Einführung in die überraschende Zurückhaltung Jesu zum Glauben
Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist. Episode 385: Gelebte Nachfolge, Teil 5.
Wenn ich mich mit den Lehren Jesu auseinandersetze, gibt es einen Punkt, der mich immer wieder überrascht. Es ist der Umstand, dass Jesus so wenig über die Wichtigkeit des Glaubens spricht.
Wenn der Kerkermeister in Philippi fragt: „Ihr Herren, was muss ich tun, damit ich gerettet werde?“, dann ist die Antwort ganz einfach: Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst gerettet werden.
Doch wenn Jesus über das ewige Leben spricht, fordert er meines Erachtens viel zu selten zum Glauben auf. Oder er tut es auf eine für mich überraschende Weise, so wie hier beim Thema Nachfolge.
Natürlich redet Jesus auch hier über Glauben. Er nimmt das Wort zwar nicht in den Mund, aber die Nachfolge, über die er spricht, ist ein Produkt des Glaubens – des Vertrauens in die Worte Jesu.
Ich folge Jesus, weil ich an das glaube, was er sagt. Mich selbst verleugnen, mein Kreuz aufnehmen, mein Leben verlieren – all das tue ich, weil ich Jesus glaube und seine Warnung ernst nehme. Und diese Warnung klingt so in Matthäus 16, Verse 25-27:
Die Bedeutung von Nachfolge und das kommende Gericht
Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren, wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, wird es finden.
Denn was wird es einem Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewönne, aber sein Leben einbüße? Oder was wird ein Mensch als Lösegeld geben für sein Leben?
Denn der Sohn des Menschen wird kommen in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln. Und dann wird er jedem nach seinem Tun vergelten.
Halten wir erst einmal fest, was Jesus hier zum Schluss sagt. Er spricht davon, dass er wiederkommt, und zwar in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln. Dann wird er jeden Menschen nach seinen Taten richten.
Das wird der Moment sein, in dem klar wird, wer in der Nachfolge stand und wer nicht.
Wenn ihr genau zugehört habt, sind euch die drei „Denn“ aufgefallen.
Wir sollen Jesus nachfolgen, weil nur der ewiges Leben finden kann, der bereit ist, sein irdisches Leben zu verlieren. Weil es mich mein ewiges Leben kostet, wenn ich die Welt gewinne. Und weil der Sohn des Menschen, also Jesus selbst, als Richter wiederkommen wird.
Nachfolge ist absolut logisch, weil sie mir ewiges Leben sichert, weil es dazu keine Alternative gibt und weil diese Welt auf ein Gericht zuläuft, dem kein Mensch entfliehen kann.
Die Verbindung von Glauben und Werken in der Nachfolge
Kommen wir zum Anfang dieser Episode zurück. Warum spricht Jesus hier, wenn er zu seinen Jüngern redet, nicht vom Glauben? Warum heißt es hier nicht: „Dann wird er einem jeden vergelten nach seinem Glauben“?
Die Antwort ist: Der Glaube wird nur im Tun sichtbar. Es gibt keinen vom Tun losgelösten Glauben, so wie Jakobus das ausdrückt. In Jakobus 2,17 und 2,26 heißt es: „So ist auch der Glaube, wenn er keine Werke hat, in sich selbst tot. Denn wie der Leib ohne Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne Werke tot.“
Wer sich hinstellt und nur sagt, dass er an Jesus glaubt, glaubt noch nicht wirklich. Glaube wird sichtbar in dem, was wir tun. Deshalb definiert Paulus rettenden Glauben als einen durch Liebe wirksamen Glauben.
Im Hebräerbrief erben nur solche die Verheißungen, in denen – wie bei Abraham – Glaube und Ausharren eine Einheit bilden.
Da Glaube nicht gleich Glaube ist, prüft Gott unseren Glauben und erzieht uns wie Söhne.
Aber kommen wir zurück zu unserer Stelle: Weil Jesus als Richter in göttlicher Herrlichkeit wiederkommen wird, müssen wir uns auf diesen Moment vorbereiten. Und die beste Vorbereitung ist aktive Nachfolge.
Die Konsequenzen des Schämens vor Jesus und seinen Worten
Und noch etwas Spannendes steht in Markus 8,38: "Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt unter diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Sohn des Menschen schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln."
Wenn wir uns fragen, worin das Gegenteil von Nachfolge besteht, was wir tun müssen, um das ewige Leben zu verlieren, wie es beginnt, dass wir die Welt gewinnen und uns selbst dabei verlieren, dann lesen wir hier, dass es diejenigen betrifft, die sich meiner und meiner Worte schämen.
Wenn Glaube ein ganzes Ja zu den Worten Jesu ist, dann fängt Unglaube dort an, wo ich mich für das schäme, was Jesus gesagt hat. Diese Scham kann sich ganz unterschiedlich zeigen. Hier sind drei Möglichkeiten:
Eine Möglichkeit ist Schweigen. Ich glaube zwar an Jesus, aber ich sage es niemandem. So sinnvoll es manchmal sein kann, den Mund zu halten, gibt es auch Momente, in denen man genau weiß, dass man hätte reden sollen, sich aber nicht traut, weil man sich schämt. Man schämt sich, weil man nicht als rückständig oder intolerant wahrgenommen werden will. Lasst uns eines nicht vergessen: Ja, unser Glaube ist alt, aber nicht veraltet. Deshalb formuliert Paulus auch: "Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht."
Eine zweite Möglichkeit, wie sich Scham ausdrücken kann, ist das Intellektualisieren. Das ist für mich die fieseste Art des Schämens, weil sie den Betroffenen oft kaum bewusst ist. Beim Intellektualisieren geht es darum, dass ich zwar weiß, was Jesus gesagt hat, aber Gründe finde, um das Gesagte nicht ernst zu nehmen.
Diese Gründe können sein: Ich halte die Worte Jesu für zeitgebunden. Was er sagt, ist nicht ewig, sondern gilt nur für die damalige Zeit. Jede Zeit, also der Zeitgeist, kann dann damit machen, was sie will. Oder ich behaupte, dass nur ein Teil der Aussprüche Jesu, die uns der Heilige Geist durch die Hand der Evangelienschreiber überliefert hat, tatsächlich von Jesus stammen. Den Rest hat sich die Gemeinde ausgedacht. Und dieser Rest ist dann natürlich nicht verbindlich.
Oder ich schaffe ein theologisches Modell, in dem die Worte Jesu nicht an die Gemeinde gerichtet sind. Sei es, dass man Jesus als Vertreter des Alten Bundes sieht oder dass man die Gemeinde nur als eine eingeschobene Größe betrachtet, einen Plan B, der mit Jesus fast nichts zu tun hat.
So, jetzt haben wir Schweigen, Intellektualisieren, und es gibt natürlich noch die Anpassung. Ich will nicht negativ auffallen und kritisiert werden. Also passe ich mich im Verhalten und in meinen Äußerungen an. Ich unterdrücke meine Überzeugungen und mache mit, bis dahin, dass ich sogar den Kontakt zu anderen Christen oder zum Gottesdienst meide, um nicht schlecht dazustehen.
Aber Vorsicht: Wenn wir uns schämen, wird sich Jesus auch für uns schämen. Wenn wir Angst haben, uns zu seinen Worten zu stellen, dann wird er sich nicht zu uns stellen.
Umgang mit Scham und die Hoffnung auf Gottes Urteil
Und jetzt stellt sich sofort die Frage: Heißt das, dass diese Leute, die sich schämen, verloren gehen?
Meine Antwort darauf wäre: Überlassen wir dieses Urteil ruhig dem Richter. Er kennt die Herzen. Er weiß, dass die Verleugnung des Petrus ein Ausrutscher war, während die Verleugnung des Judas ein Ausdruck seines Unglaubens war.
Jesus kennt die Herzen und wird jedem nach seinem Tun vergelten. Lasst uns einfach treu nachfolgen.
Denn eines ist ganz klar: Wenn wir ihm folgen, wenn unser Leben sich um seine Ziele dreht und wenn wir täglich neu die Entscheidung treffen, nichts mehr vom Leben zu erwarten, dann werden wir offen sein für den Weg, den der Herr Jesus uns führen will.
Er wird uns ans Ziel bringen. Und weil unser Glaube echt ist, werden auch unsere Taten ein klares Zeugnis für unseren Glauben ablegen.
Persönliche Reflexion und Abschluss
Was könntest du jetzt tun? Frag dich ganz ehrlich, wo und wie du in Gefahr bist, dich der Worte Jesu zu schämen. Gibt es bei dir Schweigen, Intellektualisieren oder Anpassung?
Das war's für heute. Es lohnt sich wirklich, nicht nur die Episode zu hören, sondern am selben Tag auch das Skript zu lesen.
Der Herr segne dich. Erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
