Zum Inhalt

Das mosaische Gesetz

20.07.1994
SerieTeil 3 / 5Heilsgeschichtliches Seminar
Das Gesetz zeigt dir Gottes Maßstab – und macht klar: Du schaffst ihn nicht aus eigener Kraft. Es führt nicht ins Heil, sondern zu Christus und seiner Gnade.

Einführung in das Thema und die heilsgeschichtliche Einordnung

Also die biblische Lehre von den Heilszeiten, Teil drei: das Gesetz.
Wenn wir über das Gesetz sprechen, über das alttestamentliche Gesetz, über die fünf Bücher Mose, dann meinen wir immer diesen Teil, in dem sechshundertdreizehn einzelne Gebote enthalten sind. Die fünf Bücher Mose, die Tora, das Gesetz.
Und die erste Frage, die wir uns stellen, ist: Wem war dieses Gesetz gegeben? Dieses Gesetz finden wir ja nicht gleich auf den ersten Seiten der Bibel. Gott hat dieses Gesetz nicht Adam gegeben, auch nicht Noah, auch nicht Abraham. Er hat es Mose gegeben und durch Mose dem Volk Israel. Hier war bereits das Volk entstanden.
Wir sehen, dass Gott sehr planmäßig handelt. Er hat zuerst den einen erwählt: Abraham. Dann hat er aus Abraham eine Familie werden lassen. Jakob und seine Söhne, da ist es eine Familie geworden. Siebzig Personen ziehen nach Ägypten, etwa eine Familie. Danach wird es ein Volk. Am Sinai ist es bereits ein Volk.
Jetzt, heute in der Zeit der Gemeinde, erwählt sich Gott aus allen Völkern eine Gruppe von Menschen, die Gemeinde Jesu Christi aus allen Nationen. Im tausendjährigen Reich werden alle Völker unter der Gottesherrschaft sein, und dann wird Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde machen. Wir sehen, wie Gott zielgerichtet arbeitet, von dem einen Abraham angefangen bis zum neuen Himmel und zur neuen Erde, wie sich das auffächert.
Aber zunächst wurde hier das Gesetz dem Volk Israel gegeben. Wir könnten dazu im Alten Testament viele Stellen aufschlagen, aber im Neuen Testament haben wir eine, die alle Andeutlichkeit übertrifft. Römer 9, da lesen wir das ausdrücklich, wie die Schwaben sagen, expressis verbis. Wir lesen das hier in Römer 9, Verse 3-5.
Der Apostel Paulus, Römer 9, Vers 3: Denn ich selbst habe gewünscht, verflucht zu sein von Christus weg für meine Brüder, meine Verwandten nach dem Fleisch, die Israeliten sind, deren die Sohnschaft ist, also denen die Sohnschaft gehört, und die Herrlichkeit und die Bündnisse und die Gesetzgebung.
Wem gehört sie? Israel. Den Israeliten gehört die Gesetzgebung und der Dienst und die Verheißungen, deren die Väter sind und aus denen dem Fleisch nach der Christus ist, der über allem ist, Gott, gepriesen in Ewigkeit.
Auch eine der Stellen, wo wir sehen, dass Jesus Christus Gott ist, was die Zeugen Jehovas nicht wahrhaben wollen, was die Bibel aber überall lehrt.
So, hier haben wir eine ganz wichtige Stelle. Hier steht: Wem ist die Gesetzgebung, wem gehört sie, für wen wurde das Gesetz gegeben? Eindeutig dem Volk Israel.

Der Sinn des mosaischen Gesetzes

So, nun fragen wir als Zweites: Was war der Zweck dieses mosaischen Gesetzes, dieses Gesetzes, das Mose gab? Was war der Zweck?
Wir können das hier mitverfolgen auf der Folie: der Zweck des mosaischen Gesetzes.
Der erste und vielleicht auch wichtigste Zweck ist, dass das Gesetz Gottes Heiligkeit und den Gerechtigkeitsmaßstab offenbarte, den Gott für ein angemessenes Verhältnis zu ihm verlangt.
Ich hatte einen Klassenkameraden, der hat mir das schon vor 15 Jahren beigebracht. Er sagte: „Der Uwe Vogel, das Gesetz ist der vollkommene Gottesmaßstab.“ Da habe ich das damals schon verstanden, allein durch diese paar Worte. Das Gesetz ist der vollkommene Gottesmaßstab. Das heißt: Wenn ein Mensch versuchen will, vor Gott gerecht zu werden, angenommen zu werden, dann muss er so sein, wie das Gesetz sagt. Wenn er es aus eigener Kraft versuchen will, dann muss er diesen vollkommenen Maßstab erfüllen, und zwar hundertprozentig.
Also, das ist das Gesetz. Es offenbart Gottes Heiligkeit. Heiligkeit heißt, dass Gott Licht ist und in ihm keine Finsternis ist. Er ist Licht, er ist rein, er ist moralisch gut, er ist von jedem Bösen getrennt, und er kann mit Bösem, mit Sünde, keine Gemeinschaft haben. Das ist Gottes Heiligkeit. Und sein Gerechtigkeitsmaßstab ist: So muss man sein, wenn man zu ihm kommen will, wenn man zu ihm passen will.
Schaut, an keiner Stelle der Schrift wird uns gelehrt, das Gesetz sei ein Mittel zur Errettung. Nirgendwo steht das, dass man durch das Gesetz gerettet werden kann, durch das Halten des Gesetzes. Auch Israel konnte nicht durch das Halten des Gesetzes errettet werden. Denn eine solche Vorstellung würde ja die Errettung aufgrund von Werken bedeuten, und das lehnt die Schrift überall ab. Durch Werke kann niemand zu Gott kommen.
Wie wir im Gegensatz dazu wissen, geschieht die Erlösung immer aus Gnade durch den Glauben, also genau entgegengesetzt zu den Werken. Der Inhalt des Glaubens, das, was man genau zu glauben hatte, hat sich im Lauf der Heilsgeschichte geändert. Abel glaubte, dass dieses Tier, das er opferte, dieses unschuldige Tier, seine Sünden wegnimmt und dass er dadurch wieder zu dem heiligen Gott nahen kann. Und dieser Glaube wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet. So haben wir verschiedenen Inhalt des Glaubens, aber immer denselben Glauben, der errettet.
Noch nie sind Menschen aufgrund von Werken zu Gott gekommen, zu keiner Zeit, und es werden auch nie Menschen aufgrund von Werken zu Gott kommen. Der Weg der Errettung ändert sich nicht. Es ist immer der Weg des Glaubens an die unverdiente Gnade Gottes.
Darum können wir sagen: Das Gesetz offenbart Gottes Heiligkeit und den Gerechtigkeitsmaßstab, den Gott für ein angemessenes Verhältnis zu ihm verlangt.
Dann versorgte das Gesetz die Heiligen des Alten Testaments mit Verhaltensregeln. Das Gesetz wurde einem erlösten Volk gegeben. Als Israel das Gesetz bekam, war es erlöst aus Ägypten. Sie waren vierhundert Jahre in der Knechtschaft gewesen in Ägypten, aber nun waren sie erlöst, und das erlöste Volk bekam das Gesetz. Und das Gesetz war für Israel Verhaltensregeln, wie sie sich verhalten sollen. Wir werden es gleich noch aufschlüsseln in fünf Bereiche: gegenüber Gott, gegenüber Menschen usw.
Dann drittens: Das Gesetz brachte Israel in eine Sonderstellung unter den Völkern. Nur ein Volk auf der Erde bekam das Gesetz, nicht die Griechen, nicht die Assyrer, nicht die Russen, sondern nur dieses kleine Volk Israel. Und damit kamen sie in eine Sonderstellung. Israel als erwähltes Volk. Gott sagt: „Du sollst heilig sein, denn ich bin heilig, der Herr, dein Gott.“ Heilig heißt abgesondert, abgeschieden, abgetrennt. Und auch Israel, dieses Volk, das nun für Gott erwählt war, war abgesondert von allen Völkern.
Auch im Neuen Testament wird die Gemeinde auf diese Weise erwählt und abgesondert von der Sünde und allem Bösen hin zu Gott.
Viertens: Ein wichtiger Zweck des Gesetzes, schade, dass der Punkt nicht da ist: Das Gesetz deckt Sünde auf. Das Gesetz ist das Röntgengerät Gottes, das Kernspingerät, der Computertomograph Gottes. Das Gesetz macht die verborgensten Verästelungen sichtbar. Das Gesetz deckt Sünde auf.
Seine Aufgabe ist Diagnose, nicht Heilung, nicht Therapie. Das Gesetz kann nicht heilen, es kann nicht retten, aber es deckt Sünde auf. So wie der Röntgenschirm nicht heilen kann, aber zeigen kann: Da ist die Krankheit. Und man kann vielleicht Medikamente einsetzen oder etwas wegoperieren. Aber das Gesetz ist das Röntgengerät Gottes, es deckt Sünde auf.
Fünftens, interessant, fast paradox: Das Gesetz bewirkt, dass jemand noch mehr sündigt. Wenn ein Mensch durch das Gesetz Sünde aufgedeckt bekommt, dann versucht er, jetzt die Sünde zu überwinden. Er versucht, heilig zu leben, er strengt sich an, Gottes Gebote noch mehr zu halten. Und das Ergebnis ist: Er wird sie noch mehr übertreten und immer sündiger werden.
Das Gesetz bewirkt, dass jemand noch mehr sündigt, indirekt. Natürlich will Gott das nicht, aber wenn jemand allein versucht, nun vom Gesetz her gerecht zu werden und die Gebote zu halten und nicht zu sündigen, dann wird er die Erfahrung machen: Er wird immer mehr sündigen, er wird es nicht schaffen. Die Bibel sagt im Neuen Testament, im Römerbrief: Das Gesetz ist die Kraft der Sünde. Denn es steht in 1. Korinther 15,56: „Die Kraft der Sünde ist das Gesetz.“ Wenn nämlich jemand anfängt und die Gebote halten will, wird er auf einmal merken, dass er sie immer mehr übertritt. Er wird immer mehr merken, wie sündig er ist.
Und dann sechstens: Das Gesetz ist die schönste Aufgabe des Gesetzes, es führt zu Jesus Christus hin. Das finden wir im Galaterbrief, Galater 3,24. Da steht: „Das Gesetz ist ein Zuchtmeister auf Christus hin“, ein Zuchtmeister.
Einige von uns wissen: Da steht im Griechischen das Wort „Paedagogos“, ein Pädagoge. Wörtlich: Pais, griechisch, heißt Kind, und Ago heißt treiben, führen. Ein Pädagoge ist ein Kindertreiber. Das waren früher griechische Sklaven, die hatten so ein Stöckchen, und da haben sie die Knaben in die Schule getrieben. Die gingen damals schon nicht gerne. Deswegen waren das Kindertreiber, Pädagogen, Kindertreiber. Davon wollen die Pädagogen heute nichts mehr wissen, von Stöckchen und Treiben, aber trotzdem heißen sie immer noch so: Pädagogen, Kindertreiber.
Und das Gesetz ist ein Kindertreiber auf Christus hin, sagt Paulus. Ein interessanter Ausdruck. Wenn das Gesetz diese Aufgabe erfüllt hat, wenn es einen Menschen zum Sünder gemacht hat, wenn das Röntgengerät einem Menschen gezeigt hat: Da ist überall Krebs, da ist überall der Krebsbefall, dann verlangt der Patient nach Heilung, dann will er das Mittel gegen Krebs. In der Medizin gibt es das noch nicht, aber geistlich gesehen gibt es das Mittel gegen den Sündenkrebs, und das ist das Blut Jesu Christi, das ist der Glaube an den Herrn Jesus, der am Kreuz starb. Und da führt das Gesetz hin zum Kreuz.
Das ist seine heilsgeschichtliche Aufgabe und auch im Leben eines einzelnen, vielleicht des einen oder anderen unter uns. Es will zuerst aufzeigen, röntgen, den Schaden zeigen und dann hinführen zu dem Arzt, der wirklich heilen kann. Aber es ist Aufrichtigkeit nötig.
Ich muss an der Stelle gerade die nette Geschichte einfügen, ich habe sie schon mal erzählt, aber die Vergesslichkeit der Hörer ist der Segen des Predigers, man darf sich ab und zu wiederholen. Also, da war ein Masseur, der kam in ein Krankenzimmer, und da lagen zwei Patienten. Und da hat er zuerst den einen durchgeknetet, und der hat sich gewunden unter seinen Händen und geschrien, dem stand der Schweiß auf der Stirn. Und dann hat er den anderen durchgeknetet. Und er blieb ganz cool und verzog keine Miene.
Als er draußen war, sagte der Gequälte zu dem anderen: „Hör mal, was ist mit dir los? Ich bin bald umgekommen, und du verzogst keine Miene. Hat es dir denn nicht wehgetan?“ Da sagt er: „Ja, es hätte mir auch wehgetan, wenn ich das kranke Bein hingehalten hätte.“
Also so machen es viele Menschen: Sie halten nur das gesunde, vermeintlich gesunde Bein hin. Das geht natürlich nicht, so kann man nicht gesund werden. Wir müssen das kranke Bein hinhalten, wir müssen ehrlich sein und kommen und sagen: Herr, diesen Krebs kann kein Mensch heilen, du allein durch dein Blut und durch dein Opfer am Kreuz, durch deine Rettungstat auf Golgatha.
Ein letzter Zweck des Gesetzes kann nicht anders sein, müssen ja sieben sein, müssen nicht, aber sind zufälligerweise oder vielleicht auch nicht zufälligerweise: Das Gesetz bildete einen Zaun der Trennung zwischen Israel und den Nationen. Das ist ein bisschen ähnlich zu dem dritten Punkt, den ich vorhin genannt habe, dass es eine Sonderstellung gebracht hat, aber hier wird es noch einmal ausdrücklich gesagt: Es bildet einen Zaun der Trennung zwischen Israel und den Nationen.
Das erfahren wir im Epheserbrief, Kapitel 2, wo Paulus schreibt, dass eben dieser Zaun des Gesetzes weggenommen worden ist, der zwischen Juden und Heiden war. Schaut, wenn ein Heide zur Zeit des Alten Testaments die geistlichen Segnungen der Juden empfangen wollte, dann musste er die gesamten Verpflichtungen des Gesetzes auf sich nehmen, inklusive der Beschneidung. Er musste sich beschneiden lassen, und er musste das Gesetz halten. Diese Leute nannte man Proselyten.
Und wenn das Gesetz heute immer noch gültig wäre, dann gäbe es diesen Trennungszaun zwischen Heiden und Juden immer noch, um den Unterschied zwischen Juden und Heiden aufrechtzuhalten. Aber dieser Zaun wurde mit dem Tod Christi abgebrochen, er ist nicht mehr da. Wir müssen heute nicht das Gesetz halten und uns beschneiden lassen und all die Dinge, um die geistlichen Segnungen des Judentums empfangen zu können, sprich die Väter Abraham, Isaak, Jakob und all die Dinge, die wir im Alten Testament haben.
In Römer 2,14 steht, dass die Nationen kein Gesetz haben. Nur Israel war das Gesetz gegeben, die Nationen haben kein Gesetz. Es ist sehr wichtig. Wenn man diese Aussage ernst genommen hätte, dann hätte man nicht in den letzten Jahrhunderten immer wieder alttestamentliche Elemente in die neutestamentliche Gemeinde hineingemischt, in Form vom Priesterstand zum Beispiel, den das Neue Testament überhaupt nicht kennt, ein sogenannter Klerus von Leuten, die irgendwie über den anderen Gläubigen stehen, oder Priestergewänder des Alten Testaments oder den Aufbau von Gotteshäusern genau wie der Tempel oder wie die Stiftshütte mit Allerheiligstem, Heiligem und Vorhof. Hat man alles vom Alten Testament übernommen, womit die neutestamentliche Gemeinde gar nichts zu tun hat. Weihrauch, alttestamentliche Gottesdienstformen, Altäre – wir haben ja keinen Altar, das brauchen wir nicht. All diese Dinge hat man aus dem Alten Testament reingemischt in die Zeit des Evangeliums. Ist nicht richtig.
Die Nationen haben kein Gesetz, und diese Sachen stammen aus der Zeit des Gesetzes, aus dieser Heilszeit Israels, und mit denen haben wir nichts zu tun.
Erich Sauer, ein ganz begnadeter Bibellehrer, der in der Bibelschule Wiedenest viele Jahre gewirkt hat, schreibt in seinem ausgezeichneten Buch Das Morgenrot der Welterlösung: „Das Gesetz ist nach außen hin ein Zaun.“ Es hat Israel abgesondert von allen Völkern, einen Zaun um Israel herum gebildet, von oben her, von Gott her ein Zügel, nach unten hin ein Riegel. Es soll nach unten abriegeln, dass Israel nicht genauso abstürzen sollte wie die Völker, die in alle möglichen Abnormitäten reingestürzt sind und einfach Gesetzlosigkeiten.
„Nach innen ein Spiegel“ – wieder diese Wirkung des Röntgengeräts. Wunderbarer Aufbau: nach außen Zaun, von oben Zügel, nach unten Riegel, nach innen Spiegel. Christus hat das Gesetz erfüllt, der ist das Siegel, das würde da noch gut dazu passen, aber das hat mir Sauer nicht so geschrieben.
Das war also unser Punkt, den wir jetzt behandelt haben: der Zweck des Gesetzes.

Die innere Ordnung des mosaischen Gesetzes

Nun kommen wir zu einem nächsten Punkt, den ich eben angedeutet habe: dem Aufbau des mosaischen Gesetzes. Man kann das Gesetz, also diese fünf Bücher Mose und die 613 Gebote, die dort gegeben sind, nach äußeren Gesichtspunkten ein wenig aufteilen.
Es enthält zum Beispiel das Moralgesetz. Auf dieses Moralgesetz will ich heute in einer Woche ganz ausführlich eingehen. Damit müssen wir uns intensiv beschäftigen, wenn wir die Frage stellen, warum uns die zehn Gebote gelten oder warum sie uns nicht gelten. Dann müssen wir uns mit dem Moralgesetz Gottes beschäftigen. Das Moralgesetz offenbart die Heiligkeit Gottes. All die Gebote aus den 613, die in den fünf Büchern Mose stehen und die die Heiligkeit Gottes offenbaren, könnten wir unter diesem Stichwort Moralgesetz zusammenfassen.
Ich habe bisher nicht die Zeit gehabt, oder sie mir nicht genommen, die fünf Bücher Mose durchzulesen und bei jedem Gebot herauszuschreiben, wo es hingehört, also in welche dieser fünf Kategorien. Das kann ein anderer von euch machen. Der kann dazu eine Doktorarbeit schreiben und die 613 Gebote in diese fünf Gruppen aufteilen.
Das zweite ist das Sozialgesetz. Es enthält die Regeln für die Volksgemeinschaft im Staat Israel. Da sind Gesetze dabei, die wirklich das Zusammenleben der Israeliten untereinander regeln, also in der Volksgemeinschaft: wer wem helfen soll, in welchen Situationen und so weiter. Da geht es nicht um die Heiligkeit Gottes, sondern darum, wie die Volksgemeinschaft Israel leben soll.
Dann haben wir das Kriminalgesetz. Es gibt unter den 613 Geboten eine ganze Reihe, die Verbrechen an der Volksgemeinschaft benennen und sie unter Strafe stellen. Wir haben dafür heute ein bürgerliches Gesetzbuch. Aber in Israel gehen Religionsgesetzbuch und bürgerliches Gesetzbuch Hand in Hand. Das vermischt sich; beides ist in den 613 Geboten enthalten. Da sind zum Beispiel Gebote drin, die regeln, was passiert, wenn einer einen tötet oder wenn ein Tier aus Versehen einen Menschen tötet, und all diese Dinge, und welche Strafe darauf steht.
Dann haben wir das Ritualgesetz. Wir könnten auch Zeremonialgesetz sagen. Das Ritualgesetz enthält die Bestimmungen für den israelitischen Gottesdienst. Viele Gebote der 613 befassen sich damit, welche Opfer zu bringen sind, wann sie zu bringen sind, wann Israel zusammenkommen soll, welche Feste es feiern soll und all diese Dinge. Das dritte Buch Mose ist ganz stark Ritualgesetz.
Und dann haben wir noch ein Sanitärgesetz. Es regelt den Umgang mit Krankheiten und mit Hygiene. Das steht alles genau da drin, was mit den menschlichen Exkrementen im Lager der Israeliten zu machen ist und all diese Sachen. Das steht alles im Gesetz drin, ein Teil der Gebote. Deswegen Sanitärgesetz.
Also, wie gesagt: Das ist eine menschliche Einteilung. 613 Gebote, das Gesetz, die fünf Bücher Mose, die Tora. Und wir könnten sie, um sie ein bisschen zu ordnen, in diese fünf Grundkategorien einteilen. Vielleicht findet man noch eine Kategorie oder noch mehrere, aber diese fünf sind vielleicht hilfreich, um das Gesetz ein wenig aufzuschlüsseln.

Warum das Gesetz als Einheit zu verstehen ist

Dann wollen wir als Nächstes einen sehr wichtigen Punkt anschauen. Wir haben jetzt von den 613 Geboten gesprochen, und jetzt wollen wir miteinander von der Schrift her beweisen, dass diese 613 Gebote, dieses Gesetz, diese fünf Bücher Mose, eine geschlossene Einheit bilden, dass man sie nicht auseinanderrupfen darf.
Wir haben sie eben einmal grob in verschiedene Kategorien aufgeteilt. Trotzdem ist das eine Einheit. Und das können wir von der Bibel her belegen.
Erstes Argument: Sowohl das hebräische Wort Tora als auch das griechische Wort Nomos stehen in der Schrift immer in der Einzahl, obwohl das Gesetz des Mose aus 613 einzelnen Geboten besteht. Tora steht immer in der Einzahl, und Nomos steht immer in der Einzahl. Es wird also als Sammelbegriff gebraucht für 613 Gebote. Das heißt einfach: das Gesetz. Und das zeigt, es ist eine Einheit.
Zweitens: Es gibt keine Schriftgrundlage für das Abtrennen der zehn Gebote von den übrigen 603. Das ist jetzt ganz wichtig. Wir haben keine Grundlage in der Schrift, warum wir die zehn Gebote so abtrennen sollen. Es gibt vielleicht den einen formalen Unterschied, dass Gott diese zehn Gebote mit seinem Finger auf die steinernen Tafeln geschrieben hat und den Rest, die anderen sechshundertdrei, hat er diktiert. Das ist der formale Unterschied. Aber trotzdem gehören die sechshundertdreizehn alle zusammen, und es gibt keine Grundlage in der Schrift, dass wir sie auseinanderreißen dürfen.
Schaut mal hier den nächsten Punkt: Als Jesus Christus nach dem größten Gebot gefragt wurde, da nannte er interessanterweise keines der zehn Gebote, sondern zitierte aus dem dritten und fünften Buch Mose, die für ihn auch das Gesetz waren. Ihr kennt die Stelle, wo ein Schriftgelehrter ihn nach dem größten Gebot fragt. Dann sagt er: Du sollst Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen lieben, ja, mit deinem ganzen Gemüt, deiner ganzen Seele, deiner ganzen Kraft. Das zitiert er aus 5. Mose 6. Und dann zitiert er: Und du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst, aus 3. Mose 19.
Er zitiert keines der zehn Gebote, als er nach dem größten Gebot gefragt wird. Wir hätten doch da sofort geantwortet mit dem ersten Gebot: Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Jesus zitiert, als er gefragt wird nach dem größten Gebot, diese beiden Gebote aus dem fünften und dritten Buch Mose. Da sehen wir: Das stand für ihn auf der gleichen Stufe. Das war für ihn nicht weniger, und die zehn Gebote nicht höher, sondern ein Gesetz, eine Einheit.
Wir können also nicht einfach die zehn Gebote übernehmen und die Gebote aus dem dritten Buch Mose ignorieren, wenn wir also jetzt sagen wollen, wir müssen die zehn Gebote halten. Dann sage ich: Wenn du die Zehn halten willst, dann musst du auch die 603, die danach kommen, halten. Das ist eine Einheit. Wir können nicht einfach sagen: Ja, die Zehn, die nehmen wir uns jetzt raus aus dem Gesetz, und den Rest, den lassen wir durchs Sieb fallen. Oder vielleicht noch ein paar Aussagen, eine Frau soll keine Männerkleidung tragen, das können wir auch noch brauchen, also nehmen wir das auch noch raus und halten das noch. Das geht nicht.
Wir können nicht einfach selektiv wählerisch herausnehmen, was uns gerade in unsere Theologie passt, und den Rest den Juden lassen. Das ist nicht redlich. Entweder alles oder nichts.
Keine Sorge, wir werden da noch darüber sprechen mit den zehn Geboten. Ich habe das ja schon angedeutet, dass neun davon im Neuen Testament wieder auftauchen, in anderer Form, in abgewandelter Form. Wir werden uns da heute in einer Woche genau damit beschäftigen, wenn wir die Stellen genau lesen.
Viertens: Paulus lehrte, dass der, der sich unter ein Gebot stellt, das ganze Gesetz halten muss. In Galater 5,2-4 schreibt er: Wenn ihr euch beschneiden lasst, sagte er den Galatern, so wird euch Christus nichts nützen. Ich bezeuge abermals einem jeden, der sich beschneiden lässt, dass er das ganze Gesetz zu tun schuldig ist.
Haben wir diese Worte gehört? Das geht nicht, ein Gebot herausnehmen und sagen: Das will ich halten. Paulus sagt: Dann wird euch Christus nichts nützen. Jetzt geht es um Halten, weil man meint, das müsse man halten, sonst kann man nicht zu Gott kommen. Jetzt sprechen wir immer von diesem Halten, ja. Ich muss dieses Gebot halten, sonst kann ich nicht zu Gott kommen. Glaube an Jesus und dieses Gebot halten, dann kann ich in den Himmel kommen. Sonst nicht. Wenn ich dieses Gebot nicht halte, dann gehe ich verloren.
Da sagt Paulus: Nein, wenn ihr euch beschneiden lasst, wird euch Christus nichts nützen. Wenn ihr den Sabbat halten wollt, in diesem Sinn, dass ihr meint, nur dann könnt ihr in den Himmel kommen, wird euch Christus nichts nützen. Wenn ihr meint, man dürfe als Frau keine Hose tragen, sonst kann man nicht in den Himmel kommen, dann wird euch Christus nichts nützen. Das meint er hier: ein Gebot herausnehmen aus dem Alten Testament und das aufstellen als solche Regel, autoritativ, um in den Himmel zu kommen, das geht nicht.
In Jakobus 2,10 macht der Apostel Jakobus genau dasselbe Prinzip deutlich. Er sagt, dass jemand nur eines der 613 Gebote brechen muss, um dadurch am ganzen Gesetz schuldig geworden zu sein. Es steht wörtlich in Jakobus 2,10: Wenn jemand an einem sündigt, der ist es ganz schuldig.
Ich habe das schon oft verglichen mit einem Bergsteiger. Wenn ein Bergsteiger den Eiger oder die Jungfrau, den Mönch besteigen will und er macht tausend gute und sichere Schritte und oben, ein paar Meter unter dem Gipfelkreuz, tritt er einmal daneben, dann stürzt er den ganzen Berg ab. Und so ist das: Wer durch Halten der Gebote zu Gott kommen will, und wenn er auch nur meint, dieses eine müsse er halten, damit Gott ihn annehmen kann, dann tritt er irgendwann daneben, und dann ist er ganz schuldig. Das ist die Lehre der Bibel: hundert Prozent Gnade.
Ich habe es neulich mal sonntags in diesem Beispiel versucht auszudrücken, nämlich mit diesem Drahttau und dem Bindfaden, den man über die Schlucht spannt. Das muss hundert Prozent Drahttau sein. Wenn der Bindfaden dazwischen gebunden ist, dann trägt das nicht.
Schaut hier noch ein Beispiel: Wer unter dem Gesetz des Mose lebt und Schweinefleisch isst, ist verboten im Gesetz. Schweinefleisch ist unrein und darf man nicht essen. Wer Schweinefleisch isst, der macht sich damit auch der Übertretung der Zehn Gebote schuldig, obwohl in ihnen kein Wort über Schweinefleisch steht. Es gibt kein Gebot: Du sollst nicht Schweinefleisch essen, unter den Zehn. Das steht später bei einem von den 613, aber bei den Zehn nicht. Aber wenn ich meine: Ich will das Gesetz halten, und dann Schweinefleisch esse, dann breche ich damit das ganze Gesetz. Es ist genauso, als hätte ich eines der zehn Gebote übertreten. Das ist bei Gott auf einer Ebene: ein Gesetz, eine Einheit.
Das wollte ich versuchen, mit dieser Argumentation deutlich zu machen, die wir in der Schrift finden. Das sind Bibelstellen, die ich hier angeführt habe: Matthäus, Galater, Jakobus. Lasst uns das aufnehmen, diesen Gedanken: Das Gesetz, die 613 Gebote, sind eine Einheit.
Wir leben hier im christlichen Europa, und bei uns hat man sowohl in der katholischen Kirche als auch in der evangelischen die zehn Gebote ganz besonders hochgehoben. Das ist natürlich auch auf der einen Seite verständlich und richtig, weil die zehn Gebote kann man natürlich leichter lernen als wir alle 613, ja. Und es ist ja auch sehr nützlich, die zu kennen und in gewissem Sinn danach zu leben. Keiner von uns will jemanden umbringen oder stehlen. Aber man hat damit die zehn Gebote isoliert und einfach stillschweigend in die christliche Lehre hineingeschleust, und die stehen jetzt da wie ein Fels, ja.
Und wir müssen jetzt erkennen, in den nächsten Schritten, dass wir in diesem Sinn die zehn Gebote nicht halten wollen, sondern in einem anderen Sinn, wie wir es gleich erklären wollen. Also, jetzt war erst einmal wichtig die Einheit des mosaischen Gesetzes.

Die Aufhebung des mosaischen Gesetzes und der neue Maßstab

Der nächste Schritt lautet, dass dieses mosaische Gesetz unwirksam gemacht worden ist. Wir haben vorhin gefragt: Wem ist es denn gegeben worden? Dem Volk Israel. 1500 Jahre war das Gesetz wirksam und in Kraft, aber inzwischen ist dieses mosaische Gesetz mit allen 613 Geboten unwirksam gemacht worden, inklusive der Zehn Gebote, wie wir sehen werden. Mit dem Tod Jesu Christi ist das Gesetz des Mose unwirksam gemacht worden.
Schaut, im Römerbrief, Kapitel 6, schreibt Paulus der Gemeinde in Rom, dass ihr nicht unter dem Gesetz seid, sondern unter der Gnade. Christen sind nicht unter dem Gesetz, nicht unter den 613 Geboten, sondern unter der Gnade. Keine Sorge, wir werden gleich noch davon sprechen, dass es für Christen ein anderes Gesetz gibt, das Gesetz Christi: Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Dann werden wir fragen, was das ist. Aber unter dem mosaischen Gesetz sind wir nicht.
In Römer 7,4 sagt Paulus, wir sind dem Gesetz getötet, durch den Leib Christi. Als er am Kreuz starb, da hat er auch uns damit hineingenommen, und da sind wir dem Gesetz gestorben. In Römer 7,6 sagt Paulus: Nun aber sind wir dem abgestorben, das uns gefangen hielt, und vom Gesetz los. Schaut, da steht das Wort wörtlich: Wir sind abgestorben und vom Gesetz los. Wir haben als neutestamentliche Gläubige mit dem jüdischen Gesetz nichts zu tun.
In Römer 10,4 noch deutlicher: Christus ist das Ende des Gesetzes. Dieses Wort telos kann man auch mit Ziel übersetzen, das stimmt auch, er ist auch das Ziel des Gesetzes. Aber die wörtliche Bedeutung ist Ende. Christus ist das Ende des Gesetzes. Wer an ihn glaubt, der ist gerecht.
Wir haben vorhin gehört: Im Galaterbrief ist das Gesetz ein Pädagoge, ein Kindertreiber auf Christus hin. Und wenn das Gesetz einen Menschen zu Christus getrieben hat, dann hört es auf mit seiner Wirkung. Dann kommt ein Mensch unter die Gnade.
E. In Galater 5,1 sagt Paulus: Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Was für eine Freiheit ist gemeint? Eindeutig die Freiheit vom mosaischen Gesetz. Der Zusammenhang in Galater 5 zeigt es.
F. In Galater 5,18 steht: Regiert euch aber der Geist, dann seid ihr nicht unter dem Gesetz. Wenn jemand den Heiligen Geist empfangen hat und unter der Gnade, unter dem Geist lebt, ist er nicht mehr unter dem Gesetz.
Und auch der Kolosserbrief zeigt an dieser angegebenen Stelle, Kolosser 2,16-23, auf deutliche Weise, dass das mosaische Gesetz seine Gültigkeit verloren hat. Da ist nämlich von Schatten die Rede. Im Alten Testament war der Schatten da, und im Neuen Testament haben wir die Person. Schaut mal: Wenn da jetzt oben die Sonne wäre, dann würde ich nach da drüben den Schatten werfen. Und im Neuen Testament ist die Sonne aufgegangen, und Christus, das Kreuz Christi, steht genau zwischen Altem und Neuem Testament. Und es hat den Schatten in das Alte Testament geworfen. Die hatten dort schon den Schatten des Christus im Alten Testament, aber nur den Schatten, denn Christus kam ja erst, als er geboren wurde, lebte, starb. Dann war die Person da, nicht mehr der Schatten.
Und so sagt Paulus hier in Kolosser 2: Wer die Person hat, der gibt sich nicht mehr mit dem Schatten ab, der hält sich an die Person. Ich unterhalte mich doch nicht mit dem Schatten von jemandem. Wenn die Sigita steht, dann spreche ich nicht mit ihrem Schatten, sondern mit ihr. Und so haben wir es mit Christus zu tun und nicht mit dem alttestamentlichen Schatten.
Noch weitere Argumente, weil das so wichtig ist, dass das mosaische Gesetz wirklich unwirksam gemacht worden ist. Schaut, diese Stelle wollen wir aufschlagen, im zweiten Korintherbrief, Kapitel 3, weil sie so wichtig ist. Zweiter Korinther 3. Wir haben einen langen Tag hinter uns, sonst wird man auch ein bisschen müde, wenn man so lange zuhören muss. Zweiter Korinther 3. Lasst uns lesen, Vers 4 bis 11.
 2. Korinther 3,4: Solches Vertrauen aber haben wir durch Christus zu Gott, nicht dass wir von uns aus tüchtig wären, etwas zu erdenken als aus uns selbst, sondern unsere Tüchtigkeit ist von Gott, der uns auch tüchtig gemacht hat zu Dienern des neuen Bundes, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes. Der alte Bund war ein Dienst des Buchstabens, da wurde genau am Buchstaben des Gesetzes gedient. Der neue Bund ist ein Bund des Geistes, und er sagt: Der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig. Das wäre, wenn wir uns jetzt genau an den Buchstaben des alttestamentlichen Gesetzes halten würden, dann würde das Gesetz eine gleiche Wirkung tun wie damals. Es würde uns töten, es würde uns immer wieder zu Übertretern machen, die Diagnose stellen, und im Alten Testament standen auf fast alle Gebote die Todesstrafe. Deswegen ist es ein Dienst, ein Amt des Todes, das alttestamentliche Gesetz.
Von den Zehn Geboten stand auf den ersten sieben ausdrücklich Todesstrafe, und auch auf die anderen drei stand unter bestimmten Voraussetzungen die Todesstrafe. Fast auf jedes Gebot stand Todesstrafe.
Vers 7: Wenn aber schon der Dienst des Todes, altes Testament, mit Buchstaben in Steine gegraben, in Herrlichkeit geschah, so dass die Söhne Israel nicht fest in das Angesicht Moses schauen konnten wegen der Herrlichkeit seines Angesichts, die doch verging. Immer wenn er vom Berg kam und mit Gott geredet hatte, dann strahlte sein Angesicht. Und hier steht, dass die Herrlichkeit dieses alttestamentlichen Dienstes verging. Das steht wörtlich im Griechischen, dass sie unwirksam wurde. Sie wurde unwirksam. Darum habe ich das als Überschrift gewählt: Das Gesetz ist unwirksam gemacht worden.
Wie wird nicht vielmehr der Dienst des Geistes in Herrlichkeit bestehen? Denn wenn der Dienst der Verdammnis, altes Testament, Herrlichkeit war, dass Mose sogar ein glänzendes Angesicht haben konnte, so ist der Dienst der Gerechtigkeit noch viel reicher an Herrlichkeit. Denn in dieser Hinsicht ist sogar das Verherrlichte nicht verherrlicht wegen der überragenden Herrlichkeit. Sehr schwer, das jetzt zu erläutern, denn wenn das Vergehende, hier steht es wieder, das unwirksam gemacht wird, in Herrlichkeit war, wie viel mehr besteht das Bleibende in Herrlichkeit?
Hier wird also vom alttestamentlichen Gesetz als etwas Vergehendes gesprochen, wörtlich als etwas, das unwirksam gemacht wird. Das steht hier wörtlich im Griechischen. Das griechische Wort katargeo meint unwirksam machen. Paulus betont hier gerade in 2. Korinther 3 die Zehn Gebote, denn hier im Zusammenhang, bitte genau hinhören, spricht er von dem, was in Steine eingegraben worden ist. Und in Steine eingegraben wurden nur die Zehn Gebote, und davon ist hier die Rede im Zusammenhang. Und auch das wurde unwirksam gemacht, auch die Zehn Gebote. Glaubt es nicht mir, glaubt es hier diesem Text, der das ausdrücklich sagt, in Vers 7.
Das Gesetz hätte immer noch die gleiche Wirkung des Todes und der Verdammnis, wenn die Zehn Gebote auch heute noch in Kraft wären. Wenn wir uns heute noch an die Zehn Gebote halten müssten im Sinne, wie die Israeliten, dann hätte auch noch die Strafe ihre Wirkung, die darauf stand. Und ich sage es noch einmal: Auf alle zehn stand unter bestimmten Bedingungen die Todesstrafe. Nur deswegen, weil neun von den zehn Geboten im Neuen Testament erwähnt werden, aber in anderem Zusammenhang, das werden wir heute in einer Woche noch sehen, steht im Neuen Testament auf keines der Gebote mehr die Todesstrafe. Auf keines mehr. Das ist der große Unterschied zum Alten Testament.
Und wenn auf einem Gebot keine Strafe mehr steht, dann verändert es den Charakter. Dann ist es kein Gebot mehr im Sinn, sondern ein guter Rat. Dann ist es ein Ratschlag. Wenn auf das Bürgerliche Gesetzbuch in Deutschland keine Strafe draufstehen würde, dann gäbe es innerhalb von wenigen Tagen und Wochen ein Chaos. Dann hätten wir das reinste Chaos, die Anarchie in Deutschland, wenn das nur gute Ratschläge wären. Aber es steht Strafe drauf. Und auf die Zehn Gebote steht nicht mehr die Strafe des Alten Testaments, die Todesstrafe, sondern sie sind uns als Regel gegeben, wie wir dann in einer Woche sehen werden, aber nicht mehr in diesem alttestamentlichen Sinn.
Das Gesetz hätte immer noch die gleiche Wirkung des Todes und der Verdammnis, wenn die Zehn Gebote noch in Kraft wären. Das in Vers 7 und Vers 11 gebrauchte Wort katargeo bedeutet außer Kraft setzen, außer Geltung setzen, unwirksam machen. Die Stoßrichtung des Textes zielt auf die Zehn Gebote. Sie und das gesamte mosaische Gesetz sind nicht mehr in Kraft. Sie sind nicht mehr in dieser Weise in Kraft, denn sonst würde immer noch auf sie die Todesstrafe stehen, und dann: Wehe uns, kann ich da nur sagen.
Und so können wir sagen: Der Gläubige steht jetzt unter einem neuen Gesetz. Das mosaische Gesetz ist hinweggetan worden, wir sind keine Israeliten, wir haben damit nichts zu tun. Und wir sind unter einem neuen Gesetz. Dieses neue Gesetz wird in Galater 6, wie ich vorhin schon zitiert habe, das Gesetz Christi genannt: Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Es ist das Gesetz der Liebe, so könnten wir es nennen. Es ist das Gesetz der Liebe.
In Römer 8,2 wird es das Gesetz des Geistes des Lebens genannt, noch ein schwierigerer Ausdruck: das Gesetz des Geistes des Lebens. Ich habe es versucht, heute vor einer Woche schon zu erklären. Das Gesetz des Geistes des Lebens meint einfach: Christus ist in uns, als eine lebendige Person, die wir lieb haben. Und wir wollen so leben, dass wir ihn, den wir lieb haben, nicht betrüben. Das ist das Gesetz des Geistes des Lebens in uns. Aber wir leben nicht nach einem Paragraphenbuch, was wir da mit uns herumtragen. Aha, die Gebote, so ähnlich wie die Juden heute noch, die sich die Gebote hierhin binden und dahin binden und auf die Hand binden, und sie haben immer so ein Paragraphenbuch, was sie äußerlich mitschleppen.
Aber wir haben eine lebendige Person, den Herrn Jesus, in unserem Herzen, und wir wollen ihn nicht betrüben. Das ist dieses viel zartere Gesetz des Geistes des Lebens in Christus, davon spricht der Römerbrief.
Und in Jakobus 1,25 wird es das vollkommene Gesetz der Freiheit genannt. Wieder dieses vollkommene Gesetz der Freiheit: Ich bin frei von diesem Paragraphenbuch, aber ich bin frei für Christus, in einer Liebesbeziehung zu ihm zu leben, in einer Vertrauensbeziehung und Gehorsamsbeziehung. Aber es ist diese persönliche Beziehung, diese geistliche Gemeinschaft mit ihm, der in meinem Herzen wohnt. Das ist etwas ganz anderes, als formal ein Gesetz zu halten, weil es da steht oder da oder da. Wir haben es inwendig in uns.
So können wir sagen: Das Gesetz Christi ist ein ganz neues Gesetz, völlig verschieden vom Gesetz des Mose. Das Gesetz Christi enthält alle Gebote, die für einen Gläubigen des Neuen Testaments gültig sind, zum Beispiel ein Gebot, das im Alten Testament gar nicht steht: Johannes 13,34, ein Neugebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebet, gleich wie ich euch geliebt habe. Das steht nicht im Alten Testament, aber ein Gebot Christi, das ist das Gesetz Christi.
B.g. finden wir neun der zehn Gebote im Gesetz. Da kann man dann sehen, wie schwer das für Israel gewesen sein muss, sich da reinzudenken, in das Neue. Ja, in das Neue. Das Alte kannten sie ja sehr gut, ja, das war sicher sehr schwer für sie, für Judenchristen ungeheuer schwer, als dieser Wandel kam. Darum verstehen wir, warum es die Judenchristen in der Apostelgeschichte, warum sie es so schwer hatten, jetzt vom Gesetz zu lassen und die Beschneidung zu lassen und den Sabbat zu lassen. Und wie schwer das für sie war, wenn man weiß, dass sich von den 613 Geboten über hundert auf den Sabbat beziehen. Stellt euch mal vor: über hundert, ein Sechstel allein Sabbatgebote. Und auf einmal soll das nicht mehr gelten, wie das für einen Juden schwer war. Auch der Hebräerbrief, genau.
Also neun der zehn Gebote finden wir im Gesetz Christi wieder. Aber das bedeutet noch nicht, dass das Gesetz des Mose immer noch in Kraft ist, sondern es ist das Gesetz Christi, das in Kraft ist.

Zwei verschiedene Systeme mit Überschneidungen

Nun will ich zum Schluss noch zeigen, dass diese beiden Gesetze, das Gesetz des Mose und das Gesetz Christi, zwar Ähnlichkeiten haben, also eine Schnittmenge, wo beides gleichzeitig vorkommt: Gebote, die sowohl im Gesetz des Mose als auch im Gesetz Christi stehen. Aber es gibt viele Gebote, die nur im Gesetz des Mose stehen, und es gibt einige, die nur im Gesetz Christi stehen. Es gibt also eine Schnittmenge, in der beide enthalten sind. Es sind zwei verschiedene Systeme, und das will ich an einem Beispiel deutlich machen.
Das kann man aber nur verstehen, wenn man einmal in Amerika war. Ich war noch nie dort, aber die Sigi wird das jetzt bestätigen, und andere von uns auch. In Amerika gibt es ja ein Staatengebilde aus über fünfzig verschiedenen Bundesstaaten, und die haben zum Teil verschiedene Verkehrsregeln. Wer zum Beispiel im Staat Kalifornien an der Westküste seine Fahrerlaubnis erworben hat, der ist den Verkehrsvorschriften des Staates Kalifornien unterworfen. Solange er in Kalifornien lebt und fährt, muss er sich an die dortigen Regeln halten. Wer aber dann zum Beispiel von Kalifornien nach New York umzieht, der ist jetzt den Verkehrsvorschriften des Staates New York verpflichtet. Da gibt es viele unterschiedliche Vorschriften.
In Kalifornien darf man zum Beispiel an einer roten Ampel rechts abbiegen, wenn man stehen geblieben ist und sich überzeugt hat, dass die Straße frei ist. Dann darf man auch bei Rot nach rechts abbiegen, nach links nicht, aber nach rechts. In New York ist das nicht erlaubt. Da muss man wie bei uns an einer roten Ampel absolut warten. Andererseits gibt es viele ähnliche Vorschriften in den beiden Staaten, zum Beispiel eben anzuhalten, wenn die Ampel rot ist. Das ist bei beiden gleich.
Allerdings: Wer in New York an der roten Ampel hält, der tut es nicht im Gehorsam gegenüber dem Staat Kalifornien, sondern im Gehorsam gegenüber dem Staat New York. Viele Vorschriften sind ähnlich, aber sie entstammen zwei verschiedenen Systemen. Die Verkehrsvorschriften Kaliforniens sind ein System, und die Verkehrsvorschriften New Yorks sind ein System. Und da gibt es eine Schnittmenge von Vorschriften, die für beide Staaten gleich sind.
Aber es gibt separate Vorschriften für Kalifornien und separate für New York. Ist ja bei uns das Gleiche, wenn wir jetzt Deutschland und die Schweiz nehmen. Da gibt es ja auch vieles gleich und manches aber verschieden. Ja, immer noch, ja, aber bald wird es ganz angeglichen sein.
So, und jetzt vergleichen wir das mit dem Gesetz des Mose und dem Gesetz Christi. Ihr versteht: Es sind zwei ganz verschiedene Systeme, und sie haben verschiedene Gebote, aber sie haben auch eine Schnittmenge, wo die Gebote gleich sind. Das Gesetz des Mose verbietet, Schweinefleisch zu essen. Das Gesetz Christi verbietet es nicht, es erlaubt, Schweinefleisch zu essen. Ob das jetzt gesund ist oder nicht, das steht hier nicht zur Debatte, ja, aber nach dem Gesetz Christi dürfte man Schweinefleisch essen, wenn man will.
Das Gesetz des Mose gebot, den Sabbat zu halten. Das Gesetz Christi gebietet es nicht. Ihr werdet im Neuen Testament kein Sabbatgebot finden, es gebietet es nicht. Das Gesetz des Mose gebietet, den Zehnten zu geben. Das Gesetz Christi gebietet es nicht. Ihr werdet im Neuen Testament kein Gebot finden, den Zehnten zu geben. Denn der Zehnte ist eine alttestamentliche Regel. Im Alten Testament durfte ein Teil fürs Ganze gegeben werden. Unter den Stämmen wurde zum Beispiel aus zwölf Stämmen ein Stamm, der Stamm Levi, herausgenommen und der Tempeldienst für alle zwölf übernommen. Dann wurde bei dem Zehnten ein zehnter Teil herausgenommen und stellvertretend Gott gegeben für das Ganze. Unter den sieben Wochentagen wurde einer herausgenommen, um ihn für alle zu heiligen.
Aber im Neuen Testament gilt es nicht mehr: pars pro toto, ein Teil für das Ganze. Das gibt es nicht mehr im Neuen Testament. Im Neuen Testament sollen nicht nur ein paar dem Herrn dienen, die zur Gemeinde gehören, sondern alle. Im Neuen Testament sollen nicht mehr nur der Zehnte gegeben werden, sondern alles gehört dem Herrn. Im Neuen Testament soll nicht nur ein Tag geheiligt werden für den Herrn, sondern alle Tage für den Herrn. Versteht ihr, warum das einfach zwei verschiedene Systeme sind und somit auch nicht mehr der Zehnte in diesem Sinn gilt?
Das Gesetz des Mose verbietet Frauen, Männerkleidung zu tragen. Von Hosen ist da nicht die Rede, aber von Männerkleidung. Das Gesetz Christi verbietet es nicht. Im Neuen Testament werden wir kein Gebot finden, wo steht, dass eine Frau keine Hose tragen darf. Das werden wir nicht finden. Dass es züchtige und unzüchtige Kleidung gibt, das ist eine andere Sache, und dass man sich so kleiden sollte, wie es dem Herrn und dem Evangelium entspricht, das ist hier nicht berührt.
Aber wir können es nicht von 5. Mose 22 her sagen: Eine Frau darf auf keinen Fall eine Hose tragen. Das dürfen wir nicht, dann sind wir an dem Punkt gesetzlich.
So, ich hoffe, das ist deutlich geworden: zwei verschiedene Systeme, teilweise ganz verschiedene Gebote, teilweise in einer Schnittmenge die gleichen Gebote. Aber alle miteinander sind sie nicht dazu da, um uns das Heil zu bringen. Das Heil bringt uns ganz allein die Gnade. Und sie sind auch nicht dazu da, um uns in der Heiligung weiterzubringen. Das Gesetz ist weder Heils- noch Heiligungsweg. Christus ist unser Heil, und Christus ist auch unsere Heiligung. Das will ich auch heute in einer Woche noch ein wenig mehr zeigen.

Der Gegensatz von Gesetz und Gnade

Ich habe mir das Schönste für den Schluss aufgehoben. Ich möchte gerne zum Schluss gegenüberstellen, wir haben jetzt so viel vom Gesetz gesprochen heute Abend. Ich möchte gegenüberstellen: Gesetz und Gnade.
Und zwar habe ich das aus einem sehr feinen Büchlein, das ich von Johannes geschenkt bekommen habe: Der Unterschied von William Macdonald. Das ist ganz hervorragend. Und da stellt er Gesetz und Gnade gegenüber. Und das wollen wir uns jetzt einmal anschauen. Da kann uns das Herz wieder ganz froh werden, was Gnade bedeutet.
Nach dem Prinzip des Gesetzes bekommt der Mensch das, was er verdient. Das ist das Prinzip. Da braucht man nicht alles mitschreiben, man kann es nachher schriftlich kriegen. Ja, okay.
Nach dem Prinzip des Gesetzes bekommt der Mensch das, was er verdient, steht in Römer 4,4. Er bekommt das, was er schuldig ist. Nach der Gnade, durch die Gnade, wird der Mensch ohne Verdienst, ohne Würdigkeit unbeschreiblich reichgemacht. Wo ist denn das Un hingerutscht? Also entschuldigt. Durch die Gnade wird der Mensch ohne Verdienst und Würdigkeit unbeschreiblich reichgemacht. Römer 4,5.
Das Gesetz ist ein Bund mit Bedingungen, Gnade ist ein Bündnis ohne Bedingungen. Im Alten Testament heißt es immer: Wenn du das und das tust, dann werde ich dich segnen. Im Neuen Testament heißt es: Weil ich dich lieb habe, segne ich dich. Es ist etwas ganz anderes.
Das Gesetz hat drei Buchstaben, das habe ich hier dazwischen gefügt: tun. Die Gnade hat fünf Buchstaben: getan. Großer Unterschied.
Das Gesetz sagt: Handle. Die Gnade sagt: Glaube. Nimm es, es ist vollbracht. Glaub es, nimm es für dich. Du kannst nichts tun.
Das Gesetz fordert Heiligkeit, gibt aber keine Kraft zu einem heiligen Leben. Die Gnade unterweist in der Heiligkeit und gibt auch die nötige Kraft. Es ist die heilsame Gnade Gottes erschienen allen Menschen, die heilsame Gnade, die heilbringende Gnade. Wer ist das? Das ist eine Person, Christus. Er ist erschienen, und er gibt auch die nötige Kraft in ihm zum Leben.
Das Gesetz bringt Fluch, die Gnade bringt Segen. Es geht noch weiter.
Das Gesetz bringt immer Eigenlob hervor, es ist überhaupt nicht zu vermeiden. Wenn man etwas gehalten hat, wird man sich automatisch rühmen, immer Eigenlob. Unter der Gnade ist der Ruhm völlig ausgeschlossen, Römer 3. Kein Ruhm, nur Dankbarkeit, nur Ruhm des Herrn, ihm die Ehre.
Unter dem Gesetz kann es keine Heilsgewissheit geben. Es ist wie beim reichen Jüngling. Er sagt: Das habe ich alles gehalten. Alle 613 Gebote habe ich gehalten. Und dann fragt er: Was fehlt mir noch? Gewissheit hat er keine gehabt, keine Heilsgewissheit. Er meinte, er hätte alles gehalten, aber keine Gewissheit. Auf dem Weg des eigenen Tuns kann es nie Gewissheit geben, weil man bis aufs Sterbebett immer fragen muss: Habe ich genug getan? Reicht es aus, was ich getan habe? Aber in der Gnade, wo es nicht auf mich ankommt, da gibt es völlige Gewissheit, Römerbrief Kapitel 8, zum Beispiel.
Unter dem Gesetz hören die Anstrengungen nie auf. Gesetzliche Menschen, auch gesetzliche Christen, werden sich anstrengen, bis sie nicht mehr können. Die Gnade zeigt uns ein vollbrachtes Werk, in dem man glaubend ruhen kann und leben kann.
Das Gesetz ist ein System der Knechtschaft, sagt Paulus im Galaterbrief. Ihr merkt, dass gerade Römer- und Galaterbrief für dieses Thema unwahrscheinlich wichtig sind, eine Fundgrube an Aussagen, gerade auch der Galaterbrief, dieser kurze Brief mit sechs Kapiteln. Ein System der Knechtschaft. Die Gnade ist ein System der Freiheit. Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Lasst euch nicht wieder in das knechtische Joch fangen, schreibt er den Galatern.
Das Gesetz schreibt vor, was der Mensch zu tun hat. Die Gnade zeigt uns, was Gott in Christus getan hat. Immer wieder Gnade, Evangelium.
Schaut mal hier, das hat mich auch gefreut: Unter dem Gesetz wurde ein widerspenstiger Sohn zu Tode gesteinigt, nämlich draußen vor der Stadt. Das war geboten. Unter der Gnade darf der verlorene Sohn in die Gemeinschaft des Vaters zurückkehren. Sein Bild, ja, der alttestamentliche Mensch, der wurde verdammt durch das Gesetz und seine Strafe, die darauf stand, immer Todesstrafe. Im Neuen Testament steht die Gnade, dass der Vater mit seinen ausgebreiteten Armen der verlorene Sohn darf zurückkommen, wenn er noch so weit weg war.
Letzte Aussage: Unter dem Gesetz starben die Schafe für den Hirten, viele im Alten Testament sind gestorben für Gott, für den Hirten. Unter der Gnade starb der Hirte für die Schafe.
Ihr seht, zwei ganz verschiedene Systeme: Gesetz und Gnade. Und da ist an uns die Frage, unter welchem wir leben wollen. Ob da noch einer von uns wirklich ernstlich unter dem System des Gesetzes leben will. Und wenn nicht, dann aber auch gar nicht, dann auch nicht unter einem Teil des Gesetzes. Sondern: Das Gesetz hat seinen Dienst getan. Wir sind unter der Gnade, und wir wollen unter dem Gesetz Christi sein, in diesem Gesetz des Geistes des Lebens. Das ist etwas ganz anderes. Denn da wird das Gesetz in uns erfüllt, durch den Herrn Jesus. Nicht wie im Alten Testament, wo sich der glaubende Israelit mit aller Kraft mühen musste, sondern jetzt haben wir Christus in uns, und er will unser Leben sein. Und er will uns für alles, was zum Leben und gottseligem Wandel dient, die Kraft geben, denn es ist uns geschenkt, nach dem ersten Petrusbrief.
Wollen wir an der Stelle erst einmal mit einem Gebet abschließen? Danach wäre noch Zeit für Fragen.
Himmlischer Vater, wir wollen dir jetzt einfach von ganzem Herzen danken, dass du ein Gott der Gnade bist. Vielleicht ist es uns jetzt gerade durch die Gegenüberstellung ein wenig mehr aufgegangen, was das heißt: ein Gott der Gnade, ein Gott, der die Erlösung schenkt, der den ganzen Himmel, die ewige Gemeinschaft mit sich schenkt in Jesus Christus und seinem vollbrachten Opfer.
Herr, wir danken dir, dass du uns eine ganz klare Lehre gibst in der Schrift über das Gesetz. Wir haben das versucht, heute Abend nachzuvollziehen. Und dass du uns aber noch viel mehr zeigst, was die Gnade ist, dass die Gnade in der Person Jesu Christi geworden ist.
Wir danken dir, Vater, dass wir in dieser Person zur Ruhe kommen dürfen und in dem vollbrachten Opfer. Auf dem Lamm ruht meine Seele, betet voll Bewunderung an, alle, alle meine Sünden hat sein Blut hinweggetan.
Nun lass uns diese Dinge, auch wenn sie vielleicht neu waren für uns, richtig verarbeiten. Lass sie uns verstehen, dass uns das nicht in eine Gesetzlosigkeit hineinführt, sondern in ein viel großartigeres Gesetz, in dieses Gesetz Christi, das Gesetz des Geistes des Lebens, der ganz persönlichen Liebesbeziehung mit unserem Erlöser.
Amen.