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Heilige Sexualität

oder: Ist Selbstbefriedigung Sünde?
23.08.2026
Was gefällt Gott? Was ist erlaubt? Wie weit geht Reinheit und wo fängt Unzucht an? Diese Predigt nimmt kein Blatt vor den Mund...

Einleitung und Themenrahmen

Ja, guten Morgen auch von meiner Seite.
Das Thema meiner heutigen Predigt lautet: heilige Sexualität.
Und die Predigt ist für dich, wenn du dich schon einmal Dinge gefragt hast wie zum Beispiel: Ist Selbstbefriedigung Sünde? Oder: Ab wann ist ein Gedanke eigentlich ein unreiner Gedanke, und was kann man dagegen tun? Oder wenn du vielleicht denkst: Mensch, Pornografie – ist es wirklich so ein großes Thema, warum sind so viele Christen dagegen? Oder noch etwas detaillierter: Macht es eigentlich einen Unterschied, wenn diese schlüpfrigen Bilder echte Menschen zeigen? Ist es vielleicht weniger ein Problem, wenn sie von KI erstellt oder gemalt sind? Was ist in der Ehe erlaubt?
Viele Gläubige stellen sich ja solche Fragen, trauen sich aber vielleicht nicht, sie zu stellen, erst recht nicht in der Gemeinde. Und dann merken sie: Mensch, dazu gibt es ja gar keine direkte Bibelstelle. Zu vielen dieser Fragen gibt es keinen direkten Bibelvers. Also keinen, in dem zum Beispiel steht: „Selbstbefriedigung ist Sünde.“ Ja, ich habe noch keinen solchen Vers gefunden.
Und so geht es uns ja in vielen Themen des Alltags. Konkrete Fragen stellen wir uns, und es gibt keinen direkten Bibelvers. Ob wir ins Kino gehen sollen, ob es okay ist, Gangsterrap zu hören, nach Mallorca in Urlaub zu fliegen, Computerspiele zu zocken, einen Gemüsegarten anzulegen, ein Auto zu kaufen, das teurer ist als zehntausend Euro, oder diesen Menschen zu heiraten – dafür gibt es keine konkreten Bibelverse. Also keine, in denen steht: Jawohl, heirate Brunhilde, dann wüsste ich Bescheid. Gibt es nicht. Oder: Tetris spielen ist okay, aber GTA geht gar nicht. Oder: Gemüsegarten anlegen ist okay, aber nicht mehr als 15 Quadratmeter oder 20 Minuten Pflege am Tag. Solche Bibelstellen gibt es ja nicht. Hätten wir vielleicht manchmal gern.
Gott gibt uns keine Checkliste in dieser Art und Weise. Aber er hat uns sein Wort gegeben, und in seinem Wort offenbart er sich. Da zeigt Gott uns seinen Charakter. Und viele Bibelstellen zeigen uns tatsächlich auch, was es bedeutet, diesen Charakter zu leben, auch im Bereich der Sexualität.
Deswegen möchte ich gemeinsam mit euch heute intensiv einen Text aus der Bibel erarbeiten, um danach ganz konkret diese heiklen Fragen beantworten zu können zum Thema Reinheit und zum Thema Sexualität. Denn die Bibel spricht erstaunlich oft von diesen Themen: von Unzucht, von Reinheit, Unreinheit, von Hurerei, von Ehebruch. Es ist eben ein Thema, das in der Menschheit ein großes Thema ist, und das nicht erst seit dem Internet.
Einer der Texte, die dieses Thema behandeln, ist ein Brief, den Paulus geschrieben hat, beziehungsweise ein Auszug daraus. Er hat diesen Brief an eine Gemeinde geschrieben, die war super, also eine wunderbare Gemeinde. Diese Gemeinde hatte er wohl auf seiner zweiten Missionsreise gegründet, in einer richtig, richtig großen Stadt. Heute wäre das eine Megacity. Damals schätzte man ungefähr 200 Einwohner.
Paulus schreibt einen Brief an diese Gemeinde, und drei Kapitel lang schreibt er über seine Beziehung zu dieser Gemeinde und auch darüber, wie sehr er sie vermisst hat, wie es sein Herz zerrissen hat, nicht zu wissen, wie es ihnen geht. Und dann, am Ende des dritten Kapitels, schließt er mit „Amen“ – gerade so, als wäre dieser Brief schon fertig, als wäre er schon am Ende angekommen. Aber dann, nach diesem Amen, kommt ein Abschnitt, in dem er deutlich macht, dass es trotz all dieser positiven Entwicklungen, die er sieht, und trotz seiner Freude an dieser Gemeinde etwas gibt, das er als ganz große Gefahr für diese Gemeinde sieht.
Diesen Abschnitt wollen wir uns jetzt mal genauer anschauen. Es geht um die Gemeinde in Thessalonich, dem heutigen Thessaloniki in Griechenland. Und da möchten wir uns das vierte Kapitel vom Thessalonicherbrief anschauen. Also 1. Thessalonicher 4, dürft ihr gerne aufschlagen. Ich habe es aber auch mitgebracht an die Wand, dann könnt ihr es auch dort mitlesen. Und es geht da los im ersten Vers dieses vierten Kapitels, wenn es da heißt:
Weiter nun, ihr Brüder, bitten und ermahnen wir euch in dem Herrn Jesus Christus, dass ihr in dem noch mehr zunehmt, was ihr von uns empfangen habt, nämlich wie ihr wandeln und Gott gefallen sollt.

Der Maßstab für ein Leben, das Gott gefällt

Weiter nun, so fängt er an, weiter nun. Also, Paulus hat in den Kapiteln davor viel Schönes und Gutes über die Gemeinde gesagt, viel Positives. Aber jetzt geht es weiter, weiter nun, oder man könnte auch sagen: noch etwas. Was liegt ihm noch auf dem Herzen? Und es scheint etwas sehr Wichtiges zu sein, weil er ja fortfährt: bitten und ermahnen wir euch in dem Herrn Jesus.
Also, der Appell, der jetzt kommt, Paulus möchte dem Nachdruck verleihen: Wir bitten, wir ermahnen, wir fordern euch auf. Es ist jetzt nicht optional, kein Tipp, kein Hinweis nach dem Motto: könnte man machen, wenn man wollte. Nein, wir bitten und ermahnen euch in dem Herrn Jesus. Also quasi: Liebe Gemeinde in Thessalonich, wir sind jetzt der Mund unseres Herrn Jesus. Wenn wir jetzt reden, dann erklären wir euch Dinge, die Jesus wichtig sind. Es geht nicht um unsere Meinung, um unsere Vorlieben, irgendetwas, was wir gut fänden. Es geht um Wesentliches.
Er sagt uns nämlich, dass ihr noch mehr zunehmt in dem, was ihr von uns empfangen habt. Also: Macht weiter Fortschritte in den Dingen, die wir euch bereits beigebracht haben. Wir fragen uns: Okay, worin denn, Paulus? Worin sollen wir zunehmen? Wovon sprichst du?
Nun, wir brauchen ja nur weiterlesen, nämlich: wie ihr wandeln und Gott gefallen soll. Darum geht es. Das ist es, worauf es hinausläuft. Das ganze Leben, dein und mein Alltag, unsere Aktivitäten als Gemeinde, auch diese Predigt, alles soll dazu dienen, dass wir besser begreifen, wie wir wandeln, also wie wir leben, wie wir handeln, wie wir denken sollen. Und zwar so, dass es Gott gefällt, dass er Freude daran hat. Das ist das Ziel: dass Gott dir und mir beim Leben zuguckt, in unserem Alltag, und Freude daran hat. Richtig Freude daran hat. An der Arbeitsstelle, in der Gemeinde, auch im Bett, in der Küche, beim Duschen, während des Urlaubs, liebe Grüße an die Urlauber, beim Feierabendbierchen zu Hause. Wir sollen so wandeln, dass Gott Freude hat. So wie ein Vater, wie eine Mutter Freude an ihren Kindern hat. Einfach Freude. Das ist das Ziel.
Dazu sind wir geschaffen, dass Gott Freude hat an uns und dass wir aneinander Freude haben sollen. Gott lieben, Menschen lieben, das ist die göttliche Idee dahinter. Darum hat Gott Menschen erfunden. Und er als Gott ist das große Vorbild darin: liebevoll zu sein, barmherzig zu sein, geduldig zu sein, gütig zu sein, vergebungsbereit zu sein. Und wir als Menschen sollen darin zunehmen, immer besser darin zu werden, auch so zu sein wie er. Und der biblische Fachbegriff für diesen Prozess heißt Heiligung, ganz genau: Heiligung.
Und so schreibt Paulus weiter: Denn ihr wisst, welche Gebote wir euch gegeben haben im Auftrag des Herrn Jesus. Also, es ist nichts Neues, was ich hier euch erzähle, sagt er quasi. Ich möchte euch vielmehr an das erinnern, was wir euch von Anfang an beigebracht haben. Und dann Vers 3: Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung.
Immer wieder gibt es solche Bibelstellen, wo diese Formulierung steht: Das ist der Wille Gottes. Und dann kommt eben interessanterweise nicht: Das ist der Wille Gottes, dass du Adalbert heiratest. Das steht dann da nicht. Oder dass du nächstes Jahr Bohnen pflanzt oder dass du den Arbeitsplatz wechselst. Solche Dinge stehen da nicht, sondern viel allgemeiner, viel grundsätzlicher: eure Heiligung.
Es scheint also sehr oft viel mehr um das Wie zu gehen als um das Was.
Es scheint also sehr oft viel mehr um das Wie zu gehen als um das Was. Gott möchte, dass wir heilig sind. Warum? Weil er heilig ist. Heilig, das heißt: sein wie Gott und Abstand halten zu allem, was nicht göttlich, was nicht gut ist, bei allem, was wir tun.
Und hier in diesem Kapitel in 1. Thessalonicher 4 kommt Paulus jetzt auf eine Sache zu sprechen, die der Heiligung ganz besonders im Weg steht, quasi einer der Erzfeinde der Heiligung. Wenn Heiligung eine weiße Weste ist, ein superschönes weißes Hemd, so bei einer Hochzeit, dann ist das die Soße am Buffet, die so leicht auf dieses Hemd kommt und es verschmutzt. Oder um es deutlicher zu sagen: Wenn Heiligung ein erstrebenswertes Leben ist, dann ist das die Sache, die dich umbringt.
Was ist diese Sache, vor der Paulus diese vorbildliche, standhafte, liebevolle Gemeinde so eindringlich warnt? Er schreibt in Vers 3: Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, dass ihr euch der Unzucht enthaltet. Unzucht. In modernen Übersetzungen steht hier manchmal auch sexuelle Sünde, also zum Beispiel in der NGU heißt dieser Vers so: Gott will, dass ihr ein geheiligtes Leben führt. Dazu gehört, dass ihr euch von aller sexuellen Sünde fernhaltet.
Dieses Wort Unzucht hat in der Bibel sehr häufig mit Sexualität zu tun, mit eben Reinheit oder eben auch Unreinheit. Unzucht, Unreinheit kann aber auch Ausschweifung, Zügellosigkeit ganz allgemein bedeuten. Das hat ja oft auch miteinander zu tun, wo Menschen sich gehen lassen, wo sie quasi die Zügel schießen lassen, wie man es ja auch manchmal sagt. Da geht es ja dann sehr häufig auch darum, dass Menschen auch in Bezug auf die Sexualität die Grenzen überschreiten.
Jetzt lasst uns mal anschauen, was Paulus in diesem Zusammenhang den Geschwistern aus Thessalonich ans Herz legt, damit wir auch für uns selber ganz konkrete Antworten finden, auch für uns selbst und für unsere Zeit in Bezug auf Fragen zum Thema Sexualität. Ich habe das jetzt auf der Folie, die ich euch mitgebracht habe, ein bisschen seltsam angeordnet. Du wirst nachher gleich sehen, warum ich das so gemacht habe.

Das Bild vom Gefäß und seine Bedeutung

Paulus fährt hier in Vers 4 fort, dass jeder von euch versteht, sein eigenes Gefäß in Heiligung und Ehrbarkeit in Besitz zu nehmen.
Nun, das klingt für den einen oder anderen vielleicht fast schon ein bisschen abstrakt: sein eigenes Gefäß in Heiligung und Ehrbarkeit in Besitz zu nehmen. Um was für ein Gefäß geht es denn hier? Ich denke, für uns ist klar: Es geht nicht um einen Saftkrug oder eine Tupperschüssel oder so etwas. Diese Art von Gefäß ist nicht gemeint. Und es ist tatsächlich nicht zu hundert Prozent eindeutig, was mit diesem eigenen Gefäß gemeint ist.
Aber es ist eigentlich klar, wenn man die Bibel liest und sich damit beschäftigt, dass es nur zwei Bedeutungen geben kann. Je nach Übersetzung haben sich die Übersetzer dann auch entschieden. Manche Übersetzer haben sich entschieden, es offenzulassen, indem sie einfach „Gefäß“ geschrieben haben, so wie hier in der Schlachter-Übersetzung. Andere haben sich für eine der Auslegungen entschieden. Dann steht dort eben „eigene Frau“ oder „die eigene Frau“. Oder sie schreiben, das ist die zweite Auslegung, vom eigenen Körper, so wie das auch John MacArthur zum Beispiel in seinem Kommentar sieht.
Also, es ist auf jeden Fall klar, dass es um einen Körper geht. Das ist schon mal klar. Das Gefäß, von dem hier die Rede ist, ist ein menschlicher Körper, und in diesem Gefäß steckt ein Mensch drin. So wird das auch an anderen Bibelstellen übrigens genannt und beschrieben, dass der Körper ein Gefäß genannt wird.
Und es geht hier um das Gegenteil von Unzucht, nämlich um eine Anweisung, wie man heilig, wie man in der Heiligung leben soll. Da soll man entweder seinen eigenen Körper im Griff haben oder eben den Körper seines Ehepartners in einer heiligen Art und Weise besitzen oder gewinnen.
Beim Nachdenken darüber habe ich gedacht: Eigentlich ist es sogar in gewisser Weise perfekt, dass hier beide Bedeutungen drinstecken. Denn wer seinen eigenen Körper nicht beherrscht, oder um es anders zu formulieren: von Gott beherrschen lässt, wer nicht Herr seiner eigenen Triebe, seiner Lust, seiner Sexualität ist, der kann ja auch seinen Ehepartner nicht so gewinnen, so auf körperlicher Ebene glücklich machen, dass es dem entspricht, wie Gott sich das gedacht hat, wie es heilig ist. Oder?
Und hier noch eine Anmerkung, weil es sein kann, dass dein Verständnis von heilig vielleicht gar nicht dasselbe ist wie das von Gott. Heilige Sexualität ist für manche schon gefühlt ein Gegensatz, was es auf keinen Fall ist. In der Kirchengeschichte, immer wieder und vielleicht in manchen Köpfen bis heute, passt es gar nicht zusammen. Man sagt ja: Sexualität, okay, muss vielleicht sein, aber bei Gläubigen vielleicht nur zur Zeugung von Kindern.
Es gab immer wieder durch die Kirchengeschichte hindurch Tendenzen, so zu denken. Da wurde dann das Zölibat erfunden, also ein Leben, wo man verspricht, lebenslang ehelos zu bleiben, weil man dachte, es wäre reiner, ehelos zu sein, und damit meinte man eben auch, ohne ausgelebte Sexualität zu leben. Da kursierten dann Sprüche wie: „Die Ehe bevölkert die Erde, das Zölibat bevölkert den Himmel.“ So weit ging das, so am Menschen gedacht.
Aber wenn Paulus davon gesprochen hat, dass es gut wäre, Single zu bleiben, dann ging es ihm überhaupt nicht darum, ausgelebte Sexualität innerhalb der Ehe zu vermeiden. Im Gegenteil, er sagt sogar, es sei besser, im geschützten Rahmen der Ehesexualität zu leben, als von unerfülltem Verlangen verzehrt zu werden. So drückte er das aus in 1. Korinther 7,9.
Die Bibel macht also deutlich, dass Sexualität etwas Gutes ist. Schließlich hat Gott sie erfunden. Deswegen wollen wir uns heute Vormittag auch fragen: In einer Welt, wo Nacktheit, wo Seitensprünge und sogenannte sexuelle Freiheit uns an jeder Straßenecke und ganz besonders natürlich im Internet anspringen, da wollen wir uns fragen: Wie können wir als Gläubige, und ganz bewusst möchte ich uns alle mit einschließen, egal ob Single, verwitwet, verheiratet, verlobt, wie können wir als Gemeinde, als Gläubige Sexualität in Heiligung und Ehrbarkeit leben?
Und wenn wir dann so einen Vers hier lesen und es vielleicht ein bisschen schwerfällt mit dem Verständnis davon, was es bedeutet, ein Gefäß in Besitz zu nehmen, wie gesagt, andere Übersetzungen sind da vielleicht etwas leichter verständlich, aber legen auch schon ein bisschen aus, dann hilft uns Paulus mit dem nächsten Vers, wo er nämlich beschreibt, wie wir es nicht machen sollen.
Vers 5: „Nicht mit leidenschaftlicher Begierde wie die Heiden, die Gott nicht kennen.“
Nun, ich glaube, da geht es nicht darum, dass Gläubige im Bett nicht leidenschaftlich sein dürften. Es geht darum, wie es in der anderen Übersetzung heißt, dass man nicht gierige Lust wie die Heiden haben soll.
Und dann bringt Paulus noch ein praktisches Beispiel für diese leidenschaftliche Begierde oder eben diese gierige Lust, wie es aussehen kann, wenn Menschen ohne Gott ihre Begierde ausleben. Das beschreibt er in Vers 6 als Warnung, wenn er da schreibt, dass eben niemand zu weit geht und seinen Bruder in dieser Angelegenheit übervorteilt. Denn der Herr ist ein Rächer für alle diese Dinge, wie wir euch zuvor gesagt und ernstlich bezeugt haben.
Nun, wie kann man seinen Bruder in dieser Angelegenheit übervorteilen? Nun, ich verstehe es ganz einfach: indem man ihm die Frau ausspannt, oder? Also indem man als Verheirateter flirtet mit einem Menschen, der nicht mein eigener Ehepartner ist, ja? Das würde es bedeuten, der Unreinheit, der Unheiligkeit, der Unehrbarkeit Raum zu geben und anderen zu schaden.
Paulus macht jetzt hier noch einen Zusatz und sagt: Leute, wir haben euch das schon mal gesagt, aber macht euch bewusst: Wenn ihr einen Menschen in Besitz nehmt, wie es hier in Vers 4 eben formuliert ist, wenn ihr euch jemanden holt, nur um eure Bedürfnisse und Begierden an ihm zu stillen, dann legt ihr euch nicht nur mit diesem Menschen an. Noch nicht mal nur mit dessen Ehepartner, falls du es wagst, mit jemandem zu flirten, der verheiratet ist oder mehr.
Du legst dich direkt mit Gott an.
Paulus macht deutlich: Du legst dich direkt mit Gott an. Direkt mit Gott legst du dich an. Der Herr ist ein Rächer für alle diese Dinge. In der anderen Übersetzung heißt es, er ist Richter, oder auch: Er wird den zur Rechenschaft ziehen, der sich hier vergeht.
Und Paulus wiederholt dann den Kerngedanken gleich noch einmal in Vers 7, wenn er sagt: Denn Gott hat uns nicht zur Unreinheit berufen, sondern zur Heiligung. Deshalb: Wer dies verwirft, der verwirft nicht Menschen, sondern Gott, der uns doch seinen Heiligen Geist gegeben hat.
Und ich glaube, wir merken, wenn wir diesen Text jetzt so gelesen haben: Paulus und Gott meinen es absolut ernst. Wer diese Anweisung missachtet, verachtet nicht nur einfach Menschen, sondern er verachtet Gott, oder wie es hier heißt: der verwirft Gott, der uns doch seinen Heiligen Geist gegeben hat.
Warum ist dieser Text so dermaßen intensiv? Nun, für mich habe ich die Antwort gefunden: weil es im Kern um Missbrauch geht. Ich meine Missbrauch jetzt mal im ganz eigentlichen Wortsinn. Das bedeutet ja, dass ein Gegenstand für etwas benutzt wird, wozu er nicht gedacht war, oder? Also ich kann zum Beispiel ein Buttermesser gebrauchen, um jemanden umzubringen. Dafür war es nie gedacht. Es war zu etwas Gutem, zu etwas Nützlichem gedacht, und ich missbrauche es, wenn ich es zu etwas Schlechtem, zu etwas Schädlichem benutze.
Und Paulus macht hier deutlich: Ich kann das Gefäß zweckentfremden. Und ich finde, es passt auf beide Auslegungen. Also ich kann sowohl meinen eigenen Körper zweckentfremden als auch den Körper anderer Menschen, also ihn zu etwas nutzen, wofür er nicht gedacht ist.
Und wir haben das ja auch im deutschen Sprachgebrauch: Wenn es da irgendwo heißt, dass ein Mensch missbraucht wurde, geht es ja nicht selten gerade um sexuellen Missbrauch. Also ein Mensch, der Würde von Gott bekommen hat, wird seiner Würde beraubt, wenn er wie ein Gegenstand von jemand anderem dazu benutzt wird, um dessen Lüste und Begierden zu befriedigen.
Und Paulus macht in diesem Text deutlich: Wir Menschen sind geschaffen für Heiligung. Das heißt nichts anderes, als dass wir eigentlich im Bild Gottes geschaffen sind. Wir sollen Menschen sein, die als Wesen in der sichtbaren, in der dreidimensionalen, in der vergänglichen Welt den Charakter des Unsichtbaren, des nicht an Zeit und Raum gebundenen, des ewigen Gottes widerspiegeln sollen.
Unser Körper ist ein Gefäß, in dem dieser Gott wohnen möchte, durch seinen Heiligen Geist. So wie am Anfang Gott seinen Atem dem Adam in die Nase gepustet hat und Adam dadurch zu einer lebendigen Seele wurde, so ist das der Heilige Geist in uns, der Atem Gottes, der unsere Seele lebendig macht.
Und Paulus sagt jetzt hier in Vers 8: Gott hat uns seinen Heiligen Geist gegeben. Gott hat es geschaffen, uns einen Körper gegeben. Und dieser Körper, sowohl unser eigener als auch der unseres Ehepartners, wenn wir verheiratet sind, wenn wir gläubig sind, ist ein Gefäß, das wir bewusst Gott übergeben haben, wo wir gesagt haben: Du sollst der Herr sein über mein Gefäß, über meinen Körper, über mein Leben, Körper, Geist und Seele.
Und das ist die Bestimmung, dass wir das sind, dass wir mit unserem Körper, mit unserer Seele, mit unserem Geist Gottes Wesen widerspiegeln. Und Gottes Wesen ist Liebe. Und genau das sehen wir ja bei unserem Herrn Jesus. Jesus war Gott in einem menschlichen Körper. Und wenn wir ihn anschauen, wie er gelebt und gewandelt ist, dann sehen wir: Er war das Gegenteil, um es jetzt mal so zu formulieren, das Gegenteil von dem Egoisten, oder? War Jesus. Würdet ihr mir zustimmen? Er war das Gegenteil.
Also ein Egoist ist auf sich selbst bezogen. Oder um es mal so zu sagen: Er denkt an sich selbst zuletzt. Ja, also bis zum Schluss denkt ein Egoist immer an sich. Und Jesus war das Gegenteil. Und wir sollen das Gegenteil sein. Und wenn Gott durch seinen Geist in uns wohnt, dann bedeutet das eigentlich, dass wir Heilige sind. Wir sind Heilige, durch ihn geheiligt, und das bedeutet: Als Heiliger denkt man an sich selbst zuletzt, oder? Der Heilige denkt an sich selbst zuletzt.
Was einen kleinen Punkt ausmacht. Der Egoist denkt an sich selbst zuletzt, und der Heilige denkt an sich selbst zuletzt.
Das Krasse ist: Gott hat uns Menschen so geschaffen, dass wir genau dadurch, wenn wir uns unsere Begierden und Bedürfnisse, unsere Sehnsüchte, um es positiv auszudrücken, hinten anstellen, dass wir gerade und erst dann auch echte Befriedigung finden, wenn wir andere glücklich machen. Wenn wir dem Glück hinterherrennen als Egoisten, wird es vor uns wegrennen, und es ist schneller als wir.
Wenn wir dem Glück hinterherrennen als Egoisten, wird es vor uns wegrennen - und es ist schneller als wir.

Die innere Struktur des Abschnitts

Ich möchte uns jetzt noch kurz zeigen, wie dieser Text hier in 1. Thessalonicher 4 aufgebaut ist. Manchmal sind Texte ja so strukturiert, dass man das sehr deutlich erkennen kann. Manchmal ist es ganz eindeutig und stark gegliedert, manchmal nur angedeutet. Und ich möchte euch jetzt hier etwas zeigen, und zwar den pyramidenförmigen Aufbau der Textteile.
Ihr habt das an anderer Stelle hier auch schon gemacht, und in der Fachsprache nennt man das einen Chiasmus. Diese Textstruktur findet man öfter in der Bibel. Und das ist nicht einfach nur grammatikalisch anspruchsvoll oder poetisch schön, sondern diese Struktur zu entdecken und zu verstehen kann wirklich helfen, den Text besser zu verstehen.
Darfst du mal genauer hinschauen: Wo gibt es denn in diesen Versen sehr eindeutige Parallelen? Wo würdest du sagen, um es ganz einfach zu machen, welche zwei Verse sind relativ gleich? Da müssen wir sie alle noch einmal kurz durchlesen, drüber scannen.
Ganz genau, würde ich auch sagen, oder? Die Verse drei und sieben sind relativ ähnlich. In beiden Versen heißt es, dass Gott unsere Heiligung will und nicht unsere Unzucht, im einen Vers unsere Unreinheit. Einmal positiv formuliert, einmal negativ formuliert. Einmal eben nicht zur Unreinheit und einmal eben zur Heiligung.
Dann sind hier auch noch Parallelen. Schaut mal hin in den Versen vier und sechs. In Vers vier heißt es, jeder von euch soll das eigene Gefäß, wie gesagt den eigenen Körper oder den Körper des Ehepartners, heilig und ehrbar halten. Und in Vers sechs heißt es, niemand soll den Bruder übervorteilen. Also in Vers vier ist es quasi die Umsetzung von Heiligung in Bezug auf den eigenen Körper oder den Ehepartner, und in Vers sechs in Bezug auf den Nächsten, den Bruder, wie man ihn nicht übervorteilen soll.
So ähnlich auch in den Versen zwei und acht. Vers zwei positiv formuliert, ihr wisst, Vers acht negativ, wer dies verwirft. Man könnte sogar noch die Dreieinigkeit finden, weil in Vers 2 unser Herr Jesus genannt ist und in Vers 8 von Gott und dem Heiligen Geist die Rede ist.
Du sagst vielleicht: Na ja, das muss man jetzt nicht unbedingt so sehen. Und das stimmt, man muss das nicht unbedingt so sehen. Manche kommen vielleicht auch zu anderen Schlüssen oder machen die Struktur ein bisschen anders. Aber man könnte durchaus auch in Vers 5 und in der zweiten Hälfte von Vers 6 eine gewisse Parallele sehen, weil da nämlich zwei Begründungen dafür geliefert werden, warum wir uns der Unzucht enthalten und heilig leben sollen.
Schauen wir mal hin: In Vers 5 heißt es „nicht wie die Heiden, die Gott nicht kennen“, also mit leidenschaftlicher Begierde, mit gieriger Lust. Es wird noch einmal negativ formuliert: nicht so. Und in der zweiten Hälfte von Vers 6 kommt dann die zweite Begründung, warum wir heilig leben sollen und nicht unzüchtig, und das ist dann wieder positiv ausgedrückt, denn der Herr ist. Also nicht wie die Heiden, denn Gott ist. Gott ist ein Rächer oder ein Richter, ein Vergelter, einer, der zur Rechenschaft zieht.
Also: Wenn du dich an dem Partner deines Nächsten vergreifst, Gott sieht es, und er wird für Gerechtigkeit sorgen. Und er wird es nicht ungestraft lassen, wenn du deinen Körper oder den deines Nächsten entehrst, also missbrauchst, für etwas benutzt, wozu er nie gedacht war.
Und das sind jetzt Lektionen, die wir in diesem Abschnitt über den dreieinen Gott und seine Sicht von Sexualität lernen.
Ich versuche es noch einmal zusammenzufassen. Die Aufforderung lautet ganz klar: Lebe heilig! Lebe heilig, Unzucht ist dein Feind. Als Kinder Gottes sollen wir heilig leben, also Gottes Charakter haben. Wir sollen so wandeln, dass es ihm gefällt, dass er Freude an uns hat. Und das bedeutet Abstand zu allem, was unrein, unheilig, sündig, unzüchtig usw. ist, also Abstand zu allem, was seinem Wesen nicht entspricht.
Als Gläubige, als Kinder Gottes, also wenn wir uns bekehrt haben, dann sind unsere Körper ein Gefäß, in dem Gott durch seinen Geist wohnt. Und damit machen wir einen enormen, einen großen Unterschied in der Welt. Und das ist auch die Aufforderung: Dein und mein Leben soll einen Unterschied machen.
Wir sind nicht wie die Heiden, die Gott nicht kennen. Leidenschaftliche Begierden sollen nicht unser Leben prägen. Wir sind nicht mehr Sklaven unserer Triebe. Wir sollen Menschen sein, deren Leben einen Unterschied macht. Menschen, an deren Verhalten, gerade auch im Bereich der Sexualität, man sieht: Boah, anders. Oha, Gott ist anders.
Und wir sollten uns bewusst machen: Gott wird das Unrecht, das wir anderen antun, richten. Missbrauch in jeder Form ist Unrecht. Wenn sich ein Mensch an einem anderen vergeht, ihn zu sexuellen Handlungen zwingt, das ist Unrecht. Wenn einer seine Macht einsetzt, um unter Druck zu setzen, das ist Unrecht.
Aber wer die Bibel liest, der merkt: Es fängt schon vorher an. Aus göttlicher Sicht fängt es schon viel früher an, nämlich da, wo ich dem anderen nicht mit göttlicher Liebe begegne, wo ich ihn missbrauche zu meiner Lustbefriedigung, selbst wenn das noch lange nicht eine Vergewaltigung ist. Gott sieht es. Und Jesus macht in seiner berühmtesten Predigt sehr deutlich, wir haben es in der Einleitung gehört, dass Ehebruch nicht erst im Bett beginnt. Matthäus 5,28: Wer eine Frau ansieht, um sie zu begehren, der hat in seinem Herzen schon Ehebruch begangen mit ihr.
Unzucht beginnt im Herzen, Unrecht beginnt im Herzen. Schon in Gedanken sollen wir heilig leben und einen Unterschied machen. Dazu sind wir berufen.
Gut, jetzt haben wir uns die Grundsätze hier aus diesem Text aus der Bibel heraus erarbeitet. Und ich glaube, die helfen uns jetzt enorm, in den ganz praktischen Fragen eine Antwort zu finden und zu prüfen, was Gott diesbezüglich will.

Praktische Fragen zu Gedanken, Bildern und Selbstbefriedigung

Zum Beispiel eben zu der Frage: Ja, Selbstbefriedigung. Ist es jetzt Sünde, oder ab wann ist es Sünde? Nun, vielleicht noch ein kurzer Ausflug, weil ich glaube, manche Gläubige würden zur Beantwortung dieser Frage jetzt nicht diesen Text heranziehen, sondern eher eine Geschichte aus dem Alten Testament zitieren, nämlich aus 1. Mose 38.
Diese Stelle ist echt interessant, weil es in der Geschichte bei dieser Hauptperson um einen geht, dessen Name im Deutschen dazu beigetragen hat, dass Selbstbefriedigung seinen Namen bekam. Und zwar gibt es im Deutschen ja den Begriff Onanieren dafür. Hast du vielleicht schon mal gehört, wahrscheinlich nicht von der Kanzel, aber heute halt mal schon. Und das Interessante ist: Dieses Wort kommt aus 1. Mose 38. Dort ist nämlich die Rede von einem, der heißt Onan.
Nun, ich muss sagen, ich bin froh, dass heute keiner mehr sein Kind so nennt. Wenn du als Namensgeber für sowas wirst, ist das nicht unbedingt erstrebenswert. Das Kuriose daran ist: Onan hat gar nicht onaniert. Was hat Onan denn getan? Nun, Onan hat den Geschlechtsverkehr vor dem Samenerguss abgebrochen. Damit hat er also eigentlich gar nicht onaniert, sondern man nennt das heute in der Fachsprache eher coitus interruptus.
Und er hat das gemacht, weil er den Sex mit der Frau wohl ganz gut fand, aber er wollte vermeiden, Kinder zu zeugen, die nicht seine eigenen sind, sondern eventuell Altersvorsorge für seine Schwägerin. Das wären sie in dieser Konstellation zur damaligen Zeit nämlich gewesen. Es ging da um die sogenannte Schwagerehe. Das Gebot dazu wurde dann später in 5. Mose 25 verschriftlicht, und ich möchte da jetzt nicht zu sehr ins Detail gehen. Aber auch für das Verständnis der Geschichte von Ruth ist es ganz hilfreich, diesen Hintergrund zu kennen.
Was wir in Bezug auf Onan, du kannst die Geschichte mal durchlesen, definitiv festhalten können: Er handelte zutiefst egoistisch, zutiefst. Und es heißt dort in 1. Mose 38,10 dann auch, was er tat, missfiel dem Herrn, da tötete er ihn auch. Onan musste sterben, Gott hat gerichtet, Gott hat gerichtet. Gott ließ nicht ungestraft, dass hier einer seinen Egoismus ausgelebt hat und sich nicht um das Wohl seiner Mitmenschen, seines Nächsten, in diesem Fall um das Wohl, die Ehre, den Namen und vielleicht auch die Altersvorsorge seiner verwitweten Schwägerin gekümmert hat.
Also, so viel noch kurz eben zum Hintergrund des Begriffes und dieser Person. Aber die Frage ist immer noch: Ja, ist Selbstbefriedigung nun Sünde oder nicht? Was denkst du?
Nun, lasst uns rangehen mit den Lektionen, die wir aus 1. Thessalonicher 4 gelernt haben, und lasst uns zur Beantwortung dieser Frage uns die Frage stellen: Ja, ist es denn heilig? Ist es heilig und ist es ehrbar? Spiegelt es Gottes Wesen wider oder vielleicht eher gierige Lust wie die Heiden? Ist es zum Nachteil für meine Mitmenschen?
Nun, wenn wir in dieser Art und Weise mit der Bibel und mit Lektionen aus der Bibel umgehen, dann merken wir zwei Dinge. Zum Ersten: Vielleicht geben wir nicht immer sofort eine Schwarz-Weiß-Antwort, das kann sein. Und wir merken für uns selbst in ganz vielen Fällen sofort, ob etwas richtig oder falsch ist. Es scheint sich zu widersprechen, aber ich erkläre es kurz.
In den meisten Fällen ist Selbstbefriedigung verbunden mit Kopfkino, mit unreinen Gedanken, mit irgendwelchen Fantasien. Man fühlt sich danach irgendwie leer, es hat das Potenzial, zur Sucht zu werden, und unglaublich viele Menschen sind daran gebunden. Unglaublich viele, auch Gläubige, sind daran gebunden und empfinden es als krassen Bremsklotz für ihr geistliches Leben. Sie erleben es als das Gegenteil von Heiligung, als Blockade dafür, für andere da zu sein, ihnen zu dienen, anderen Freude zu bereiten. Gedanken kreisen nur noch um die nächste Gelegenheit. Das ist genau diese leidenschaftliche Begierde, diese Gier wie die Heiden, die Gott nicht kennen. Das ist nicht Freiheit, das ist Versklavung. Und insofern ist für die meisten betroffenen Gläubigen sofort klar: Das ist nicht Sünde, ganz klar, weil es das Gegenteil von heilig ist.
Nun, warum habe ich gesagt, die Antwort ist nicht immer schwarz-weiß, wenn wir so rangehen? Weil es durchaus Situationen geben kann, in denen die Sachlage nicht so eindeutig ist. Ich möchte da nicht zu sehr ins Detail gehen, aber es gibt durchaus Situationen, nur als Beispiel, wo zum Beispiel Menschen körperlich beeinträchtigt sind, wo Eheleute räumlich getrennt sind, verstehst du? Es gibt Dinge, es gibt Situationen, da ist es falsch, oder ich finde es allgemein falsch und verkehrt und ganz, ganz gefährlich, wenn wir aus Bibeltexten menschliche Gebote ableiten und die dann zur Maxime machen. Wir machen uns einen Reim drauf und dann gehen wir über den Bibeltext hinaus und schreiben unsere eigenen Gebote.
Wisst ihr, wer das ganz häufig getan hat? Die Pharisäer. Und sie haben den Messias damit ans Kreuz genagelt. Ganz gefährlich, ganz gefährlich. Paulus hingegen sagt an einer Stelle, er möchte den Gläubigen nicht eine Schlinge um den Hals legen. Da geht es auch um so ein Thema, wo er jetzt nicht einfach nur sagen möchte: Okay, das muss jetzt jeder genau so machen. Deswegen ist es ja so genial, dass die Bibel immer und immer und immer wieder den Blick auf mein Herz richtet, auf die Herzenshaltung, auf, um es mit der Einleitung zu sagen, auf das Fundament.
Aber ich denke, wir sollten auch berücksichtigen, dass unser Gefühl uns durchaus auch täuschen kann. Also manche Dinge erleben wir vielleicht oder empfinden wir als unheilig, die absolut heilig sind, und umgekehrt. Von daher ist es wirklich wichtig, dass wir uns immer wieder ausrichten am Wort Gottes, an seiner, an der göttlichen Definition von Böse und Gut, von Richtig und Falsch.
Und wenn wir das wollen, dann kann es natürlich sein: Okay, wir kommen trotzdem zu Fragen und stellen uns ja, okay, aber ich möchte ja göttlich denken, ich möchte rein denken, ab wann ist denn jetzt ein Gedanke ein unreiner Gedanke, welche Gedanken darf ich zulassen, welche nicht? Und auch bei der Beantwortung dieser Frage darf ich mich an die Prinzipien aus 1. Thessalonicher 4 halten. Natürlich gibt es noch viele andere Stellen, die mir da auch eine Hilfe sein können, aber wir haben uns jetzt heute Morgen eben damit beschäftigt.
Darf ich mich fragen: Sind diese Gedanken, die ich gerade habe, sind sie denn heilig? Sind sie göttlich, also entsprechen sie Gottes Wesen, hat Gott Freude daran? Sind sie eine Übervorteilung, ein Nachteil für andere?
Es kann natürlich sein, dass Leute sagen: Na ja, weißt du, wenn ich es ja nur in Gedanken tue, dann schadet es ja keinem, oder? Manchmal sind wir vielleicht auch in Gefahr, unsere Gedanken selber so zu entschuldigen: Ja, ist ja nur in Gedanken. Wenn ich nur in Gedanken den anderen ausziehe oder meine Fantasie spazieren gehen lasse, ist doch egal.
Heiligung fängt nicht im Bett an, sondern in Gedanken.
Nun, das ist es nicht. Warum? Weil wir festgestellt haben: Heiligung fängt nicht im Bett an, sondern in Gedanken, genau wie Unzucht. Jesus sagt, dass die unreinen Gedanken direkt aus unserem Herzen kommen. Und dann nennt er Beispiele: Mord, Unzucht, Ehebruch. Und deswegen ist es nicht egal, was ich denke.
Man sagt manchmal: Ja, ja, für den ersten Blick kann ich nichts, aber für den zweiten. Und ja, das stimmt natürlich ein Stück weit. In manchen Situationen denke ich aber, kann ich auch für den ersten Blick etwas, weil ich ganz genau weiß: Okay, in der Ecke vom Strandbad da liegen sie so rum oder auf jener Internetseite erwartet mich dies oder jenes. Da kann ich auf den ersten Blick schon was.
Aber weißt du, so ist es ja auch mit Gedanken. Wenn ein erster Gedanke kommt, dann jag ihn weg, jag ihn weg. Paulus sagt in 1. Korinther 6,18: Flieht die Unzucht, lauft weg davon, so schnell ihr könnt! So wie Joseph damals vor dem unmoralischen Angebot der Frau Potifar, viele von uns kennen die Geschichte.
Und ich denke, damit ist auch klar, wieso Dinge wie Pornografie einzuordnen sind. Nämlich: Nimm größtmöglichen Abstand davor! Und weißt du, es kann gut sein, dass es für dich nicht erst auf irgendwelchen Schmuddelseiten im Internet, sondern schon bei irgendwelchen Filmen oder Clips mit leicht bekleideten Körpern oder bei Modekatalogen beginnt. Wenn du merkst, dass es etwas gibt, das das Potenzial hat, in dir unreine Gedanken zu fördern, dann geh dagegen vor! Wenn es sein muss, schneid das Kabel vom Router ab oder besorg dir ein Tastenhandy ohne Internet oder verzicht auf den Schwimmbadbesuch. Deine Reinheit ist es wert.
Es hat mal jemand zu mir gesagt: Tu nie etwas mit einem Mädel, dass du nicht möchtest, dass einer mit deiner Schwester tut. Nun, ich habe keine Schwester, aber das ist ja eigentlich ein hilfreicher Gedanke. Aber wisst ihr, Jesus setzt viel früher an, in Gedanken. Weil kein Ehebruch der Welt im Bett anfängt. Es fängt immer damit an, dass Menschen den ersten kleinen Gedanken zulassen und dann noch einen und dann noch einen und noch einen, und dann kommt es zum ersten Blick, dann kommt es zur ersten Berührung und so weiter und so weiter.
Und deswegen spielt es in Bezug auf meine Gedanken auch erstmal überhaupt keine Rolle, ob die Bilder, die ich konsumiere, von echten Menschen oder ob sie gemalt sind oder KI-generiert sind. Übrigens, im alten Griechenland hatten sie auch schon Pornos, ja. Wir finden die heute nicht mehr allzu krass, aber diese nackten Statuen, die überall herumgestanden sind, waren ja eigentlich nichts anderes in 3D, oder? Wir sehen jetzt halt heutzutage, gibt es das in Farbe und bewegt, deswegen finden wir es nicht mehr so krass, aber eigentlich war es nicht viel anderes.
Es gab damals auch schon kultische Prostitution, wo man Religion und Unzucht miteinander verbunden hat. Wenn wir in diese Szenen reinschauen, bis heute, Prostitutionsszene, Pornoindustrie, dann merken wir, wo das hinführt, bis heute in der bestialischen Art und Weise geprägt von Ausbeutung, von Menschenhandel, von Missbrauch. Wenn man genauer hinschaut, dann sieht man, in welche Sklaverei und Menschenverachtung Sexualität führen kann, wenn sie jenseits von göttlichen Maßstäben ausgelebt wird.
Also in Bezug auf meine eigenen Gedanken kann ich nicht sagen: Na ja, es sind ja nur KI-Inhalte, da hat ja keiner darunter gelitten bei der Erstellung. Es gilt übrigens auch für erotische Texte in Romanen. Wie viele Leute geben sich da ihren Fantasien hin, und manchmal denke ich: Mensch, da geben sie sich ihren Fantasien hin in irgendwelche Welten, konsumieren irgendwelches Zeug, anstatt ihre Sehnsucht und romantische Energie auf ihren Ehepartner zu konzentrieren. Beim Ehepartner fehlt dann die Energie, und man wundert sich, warum die heilige Lust fehlt.
Wir sind zur Heiligung berufen. Unreinheit, Unzucht, alles, was Gedanken und Fantasien zum Thema Sexualität angeht, was nicht mit meinem Partner zu tun hat, wird mich ausbremsen, wird mich versklaven und ist letztendlich Zweckentfremdung dessen, wofür mein Körper gedacht ist. Eigentlich bestehle ich Gott, und ich bestehle meinen Ehepartner, weil mein Leib denen gehört. Selbst als Single, wenn ich vielleicht noch eine Ehe vor mir habe, bestehle ich jetzt schon meinen zukünftigen Ehepartner.
Deswegen hat es Paulus ja auch so formuliert in 1. Korinther 6,13, da sagt er: Der Leib, der Körper, ist nicht für die Unzucht, sondern für den Herrn. Ja, da finden wir wieder diesen sehr krassen, deutlichen Gegensatz. Mein Körper ist ein Gefäß, in dem Gott wohnen möchte, um für andere da zu sein, um anderen Gutes zu tun, um ihnen zu helfen, um andere zu erfreuen, auch im Bereich der Sexualität, natürlich im Rahmen der Ehe, im eigenen Ehepartner.
Aber wenn ich mir angewöhne, in Gedanken und Taten Sexualität für mich zu leben, nur zu meinem Vergnügen, dann ist es nicht das, wozu Gott sich Sexualität ausgedacht hat. Und wir sehen, wohin das führen kann, wird, wenn sich eine negative Entwicklung weiter und weiter fortsetzt. Es kann dann führen eben bis zu tatsächlichem körperlichem Missbrauch, es kann führen bis zu Ehebruch, und es führt zu Gedanken sehr, sehr schnell. Es kann führen zu Zerstörung von Familien, zu Zerstörung von Ansehen und Ehre, es führt zu Scham, es führt zu Blockade meines geistlichen Lebens.
Und die Bibel, sie zeigt uns Gott. Sie zeigt uns Gott in seinem Wesen, in seiner Treue und in seiner Heiligkeit, in seiner Reinheit und in seiner Schönheit. Und genau das soll und darf unser Leben widerspiegeln.
Wenn dann die Frage ist, wie weit darf ich jetzt in der Ehe gehen, was ist denn da alles erlaubt in der Ehe, weißt du, dann brauchst du jetzt nicht anfangen, Bibelverse zu suchen, welche Praktik ist erlaubt und welche Praktik ist nicht erlaubt. Sondern du kannst aus dem Wort Gottes lernen, wie Gott ist, und dich fragen: Bin ich auch so? Und dann entdecken wir Gottes Wesen und sehen: Aha, er ist ja Liebe. Und die Liebe fragt ja nicht, worauf habe ich Lust, sondern sie fragt: Was würde dem anderen gefallen? Interessant.
Natürlich dürfen und sollen wir dem Ehepartner mitteilen, was uns gefällt und was nicht, ist ja logisch, das weiß der andere ja nicht unbedingt von selbst. Jede Beziehung, nicht nur die Ehe, lebt ja davon, dass man sich öffnet für den anderen. Und klar, in Bezug auf die körperlichen Wünsche geht es nur den Ehepartner etwas an. Aber es macht ja schon einen Unterschied, egal in welcher Beziehung, ob man dem anderen mitteilt, was einem gefällt, was man schön findet, oder ob man es einfördert, einfordert, gar den anderen zwingt, vielleicht nur psychisch etwas zu tun, was der gar nicht will.
Wenn ich diesen Pfad einschlage, vom anderen einzufordern, was der mir gar nicht geben will, dann habe ich den Pfad der Liebe verlassen. Eigentlich ist es so einfach und doch so schwierig.
Vielleicht denkst du denn jetzt: Oh Daniel, Mensch, du hast es so offen und direkt über Dinge gesprochen, die in die Ehe gehören, warum machst du sowas? Manchmal kriege ich solches Feedback. Nun, ich mache das, weil die Bibel das macht. Das ist ein wesentlicher Grund. Zum anderen mache ich das, weil wir in einer sexualisierten Welt leben, so dass keiner um das Thema herumkommt, und ich es sehr, sehr wichtig finde, dass wir als Gläubige lernen, in einer guten, heiligen Art und Weise auch über dieses Thema zu sprechen. Und zum Dritten, weil ich davon überzeugt bin: Diese Prinzipien, um die es heute Morgen ging, die lassen sich auch in jedem anderen Lebensbereich anwenden. Die gelten für Verheiratete, Verlobte, Singles, Verwitwete, für jeden von uns.
Aber noch kurz eine Anmerkung zu den Singles vielleicht: Ich glaube tatsächlich, dass es unglaublich wichtig ist, auch als Single Reinheit zu trainieren. Ich habe so bei mir gedacht: Als wenn Joseph sich im Hause Potipars seinen Sexfantasien hingegeben hätte, hätte er gegen die Verführung von Frau Potipar keine Chance gehabt, oder? Ich bin mir bewusst, wie hart dieser Kampf ist. Ich habe auch nicht super früh geheiratet. Das ist nicht einfach.
Aber egal, ob verheiratet oder nicht, wenn du vielleicht einer bist, der kämpft, wenn du vielleicht einer bist, der oft schon gefallen ist, einer, der vielleicht aktuell festhängt in Pornografie, an die Sucht der Selbstbefriedigung gebunden ist, der seine Gedanken, seine Blicke nicht im Griff hat und vielleicht sogar schon Grenzen in Bezug auf konkrete Personen überschritten hat, ob beim Flirten oder darüber hinaus: Es ist kein Kavaliersdelikt. Nimm es nicht auf die leichte Schulter. Unzucht blockiert deine Heiligung.
Aber du darfst auch wissen: Du kämpfst nicht alleine. Du kämpfst nicht alleine. Du hast Gott auf deiner Seite. Und es kann auch eine Hilfe sein, manchmal darfst du auch wissen: Es geht unglaublich vielen Menschen so, Männern wie Frauen. Aber ich bin mir bewusst, wenn du zum Beispiel als Ehefrau einen Mann hast, der mit unreinen Gedanken kämpft, vielleicht sogar Pornografie konsumiert, mit der Sucht der Selbstbefriedigung kämpft, dann kann es unglaublich schmerzhaft und demütigend sein. Da fühlt man sich minderwertig und ungenügend.
Aber ich möchte auch da mal ganz allgemein sagen: Wenn es so ist, wenn du das so erlebst, du bist nicht schuld an den unreinen Gedanken deines Partners. Und weißt du, wenn es so ist, dass dein Partner gläubig ist und kämpft, dann heißt das ja auch, dass er eben nicht einer sein will, der sich der leidenschaftlichen Begierde hingibt wie Menschen, die Gott nicht kennen. Und deswegen kämpft er ja, und deswegen hat er noch nicht aufgegeben.
Es ist für viele Menschen eine Hilfe, wenn sie sich einem anderen Menschen in einer verschwiegenen Freundschaft oder in einem seelsorglichen Gespräch öffnen, und das kann ein erster Schritt aus dem Gefängnis sein, weil Gott uns nicht als Einzelkämpfer geschaffen hat. Und ich möchte jedem hier drin ganz, ganz viel Mut machen und sagen: Der Kampf lohnt sich. Wir wollen Menschen sein, die heilig leben. Wir wollen Menschen sein, die einen Unterschied machen. Wir wollen Blockaden aus dem Weg räumen.
Und wenn du kämpfst, möchte ich dich wirklich ermutigen: Schon allein dein ungutes Gefühl bei unreinen Gedanken, schon deine Sehnsucht nach Freiheit, dass du dich nicht versklaven lassen möchtest, dein Wunsch, deinen eigenen Körper und den anderen Menschen nicht für deinen Egoismus zu missbrauchen, das alles schon ist Wirken des Heiligen Geistes in dir. Von daher möchte ich dir wirklich heute Morgen zusprechen: Der, der in dir das gute Werk angefangen hat, der will, der möchte, der kann und wird es vollenden.
Lasst uns Menschen sein, die ehrlich werden, vor uns selbst, vor anderen, die ihre Schwächen und Fehler zugeben und damit immer und immer und immer wieder vor Gottes Thron kommen, vor Gottes Gnadenthron. Da ist Gnade genug. Den Gläubigen zeichnet nicht aus, dass er nicht hinfällt. Ich habe kürzlich eine Predigt über David gehalten. Ich denke, an seinem Leben wird uns das ganz besonders bewusst. Aber der Gläubige ist einer, der dank Gottes Gnade nicht liegenbleiben muss, sondern in der Heiligung zunehmen darf.
Der Gläubige ist einer, der dank Gottes Gnade nicht liegenbleiben muss.
Und dazu sind wir berufen, und dazu sind wir befreit, und dazu wollte ich euch eigentlich heute Morgen Mut machen. Amen.