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Die Kleider auf dem Weg nach Jerusalem

06.12.1959Lukas 19,36

Gnade sei mit uns und Friede von dem, der da ist, der da war und der da kommt. Amen.

Lassen wir uns nun erneut die Geschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem betrachten. In Lukas 19,36 heißt es: „Da nun Jesus hinzog, breiteten sie ihre Kleider auf den Weg.“

Herr, heilige den Unsinn unserer Wahrheit. Dein Wort ist die Wahrheit! Amen!

Die Freude der Adventsbotschaft und ihre Herausforderung im Alltag

Ich hoffe, Sie haben die Geschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem im Geiste vor sich. Was für eine unbeschreibliche Freude liegt über dieser Geschichte, über dieser Geschichte! Man hört förmlich das Jubeln des Volkes, wenn man daran denkt.

Welche Freude liegt auch über der Botschaft, die seit dieser Geschichte bis zu uns reicht: die Adventszeit – „Sieh, dein König kommt zu dir.“ Meine Freunde, das macht allem ein Ende, was bisher war. Dein König, dein Heiland, kommt zu dir. Das ist eine Freude, die über der Adventsbotschaft liegt.

Nun möchte ich uns allen wünschen, dass diese Freude auch über uns in der Adventszeit liegt. Aber ich frage mich: Ist das eigentlich so? Ich fürchte, da ist oft wenig davon zu spüren. Ich habe den Eindruck, die Menschen sind nie so nervös wie drei Wochen vor Weihnachten. Geschäftsleute sind überlastet, Hausfrauen putzen Gardinen und Böden, erledigen Einkäufe – man kann kaum noch richtig mit den Leuten reden.

Da ist so wenig zu spüren von der Freude der Adventszeit. Viele schauen mich an, als hätten sie nicht verstanden, wovon ich eigentlich rede. Natürlich haben wir jeden Tag unsere Ärgernisse, unseren Kummer und unsere Streitigkeiten. Aber in der Adventszeit werden diese oft einfach überdeckt durch die Weihnachtsvorbereitungen.

Der alte Bodelschwingh – der Gründer von Bethel – hielt einmal eine schöne Predigt bei einem Missionsfest im Freien, vielleicht bei einem Fest in Lobetal, das spielt keine Rolle. Es war ein großes geistliches Fest im Freien.

Und da sagte Bodelschwingh in seiner Rede etwa Folgendes: „Liebe Leute, man spricht heute in der Kirche überall von der Aktivierung der Laien. Ich will euch ein schönes Amt nennen, das jeder ausüben könnte.“

Er erzählte, dass er vorhin auf den Festplatz kam, eine große Wiese, und am Rand einen kleinen Jungen sah. Der hatte sich ein Häuflein Steine gesammelt und zurechtgelegt. Bodelschwingh fragte den Jungen, was das werden solle und warum er die Steine gesammelt habe.

Der Junge antwortete: „Da drüben ist ein Tümpel, und im Tümpel sind Frösche. Wenn die anfangen zu quaken, kann kein Mensch mehr ein Wort verstehen von dem schönen Sionfest. Darum habe ich das Amt übernommen, dass ich jedes Mal, wenn so ein Frosch anfängt, einen Stein in den Tümpel werfe. Dann sind sie erst mal wieder ruhig für ein paar Minuten.“

Bodelschwingh fuhr fort, und das finde ich einen wundervollen Rat. Er sagte: „Ich wünschte, in jeder Gemeinde, in jedem Verein, in jeder Abteilung, in jedem Haus gäbe es so jemanden, der das Amt der Froschbekämpfung hätte. Wenn die Nervosität anfängt, wenn Streit und schlechte Laune und all diese Quäkereien losgehen, sorgt dieser Mensch für Ruhe, für Stille, für Freude. Das wäre ein schönes Amt, nicht wahr? Gerade in der Adventszeit.“

Aber meine Freunde, ich wünsche uns nicht, dass diese Häuser, die über die Adventsgeschichte – die in unsere Häuser und Herzen kommen soll – zu Stein werden in den Tümpel, wo die Frösche quaken.

So wollen wir uns recht anstecken lassen von der Freude der Adventsgeschichte und unser Herz einfach anstecken lassen. Dazu wollen wir nun die Geschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem noch einmal betrachten.

Die Bedeutung der Kleider beim Einzug Jesu

Ich predige nun schon seit etwa 35 Jahren, ungefähr jeden Sonntag. Dabei stößt man auf die merkwürdigsten Dinge. Heute Morgen habe ich zum Beispiel den Esel aus der Geschichte herausgenommen und über ihn gepredigt. Manche haben mir das ein wenig übelgenommen und gesagt, das sei doch zu weit gegangen.

Heute möchte ich euren Unwillen erst recht riskieren, denn ich möchte aus der fröhlichen Geschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem die Kleider herausnehmen, die die Leute auf dem Weg ausgebreitet haben, damit der Herr Jesus darauf reiten kann.

Lasst uns die Kleider ansehen, die in der Geschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem ausgebreitet wurden. Ich möchte dreierlei über diese Kleider sagen. Genauer gesagt: Die Kleider haben mir dreierlei gesagt, und das möchte ich Ihnen weitergeben.

Die Kleider als Ausdruck der Liebe zu Jesus

Das Erste ist nichts. Diese Kleider, die von Liebe sprechen, diese Kleider, die von Liebe sprechen.

Ich möchte die Geschichte noch einmal kurz in Erinnerung rufen. Da waren die zwei Jünger hingegangen, wie Jesus es befohlen hatte, und hatten den Esel für ihn hergeholt. Als sie ihn brachten, machten sie aus einem Obergewand eine Art Sattel. Dann, so heißt es, setzten sie Jesus darauf.

Er war noch nicht einmal ganz aufgestiegen. Ich weiß auch nicht, wie man auf einen Esel steigen soll, ohne Steigbügel. Da hoben sie ihn in Heilern hoch und setzten ihn auf den Esel.

Und dann ging es los, unter dem Jubel der Jünger. Dieses Singen und Jubeln: "Messias Heil, der wiederkommt im Namen des Herrn" – der messianische Ruf. Dieser Jubel steckt an. Andere rufen mit, schreien mit, das Geschrei wird immer größer, die Freude immer gewaltiger.

Schon steigen ein paar Jungs auf die Bäume, hauen Zweige ab und streuen sie auf den Weg. Aber ich muss offen sagen: Solche Zweige sind ja eher schlecht zum Darüberreiten, oder?

Dann fängt einer an, zieht sein Gewand aus, sein Obergewand, und breitet es auf den Weg aus. Das leuchtet den Männern ein. Nun fliegt ein Gewand nach dem anderen auf den Weg, bis das Ganze schließlich wie ein zusammenhängender Teppich aussieht, über den Herr Jesus hinreitet.

Wissen Sie, wenn in Bonn großer Bahnhof ist, haben Sie auch so einen Läufer. Der ist immerhin breit, oder? Nun, es gab keine Behörden, die für Jesus einen großen Empfang organisiert hätten. Also legten die Leute den Teppich aus – aus Kleidern.

Um das zu verstehen, muss man wissen, dass die Leute damals im Morgenland nicht so umständlich geschneiderte Röcke hatten wie wir, mit Bleistift in der Tasche und allerlei Schnickschnack. Das hätte Komplikationen gegeben. Stattdessen hatten sie einfach ein großes, ungenähtes Tuch, das man malerisch umschlang. Das konnte man gut hinlegen.

Nun, meine Freunde, ich habe im Geiste diese Kleider gesehen. Da lagen sie nun: kostbare Tuche von irgendeinem reichen Mann und daneben der geflickte Rock eines galiläischen Bäuerleins, das zum Fest nach Jerusalem gekommen war. Ein bunt gefärbter Rock eines jungen Gentlemans, eines jungen Stützers, und daneben der hundertmal gewaschene und ausgebleichte Rock eines Kameltreibers.

Was mag das für eine Sammlung von Kleidern gewesen sein, nicht? Jedes dieser Kleider erzählt eine Geschichte über seinen Träger. Und Jesus reitet darüber. All die verschiedenen Kleider rufen und sprechen dasselbe: "Herr Jesus, wir haben dich lieb."

Alle diese armen und herrlichen Röcke sprechen dieselbe Sprache: Sohn Gottes, der du die Herrlichkeit beim Vater aufgegeben hast, der du uns gleich geworden bist, der du in Fleisch und Blut gekleidet bist, der du unser Bruder geworden bist – wir haben dich lieb.

Ich höre, wie diese Kleider reden und rufen: O Herr Jesus, Sohn Gottes, der du die Aussätzigen angefasst hast, was sonst keiner wagt; der du unsere Kinder ans Herz gedrückt hast; der du uns Brot gabst, als wir hungerten; dem das Herz brach, wenn unsere Elenden, Verzweifelten und Besessenen zu dir kamen; der du die Toten aus den Gräbern erwecktest – o Herr Jesus, wir haben dich lieb!

Herr Jesus, der du die Sünder und Zöllner angenommen hast, dem keiner zu schlecht und zu elend war – Herr Jesus, wir haben dich lieb. Darum breiten wir uns aus, liegen hier im Staub wie Röcke!

Seht, all die Röcke sprechen dieselbe Sprache: Herr Jesus, wir haben dich lieb.

Die Leute, die die Kleider hingelegt haben, meine Freunde, die ahnten nicht, dass Jahrhunderte später Theologen und große Gottesmänner sich um eine Abendmahlslehre streiten würden. Sie ahnten nicht, dass es einmal einen lutherischen, reformierten Katholizismus geben könnte, eine griechisch-orthodoxe Kirche und noch räumliche Evangelien, die sich alle auf diesen Jesus berufen.

Diese Leute hatten keine Ahnung vom Katechismus und von all dem. Sie würden in jeder Konfirmandenprüfung einfach nicht verstanden werden. Aber sie hatten einen Heiland lieb. Und es steht immerhin in der Bibel: Christus liebhaben ist besser als alles Wissen.

Darum muss es wohl eine große Sache sein, nicht? Wenn ich es genau betrachte, ist das wahrscheinlich das Herzstück des ganzen Christentums: Christus liebhaben ist besser als alles Wissen.

Nun muss ich uns fragen: Wie steht es denn bei uns? Ach, wir haben viel Wissen. Aber Jesus einfach liebhaben, wie die Jünger von Emmaus nach der Auferstehung sagten: "Brannte nicht unser Herz?" Wisst ihr, was von brennender Liebe kommt?

Lassen Sie mich nur ein paar Skizzen aus den letzten acht Tagen geben:

Ich sprach in einer höheren Schule. In den letzten fünf Minuten haben die Schüler Fragen gestellt. Einer stand auf und sagte: "Nun haben Sie doch von Gott geredet, aber das verstehe ich nicht. Warum nennen Sie immer Jesus?"

Und wenn ich das höre – das habe ich tausend, zehntausendmal gehört, seit ich Pfarrer bin – dann heißt das: Der Glaube an Herrn Gott ist da, aber warum reden Sie immer von Jesus? Nach jeder Emigration höre ich das.

Dann denke ich: Ach, das müsste man den Leuten sagen. Da war ein Zug Jesus in Jerusalem. Sagen Sie mal, wir glauben ja auch an Herrn Gott, was machen Sie mit Jesus?

Was würden die Leute wohl gesagt haben? Sie hätten gesagt: "Ach, geh schon ab mit deinem Geschwätz, wir müssen unsere Kleider hinbreiten, unser Herz brennt für ihn."

Er will brennen, aber er kapiert gar nichts. Erklären kann man das niemandem, der nicht weiter ist, auch bar um Gottes Sicht.

Glauben Sie weiter an Herrn Gott, aber nicht an den nebulösen Herrgott, solange Sie nicht von Jesus wissen.

Oder: Da kommt eine Frau zu mir, unklar über den Streit mit einer Hausgenossin. "Ja", sagte sie als Quintessenz, "ich bin ja christlich erzogen, ich bin ja christlich erzogen." Sie sieht, wie sie einen Ballon aufstellt. "Ich bin ja christlich erzogen, aber die andere hat keine Ahnung."

War Gott christlich erzogen? Aber da ist keine Spur von dieser brennenden Liebe zum Heiland. Sonst könnte sie ihre Kontrahentin liebhaben, oder?

Ich glaube, ich fürchte, Gott pfeift auf diese Art christliche Erziehung, bei der am Ende nicht mehr ein Fünkchen Liebe zum Heiland herauskommt.

Wie steht es bei uns? Ach, unsere kalten, toten Herzen – wir können sie ja nicht selbst ankurbeln, oder?

Aber eins könnten wir wenigstens tun: Wir könnten es Gott in der Stille heute sagen: Herr, diese Leute hatten dich lieb, und sie hatten weniger Grund, dich lieb zu haben als ich. Denn sie wussten noch nichts von deiner größten Tat, von deinem Kreuz.

Davon weiß ich: Du bist für mich gestorben, und ich bin so tot.

Vielleicht sagen wir es Gott mal: Herr, erbarm dich über mein armes, totes Herz. Ich schäme mich so, dass diese Leute, die so wenig wussten, dich brennend liebten. Davon reden diese Kleider – und bei mir ist so wenig Liebe.

Das ist das Erste, was die Röcke mir sagten, diese Kleider. Sie breiteten die Kleider auf dem Weg aus.

Diese Kleider sprechen von Liebe zu Jesus.

Die Kleider als Symbol für die Gerechtigkeit vor Gott

Und nun das Zweite: Diese Kleider, die da in den Staub gelegt wurden, haben einen geheimen Sinn. Das muss ich Ihnen jetzt erklären, und es ist sehr wichtig, dass Sie das verstehen. Es geht um Ihre Seelenseligkeit.

Diese hingelegten Kleider haben einen geheimen Sinn, einen Sinn, den die Menschen damals selbst nicht verstanden haben. Wir erkennen ihn erst im Nachhinein. Ich möchte Ihnen das erklären.

Sehen Sie, der Herr Jesus ritt über diese Kleider hinweg, schnurstracks nach Golgota zum Kreuz. Wenige Tage später wurde er gekreuzigt. Dort am Kreuz, als er angenagelt war, hat der Sohn Gottes uns etwas erworben, das die Bibel Gerechtigkeit vor Gott nennt.

Die Bibel vergleicht diese Gerechtigkeit vor Gott oft mit einem Kleid, mit einem Gewand. Ich möchte Ihnen eine entscheidende Stelle nennen: "Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott, denn er hat mich angezogen mit Kleidern des Heils und mich mit dem Rock der Gerechtigkeit bekleidet."

Sehen Sie, solange wir blind sind – von Natur aus sind wir innerlich blind, wie kleine Katzen, die zur Welt kommen – so sind viele Menschen blind und sterben, ohne je sehend geworden zu sein. Oh Gott, erbarm dich über uns!

Solange wir blind sind, bilden wir uns ein, das Kleid unserer eigenen Gerechtigkeit zu tragen. Wer gut ist, wer schön ist, wer recht handelt – wir gefallen uns selbst mit dem Kleid unserer eigenen Gerechtigkeit, wie ein Konfirmand, der zum ersten Mal lange Hosen bekommt und sich darin bezaubernd findet. So halten wir uns von Natur aus für gerecht, im Kleid unserer eigenen Gerechtigkeit.

Aber fragen Sie einmal in der Stille den lebendigen Gott: Was denkst du über mich? Man muss nur still werden und fragen: Was denkt Gott über mich? Wenn Sie das im Licht der Zehn Gebote tun, wird Ihnen klar, dass das Kleid Ihrer Eigengerechtigkeit nicht taugt.

Dann verstehen Sie ein anderes Bibelwort, in dem Gerechtigkeit ebenfalls mit einem Gewand verglichen wird: "Unsere Gerechtigkeit ist wie ein unflätiges Kleid." Das Wort "unflätig" kennen wir kaum; wir würden sagen: "Unsere Gerechtigkeit ist wie ein besmutztes Gewand."

Meine Freunde, lassen Sie uns unsere eigene Gerechtigkeit, mit der wir vor Gott nicht bestehen können, vor Jesus in den Staub werfen – so wie die Leute ihre Kleider hingelegt haben. Legen Sie gleichsam vor seine Füße das Kleid Ihrer eigenen Gerechtigkeit hin. Es taugt zu nichts, es ist zu nichts zu gebrauchen, außer dass Sie es in den Staub werfen.

Es hilft auch keine Selbstreinigung. Ich höre überall diese Versuche, das Kleid der eigenen Gerechtigkeit selbst zu waschen. Da heißt es: "Aber ich habe es doch so gut gemeint." Da kann jemand zehntausend christliche Gefangene erschossen haben, und der Satz vor Gericht lautet: "Ich habe es so gut gemeint, ich habe meine Pflicht getan." Hören Sie diese Selbstreinigung?

Oh doch, es kommt alles auf den guten Willen an. Und da kann man sich auch im zweiten Teil von Faust berufen fühlen: "Wer strebend sich bemüht, dem ist das Leben nicht verwehrt." Oh doch, andere sind ja viel gottloser als ich, immerhin. So denkt man.

Aber, liebe Freunde, unsere Gerechtigkeit vor Gott ist wie ein beschmutztes Gewand. Ich möchte Ihnen raten, als eine schöne Adventsbeschärfung, das Gewand Ihrer eigenen Gerechtigkeit zu den Kleidern zu werfen, die die Leute vor Jesus in den Staub geworfen haben.

Das Beste, was wir tun können: Er schenkt uns, dafür ist er gestorben, eine andere, bessere Gerechtigkeit. Das ist die tiefste und herrlichste Glaubensweisheit: Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid. Damit will ich vor Gott bestehen.

Und man ist so furchtbar, wie ich das erst kapieren kann. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder tragen wir unsere eigene Gerechtigkeit vor den Augen Gottes bis zum jüngsten Tag oder wir werfen sie weg und empfangen im Glauben das Kleid der Gerechtigkeit, die er uns erworben hat. Eine dritte Möglichkeit gibt es nicht.

Wie wichtig das ist, hat der Herr Jesus uns selbst durch eine Geschichte klar gemacht. Die muss ich Ihnen eben erzählen.

Da war ein König, der veranstaltete ein großes Gastmahl. Alle wurden eingeladen. Sie sagen, es gibt so etwas nicht mehr. Doch, in meiner Jugend war der König von Siam in Homburg an der Höhe und lud ganz Frankfurt ein. Das war ein tolles Fest, da war fast ganz Frankfurt betrunken, es war schlimm.

Nun sagt Jesus: So ein König lud alle Wälder zum großen Fest ein, alle konnten kommen. Riesige Festhallen wurden gebaut, und nun kam jeder, der wollte – der kümmerlichste Bettler, die stinkendsten Strolche konnten kommen.

Vor der Festhalle musste jeder sein eigenes Gewand abgeben und bekam ein königliches Festgewand. Als das Fest auf dem Höhepunkt war, geht der König durch die Festsäle. Er sieht einen Mann, der das königliche Festgewand trägt, aber es umgangen hat. Er hat es zurückgewiesen und gesagt: "Ich brauche es nicht, mein Anzug ist gut genug."

Er hatte seinen besten Sonntagsanzug angezogen. Doch der König sieht den Mann, der nicht im königlichen Festkleid ist, und ruft die Diener: "Packt ihn!" Jesus erzählt, dass er hinausgeworfen wird in die äußerste Finsternis.

Verstehen Sie das? Im Reich Gottes kann keiner sein, der das Kleid seiner eigenen Gerechtigkeit tragen will. Das können Sie tragen, aber Sie sind ausgeschlossen vom Festmahl Gottes, ausgeschlossen vom Reich Gottes.

Darum ist es so wichtig: Wer am Tische Gottes sitzen will, muss sich von Jesus die Gerechtigkeit schenken lassen, die er uns erworben hat. Menschen sagen: "Ich habe gesündigt, fort mit meiner eigenen Gerechtigkeit."

Warum verteidigen wir unser Leben? Warum rechtfertigen wir uns? Warum gehen wir nicht zum Heiland und sagen: "Ich habe gesündigt, fort mit der eigenen Gerechtigkeit! Ich will sie hinwerfen zu den Kleidern, die diese Leute in den Staub geworfen haben."

Christi Blut und Gerechtigkeit – das soll das Gewand sein, das wir im Glauben anziehen. Das ist der tiefe Sinn hinter dieser Geschichte. Da fliegen noch viele Röcke dazu, zu den Kleidern, die im Staub liegen. Aber die, die erkannt haben: "Meine Gerechtigkeit taugt nicht, Herr Jesus, schenke mir das neue Gewand deiner Gerechtigkeit."

Die bedenkliche Seite der Geschichte vom Einzug Jesu

Und lassen Sie mich noch kurz ein drittes sagen: Wir wollten diese Kleider ansehen. Sie sprechen von der Liebe, sie haben einen geheimen Sinn. Sie sprechen von anderen Kleidern, von den Gerechtigkeitskleidern.

Jetzt möchte ich noch einmal zurück zur Geschichte kommen und Ihnen als Drittes die bedenkliche Seite dieser Geschichte zeigen. Sehen Sie die bedenkliche Seite. Sehen wir die Sache noch einmal vor uns: Einzug Jesu in Jerusalem. Der Esel schreitet über Teppiche, das Wort jubelt, Jungen werfen Palmzweige auf den Weg. Gelobt sei, der kommt im Namen des Herrn. Schön, nicht? Einfach schön. Liebe spricht aus den Kleidern. Sie haben einen geheimen Sinn: So soll unsere schlechte Gerechtigkeit umgeworfen werden.

Schön, aber die Geschichte hat auch eine bedenkliche Seite. Ich stelle mir vor, da ist ein Mann, ein reicher, etwas dicklicher Mann, so meiner Statur. Er hat auch sein Gewand dahingeworfen. Beste Sonntagskleidung hat er angezogen, weil er zum Fest nach Jerusalem zog. Nun geht er neben Jesus her, ganz voll Freude. Einmal kommt ein Junge nach und sagt: „Das ist ja Ihr Gewand hier, nicht?“ Hinten holen die Jungen das Auge und brechen den Leuten das Gewand.

Da bleibt er stehen und schaut seinen schönen Sonntagsanzug an. „Au“, sagt er, „was meine Frau jetzt wohl sagen wird.“ Nein, der Anzug war völlig verdreckt, und vielleicht hat der Hut des Edels auch noch so ein Loch reingehauen, genau da, wo man es nicht gut verbergen konnte. „Ach, egal“, sagt er, „dieser Heiland, da kommt der Messias, der ist auch ein Gewand wert.“ Und dann schlägt er das Gewand aus, legt es um sich und geht davon. Er denkt: „Da habe ich richtig mitgemacht. Ich habe meinem Heiland meinen Sonntagsanzug geopfert.“

Er ahnt nicht, dass das viel zu wenig ist, viel zu wenig geht. Denn der Herr Jesus will nicht Kleider, das genügt dem Heil nicht. Der Herr Jesus will mehr. Er will nicht Kleider, sondern Menschen. Er will dich!

Es geht um mich, es geht im Evangelium ums Ganze. Er ist am Kreuz gestorben und hat für uns die unlösbare Schuld bezahlt, damit er uns loskaufen konnte für Gott. Sie hatten mal den Katechismus gelernt, im zweiten Artikel wird alles von Jesus aufgezählt. Er wurde gewonnen, gewonnen von allen Sünden, vom Tod. Wissen Sie, wie das heißt? „Oh, das ist ich sein, eigen sein, nicht mein Rock, ich, mein Rock auch, das kommt nie mehr.“ Ich sein, eigen sein.

Meine Freunde, hier ist der haarscharfe Unterschied zwischen Christsein und christlich sein. Es gibt so viel Christliches unter uns, dass man langsam die Grenzen ziehen muss. Christlich sein ist auch noch ein breiter Weg, der zur Verdammnis führt. Christsein verschmälert sich, wenn ich die zugeben führe. Und hier ist die Herrschaft die Grenze.

Wir sind eine sehr christliche Versammlung. Wir sind eine christliche Versammlung, wir kennen Atheistenversammlungen. Und Sie alle miteinander, wir haben schon ganz schön vor Jesus hingebreitet, wenn nicht gerade unsere Röcke, vielleicht auch unsere Röcke, die wir am Hilfsberg geschnitten haben, nicht? Nachdem wir sie nicht mehr tragen konnten im schönen Westdeutschland, haben wir sie doch am Hilfsberg gegeben für den Osten. War auch schon etwas, nicht?

Oder was haben wir für großartige Opfer hier für Jugendarbeit gebracht, muss ich wirklich anerkennen. Wir haben Jesus eine Menge hingebreitet. Und seit Sie immerhin heute Morgen aller Frühe aufgestanden sind, um halb neun zum Gottesdienst zu kommen – da kann man ja überhaupt kaum wach bleiben so früh am Morgen. So in meiner Ballertstraße schläft und geht alles aus um die Zeit, und Sie sind da. Wir haben Jesus eine Menge hingebreitet.

Das ist gut, das ist schön. Aber meine Freunde, es geht entscheidend um etwas anderes. Es geht um uns selbst. Das ist ein Schritt, der sich selber mich umlegt. Da reißen, krachen so und so viele Bindungen kaputt, die in ihrem Leben geschehen.

Wollen Sie nicht dieses Jahr richtig Advent feiern? Das wäre ein seliger Advent, wenn aus unserem Gottesdienst Menschen aus all der christlichen Halbheit herausgehen und wirklich Christusangehörige Christen würden.

Ich will schließen mit einem Satz aus dem Weihnachtslied, der heißt so schön: „Nimm ihn, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Mut, nimm alles hin und lass dir’s wohlgefallen.“

Und nun wollen wir beten:

Ich lag in tiefer Todesnacht, du wurdest meine Sonne. O Herr, nun gib das auch unser Herz, lebendig wie aus dem toten Stein, dass es dich einfach liebhaben kann. Gib uns Erkenntnis des Heils, was das Kleid deiner Gerechtigkeit ist, und schenk uns, ehe wir da hinfahren, dass unser Leben dir gehört, dir, dem Erlöser.

O Herr, du rufst uns nicht den Tyrann. Du hast ja selber dich für uns geopfert. Wie sollte unser Leben nicht dir gehören?

Amen.