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Jesus und die Schuldigen

Johannes 8,1-1115.11.1998
Jesus stellt die eigentliche Frage: Wer darf über Schuld urteilen? Am Ende zählt nicht der Stein, sondern Vergebung – und der Mut, neu anzufangen.

Einleitung und biblische Lesung

Wir lesen Johannes 8. Durch Versehen war es nicht abgedruckt. Die Textstelle Johannes 8, die Verse 1 bis 11:
Jesus aber ging zum Ölberg. Und frühmorgens kam er wieder in den Tempel, und alles Volk kam zu ihm. Und Jesus setzte sich und lehrte sie.
Aber die Schriftgelehrten und Pharisäer brachten eine Frau zu ihm, beim Ehebruch ergriffen, und stellten sie in die Mitte. Und sie sprachen zu Jesus: Meister, diese Frau ist auf frischer Tat beim Ehebruch ergriffen worden. Mose aber hat uns im Gesetz geboten, solche Frauen zu steinigen. Was sagst du?
Das sagten sie aber, um ihn zu versuchen, damit sie ihn verklagen könnten. Aber Jesus bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde. Als sie nun fortfuhren, ihn zu fragen, richtete Jesus sich auf und sprach zu ihnen: Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie. Und Jesus bückte sich wieder und schrieb auf die Erde.
Als sie aber das hörten, gingen sie weg, einer nach dem anderen, die Ältesten zuerst. Und Jesus blieb allein mit der Frau, die in der Mitte stand. Jesus aber richtete sich auf und fragte sie: Wo sind sie, Frau? Hat dich niemand verdammt?
Sie sprach: Herr, niemand.
Und Jesus sprach: So verdamme ich dich auch nicht; geh hin und sündige hinfort nicht mehr.

Wenn eine Predigt plötzlich unterbrochen wird

Den Tipp brauche ich Ihnen jetzt nicht zu geben: So kann man den feierlichsten Gottesdienst platzen lassen.
Stellen Sie sich noch einmal vor: Jesus saß im Tempel, vermutlich in der Halle Salomos, unter den herrlichen, hohen, fünfundzwanzig Meter hohen Säulen. Die Menschen drängten sich und hörten zu, wie Jesus das Bibelwort auslegte. Und plötzlich starrten alle nur noch auf die Mitte.
Da haben die frommen Bibelleute diese Frau hergeschleppt. Und plötzlich ist all das, was Jesus lehrt, gar nicht mehr wichtig. Denn mitten in der Debatte, mittendrin, geht es um einen ganz konkreten Fall. Auf frischer Tat ertappt, ja, vermutlich haben sie die arme Frau noch aus dem Bett gerissen. Sie hat noch das Nachthemd an und aufgelöste Haare. Die sahen sie wohl mit Gewalt so auf den Tempel schleppen. Männer können grob zupacken. Und so stehen sie da, und alle starren und wollen eine Antwort wissen.
Das ist ein Problem. Wie sagt doch einer dieser Tage: Das ist eine vertrackte Situation, das ist ein Dilemma. Wie man es auch macht, immer wird es falsch. Wer will denn da eine richtige Antwort geben? Da kann man nächtelang darüber diskutieren.
Und Sie kennen das auch aus Ihrem Glaubensleben, dass man sich so viele praktische, konkrete Fragen stellen kann. Man kann dies und das sagen, aber man kommt nicht mehr richtig klar. Wie ist das eigentlich mit der Gerechtigkeit, und wie ist das mit der Gnade? Wie vereint sich das miteinander? Ist da eigentlich ein Widerspruch?
Man steht ja im Evangelium, dass das Ganze nur eine Falle war. Sie wollten Jesus schäbig hereinlegen, es war ein Trick. Was Jesus auch sagt, es wird ihm zur Anklage gereichen. Sie wollten nur eine Sache gegen Jesus haben, einen Beweis.
Man kann manchmal in den Glaubensdiskussionen komische Absichten verfolgen, vielleicht gesteht man sich selber gar nicht ein. Die Bibel sieht so klar, was dahintersteht, oft hinter unseren Fragen.
Wenn man diese Geschichte sieht, dann muss man sich freuen. Wir mögen oft ratlos und um Antworten verlegen sein, aber Jesus kann man nicht hereinlegen. Er bleibt am Ende der, der das lösende Wort spricht.
Jesus ist so überlegen, und es ist ja immer schade, wenn wir so einen Bibeltext aus dem Zusammenhang herausreißen. Denn da kommt ja gerade der nächste Vers, da heißt es: Ich bin das Licht der Welt. Ach, und was für ein Licht! Er leuchtet in alle Dunkelheit hinein, in alle verzwickten Fälle.
Es gibt bei Jesus keine Unklarheiten mehr, es gibt keine Rätsel mehr und keine Fragen, die nicht Jesus beantworten kann. Er macht die Finsternis Licht, und was auch an tollen Ideen ausgesponnen wird, von Lästern und Spöttern, oder ob das Fromme und Diskutierwütige sind oder Heuchler oder Sünder: Wer das ist, Jesus wird noch mit allen fertig.
Da brauchen wir uns gar keine Sorgen zu machen, wie kompliziert und schwierig der Fall auch sein mag.

Jesus bringt kritische Fragesteller zum Fragen

Jetzt gehen wir einmal der Reihe nach vor. Das Erste, was ich beobachte, und das ist das Erste im Verlauf dieser Geschichte: Jesus bringt kritische Fragesteller zum Fragen. Jesus bringt kritische Fragesteller zum Fragen.
Die waren ja ihrer Sache ganz sicher, wenn sie gar keinen Beweis mehr brauchten. Wahrscheinlich kamen sie gerade dazu und haben alles gesehen. Darum war in der Sache nichts mehr zu deuteln. Und das ist bis in unsere Tage hinein ein spannungsvolles Feld. Die Beziehung zwischen Mann und Frau, es gibt noch andere spannungsvolle Felder, das Problem der Wahrheit, der Umgang mit Geld und unrechtem Gut, es gibt Spannungsfelder. Wie wird sich Jesus in diesem Spannungsfeld verhalten?
Sie waren sich ganz sicher: Jetzt kann Jesus uns nicht mehr ausweichen. Denn damals muss man wissen, im Judentum war die neue Moral des Hellenismus, die eine sehr freizügige Moral war, in Jerusalem mit Macht hereingebrochen. Es hat die Menschen damals gespalten, wie in unserer Zeit. Alle alten Ordnungen waren für einen Teil des jüdischen Volkes aufgerüstet, wenn man nur denkt an den König Herodes, dem war doch alles Wurst, was im Gesetz stand.
Und was soll Jesus jetzt antworten? Mir fällt auf, dass Jesus überhaupt nichts antwortet, dass sie so überlegen, weil Jesus sich nicht terrorisieren lässt von Menschen. Und Jesus fällt uns auch nicht auf die Nerven mit Predigen. Wir hätten so viel zu sagen, bei uns geht gleich der Mund auf. Ob wir es nicht lernen müssten, mehr zu schweigen?
Darum bückt sich Jesus auf den Boden und malt da irgendetwas auf den Boden, als ob ihm das alles nichts anginge. Nicht, weil Jesus uninteressiert wäre an Menschen, sondern weil Jesus genau unterscheiden kann, was echte und was künstliche Fragen sind. Beim Diskutieren oft auch so: Viele sind nur künstlich konstruierte Probleme. Und Jesus will keinen Schlagabtausch in der Diskussion, nicht dieses Hin und Her, wo man sich befriedigt zurücklehnen kann und sagen kann: So ist es nun auch wieder, der eine hat Recht und der andere hat Recht. Müssen Sie wissen für Ihre Fragen.
Jesus nimmt erst Stellung, wo es um das wirkliche Problem geht, nicht um die vorgeschobenen Probleme. Und was ist das Problem in der ganzen Geschichte? Es ist ja von den Tagen Jesu an, ja schon lange davor bis in unsere Tage hinein, der Irrtum, dass man meint, man könne das Böse besiegen, wenn man bloß will. Das glauben Sie doch auch immer wieder. Es ist ja uns mit der Kultur mitgegeben. Man muss sich bloß anstrengen, man muss die Kinder richtig erziehen, dann klappt das irgendwie.
Ganz Deutschland spricht ja über den Mehmet, aber das ist nicht ein türkisches Problem, nun, bei dem ist es ein bisschen drastisch. Aber in Düsseldorf gibt es ja einen, der unter 14 Jahren schon 400-mal straffällig geworden ist. Wenn Sie das einmal sehen, dann sagen Sie: Ich bin ja besser, bei mir ist das nicht so ein Problem, ich habe schon auch ein paar Probleme. Sie können in ihrem Leben mit den Schwierigkeiten gar nicht ankämpfen.
Das meint man ja so leicht in den Kreisen der Frommen, dass man sagt: Ja, wir haben uns nur gemüht. Aber wenn sie einmal anfangen, mit einem gefallenen Menschen zu reden, dann merken sie, dass gar nichts hilft, nicht einmal das Rübe-ab-Todesurteil. Es hilft auch nichts. Damit kriegen sie das Böse auch nicht raus, sie können nur Schrecken verbreiten.
Wie kann man eigentlich das machen, dass Menschen befreit werden aus Verstrickungen dunkler Mächte? Was kann man denn da tun? Das Problem interessiert Jesus. Und erst als diese Kritiker Jesus immer rabiater drängen und sagen: Du musst schon antworten, du darfst nicht kneifen, sei nicht so feige und wage eine Antwort, da sagt Jesus ein Wort. Und das muss man jetzt ganz genau einmal ansehen, was er sagt.
Ich sehe das durch die ganze Bibel hindurch, wie eben nie mit dem Holzhammer gesprochen wird, wenn es um die Sünde von Menschen geht. Das behaupten wir immer wieder: Man kann doch nicht Menschen so behandeln. Das hat Jesus nie getan. Jesus sah Menschen an und ließ sie seine Liebe spüren, gerade wenn es gefallene Menschen sind. Wie weise geht der Nathan vor! Das kann er nur bei Gott lernen, dass keine noch so harte Keule einen Menschen zur Besinnung bringen kann, sondern bloß der Geist Gottes.
Und gerade bei Nathan war es sehr interessant, dass David sich selbst das Urteil spricht. Nur das hat er akzeptieren müssen. Und unsere Welt heute ist grausam. Auch die ganz gottlose Welt um uns her, die ist ganz grausam. Da können Sie in Zeitungen und Fernsehnachrichten gucken, wie man immer Schuld zuweist: Die sind schuld. Und wenn eine Flut kommt, dann muss irgendjemand schuld sein. Wenn ein Schiff untergeht, dann muss irgendjemand schuld sein. Dann muss ein Flugschreiber geborgen werden. Wir wollen den haben, der schuld ist, den Schuldigen. Dann kann man wieder beruhigt sein: Wir haben den Schuldigen gefunden.
Und dann sagt Jesus diesen Satz: Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Der Satz ist eigentlich gar nicht sehr glücklich. Darf ich Sie mal darauf hinweisen? Denn die Männer hätten ja sagen können: Jesus, das war klar, auch Mose war nicht sündlos, dann kann ja niemand richten. Der Satz an sich ist gar nicht überzeugend. Das Merkwürdige ist: Wenn Jesus etwas sagt, waren plötzlich Menschen überführt. Und das Wunder, das kann Jesus. Ich kann es nicht, aber Jesus kann es. Er kann Menschen überführen, dass sie plötzlich ihre Schuld sehen und plötzlich merken: Ich trage einen Balken in meinem Auge, und das andere ist ein Splitter. Das kann bloß Jesus machen.
Und jetzt verstehen Sie, warum Jesus nicht viele Worte macht, das Geheimnis der richtigen Seelsorge, dass man Vollmacht habe, im entscheidenden Moment einen Satz zu sagen, den der Geist Gottes bestätigt und im Herzen eines Menschen das wirkt, dass einer überführt wird. Es interessiert uns ja immer: Was macht man denn, wenn man da plötzlich um Rat gefragt wird bei einer ganz schrecklichen, verstrittenen Ehe? Probieren Sie es! Wenn Sie alles sagen, aber Einsicht, auch bei frommen Leuten, ist um aller schwierigsten Einsicht zu gewinnen.
Was habe ich mit Menschen gesprochen und gesagt, die besonders zueinander der Kirche waren: Was sie tun, ist Sünde gegen den lebendigen Gott, gegen sein Wort. Da hat man nichts vorzuwerfen, sie können reden, was sie wollen. Wenn es der Geist Gottes nicht bekräftigt, ist es nicht anders, wenn sie mit einem Drogensüchtigen reden oder sonst mit einem gescheiterten Menschen, gebunden in dunkle Mächte. Und bei ihnen selber ist es so, wenn wir in der Lüge leben. Was Jesus kann, uns überführen.
Jesus bringt kritische Fragesteller ins Fragen. Das ist wunderbar, wenn die Diskussionen plötzlich nicht mehr theoretisch laufen, sondern wenn plötzlich darüber gesprochen wird, über Schuld. Der Einzige, der für Gottes Recht eintreten kann, das ist Jesus, der ohne Sünde ist.

Die eigentliche Not hinter dem Streit

Und jetzt kommt mein nächster Punkt: Die Geschichte ist ja noch nicht zu Ende. Wie löst Jesus das größte Weltproblem?
Also, was ist jetzt das größte Weltproblem? Ich nenne einmal aktuelle Probleme, und ich will sie nicht verharmlosen. Manche meinen, ich sei nicht richtig grün, doch der CO2-Ausstoß ist ganz schlimm. Es ist ein großes Weltproblem. Oder der Atommüll ist ein ganz großes Weltproblem.
Es geht bloß darum, dass ich sage: Es gibt ein Problem, das noch größer ist als der Abgasausstoß und noch größer als der Atommüll. Was denn? Meine Schuld! Darunter leiden Menschen. Das verstrahlt und vergiftet meine Umgebung, und die schöne Welt Gottes wird zu einem Todesland.
Ich will die anderen Dinge gar nicht verharmlosen, sondern das schlimmste Problem nennen: Warum unser Leben oft eine Hölle ist. Das ist so, weil wir uns gegen Gottes Gebot versündigen, weil wir nicht Menschen der Liebe sind, weil wir ichbezogene Leute sind, voller Zorn und Leidenschaft, und weil wir böse Gedanken haben. Da kann man alles aufzählen.
Was ist das größte Problem? Gehen wir noch einmal zu dem Gebiet zurück. Ich will es heute nicht zu breitreden, weil Sie genügend Fantasie haben, sich das dann dazu noch auszumalen. Es taucht nicht für die Predigt auf. Aber es ist zu allen Zeiten so gewesen, dass der Schutz von Mann und Frau im Gebot Gottes eindeutig nicht nur geregelt war und geregelt bleibt.
Und Jesus verschärft das Gesetz Moses ja noch deutlich, indem er schon in unsere Gedankenwelt eindringt. Ihr Männer, ihr Frauen, da wollen wir gar nicht darüber reden, was sich in unseren Gedanken Unheimliches verbirgt. Wir spüren ja immer wieder: Das sind Mächte mit einer ungeheuren Sogkraft. Und was in unserer Zeit so schlimm ist, ist, dass das Mächte sind, die gleichzeitig von allen Seiten auf uns eindringen. Sie sind auch kapitalisiert und kommerzialisiert. Das ist ja längst ein Gewerbe geworden. Man kann ja gar nicht mehr ausweichen, ob man eine Zeitschrift durchblättert oder fern sieht oder überall: Es stürmt ja in uns hinein.
Was hat denn Gott gewollt mit seinem Gebot? Er wollte die Würde des Menschen schützen. Und das wird in unserer sogenannten neuen Moral mit Füßen getreten und zerstört. Das Herrlichste, die Liebesbindung von zwei Menschen, die sich an der Hand fassen und sagen: Solange wir in dieser Welt leben, kann niemand unsere Liebe lösen. Doch, die Sünde kann sie lösen, im Nu.
Und deshalb hat Jesus an der Tat dieser Frau gar nichts beschönigt. Deshalb gehen viele Bibelausleger völlig falsch an die Sache heran, die so geschwind lesen und sagen: Jesus war ja auch ganz liberal. Der hat ja gar nicht danach gefragt, da hat er die Frau einfach freigesprochen. Das hat er nicht getan.
Jesus hat oft zu diesem Gebiet und zu den verschiedenen ethischen Bereichen ganz eindeutig Stellung genommen. Und wenn Sie sich selber einreden, das sei heute anders, wissen Sie genau, was Sie tun. In der Ordnung Gottes ist die Ehe und alles, was damit zusammenliegt, eindeutig geregelt.
Aber das tut Jesus: Er sieht den Menschen, der gefallen ist, und er löst ihn von dem, was niemand sonst kann, was auch kein Gesetzeseifer kann, was auch kein frommer Ideologe kann. Er löst einen Menschen heraus. Jesus sieht einen Menschen an, wenn er die Schuld wegstreift. Er liebt den Sünder und nicht die Sünde, sagt man ja immer wieder ganz richtig.
Die Schuldverstrickung ist deshalb so wichtig, weil erst bei Jesus das überhaupt möglich wird, dass man sein Leben wieder anders ansieht. Das ist ja das Trügerische. Ich sage das zu den jungen Leuten: Dass euch vorgegaukelt wird, als ob irgendeine Sünde euch nur ein Stückchen glücklich machen könnte. Lasst das alte grauhaarige Leute euch sagen: Irgendeine Sünde kann euch vielleicht Sekunden von Sinnenrausch geben, aber mehr nicht. Sie kommen belastet mit Sünden und unbefriedigt zurück. Das ist unsere Lebenserfahrung.
Für junge Menschen ist es immer schwer, aber sagen Sie einem, wo wir selber ausprobieren. Es gibt keine einzige Sünde, die sich auszahlen würde, keine einzige. Uns ist gut, dass im Wort Gottes alles klipp und klar drinsteht, nicht nur von der Ehe, sondern auch von der Unreinigkeit und von der Unzucht und allem, was drinsteht, auch von unserem falschen Reden und von unreinen Reden.
Aber das war nicht das Thema Jesu, weil das unser Gewissen uns ja im entscheidenden Moment bezeugt. Wenn Jesus redet, müssen wir ihm ja recht geben. Wir können uns in den Diskussionen nicht immer recht geben. In unserer gottlosen Zeit wollen wir nicht recht geben, weil alle Leute um uns herum anders reden. Dann haben wir oft nicht den Mut, uns gegen den Strom zu stellen.
Jesus sieht diese Frau, und was tut Jesus? Das ist gewaltig. Er spricht ihr in einem Nu Vergebung ihrer Schuld zu. Und jetzt müssen wir sagen: Geht das gut? Fällt die Frau nicht wieder in ihre alten Sachen zurück?
Übrigens, wir haben die Männer ja ganz vergessen. Wo sind die Männer geblieben? Im Mosegesetz stand natürlich drin, dass Mann und Frau gesteinigt werden. Aber wissen Sie, die Männer, die sind immer geschickter. Wahrscheinlich waren die schneller weg, als sie kamen. Oder waren es ihre Väter, die da gekommen sind? Die Männer sind immer wieder geschickter. Oder hatten sie Rang und Namen, oder haben sie Bestechungsgeld bezahlt. Am Ende erwischt es immer die Ärmsten.
Aber das, was hier so großartig ist, ist, wie Jesus dieser Frau Vergebung zuspricht. Warum spricht er ihr die Vergebung so einfach direkt zu? Weil die Vergebung ein Leben revolutioniert. Was die Keule des Gesetzes nicht kann, was die schärfsten Kritikerworte nicht können, kann die Vergebung. Denn plötzlich sieht man: Die Sünde hat mich betrogen. Die Verführung war ja ein Bluff, bringt doch gar nichts.
Im Jakobusbrief steht ein schönes Wort drin: Wer durchschaut ins vollkommene Gesetz der Freiheit, wer einen Durchblick hat, was Leben ist, der wird sagen: Der Teufel zahlt immer mit Falschgeld und hat noch nie einen Menschen befriedigt, noch nie. Mit einer Sünde sieht es immer so verlockend und so schick aus. Und dabei ist nichts weiter als Betrug und belastetes Gewissen, ein Zentnerlast auf dem Gewissen.
Wo erkennt man denn die Liebe Jesu und wessen unter seinem Kreuz, wo Vergebung ist? Darum wollen wir Vergebung predigen. Auf das große Risiko hin, dass einer sagt: Da kann man ja Schindluder mit treiben. Wer wirklich sieht, was Jesus für uns bezahlt hat, den Preis, den er für uns gegeben hat, der kann keinen Schindluder mehr treiben. Der wird sein Leben in der neu geschenkten Freiheit leben und sagen: Jetzt will ich einmal richtige Liebe leben, nicht diese falsche, die mich nur enttäuschen muss und die nicht befriedigen kann.

Freiheit, Umkehr und die Kraft des Evangeliums

Jetzt habe ich noch einen letzten Punkt angeklärt. Sie verstehen, warum ich Skidrow will. Zuerst einmal, wie Jesus die kritischen Fragen ins Fragen bringt und dann, wie Jesus das grösste Weltproblem löst.
Das grösste Weltproblem: Wie kann ich einen gebundenen Suchtabhängigen freimachen? Können Sie alle Dämonen austreiben, können Sie Bücher zum Lesen geben und ihm zeigen, was seine Gesundheit darunter ruiniert hat? Alles kein Wert! Er wird erst frei werden können, wenn er in die Augen Jesu blickt: Für dich habe ich mein Leben gegeben. Von nun an macht Jesus einen Einschnitt: Sündige hinfort nicht mehr. Da kann man das einfach lassen, man kann es natürlich lassen, in einem Nu, wenn Jesus uns frei macht. Und das steht ja drin in diesem Kapitel 8: Wenn euch der Sohn frei macht, dann seid ihr richtig frei. Vers 36: Wenn euch der Sohn Gottes frei macht, so seid ihr richtig frei!
Jetzt noch das Letzte: Jesus ringt um uns. Es ist immer so eine Gefahr, dass man so Bibelgeschichten liest und dann natürlich ganz schnell bei der Hand ist. Und so wie diese Bibelfrommen da auch damals diese Ehebrecherin schleppen, so schleppen wir jetzt die Bibelfromen, diese Pharisäer, was das für komische Leute waren. Und man sieht sich selber nicht, dass Jesus um uns ringt. Diese Gesetzeseiferer damals, die waren wenigstens ehrlich. Die liefen weg, wären sie weggelaufen, die haben sich überführen lassen. Lassen wir uns überführen von unserer Sünde. Jesus, der Einzige, der hätte den Stein werfen können, er wirft keinen Stein. Er ist das Lamm, welches der Weltsünde wegträgt. Und er hat immer wieder das ganze Johannesevangelium, es ist ganz drastisch da. Da steht es ja gerade im ersten Kapitel mit dem Lamm, wie er darauf zugeht und meine Sünde tragen will.
In diesem Kapitel 8, wenn wir noch mal weitersehen, da heisst es im Vers 21, Sie haben ja die Bibel vorliegen, da spricht Jesus: Wir sollen nicht sterben in unserer Sünde. Im Vers 24: Ich habe das alles euch gesagt, sonst werdet ihr sterben in euren Sünden. Also das Allerschlimmste, wenn man nicht Busse tut und nicht umkehrt und raustritt aus der Sünde.
Und jetzt geht es um uns. Jetzt will ich zu Ihnen reden und Ihnen im Namen Gottes sagen: Es ist eine Entscheidung, die für jeden von uns heute eine Dringlichkeit hat. Die Felder mögen ganz verschieden sein, wo sie drinstecken. Ich will raus, ich will das loslassen, in Jesu Namen. Ich will von seiner Vergebung her einen Einschnitt machen, von nun an. Wenn er sagt: Ich bin das Licht der Welt, er möge ihnen in ihrem Leben heute die Klarheit geben, die sie brauchen, vor dem Richterstuhl Christi. Wo ist in meinem Leben Umkehr, Busse nötig, Erneuerung, Heiligung, Reinigung meines Wesens?
Und eine Frage: Wie gehen wir mit geistlichen Defiziten um, wenn wir bei uns sehen, dass in der Nähe einer sich versündigt? Wie heisst da: helft ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, Galater 6, weil er doch geistlich sei. Nicht die Entrüstung, das Betroffensein, das Mitleiden mit einem Bruder und mit einem Freund, wenn er sündigt. Sünde ist nimmer das Thema, sondern die Kraft Jesu, der lösen kann.
Unsere Generation heute ist Weltmeister auch darin, dass wir selber entscheiden, was für unser Leben gut ist. Das ist die neue Moral. Ich weiss selber, was ich in meinem Leben tue, was ich für gut finde, das braucht mir niemand ausreden. Das ist längst bei bibeltreuen Christen zur Mode geworden. Ich interpretiere die Bibel eben anders, sagen sie dann sehr schnell, das kann man nicht und darf man nicht. Sie müssen sich in ihrem Gewissen vom Wort Gottes überführen lassen und wissen, so wie David einmal gesagt hat: Meine Sünde ist immer vor mir.
Wir können so schlecht darüber reden, aber in unserem Leben ist die Last meiner Sünde eine Not, wenn ich sie nicht bei Jesus deponiere und frei davon werde. Im Juli stand in der New York Times eine Anzeige einer hübschen Frau, Anne Paul, und ich will auch dies nicht in die Breite treten, aber die hat es überschrieben gehabt. Ich habe ein paar Kopien gemacht für die, die es gerne lesen wollten. Ich habe es ausprobiert, dass die Wahrheit frei macht, denn erzählt sie von einem notvollen Leben in einer gleichgeschlechtlichen Praktik. In der Studentenzeit, wo sie sich immer wieder eingeredet hat: Es ist alles in Ordnung. Sie wurde unruhig, weil Gott mich zum ersten Mal gerufen hat, und dann sagt sie: In jedem Herzen ist da ein Loch, in das nur Gott hineinpasst. Und da hat Gott immer wieder dran gebohrt. Ich habe keinen Frieden mehr bekommen, ich habe gemerkt, der Telefonhörer war da, und ich muss mit Gott reden über diese Sache. Ich habe probiert zu brechen, ich habe es nicht fertig bekommen, bis ich vor Gott das bekannt habe, was bekannt werden muss, und sagt sie: Das Herrlichste ist doch, dass die Wahrheit frei macht. Und sie schliesst diese Anzeige mit dem Satz: Wenn Sie jemanden wirklich lieben, werden Sie ihm die Wahrheit sagen.
Raus, los, um deines Lebens Glückes willen! Jesus will Menschen glücklich machen. Er will Ihnen kein Stückchen irgendeiner Freude rauben, sondern Sie reich machen. Er will Ihnen erst Leben und überfliessende Fülle schenken, Leben und überfliessende Fülle in einer Welt, in der so viel Seufzen verbittert und mit Zentnerlasten in ihrem Gewissen herumlaufen. Wenn der Sohn frei macht, der ist richtig frei. Wenn Jesus frei macht, auf einmal sind wir Betroffene, und die ganze Geschichte ist so wichtig, dass sie im Evangelium drinsteht.
Manche haben gemeint, Sie sehen das ja an den Bemerkungen. Unter manchen haben gemeint, die gehören nicht ins Evangelium, ob die hineingehört, die brauchen wir. Das ist genau der Ton Jesu, und die brauchen wir, die brauche ich dauernd, damit ich wieder sehe, wo die grössten Probleme sind und warum die Fragen, die ich manchmal habe, nicht die wichtigsten sind, sondern dass ich das Leben heute ergreife: eine herrliche Botschaft.

Schlusswort und Zuspruch

Und dann möchte ich bloß mit dem Schließen. Wissen Sie, dass Jesus Ihnen jetzt ganze Vergebung schenken will? So einfach, wie Jesus es gemacht hat: Gehen Sie hin und sündigen Sie hinfort nicht mehr. Der Aufblick zu Jesus und das Ja: Danke, Jesus, für deine Vergebung, ist alles, gar nichts weiter.
Und dann steht über Ihrem Leben das Herrliche: Sofern der Morgen ist vom Abend, lässt er unsere Übertretungen von uns sein. Amen.