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Gefühle - die Gottes Güte

11.04.2016
Serie•Teil 16 / 16(Negative) Gefühle
Warum lässt Gott Leid zu? Die Antwort ist kein schneller Ausweg, sondern ein Weg: mitten im Schmerz kann dein Blick auf das Kreuz neue Hoffnung wecken – und am Ende steht Auferstehung statt Dunkelheit.

Ein Leben zwischen Sehnsucht und Fremdheit

Gefühle, die herausfordern, die überfordern, Gefühle, die aber trotzdem zu uns gehören, und zwar deshalb, weil wir im Ebenbild Gottes geschaffen sind. Sie gehören zu uns, obwohl sie diese dunkle Seite besitzen, die wir schwer kontrollieren können, die uns oft belastet und die, glaube ich, uns allen immer wieder zeigt, dass wir eben noch nicht am Ziel sind. Wir sind auf dem Weg Richtung Himmel, aber wir sind noch nicht dort.
Wir leben in einer Situation, die uns ein Stück fremd ist. Damit meine ich, dass tief in uns eine Sehnsucht nach Erlösung da ist. Eine Erlösung, die uns Gott verheißt, eine Erlösung, die wir auch erahnen, die sich aber einfach noch nicht realisiert hat.
Wir wissen: Wenn wir diesen Weg zu Ende gehen, wenn wir die Hoffnung festhalten, wenn wir das Ziel nicht aus den Augen verlieren, dann wird dieser Moment kommen, in dem wir unter tosendem Applaus in den Himmel einziehen werden. Aber das ist Zukunft.
Und wenn ich beschreiben müsste, wie ich mich heute fühle, dann nehme ich gern das Bild von der Wüstenwanderung. Die Wüste ist ein Ort, wo Mangel herrscht, wo es unangenehm ist, wo es Feinde gibt, wo man sich ständig die Füße ablatscht, wo es Schlangen gibt und wo man irgendwie ständig darauf hoffen muss, dass um die nächste Ecke herum wieder Wasser ist. Und und und: Leben mit seinen Problemen und Schwierigkeiten, mit Anfeindungen und Ausgrenzung und eben auch mit diesen negativen Gefühlen, das ist Wüste.
Und wir sind Wanderer durch die Wüste. Und während wir Wanderer durch die Wüste sind, sind wir solche, die Gott kennenlernen dürfen, einen Gott, der sich tatsächlich nach uns verzehrt.

Der Gott, der sich nach uns sehnt

Ich weiss nicht, ob euch das noch berührt. Ich finde es, wenn ich so Predigten vorbereite, immer wieder faszinierend. Ich stelle mir Gott vor, den Gott, der mit einem einzigen Hauch, mit einem Wort das gesamte Universum schafft. Das gesamte, den gesamten Kosmos mit allen seinen Wundern. Er spricht, und es steht da.
Ich habe meiner Frau zum 50. ein Buch mit Aufnahmen vom Hubble-Teleskop geschenkt. Das ist irre, es ist absolut irre. Du schaust tausende, zigtausende von Lichtjahren weit, und dann siehst du, was da alles ist, und denkst: Boah, das hört ja überhaupt nicht auf.
Ein Gott, der alle Vorstellungen von Kreativität und Genialität sprengt, der Macht hat, dass das Wort „allmächtig“ irgendwie ungreifbar wird, weil es noch grösser ist. Dieser Gott will mich, und er will mich mit seiner unverschämten Güte beschenken. Darum soll es heute abschliessend gehen.
Und die Frage ist: Wie beschenkt mich dieser Gott mit seiner Güte? Und das eine, was wir festhalten müssen, ist: Er beschenkt uns nicht dadurch, dass er uns einfach aus der Welt rausnimmt, sondern er beschenkt uns mit seiner Güte, indem er uns den Weg gehen lässt und auf diesem Weg begegnet, den er selber gegangen ist, als er hier auf der Erde war.

Gottes Antwort auf Leid

Wenn wir uns die Frage stellen, welche Antwort Gott auf das Thema Leid hat, dann frage ich mich: Wie geht es euch damit? Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich schaue schon nicht mehr viele Nachrichten. Ich überfliege meist nur noch die Überschriften, um zu sehen, was gerade wieder irgendwo Furchtbares passiert ist. Ich muss gar nicht noch mehr wissen.
Was ist Gottes Antwort auf Leid? Und Gott hat zwei Antworten darauf. Das ist interessant, oder? Zwei Antworten. Die erste Antwort ist das Kreuz, und die zweite Antwort ist das Gericht. Und wenn wir ihm nachfolgen, dann werden wir hineingenommen in diese Kreuzesantwort.
Ich habe letztes Mal von einem rätselhaften Gott gesprochen, einem Gott, der so mit uns umgeht, dass wir im Angesicht von Zorn, Angst, Eifersucht, Verzweiflung, Verachtung und Scham, das waren die unterschiedlichen negativen Gefühle, die wir miteinander betrachtet haben, dass wir im Angesicht dieser Gefühle, ich glaube, wenn wir ehrlich sind, manchmal an Gottes Güte zweifeln. Zumindest ist das so ein Hauch von Zweifel, der hochkommen kann. Und spätestens wenn uns Leid erfasst, wenn Gott, wie wir es das letzte Mal betrachtet haben, schweigt oder schlimmer noch, wenn er uns wie ein wildes Tier anfällt, weil es da in unserem Leben etwas gibt, was er korrigieren muss, dann kann diese Frage kommen: Ist Gott wirklich gut?
Ich schaue mir mein Leben an und denke mir: Da vorne steht einer, der möchte von Gottes Güte predigen. Aber ich sehe gar nicht so viel von dieser Güte Gottes in meinem Leben, weil Gott mich nicht herausnimmt aus all dem Leid.

Der Weg des Kreuzes im Alltag

Und das stimmt. Gott nimmt uns nicht aus dem Leid heraus, sondern was Gott tut, ist ein Doppeltes. Zum einen möchte er, dass wir immer wieder einen frischen Blick aufs Kreuz werfen, und auf der anderen Seite möchte er, dass wir an seiner Hand in dieser Welt den Weg des Kreuzes gehen.
Dieser frische Blick aufs Kreuz: Ihr feiert einmal im Monat das Brotbrechen. Habt ihr euch die Frage gestellt, warum man das so oft machen muss? Reicht nicht einmal im Jahr oder einmal im Jahrzehnt? Oder wenn jemand getauft wird, feiert man es halt einmal, und dann ist es gut? Ich meine, wir wissen doch dann, was passiert ist. Und trotzdem sagt Gott: Macht das immer wieder.
Die ersten Christen haben sich wöchentlich zum Brotbrechen getroffen, heißt es in Apostelgeschichte 20. Vielleicht ist es sogar schwierig, da einen Rhythmus anzugeben, aber es muss immer wieder passieren. Warum immer wieder dieser Blick ans Kreuz? Weil Gottes Güte, wenn wir in der Frage stehen, ob Gott wirklich gut ist, ob Gott es gut mit mir meint, weil ich bestimmte Dinge in meinem Leben nicht verstehe, weil sich bestimmte Umstände auf eine Weise entwickeln, dass es mir einfach nur zu viel wird, dann brauche ich den Blick ans Kreuz. Dort zeigt sich Gottes unermessliche Güte am deutlichsten darin, dass er um meinetwillen, um deinetwillen, auf die fieseste und auf die schrecklichste Weise gelitten hat: am Kreuz.
Wir brauchen diesen Blick ans Kreuz. Ich weiß nicht, wie oft ihr ihn euch gönnt, aber alles, was ich durchmache, wenn ich mir so überlege: Was ist das schlimmste Gefühl, das ich im Moment habe? Was ist so die perverseste Form von Leid und Demütigung, die ich im Moment erfahre? Jesus hat sie durchlitten, und zwar unendlich mal multipliziert. Denn er hat am Kreuz nicht nur meine Sünde getragen, nicht nur mein Leid erlitten, sondern er hat die Sünde der ganzen Welt auf sich genommen.

Das Kreuz als Ort der tiefsten Liebe und des Gerichts

Er hat etwas erlebt, was wir uns überhaupt nicht mehr vorstellen können, nämlich die tiefste göttliche Liebe. Wir lesen, dass der Vater den Sohn liebt. Und wir müssen uns vorstellen: Ein unendlich liebevoller Gott beschenkt sich in der Dreieinigkeit mit unendlicher Liebe. Dann reißt er den Sohn heraus. Und es ist nicht nur so, dass er kurz nicht die ganze Liebe erfährt, sondern er wird von unendlich tiefer göttlicher Liebe auf die andere Seite gerissen.
Dort, wo der Abgrund tiefsten göttlichen Hasses steht, wird der Sohn der Liebe zum Fluch. Der Vater trennt sich vollständig von ihm und sagt: Du nicht mehr. Und Jesus geht da durch, und zwar für mich, weil ich der Sünder bin und weil ich ihn brauche.
Das Kreuz ist Gottes erste Antwort auf Leid, und der Weg des Kreuzes ist der Weg, zu dem wir eingeladen sind. Deshalb sagt Jesus, dass wir unser Kreuz aufnehmen müssen. Das ist eines von diesen ganz komischen alten Bildern: Kreuz aufnehmen, ja, also sorry, wer hat das schon mal wörtlich gemacht? Da gibt es so ein paar skurrile Typen im Internet, die machen das vielleicht. Aber mal ganz ehrlich: Kreuz aufnehmen, das ist so ein Bild, wie: Du sollst dem Ochsen, der da drifft, nicht das Maul verbinden. Ich habe noch nie einem Ochsen das Maul verbunden. Entschuldigung, das ist einfach irgendwie eine andere Welt.
Aber trotzdem ist klar, wenn Jesus da sagt, dass wir unser Kreuz aufnehmen müssen, um ihm nachzufolgen, dass wir diesen Weg gehen müssen, den er durch diese Welt hindurch gegangen ist. Einen Weg, der an einem Kreuz endete und der mit Ausgrenzung, Anfeindung, schlechtem Gerede und Diffamierung verbunden war. Dass wir diesen Weg gehen müssen. Dass Gott nicht sagt: Werde gläubig, und alles wird gut, sondern: Werde gläubig und nimm dein Kreuz auf, jeden Tag neu, und folge mir nach.

Zwei Erfahrungen auf dem Weg der Nachfolge

Und wenn wir das tun, und das ist der Clou, dann wünschen wir uns ja, die Güte Gottes zu erfahren. Und ich werde euch zeigen, dass wir die Güte Gottes erfahren. Wir würden sie nur gern erfahren, ohne in dieser Welt mitleben zu müssen. Also würden wir am liebsten gleich im Himmel sein oder mindestens so ein Stückchen Paradies mit einem Zaun außen herum, in das nichts Böses mehr hineinkommt.
Nur das macht Gott nicht. Was Gott macht, ist: Er sagt, geh diesen Weg des Kreuzes und mach die Erfahrungen, die Jesus gemacht hat, als er diesen Weg gegangen ist. Und es sind zwei Jesuserfahrungen, die wir auf dem Weg des Kreuzes immer wieder machen können und die wir machen müssen, sonst wird uns dieser Weg zu schwer. Wenn wir den Weg nicht mit dem Blick auf das gehen, was in der Zukunft kommt, wenn wir ihn nicht hoffnungsvoll gehen, wird uns der Weg des Kreuzes zu schwer.
Und deswegen müssen wir zwei Dinge verstehen. Der Punkt eins bedeutet: Gott verwandelt auf dem Weg des Kreuzes böse Absichten in göttliche Errettung. Das ist etwas, was wir zutiefst verstehen müssen. Gott lässt seinen Sohn den Weg des Kreuzes gehen. Aber während er diesen Weg geht, während er am Kreuz hängt und die schlimmste Form von Leid und die gemeinste Form von Ausgrenzung erlebt, verwandelt er in diesem Moment die bösen Absichten seiner Gegner in göttliche Errettung.

Das Böse verliert seine letzte Macht

Und das heißt: Wenn wir dem Leid nicht ausweichen, sondern uns auf eine Welt einlassen, die von Schmerz gekennzeichnet ist, dann wird das Böse in unserem Leben, das ganz praktische Böse, das wir erleben, nicht einfach verschwinden. Ob es will oder nicht: Gerade weil wir ihm im Namen Jesu begegnen, muss das Böse unseres Lebens seine Rolle in Gottes Geschichte spielen.
Ich leide. Und ich werfe mich, weil ich leide, mit meinen Klagen und Ängsten auf Gott. Und während ich das tue, nimmt Gott mein Leid und verwandelt es in Errettung. Paulus sagt es so: Wir wissen aber, Römer 8,28, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken. Das ist so ein irrer Satz!
Ich gehe durch diese Welt der Kaputtheit und des Chaos und der Verrücktheit. Ich erlebe Dinge, die ich nicht erleben will, die mir wehtun. Und Gott sagt: Wenn du mit mir hier durchgehst, ich nehme dich nicht raus. Bleib einfach treu an meiner Seite, halte deinen Blick auf mich gerichtet, sei mein Nachfolger, trag dein Kreuz hinter mir her. Und wenn du das tust, dann wird in deinem Leben das Böse, das so unendlich real ist, nicht weniger real. Ich glaube, es wird sogar realer im Leben eines Christen, weil wir noch tiefer verstehen, wie kaputt diese Welt ist. Weil wir uns nicht so leicht blenden lassen vom neuen iPhone oder von der Hoffnung, dass der nächste Urlaub noch mal besser wird oder der nächste Karrieresprung uns endlich das Glück gibt, das wir uns erhoffen.
Dann wird das Böse nicht das letzte Wort haben. Es wird, und das ist das Irre, in aller Boshaftigkeit zum Spielball für Gottes Errettung. Und ihr könnt euch das durch die gesamte Bibel hindurch anschauen: Immer wieder muss das Böse am Ende klein beigeben. Es ist total irre.
Am schönsten ist das in meinen Augen bei der Josefsgeschichte, wo er dann am Ende in 1. Mose 50,20 zu seinen Brüdern sagt: Ihr hattet das Böse vor, haha, ja, ja, aber Gott hat etwas Gutes daraus gemacht. Das ist die Quintessenz vom Kreuzesweg, wenn wir uns darauf einlassen, dass Gott diesen Weg, den wir gehen, benutzt, um seine Errettung in die Welt hineinzutragen.
Und jetzt verstehen wir auch, warum wir den Weg gehen müssen. Denn wenn Gott uns hier einfach rausnehmen würde, dann würde es keine Errettung mehr geben. Der Weg der Errettung ist immer der Weg des Kreuzes. Es ist immer der Weg, dass ich bereit bin zu leiden, um durch mein Leid das Böse in Gutes zu verwandeln und in meinem Umfeld dafür zu sorgen, dass das Evangelium wieder gehört wird. Es ist immer so. Es kommt nicht raus.

Kreuzigung und Auferstehung

Das ist die erste Erfahrung, die wir festhalten müssen, die Jesus uns vorgemacht hat. Und die zweite Erfahrung heißt so in meinem Skript: Die Auferstehung kommt nach der Kreuzigung.
Ich dachte, das ist ein bisschen zu banal, aber es stimmt ja irgendwo. Was will ich sagen? Am Kreuz gewinnt Gott, gewinnt Jesus eine kosmische Schlacht, und zwar eine Schlacht um unsere Seelen. Der Teufel steht da und sagt: Die gehören mir, und zwar in alle Ewigkeit werde ich sie dazu verdammen, mit mir das Schlimmste aller Schicksale zu erleiden.
Und in diese Schlacht um Seelen wirft sich Jesus hinein, und er gewinnt am Kreuz diese Schlacht. Nicht indem er seinen Gegner, den Teufel, tötet, sondern indem er sich selbst töten lässt. Gott überwindet das Böse, indem er leidet und für uns stirbt.
Aber sein Tod ist nicht das letzte Kapitel in dieser Geschichte, die Gott schreibt, sondern es geht weiter mit der Auferstehung. Wofür steht die Auferstehung? Ich bringe jetzt mal einen Begriff, den man wahrscheinlich nur in den Gottesdienst bringen kann, weil das so ein typischer theologischer Begriff ist. Aber er ist so schön, und ich weiß jetzt irgendwie nicht, ich weiß keinen besseren Begriff. Vielleicht müsste man ihm mal helfen. Der Begriff heißt Verherrlichung. Versteht ihr also Verherrlichung?
Auferstehung heißt Verherrlichung. Auferstehung heißt: Gott, der Sohn, verherrlicht erst den Vater durch seinen Gehorsam. Der Sohn macht durch seinen Gehorsam den Vater groß. Und dann, nachdem er das getan hat, macht der Vater den Sohn groß. Und er verherrlicht ihn dadurch, dass er ihn auferweckt.

Die Verherrlichung des Sohnes und unsere Hoffnung

Warum wird Jesus auferweckt? Na ganz einfach. Also, sorry, wenn ich das so sage: Wir machen in Spandau gerade so eine apologetische, also eine Glaubensverteidigerrolle. Julius hat dazu eine Predigt gehalten. Warum wird Jesus auferweckt? Kurz gefasst: damit auch der letzte Dödel im Universum versteht, dass Jesus mehr ist als ein x-beliebiger Religionsstifter, mehr ist als ein Buddha, mehr ist als ein Mohammed. Er ist Jesus. Er ist die Nummer eins, die absolute Nummer eins im Universum.
Verherrlichung heißt, dass ich mich hinstelle und den anderen groß mache, damit auch der Letzte mitbekommt: Boah! Das macht man normalerweise durch eine Rede. Wenn man also irgendwo eingeladen ist und da wird einer achtzig oder so, also schon ein bisschen älter, dann hält man so eine Rede. So wäre es.
Wie macht Gott das? Na ja, er sagt etwa Folgendes: Jesus, ich mache dich zur Nummer eins des Universums. Das bedeutet: Wenn ein Mensch gerettet werden möchte, also wenn du gerettet werden möchtest, wen brauchst du? Du brauchst Jesus. Was musst du tun, um gerettet zu werden? Die Bibel sagt: Du musst seinen Namen anrufen. Es geht jetzt nicht über das Handy, sondern das ist Gebet. Sein Name ist seine Person. Aber du brauchst Jesus. Du musst auf die Knie gehen. Du kannst nicht irgendeinen anderen sagen, du betest zu Jesus.
Ich bin mit jemandem im evangelistischen Bibelgespräch, und das ist das, was ich ihm sage: Wenn du von deinem alten Leben loskommen möchtest, dann musst du deine Sünden bekennen. Du musst auf die Knie gehen. Du musst ihn in dein Leben aufnehmen. Immer Jesus. Du musst Jesus deine Sünden bekennen. Du musst vor Jesus auf die Knie gehen. Du musst Jesus in dein Leben aufnehmen. Du musst von ihm lernen. Du musst ihm nachfolgen. Du musst für ihn leben. Jesus, Jesus, Jesus. Warum? Er ist die Nummer eins. Er ist der Größte. Der Vater hat ihn tatsächlich verherrlicht.

Der Weg der Herrlichkeit für uns

Jetzt will ich gar nicht über Jesus reden, wobei ich das total spannend finde. Und ich merke: Je länger ich rede, desto lieber wird mir mein Satz.
Die Auferstehung kommt nach der Kreuzigung. Also erst der Weg des Kreuzes und dann die Verherrlichung. Und das, was für Jesus galt, das gilt auch für uns. Er ist gestorben und auferstanden. Wir sind noch nicht auferstanden, wir sind noch auf dem Weg.
Wir dürfen aber, weil er auferstanden ist und weil der Vater ihn verherrlicht hat, ganz genau wissen, wohin unser Weg führt. Und wir dürfen noch so einen Vers aus Römer 8 nehmen, dann Vers 18. Wir dürfen wissen, denn ich denke, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll. Römer 8,18.
Auswendig lernen. Ganz wichtiger Vers. Denn wir wissen, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll.
Wir sind auf dem Weg des Kreuzes, logisch. Wir schauen nach vorne, wir sind noch nicht verherrlicht. Wir wissen aber: Erst kommt das Kreuz und dann kommt die Auferstehung. Erst kommt das Leid und dann kommt die Verherrlichung. Oder in Römer 8, Vers 17: Erst werden wir mitleiden, um dann mitverherrlicht zu werden. Das ist die Reihenfolge, und das müssen wir verstehen.
Ich hatte ganz am Anfang gesagt: Wir sind Wanderer, Wanderer durch die Wüste. Unser Herz gehört dem Herrn, unsere Staatsangehörigkeit ist im Himmel, aber morgens aufwachen tun wir in Berlin oder Brandenburg. Versteht ihr die Spannung?
Gott beruft uns zu einem Leben, in dem wir mitleiden. Paulus kann in Philipper 1,29 einen Satz sagen, den man ja gar nicht gerne predigt, aber er steht trotzdem in der Bibel. Er mag sagen: Denn euch ist es im Blick auf Christus geschenkt, nicht allein an ihn zu glauben, sondern auch für ihn zu leiden.

Hoffnung mitten in der Klage

Es gibt keine Verherrlichung in der Ewigkeit ohne Probleme in diesem Leben. Der Schmerz, den wir empfinden, ist real, aber er ist tatsächlich nur zeitlich.
Die Auferstehung Jesu, und das ist die Hoffnung, die wir haben, macht den Schmerz in diesem Leben, macht die Probleme in diesem Leben erträglich, weil sie uns eine Hoffnung vor Augen malt: die Hoffnung auf Auferstehung, die Hoffnung auf eine Ewigkeit ohne Schmerz.
Und deswegen: Wenn ich euch jetzt fast 15 Predigten lang aufgefordert habe, eure Emotionen mit Gott zu besprechen, sie nicht zu verstecken, vor Gott zu weinen und vor Gott zu klagen, dann tun wir das nicht, und das ist ganz wichtig, aus Verzweiflung heraus. Nein, wir weinen und klagen, weil wir Gottes Charakter kennen. Das ist der Punkt. Weil wir wissen, dass er uns kennt, dass er uns sieht, dass er uns hört, dass er sich um uns kümmern will, weil er uns liebt. Weil wir das wissen, deshalb weinen und klagen wir.
Wir können voller Zuversicht mitten in den größten Schwierigkeiten, ich glaube, wir müssen voller Zuversicht in den größten Schwierigkeiten, in den dunkelsten Stunden unseres Lebens, und jetzt ein bisschen Hebräerbrief, das ist einfach so ein schönes Bild, vor den Thron der Gnade treten. Wir stellen uns vor, Jesus sitzt auf dem Thron. Es ist ein Thron der Gnade, ein Thron, wo wir Gnade empfinden. Gnade ist dieses Wort für Hilfe, Zuwendung, Güte usw. Und die Bibel fordert uns auf, dass wir immer wieder voller Zuversicht, gerade dann, wenn es uns schlecht geht, vor diesem Thron erscheinen und sagen: Herr Jesus, hier bin ich. Ich schütte jetzt mein Herz vor dir aus.

Die Psalmen als Schule der Seele

Und ich möchte das erleben, was ich persönlich die zentrale Botschaft der Psalmen nenne. Ich gebe zu: Die Psalmen sind ein bisschen lang. So eine zentrale Botschaft eines Buches mit 150 Kapiteln ist schon ein bisschen fies.
Trotzdem erlaube ich mir am Ende dieser Reihe, so etwas wie die Quintessenz unter den Psalmen herauszufinden. Und die hört sich für mich folgendermaßen an.
Was denke ich, warum die Psalmen in der Bibel stehen? Quintessenz, zentrale Botschaft der Psalmen:
Wenn ich kraftlos, verwirrt und am Ende bin, dann erlebe ich, wenn ich es am wenigsten für möglich halte, Gottes Güte auf eine Weise, die aus Klage Freude macht, die Trost spendet, Vertrauen schafft und mich mitten hineinführt in Anbetung.
Das ist für mich die zentrale Aussage der Psalmen. Ich sage das noch einmal. Und ihr merkt: Ich habe jetzt so verschiedene Arten von Psalmen einfach in eine chronologische Reihenfolge gesetzt. Ich habe die Klagepsalmen an den Anfang gesetzt, ich habe die Dankespsalmen dann mit hineingenommen, und ich ende quasi bei den Hymnen, bei den Lobpreis- und Anbetungspsalmen.
Und wenn ich das alles einmal so zusammenfasse: Was wollen uns die Psalmen in ihrer Emotionalität rüberbringen? Ich sage es euch noch einmal:
Wenn ich kraftlos, verwirrt und am Ende bin, dann erlebe ich, wenn ich es am wenigsten für möglich halte, Gottes Güte auf eine Weise, die Freude macht, die Trost spendet, Vertrauen schafft und mich mitten hinein in Anbetung führt.
Das ist das, wofür die Psalmen in der Bibel stehen: dass wir das glauben können.

Keine Methode, aber treue Schritte

Und jetzt muss ich euch ein ganz frustrierendes Eingeständnis machen. Wenn du jetzt sagst: Haha, schön, Jürgen, sag mir mal, wie wird denn aus Klage und Sorge Freude und Anbetung? Sag mal, wie funktioniert das genau? Erklär mir doch mal die Methode dabei.
Keine Ahnung. Ehrlich, keine Ahnung. Ich weiß es nicht. Und ich werde auch nicht anfangen, aus den Psalmen ein Fünf-Punkte-Programm abzuleiten: Wenn du diese fünf Schritte gehst, dann wird ganz definitiv aus Klage und Sorge Freude und Anbetung.
Ich kann es nicht. Ich kann es wirklich nicht. Ich kann dir sagen, dass das, was die Psalmen beschreiben, stimmt. Gott macht etwas. Ich habe das oft erlebt, dass Gott meine Klage nimmt und mir mitten im Schmerz auf eine Weise begegnet, dass ich nur noch jubeln möchte. Da denke ich mir: Hallo, du warst vor einer halben Stunde noch total depri, was ist denn jetzt los? Wie schizophren muss man denn sein, um in einer halben Stunde so unterschiedlich zu empfinden?
Das ist mir oft genug passiert, dass ich eben noch total down war und Gott irgendetwas macht. Und plötzlich möchte ich jubeln. Plötzlich habe ich eine neue Perspektive auf mein Leben. Plötzlich möchte ich anbeten. Plötzlich fallen mir Dinge ein, und ich denke mir: Hallo, plötzlich habe ich Mut und Kraft und Stärke und Zuversicht, die vorher nicht da waren. Ich frage mich: Wo ist das denn hergekommen?
Ich kann es euch beschreiben, aber wenn du mich fragst, wie, dann kann ich dir keine Methode verkaufen. Und ich glaube, das ist gut so, dass ich dir keine Methode verkaufen kann, weil Leben mit Gott so unterschiedlich ist, wie Leben eben ist.

Die Grenzen menschlicher Kontrolle

Ich bin davon überzeugt, dass wir einander an dieser Stelle nur zu den Basics ermutigen können. Die Basics sind: Sei ehrlich, rede mit ihm, nimm dir Zeit für ihn, bete und heule, bis er hört, lies deine Bibel, bleib dran. Warte voller Zutrauen und Vertrauen darauf, dass Gott dich überrascht.
Ich weiß nicht wie. Ich weiß nur, dass es immer dann so war, wenn ich es getan habe und nicht aufgehört habe, auf ihn zu harren, bis er hört. Dieses kleine Wörtchen bis ist das Problem dabei, denn dieses bis kann über fünf Minuten dauern. Du kannst auch mal zwei Jahre beten, du kannst auch mal fünfzehn Jahre beten, bis Gott hört. Aber wenn du dranbleibst ...
Und für alle, die jetzt erschrocken sind: Nicht alle Probleme dauern 15 Jahre. Aber es gibt Dinge, die gehen eben nicht gleich weg. Wenn du dranbleibst, wird Gott dich überraschen, das kann ich dir versprechen. Und dann wirst du das erleben, was die Psalmen, was diese Lieder uns manchmal so im Zeitraffer präsentieren: dass er eben noch klagt und dann kommt plötzlich der nächste Vers, und er jubelt schon. Und du fragst: Was hast du denn gemacht?
Ich weiß es nicht, es ist einfach so. Du liest das, und dann geht es manchmal nahtlos von der Klage in den Dank oder in den Jubel und in den Lobpreis. Da fehlt irgendetwas. Und das, was da fehlt, ist das, was wir nicht machen können: die Frucht einer lebendigen, geistlichen Gottesbeziehung, die uns immer wieder neu überrascht und erfrischt.
Ich kann dir nicht sagen, wie Gott das in deinem Leben macht. Ich kann dir nur etwas anderes versprechen.

Gottes Güte jenseits von Erfolg und Sicherheit

Und vielleicht möchtest du das gar nicht hören: Gottes Güte wird sich in deinem Leben selten oder nie dadurch zeigen, dass es dir materiell gut geht, du in deinen Projekten Erfolg hast oder gesund bist.
Wenn du glaubst und die Güte Gottes auf Materielles, auf sichtbaren Erfolg oder auf Gesundheit reduzierst, dann ist das ziemlich gefährlich.
Ich sage jetzt etwas, was böse klingt, aber ehrlich ist und auch so in der Bibel steht. Und das werden wir beim Prediger noch ein bisschen genauer betrachten.
Egal, wie viel Glauben wir haben, egal, wie viel Gutes wir tun, egal, wie viel wir uns in Gottes Reich investieren: Wir werden den Schwierigkeiten und Tragödien des Lebens nicht entgehen. Wir werden das im Prediger noch ein bisschen genauer betrachten. Aber das ist die Realität.
Wann immer wir denken, dass sich Gottes Güte darin zeigt, dass etwas leichter wird, dass wir erfolgreicher werden, gesünder werden oder reicher werden, gehen wir in die falsche Richtung. Dann gehen wir vorbei an dem, wie Gott uns seine Güte zeigen möchte.

Leid, das wir nicht kontrollieren können

Und noch etwas kann ein Fehler sein. Ich weiß nicht, wie es euch geht. Vielleicht lassen wir in unserem Denken noch zu, dass Gott uns Leid zufügt. Aber ist es nicht so, dass wir die Art, wie Gott mit uns umgeht, das Leid, das er uns zufügt, in drei ganz klare Vorstellungen einteilen?
Erstens: so wenig Leid wie möglich. Also, es mag ja mal sein, dass wir aus der Spur geraten und Gott uns durch Leid ein bisschen wieder zurückschubsen muss. Aber bitte nur kurz zurückschubsen, nichts Chronisches. Lieber Gott, nur mal kurz zurückschubsen. Das würden wir noch akzeptieren.
Das Zweite, wo wir noch mitgehen bei Gott, ist dieses: Wenn schon Leid, dann wollen wir es auch verstehen. Wir wollen schon wissen, warum. Also nicht zu viel Leid, und bitte auch eine Erklärung dazu.
Und dann gibt es noch etwas, was wir gerne hätten. Wir würden nämlich gerne, wenn wir schon leiden müssen, wissen, was wir tun müssen, um genau dieses Leid in Zukunft zu vermeiden. Sag uns bitte ganz genau, Gott, was wir tun müssen, damit uns das nicht noch einmal passiert.
So denken wir oft über Leid: so wenig wie möglich. Und wenn es schon da ist, dann möchte ich es verstehen. Und ich möchte wissen, was ich tun muss, damit es mir nicht noch einmal passiert.
Und jetzt komme ich und sage: Diese Vorstellung von Leid ist absolutes Wunschdenken. Du lebst in dieser Welt. Und in dieser Welt, wenn ihr ein Bild braucht, dann benutzt Folgendes: Stellt euch einen Teppich vor, wo auf der einen Seite ein tolles Muster ist. Das ist das, was Gott webt. Und dann drehst du ihn herum, und dann ist da dieses fadige Kuddelmuddel.
Und du bist so ein fadiger Kuddelmuddel. Du bist Teil des Bildes auf der einen Seite und Teil dieses Durcheinanders auf der anderen Seite. Wenn du versuchst, irgendwie zu erahnen, wie dein Lebensfaden weitergeht, wirst du Schiffbruch erleiden.

Gottes Güte im Verborgenen

Weil Gott dich auf der einen Seite mit deiner Freiheit, deiner Souveränität und deinen Entscheidungen ganz mit hineinnimmt, und auf der anderen Seite doch seine Geschichte schreibt. Und beides webt er zusammen.
Deswegen können wir nie erahnen, was kommt. Wir können nur auf dem Weg, den Gott mit uns geht, richtig reagieren. Und wir können, wenn wir durch sind, wenn wir begriffen haben, dass wir Gott nicht zähmen können, dass wir die Welt nicht erträglicher machen können, dass wir ihr keine Logik einhauchen können, nicht sagen: Jetzt habe ich mein Leben verstanden. Nein, das wirst du nie sagen.
Der Prediger sagt ganz klar: Wenn du denkst, das Leben zu durchschauen, irrst du dich. Alles, was du an Regelhaftigkeit findest, lass es sein. Genieße den Augenblick. Heute ist der Tag, und gut ist es. Du weißt nicht, was morgen kommt. Du weißt nicht, wie alles zusammenpasst.
Aber wenn das so ist, wie zeigt denn dann bitte Gott seine Güte, wenn es nicht materieller Reichtum ist, nicht Gesundheit, nicht Erfolg, oder wenn das nur so ein kleiner Ausschnitt ist? Natürlich ist da irgendetwas davon mitten in unserem Leben da. Wir beten ja und lesen Bibel, und natürlich gibt es Verheißungen. Aber warum können diese großen Verheißungen, die Gott uns gibt, nicht die grundsätzliche Nichtigkeit und Kaputtheit unseres Lebens aufheben? Warum beruft uns Gott zu einem Weg des Leides? Und wenn er das tut, wie zeigt sich dann seine Güte? Was ist so die intensivste Form?
Und die Antwort lautet, und da sind wir wieder in den Psalmen: Gott zeigt uns seine Güte, indem er uns den Weg des Kreuzes gehen lässt. Und auf diesem Weg werden wir Momente der Hilflosigkeit erfahren. Und diese Momente der Hilflosigkeit sind die Momente, in denen er uns mit seiner Güte beschenkt.

Vorgeschmack auf die Ewigkeit

Es sind die Momente, in denen Gott unsere tiefste Sehnsucht stillt, eine Sehnsucht nach Heilung und Trost.
Und wisst ihr, warum Gott das tut? Er müsste das ja nicht. Er hat uns ja versprochen, dass wir in den Himmel kommen. Er tut es aus zwei Gründen: Zum einen, um seine Güte uns ganz praktisch schmecken zu lassen. Und zum Zweiten, weil er uns einen Vorgeschmack auf die Ewigkeit geben möchte.
Denn egal, wie gütig Gott hier ist, egal, wie sehr er uns beschenkt, egal, wie sehr er unsere Sehnsucht in dieser Welt stillt, es ist alles nur ein billiger Vorgeschmack auf das Eigentliche, was kommt. Es ist nicht die Erfüllung. Und am Ende, selbst wenn Gott sich uns zuwendet, bleibt der Wunsch nach mehr.
Von daher kommt er uns mit einer zeitlichen Heilung, mit einem zeitlichen Trost entgegen, um uns einen Vorgeschmack auf das zu geben, was ewig ist. Er möchte uns eigentlich mit seiner Güte beschenken in den Momenten, in denen wir am hilflosesten sind, damit wir uns noch mehr auf den Himmel freuen.
Er möchte, dass wir eigentlich rausgehen und sagen: Boah, das habe ich Gott erlebt, das ist ja super. Aber eigentlich wünsche ich mir, endlich ganz bei ihm zu sein.

Bilder der göttlichen Zuwendung

Und wenn wir die Psalmen durchgehen und uns anschauen, wie Gott uns begegnet, dann finden wir verschiedenste Aspekte. Wir werden als gebrochene Menschen bezeichnet, mit einer Sehnsucht nach Kraft und Zuversicht. Und Gott wird als der beschrieben, der unsere Seele erquickt.
Und ich würde dich gerne fragen: Hast du das erlebt, dass Gott deine Seele erquickt hat? Oder dass Gott denen nahe ist, die zerbrochenen Herzens sind? Oder dass Gott dein Schicksal zum Guten wendet? Das ist das, was Gott machen möchte. Du bist mitten in diesem Niedergeschlagensein, und Gott wendet sich dir zu.
Wir sind einsame und ängstliche Menschen, und die Psalmen beschreiben Gott als einen Vater der Waisen, als einen Richter der Witwen. Er ist der, der sich uns in Erbarmen zuwendet. Wir haben diese Sehnsucht nach einem Starken, der uns beschützt und versorgt, und Gott möchte das sein.
Wir sind in eine hektische Welt hineingeworfen. Wir haben eine Sehnsucht nach Ruhe, und Gott sagt: Ich möchte deine Seele zu dieser Ruhe zurückführen. Wir sind auf vielerlei Weise leer, wir sehnen uns nach mehr, und Gott ist einer, der unsere hungernde Seele mit Gutem sättigen möchte.
Vielleicht hältst du dich für wertlos und unbedeutend. Vielleicht sehnst du dich danach, als Person wahrgenommen zu werden. Und Gott, der Schöpfer des Universums, weiß nicht nur, dass wir existieren, sondern er selbst macht uns groß. In seinen Augen sind wir Teil der Krone der Schöpfung. Die Psalmen sagen: ein wenig geringer als die Engel.
In uns steckt eine Sehnsucht, ein Hunger nach Gott. Augustinus sagt: Ruhelos ist unser Herz, bis es ruht in dir, o Herr. Und die Psalmen beschreiben Gott als einen Gott, der sich an uns verschenkt. Wir dürfen sein Angesicht sehen.
Ich habe euch jetzt die Bibelstellen nicht immer dazugegeben. Lest euch das Skript durch bei Frogwords, ich habe immer die Psalmenstellen dazugeschrieben.
Wichtig ist für mich: Wenn die Frage im Raum steht, wie zeigt sich die Güte Gottes in meinem Leben, dann unter anderem dadurch, dass er uns in Kraftlosigkeit aufrichtet, sich in Barmherzigkeit für uns einsetzt, dass er unser Herz zur Ruhe bringt, uns mit dem füllt, was wir brauchen, uns Wert und Würde zuspricht und dass er es zulässt, dass wir ihm begegnen und ihn genießen.

Kein Rezept, sondern Beziehung

Zum Schluss ein letzter Gedanke: Die Psalmen sind kein psychologischer Text, um glücklich zu werden. Warum sage ich das? Ich glaube, wir leben in einer Zeit, in der wir nach einem Handbuch suchen, um glücklich zu sein. Wir wollen wissen, wie man in einem Leben, das unberechenbar und verkorkst ist, trotzdem immer zwingend zum Ziel kommt.
Das ist nicht das Ziel der Psalmen. Was die Psalmen wollen, ist, dass wir mitten im Leid lernen, die Augen aufzuheben und unsere eigenen Probleme im Licht von Gottes Herrlichkeit zu sehen. Dann erleben wir, dass unsere eigenen Probleme, die uns eben noch so groß erschienen und uns klein werden ließen, sich verwandeln: Unsere Sorgen werden zu Lobpreis. Und wir lassen uns von Gottes Güte auf eine unbeschreibliche Weise beschenken, und zwar mit genau dem, was unsere Seele sich wünscht und braucht.

Drei Entschlüsse für den Weg

Deswegen zum Schluss drei Bitten. Am Ende dieser Reihe drei Entschlüsse, von denen ich mir wünschen würde, dass sie mit euch mitgehen, auch wenn diese Reihe vorbei ist.
Lasst uns bitte erstens Menschen werden, die im Leid Gottes Güte suchen, und zwar so lange, bis wir sie gefunden haben. Und wenn dir zwischendrin Zweifel kommen, wenn du nicht mehr glauben kannst, dass Gott es gut mit dir meint, dann schau zum Kreuz! Lasst uns bitte diesen Entschluss fassen: Leid ist der Moment, Gottes Güte zu suchen, bis er uns mit dem beschenkt, was wir wirklich brauchen.
Der zweite Entschluss: Lasst uns in aller Einfachheit und Einfalt glauben, dass der allmächtige und allwissende Gott weiß, was er tut. Jesus wusste, wie man den Teufel besiegt. Wir hatten keine Ahnung, wie das gehen soll. Wir hätten es nie so gemacht. Aber Jesus wusste, wie man den Teufel besiegt. Er wusste, wie man uns rettet. Er wird auch wissen, warum er in unserem Leben manches negative Gefühl und manche negative Erfahrung zulässt. Du kannst ihn am Ende der Zeit fragen: Warum war das so? Tu’s! Und wenn es dich dann noch interessiert, wird er dir das erklären.
Letzter Punkt. Und das ist ein ganz simpler, aber vielleicht ein ganz entscheidender: Lasst uns ihm vertrauen, unser Kreuz aufnehmen und ihm im Leid nachfolgen, damit wir, weil wir mitgelitten haben, auch mitverherrlicht werden. Ich glaube, die Gefahr besteht darin, dass wir im Leid aufhören nachzufolgen, dass uns Nachfolge zu schwer wird. Dass wir vielleicht noch an Gott festhalten, dass wir vielleicht noch irgendwie glauben. Aber lasst uns bitte ihm vertrauen und auch ihm im Leid nachfolgen, einfach deshalb, damit wir, wenn wir mitgelitten haben, auch mit auferweckt und mitverherrlicht werden. Das würde ich mir wünschen. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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