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Glaube trifft Zeitgeist

Top 7 Konflikte mit der Gesellschaft
24.03.2023

Schon gewusst? Der größte Teil der Weltbevölkerung lebt nicht in Europa, auch nicht in Amerika oder Afrika, sondern in Südostasien.

Weißt du, was das bedeutet? Es bedeutet, dass Deutschland nicht die Welt ist. Deutschland ist nur ein winziger, sehr kleiner Teil der Welt, der uns täglich direkt vor der Nase liegt.

Mehr als 99 von 100 Menschen, die in diesem Moment atmen und leben, wohnen nicht in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Je nachdem, wie man es zählt, gibt es unterschiedliche Zählungen.

Von allen Christen weltweit, die ihren Glauben leben und praktizieren, lebt hier bei uns nur einer von 300 bis zu einem von 500.

Die Realität des Christentums weltweit und die Situation verfolgter Christen

Meine Frau und ich hatten vorletzte Woche Besuch von einem Freund, der bei Open Doors arbeitet. Open Doors ist ein Hilfswerk, das sich für Christen in besonderen Notlagen einsetzt. Vielleicht hast du schon einmal davon gehört.

Das Werk unterstützt Christen, die sich in der heutigen Zeit zum Christentum bekehren und dafür bedrängt, ausgegrenzt, verfolgt oder sogar getötet werden. Dabei geht es nicht um die Zeit des Römischen Reiches vor zweitausend Jahren, sondern um die aktuelle Situation. Open Doors leistet in diesen Fällen vor Ort Hilfe.

Ich kenne das Werk schon länger, aber unser Freund hat mir einige Berichte mitgebracht von Menschen, die genau jetzt von dieser Situation betroffen sind. Diese Lage ist ganz anders als bei uns in Mitteleuropa. In solchen Situationen überlegt man sich zwanzigmal, bevor man Christ wird und sich taufen lässt.

Nach allen Messungen und Erhebungen, die es gibt, haben wir in Mitteleuropa fast maximale Religionsfreiheit. Das bedeutet: Von den gesetzlichen Rahmenbedingungen her bist du in Deutschland frei, einer Religionsgemeinschaft beizutreten oder sie jederzeit wieder zu verlassen. Ob die Gemeinschaft das will, ist ein anderes Thema. Ich meine hier die gesetzlichen Rahmenbedingungen.

In Deutschland ist also vieles sehr durchlässig, was das Thema Religion angeht.

Christentum in Mitteleuropa: Vertrautheit und Missverständnisse

Historisch betrachtet ist das Christentum in Deutschland, Österreich und der Schweiz so eng mit der Geschichte dieser Länder verbunden, dass viele Menschen denken: Das Christentum kennen wir doch. Aber kennen wir es wirklich?

Was dir vielleicht auffällt – und nach meiner persönlichen Beobachtung, die natürlich auch falsch sein kann – ist, dass es in den letzten Jahren nicht unbedingt weniger geworden ist. Auffällig ist, dass eine zunehmende Zahl von Menschen, insbesondere in manchen Medien und definitiv in den Sozialen Medien, sich mit großem Unverständnis oder zumindest nicht abfällig, aber kritisch über gelebtes, bibeltreues Christentum hier bei uns äußert – in einem Land, das früher einmal christlich geprägt war.

Häufig hört man so etwas wie: "Ich verstehe nicht, warum man so sein muss. Kann das Christentum nicht einfach anders sein?" Diese Haltung begegnet mir oft. Die Frage ist: Welche Erwartungshaltungen stecken bei manchen Leuten dahinter?

Schau dir zum Beispiel an, was in einer Reportage des Westdeutschen Rundfunks (WDR) gesagt wird. Das Bild, das dort gezeichnet wird, wirkt auf den ersten Blick super cool, mit einem liberalen und lockeren Image. Gleichzeitig vertreten die Menschen dort aber konservative Ansichten, etwa gegen Sex vor der Ehe und gegen Abtreibung.

Ich finde, dieses coole Image passt überhaupt nicht zu den konservativen Ansichten. Deshalb sollten wir über diese Erwartungshaltungen in unserer Gesellschaft sprechen.

Einführung in das Thema Erwartungen und Bibelfitdienst

Und zuerst: Willkommen beim Bibelfitdienst. Hier versuchen wir, leicht verständlich tiefer in die Bibel einzusteigen, Jesus im modernen Alltag nachzufolgen und harte Fragen von Nichtchristen klar zu beantworten.

Zu jedem Beitrag verschenke ich Übersichten, biblische Entscheidungshilfen, komplette Hörbücher und sogar Online-Kurse. Das alles gibt es gratis auf dieser Website, dank freiwilliger monatlicher Spenden von Menschen wie dir und mir.

Zum Thema Erwartungen: Mein Eindruck – und der kann völlig falsch sein – ist, dass manche Leute und vielleicht sogar wir als Gesellschaft in diesen 2020er Jahren hier in Mitteleuropa oft etwas anderes vom Christentum erwarten. Das liegt daran, dass unsere Gesellschaft gerade eine andere Richtung einschlägt.

Ich gebe dir nun, völlig subjektiv, also nur als persönliche Meinung, sieben Gegensätze, die ich sehe. Diese zeigen, wie sich unsere Gesellschaft möglicherweise entwickelt und wie ich das neutestamentliche Christentum wahrnehme – und wo es Unterschiede gibt.

Gegensatz 7: Gefühl versus Wirklichkeit

Gegensatz Nummer sieben: Fühlen gegen Sein.

Ich gebe dir ein Beispiel. Vor kurzem waren meine Frau und ich zum Essen bei einer guten Freundin eingeladen. Du denkst jetzt wahrscheinlich, meine Frau und ich machen nichts anderes, als mit irgendwelchen Leuten essen zu gehen. Schön wär's! Jedenfalls haben wir uns auch über das Thema ein bisschen unterhalten, und sie hat ein paar sehr treffende Worte gewählt.

Sie sagte, ich umschreibe es mal: Für sie ist es manchmal echt schwer zuzulassen, dass Gott anders sein kann, als sie es gerade fühlt. Dann fügte sie hinzu, dass es sie reifer und erwachsener macht, sich darauf einzulassen.

Denn am Ende des Tages können das, was wir fühlen, und das, was wirklich real ist, zwei ganz unterschiedliche Dinge sein. Ich glaube, es hängt sehr davon ab, ob wir bereit sind, uns auf die Realität einzulassen.

In den Worten dieser Freundin: Sie sagte, wir als Gesellschaft verkindlichen. Das bedeutet, wir wollen häufig kein erwachsenes Leben, kein Leben mit Konsequenzen und kein Leben, das beinhaltet, sich mit der Realität und auch mit unangenehmen Seiten der Realität auseinanderzusetzen. Dazu gleich mehr.

Vor allem wollen wir oft keine Eigenverantwortung in unserem Leben übernehmen. Der Gedanke von Impulskontrolle ist, so wie ich die Gesellschaft gerade wahrnehme, eher etwas, das nicht hoch gelobt wird.

Was wir als Gesellschaft manchmal zu denken scheinen, lässt sich mit Schlagworten ausdrücken wie: „Etwas fühlt sich gerade gut an, also muss es richtig sein.“ Das macht aber keinen großen Sinn. Oder: „Etwas fühlt sich gerade nicht gut an, also muss es falsch sein.“ Auch das ist nicht sinnvoll.

Ein extremes Beispiel dafür ist der Konsum von Kokain. In vielen Landstrichen Deutschlands ist das bis jetzt zum Glück vorbeigegangen oder zumindest nicht so extrem gewesen wie in anderen Gebieten der Welt.

Beispiel: Kokain und die Trennung von Gefühl und Wahrheit

Kokain als Droge

Kokain als Droge soll sich angeblich unbeschreiblich gut anfühlen. Ich habe auch mal mit zwei Leuten gesprochen, die das ausprobiert haben. Sie sagten, es fühle sich so gut an wie nur wenige andere Dinge, die man im Leben erleben kann. Wahrscheinlich ist das so, aber ich weiß es nicht genau.

Trotzdem ist es nicht richtig, Kokain zu nehmen. Nur weil sich etwas gut anfühlt, heißt das nicht automatisch, dass es richtig ist. Manche medizinischen Untersuchungen, Medikamente oder sogar Sport können sich im Moment vielleicht nicht immer besonders angenehm anfühlen. Das bedeutet aber nicht, dass sie falsch sind.

Es sind einfach zwei verschiedene Dinge, die nichts miteinander zu tun haben. Etwas kann sich gut anfühlen, richtig sein oder falsch sein – aber man kann das eine nicht aus dem anderen ableiten.

Warum ist das für uns Christen so wichtig? Weil Christsein nicht unbedingt etwas mit Gefühlen zu tun hat. Wenn du diesem Kanal schon länger folgst, wird dich diese Aussage wahrscheinlich nicht überraschen. Aber denk mal kurz darüber nach: Christsein ist kein Gefühl. Christsein ist ein juristischer Zustand vor Gott, vor dem Herrn.

Dieser Zustand lautet: schuldig, aber freigesprochen. Das Christentum richtet sich an schuldige Sünder, die vor dem Jüngsten Gericht freigesprochen werden wollen. Und ich glaube, das wollen heute nicht viele Leute hören.

Gegensatz 6: Autonomie versus Heteronomie

Beobachtung Nummer sechs betrifft eine Frage, bei der die Erwartungen sehr auseinandergehen: Wer hat eigentlich die Hosen an? In unserer Gesellschaft nehme ich wahr, dass das Thema Autonomie und Selbstbestimmung – also dass du über dich selbst bestimmst – manchmal als Freiheit bezeichnet wird. Dieses Thema wird jedoch nicht immer ganz großgeschrieben.

Vergleicht man das mit dem neutestamentlichen Christentum, entsteht daraus ein Problem. Warum? Weil es in der Gesellschaft vor allem darum geht, dass du über dich selbst bestimmst. Wenn man das einmal ganz schwarz-weiß betrachtet, endet das oft in einer Art Egozentrismus. Du stehst im Mittelpunkt, und alles andere soll dir dienen.

Vor kurzem gab es dazu einen tollen Gastbeitrag von Michael Welzel. Er sagte sinngemäß, übertragen auf das Thema Ehe, dass du dir für deine Ehe nur jemanden suchst, der dich glücklich macht. Nach dem Motto: Ich will glücklich sein, und dafür brauche ich dich, weil es um mein Lebensglück geht. Das ist ein Patentrezept für eine scheiternde Ehe.

Das Gegenbeispiel aus dem Neuen Testament ist das Thema Heteronomie. Das bedeutet, dass du nicht in letzter Instanz über dich selbst bestimmst, sondern dass zum Beispiel Gott das letzte Wort hat.

In einer nichtchristlichen Welt – ich bin ja zum Beispiel als Nichtchrist unter Nichtchristen aufgewachsen – ist es relativ normal, dass jeder sich selbst finden soll. Es geht darum, dass du dich selbst findest und verwirklichst. Das ist nicht unbedingt schlecht, aber dabei geht es auch darum, dass jeder sich neu erfindet. Jeder gibt sich selbst seine eigene Geschichte.

Im Christentum ist es ein Stück weit anders. Dort geht es darum, dass es schon eine Geschichte gibt, einen großen Rahmen. Die gesamte Geschichte ist eigentlich schon da, und du kommst darin vor. Du hast eine tragende Nebenrolle, aber du bist Teil dieser Geschichte. Der Rahmen steht fest. Du bist nicht die Hauptfigur, und du schreibst diese Geschichte auch nicht selbst. Die Geschichte existiert bereits, und du hast einen Platz darin.

Gegensatz 5: Veränderung versus Beständigkeit

Beobachtung Nummer fünf

In unserer Gesellschaft wird das Thema Veränderung sehr großgeschrieben. Ich glaube, das muss ich nach den letzten paar Jahren nicht großartig erklären.

Im Christentum, besonders im neutestamentlichen Christentum, geht es hingegen darum, dass viele Dinge konstant sind. Das heißt, dass Dinge eher bewahrt werden. Jesus sagt dazu zum Beispiel: Himmel und Erde, also die gesamte Realität, die gesamte Schöpfung, das ganze Universum, werden vergehen. Aber seine Worte werden nicht vergehen. Das Wort Gottes ist ewig, heißt es immer wieder in der Bibel.

Für uns als Christen bedeutet das, dass wir etwas Bewahrendes in unserem Glauben haben. Wir sagen, es gibt bestimmte Dinge, die sich nicht ändern. Sie bleiben einfach so. Das geht gar nicht anders, weil wenn das Neue Testament etwas sagt, wenn Jesus etwas sagt – auch wenn es uns nicht gefällt und auch wenn sich die Welt um uns herum ändert – was sollen wir denn sonst machen? Was ist die Alternative? Wir können nicht einfach Jesus verändern und ihm andere Dinge zuschreiben.

Mal ganz ernsthaft: Wenn Jesus etwas sagt, was uns wirklich nicht gefällt – und Jesus sagt häufiger Dinge, die mir persönlich nicht gefallen –, was soll ich dann machen? Am Ende des Tages habe ich nur drei Möglichkeiten.

Erstens: Ich kann mich vom Christentum abkehren. Das ist immer eine Möglichkeit, niemand wird zu irgendetwas gezwungen. Aber wenn man es in Ruhe durchdenkt, was genau soll das eigentlich bringen? Entweder ist Gott real, das Neue Testament ist zuverlässig, Jesus ist auferstanden und das Christentum ist wahr. Oder aber nicht. Und daran ändert auch deine und meine Meinung nichts. Ob mir bestimmte Teile vom Neuen Testament oder bestimmte Dinge, die Jesus sagt, gefallen oder nicht, macht keinen Unterschied. Im Gegenteil: Vielleicht sollte ich dann erst recht Christ werden, gerade wenn diese unangenehmen Dinge stimmen. Das Jüngste Gericht ist schließlich nicht zum Spaß da.

Möglichkeit zwei: Ich kann theoretisch einfach ignorieren, was Jesus sagt. Es gibt ja auch Menschen, die sich selbst als Christen bezeichnen, aber das Neue Testament ignorieren und alles von Jesus ablehnen, was ihnen nicht passt. Ich kann einfach behaupten, was immer ich will, und Gott die Worte in den Mund legen, die mir am besten passen. Aber wenn der Gott, zu dem du betest, dir niemals widerspricht, führst du am Ende nur ein Selbstgespräch. Manche Menschen können sich eher vorstellen, dass Gott seine Meinung ändert, als dass sie selbst ihre Meinung ändern.

Oder drittens: Ich bejahe das, was Jesus sagt, und mache das, was heutzutage scheinbar kaum jemand tun will. Ich akzeptiere Dinge in Demut und versuche, mich der Realität so zu stellen, wie sie ist – als erwachsener, reifer Mensch. Wenn es bedeutet, dass wir unser Bild von Gott in manchen Teilen korrigieren müssen, vielleicht auf Weisen, die nicht immer angenehm sind und die wir nicht immer wollen, dann ist das so. Es ist Gott, von dem wir hier reden. Darüber haben du und ich ja schon mal gesprochen: Du kannst Gott nicht in eine Schublade stecken, diese zuschließen und dem ganzen Schrank den Rücken kehren. Es ist Gott, von dem wir reden. Behalte das mal im Hinterkopf.

Rein logisch, wenn Jesus das so sagt und wir Christen ihm wirklich nachfolgen, was sollen wir denn sonst machen? Ein absurdes Beispiel: Ich kann ja nicht sinnvoll sagen, dass ich in einen örtlichen Vegetarierverein eintrete und bei der ersten Gelegenheit einen Aufstand proben, weil es zu wenig Bratwürste gibt und wo denn das Fleisch bleibe.

Ich werde auch ein bisschen frustriert, wenn ich manche Sachen lese, die einige liberale und progressive Theologen fordern. Aber was sollen wir denn machen? Wir haben ja dieses ganze Christentum, das sogar nach unserem Gründer Jesus Christus benannt ist. Unser Gründungsmanifest, das Neue Testament, ist das meistverbreitetste Buch der Welt. Es gibt keine europäische Stadt, in der das Neue Testament nicht vorhanden ist – teilweise hundertfach oder tausendfach.

So ziemlich jede größere Gemeinde und Kirche wird dir eine Bibel schenken, sobald du sie nur darum bittest. Du kannst das Neue Testament jederzeit online nachlesen. Du brauchst nur dein Handy dafür. Wenn dann Leute sagen, dass sie von manchen Aussagen im Neuen Testament überrascht oder schockiert sind, wenn diese gepredigt werden, was sollen wir denn noch machen?

Das Neue Testament gibt es sogar als Audioversion überall verfügbar. Ich weiß nicht, wie man daran vorbeigehen kann, gerade als Theologe.

Neue Hilfsmittel zum Bibellesen und Kritik an Forderungen nach Veränderung

Und zum Bibellesen habe ich dir jetzt etwas Neues mitgebracht. Für die Bastler unter euch haben wir etwas Handgreifliches erstellt, nämlich ein Bibelregister, mit dem du deine Bibel außen markieren kannst.

Ich selbst habe das bei genau dieser Bibel gemacht, die ich durchgelesen habe. Das war ein völlig anderes Leseerlebnis. Ich hatte auch das Gefühl, dass ich viel schneller war beim Durchlesen, weil ich schon wusste, wo ein Buch zum Ende ist und das nächste Buch anfängt.

Das Bibelregister ist farblich passend gestaltet. Du siehst hier ein paar Farbcodes dazu. Diese passen zu dem Bibelhandbuch, das ich im Mai oder Juni herausgeben werde. Wenn du mehr darüber wissen möchtest, das erfährst du im Newsletter. Ich verrate jetzt noch nicht zu viel, aber ein kleines Geheimnis: Jeder, der sich in diesen Wochen etwas auf der Website holt, bekommt später automatisch das Bibelhandbuch gratis zugeschickt.

Wie gesagt, alles ist gratis. Also nur zu, nimm es dir gern mit.

Was ich zu diesem Punkt sagen möchte: Wenn manche Leute – auch die Gesellschaft, teilweise liberale Theologen, progressive Christen oder wie auch immer – sagen, dass wir als Christen uns verändern sollen oder dass das Christentum sich verändern soll, dann ist das, wenn man mal darüber nachdenkt, ziemlich seltsam.

Denn es wird von uns Christen heute manchmal gefordert nach dem Motto: Ihr sollt so sein, wie es unserer westlichen Gesellschaft im 21. Jahrhundert passt. Überlegt doch mal, was das bedeutet.

Das würde ja heißen, dass das, was Christen weltweit heutzutage leben, alles falsch ist. Nur das, was diese kleine einprozentige liberale deutsche Minderheit im Westen macht, ist die einzig richtige Wahrheit. Alle anderen liegen komplett falsch.

Und sogar noch mehr: Es würde bedeuten, dass wir Jesus in den letzten zweitausend Jahren völlig falsch verstanden haben.

Im Pietismus – ich nehme nur ein paar Beispiele – alles falsch. Zur Reformationszeit alles falsch. Die katholische Kirche sowieso falsch, die ist ja die schlimmste. Zur Zeit der Konzilien alles falsch. Die Kirchenväter alles falsch. Das Neue Testament liegt falsch. Selbst die Apostel, die mit Jesus höchstpersönlich dreieinhalb Jahre lang fast Tag und Nacht verbracht haben, haben Jesus völlig falsch verstanden.

Alle liegen falsch. Nur das, was wir in Deutschland in den letzten 50 Jahren uns aus den Fingern gesogen haben, ist richtig. Ist klar.

Deswegen zum Thema Veränderung: Biblisches Christentum kann im Kern doch nur konservativ sein. Es kann sich im Zeitverlauf gar nicht ändern.

Und wenn dann Leute kommen und solche Sachen kritisieren, zum Beispiel sagen: „Ja, die und die Theologie ist ja überholt, daran kann man nicht mehr festhalten“ und so weiter – was soll man denn da noch sagen?

Gegensatz 4: Beliebigkeit versus Verbindlichkeit

Erwartung vier der Gesellschaft, die wir im Christentum und im Neuen Testament nicht erfüllt sehen, ist folgende: Häufig zeigt sich in der Gesellschaft die Tendenz nach dem Motto „Anything goes“ – alles ist erlaubt, alles, was Spaß macht, ist okay. Ebenso gilt oft das Motto „YOLO“ („You only live once“), also: Ich lebe nur einmal. Das hängt eng mit dem Thema Egozentrismus zusammen.

Wie sieht es im neutestamentlichen Christentum aus? Dort gibt es ein ganz anderes Bild. Es gibt ein Bild von Konsequenzen und auch ein Bild von Verbindlichkeit. Das heißt, man kann eben nicht alles machen; nicht alles ist erlaubt.

In der Bibel werden viele Dinge mit einer gesunden Ehe verglichen. In einer gesunden Ehe kannst du auch nicht alles machen, was du willst. Sonst hält sie nicht lange und ist bestimmt auch nicht gesund.

In der Bibel wird Gott immer wieder als der Gott der Treue beschrieben. Der Gott der Treue, der zu uns treu ist, macht auch nicht einfach alles, was er will. Im biblischen Christentum, und das ist eine große Besonderheit, haben wir einen berechenbaren Gott.

Von so etwas können viele Muslime, und das meine ich wirklich mit einem traurigen Herzen, nur träumen. Denn das Gottesbild von Allah im Koran ist ganz anders konzipiert. Lassen wir es an dieser Stelle dabei.

Dieses Bild bedeutet: Für Gott geht nicht alles, und für uns sollte auch nicht alles gehen. Das Verhalten der Menschen ist im Christentum nicht egal. Was Menschen tun, hat vor Gott Konsequenzen. Deshalb gibt es ja einen Karfreitag.

Gegensatz 3: Hedonismus versus Ewigkeitsperspektive

Drittens strebt unsere Gesellschaft oft nach einer Form von Hedonismus. Das bedeutet: Man möchte Spaß haben und Leid möglichst vermeiden. Dabei geht es vor allem darum, das Leid im Moment zu vermindern und so viel Freude wie möglich in der Gegenwart zu empfinden.

Im Christentum hingegen gibt es eine ganz andere Perspektive und einen anderen Zeithorizont. Es geht nicht primär um das Diesseits, sondern um das Jenseits. Dabei steht nicht im Vordergrund, was ich heute, heute Abend, diese Woche oder nächsten Monat fühle. Vielmehr dreht sich alles um das Thema Ewigkeit – also um einen völlig anderen Zeithorizont.

Noch einmal: Jesus ist nicht gekommen, um unser Leben im Diesseits einfach schöner oder angenehmer zu machen. Er ist gekommen, um uns überhaupt erst ein Leben im Jenseits zu ermöglichen – damit wir nicht in der Hölle verbringen müssen.

Gegensatz 2: Inklusion und die Realität des doppelten Ausgangs

Erwartungshaltung zwei, die wir im Christentum nicht erfüllen können.

In der Gesellschaft gibt es momentan, nach meiner Wahrnehmung – vielleicht liege ich ja völlig falsch, dann darfst du mich in den Kommentaren gerne korrigieren –, einen Trend, bei dem das Thema Inklusion sehr großgeschrieben wird. Das ist an sich gut und auch notwendig. Es kommt ja auch aus dem christlichen Weltbild und Menschenbild.

Allerdings gibt es in unserer Gesellschaft häufig eine selektive Inklusion. Das heißt, wir suchen uns aus, wen wir inkludieren und wen wir bei bestimmten Dingen ausschließen. Ich möchte jetzt nicht auf einzelne Schlagzeilen der letzten Tage und Wochen eingehen, aber vielleicht weißt du, was ich meine.

Im biblischen Christentum ist das Bild von Inklusion grundsätzlich vorhanden. Aber – und das ist etwas, womit unsere Gesellschaft Schwierigkeiten hat, es zu verstehen, zu verinnerlichen und einfach so anzunehmen – gibt es im biblischen Christentum eine Zweiteilung. Das bedeutet, es gibt einen doppelten Ausgang der Geschichte: Manche Menschen kommen, vereinfacht gesagt, in den Himmel, in ein positives Jenseits, und andere kommen in die Hölle. Dies wird als der doppelte Ausgang bezeichnet.

Das ist etwas, worüber manche Leute sagen: „Ich dachte, es gibt keine Hölle mehr. Ich dachte, ihr Christen hättet das ad acta gelegt. Früher habt ihr das behauptet, jetzt nicht mehr.“ Die Frage ist dann: Was sollen wir denn machen?

Jesus Christus selbst spricht nachweislich mehr über die Hölle als über den Himmel. Er spricht so häufig über das Jüngste Gericht, dass es eines der häufigsten Themen ist, über die er überhaupt spricht. Das ist nicht meine persönliche Meinung, das kannst du selbst nachzählen. Das sind belegte historische Tatsachen.

Ich glaube, das ist auch in der liberalen Theologie ein großer Knackpunkt. Das war es auch für mich, als ich vor ein paar Jahren aus diesem liberalen Weltbild herauswachsen wollte. Damals, als liberaler Theologe, fiel es mir sehr schwer zu akzeptieren, dass es eine Ungleichbehandlung gibt. Ich dachte, das wäre ungerecht.

Ist es aber nicht. Gott schuldet einem schuldigen Sünder nichts anderes als Gerechtigkeit. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Menschen in den Himmel kommen, ist die Ungerechtigkeit. Nicht, dass jemand in die Hölle kommt, der das verdient hat.

Gesellschaftliche Apathie und christliches Engagement

Ein erster großer Punkt beim Thema Erwartungsmanagement, bei dem es, glaube ich, oft aneinander vorbeigeht, ist folgender: Unsere Gesellschaft scheint sich ein Stück weit damit arrangiert zu haben, dass manche Menschen apathisch sind.

Apathisch bedeutet so viel wie „ist mir egal“. Diese Einstellung, nach der man sagt „Ihr könnt mir alle den Buckel runterrutschen und andere Menschen können mir egal sein“, kommt vom griechischen Wort „Apathäen“. Es bedeutet „nicht mitempfinden“ oder „nicht mitfühlen“. Nach dem Motto: „Ich mache meins, und was andere Menschen tun und lassen, das ist deren Sache.“ Dabei ist so eine Art Mauer zwischen einem selbst und den anderen Menschen.

Das kann auch ein Thema der Abgrenzung sein, zum Beispiel in Bezug auf die eigene Gesundheit. Im biblischen Christentum haben wir jedoch zumindest eine andere Grundhaltung. Was wir daraus machen, ist ein anderes Thema, aber die Grundhaltung ist anders. Wir sagen nicht: „Das Schicksal anderer Menschen ist uns egal.“

Deshalb waren jahrhundertelang Christen und christliche Einrichtungen maßgeblich dafür verantwortlich, dass es in Deutschland eine Diakonie gibt, dass Krankenhäuser gegründet wurden und vieles mehr. Ich könnte das jetzt aufzählen bis morgens um drei, aber lassen wir das an dieser Stelle.

Was uns Christen von Anfang an sehr am Herzen liegt – und das geht ja auf Jesus Christus selbst zurück – ist das Thema Evangelisation, das Thema Mission. Das heißt, wir wollen anderen Menschen vom Evangelium erzählen. Wir wollen, dass andere Leute nicht in die Hölle kommen, sondern in den Himmel.

Das ist etwas, was unserer Gesellschaft, glaube ich, aus zwei Gründen sehr stark aufstößt. Zum einen das Thema Hölle, Sünde und die Konsequenzen für das eigene Handeln – das will man nicht hören. Zum anderen die Frage: „Wieso könnt ihr nicht einfach andere Menschen so stehen lassen?“ Das können wir auch. Aber solange es kein Gesetz verbietet, mit anderen Menschen über das Evangelium zu sprechen, welchen logischen Grund gibt es denn, das nicht zu tun?

Hier geht es darum, dass du gegebenenfalls Menschen, die sonst in die Hölle kommen werden – in zehn, zwanzig, dreißig Jahren, wenn sie tot sind oder wenn Jesus wiederkommt, ich weiß es auch nicht – die Chance geben kannst, in den Himmel zu kommen. Warum solltest du das nicht tun? Also nenn mir einen logischen Grund.

Zwischenfazit und Aufruf zur Unterstützung

Wir kommen jetzt zu einem kurzen Fazit. In wenigen Sekunden geht es weiter.

Ich habe vor kurzem gesehen, dass immer noch fast jeder Zweite, der diese Videos hier mit dir schaut, den Kanal nicht abonniert hat. Leute, es ist keine Wissenschaft. Wenn du die Glocke hier unten rechts unter diesem Video drückst, hilft das dem Bibelfitdienst. Wegen des YouTube-Algorithmus unterstützt das grundsätzlich christliche Beiträge, insbesondere tendenziell eher bibeltreue christliche Beiträge, in diesen sozialen Medien.

Es gibt keinen Nachteil für dich. Mit zwei Fingerbewegungen kannst du helfen, dass die beste Botschaft der Welt in unserem Land verbreitet wird – und das anonym.

Mein Eindruck ist, dass viele Menschen in der Gesellschaft etwas fordern, erwarten oder hoffen, was sie so ausdrücken würden: „Das wäre mir lieber, wenn das Christentum so wäre.“ Gemeint ist damit ein Christsein ohne Kosten. Ein Christsein, das nichts kosten soll, weder die Christen noch die Menschen, die sich daran beteiligen. Ein Christsein, das keine Nachteile oder negativen Konsequenzen hat.

Was sagt Jesus Christus dazu? Er sagt: Ist es nicht so, wenn einer von euch einen Turm bauen will, dann setzt er sich zuerst hin und berechnet die Kosten. Er überlegt, ob er in der Lage ist, das Vorhaben auch bis zum Ende durchzuführen. Sonst könnte es geschehen, dass er zwar das Fundament gebaut hat, aber nicht in der Lage ist, es zu Ende zu bringen.

Dann würden alle, die ihm dabei zugeschaut haben, ihn verspotten und auslachen. Sie würden sagen: „Dieser Mann hat angefangen, etwas zu bauen, kann den Bau aber nicht zu Ende bringen.“

Ja, fragt mal verfolgte Christen, was sie dazu sagen würden, ein Christsein ohne Kosten.

Die Bedeutung von Buße, Umkehr und Nachfolge

Meine Frau hat dazu etwas Kluges gesagt. Sie bringt es so auf den Punkt:

Als ein bisschen drastisches, aber wahres Beispiel: Wenn du zum Beispiel christlich aufgewachsen bist, bist du streng genommen immer noch ein Nichtchrist, bis du einsiehst, dass du ein Sünder bist und nur durch Jesus gerettet werden kannst. Das ist der Schritt der Buße und Reue.

Auch wenn du dann freigesprochen bist und diesen Status nicht mehr verlieren kannst, darfst du hier nicht aufhören. Zum Christsein gehören nämlich nicht nur Buße und Reue, sondern auch Umkehr und Nachfolge.

Das bedeutet, dass du nicht so weiterlebst wie bisher. Du tust keine Dinge mehr, die Gott schlecht findet. Ganz praktisch heißt das auch, dass es Bereiche geben wird, in denen sich dein Verhalten von dem deines nichtchristlichen Umfeldes unterscheidet. Das braucht Mut, aber genau das ist der Faktor Nachfolge.

Um ein Beispiel zu geben, wie untrennbar diese Aspekte sind – und das ist sehr wichtig zu verstehen: Eine Gemeinde, die wir kennen, stellt ihren Täuflingen vor der Taufe zwei Fragen. Diese gebe ich jetzt sinngemäß wieder.

Die erste Frage lautet: Glaubst du, dass dir deine Sünde vergeben werden kann und dass Jesus stellvertretend für dich am Kreuz gestorben ist? Das ist der Bereich Buße und Reue, dem man dann zustimmt.

Jetzt Achtung: Die zweite Frage lautet: Versprichst du, Jesus bis an dein Lebensende nachzufolgen und niemals aufzuhören, dich nach Jesus auszustrecken?

Diese zweite Frage finde ich total berechtigt. Ohne sie sollte man auch nicht getauft werden, denn sie betrifft den Bereich Umkehr und Nachfolge.

Amen, hundertprozentige Zustimmung zu dem, was du gerade gesagt hast. Das ist auch total biblisch und vollkommen neutestamentlich.

Christentum in Mitteleuropa: Gewohnheit und falsche Erwartungen

Deshalb ein Zwischenfazit: Ich glaube, das grundlegende Problem, das all dem zugrunde liegt, ist das Christentum. Für uns Mitteleuropäer ist das Christentum etwas, an das wir uns so sehr gewöhnt haben, dass es einfach da ist und schon immer da war. Das führt dazu, dass wir eine andere Erwartungshaltung haben als bei anderen Religionen und Glaubensrichtungen.

Zum Beispiel Hinduismus, Bahaismus oder teilweise der Islam – das sind für manche Menschen in Mitteleuropa noch relativ neue Dinge. Dort ist vieles fremdartig, und von außen sieht es auch ganz anders aus. Man sieht die Tempel, die Moscheen und so weiter. Man sieht, wie manche Leute sich kleiden und welche Alltagsregeln sie befolgen. Da würde man gar nicht auf die Idee kommen, Fragen zu stellen wie die WDR-Journalistin.

Das stimmt, die Hillsong Church verkauft sich total jung und cool, und das macht sie auch sehr gut. Aber das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie trotzdem die gleichen konservativen Ansichten hat wie alle großen christlichen Weltkirchen. Die Erwartungshaltung dieser Journalistin ist etwa so: "Na ja, wenn das Christentum von außen so aussieht wie die Gesellschaft, dann wird es schon so sein, und das erwarte ich auch."

Das ist aber nicht so. Das Christentum ist keine westliche Weltanschauung. Es ist auch kein bestimmter Anstrich, den wir ihm geben, so wie ein winzig kleiner Teil der Menschheit beschlossen hat, seit ein paar Jahren zu leben. Vielmehr ist das Christentum eine orientalische Religion, die mit dem übernatürlichen Eingreifen einer persönlichen Gottheit rechnet.

Das sind die religionswissenschaftlichen Eckdaten. Zwischen diesen beiden Dingen – der westlichen Kultur und dem, worum es uns im Neuen Testament geht – liegen teilweise Welten. Es sind Ozeane, so weit ist das auseinander. Deswegen wird ein zeitloser Gott niemals zeitgemäß sein.

Das schauen wir uns nächste Woche an.