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Weherufe gegen Schriftgelehrte und Pharisäer – Teil 11

Jesu Leben und Lehre | Episode 741
Matthäus 23,34-3520.08.2026
SerieTeil 8 / 10Weherufe gegen Schriftgelehrte und Pharisäer
Gott schweigt nicht zu Unrecht: Wer Gottes Boten zum Schweigen bringt, wiederholt alte Schuld. Die Frage ist unbequem – wo lebst du Muster weiter, statt endlich umzudrehen?
Gott wird Mensch, Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 741: Weherufe gegen Schriftgelehrte und Pharisäer, Teil 11, Matthäus 23,34

Gott wird Mensch, Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist. Episode 741 Weherufe gegen Schriftgelehrte und Pharisäer, Teil 11, Matthäus 23, Vers 34

Die Sendung neuer Boten im Licht des kommenden Bundes

Deswegen siehe ich, sende zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte. Einige von ihnen werdet ihr töten und kreuzigen, und einige von ihnen werdet ihr in euren Synagogen geißeln. Ihr werdet sie verfolgen, von Stadt zu Stadt.
Obwohl die Schriftgelehrten und Pharisäer mit Gott ein böses Spiel spielen, lässt er sich nicht aufhalten, einen neuen Bund ins Leben zu rufen. Jesus ist deshalb bereit, nach seiner Verherrlichung eigene Boten zu schicken, die das Projekt Ekklesia des Messias vorantreiben.
Die Boten werden als Propheten, Weise und Schriftgelehrte bezeichnet. Die drei Bezeichnungen decken drei Dimensionen des Dienstes ab. Propheten sprechen Gottes Wort aktuell und autoritativ ins Leben der Zuhörer. Weise sind in der Lage, Gottes Willen geistlich zu verstehen und anzuwenden. Schriftgelehrte sind Experten darin, Gottes Wort zuverlässig auszulegen.

Geistliche Einsicht als Weg der Nachfolge

In der letzten Episode haben wir einen Blick auf die Propheten geworfen. Machen wir jetzt mit den Weisen weiter.
Weise stehen für Weisheit, also für geistliche Einsicht. Dabei meint Weisheit nicht einfach Intelligenz und erst recht nicht Pfiffigkeit, sondern Weisheit beschreibt die Fähigkeit, das richtige Ziel mit den richtigen Mitteln zu erreichen.
Und das heißt in der Praxis: Der Weise fürchtet Gott und tut, was Gott sagt. Der Weise ist also immer auch der Gehorsame, aber nicht nur der Gehorsame. Er ist derjenige, der sich auf die Suche nach Weisheit macht, weil er in der Wirklichkeit Gottes leben will.
In diesem Sinn ist der Weise der Adressat der biblischen Weisheitsliteratur. Besonders die Weisheitsbücher, Prediger und Sprüche prägen ihn. Und in den Evangelien begegnet ihm Jesus selbst als vollkommenes Vorbild gelebter Weisheit.
Wenn Jesus neben den Propheten auch Weise schickt, dann sind das Gläubige, die wissen, wie man mit Jesus im Neuen Bund lebt, was es heißt, ganz praktisch im Geist zu wandeln, wie man das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit zur wichtigsten Priorität macht usw. Die Weisen, das sind die Vorbilder, an denen man sich orientieren kann.

Schriftkenntnis im Dienst des Messias

Kommen wir zu den Schriftgelehrten. Lustig, oder? Jesus sagt zu den Schriftgelehrten, dass er in der nahen Zukunft seine eigenen Schriftgelehrten senden wird. Damit wird deutlich, was er von ihrer Arbeit hält.
An der Sendung eigener Schriftgelehrter merkt man, dass Jesus kein Problem mit Schriftgelehrsamkeit hat. Wir brauchen Leute, die sich tief in die biblischen Texte hineinfressen, die sich mit alten Sprachen, der antiken Kultur und mit Auslegungsprinzipien auskennen. Es braucht solche, die in Wort und Lehre arbeiten. Und weil es solche Bibelfreaks braucht, werden sie von dem Herrn Jesus begabt und gesendet.
Für die Zeit Jesu sind das Schriftgelehrte, die das Alte Testament im Licht seiner Erfüllung in Christus verstehen. Wir sind an anderer Stelle schon auf diesen Typus gestoßen: Matthäus 13,52. Er aber sprach zu ihnen: Darum ist jeder Schriftgelehrte, der ein Jünger des Reiches der Himmel geworden ist, gleich einem Hausherrn, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorbringt.
Das ist der Typus von Schriftgelehrtem, der Jesus vorschwebt, wenn er den Begriff gebraucht. Was zeichnet diese neuen Bibellehrer aus? Sie sind einerseits Jünger des Reiches Gottes, und andererseits sind sie in der Lage, aus einem Schatz von Bibelwissen Neues und Altes hervorzubringen.
Das Alte ist die Schrift Israels: Gesetz, Propheten, Psalmen, Verheißungen, Typologien und Gottes bisheriges Handeln. Das Neue ist nicht ein Bruch damit, sondern die Erfüllung in Christus. Das angebrochene Reich, die messianische Deutung der Schrift, Kreuz und Auferstehung und die neue, durch den Heiligen Geist gewirkte Beziehung zu Gott.
Der Jesusschriftgelehrte verwirft also das Alte nicht. Er liest es aber nicht mehr ohne Christus. Er bringt beides zusammen: die alte Offenbarung und ihre neue, endgültige Erfüllung im Messias Israels.

Der Widerstand gegen die Gesandten Gottes

Soweit zu den Propheten, den Weisen und den Schriftgelehrten.
Hören wir noch einmal Matthäus 23,34: „Deswegen siehe, ich sende zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte. Einige von ihnen werdet ihr töten und kreuzigen, und einige von ihnen werdet ihr in euren Synagogen geißeln, und werdet sie verfolgen von Stadt zu Stadt.“
Wie wird die theologische Elite mit den Boten des Messias umgehen? Ganz einfach: Gerade die Leute, die sich damit brüsten, sie wären nie und nimmer am Blut der Propheten schuldig geworden, gerade die stehen in vorderster Front, um die kommenden Propheten, Weisen und Schriftgelehrten zu töten, zu kreuzigen, zu geißeln und zu verfolgen.
Sie bilden sich ein, über den Vorvätern zu stehen. Aber die Geschichte gibt Jesus recht: Sie sind im Herzen die Söhne ihrer prophetenmordenden Väter. Was diese angefangen haben, das bringen sie zum Abschluss.
Sie werden versuchen, das Jesuszeugnis zu unterdrücken und auszurotten. Und dabei ist ihnen jedes Mittel recht.

Die Linie der Schuld von Abel bis Zacharias

Matth. 23,35: „Damit über euch kommt alles gerechte Blut, das auf der Erde vergossen wurde, von dem Blut Abels des Gerechten bis zu dem Blut Zacharias, des Sohnes Berechias, den ihr zwischen dem Tempel und dem Altar ermordet habt.“
Fangen wir mit Abel und Zacharia an. Abel ist der erste Gerechte, der ermordet wird. Er wird ganz am Anfang der Bibel von seinem Bruder Cain erschlagen.
Secharia ist vermutlich der Secharia aus 2. Chronik 24, der im Tempelvorhof gesteinigt wurde. Warum ich „vermutlich“ sage, erkläre ich im Anhang zum Skript. Die Stelle ist textkritisch ein wenig komplizierter.
So stand in der jüdischen Reihenfolge der biblischen Schriften Genesis, also 1. Mose, am Anfang und das Buch Chronik am Ende. In unseren Bibeln ist die Chronik auf zwei Bücher verteilt. In der jüdischen Bibel bilden 1. und 2. Chronik dagegen ein einziges Buch, und dieses steht am Ende des hebräischen Kanons.
Die Formulierung von Abel bis Zacharia bedeutet dann: von der ersten bis zur letzten Märtyrerfigur im hebräischen Kanon. Die ganze im Alten Testament angestaute Schuld, vom ersten bis zum letzten Blutzeugen, wird über die Schriftgelehrten und Pharisäer kommen.
Gott ist ein langmütiger Gott. Er kann warten und Raum zur Buße schenken. Aber wehe, man denkt, er würde die Schuld eines Volkes vergessen. Tut er nicht.
Aber warum sagt Jesus, dass seine Gegner Zacharier ermordet haben, wenn der schon seit Jahrhunderten tot ist? Weil sie sich wie seine Mörder verhalten und Gottes Wort zum Schweigen bringen.

Verantwortung, Nachfolge und die offene Frage

Das bedeutet nicht, dass Gott willkürlich die Schuld früherer Generationen auf Menschen legt, die persönlich nichts damit zu tun haben. Die Bibel kennt keine automatische Zurechnung von Schuld. Nach Ezechiel 18,20 ist jeder für seine eigene Schuld verantwortlich.
Trotzdem kann sich eine spätere Generation natürlich mit der Schuld einer früheren Generation identifizieren, indem sie dieselben Verbrechen verübt. Und genau das passiert hier. Die Schriftgelehrten und Pharisäer sagen zwar: Wir hätten die Propheten nicht getötet. Aber wenn Gott ihnen jetzt neue Boten schickt, reagieren sie genau so wie ihre Väter: Sie verfolgen, geißeln, töten und kreuzigen die Gesandten Gottes.
Damit stellen sie sich selbst in eine Linie mit den Prophetenmördern des Alten Testaments und, in diesem übertragenen Sinn, auch mit ihnen. Haben die Schriftgelehrten und Pharisäer den Zacharias getötet? Was könntest du jetzt tun? Denke über diese Fragen nach. Wo habe ich mich von der Sünde meiner Vorväter nicht distanziert? Und wo führe ich sie fort?
Das war’s für heute. Wir dürfen täglich um Weisheit und Bewahrung bitten. Lasst es uns bloß tun. Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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