtreibung, und niemand weiß es? Niemand – nicht einmal der Kindvater. Auch das ist oft so. Da kann man sagen: Ja gut, die hat ja keinen Druck, sie redet sich das selber ein. Aber trotzdem weiß sie, wie die Gesellschaft denkt. Sie weiß, ihr Freund wird sie verlassen. Sie kriegt das ja mit, die sind ja nicht dumm. Und alleine das genügt schon.
Aber wie viele Frauen gehen zur Abtreibung, wo es niemand weiß? 18-Jährige, die noch zu Hause leben, wo nicht einmal die Mama es weiß. Niemand. Niemand. Es gibt so viele, die so alleingelassen sind oder bei denen der Druck vom Umfeld so groß ist, dass sie sich gar nicht trauen, zu sagen, was eigentlich in ihnen vorgeht. Die Angst ist so groß.
Und da möchte ich wirklich dafür beten, dass es Menschen gibt, die Gott ihnen zur Seite stellt. Menschen, bei denen sie den Mut haben, sich zu öffnen, um so Stabilität zu gewinnen – für ein Ja zum Kind. Amen.
Vielen Dank, Schwester Monia.
