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Das Reich Gottes, Teil 4/5

Matthäus 12,2216.09.1998
SerieTeil 4 / 5Das Reich Gottes
Israel lehnt Gottes Einladung ab – erst den Vater, dann den Sohn, dann den Heiligen Geist. Was bleibt: Du bist gefragt, das Reich Gottes heute sichtbar zu leben und weiterzutragen.

Rückblick auf die bisherigen Linien des Reiches Gottes

Zu Beginn wieder eine ganz kurze Wiederholung: Wir können jetzt nicht mehr alle vergangenen Abende Revue passieren lassen. Aber diese Folie vom ersten Abend, die sich inzwischen etwas verschönert hat, ist ja so etwas wie die Schneise durch die ganzen Abende, durch die Thematik des Reiches Gottes.
Ich hole nur kurz in Erinnerung, dass wir fünf Aggregatzustände des Reiches Gottes unterschieden haben, wie beim Wasser, das ja drei Aggregatzustände hat. Wir haben über das universelle und ewige Reich Gottes gesprochen, das so lange existiert, wie Gott existiert. Denn Gott ist König, und ein König hat ein Herrschaftsgebiet. Solange Gott existiert, gibt es das Reich Gottes in dieser Form, dem sich auch alles unterordnen muss.
Dann haben wir über das geistliche Reich Gottes gesprochen, in das Menschen durch den Glauben an ein stellvertretendes Opfer hineinkamen. Im Alten Testament kamen die Menschen durch den Glauben an ein Tieropfer, das stellvertretend für sie gebracht wurde, in dieses geistliche Reich. Seit Tod und Auferstehung Jesu, seit Pfingsten, kommt man durch Wiedergeburt in dieses Reich Gottes. Von diesem geistlichen Reich sprach Jesus zu Nikodemus: Wenn du nicht von neuem geboren wirst, so kannst du nicht in dieses geistliche Reich kommen.
Dann hatte Israel in seiner Geschichte im Alten Testament unter Mose und den Königen eine Form des Reiches Gottes, die wir theokratisch genannt haben. Das heißt: Gottesherrschaft, sichtbar hier auf dieser Erde im Volk Israel. Natürlich ist Gott unsichtbar, aber es war eine theokratische Herrschaft über sein Volk Israel. Bis kurz vor das Kreuz geht diese Linie. Wir haben letztes Mal darüber gesprochen, wo der Bruch kam. In Matthäus 12 ist der Bruch. Die anderen Evangelien sprechen auch davon, aber am deutlichsten das Matthäusevangelium, Kapitel 12. Dort begann dann das verborgene und vermischte Reich, über das wir letztes Mal besonders gesprochen haben. Ich werde das gleich noch auf der nächsten Folie etwas deutlicher machen.
Das verborgene und vermischte Reich heißt: Seit Israel abgelehnt hat, begann das Königreich der Himmel. Und dieses Königreich der Himmel bedeutet, dass Gott zwar vom Himmel regiert, dass sich aber hier auf der Erde einige Dinge ineinander mischen. Da ist das Reich Satans und das Reich Gottes, und es gibt so eine Mischform. Das heißt, Gläubige und Ungläubige kann man kaum voneinander unterscheiden. Es gibt wirkliche Gläubige, die ihren Weg gehen, aber dann auch Scheingläubige, Scheinchristen, Namenschristen usw. Und da man sie hier manchmal kaum auseinanderhalten kann, führen Namenschristen manchmal einen vorbildlicheren Wandel als wirkliche Gläubige. Das gibt es leider.
Wir haben gesagt: Üppiges Unkraut kann man manchmal nicht von kümmerlichem Weizen unterscheiden. Das ist genau die Form jetzt. Der Herr kennt die Seinen. Das ist eine Grundaussage in den Briefen. Der Herr kennt die Seinen. Gott kann immer auseinanderhalten, wer wirklich zu ihm gehört und wer nicht. Aber wir können es nicht. Wir können bei einem Menschen kaum sagen, es sei denn, er bekennt sich wirklich als ungläubig und lebt auch so, aber sonst können wir bei vielen Menschen überhaupt nicht sagen, ob sie gläubig sind oder nicht, weil wir niemandem ins Herz hineinschauen können.
Dieses verborgene und vermischte Reich haben wir in Matthäus 13 entfaltet gesehen und haben an den sieben Himmelreichsgleichnissen gesehen, wie sich das in der Geschichte weiter ausbreiten wird bis zur Wiederkunft Jesu. Und dann, wenn Jesus Christus sichtbar wiederkommt, dann wird das messianische oder tausendjährige Reich beginnen, über das wir heute in einer Woche noch sprechen wollen und den Abschluss machen. Auch das wird noch einmal ein sehr interessanter Abend, kann ich versprechen, weil das tausendjährige Reich viele, viele Dinge umfasst, die auch für uns heute schon sehr wichtig sind.
Wir müssen im Alten Testament einige Stellen lesen und sie einordnen: Wo gehören sie hin? Wann werden sie erfüllt? Sind sie schon erfüllt oder werden sie erst noch erfüllt? Das wollen wir an dem nächsten Abend dann machen. Wir werden uns noch einmal mit dieser Zeit und dieser Zeit beschäftigen, hier mit dem verborgenen, vermischten Reich, was zurzeit eben stattfindet. Und ein Teil dieses verborgenen und vermischten Reiches ist ja auch das wahre Reich Gottes. Die wahren Gläubigen sind ja hier drin. Das Rot ist ja hier reingeflossen in das Violett, von den Farben gesehen. Und da müssen wir heute sehen, wie sich das Reich Gottes ausgebreitet hat nach der Ablehnung Israels, wie das dann weiterging mit dem Reich Gottes bis zum heutigen Tag.

Die sichtbare Christenheit und ihr gemischter Charakter

Ich zeige noch eine Folie, die wir auch letztes Mal aufgelegt hatten.
Das Reich der Himmel besteht, so gesehen, aus einem wahren Kern von Wiedergeborenen. Das sind Menschen, die durch Gottes Wort und Gottes Geist neu geboren sind, Kinder Gottes, echte Gläubige, errettet für Zeit und Ewigkeit. Das ist der Bereich der Wiedergeborenen.
Und um sie herum gibt es einen Bereich der Bekenner oder der bekennenden Christen, die einfach sagen: Ja, ich bin auch Christ. Und ich hatte auch einen gläubigen Großvater. Und wehe, du sagst, ich bin kein Christ. Ja, ich gehe doch Ostern und Weihnachten in die Kirche usw. Das ist der Bereich der Christenheit. So haben wir es ausgedrückt: Christenheit, alles, was unter dieser Flagge segelt, das gehört hierhin.
Ich hatte gestern ein erschütterndes Erlebnis bei einer Beerdigung hier in Käfertal. Da hat jemand gesprochen, und ich hörte schon während der Ansprache, dass da etwas nicht stimmt. Dann habe ich das an ein paar Ausdrücken erkannt und auch noch an einer Handlung, die er am Schluss vollzogen hat, nach seiner Ansprache. Danach habe ich, nachdem am Grab alles vorbei war, diesen Redner, diesen Beerdigungsredner, angesprochen und habe gesagt: Darf ich Ihnen eine Frage stellen? Ja. Sind Sie Freimaurer? Ja. Woran haben Sie mich erkannt? Sie auch? Habe ich gesagt. Oh nein, ich bin überzeugter Christ. Er sagte: Das bin ich auch. Ich gehöre zur religiösen Gruppe der Freimaurer.
Ja, wir haben uns noch eine Weile unterhalten. Selbst die religiöse Gruppe der Freimaurer zählt sich selbst hier in diesem Bereich der Christenheit. Der Mann hält sich für einen überzeugten Christen.
Die Freimaurer sind in viele Grade aufgeteilt. Im letzten, höchsten, dreiunddreißigsten Grad haben sie die offene Teufelsanbetung. Aber das wissen die Leute nicht, die da unten in diesen untersten Graden sind. Sie tun viel Gutes und sind humanitär sehr engagiert. Und der Mann ist vielleicht in gutem Glauben, dass er etwas Gutes tut usw. und weiß gar nicht, wo er sich aufhält.
Gut, das zu dem Bereich Christenheit.

Der Bruch mit Israel und die Ablehnung des Reiches

Kommen wir also jetzt wieder zum Thema. Wir brauchen
Wir haben letztes Mal gesehen, dass Israel das Reich Gottes angeboten bekam, zuerst von Johannes dem Täufer, dann von Jesus Christus selbst. Beide hatten die gleiche Botschaft an das Volk: Kehrt um und glaubt an das Evangelium, das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen.
Das Reich Gottes wurde Israel angeboten, und Israel lehnte ab. Wir haben Kapitel zwölf angeschaut letztes Mal, das war der grosse Bruch im Matthäusevangelium. Wir können uns erinnern: Da ist ein ganz besonderes Wunder geschehen, von dem auch nur einmal im Neuen Testament berichtet wird, dass ein Besessener, der blind und stumm war, geheilt wurde. Und solch ein Wunder wurde dem Messias zugeschrieben. Das war eines der Erkennungszeichen des Messias in der rabbinischen Vorstellung. Wenn das einer tun würde, das musste der Messias sein.
Und sofort kam die Aussage des Volkes: Ist das nicht der Sohn Davids? Ist er nicht der Messias? Und dann haben die Pharisäer eine furchtbare Aussage getroffen und gesagt: Dieser treibt die Dämonen nicht anders aus als durch Beelzebul. Also mit anderen Worten: Das war ein satanisches Wunder, dämonisch. Er hat durch den Obersten der Dämonen gewirkt.
Nun könnt ihr sagen: Ja, das haben doch die Pharisäer behauptet, die Pharisäer haben Jesus abgelehnt. Das arme Volk, die wurden betrogen von den Pharisäern, von ihren Führern. Das waren blinde Blindenleiter, die haben die anderen Blinden in die Grube geführt. Aber was kann das Volk dafür? Warum muss es mit dafür herhalten und die Folgen tragen, dass einige religiöse Führer verblendet waren?
So ist es nicht. Auch das allgemeine Volk lehnte Jesus ab. Wenn ihr ein Kapitel zurückblättert in Matthäus, dann sehen wir das sehr deutlich.
Ich möchte gerne heute Abend einige Abschnitte mit euch zusammen anschauen und hoffe sehr, dass uns der Herr diese Abschnitte aufschliesst, dass wir neue Entdeckungen machen dürfen, dass wir mehr verstehen. Und ich mache euch nur Mut, auch Notizen zu machen in eurer Bibel oder so. Die Dinge, die ich sage, braucht ihr ja nicht mitschreiben, die gibt es nachher auf dem Umdruck. Aber unsere Bibeln sollten ausschauen wie die Landkarte von Christophorus Kolumbus, der hat alle Entdeckungen eingetragen mit Farben, mit Datum und mit Zeichen usw. So sollten unsere Bibeln aussehen.
Gut, Matthäus 11,16-24. Da ist ein Gleichnis, genauer gesagt. Es beginnt auch mit der Aussage: Wer Ohren hat, der höre. Das wird ja oft bei Gleichnissen verwendet.
Vers 16: Wem aber soll ich dieses Geschlecht vergleichen, sagt der Herr Jesus? Es ist Kindern gleich, die auf den Märkten sitzen und ihren Gespielen zurufen und sagen: Wir haben euch gepfiffen, und ihr habt nicht getanzt; wir haben Klagelieder gesungen, und ihr habt nicht gewehklagt.
Was soll das heissen? Es soll heissen: Jesus sagt, Israel verhält sich wie eine Gruppe Kinder, die spielen. Hochzeit, wie heisst das im Schwäbischen, Hochzeiterlesse oder so ähnlich? Also, die spielen Hochzeit: Wir haben euch gepfiffen, und ihr habt nicht getanzt. Oder sie spielen Beerdigung: Wir haben Klagelieder gesungen, und ihr habt nicht gewehklagt. Also da spielen Kinder. Kinder spielen ja gerne mal Hochzeit, mal Beerdigung, Hauptsache, da kann etwas gespielt werden.
Und jetzt erklärt das der Herr Jesus und sagt: Denn Johannes ist gekommen, der weder ass noch trank, und sie sagten: Er hat einen Dämon. Da waren sie sehr schnell mit. Alle, die nicht richtig in das Schema passten, hatten bei den Pharisäern Dämonen.
Der Sohn des Menschen ist gekommen, der da isst und trinkt, und sie sagen: Siehe, ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund der Zöllner und Sünder. Und die Weisheit ist gerechtfertigt worden aus ihren Werken.
Also wir sehen hier: Das allgemeine Volk lehnt Jesus auch ab. Denn wenn wir das Gleichnis erklären, die Zöllner und die Huren, die waren wie der erste Sohn. Entschuldigung, ich bin jetzt woanders eingerutscht. Ich wollte sagen: Der Sohn des Menschen ist gekommen, der isst und trinkt, und sie sagen: Er ist ein Fresser und Weinsäufer. Bei Johannes, der weder ass noch trank, sagen sie: Er hat einen Dämon.
Also: Der eine lebt asketisch wie Johannes der Täufer, wird abgelehnt. Jesus kommt, lebt normal, er trinkt Wein und isst ganz normal, geht auf Hochzeiten etc., und sie sagen: Er ist ein Fresser und Weinsäufer. Das Volk wohlgemerkt. Das wird auf das ganze Volk bezogen, nicht nur auf die Führer, die Pharisäer oder so.
Wem soll ich dieses Geschlecht, diese Generation, vergleichen? Israels, die das ganze Leben und Wirken Jesu miterlebt hatte. Er sagt: Dieses ganze Volk, die lehnen ihn ab. Die lehnen Johannes den Täufer ab und sagen, der ist asketisch, der hat einen Dämon. Und sie lehnen Jesus ab, weil sie sagen: Ja, das sind Fresser und Weinsäufer.
Also: Die Führer lehnten ab, Kapitel zwölf. Das allgemeine Volk lehnte ab, Kapitel elf. Und jetzt sehen wir, in welcher Tiefe, mit welcher Vehemenz Israel Jesus ablehnte und das ganze Angebot des Reiches.
Dazu gehen wir in Matthäus einundzwanzig. Hier sehen wir das Ausmass der Ablehnung. Das Ausmass der Ablehnung, Kapitel 21. Das sind Abschnitte, über die selten gepredigt wird, so gut wie nie. Wer hat schon mal von euch eine Predigt gehört über die ungleichen Söhne? Ich einmal, aber schon viele, viele Jahre her. Aber das sind Texte, über die kaum gepredigt wird.
Wollen wir jetzt den Abschnitt lesen? Kapitel 21, Vers 28 folgende:
Was meint ihr aber hierzu, sagt Jesus? Ein Mensch hatte zwei Söhne, und er trat hin zu dem ersten und sprach: Mein Sohn, gehe heute hin und arbeite im Weinberg. Der aber antwortete und sprach: Ich will nicht. Danach aber gereute es ihn, und er ging doch hin.
Und er trat hin zu dem Zweiten und sprach ebenso. Der aber antwortete und sprach: Ich gehe her, und er ging nicht.
Wer von den beiden hat den Willen des Vaters getan? Sie sagten: Der Erste.
Jesus spricht zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, dass die Zöllner und die Huren euch vorangehen in das Reich Gottes. Denn Johannes kam zu euch im Weg der Gerechtigkeit, und ihr glaubtet ihm nicht. Das Predigen und Wirken Johannes des Täufers, der Buße gepredigt hat, die Zöllner aber und die Huren glaubten ihm. Euch aber, als ihr es saht, gereute es auch danach nicht, um ihm zu glauben.
Jesus sagt: Die Zöllner und die Huren waren wie der erste Sohn. Sie behaupteten nicht von sich, Johannes dem Täufer zu gehorchen. Wir lesen nicht davon, dass Zöllner und Huren zu Johannes gingen. Das heisst, das ganze jüdische Land ging dahin, aber es wird nicht ausdrücklich gesagt, dass da Zöllner und Huren erschienen am Jordan bei der Taufe von Johannes dem Täufer.
Sie behaupteten das nicht, aber einige Zeit später taten doch eine ganze Reihe von ihnen Buße und glaubten an Jesus. Jesus hält sich auf bei Matthäus, bei Levi, dem ehemaligen Zöllner, und er hat seine ganzen Freunde eingeladen im Haus. Und wir lesen von Zachäus, der Buße tat. Wir lesen von einigen Dirnen, die Buße taten.
Nicht direkt gleich auf die Predigt Johannes des Täufers. Die war wahrscheinlich ein bisschen rau und hart für sie. Aber dann unter der liebevollen Botschaft Jesu, der auch klar geredet hat, der Sünde genauso angeprangert hat, aber von seiner Person her noch eine ganz andere Ausstrahlung hatte als Johannes der Täufer, der sehr rau war, kamen diese Menschen zur Umkehr und glaubten an Jesus.
Aber die religiösen Führer, die waren wie der zweite Sohn. Sie behaupteten zwar, dass sie mit der Predigt von Johannes einverstanden waren. Sie konnten ihm nichts Falsches nachweisen. Aber sie bekannten nie ihre Sünden und vertrauten sich dem Retter nicht an.
Und deshalb würden die eigentlich ausgestossenen Sünder das Reich Gottes erlangen, sagt Jesus, während die selbstzufriedenen religiösen Führer draussen bleiben würden.
Es gibt auch Leute in unserer Zeit, die sind wie der erste Sohn. Die sagen: Ich will nicht. Und danach gereute es sie, und sie gehen doch hin. Und es gibt welche, die sind wie der Zweite, die sagen: Ich gehe, Herr, und gehen doch nicht.
Es gibt zum Beispiel welche, die wachsen in einem christlichen Elternhaus auf und im kirchlichen Umfeld und werden getauft und werden konfirmiert und sagen bei der Konfirmation: Ja, Herr, ich will dir gehören, ich will dir folgen. Sie sind wie der zweite Sohn und sagen: Ja, Herr. Und dann leben sie ein ganz anderes Leben, christlich vielleicht, Christenheit, ja, aber nicht wirklich im Willen Gottes.
Und dann gibt es andere, die waren nie bei der Konfirmation und sind vielleicht über gar keinen Taufstein gehalten worden, aber die kehren später um und werden Bürger des Reiches Gottes. Das kann man auch auf heutige Verhältnisse sehr leicht anwenden, dieses Gleichnis.
Der Kerngedanke ist aber, wenn wir über das Ausmass der Ablehnung sprechen: Israel lehnt den Vater ab, sehen wir hier in diesem Beispiel, in diesem Gleichnis. Israel lehnt den Vater ab, weil es hier um den Willen des Vaters geht. Jesus sagt: Wer hat den Willen des Vaters getan?
Und die Pharisäer, die religiösen Führer und das etablierte Volk hat den Willen des Vaters nicht getan, sondern einige Zöllner und Huren und Sünder, die haben den Willen des Vaters getan, und die kommen ins Reich Gottes. Das will Jesus hier klar machen.
Israel lehnt den Vater ab.

Die drei Gleichnisse als Stufen der Ablehnung

Im nächsten Gleichnis von den Weingärtnern sehen wir: Israel lehnt den Sohn ab. Das kennen wir besser, darüber wird, glaube ich, öfters gepredigt, auch in evangelikalen Gemeinden. Israel lehnt den Sohn ab, das kennen wir gut. Das mache ich jetzt kürzer.
Es war ein Hausherr, der einen Weinberg pflanzte, einen Zaun darum setzte, eine Kelter darin grub und einen Turm baute. Dann verpachtete er ihn an die Weingärtner und reiste außer Landes. Als aber die Zeit der Früchte nahte, sandte er seine Knechte zu den Weingärtnern, um seine Früchte zu empfangen. Und die Weingärtner nahmen seine Knechte; einen schlugen sie, einen töteten sie, einen anderen steinigten sie. Wiederum sandte er andere Knechte, mehr als die ersten, und sie taten ihnen ebenso. Zuletzt aber sandte er seinen Sohn zu ihnen, indem er sagte: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen. Als aber die Weingärtner den Sohn sahen, sprachen sie untereinander: Das ist der Erbe; kommt, lasst uns ihn töten und sein Erbe in Besitz nehmen. Und sie nahmen ihn, warfen ihn zum Weinberg hinaus und töteten ihn.
Die Auslegung ist nicht schwer, das Gleichnis ist einfach zu verstehen. Gott ist der Hausherr, Israel ist der Weinberg. Israel wird im Alten Testament oft als Weinberg bezeichnet. Der Zaun ist das Gesetz des Mose. Gott hat um Israel einen Zaun gezogen. Das Gesetz unterscheidet Israel von allen anderen Nationen. Es trennte Israel auch von den Nichtjuden, von den Heiden, und machte es damit zu einem besonderen Volk, zu dem auserwählten Volk Gottes.
Die Kelter ist ein bildlich verwandter Begriff und bedeutet übertragen die Frucht, denn aus der Kelter kommt ja die Frucht. Wenn der Wein in die Kelter kommt, dann fließt er, dann werden die Trauben gepresst, und der Wein fließt. Die Kelter ist ein Begriff für die Frucht, die Israel Gott bringen sollte. Und der Turm ist ein Bild für Gottes wachsame Fürsorge über sein Volk. Die Weingärtner sind die Hohenpriester und Schriftgelehrten.
Wiederholt sandte Gott seine Knechte, die Propheten, zum Volk Israel, um bei Israel die Früchte von Gottes Investition einzusammeln. Gott hatte diesem Volk so viel gegeben, und Gott suchte bei Israel Frucht: Liebe, Gehorsam, Heiligung, all diese guten Früchte. Aber das Volk brachte diese Frucht nicht. Im Gegenteil, sie verfolgten die Propheten. Einige töteten sie sogar. Da ging Gott bis zum Äußersten und sandte seinen eigenen Sohn. Aber sie lehnten auch ihn ab, warfen ihn hinaus vor den Weinberg und kreuzigten ihn.
In Matthäus 21,43 lesen wir, oder vielleicht gerade die zwei Verse noch dazwischen, sagt Jesus: Er sagt das ja, bevor das geschehen ist, bevor Israel das gemacht hat. Er kündigt das ja hier mit diesem Gleichnis prophetisch an, was passieren wird. Wenn nun der Herr des Weinbergs kommt, was wird er jenen Weingärtnern tun, die den Sohn abgelehnt und gekreuzigt haben? Was wird er tun? Sie sagten zu ihm: Er wird jene Übeltäter übel umbringen, und den Weinberg wird er an andere Weingärtner verpachten, die ihm die Früchte abgeben werden zu ihrer Zeit.
Jesus spricht zu ihnen: Habt ihr nie in den Schriften gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden; vom Herrn her ist dies geworden, und er ist wunderbar in unseren Augen? Deswegen sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch weggenommen und einer Nation gegeben werden, die seine Früchte bringen wird.
Das Reich Gottes wird von euch weggenommen und einer anderen Nation gegeben. Von Israel weg. Wer hat es gekriegt? Die Römer, die Griechen, die Germanen, die Amerikaner? Nein, eine andere Nation. 1. Petrus 2,9 ist die Antwort, welche Nation es gekriegt hat. 1. Petrus 2,9, einer der schönsten Verse im Neuen Testament. In der Elberfelder nach Jakobus kommt der Petrus. 1. Petrus 2,9 schreibt Petrus, auch von diesem Stein, der verworfen wurde und den Gott zum Eckstein gemacht hat. Und gleich danach sagt er in Vers 9: Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum. Merkt ihr: eine heilige Nation, das ist die Nation, von der Christus sprach. Das Reich Gottes wird von Israel weggenommen und einer anderen Nation gegeben werden.
Wir haben es vorhin auf der Folie gesehen: Das grüne theokratische Reich hat aufgehört. Gott hat das Reich weggenommen von Israel und hat es der Gemeinde Jesu gegeben. Die Gemeinde Jesu trägt jetzt die Reich-Gottes-Linie weiter, jetzt in dieser Zeit. Wir sind die heilige Nation, also Römer, Griechen, Deutsche, Amerikaner, Russen, alle Menschen aus allen Nationen, die den Herrn Jesus Christus erkannt haben als ihren Erlöser, ihn angenommen haben und ihm folgen.
Was sollen die tun? Lesen wir den Satz gerade noch zu Ende: damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat. Was ist unsere Aufgabe? Nicht, die Welt in ihrer Schlechtigkeit hinzumalen und zu sagen, wie schlimm es in der Welt aussieht. Das ist nicht unsere Aufgabe. Wir sollen die Tugenden dessen verkündigen, der uns berufen hat aus der Finsternis zum Licht. Wir sollen Jesus Christus groß machen, der uns errettet hat, unser König, der König unseres Reiches, unser Herr.
Israel lehnt den Sohn ab, sagt Jesus voraus. Sie werden sich vor dem Sohn nicht scheuen, sie werden ihn nehmen und werden ihn töten. Und genau das geschah auf Golgatha. Und Israel lehnt letztlich auch noch den Heiligen Geist ab, das Wirken des Heiligen Geistes. Das sehen wir im nächsten Gleichnis. Das ist nicht zufällig, das ist hier so aufgebaut, gerade im Matthäusevangelium. Nur hier finden wir diesen Aufbau mit den drei Gleichnissen hintereinander.
An der Kapiteleinteilung braucht ihr euch nicht zu stören. Ihr wisst ja, dass ein französischer, nein, zuerst hat die ein englischer Erzbischof gemacht, die Kapiteleinteilung im zwölften Jahrhundert nach Christus. Er hat es im Großen und Ganzen sehr gut gemacht. Und die Verseinteilung hat ein französischer Buchdrucker gemacht, während eines Ritts von Paris nach Lyon auf dem Pferd. Da hat es ab und zu ein bisschen gewackelt, ja, und da ist er auch mal hier und da verrutscht dabei. Im Großen und Ganzen hat er es sehr gut gemacht, ja, dieser Robert Stephanus. Aber ab und zu sollte man die Kapiteleinteilung und Verseinteilung nicht so ernst nehmen.

Die Einladung nach der Auferstehung und die Reaktion Israels

Israel lehnt den Heiligen Geist ab. Das Gleichnis kennen wir wahrscheinlich am allerbesten von diesen dreien. Es fängt in Vers 2 mit dem Reich der Himmel an. Das kennen wir schon, ja: Königreich der Himmel. Das ist ein spezieller Ausdruck des Matthäusevangeliums. Er nennt es nicht immer Reich Gottes, sondern meistens das Königreich der Himmel. Es ist wie mit einem König, der seinem Sohn Hochzeit machte.
Und er sandte seine Knechte aus, um die Geladenen zur Hochzeit zu rufen, und sie wollten nicht kommen. Wer waren diese Knechte, die die Geladenen riefen? Es war Johannes der Täufer und die Jünger Jesu. Johannes der Täufer lud Israel zum ersten Mal ein, und Jesus sandte seine Jünger aus. Sie luden Israel zur Hochzeit ein.
Dann heißt es weiter in Vers 4: Wiederum sandte er andere Knechte aus und sprach: Sagt den Geladenen: Siehe, mein Mahl habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh sind geschlachtet, und alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit!
Was ist hier passiert? Was ist hier der Unterschied? Hier heißt es: Das Mahl ist bereit. Diese Einladung, von der hier in Vers 4 die Rede ist, geht aus, nachdem die Erlösung geschehen ist, nachdem Gott alles für uns getan hat. Das Mahl ist bereit. Diese Knechte, die hier gemeint sind, sind die Apostel und Diakone, die nach der Auferstehung Jesu in Kapitel 2 bis 7 der Apostelgeschichte das Reich Gottes noch einmal dem Volk Israel angeboten haben. Wir werden es gleich anschauen, die Kapitel, drei Stellen daraus.
Nach der Auferstehung Jesu, nach Himmelfahrt, nach Pfingsten, als Petrus und die Apostel Kraft empfangen hatten und ihren Zeugendienst taten, haben sie noch einmal Israel das Reich angeboten, nachdem Jesus nun auferstanden war. Vorher haben sie ihn abgelehnt, weil bestimmte Dinge nicht in ihre Theologie passten. Jetzt, nachdem er gestorben und auferstanden war, bekamen sie noch einmal ein letztes Angebot. Aber wir wissen auch: Das haben sie ausgeschlagen. Wir werden es gleich noch genauer anschauen, die Kapitel. Glaubt’s mir mal für fünf Minuten.
Vers 5: Sie aber achteten es nicht und gingen hin, der eine auf seinen Acker, der andere an seinen Handel. Die übrigen aber ergriffen seine Knechte, misshandelten und töteten sie. Der König aber wurde zornig und sandte seine Truppen aus.
Hat Gott Truppen? Oh ja, Gott kann sich aller Truppen dieser Welt bedienen. Das römische Heer hat er gebraucht als seine Truppen. Und den Feldherrn Titus im Jahr 70 nach Christus. Die sandte Gott aus und brachte jene Mörder um, die Generation, die Christus umgebracht hat, die Christus gekreuzigt hat. Diese Generation wurde durch Titus und seine Heere im Jahr 70 nach Christus ausgelöscht, umgebracht in einem ganz schrecklichen Krieg um Jerusalem.
Der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus schreibt von der Eroberung Jerusalems, dass es im ganzen Umkreis von Jerusalem keine Bäume mehr gab, weil sie alle gefällt wurden. Sie wurden gebraucht für Kreuze, weil so viele Juden gekreuzigt wurden. Mehr als hunderttausend, schätzt man, wurden gekreuzigt durch diesen schrecklichen Angriff von Titus, der dann später als Belohnung dafür römischer Kaiser wurde.
Also: Der König wurde zornig. Die Bibel spricht auch vom Zorn Gottes. Das sehen wir hier. Gott hat lange, lange Geduld gehabt mit Israel, aber hier war die Geduld zu Ende. Gott hat es angekündigt, und hier bringen sie nun Jerusalem um. Die Stadt wird in Schutt und Asche gelegt, der Tempel wird zerstört, und Israel wird später in alle Welt verstreut.
Sie haben noch einmal sechzig Jahre Frist gehabt, aber 135 nach Christus hat der römische Kaiser Hadrian die Juden in die ganze Welt verstreut. Es gibt Zeugnisse, dass Juden in Trier an der Mosel ankamen, 135 nach Christus. Das war der Außenposten des römischen Reiches, ja, es ging bis nach Trier. Und dort, wo Israel heute wieder ist, war jahrhundertelang kein einziger Jude. Ich habe es neulich schon gesagt: Es war ihnen bei Todesstrafe verboten, das Land Israel zu betreten. Und zur Strafe wurde das Land Israel sogar umbenannt in den Namen der ärgsten Feinde, nämlich Philistia, Palästina.
Palästina heißt Philisterland. Palästinenser sind die gleichen Buchstaben im Hebräischen wie Philistia, und Philistia heißt Philisterland. Hadrian hat das gemacht. Er ließ seine Gelehrten forschen: Wer waren die größten Feinde Israels? Und dann fanden die heraus: die Philister. Und dann musste das Land zum Spott noch Philisterland heißen.
Deswegen gebraucht diesen Begriff bitte nicht, ja. Das ist das Land Israel, das gehört zum Volk Israels. Es gibt kein Palästina. Wer Palästina sagt, sagt Palästinenserland, ja. Aber das gehört nicht den Palästinensern, es gehört Israel.
Also zurück von diesem kleinen Exkurs: Der König ging noch einen Schritt weiter. Er zerriss die Gästeliste, die er gemacht hatte, nachdem die Gäste zweimal eingeladen wurden: eine Voreinladung durch Johannes den Täufer und die Jünger Jesu und dann die Haupteinladung: Es ist alles bereit. Ich habe meinen Messias für euch sterben lassen und auferweckt. Er ist euer Messias, und ihr könnt in ihm Vergebung der Sünden bekommen. Aber auch das lehnten sie ab.
Und dann hat Gott die Gästeliste zerrissen und geht einen weiteren Schritt und sagt in Vers 8: Dann sagt er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereit, aber die Geladenen waren nicht würdig, Israel. So geht nun hin auf die Kreuzwege der Landstraßen, und so viele ihr finden werdet, ladet zur Hochzeit!
Das sind Texte für uns, ja, für uns heute. Das gilt uns. Und jene Knechte gingen aus auf die Landstraßen und brachten alle zusammen, so viele sie fanden, böse wie gute. Und der Hochzeitssaal wurde voll von Gästen. Wunderbar, dass uns die Bibel hier in dem Bild zeigt: Eines Tages wird der Thron Gottes voll sein mit Gästen. Nicht die von den ursprünglich Geladenen, aber ganz andere. Wir, wir sind die Leute von den Hecken und Zäunen. Wir waren nicht die ursprünglichen Gäste auf der Liste, sondern wir sind es, die von den Hecken und Zäunen geholt worden sind.
Also noch einmal zusammengefasst: Der König ist Gott, sein Sohn der Herr Jesus. Das Hochzeitsmahl ist eine geeignete Beschreibung der Festfreude, wie sie für das Reich der Himmel charakteristisch und typisch sein wird. Die erste Phase der Einladung beschrieb Johannes der Täufer und die zwölf Jünger Jesu, wie sie freundlich zur Hochzeit einluden. Aber das Volk Israel weigerte sich, die Einladung anzunehmen, und kreuzigte seinen Messiaskönig.
Die zweite Stufe, die erneute Verkündigung des Evangeliums an die Juden durch die Apostel und durch Stephanus und Philippus, durch die Diakone, durch diese beiden und durch die Apostel, wird beschrieben in Apostelgeschichte 2-7. Also wir sehen hier das Ausmaß der Ablehnung: Israel lehnt den Vater ab und den Willen des Vaters, den Sohn ab und das Werk des Sohnes, und es lehnt den Geist ab. Denn der, der einlädt, ist der Heilige Geist. Der Geist lädt ein. Der Geist und die Braut sprechen: „Komm“, sagt die Offenbarung, und Israel lehnt ab.
Also wir sehen hier die beiden einladenden Knechtgruppen: Johannes der Täufer, die Jünger und die Juden. Gehen wir durch diese drei Stellen in Apostelgeschichte 2-7, dann sehen wir, dass es wirklich stimmt, dass Israel noch einmal eingeladen wurde, am Anfang der Apostelgeschichte.
Was für eine Geduld Gottes mit diesem Volk!

Die apostolische Einladung an Israel in der frühen Apostelgeschichte

 Apostelgeschichte 2, diesen Abschnitt haben wir schon einmal gestreift, während der Abende, Vers 37 bis 41. Aber es ist so wichtig, dass wir das verstehen. Von diesem Abschnitt her sind einige falsche Lehren entstanden und sogar falsche Kirchen. Die Kirche der Gemeinde Christi beruft sich wesentlich auf diesen Abschnitt, den wir jetzt lesen. Gibt es auch hier in Mannheim, glaube ich.
 Apostelgeschichte 2,37: Als sie aber das hörten, drang es ihnen durchs Herz. Was hörten sie? Petrus steht an Pfingsten vor dem Volk und predigt von Kreuz und Auferstehung Jesu. Er hat nicht vom Heiligen Geist gepredigt, er hat von Kreuz und Auferstehung Jesu gepredigt. Er schließt seine Predigt, Vers 36: Das ganze Haus Israel wisse nun zuverlässig, dass Gott ihn sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht hat, zum Gesalbten, zum Messias, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt. Es ist euer Messias.
Und das drang ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu Petrus und den anderen Aposteln: Was sollen wir tun, ihr Brüder? Petrus aber sprach zu ihnen: Tut Buße, kehrt um, ändert eure Lebensrichtung, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden. Auf den Namen Gottes waren sie schon getauft, durch Johannes den Täufer. Aber sie sollten sich taufen lassen auf den Namen Jesu Christi.
Warum? Warum nur auf den Namen Jesu Christi? Warum sagt er ihnen hier nicht: Lasst euch taufen auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes? Er sagt, sie sollen sich taufen lassen auf den Namen Jesu Christi. Es gibt nur eine Erklärung: weil sie diese Sünde begangen hatten, den Messias, der unter ihnen gewandelt war, der diese wunderbaren Reden gehalten hatte und die wunderbaren Taten getan hatte, die Zeichen und Wunder, auch die drei ausdrücklich erwarteten Zeichen des Messias, Aussätzigenheilung, Totenauferweckung und Heilung des Besessenen, der stumm war. Er hatte das alles getan, und sie hatten ihn dennoch abgelehnt und hatten ihn gekreuzigt.
Und jetzt sagt Petrus den Juden, die das gemacht hatten, das ist erst sechs Wochen nach, also 50 Tage nach der Kreuzigung, wenige Wochen nach dem Geschehen. Sagt er ihnen: Tut Buße, erkennt, dass ihr falsch gehandelt habt. Ihr habt den Messias abgelehnt und gekreuzigt. Und indem ihr euch jetzt auf seinen Namen taufen lasst, macht ihr das rückgängig für euch und sagt: Doch, er ist doch der Messias. Israel als Volk hat ihn abgelehnt, aber wir haben erkannt, es ist doch der Messias. Er ist es, und wir stellen uns jetzt auf seine Seite. Und dann werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes.
Und dann sagt er weiter: Denn euch gilt die Verheißung und euren Kindern und allen, die in der Ferne sind, so viele der Herr, unser Gott, hinzurufen wird. Und mit vielen anderen Worten beschwor und ermahnte er sie und sagte: Lasst euch retten aus diesem verkehrten Geschlecht, das heißt aus dieser verkehrten Generation, die den Messias, König Israels, abgelehnt und gekreuzigt hat. Tretet ihr da raus aus dieser gerichtsreifen Generation, die durch Titus einige Jahre später, Jahrzehnte später, ausgelöscht werden wird und dann später völlig verstreut werden wird in der ganzen Welt. Lasst euch retten aus dieser verkehrten Generation.
Und dann heißt es hier so schön: Die nun sein Wort aufnahmen, ließen sich taufen, und es wurden an jenem Tag etwa dreitausend Seelen hinzugetan. Das waren dreitausend Juden, die erkannten: Jesus war doch der Messias, unser Volk hat ihn zu Unrecht abgelehnt und auch noch gekreuzigt. Was haben wir getan mit dem Messias Gottes? Und sie stellen sich auf die Seite der Wahrheit und sagen: Er ist mein Messias. Und setzen sich natürlich damit der künftigen Verfolgung der religiösen Juden aus.
So müssen wir diesen Abschnitt verstehen. Hier bietet Petrus noch einmal das Reich an für die damaligen Juden. Und genauso in Kapitel 3, den Abschnitt wollen wir jetzt nicht ganz lesen, nur den Anfang von Vers 17. Kapitel 3: Und jetzt, Brüder. Also der Zusammenhang ist auch wieder kurze Zeit später. Petrus und Johannes haben den lahmen Mann an der schönen Tür des Tempels geheilt, den Gelähmten. Und jetzt gibt es eine große Versammlung, ja, einen großen Auflauf, Menschenauflauf. Und jetzt nutzt Petrus die Stunde und predigt. Er sagt, dass er in dem Namen Jesu und in der Kraft Jesu dieses Wunder vollbracht hat.
Und jetzt, Brüder, weiß ich, dass ihr in Unwissenheit gehandelt habt, wie auch eure Obersten. Gott aber hat so erfüllt, was er durch den Mund aller Propheten vorher verkündigt hat, dass sein Christus leiden sollte. Also sie haben in Unwissenheit den Messias gekreuzigt, sie haben ihn verkannt, ja. Gott hat zuvor durch die Propheten verkündigt, dass sein Christus, sein Messias, leiden sollte.
So tut nun Buße, kehrt um, bekehrt euch, dass eure Sünden ausgetilgt werden, damit Zeiten der Erquickung kommen vom Angesicht des Herrn und er euch den vorausbestimmten Jesus Christus sende. Petrus sagt hier wieder: Kehrt um, glaubt an den Herrn Jesus, dann wird eure Sünde weggenommen, dass ihr ihn abgelehnt habt. Und Zeiten der Erquickung werden kommen. Und er spricht hier schon wieder von der Wiederkunft Jesu. Er ist gerade erst sechs Wochen zum Himmel gefahren, und er sagt, dass Gott dann den euch vorausbestimmten Jesus Christus sende, dass Gott Israel eines Tages den Messias zurücksenden wird bei der Wiederkunft Jesu.
Dann spricht er von der Wiederherstellung aller Dinge, darauf will ich jetzt nicht weiter eingehen. Ja, oder vielleicht doch das noch kurz: Die Wiederherstellung aller Dinge, das ist nicht das, was die Alphasöhner darunter verstehen, dass sie meinen, dass eines Tages alle Menschen errettet sind und sich als Letzter dann auch noch der Teufel bekehrt. Das nennt man die Lehre der Alphasöhnung, ja. Das ist hier nicht gemeint, die Wiederherstellung aller Dinge, sondern den muss freilich der Himmel aufnehmen, den Herrn Jesus, bis zu den Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge, bis Christus aus dem Königreich der Himmel kommen wird, sichtbar auf die Erde und sein messianisches Reich aufrichten wird. Das ist die Wiederherstellung aller Dinge, dass Israel wieder das Bundesvolk Gottes sein wird, das Reichsvolk, und dass dann all die Verheißungen des Alten Testaments in Erfüllung gehen werden, die jetzt noch ausstehen im Blick auf das Volk Israel. Das meint Wiederherstellung aller Dinge.
Noch eine dritte, letzte Stelle: Apostelgeschichte 5, ab Vers 27. Sie führten sie aber herbei und stellten sie vor den Hohen Rat. Gemeint sind wieder die Apostel. Und der Hohepriester befragte sie, Petrus und Johannes, und sprach: Wir haben euch streng geboten, in diesem Namen, Jesus, nicht zu lehren, und siehe, ihr habt Jerusalem mit eurer Lehre erfüllt und wollt das Blut dieses Menschen auf uns bringen.
Petrus und die Apostel aber antworteten und sprachen: Man muss Gott mehr gehorchen als Menschen. Der Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr ermordet habt. Stellt euch mal vor, das sagen die zu den Hohen Priestern, ja, zur Prominenz ihres Volkes, zu den Machthabern, die sie gleich auch überliefern können zur Kreuzigung. Was für ein Freimut: den ihr ermordet habt, indem ihr ihn ans Holz hängtet. Diesen hat Gott durch seine Rechte zum Führer und Heiland erhöht, um Israel Buße und Vergebung der Sünden zu geben.
Merkt ihr, Petrus sagt immer noch: Er ist zum Führer und Heiland erhöht, um Israel Buße und Vergebung der Sünden zu geben. Petrus ist hier immer noch ganz beim Volk Israel. Für ihn gilt bis jetzt nur: So sehr hat Gott Israel geliebt, dass er seinen einzigen Sohn dahingab. Er ist noch ganz bei Israel. Er brauchte ja dann in Kapitel 10 eine Extravision von Gott, dass er dann auch kapierte: Das Heil geht weiter als über die Grenzen Israels hinaus bis zu allen Nationen. Aber hier ist er noch ganz bei Israel, und das war auch richtig, weil Gott noch einmal seinem Volk das Reich und das Heil anbieten wollte.
Wir sind Zeugen von diesen Dingen und der Heilige Geist, den Gott denen gegeben hat, die ihm gehorchen. Aber die Reaktion ist deutlich: Sie aber ergrimmten, als sie es hörten, und ratschlagten, sie umzubringen.
Daraufhin kommt dann die Wahl der Diakone, der sieben ersten Diakone in der Gemeinde Jerusalem, Kapitel 6. Und in Kapitel 7 der Apostelgeschichte die Rede des Stephanus vor dem Hohen Rat, diese Rede voll Weisheit und voll Macht, voll Kraft. Er greift ganz besonders zwei Gestalten aus dem Alten Testament heraus, nämlich Joseph und Mose. Über die spricht er am längsten. Warum die beiden? Weil die beiden auch vom Volk Israel abgelehnt wurden. Joseph von seinen Brüdern und verkauft nach Ägypten, Mose wurde auch abgelehnt von Israel und er hat vierzig Jahre lang mit diesem störrischen Volk zu tun gehabt.
Er greift absichtlich zwei Männer Israels heraus, die vom Volk abgelehnt wurden, und dann kommt er auf Jesus und sagt: Und ihr habt Jesus genauso abgelehnt, euren Mitbruder, euren jüdischen Jesus, den Messias, ihr habt ihn abgelehnt. Und die Rede gipfelt dann in der Anschuldigung an die Hohen Priester und den Hohen Rat. Und das Ergebnis kennen wir. Daraufhin kommt es zur Steinigung, der erste Märtyrer der christlichen Kirche. Ihm sind viele gefolgt in den letzten zwei Jahrtausenden, aber hier der erste Blutzeuge des Evangeliums.
Noch einmal zusammengefasst, Fazit: Ganz Israel lehnte das Angebot des Reiches Gottes und seines Messias, König, ab. Zuerst die Familie Jesu, sie sagten, er ist von Sinnen, er spinnt, sagten die auch. Dann das ganze Volk und dann auch die religiösen Führer des Volkes. Danke Martin, kann weg. Israel lehnte ab, und zwar im vollen Ausmaß den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, natürlich vor allen Dingen den Sohn, den Messias, und damit auch das Reich. Und darum ging das Reich an eine andere Nation, wie wir gelesen haben, an die heilige Nation.

Die heilsgeschichtlichen Folgen der Ablehnung

Schauen wir uns kurz auf dieser Folie noch einmal die Folgen der Ablehnung an. Das sichtbare Kommen des Reiches Gottes auf dieser Erde wurde aufgeschoben. Das Reich wurde zur Zeit Jesu nicht aufgerichtet. Das sichtbare Reich Gottes wird erst aufgerichtet, und zwar mit der Wiederkunft Jesu, beim tausendjährigen Reich.
Stattdessen sagte der Herr Jesus die Zerstörung des Tempels und der Stadt Jerusalem vorher. In Matthäus 23 finden sich die bekannten Worte: Jerusalem, Jerusalem, wie oft habe ich euch versammeln wollen. In der Weihe über Jerusalem wurde deutlich, dass die Nation Israel von Gott zeitlich begrenzt zur Seite gestellt wurde, heilsgeschichtlich an die Seite gestellt, bis zur Wiederkunft Jesu. Dann wird Israel wieder das Reichsvolk Gottes, das Bundesvolk, werden.
Diese Stelle müssen wir uns jetzt auch noch anschauen. Sie sagt uns nämlich, dass von der Ablehnung des Königreiches, das wir gerade ausführlich betrachtet haben, bis zu seiner endgültigen Aufrichtung, also bis zum sichtbaren Wiederkommen Jesu und dem Beginn des tausendjährigen Reiches, eine längere Zeitspanne vergehen wird. Das können wir hier in Lukas 19 lesen. Das ist eine der ganz wenigen Andeutungen, die wir in der Schrift haben. Es wird nur angedeutet, dass es eine längere Zeit werden könnte.
Jesus hat damals nicht gesagt: Na gut, jetzt hat Israel das Reich abgelehnt, in zweitausend Jahren wird es dann endgültig aufgerichtet. Jesus hat keinen Zeitpunkt genannt. Er wollte, dass alle Generationen von Jüngern in der Naherwartung leben. Das wollte Gott so. Darum haben wir hier nur eine ganz kleine Andeutung, dass es eine längere Zeit sein könnte. Es steht nicht ausdrücklich da, aber man kann es erkennen:
Während sie aber dies hörten, fügte er noch ein Gleichnis hinzu, weil er nahe bei Jerusalem war, und sie meinten, dass das Reich Gottes sogleich erscheinen sollte.
Sie haben ja immer noch damit gerechnet, dass Jesus jetzt das Reich aufrichtet, dass er jetzt nach Jerusalem einreitet, auf einem weißen Pferd, die Römer hinausjagt, seine Engel kommen und das Land von den Feinden gereinigt wird und das Reich aufgerichtet wird. Sie haben immer noch damit gerechnet, dass das Reich Gottes sogleich erscheinen sollte.
Was sagt Jesus nun? Er sprach: Ein hochgeborener Mann zog in ein fernes Land, um ein Reich für sich zu empfangen und wiederzukommen.
Hier ist die Andeutung: Er zog in ein fernes Land, um wiederzukommen, um dort sein Reich zu empfangen und wiederzukommen. Und hier ist die Andeutung: Wenn einer in ein fernes Land reist, dauert das eine Weile. Es steht kein Zeitpunkt genannt, aber hier ist die Andeutung, dass er in ein fernes Land zieht, um dann wiederzukommen.
Und dann spricht das Gleichnis, das kennen wir gut, davon, was die Knechte nun in der Zeit machen sollten, in der der König abwesend ist. Wir sind die Knechte, wenn wir zum Reich gehören, wenn wir wiedergeboren sind. Wir sind die Knechte. Was sollen wir machen in dieser Zeit? Streiten, zanken und dergleichen, auf die böse Welt schimpfen? Nein, wir sollen wachsam sein und treu mit dem Anvertrauten umgehen. Mit den Gaben, Talenten, wie es an anderer Stelle genannt wird. Wir sollen fleißig bei der Arbeit sein. Der Herr will seine Knechte bei der Arbeit finden, wenn er kommt, nicht in der frommen Gartenlaube, wo die frommen noch frommeren Däumchen gedreht werden, sondern bei der Arbeit.
Also, hier haben wir die Andeutung, dass eine längere Zeitspanne vergehen wird. Aber ich glaube nicht, dass die damaligen Bibelleser im ersten oder zweiten Jahrhundert nach Christus das gleich hier erkannt haben: Oh, das kann ja noch zweitausend Jahre dauern. Alle haben wirklich zu ihren Lebzeiten mit der Wiederkunft Jesu rechnen müssen, rechnen sollen, und viele haben auch damit gerechnet.
Wie es in unserer Generation heute ist, das muss ich offenlassen. Aber es wäre gut, wenn wir den Gedanken der Wiederkunft Jesu, der Entrückung der Gemeinde, ganz wach halten, damit uns dieser Gedanke nicht entrückt ist.

Das Evangelium vom Reich Gottes unter den Nationen

Kommen wir zum Schlussteil des Abends und schauen noch auf den letzten Gedankengang: Wie die Verkündigung des Reiches nach der Ablehnung Israels jetzt weitergeht.
Wir haben gesehen: Israel lehnt ab. Vor der Kreuzigung wird durch Johannes den Täufer und Jesus sowie die zwölf Jünger das Reich angeboten. Nach der Kreuzigung und Auferstehung wird es durch die Apostel erneut verkündigt und wieder abgelehnt. Jetzt ist das Reich endgültig von Israel genommen.
Gehen wir in Apostelgeschichte 8,12. Das ist die nächste Stelle, an der das Reich Gottes in der Apostelgeschichte vorkommt. Gerade in Apostelgeschichte 7 sehen wir die Steinigung des Stephanus, und in Kapitel 8 kommt wieder das Reich Gottes vor. Die Stelle ist interessant.
Philippus, einer der Diakone, geht nach Samaria und verkündigt dort. Dann lesen wir in Apostelgeschichte 8,12: Als sie aber dem Philippus glaubten, der das Evangelium vom Reich Gottes und den Namen Jesu Christi verkündigte, wurden sie getauft, sowohl Männer als auch Frauen. Keine Kinder, Männer und Frauen wurden getauft.
Hier wird ein neuer Begriff eingeführt: das Evangelium vom Reich Gottes. Welche Form des Reiches Gottes mag hier gemeint sein? Das Evangelium vom Reich Gottes. Das obere, das blaue? Jawohl, das hier. Es kann nur das hier sein.
Philippus hat nicht mehr das verkündigt, was abgelehnt worden war. Er hat nicht das verkündigt, das Israel angeboten worden war und das zweimal abgelehnt wurde. Er hat auch nicht das verkündigt, was dort verworfen worden war, sondern dieses Reich.
Dadurch, dass es mit dem Namen Jesu Christi verknüpft ist, sehen wir es ja: Er hat das Evangelium von Christus verkündigt, das Evangelium vom Reich Gottes und dem Namen Jesu Christi. Wir könnten sagen, er hat von dem Evangelium gesprochen, wie man durch den Glauben an Jesus Christus ins Reich Gottes hineinkommt. Das Evangelium, dasselbe, was Jesus dem Nikodemus gesagt hat.
Es ist aber interessant, dass gerade hier, wo das Reich von Israel genommen ist und jetzt zu den Halbjuden kommt, zu den Samaritanern, schon gesagt wird: Es ist das Evangelium von dem Reich Gottes. Es geht immer noch um das Reich Gottes, auch wenn jetzt das Evangelium mehr und mehr zu den Heiden hingeht. Es bleibt immer das Reich Gottes, aber es ist jetzt wieder eine andere Form des Reiches Gottes: das geistliche Reich, in das man hineinkommt durch den Glauben an Jesus Christus.
In der heutigen Zeit, in der wir leben, kommt niemand mehr durch den Glauben an ein stellvertretendes Opfertier in das Reich Gottes. Die Juden, die heute leben, opfern, wie wir von Arnold Fruchtenbaum gehört haben, am großen Versöhnungstag ein Huhn. Das opfern sie stellvertretend für ihre Sünden, aber das bringt sie nicht in das Reich Gottes hinein. Sondern jetzt, in der Zeit, in der wir leben, nur der Glaube an den für uns gestorbenen und auferstandenen Heiland, Jesus Christus.

Leiden, Treue und das Reich in der Gegenwart

Dann noch eine Stelle in der Apostelgeschichte, die für uns sehr wichtig ist und eine Aussage macht, die uns ebenfalls betrifft, nämlich Apostelgeschichte 14,22.
Das sind nicht alle Stellen, in denen vom Reich Gottes die Rede ist. Ich nehme jetzt aber drei heraus, die besondere Bedeutung haben. Apostelgeschichte 14,22 sagt Paulus in den neu gegründeten Gemeinden in der heutigen Türkei, in Antiochia, Ikonion, Derbe und Lystra. Wir lesen ab Vers 21: Als sie jener Stadt das Evangelium verkündigt und viele zu Jüngern gemacht hatten, kehrten sie nach Lystra, Ikonion und Antiochia zurück. Sie befestigten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, im Glauben zu verharren. Und sie sagten, dass wir durch viele Trübsale in das Reich Gottes eingehen müssen.
Wir müssen durch viele Trübsale in das Reich Gottes eingehen. Das ist eine sehr wichtige Aussage. Das Reich Gottes, das wir das letzte Mal gehört haben, ist jetzt ein geistliches Reich, kein Reich, das mit Macht und Gewalt aufgerichtet wird. Das Reich Gottes leidet jetzt Gewalt, haben wir im Matthäusevangelium gelesen. Es leidet Gewalt. Es ist ein geistliches Reich mitten in einer Welt der Gewalt. Und darum müssen wir Christen durch viele Trübsale ins Reich Gottes eingehen.
Das hat schon so angefangen. Jesus stand vor Pilatus, und Pilatus sagte zu ihm: Also bist du ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, dass ich ein König bin. Ich bin ein König. Und dann sagt er: Mein Reich ist aber nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Jünger darum kämpfen. Aber es ist nicht von dieser Welt.
Jesus ist der König eines geistlichen Reiches, in dem keine Gewalt angewendet wird. Und dieses Reich ist mitten in dieser gefallenen Welt, die voll von Gewalt ist, die von Gewalt strotzt. Und deswegen müssen wir durch viel Trübsal ins Reich Gottes eingehen.
Das Reich Christi wird nicht mit Waffen erkämpft. Christi Reich ist nicht von dieser Welt. Es hat weder weltliche Macht noch Autorität. Alle anderen Reiche dieser Welt waren und sind auf Macht und Gewalt gegründet: das Reich Caesars, das Reich Alexanders des Großen, das Reich Napoleons. Gewaltreiche, auf Blut, Tränen und Unrecht aufgebaut.
Allein das Reich Jesu Christi wird auf Liebe gegründet. Und es gibt heute noch Millionen Menschen auf dieser Erde, die Christus lieben und bereit sind, für ihn Schmach, Anfechtung und Verfolgung zu leiden, den Verlust ihrer Güter und allerlei Nachteile im Beruf, weil sie Christus lieben. Es ist das Reich der Liebe.
Dieses Reich ist in der jetzigen Form schwach. Es ist schwach, weil es sich nicht mit Gewalt durchsetzt. Die Christen gehen ins Gefängnis, die Christen leiden. Sie zeigen Unrecht an, also sie prangern Unrecht an, sie machen auf Unrecht aufmerksam, aber sie lehnen sich nicht mit Gewalt dagegen auf. Das meint, dass wir durch viele Trübsale in das Reich Gottes eingehen müssen.

Paulus in Rom und die weltweite Ausbreitung des Reiches

Letzte Stelle: Apostelgeschichte 28. Bis dahin möchte ich den Bogen heute spannen.
 Apostelgeschichte 28 ist interessant, weil der Bericht von der Ausbreitung des Evangeliums in der Apostelgeschichte zeigt, wie es von Jerusalem über Judäa und Samaria bis an die Enden der Erde, bis nach Rom, in die damalige Welthauptstadt, gegangen ist. Und der Bericht schließt mit dem Reich Gottes. Lukas wollte zeigen, wie sich das Reich Gottes ausgebreitet hat, in Gestalt der Gemeinden, in Gestalt der bekehrten Jünger.
Lesen wir Vers 23 im letzten Kapitel der Apostelgeschichte: „Als sie ihm aber einen Tag bestimmt hatten, kamen mehrere zu ihm in die Herberge.“ Paulus ist jetzt in Rom. Er ist dort gefangen, aber er darf in seiner eigenen Wohnung sein; er hat dort besondere Haftbestimmungen. Also kamen mehrere Juden zu ihm in die Herberge. Mit „Juden“ sind hier solche gemeint, denen er das Reich Gottes auslegte.
Die Frage ist: Welches Reich hat Paulus diesen Juden ausgelegt?
Das ist jetzt schwierig. Ich könnte mir vorstellen, ich könnte das ja nicht mit hundertprozentiger Genauigkeit sagen, aber ich könnte mir vorstellen, dass er diesen Juden von dem Reich erzählt hat, das dort angefangen hat, und dass er gesagt hat: Dieses Reich wollte Jesus wieder anbieten, Johannes der Täufer, Jesus. Dass er mit ihnen genau so durch die Bibel gegangen ist, wie wir das jetzt an den Abenden versuchen, und dass er ihnen natürlich dann gesagt hat: Da Israel das Reich abgelehnt hat, sitzt ihr jetzt in Rom, aber das Evangelium ist jetzt nach Rom gekommen, und ihr könnt in das Reich Gottes hineinkommen, aber nur auf dem Weg des Glaubens an den Messias-König Jesus Christus. Und dann hat er ihnen vielleicht noch gesagt: Christus wird wiederkommen und wird das Reich für Israel aufrichten, aber das liegt noch in der Zukunft.
Wahrscheinlich ist er mit ihnen einen Gang durch die Heilsgeschichte gegangen. Ja? Und er hat das Reich-Gottes-Programm entfaltet, so wie sicher viel verständlicher, plausibler und gründlicher, als wir das jetzt können, als ich es in der Darlegung kann. Aber so ähnlich wird es gegangen sein. Wir wohnen in Rom, doch nicht so sanft, als er die Wohnung gleich liebte. Sie noch mal brauchen gleich. Also: Hat er ihnen das Reich erklärt, das Reich Gottes?
Vers 23: „Und er versuchte, sie zu überzeugen von Jesus, sowohl aus dem Gesetz Moses als auch aus den Propheten, von frühmorgens bis zum Abend.“ Ein heilsgeschichtliches Seminar bei Paulus. Und einige wurden überzeugt von dem, was gesagt wurde, andere aber glaubten nicht.
Als sie aber unter sich uneins waren, gingen sie weg, nachdem Paulus ein Wort gesprochen hatte: „Trefflich hat der Heilige Geist durch Jesaja, den Propheten, zu euren Vätern geredet“ und gesagt. Jetzt kommt ein ganz wichtiges Zitat aus Jesaja 6, Vers 9 und 10:
„Geh hin zu diesem Volk“, hatte Gott damals zu Jesaja gesagt, „und sprich zu Israel: Hörend werdet ihr hören und nicht verstehen, und sehend werdet ihr sehen und nicht wahrnehmen. Denn das Herz dieses Volkes ist dick geworden, und mit den Ohren haben sie schwer gehört, und ihre Augen haben sie geschlossen, damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren und ich sie heile.“
„So sei euch nun kund, dass dieses Heil Gottes den Nationen gesandt ist; sie werden auch hören.“
Ihr nicht, ja, ihr lehnt es ab, aber die Nationen ...
Dieses Zitat aus Jesaja 6 wird in allen vier Evangelien zitiert, in allen vier. Das gibt es ganz selten, dass ein alttestamentliches Wort in allen vier Evangelien vorkommt. Ihr habt die Stellen auf dem Umdruck, den ich euch geben werde, in allen vier Stellen. Und an zentraler Stelle in Matthäus 13, dort, wo der Bruch ist, über den wir letztes Mal geredet haben, wo der Bruch ist von Israel mit der Ablehnung des Messias, auch dort wird es zitiert.
Dann noch der Schluss von Kapitel 28: „Er blieb aber zwei Jahre lang in seiner eigenen Mietwohnung. Und er nahm alle auf, die zu ihm kamen. Er predigte das Reich Gottes und lehrte die Dinge, die den Herrn Jesus betreffen, mit aller Freimütigkeit ungehindert.“
Hier hat er wahrscheinlich auch die Briefe geschrieben: Philemon, Kolosser, Philipper, Epheserbrief. Hier, aus dieser Zeit aus dem Gefängnis in Rom.
Also: Er predigte das Reich Gottes. Und wenn das jetzt Nichtjuden waren, die kamen, dann hat er auf jeden Fall von diesem Reich gesprochen, wie viel er von dem anderen auch immer noch verwendet hat. Aber es ist das geistliche Reich, in das man hineingeboren werden muss.

Ausblick auf das Reich in Kraft und der Auftrag der Gemeinde

Neigen wir uns auch zeitlich der Schlusslinie. Ich hatte jetzt noch hier vorgesehen, weil ich nicht genau wusste, wie wir hinkommen, einige Problemstellen, wo noch das Reich Gottes vorkommt. Aber ich lasse das jetzt weg, weil ihr es auf dem Umdruck habt. Da gibt es eine Stelle im Matthäusevangelium, wo der Herr Jesus sagt, es stehen einige hier, die werden nicht sterben, bevor sie das Reich Gottes kommen sehen in Kraft.
Na ja, jetzt habe ich gegackert, jetzt muss ich das Ei auch noch legen, ja. Also, die Antwort ist aus meiner Sicht, so habe ich es auch bei Arnold Fruchtenbaum und William MacDonald bestätigt gefunden, gleich daraufhin. Im nächsten Abschnitt, Matthäus 17, wird von dem Berg der Verklärung berichtet, wie Jesus auf dem Berg ist, und seine Kleider werden weißer als Schnee, und sein Angesicht leuchtet wie die Sonne. Und da sehen sie das Reich Gottes in Kraft. Da sehen sie Jesus, wie er in Macht und Herrlichkeit vor ihnen steht, und das ist das Reich Gottes in Kraft, was sie sehen.
Einige werden nicht sterben, bis sie das erleben. Es hat nicht mehr lange gedauert, dann war schon einer der Jünger tot, nämlich Judas. Aber einige haben es miterlebt. Petrus, Johannes und Jakobus haben das Reich Gottes kommen sehen, nicht bleibend, aber für einen Augenblick ging der Vorhang weg, und Gott hat sein wirkliches Reich gezeigt in Macht und Herrlichkeit.
Ja, die andere Stelle erwähne ich jetzt gar nicht mehr. Wenn man nicht gackert, dann muss man auch nichts mehr legen. Lassen wir es dabei.
Aber einen Schlussvers habe ich mir unter meinem Manuskript geschrieben, heute Abend. Wenn ihr den noch mit mir aufschlagt: Kolosser 4,10. Damit möchte ich gerne schließen. Wir haben jetzt gesehen, wie Israel das Reich abgelehnt hat, schon bei Johannes dem Täufer, bei Jesus und dann auch später noch einmal, als es durch die Apostel angeboten wurde. Und es ging weiter: das Reich zu den Nationen, zu einer heiligen Nation, mit anderen Worten zur Gemeinde Jesu.
Und überall, wo heute Gemeinde Jesu gebaut wird auf dieser Erde, wird gleichzeitig Reich Gottes gebaut. Da sehen wir, Paulus hat das Reich Gottes gepredigt in seiner Mietwohnung in Rom, und alle anderen auch. Da, wo heute das Evangelium von Jesus Christus verkündigt wird, da wird das Reich Gottes gepredigt. Und da, wo Menschen dieses Evangelium annehmen, wird das Reich Gottes gebaut.
Und da Israel ausgefallen ist, ist es jetzt unser Auftrag, an die Hecken und Zäune zu gehen. Es ist unser Auftrag, das Evangelium zu bezeugen. Es kann nicht jeder von uns predigen, aber wir können alle das Evangelium bezeugen. Wir können Schriften weitergeben, wir können Menschen einladen dorthin, wo das Evangelium gepredigt wird, vom Reich Gottes. Und so wird das Reich Gottes gebaut.
Und deswegen Kolosser 4,10: Da schreibt Paulus, da nennt er am Schluss seines Kolosserbriefes eine ganze Reihe von Mitarbeitern. Und ich habe mich so gefreut, er sagt, es sind Mitarbeiter am Reich Gottes. Ganz verschiedene Leute, die er da nennt, aus der Beschneidung, also Juden oder Nichtjuden. Er nennt eine ganze Reihe, aber er nennt sie Mitarbeiter am Reich Gottes.
Mit diesem Gedanken möchte ich gerne schließen, ihr Lieben: Ihr seid Mitarbeiter am Reich Gottes, ob ihr nun in der Sonntagsschule arbeitet oder in einem Hausbibelkreis oder in praktischer diakonischer Arbeit oder wie auch immer. Wenn ihr mitarbeitet am Bau der Gemeinde, seid ihr Mitarbeiter am Reich Gottes. Und das ist etwas ganz Großartiges.
Lasst uns weiter diese Sicht haben, dass wir jetzt die sind, die das Reich Gottes bezeugen und bauen dürfen. Das ist ein ganz großes Vorrecht.