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Ussija

Der Korrigierte
2. Chronik 2609.03.2024
SerieTeil 2 / 3Könige von Juda: Throne, Triumphe und Tragödien
Erfolgreich gestartet, am Ende gescheitert: Ussia zeigt, wie gefährlich Stolz werden kann. Wer meint, alles im Griff zu haben, steht oft schon vor dem Fall.

Ein prägendes Erlebnis und die ersten biblischen Leitmotive

Eine Jungschartante, ich war damals irgendetwas zwischen acht und vierzehn Jahren. An das Alter kann ich mich nicht mehr erinnern, aber an eine liebe Jungschartante kann ich mich noch sehr gut erinnern. Diese Jungschartante saß auf dem Stuhl und hat eine Andacht für uns Kinder gemacht. Sie hat dann über alles Mögliche gesprochen, und ihr Thema war Stolz. Sie hatte den Vers betrachtet: Hochmut kommt vor dem Fall.
Als sie das ausgesprochen hat, hatten wir so Klappstühle, die brachen regelmäßig auseinander. Und in dem Moment, als sie über diesen Spruch predigte, weiß ich nicht mehr genau, was sie gesagt hat, die gute Jungschartante. Aber die Gegenstandslektion, die sie mir erteilt hat an dem Morgen, die ist mir hängen geblieben. Denn der Stuhl brach krachend unter ihr zusammen, und unsere Jungschartante lag auf dem Boden. Wir haben sie dann wieder aufgesammelt, und seitdem weiß ich, dass Hochmut vor dem Fall kommt, ja? Besser hätte sie uns das nicht vermitteln können. Es war gar nicht absichtlich, aber das war eine Botschaft, die bis heute hängen geblieben ist.
Wenn wir uns heute über König Usia erst einmal unterhalten, dann ist das ein Mann, der das ganz krass buchstabieren musste. Ich habe euch hier einfach mal wieder drei Verse aus den Sprüchen mitgebracht:
 Sprüche 29,23: Der Hochmut eines Menschen erniedrigt ihn, der Demütige aber erlangt Ehre.
 Sprüche 11,2: Kommt Übermut, kommt auch Schande; doch bei den Bescheidenen ist Weisheit.
Und dann dieser Vers aus Sprüche 16,18: Vor dem Verderben kommt Stolz, und Hochmut vor dem Fall.
Und genau darum geht es bei Usia. Ihr seht hier noch mal die Karte, die ihr auch auf einigen Pfeilblättern habt. Usia ist so ziemlich in der Mitte angesiedelt. Also hier ist Usia, das sieht man da, eigentlich ziemlich in der Mitte. Und was sehr schön ist: Usia ist hier gelb markiert, und Crossroad hat das so gemacht, bei den Königen, die gut waren, die sind ausschließlich gelb markiert. Also geht es eigentlich um einen König, der sich ziemlich gut verhalten hat. Eigentlich. Da ist wieder so ein kleiner Vorbehalt, der beim Juristen mitschwingt, denn der Usia hatte auch einiges an Problemen.
Gestern Abend haben wir uns über Rehabeam unterhalten, den Unentschlossenen. Und der wird in der Zweiten Chronik in drei Kapiteln behandelt. Da haben wir den Vers aus den Sprüchen mitgenommen, um sein Leben zu charakterisieren: Es erweist der Gütige sich selbst Gutes, doch schneidet sich ins eigene Fleisch der Grausame.
Bei Usia, dem Korrigierten, da kann man 2. Chronik 26 zugrunde legen. Das werden wir gleich zusammen lesen. Da kann man einen Vers aus den Sprüchen zugrunde legen, aus Sprüche 16,18: Vor dem Verderben kommt Stolz, und Hochmut vor dem Fall. Denkt an meine Jungschartante! Man kann sich das, glaube ich, sehr plastisch vorstellen, wie das passiert ist.
Manasse, den werden wir gleich behandeln, da geht es um den Umgekehrten.
Einen kurzen Überblick, bevor wir in die Geschichte einsteigen: Ihr könnt schon mal 2. Chronik 26 aufschlagen. Und während ihr das aufschlagt, ein kurzer Überblick über Usias Leben.
Usias Regierungszeit ist die zweitlängste Regierungszeit überhaupt. Zweiundfünfzig Jahre war dieser Mann König in Juda, ab circa siebenundneunzig regierte er. Er war erst Mitregent mit seinem Vater, und sein Vater zeichnete sich nicht durch Ruhm und Ehre aus, sondern wurde dann auch in Gefangenschaft geführt im Nordreich. Usia war sechzehn Jahre alt, als er König wurde. Sein Berater war Secharja, das ist ein sonst unbekannter Prophet oder Priester. Wir wissen keine weiteren Details von diesem Mann.
Und Könige im Nordreich waren zu dieser Zeit, und jetzt haltet euch fest: Joasch, Jerobeam II., Secharja, Schallum, Menachem, Pekach und Pekachja. Sieben Könige hat der Mann überlebt im Nordreich. Also sieben Könige im Nordreich hat der König im Südreich überlebt. Das waren schon jede Menge Könige, die sich da gegenseitig das Zepter abgegeben haben. Von den Propheten Jona, Amos, Hosea und Jesaja waren zu dieser Zeit Propheten, also auch viele Propheten.
Und was schön ist: Solange dieser König auf Secharja hörte, gab ihm Gott Gelingen. Das erinnert uns so ein bisschen an das, was wir gestern gehört haben bei Rehabeam, der auch auf den Mann Gottes gehört hat. Und da war die ersten drei Jahre eine richtig erfolgreiche Zeit.
Usia ist ein Mann, der die Landwirtschaft entwickelte, der Türme zur Verstärkung der Stadtmauern ausbaute, der siegreich Kriege führte, überaus groß und bekannt wurde, aber dann leider auf dem Höhepunkt seiner Macht sich überhob, stolz wurde und in das Haus des Herrn gegangen ist, um priesterliche Vorrechte für sich in Anspruch zu nehmen. Und der Herr schlägt ihn dann unmittelbar mit Aussatz, und er wird vom Hohen Priester Asarja und 80 Priestern aus dem Tempel herausgetrieben und bleibt bis zum Ende seines Lebens aussätzig.
Das einfach mal im Schnelldurchgang. Und jetzt wollen wir zusammen die Bibelstelle lesen aus 2. Chronik 26.
Und das ganze Volk von Juda nahm Usia, oder Asarja, je nachdem. In den Königen ließ man von Asarja sprechen; Usia ist wohl der Name, den er mit der Thronbesteigung bekommen hat. Der war sechzehn Jahre alt, und sie machten ihn zum König anstelle seines Vaters Amazja. Er baute Elat wieder auf und brachte es an Juda zurück, nachdem der König sich zu seinen Vätern gelegt hatte.
Usia war sechzehn Jahre alt, als er König wurde, und er regierte zweiundfünfzig Jahre in Jerusalem. Und der Name seiner Mutter war Jekolja von Jerusalem. Und er tat, was recht war in den Augen des Herrn, nach allem, was sein Vater Amazja getan hatte. Und er suchte Gott in den Tagen Secharjas, der ihn in den Gesichten Gottes unterwies. Und in den Tagen, da er den Herrn suchte, gab ihm Gott Gelingen.
Und er zog aus und kämpfte gegen die Philister und riss die Mauer von Gat nieder und die Mauern von Jabne und die Mauern von Aschdod, und er baute Städte bei Aschdod und im Land der Philister. Und Gott half ihm gegen die Philister, und die Ammoniter entrichteten Usia Tribut. Und sein Name drang bis nach Ägypten, denn er war überaus mächtig geworden.
Und Usia baute Türme in Jerusalem, auf dem Ecktor, auf dem Taltor und auf dem Winkel, und befestigte sie. Und er baute Türme in der Steppe und grub viele Zisternen, denn er hatte viel Vieh, sowohl in der Niederung als auch in der Ebene, und Bauern und Weingärtner im Gebirge und im Fruchtland, denn er liebte den Ackerbau.
Usia hatte ein kriegstüchtiges Heer, das in Abteilungen in den Kampf zog, nach der Zahl ihrer Musterungen durch den Schreiber Jeïel und den Verwalter Maaseja unter der Leitung Hananjas, eines der Obersten des Königs. Die ganze Zahl der Familienoberhäupter der Kriegshelden war zweitausendsechshundert, und unter ihrer Leitung stand eine Heeresmacht von 307.500 Mann, die den Krieg mit gewaltiger Kraft führten, um dem König gegen den Feind zu helfen.
Und Usia beschaffte ihnen, dem ganzen Heer, Schilde und Speere und Helme und Panzer und Bogen und Schleudersteine. Und er machte in Jerusalem kunstvoll erdachte Maschinen, die auf den Türmen und auf den Mauerecken stehen sollten, um mit Pfeilen und mit großen Steinen zu schießen. Und sein Name ging aus bis in die Ferne, denn wunderbar wurde ihm geholfen, bis er sehr mächtig war.
Und als er mächtig geworden war, wurde sein Herz hochmütig, bis er verderblich handelte. Und er handelte treulos gegen den Herrn, seinen Gott, und drang in den Tempel des Herrn ein, um auf dem Räucheraltar zu räuchern.
Da ging der Priester Asarja hinter ihm her, und mit ihm achtzig Priester des Herrn, tüchtige Männer. Und sie widerstanden dem König Usia und sagten zu ihm: Nicht dir, Usia, steht es zu, dem Herrn Rauchopfer darzubringen, sondern den Priestern, den Söhnen Aarons, die geheiligt sind, Rauchopfer darzubringen. Geh aus dem Heiligtum hinaus, denn du hast treulos gehandelt, und es wird dir nicht zur Ehre gereichen vor Gott, dem Herrn.
Aber Usia wurde wütend. Und er hatte schon in seiner Hand eine Räucherpfanne, um Rauchopfer darzubringen. Und als er über die Priester wütend wurde, brach der Aussatz aus an seiner Stirn, angesichts der Priester im Haus des Herrn, neben dem Räucheraltar. Und der Oberpriester Asarja und alle Priester wandten sich ihm zu, und siehe, er war aussätzig an seiner Stirn. Und sie trieben ihn schleunigst von dort weg, und auch er selbst beeilte sich hinauszukommen, weil der Herr ihn geschlagen hatte.
Und der König Usia war aussätzig bis zum Tag seines Todes. Und er wohnte in einem abgesonderten Haus als Aussätziger, denn er war von dem Haus des Herrn ausgeschlossen. Und sein Sohn Jotam war über das Haus des Königs gesetzt worden und richtete das Volk des Landes.
Und die übrige Geschichte Usias, die frühere und die spätere, hat der Prophet Jesaja geschrieben, der Sohn des Amoz. Und Usia legte sich zu seinen Vätern, und man begrub ihn bei seinen Vätern auf dem Feld bei dem Grab für die Könige, denn man sagte: Er war aussätzig. Und sein Sohn Jotam wurde an seiner Stelle König.
Soweit Gottes Wort.

Ein König mit gutem Start und bemerkenswerten Erfolgen

Das ist wieder so eine richtig faszinierende und spannende Begebenheit, oder? Tatsächlich passiert hier, wo Gott Geschichte schreibt, im Leben dieses Mannes. Und wir wollen uns wieder die Stationen im Leben Ussias anschauen, wie wir das gestern auch bei Rehabeam gemacht haben.
Das Leben von Ussia startet erst einmal sehr positiv. In den ersten vier Versen haben wir das gelesen. Das Gesamturteil wird diesmal direkt vorneweg genommen, und wir lesen es in Vers 4: Er tat, was recht war in den Augen des Herrn, nach allem, was sein Vater Amazja getan hatte. Das ist richtig schön.
Ussia noch einmal zur Namensbedeutung: Asaja, der Herr hilft, ist Helfer und Retter. Das lesen wir in 2. Könige bei diesem Namen Asaja, und hier in 2. Chronik Ussia: Meine Stärke ist der Herr. Das ist der Thronname, den er als König angenommen hat. Mit sechzehn Jahren wird er König, er regiert zweiundfünfzig Jahre lang als König in Juda, und er baut Elat wieder auf und bringt es an Juda zurück. Das haben wir in Vers 2 gelesen: Er baute Elat wieder auf. Das ist eine Küstenstadt gewesen, eine sehr wichtige Hafenstadt, nicht nur für den Flottenstützpunkt, sehr gut gelegen als militärischer Standpunkt, sondern darüber hinaus auch ein Zentrum für Kupferverhüttung. Und das hat natürlich einen enormen wirtschaftlichen Vorteil mit sich gebracht. Er baut Elat wieder auf. Also ein sehr guter und tüchtiger Mann.
Dann lesen wir weiter von Secharja, diesem sonst unbekannten Mann Gottes, diesem Propheten oder Priester, was er auch immer war. Das erinnert ein wenig an Paulus. Also auch Ussia lernt zu Füßen dieses Mannes Gottes, und solange er das macht und auf ihn hört, geht alles gut. Gott gibt ihm Gelingen in den Tagen, als er ihn sucht. Und wir haben mehrere Stellen, wo das deutlich wird, dass Ussia eine sehr gute Beziehung zu Gott hatte.
Vers 4: Er tat, was recht war in den Augen des Herrn, nach allem, was sein Vater Amazja getan hatte. Vers 5: Er suchte Gott in den Tagen Secharjas, der ihn in den Gesichten Gottes unterwies, und in den Tagen, da er den Herrn suchte, gab ihm Gott Gelingen. Vers 7: Und Gott half ihm gegen die Feinde. Und dann Vers 15, wo wir am Ende lesen: Denn wunderbar wurde ihm geholfen, bis er sehr mächtig war.
Dieser Mann hat so viel Positives erlebt in seinem Leben, und das ist sehr beeindruckend, was er alles gemacht hat. Das wird weiter ausgeführt in den Versen 6 bis 15a. Das ist ein recht längerer Abschnitt, in dem uns Ussia vorgestellt wird als ein gewaltiger Eroberer, als ein Erfinder, als ein Erbauer, jemand, dem alles gelang. Ein König, der den Ackerbau liebte. Ein echter Held gehört aufs Feld, und genau da zeichnet er sich aus. Er sorgt für Bewässerung der Äcker, also ein Mann, der auch strategisch herangeht, wenn es um den Ackerbau geht.
Ein Mann, der den Marshallplan erfunden hat, lange bevor der Zweite Weltkrieg zu Ende war. Der Marshallplan nach Ende des Zweiten Weltkrieges war so ein Plan der Siegermächte, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Das war für uns hier sehr vorteilhaft. Und der König Ussia zieht einen ähnlichen Plan hoch: Er besiegt feindliche Städte und baut diese im Anschluss wieder auf und befestigt sie. Das ist schon militärisch strategisch, wie dieser König hier vorgeht.
Gestern hatten wir Rehabeam mit einem Heer von 185.000 Mann, das ist ja schon immens. Aber hier haben wir von einem Heer gelesen, in Vers 13, von 307.500 Mann, die den Krieg mit gewaltiger Kraft führten. Da kann Rehabeam dagegen komplett einpacken. Nicht nur das, sondern er stattet sein Heer auch richtig aus. Das ganze Heer wird bestens ausgestattet, das lesen wir dann in Vers 14. Ussia beschaffte dem ganzen Heer Schilde, Speere, Helme, Panzer, Bogen und Schleudersteine. Das war damals nicht üblich, dass man Soldaten mit militärischem Gerät ausstattete, sondern die Soldaten kamen in der Regel mit Material von zu Hause an. Kennt man ein bisschen von der Bundeswehr, die ist auch nicht so gut ausgestattet; die kaufen sich auch ihre Kompasse bei Tchibo. Aber genau so ungefähr war das halt nicht der Fall, sondern Ussia sorgt dafür, dass sein Heer perfekt ausgestattet ist.
Und so ein kleines Schmankerl enthält es ja schon, wenn er hier drinsteht: Er beschaffte ihnen auch Schilde. Denk mal an Rehabeam, wir haben gestern von ihm gelesen, dessen Schilde alle weggenommen worden sind von dem ägyptischen König, und der statt goldener dann bronzene Schilde aufbaut. Also dieser Mann ist strategisch gut, der rüstet sein Heer aus und stattet es aus.
Ussia erlebt Sieg auf Sieg, glänzende Erfolge, herrliche Siege, auch im geistlichen Bereich. Gott stand ihm bei, das ist richtig schön. Und so kommt es zu einer inneren Befestigung und zu einer äußeren Ausdehnung des Reiches. Und das war auch bitter nötig, denn sein Vater hatte sich nicht durch solch ein Geschick ausgezeichnet. Wir können mal ein Kapitel zurückblättern: 2. Chronik 25. Da ist es in Vers 23, wo wir lesen:
Und Joasch, der König von Israel, nahm Amazja, den König von Juda, den Sohn des Joahas, bei Beth-Schemesch gefangen und brachte ihn nach Jerusalem. Und er riss eine Bresche in die Mauer Jerusalems vom Tor Ephraim bis an das Ecktor, vierhundert Ellen.
Sein Vater hinterlässt ein gefährdetes Reich. Die Mauer hat einen ordentlichen Riss drin, eine Bresche war eingeschlagen, vierhundert Ellen lang. Und Ussia baut nicht nur diese Mauer auf, sondern er entwickelt auch alle möglichen tollen Geräte, die man an die Türme dranhängen konnte.
Ussias Name wurde berühmt, er erlangt Anerkennung, lesen wir in Vers 15, und er wird berühmt über die Landesgrenzen hinaus bis in die Ferne, sagt uns Gottes Wort. Er ist vielleicht so ein bisschen das, was man heutzutage einen High Performer nennen mag. Also ich habe mir gedacht, wenn man sich versucht, Ussias Leben vorzustellen, dann denkt man bei den ganzen Sachen, die er lebte, Ussia war wahrscheinlich so ein Mann, der morgens um sechs Uhr den Soldaten auf der Mauer frischen Kaffee vorbeibrachte, dann sich mit ihnen kurz unterhielt, eben beim Runtersteigen noch einen Teil der Mauer hochzog, hinausgezogen ist er aufs Feld, da seine Furchen zog mit dem Ochsengespann, ihr erinnert euch, und in der Mittagspause eben noch drei, vier Kriegspläne entwarf, nachmittags mit seinen Offizieren sich beriet, wie er weiter vorgehen kann, auf dem Rückweg noch mal abbog, um ein bisschen Bibelschule zu bekommen von seinem Lehrer, und abends sich weiter unterhielt mit den Wachleuten, dafür sorgte, dass die Tore richtig geschlossen werden, die erste Nachtwache vielleicht noch freiwillig übernahm und dann am nächsten Morgen wieder den Soldaten den Kaffee brachte.
Irgendwie scheint der Mann mehr als einen 24-Stunden-Tag abzuhaben, oder? Das ist schon verrückt, was der Mann alles geleistet hat. Das ist immens. Ein gewaltiger Erfinder, einer, dem alles irgendwie gelingt und der so gut drauf ist. Und das ist so immens, was die Bibel hier in diesen ersten 15 Versen beschreibt.
Und dann kommen wir zu diesem letzten Satz in Vers 15. Das ist der nächste Punkt: Denn wunderbar wurde ihm geholfen, bis er sehr mächtig war. Bis er sehr mächtig war. Dieses Bis, das tut weh, oder? Dieses Bis erinnert so ein bisschen an einen Film, den man guckt, und plötzlich setzt so eine spannende Musik ein. Man weiß noch nicht, was genau kommt, aber man ahnt Furchtbares. Und genau das passiert hier, wenn wir dann den nächsten Abschnitt lesen. Da geht es so steil bergab mit diesem Helden, mit diesem gewaltigen König, der so viel Gutes gemacht hat. Dieses Bis ist ein gewaltig gruseliges Wort.
Ussia, der König, der Schleudern entwickelt hat, der sein Heer mit Schleudersteinen ausgestattet hat, kommt nun selber ins Schleudern. Der Soldat Ussia wird von seinem eigenen Stolz besiegt, der Baumeister Ussia zerstört sich selbst, und der Landwirt Ussia bekommt die bittere Frucht seiner Saat zu essen. Dieses Bis macht mir Angst.
Ich möchte ein Buch empfehlen. Ihr findet das auf dem Büchertisch, also der Büchertisch ist da vorne aufgebaut, bedient euch selbst, es steht eine rote Kasse, da könnt ihr das reintun. Und in diesem Buch schreibt Steve Farrar von einer ganz großen Gefahr für uns Männer, auch für Frauen, also gilt eigentlich für alle. Bei Männern gibt es halt so eine Auswertung, oder gab es mal so eine Studie, die über einen längeren Zeitraum gemacht wurde, und da wurde festgestellt: Nur einer von zehn Männern schließt stark erfolgreich ab in seinem eigenen geistlichen Leben. Und diese Zahl hat mich sehr schockiert.
Und als ich mir das Leben von Ussia angeschaut habe, da bekommt man auch irgendwie Sorge, oder? Wie oft meinen wir, es ergriffen zu haben und schon alles gecheckt zu haben, und stellen gar nicht fest, wie wahnsinnig wir in der Gefahr stehen zu fallen. Wie oft meinen wir mit der größten Überzeugung, andere belehren zu können, und stellen nicht fest, dass wir vor unserer eigenen Tür zu kehren haben. Wie oft meinen wir, dass wir es begriffen haben und feststehen, und stellen gar nicht fest, dass wir fallen.
Wir brauchen Menschen, die uns spiegeln. Wir brauchen Menschen, die den Mut haben und die Freudigkeit nicht aufgeben, uns den Spiegel vor das Gesicht zu halten. Wenn du so ein Mensch bist wie jemand anders, dann darf der andere Mensch Gott dafür preisen, aber du sollst auch bitte ermutigt sein, weiter deine Kritik und deine Punkte zu äußern. Und die Frage ist: Wie gehen wir mit Kritik um? Also sehr zu empfehlen dieses Buch. Zielstrebig: Einer von zehn schließt stark ab.
Und das finde ich hier gewaltig. Und bei Ussia kommt es dann nach der Gefahr auch zum Absturz, und das lesen wir eigentlich über das restliche Leben von Ussia. Es kommt zu einem Absturz. Ussias Herz erhebt sich, weil er stolz wird, das lesen wir ab Vers 16. Und das Verhalten, was er macht, ist so dumm, oder? Und es kommt immer wieder in der Bibel vor, dass sich Menschen erheben, stolz werden und darüber stürzen. Gerade auch bei dieser Art und Weise, wie Ussia hier vorgeht, ähnliche Verhaltensweisen hat es immer schon gegeben.
 3. Mose 10: Das sind die Söhne Aarons, Nadab und Abihu, die sich erdreisten und eigenmächtig opfern und von Gott mit dem Tod bestraft werden. Lesen wir ein Buch weiter in 4. Mose 16, da kommt es zum Aufruhr der Rotte Korach, und dann steht in 4. Mose 16,35: Und Feuer ging aus von dem Herrn und fraß die zweihundertfünfzig Männer, die das Räucherwerk dargebracht hatten.
Schlagen wir mal auf 4. Mose 18,7, weil da deutliche Anweisungen von Gott gegenüber Aaron geäußert werden, wie man sich da richtig verhalten sollte. 4. Mose 18, 4. Mose 18,7: Da ordnet Gott an: Du aber und deine Söhne mit dir, ihr sollt euer Priesteramt versehen in allem, was den Altar betrifft, und innerhalb des Vorhangs, und so die Arbeit tun. Als eine geschenkte Aufgabe gebe ich euch das Priesteramt. Der Fremde aber, der sich nähert, soll getötet werden.
Also es war eine deutliche Anweisung von Gott, wie man sich richtig verhalten soll, und genau dagegen verstößt Ussia. Der doofe Stolz. C. S. Lewis, ein bekannter Schriftsteller, hat Narnia zum Beispiel geschrieben, er sagte mal: Durch den Stolz wurde der Teufel zum Teufel.
Wenn wir weiterlesen oder weiter darüber nachdenken, wir hatten jetzt die Woche mit meinen beiden Kleinen in der Kinderbibel Mose, wie er vor einem Felsen steht, das Volk murrt wieder, und da verliert Mose die Kontrolle, schlägt zweimal gegen den Fels und sagt: Ich werde hier für Wasser sorgen. Und Gott sagt ihm: Wegen dieser Aktion ziehst du nicht in das verheißene Land. Wieder so ein stolzes, eigenmächtiges Verhalten. Josua fragt Gott nicht um Rat, als es um die entscheidende Schlacht bei Ai geht, und verliert diese. König Nebukadnezar hört nicht auf die Stimme Gottes und wird von Gott gedemütigt, tatsächlich im wahrsten Sinne des Wortes auf allen Vieren, kriecht er daher. Petrus brachte seinen Stolz dazu, Christus zu verleugnen.
Und Ussia könnte man sogar verstehen in seinem Verhalten, wenn er sich mit den anderen Herrschern zu seiner damaligen Zeit vergleicht. Wir wissen, dass es in Ägypten durchaus üblich war, dass die Könige auch gleichzeitig die höchsten Priester waren in ihren Götzenopferkulten. Und vielleicht hat ihm das vorgeschwebt, dass er auch nicht nur im Staat, sondern auch im Tempel der Erste sein wollte. Auf dem Höhepunkt seiner Macht überhebt er sich, reißt priesterliche Vorrechte an sich und kommt zu Fall.
Was ich so schlimm finde: Er kommt zu Fall nicht in der Welt, als er auf irgendeinem Kriegstug ist, sondern im Haus Gottes, im Haus Gottes, wo es darum geht, Gott anzubeten und ihm die Ehre zu geben. An diesem Ort kommt er zu Fall, und das finde ich so schrecklich.
Ihm stellen sich dann der Hohepriester Asarja und achtzig Priester entgegen, tüchtige Männer, lesen wir in Vers 17. Sie widerstehen ihm, und Ussia wird wütend. Vers 19 heißt eigentlich wörtlich: wie ein Sturm toben. Ich habe mir gedacht, wenn du so einem Mann, dem alles gelingt, der so perfekt drauf ist, dich gegenüberstellst und der tobt wie ein Sturm, ich möchte dem nicht begegnen. Und was für Männer waren diese Priester, diese achtzig Priester, mit dem Hohenpriester Asarja, die sich diesem König gewagt haben, entgegenzustellen.
Es kommt dann zur Strafe: Ussia wird aussätzig, und da hat Gott sehr deutliche Vorgaben in 3. Mose aufgeschrieben. 3. Mose 13,45 sagte Gott: Und der Aussätzige, an dem das Mal ist, seine Kleider sollen zerrissen und sein Kopfhaar soll frei hängen gelassen werden, und er soll seinen Bart verhüllen und ausrufen: Unrein, unrein! All die Tage, die das Mal an ihm ist, soll er unrein sein. Unrein ist er. Allein soll er wohnen, außerhalb des Lagers soll seine Wohnung sein.
Vielleicht kennt ihr dieses Spiel: Wer bin ich? Da schreibt man auf so ein Post-it den Namen einer bekannten Person und klebt ihn seinem Nachbarn auf die Stirn. Und weil der ja nicht auf die Stirn gucken kann, muss er das durch Fragen herausbekommen, wer er wohl ist. Wenn wir das hier gelesen haben in Ussia, dann bricht der Aussatz an seiner Stirn aus, und das ist so schrecklich, dieses ganze Szenario, dass Ussia selber feststellt und aus dem Tempel zwar auch herausgetrieben wird, aber selber die Beine in die Hand nimmt und losläuft und aus dem Tempel herausrennt.
Und dann bleibt er bis zum Tag seines Todes, man nimmt an, dass er noch elf Jahre gelebt hat, aussätzig und wohnte in einem abgesonderten Haus, während sein Sohn Jotham dann regiert. Die Strafe Gottes für ihn: der Aussatz, ein abgelegenes Haus, nicht mehr der Palast, nicht mehr der Tempel, in dem er so frech eingedrungen ist, sondern er hat jetzt weder im Tempel noch im Palast etwas zu sagen. Der Mann, der im Palast der Erste sein wollte und es auch war, der Mann, der auch im Tempel der Erste sein wollte und es nicht durfte, der hat plötzlich weder im einen noch im anderen Gebäude etwas zu sagen. Er ist aussätzig in dem abgelegenen Haus und wartet da auf sein Ende.
Und sein Ende, das ist diesmal nicht normal, kein normales Ende. Das können wir noch einmal lesen in Vers 23: Und Ussia legte sich zu seinen Vätern, und man begrub ihn bei seinen Vätern auf dem Feld, bei dem Grab für die Könige, denn man sagte: Er war aussätzig. Und sein Sohn Jotham wurde an seiner Stelle König.
Das ist eigentlich ein trauriges Ende. Und auf der anderen Seite schreibt uns hier die Bibel einen ganz feinen Vermerk, der uns zu Jesaja 6 führt. Guck mal, schlag mal Jesaja 6 auf, und in Jesaja 6 geht es um Gott den Höchsten, den heiligen Gott, der die ganze Zeit auch hört: Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heerscharen. Und dann steht da in Jesaja 6,1: Im Todesjahr des Königs Ussia, da sah ich, schreibt Jesaja, den Herrn sitzen auf hohem und erhabenem Thron, und die Säume seines Gewandes füllten den Tempel.
Allein nur der Satz, wir machen jetzt keine Predigt über Jesaja 6, aber allein schon der Satz macht deutlich, wie unendlich groß Gott ist im Verhältnis zu unserer Kleinheit. Die Säume des Gewandes, der Saum ist das, was man hier ganz unten umgenäht hat. Die Säume des Gewandes sind ja nur ein Bild, das Jesaja nimmt, um zu beschreiben, wie großartig Gott ist. Die Säume des Gewandes füllten den Tempel, und Rauch stieg so auf. Gott ist unendlich viel größer als wir Menschen.
Und was mich so begeistert und bewegt, ist, dass das im Todesjahr des Königs Ussia passiert. Und wir haben da einen anderen Mann, der uns plötzlich vorgestellt wird, diesen Jesaja, der feststellt: Ich bin ein Mann mit unreinen Lippen und inmitten eines Volkes von unreinen Lippen wohne ich. Jesaja, der kapituliert über seine eigene Schuld und der dann von Gott zum Dienst befähigt wird.
Und das macht Mut für unseren Dienst, oder? Es macht Mut, wenn du vielleicht hier gerade sitzt und denkst: Ich bin sowas von nicht würdig, irgendetwas zu machen. Ein zerbrochenes Herz ist immer perfekt, um zum Herrn zu kommen und mit ihm durchzustarten. Und das ist so eine gewaltige Ermutigung, dass in diesem Todesjahr des Königs Ussia, der so ein tolles Leben hatte, dem alles gelang, wir den Blick richten dürfen auf den Jesaja, der kapituliert vor Gott, der seine Heiligkeit und Größe anerkennt und den Gott benutzt zu einem wunderbaren Dienst.
Ussia wurde in der Nähe der Könige, aber nicht bei ihm begraben, und das sind die Lektionen, die wir aus Ussias Leben nehmen wollen, in der Vogelperspektive.

Was dieses Leben über Stolz und geistliche Gefahr lehrt

Jetzt kommen wir zur Anwendung für uns. Die Männer kennen diese Folie schon, wir hatten sie heute Morgen schon: Männer und Verantwortung. Wir haben ein bisschen gejammert und uns selbst bemitleidet, weil wir festgestellt haben, dass Verantwortung feminin ist. Also ist es für uns Männer natürlich ein gewaltiger Nachteil, dass selbst Verantwortung im Duden weiblich deklariert wird. Und trotzdem geht es mir darum, die Wichtigkeit zu betonen, dass wir, egal ob Mann oder Frau, Verantwortung zu übernehmen haben in dem Leben, in das Gott uns hineingestellt hat.
Dazu möchte ich sehr herzlich einladen, dass wir uns kurz ein paar Gedanken machen über die Verantwortung, die wir gegenüber unserem Schöpfer haben. Ich habe gestern schon versucht, so ein bisschen darauf hinzuweisen. Ich glaube, was ganz wichtig ist für uns als Christen, ist, dass wir in Gottes Wort gut bewandert sind und uns da auskennen. Und dazu sollen auch die Bibeltage dienen: noch einmal die Schrift aufzuschlagen und die Geschichte der Könige von Juda nachzuvollziehen.
Ich glaube, wenn wir uns über das Bibellesen Gedanken machen, dann unterstreicht das eine Verantwortung, die wir gegenüber Gottes Geschöpfen haben, also gegenüber unserem Schöpfer als Geschöpfe. Gott gibt uns sein Wort. Es ist so unendlich kostbar, wenn wir an den Prolog von Johannes denken: Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Das ist so unendlich kostbar: Christus, das fleischgewordene Wort des Vaters. Deswegen ist das nicht nur für uns irgendwie ein Text zwischen zwei Buchdeckeln, sondern Gott selbst, der hier zu uns spricht in unserer heutigen Zeit, 2024.
Ich glaube, dass es zwei Gefahren gibt, wenn wir über Bibellesen nachdenken. Das möchte ich kurz skizzieren, mit zwei Krankheiten, die es leider gibt: Das eine ist Magersucht, und das andere ist Bulimie.
Wodurch zeichnet sich Magersucht aus? Magersucht ist eine Krankheit, anerkannt und auch sehr schlimm, wenn sie auftritt. Das Problem dabei ist, dass es Menschen gibt, die sagen: Oh, ich bin zu dick, und dann krampfhaft versuchen, daran etwas zu ändern, und das Essen eigentlich verweigern. Das ist das eine: Magersucht. Und das andere ist Bulimie. Es ist auch schrecklich, es hat auch mit einer Esskrankheit oder einer Essstörung zu tun, dass man durchaus isst, es aber nicht bei sich behält, sondern dafür sorgt, dass es auf einem nicht normalen Weg, auf einem nicht dafür vorgesehenen Weg, den Verdauungsprozess durchläuft, sondern eher wieder herauskommt. Also auch schlecht.
Ich glaube, dass es beim Bibellesen genau diese beiden Krankheiten auch gibt. Wenn wir über Magersucht nachdenken und das versuchen, auf die Bibel anzuwenden, dann sind wir ja schon interessante Geschöpfe, oder? Wenn ihr Christen seid und hier sitzt, dann werdet ihr mir zustimmen, wenn wir sagen: Ja, wir verehren die Bibel auf jeden Fall, das ist für uns Gottes Wort. Warum lesen wir sie nicht? Ja, wir glauben, dass die Bibel von Gott inspiriert ist. Wir haben den Luxus, dass wir in der Regel mehrere Bibelübersetzungen bei uns im Schrank stehen haben. Wir haben den Vorteil, dass wir wahrscheinlich sogar eine Studienbibel im Regal haben oder Kommentare, die die Bibel erklären. Wer noch keinen hat, am Büchertisch liegen welche. Die meisten von uns haben wahrscheinlich eine Bibel-App auf ihrem Smartphone. Also können wir überall darauf zugreifen und die Bibel lesen.
Und wenn ich euch fragen würde oder am Anfang gefragt hätte, wer von euch die Bibel schätzt, dann würden wir alle verklärt lächeln und sagen: Jawohl, wir schätzen die Bibel. Und das ist ja auch gut so. Und trotzdem denke ich mir manchmal: Warum ist da so viel Theorie bei so einem praktischen Thema? Warum gelingt es uns so wenig, in der Bibel zu lesen? Wir feiern die Bibel, wir finden sie richtig gut, wir sagen, es ist Gottes Wort, aber wir behandeln die Bibel wie einen Fremdkörper in unserem Leben. Und das finde ich so schwierig.
Geistliche Magersucht ist eine Abneigung, die Bibel zu lesen und sie richtig zu verdauen. Und mal ein Vers aus 5. Mose 32: Richtet euer Herz auf all die Worte, die ich euch heute bezeuge, damit ihr sie euren Kindern gebietet, dass sie darauf achten, alle Worte dieses Gesetzes zu tun. Denn nicht ein leeres Wort ist es für euch, sondern es ist euer Leben. Das ist kein leeres Wort für uns, sondern es ist unser Leben, zu dem Gott heute zu uns spricht.
Die andere Gefahr, die Bulimie, gibt es auch. Das Gegenteil von Unwissenheit ist jetzt nicht Wissen, sondern Wissen und Gehorsam. Und das ist ein ganz wichtiger Punkt, wenn wir an Jakobus denken: Seid aber Täter des Wortes und nicht allein Hörer. Ich glaube, dass die Gefahr bestehen kann, dass man der theologisch perfekt ausgebildete Mensch auf diesem Planeten sein kann, die Bibel sogar auswendig kann und keinen blassen Schimmer davon hat, was sie in einem Leben bewirken kann. Und das ist eine Riesengefahr.
Geistliche Bulimie ist das ständige Lesen des Wortes Gottes ohne persönliche Anwendung. Jakobus schreibt: Seid aber Täter des Wortes und nicht allein Hörer, die sich selbst betrügen. Und von Ezra lesen wir: Ezra hatte sein Herz darauf gerichtet, das Gesetz des Herrn zu erforschen, und dabei ist er nicht stehen geblieben, sondern es geht weiter, es zu tun und den Israeliten die Ordnung und das Recht des Herrn zu lehren. Das Gegenteil von Unwissenheit in Bezug auf die Bibel ist nicht das reine Wissen, sondern es ist Wissen und Gehorsam. Es ist Wissen und Gehorsam. Wenn Gott dir in einer Bibelstelle deutliche Fehlfalten aufzeigt, dann hilft es nichts, wenn du versuchst, das irgendwie wegzudiskutieren. Dann bist du Gott ungehorsam, wenn du dich nicht daran hältst und es umsetzt.
Gott spricht heute noch in seinem Wort zu uns. Das ist so wunderbar. Weswegen ist es wichtig, dass wir Gottes Wort auch für voll nehmen und dass es uns darum geht? Das Gegenmittel von dieser Magersucht und Bulimie ist dann eine richtige Nahrungszunahme und Verdauung. Ich habe einen wunderschönen Begriff gefunden in Jesaja 61,3 nach der Mengeübersetzung: damit man sie nenne die Eichen der Gerechtigkeit, die Pflanzung des Herrn, ihm zur Verherrlichung. Das ist schon ein schönes Bild, oder? Die Eichen der Gerechtigkeit.
Und die Frage ist also: Wenn wir über Bulimie und Magersucht nachgedacht haben, was ist dann die richtige Art der Verdauung? Wie gehen wir richtig mit Gottes Wort um? Wir lesen zum Beispiel in Psalm 1, wo es auch um einen Baum geht, der gut gewurzelt ist, von einem Nachsinnen. Das Erstaunliche oder das Wichtige bei einem Baum ist ja nicht das, was oben wächst, oft sondern was unten drunter kommt. Wir sind jetzt mit der Familie spazieren gegangen und haben eine richtig schöne Buche gesehen. Ich hätte die gerne für den Kamin. Die war entwurzelt. Da hat man den Wurzelteller gesehen, der Sturm hatte sie umgepustet, und der ganze Wurzelteller lag flach da. Das schöne Holz, das kannst du jetzt verheizen, aber der Baum wird nicht mehr wachsen. Das, was wichtig ist, ist nicht sichtbar, das unter der Oberfläche, darauf kommt es an.
Die Frage kann man natürlich auch stellen: Ja, warum soll ich die Bibel noch lesen? Ich glaube, dass wir uns selbst den größten Gefallen tun, wenn wir Gottes Wort studieren und darin lesen. Warum? Die Bibel erinnert uns immer wieder daran, dass es einen Gott gibt, der die Angelegenheiten meines Lebens regelt, und das ist ein gewaltiger Trost in dieser Zeit, die viele Fragen hat, aber keine Antworten mehr bietet. Sie erinnert mich daran, was wahr ist. Auch ein gewaltiges Geschenk, oder was für eine Ruhe kommt, was für ein fester Halt ist die Bibel, weil ich weiß: Gott ist Wahrheit, und er redet dadurch durch sein Wort. Sie bestärkt mich in meinen geistlichen Überzeugungen.
Und deswegen noch einmal der Tipp: Fangt einfach so einen Tag an, mit einer guten Tasse Kaffee und einem Kapitel aus den Sprüchen. Gerade die Sprüche sind so praktisch für unser Leben und sprechen da so deutlich hinein. Billy Graham hat morgens immer fünf Psalmen gelesen und ein Kapitel aus den Sprüchen. Und wenn man es hochrechnet, dann kommt da drauf: fünf mal dreißig sind hundertfünfzig. Bei den Sprüchen musste er die 31 Tage abwarten, dann hatte er das in der Regel in einem Monat durchgehabt. Das ist eigentlich eine gute Idee.

Praktische Schritte für einen treuen Umgang mit Gottes Wort

Wie kann man das Ganze jetzt praktisch umsetzen?
Erstens: Plane dir Zeit ein. Das ist ganz wichtig. Wenn du dir nur vornimmst: Ich möchte jetzt besser die Bibel lesen, dann glaube ich, wird das schnell schiefgehen. Wir brauchen eine bewusste Vornahme von einem Zeitfenster, in dem wir sagen: Morgens um sechs Uhr bis sechs Uhr fünfzehn nehme ich mir Zeit.
Plane dir einen Ort ein. Achte auf dein Gebet. Jemand sagte mal: Wenn du einen Christen blamieren willst, dann frag ihn nach seinem Gebetsleben. Und ich glaube, damit hat er leider recht. Wie sieht unser Gebetsleben aus? Zeichnet sich das aus? Jemand sagte mal: Beten ist Atmen der Seele. Haben wir da Schnappatmung, oder stellt man da fest, dass wir tatsächlich den Kontakt haben zu unserem großen Gott?
Beginne mit der Heiligen Schrift. Das fällt mir selbst so schwer. Wir haben so eine Handy-Ablagefläche bei uns im Flur, da kommt das Handy abends rein. Und dann gehst du morgens vom Schlafzimmer zur Küche, und dann juckt es dir so in den Fingern, einfach nur den dummen Bildschirm anzumachen, um zu gucken, ob jemand geschrieben hat. Davon wird die Welt nicht untergehen, wenn man zwanzig Minuten später draufguckt, oder? Also man ertappt sich ja selber dabei, wie intensiv man da schon Abhängigkeiten aufbaut, die gar nicht gut sind.
Und ich möchte, wir setzen mal zur Landung an. Und die Beziehung zu anderen, auf die möchte ich hier abstellen. Wir hatten das heute Morgen schon beim Männerfrühstück mal angedeutet. Ich glaube, dass es wahnsinnig wichtig ist, dass wir uns Menschen suchen, die uns helfen, wenn wir unsere stille Zeit auch anpacken wollen, wenn wir verantwortlich sein wollen gegenüber unserem großen Gott. Wir brauchen einen Menschen, der uns hilft, Rechenschaft abzugeben. In allen möglichen Bereichen unseres Lebens, wo wir feststellen, dass wir da eine Baustelle haben, brauchen wir einen anderen, dem wir wöchentlich mal einen Bericht geben können und sagen können: Hier habe ich eine Schwierigkeit, lasst uns zusammen beten, dass wir uns da gegenseitig unterstützen.
Ich habe eine Geschichte gelesen von Hernan Cortes. Das war ein Mann, der die spanische Armee von 600 bis 700 Mann ins heutige Mexiko führte, um das Aztekenreich zu erobern. Und bei seiner Landung war das dann ganz interessant: Er hatte elf Schiffe, und zwei Anführer haben angefangen zu meutern, also gesagt: Oh, wir wollen hier wieder zurück, das ist ja alles Quatsch, was der Herr Hernan Cortes macht, und wir wollen zurück nach Kuba kehren. Und als Reaktion darauf hat Cortes einen gewaltigen Geniestreich gemacht. Der hat einfach seine Flotte im Meer versenkt, und zwar indem er sie abgefackelt hat, die elf Schiffe also abgebrannt. Und hat dadurch den einzigen Rückwärtsgang, den er hatte, abgeschnitten. Die Leute konnten gar nicht mehr weg, die mussten jetzt kämpfen. Es ging nur noch nach vorne, es ging nicht mehr zurück.
Und ich glaube, dass es wichtig ist, dass wir auch Schiffe verbrennen in unserem Leben, wo wir ein Hintertürchen offen halten. Es kann im sexuellen Bereich sein, dass du dir manche Türen offen hältst und sagst: Ach, kriegt ja eh keiner mit, und dann heimlich auf irgendwelchen Seiten bist. Es kann sein, dass du ein Problem mit Lästern hast und vielleicht auch sagst: Ach, wir lästern nicht, wir stellen nur fest. Und das versuchst du zu verharmlosen, und dabei bist du permanent sündig gegenüber Brüdern und Schwestern, für die Christus gestorben ist. Es kann sein, dass du dich der Verantwortung entziehst, indem du dein Verhalten banalisierst, schönredest, Begrifflichkeiten verwendest, die Sünde nicht mehr Sünde nennen, sondern: Ach ja, macht doch jeder. Verharmlosen, verniedlichen.
Es kann sein, dass du dir ein Verhalten antrainiert hast, das geprägt ist von Egoismus, und du kriegst gar nicht mehr mit, dass Leute aufschreien um dich herum, weil du so selbstsicher dastehst und denkst: Mir kann keiner was.
Der United States Marine Corps hat dieses Logo, was ihr da rechts unten seht: Semper Fidelis haben die sich aufgeschrieben, immer treu. Das finde ich einen gewaltig guten Grundsatz für unser Leben eigentlich: immer treu zu sein. Wisst ihr, wenn ihr mich so seht hier bei den Bibeltagen, für drei Tage kann man sich anständig benehmen. Ja, kriegt man hin, fällt noch nicht mal schwer bei euch sogar. Aber wie sieht unser Alltag aus am Montag und am Dienstag, am Mittwoch, am Donnerstag, am Freitag? Da schließt sich ja bald eine neue Woche an. Sind wir da auch immer treu?
Wenn du sonntags in der Gemeinde bist und laut jubelnd die Lieder mitsingst, das ist eine gute Sache. Welche Parolen grüllen wir am Montag auf der Arbeit? Über welche Witze lachen wir, wenn uns irgendeine Kollegin dreckige Witze erzählt? Ich finde es so wichtig, den Wunsch zu haben, immer treu zu sein.
Es kommt nicht darauf an, wie man anfängt, sondern es kommt darauf an, wie man abschließt. Als ich am ersten April bei meinem Papa war, wo er heimgegangen ist in die Herrlichkeit, war bei einem seiner letzten Wachmomente, habe ich ihm gesagt: Papa, du hast die Ziellinie bald überschritten, du schließt stark ab. Ich habe den Mann in dem Moment wahnsinnig beneidet, als ich gedacht habe: Es ist mein großer Wunsch, dass meine Kinder es auch sagen können, wenn mein Ende gekommen ist und ich es bewusst mitbekommen könnte, diesen Wunsch zu haben, stark abzuschließen.
Wir haben vielleicht schon den einen oder anderen Bock geschossen. Und wenn du dir da nicht sicher bist, frag einfach Leute, die dich lieb haben und ehrlich sind, die werden dir ein paar aufzeigen. Und deswegen ist es so wichtig, dass wir uns entschließen, mit Gottes Hilfe immer treu zu sein.
Und Lucia ist uns da so eine gewaltige Warnung, dieser Mann, dem eigentlich alles gelang und der alles verloren hat, als er gedacht hat: Ich habe es ja in der Hand. Lasst uns engagiert sein mit unseren Augen, was wir uns angucken. Lasst uns engagiert sein mit unserem Verstand, was für Gedanken oder was für Tagträume wir zulassen. Lasst uns engagiert sein mit unseren Lippen, wie gehen wir um, wie reden wir über andere Menschen, kommt da Lob raus oder Kritik. Lasst uns mit unseren Händen engagiert sein, anpacken, wo wir Arbeit sehen. Lasst uns engagiert sein mit unseren Füßen, ganz praktisch sagt Paulus: Flieht die Unzucht, damit wir Gott die Ehre geben in unserem Leben.
Und Usir ist so ein wahrendes Beispiel für mich von einem Mann, der nicht stark abgeschlossen hat, und trotzdem ist Gottes Gnade größer. Und das Gesamturteil haben wir ganz am Anfang gelesen schon, dass das ein Mann war, der auf dieser Grafik gelb eingezeichnet werden durfte, weil Gottes Gnade größer war. Das ist ein großartiges Geschenk.
Das ist Usir. Ich bete jetzt noch, und dann machen wir eine Pause und machen dann weiter mit Manasse. Ja, um neunzehn Uhr. Steh mal noch auf, ich bete noch!

Abschlussgebet und Bitte um Weisheit

Lieber Vater, vielen Dank, dass wir von Ussia das Leben lernen dürfen. Ussia heißt: Meine Stärke ist der Herr. Und als er das verinnerlicht hat, hatte sein Leben wahnsinnigen Erfolg.
Erfolg ist uns als Neutestamentlern nicht unbedingt beschieden, sondern eher Widerstand, wenn wir uns auf deine Seite stellen. Aber auf jeden Fall haben wir die Verheißung, dass du mit uns gehst und dass du uns nicht verlässt, bis wir beide in der Ewigkeit sind, Herr.
Und Herr, wir haben diese gewaltige Perspektive, die uns total erfreut: dass wir auf deine Wiederkunft warten, Herr. Und wir wollen dich bitten, dass du bald kommst. Aber wir haben auch den Wunsch, Herr, weil wir noch voll im Leben drinstehen, dir mit unserem Leben die Ehre zu geben, Herr.
Und wir haben so viele Baustellen in unserem Leben. Wir brauchen deine Hilfe. Wir brauchen Geschwister, die uns helfen, uns zu ermuntern und zu ermahnen. Und darum bitte ich dich, dass du uns die Weisheit gibst, dass wir Hilfe in Anspruch nehmen, dass wir Kritik nicht einfach abkanzeln, sondern sie annehmen und dass du uns hilfst, unsere Gedanken zu sortieren.
Du bist der lebendige Gott. Du kommst zu deinem Ziel, und dafür geben wir dir die Ehre. Du bist der Anfänger und Vollender unseres Glaubens, lieber Herr Jesus. Danke dafür. Amen.