Abschluss des Gleichnisses vom einen Pfund
Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 670: Das Gleichnis vom einen Pfund, Teil drei.
Wir sind am Ende des Gleichnisses vom einen Pfund angekommen. Ein hochgeborener Mann reist weg, um König zu werden, und gibt seinen Knechten den Auftrag, in seiner Abwesenheit mit je einem Pfund Handel zu treiben.
Einer der Knechte erwirtschaftet zehn Pfund, ein anderer fünf, und ein dritter gar nichts. In der letzten Episode ging es um diesen bösen dritten Knecht, der mit Ausreden sein faules, sorgloses Tun beschönigt.
Schließen wir erst einmal das Gleichnis ab. Es gibt nämlich nicht nur den High Achiever, den Erfolgreichen, und den Loser. Es gibt auch die Feinde des Königs.
Lukas 19,27: „Doch jene, meine Feinde, die nicht wollten, dass ich über sie König würde, bringt her und erschlagt sie vor mir.“
Das ist also das Schicksal der Feinde: Sie werden umgebracht.
Die primäre Bedeutung des Gleichnisses
Kommen wir zur Deutung des Gleichnisses. Dabei wollen wir drei Themen besprechen. Erstens: Was ist die primäre Bedeutung des Gleichnisses? Zweitens: Wie verhält sich das Gleichnis zu dem Gleichnis von den anvertrauten Talenten in Matthäus 25? Drittens: Wie könnte man das Gleichnis eschatologisch übertragen?
Beginnen wir mit der primären Bedeutung. Diese ist einfach, weil Lukas uns ganz am Anfang aus dem Mund des Herrn Jesus erklärt, warum das Gleichnis gesprochen wurde. Was auch immer wir sonst noch in den Text hineinlesen, primär dient das Gleichnis dem Ziel, ein Gerücht zu widerlegen. Dieses Gerücht besagt, dass es jetzt mit dem Reich Gottes, genauer gesagt mit der Herrschaft des Messias, bald losgeht. Man ist schon fast in Jerusalem, und wenn Jesus dort einzieht, wird er sich auf den jüdischen Thron setzen und als König herrschen.
Das ist die Erwartungshaltung, die im Raum steht und sicherlich durch die Heilung von Blinden und die Bekehrung eines Oberzöllners noch angeheizt worden war. Genau diesem Gerücht tritt Jesus mit diesem Gleichnis entgegen, indem er drei Dinge deutlich macht.
Erstens: Um seine Herrschaft anzutreten, muss er erst einmal weggehen. Ja, er wird seine Herrschaft antreten, aber nicht in den nächsten Tagen.
Zweitens: Die Zeit bis zur Krönung wird von Ablehnung geprägt sein. Seine Bürger wollen ihn nicht. Auch wenn die Jünger und die Volksmenge um Jesus herum jetzt von ihm begeistert sind, wird es laute Proteste gegen seine Krönung geben. Der Weg zum Thron wird hässlich.
Drittens: Jesus wird nach seiner Krönung wiederkommen und richten, wenn der Messias seine Herrschaft antritt. Dann wird er als einer auftreten, der erst einmal beurteilt und bestraft – wahrscheinlich nicht ganz das, was seine Zuhörer erwartet hatten.
So viel zur primären Bedeutung des Gleichnisses.
Vergleich mit dem Gleichnis von den anvertrauten Talenten
Machen wir weiter. Wie verhält sich das Gleichnis von dem einen Pfund zu dem Gleichnis von den anvertrauten Talenten in Matthäus 25?
Soweit ich sehe, handelt es sich um ähnliche, aber inhaltlich doch recht unterschiedliche Gleichnisse, die man besser nicht zur gegenseitigen Erklärung heranzieht. Hier sind für mich die wesentlichen Unterschiede:
In Matthäus geht es um einen Geschäftsmann, nicht um einen zukünftigen König. Es sind drei Knechte beteiligt, nicht zehn. Die Summen sind unterschiedlich und groß, nicht jeweils eine Mina. Die Belohnung ist für die erfolgreichen Knechte gleich, nicht wie bei Lukas leistungsbezogen.
Der unnütze Knecht verliert nicht nur sein Talent, sondern wird auch in die äußerste Finsternis geworfen. Außerdem fehlen in Matthäus die Feinde, die bestraft werden.
Warum dieser kurze Vergleich? Weil ich mich in der Auslegung des Gleichnisses vom einen Pfund nicht an Matthäus 25 orientieren werde. Für mich sind das tatsächlich zwei völlig verschiedene Gleichnisse mit ganz unterschiedlichen Aussagen.
Vorbemerkungen zur eschatologischen Deutung
Kommen wir zur eschatologischen Auslegung des Gleichnisses vom einen Pfund. Heute reicht die Zeit leider nur für eine kurze Vorbemerkung.
Ich fürchte mich ein wenig davor, in meiner Podcast-Reihe zu den Evangelien über eschatologische Themen zu sprechen. Woran liegt das? Vor allem daran, dass ich in Bezug auf die Endzeit eine eigene Meinung vertrete, die sich vom Mainstream unterscheidet.
Für mich sind endzeitliche Themen, wie ich immer wieder betone, fürs geistliche Leben nicht wirklich relevant. Im Hier und Jetzt kann ich fleißig beten, evangelisieren und die Bibel lesen – ganz egal, mit welcher Brille ich auf die Offenbarung, die große Trübsal, das tausendjährige Reich oder den letzten Aufstand des Teufels blicke.
Meine Sorge ist nun, dass meine Hörer nicht so entspannt sind. Ganz ehrlich: Ich weiß, dass viele Christen ihre Rechtgläubigkeit an der Haltung zu ausgewählten Fragen festmachen. Als Gemeindeleiter wird man zum Beispiel oft nur gefragt: „Predigen bei euch Frauen?“ Und als ob das die wichtigste Frage der Welt wäre, wird die Tüchtigkeit einer ganzen Gemeinde an genau dieser Frage gemessen.
Dabei wären mir andere Fragen viel lieber. Wie wäre es zum Beispiel mit: „Wie oft fasten eure Ältesten in der Woche für die gesunde Entwicklung der Gemeinde?“ Oder: „Wie viele erwachsene Heiden sind im letzten Monat in eurer Gemeinde zum Glauben gekommen?“
Aber nein, die Frage, die immer wiederkommt, lautet: „Predigen bei euch Frauen?“ Und es gibt ähnliche Fragen zum Themenkomplex Israel, tausendjähriges Reich und den Antichristen. Und wehe, man ist dann nicht im Mainstream.
Persönliche Reflexion zur theologischen Haltung
Tja, ich bin nicht Mainstream. Deshalb stehe ich vor einem Problem: Predige ich das, was der Mainstream hören will, um niemanden zu verschrecken und keine Follower zu verlieren? Oder predige ich das, was ich wirklich glaube? Und sind meine eigenen Gedanken überhaupt wert, vorgestellt zu werden? Wäre es nicht sicherer, einfach den bekannten Predigern zu folgen?
Was treibt mich dabei an? Hochmut, übertriebenes Sendungsbewusstsein, Besserwisserei? All das geht mir gerade durch den Kopf. Ich gebe das so offen zu, weil ich euch für etwas gewinnen möchte. Was mir selbst über die Jahrzehnte des Glaubens immer wichtiger geworden ist, ist ein weites Herz in sekundären Fragen des Glaubens. Dieses weite Herz ist verbunden mit Neugierde und mit der Einsicht, dass eine tiefe Beziehung zum Herrn Jesus aus Gebet und Gehorsam erwächst – und nicht aus der Verteidigung theologischer Modelle.
Egal, ob es sich dabei um die Free Grace Theologie, die Pfingstbewegung des zwanzigsten Jahrhunderts, den Dispensationalismus des neunzehnten Jahrhunderts, den Calvinismus der Reformation mit Wurzeln im fünften Jahrhundert, die lutherische Bekenntnistradition aus dem sechzehnten Jahrhundert oder etwas anderes handelt: Ein weites Herz, Neugierde und eine gesunde Skepsis gegenüber theologischen Modellen sind entscheidend. Das ist es, was mich auszeichnet.
Wer mir auf diesem Weg folgen möchte, ist herzlich eingeladen, meine Auslegung zu hören und zu hinterfragen. Wer an dieser Stelle aussteigen will, weil er Sorge hat, in mir einen Irrlehrer zu erkennen, der seinen Glauben gefährdet, kann das gern tun. Ich kann das gut verstehen. Als junger Christ war mir auch jeder suspekt, der nicht genau meiner Meinung war.
Ausblick und praktische Anregung
Alle anderen erhalten in der nächsten Episode eine eschatologische Auslegung des Gleichnisses vom einen Pfund. Dabei spielen die Offenbarung 11 und Maleachi 3 eine ganz wichtige Rolle.
Was könntest du jetzt tun? Überlege, wie du mit sekundären Themen des Glaubens umgehst und wie viel Neugierde du dir erlaubst.
Das war es für heute. Wir sollen unsere Sünden jeden Tag bekennen. Falls du das noch nicht tust, beginne doch heute damit.
Der Herr segne dich, lasse dich seine Gnade erfahren und lebe in seinem Frieden. Amen.
