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Jesus ist mein Move

Wie Gottes Liebe dein Leben verändert
Lukas 7,36-5001.11.2026
EventTeil 5 / 24Jugendkonferenz für Weltmission 2026
Warum glauben Menschen an Jesus? Diese Predigt zeigt zwei Leben: eine Frau mit schwerer Vergangenheit und der Pharisäer Simon, der alles im Griff zu haben scheint. Gottes Liebe kann auch dein Leben komplett verändern! Bist du bereit, ihm dein Herz auszuschütten?

Einführung: Jesus als Lebensweg und Motivation zum Glauben

Schön, bei euch zu sein. Jesus ist mein Move – das bedeutet so viel wie: Jesus ist derjenige, an dem ich mich orientiere, Jesus ist mein Weg durchs Leben. Der Titel lautet „Committed mit Jesus“. Darum soll es heute Morgen gehen bei dieser Geschichte. Ihr seht es schon im Bibeltext: Jesus ist mein Move, wie Gottes Liebe dein Leben verändert.
Vielleicht hast du jetzt das Gefühl: Ja genau, das will ich! Jesus ist mein Move. Ich will mit Jesus durchs Leben gehen, ich will an ihn glauben.
Wenn ich dir eine direkte Frage stellen dürfte: Warum eigentlich? Warum glaubst du? Was ist deine Motivation, an Jesus zu glauben? Stell dir vor, jetzt fragt dich jemand – vielleicht ein Kumpel oder eine Freundin – und sagt: „Warum glaubst du an Jesus?“ Vielleicht erzählst du dann deine Geschichte. Vielleicht bist du in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen oder du hast sogar eine krasse Lebenswende hinter dir. Du erzählst davon, und dann fragt sie oder er trotzdem weiter: „Ja, aber jetzt sag mal genau, warum glaubst du? Warum bist du motiviert, Jesus zu folgen?“ Was würdest du antworten?
Wir werden gleich noch eine Slido-Umfrage dazu machen. Also vielleicht habt ihr schon einen kleinen Gedanken dazu.
Als ich sechzehn oder siebzehn war, hat mich diese Frage tatsächlich sehr umgetrieben. Ich bin ja Pfarrer, das heißt, ich habe schon immer mit Theologie zu tun gehabt. Ich habe christliche Bücher gelesen, und die Frage hat mich beschäftigt: Warum glaube ich? Ich habe dann in manchen christlichen Büchern gelesen, dass man nicht glauben darf, um etwas zu bekommen. Und ich habe gedacht: Ja okay, aber irgendwie glaube ich doch, dass ich in den Himmel komme. Ist es da nicht richtig? Das hat mich richtig, richtig verunsichert. Diese Frage – warum glaube ich? – ist aber eigentlich eine gute Frage: Warum glaubst du?
Wenn man jetzt tatsächlich mal eine Slido-Umfrage macht – ich werde hier kurz aus der Präsentation rausgehen und dann auf Slido wechseln. Ich hoffe, das funktioniert. Ihr seht, das ist eine kleine Herausforderung, weil nur ein Wort möglich ist. Also wenn ihr zum Beispiel „Dankbarkeit“, „Rettung“, „Himmel“, „Liebe“ oder „Freude“ schreibt – es ist gar nicht so einfach, nur ein Wort zu wählen, warum ihr glaubt. Wenn ihr es habt, schreibt es einfach rein. Ich bin gespannt!
Vergebung, Hoffnung – Hoffnung und Vergebung sind fast gleichauf, cool! Was für viele verschiedene Dinge: Jesus, Liebe, Freude, Schöpfung. Es wäre wirklich spannend, jetzt bei euch zu sein, wenn ihr dem Freund oder der Freundin erzählt, warum ihr glaubt. Wie schön, dass ihr da für euch eine Spur habt!
Vielleicht wird heute in der Geschichte von Jesus und dieser Frau – ich werde gleich sehen, um was es genau geht, in Lukas 7 – manche kennen die Geschichte – vielleicht wird dann auch nochmal deutlich: Was ist denn wirklich der Grund dafür, dass Jesus mein Move ist? Derjenige, an dem ich mich orientiere und der den Weg durchs Leben für mich hat.

Hintergrund: Junge Menschen und die Suche nach Sinn

Ich würde wieder in die Präsentation einsteigen. Ihr seht das ja auch bei euch, wenn ihr nochmal auf Slido schaut. Es gab vor vielleicht fast einem Jahr eine Umfrage.
Ihr seht, das ist ein Buch, eine Studie von einem Sozialwissenschaftler namens Kurt Möller. Er lehrt an der Hochschule in Esslingen und hat ein Forschungsprojekt unter jungen Menschen gestartet. Dabei ging es um die Frage: Was glaubst du eigentlich? Er hat es „Holy Shit“ genannt. Man kann sich über den Titel jetzt streiten, wie sinnvoll er ist, aber das ist egal.
Er hat spannende Dinge herausgefunden. Zum einen stellte er fest, dass junge Menschen, wenn sie nicht gerade Christen sind, ihre Religiosität irgendwie zusammenbasteln. Er hat das „Freestyle-Religiosität“ genannt. Das bedeutet, man sucht sich von allem ein bisschen etwas heraus.
Außerdem hat er herausgefunden – und deshalb stehen diese drei Sätze da – egal wie die Religiosität von Jugendlichen ist, was sie sich zusammenbasteln und aus welcher Religion auch immer, eigentlich geht es immer um drei Fragen: Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? Und welchen Sinn macht das Ganze dazwischen?
Jetzt wird es für mich tatsächlich spannend. Wenn wir auf Jesus schauen, auf die Geschichten in der Bibel, dann gibt Jesus Antworten auf all diese Fragen. Wahrscheinlich liegt das Geheimnis darin, dass Menschen an Jesus glauben. Das Geheimnis liegt gerade darin, dass sie bei Jesus eine Antwort finden auf die Fragen: Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? Und welchen Sinn macht es eigentlich, dass ich da bin?
Damit stehen wir jetzt eigentlich direkt an der Geschichte, um die es heute geht. Vielleicht kennen manche diese Story. Ich werde die ganze Geschichte nicht vorlesen, sondern einen Teil erzählen und einen Teil lesen. Wenn ihr wollt, könnt ihr gerne auch selbst die Geschichte mitlesen.
Für manche ist sie bekannt, für andere vielleicht nicht. Wenn sie bekannt ist, lasst euch mal darauf ein, weil das ein ganz interessantes Setting ist.

Begegnung in Capernaum: Jesus bei Simon, dem Pharisäer

Er ist in Kapernaum, einer der Städte, in denen viele seiner Menschen leben, eingeladen bei Simon. Simon ist ein Pharisäer.
Jetzt ein kurzes Kopfkino: Alle, die gerade aus der Kinderstunde kommen, wissen wahrscheinlich, dass Pharisäer meistens als die „Bösen“ gelten. Das stimmt aber nicht. Pharisäer waren Menschen, Männer, die ihren Glauben sehr ernst genommen haben. Sie waren – um es mit einem modernen Ausdruck zu sagen – extrem engagiert. Sie glaubten stärker, lebten konsequenter und hielten die Regeln strenger ein als andere.
Dann kam Jesus. Für diese Pharisäer war das ein Problem, denn plötzlich geriet ihr ganzes System durcheinander. Jesus lebte und sagte Dinge, die sie nicht einordnen konnten. Es ging jetzt darum zu prüfen, ob Jesus lügt oder wirklich von Gott kommt. Anfangs ging es nicht darum, ihn in eine Falle zu locken – das kam erst später, als sie ihn ans Kreuz bringen wollten. Am Anfang wollten sie einfach herausfinden, ob Jesus die Wahrheit sagt und ob er wirklich von Gott ist.
Deshalb lädt Simon Jesus zum Essen ein. Natürlich nicht so, wie wir heute essen, sondern damals in Israel war das Setting anders. Ihr werdet es gleich sehen: Man lag zu Tisch.
Stellt euch vor, es gibt ein schönes Essen. Es ist erst einmal nichts Ungewöhnliches, dass Jesus eingeladen wird, denn beim Essen kann man gut reden. Wahrscheinlich wisst ihr das auch: Beim Essen lässt es sich gut unterhalten, nur in der Küche beim Zubereiten des Essens kann man noch besser reden.
Jesus wird also von Simon eingeladen, und jetzt erzählt die Bibel etwas Spannendes: Jesus kommt zu Simon und legt sich direkt zu Tisch.
Das klingt erst einmal unspektakulär, aber spannend ist, was nicht erzählt wird und was Jesus tut. Es wird nicht erwähnt, dass Simon, der Pharisäer, Jesus so begrüßt, wie es damals üblich gewesen wäre.
Bei euch ist es wahrscheinlich auch so: Wenn jemand eingeladen wird, heißt man ihn herzlich willkommen, bietet ihm an, die Jacke abzulegen, fragt, ob er etwas trinken möchte, und sagt, wo er Platz nehmen kann. So war es auch damals in Israel, allerdings in einem etwas anderen Rahmen.
Damals war es üblich, dass ein Gast zuerst einen Begrüßungskuss bekam. Dann erhielt er Wasser und Olivenöl. Olivenöl war damals die „Seife“ der Antike, mit der man Hände und Füße waschen konnte, denn die Füße waren durch Sandalen oft sehr schmutzig.
Jesus bekommt davon nichts. Er geht einfach hinein und legt sich direkt zu Tisch. Man merkt schon: Da stimmt etwas nicht ganz bei dieser Geschichte. Warum wird Jesus nicht begrüßt? Es wird nicht erzählt, warum, aber man spürt eine Spannung in der Luft.
Jesus legt sich direkt zu Tisch, obwohl er eigentlich hätte warten müssen, bis der Gastgeber ihm zeigt, wo er liegen oder sitzen darf. Normalerweise lag der Älteste am Ehrenplatz. Jesus geht einfach hin und zeigt Simon damit: „Simon, wir beide müssen etwas klären.“
Jesus übernimmt hier bereits eine Verantwortung und eine Stellung, die Simon ihm noch gar nicht gegeben hat.
So weit, so gut. Die Spannung ist spürbar, und dann eskaliert die Situation, weil eine Frau den Raum betritt.

Die Frau am Tisch: Eine Begegnung voller Spannung und Liebe

Die Bibel, Luther-Übersetzung, erzählt von einer stadtbekannten Sünderin – auf Deutsch: es war eine Prostituierte. Diese Frau kommt in das Haus, obwohl sie nicht eingeladen ist. Es war damals ein völliges No-Go, dass so eine Frau zu einem strengen Pharisäer überhaupt heimkommt.
Ich vermute, dass manche der Männer, die in diesem Raum waren, den Atem angehalten haben. Denn ich glaube, dass einige die Frau nicht nur vom Sehen kannten. Die Frau tritt an den Esstisch heran – allein das ist schon ein Skandal, weil sie hier nichts zu suchen hat.
Im Lukasevangelium heißt es, wenn ihr eine Bibel vor Augen habt, könnt ihr mitlesen: Die Frau trat von hinten an das Fußende des Polsters heran, auf dem Jesus lag. Sie weinte so sehr, dass seine Füße von ihren Tränen nass wurden. Sie öffnete ihr Haar, trocknete die Füße ab, küsste sie und salbte sie mit kostbarem Duftöl.
Dann wird weiter erzählt: Simon, der Pharisäer, beobachtete die Szene und sagte nichts. Er schien eher ein Schweiger gewesen zu sein. Doch er dachte sich seinen Teil. Was genau? Das steht auch in der Bibel. Er sagte: Wenn dieser Jesus wirklich ein Prophet wäre, also wenn er wirklich von Gott kommt und das stimmt, was er sagt, dann müsste er jetzt einschreiten und so etwas niemals zulassen. Denn so eine Frau, die weint, mit ihren Haaren die Füße abtrocknet und ihn mit kostbarem Salböl salbt – das durfte Jesus nicht zulassen.
Warum nicht? Allein schon, dass diese Frau mit ihren offenen Haaren die Füße abtrocknete, war ein Skandal. Das war damals so. Man kann sich heute kaum mehr vorstellen, dass Frauen eher wie in muslimischen Ländern ihre Haare bedeckt hielten. Der Bräutigam sah in der Hochzeitsnacht zum ersten Mal die offenen Haare seiner Frau.
Und dann merkt man, was für ein Skandal das war: Die Frau öffnet ihre Haare und trocknet damit die Füße von Jesus ab. Simon denkt: Jetzt müsste Jesus einschreiten. Die Frau zeigt, dass sie Jesus völlig vertraut. Dieser Jesus ist ihr „Move“, um es mit dieser Formulierung zu sagen.
Jesus weiß, dass Simon so denkt, und spricht ihn an. Jetzt zitiere ich direkt aus der Bibel: Er sagt zu Simon: „Ich muss dir etwas sagen.“ Dann erzählt er ihm eine Geschichte: Zwei Männer hatten Schulden bei einem Geldverleiher. Der eine schuldete ihm fünfhundert Silberstücke, der andere fünfzig. Da sie die Schulden nicht zurückzahlen konnten, schenkte der Geldverleiher beiden das Geld.
Jesus fragt: „Welcher von den beiden wird den Geldverleiher wohl mehr lieben?“ Simon antwortete: „Ich nehme an, der, dem der Geldverleiher mehr geschenkt hat.“ Jesus sagt zu ihm: „Du hast Recht.“
Dann dreht sich Jesus zu der Frau um und sagt zu Simon: „Siehst du diese Frau? Ich kam in dein Haus, du hast mir kein Wasser für die Füße gebracht, aber sie hat meine Füße mit ihren Tränen nass gemacht und mit ihren Haaren getrocknet. Du hast mir keinen Kuss zur Begrüßung gegeben, aber sie hat nicht aufgehört, mir die Füße zu küssen, seit ich hier bin. Du hast meinen Kopf nicht mit Öl gesalbt, aber sie hat meine Füße mit kostbarem Öl gesalbt.
Deshalb sage ich dir: Ihre vielen Sünden sind ihr vergeben, darum hat sie so viel Liebe gezeigt. Wem aber wenig vergeben wird, der zeigt auch nur wenig Liebe.“
Dann sagte Jesus zu der Frau: „Deine Sünden sind dir vergeben.“ Die anderen Gäste fragten sich: „Wer ist dieser Mann, der sogar Sünden vergibt?“ Aber Jesus sagte zu der Frau: „Dein Glaube hat dich gerettet, geh in Frieden.“

Die Wirkung der Begegnung: Unterschiedliche Lebenswege und Gottes Gnade

Ehrlich gesagt fasziniert mich, wie Jesus hier zwei Menschen völlig unterschiedlich begegnet. Und doch verändert er das Leben von beiden.
Bei Simon weiß man nicht genau, ob sich sein Leben verändert hat. Bei der Frau hingegen verändert sich alles. Jesus begegnet ihr mit einer Liebe, die sie wahrscheinlich niemals zuvor erfahren hat. Sie erlebt eine Zuneigung von Jesus, ohne etwas zurückgeben oder sich diese Liebe verdienen zu müssen. Er schenkt ihr etwas, das ihr im Leben vermutlich schmerzlich gefehlt hat – nämlich Gnade.
Jesus begegnet auch Simon, der scheinbar alles im Griff hat. Er ist ein Pharisäer. Man stellt sich vor, wie Jesus sich in Simons Wohnzimmer setzt. Allein dadurch, dass Jesus da ist, sich hinlegt und an den Ehrenplatz setzt, stellt er Simon die Frage: Wie stehst du zu mir? Jesus zeigt Simon nicht nur, dass die Frau schuldig ist, sondern auch er selbst. Es ist die Geschichte mit dem Geldverleiher, bei der jemand viele Schulden hat und jemand anderes wenige. Simon versteht wahrscheinlich, dass Jesus meint: Auch ich habe Schulden bei Gott.
Diese Geschichte stammt aus der Bibel und ist schon lange her. Doch ich glaube, sie ist auch unsere Geschichte. Wenn du darüber nachdenkst, wo du in der Geschichte stehst: Gleichst du eher der Frau, weil in deinem Leben schon viel schiefgelaufen ist? Oder bist du eher wie Simon, weil du alles im Griff hast und Jesus wirklich folgen willst? Du meinst es ernst, so wie Simon.
Stell dir vor, Jesus kommt heute Abend zu dir, wenn du nach Hause kommst. Vielleicht sitzt er in deinem Zimmer oder, wenn du schon eine eigene Wohnung hast, in deinem Wohnzimmer. Er sieht dich an, so wie er damals Simon angesehen hat. Du weißt genau, dass er weiß, was in dir vorgeht, und dass er dich kennt.
Welches Thema wird er heute Abend bei dir ansprechen, so wie er bei Simon angesprochen hat, was nicht in Ordnung ist? Was wird er bei dir ansprechen?
Wenn ich von mir ausgehe – ihr merkt es, ich bin ein Mann um die fünfzig mit vier Kindern – dann glaube ich, dass Jesus heute Abend zu mir sagen würde: Cornelius, wie sieht es eigentlich mit deinem Vertrauen aus? Vertraust du mir wirklich? Oder denkst du, du hast dein Leben selbst im Griff? Vielleicht würde er auch ansprechen, wie ich mit meinen Kindern umgehe oder wie viel Zeit ich mir für meine Frau nehme bei all meinen vielen dienstlichen Terminen.
Ich glaube, Jesus hätte heute Abend wirklich etwas zu sagen – vielleicht auch bei euch.
In unserem Jugendwerk gibt es eine IT-Abteilung, in der der ITler immer sagt: Das Problem sitzt immer vor dem Computer. Wahrscheinlich denkt er dabei an mich. Jedenfalls sagt er: Vor dem Computer sitzt das Problem.
Wenn ihr an euer Leben denkt und euch vorstellt, ihr steht vor einem Spiegel, dann heißt das: Das Problem steht vor dem Spiegel – und du siehst dem Problem in die Augen, nämlich dir selbst.
Wenn ich mein Leben ehrlich betrachte, glaube ich, dass Gott einige Dinge ansprechen würde – so wie Jesus damals bei der Frau und bei Simon Dinge angesprochen hat, die nicht in Ordnung waren.
Aber wenn Gott Dinge anspricht und Probleme benennt, liefert er damit auch sofort die Lösung. Und diese Lösung verändert unser Leben. Sie hat einen schlichten Namen: Gnade.

Gnade als Antwort auf Schuld und Versagen

Gnade und Vergebung – wir werden gleich sehen, was Gnade bedeutet. Gnade ist eigentlich ein altes Wort, aber es meint schlicht, dass Gott dich mit einer Liebe beschenkt, die du nie zurückzahlen kannst und auch nicht verdienen kannst. Gott beschenkt dich mit Liebe, weil er dich gern hat. So wie der Gläubige in der Geschichte von Jesus das Geld einfach herschenkt.
Jetzt eine kurze Unterbrechung: Überlegt mal kurz. Dann müsst ihr nicht nur zuhören, wenn ihr jetzt diese Geschichte gehört habt. Selbst wenn ihr ein Smartphone habt oder in der Bibel eine Minute Zeit nur für euch – ihr müsst nicht mit jemand anderem reden.
Was ist der Punkt in der Geschichte, der euch heute Morgen berührt? Vielleicht sagt ihr auch: „Keine Ahnung, ich bin zu müde, keine Lust“ oder so ähnlich. Vielleicht gibt es aber eine Sache, bei der ihr sagt: „Hey, das könnte meine Geschichte werden.“ Heute Morgen eine Minute Zeit – okay, nicht ganz eine Minute, aber vielleicht habt ihr schon Gedanken für euch gefunden.
Ich will mit euch drei Gedanken teilen, die mich berühren.

Wer ist Jesus? – Gottes Liebe als glühender Backofen

Der erste Gedanke: Wer ist eigentlich Jesus, und was zeigt er uns hier in dieser Geschichte über Gott? Wahrscheinlich war das die Frage dieses Simon, des Pharisäers. Wer ist Jesus? Vermutlich hat er ihn deshalb zum Essen eingeladen, um herauszufinden, wer dieser Jesus ist, der solche Wunder tut, der so herausragend von Gott spricht.
Ehrlich gesagt war Simon wahrscheinlich zuerst völlig desillusioniert und enttäuscht von Jesus, weil Jesus ganz anders war, als er es erwartet hatte. Wenn Jesus ein Prophet wäre, dann müsste er doch so handeln, wie Simon es sich vorstellte. Doch Jesus zeigt damals in Simons Haus, dass er weit mehr als ein Prophet ist. In ihm kommt Gott selbst zum Ausdruck, denn Gott kennt die Herzen, wie das Alte Testament sagt.
Simon sagt kein Wort; er ist der schweigende Simon. Trotzdem weiß Jesus, was er denkt und fühlt, und spricht ihn darauf an. Bei Simon ist Gott selbst zu Gast. Das wird auch am Ende der Geschichte deutlich, wenn es darum geht, dass Jesus Sünden vergibt. Für die Menschen damals war klar: Nur Gott kann Sünden vergeben, alles andere ist unmöglich.
Jesus zeigt in dieser Geschichte, wie Gott ist. Er macht der Frau am Schluss keine Vorwürfe, sondern sagt: „Geh in Frieden, deine Sünden sind dir vergeben.“ Er hätte auch sagen können: „Hey, dein Leben ist nicht in Ordnung, und jetzt musst du dich richtig anstrengen.“ Aber er sagt: „Nein, deine Sünden sind dir vergeben.“ So ist Gott.
Jesus erzählt die Geschichte von diesem Geldverleiher, um zu verdeutlichen, wie Gott ist. Wir bleiben Gott vieles schuldig. Das ist der Sinn dieser Geschichte: Zwei Personen haben Schulden. Die Frau hat sozusagen bei Gott Schulden, Simon hat Schulden, und wir alle haben Schulden, weil wir vieles im Leben nicht mehr gutmachen können. Wir bleiben Menschenliebe schuldig, wir bleiben Gott Vertrauen schuldig.
Vielleicht hast du vorher an etwas gedacht, als Jesus bei dir in deinem Zimmer sitzt. Da denkst du vielleicht: Ja, ich bleibe Gott wirklich etwas schuldig. Manchmal ist es auch so, dass wir anderen Menschen schuldig bleiben, dass wir nicht zu ihnen stehen. Vielleicht kennt ihr die Situation, wenn man über jemanden lästert. Man ist ja schön christlich und hält den Mund, weil man denkt: „Oh, ich mache nicht mit.“ Aber man steht auch nicht zu der Person und sagt: „Hey, jetzt halt endlich deine Klappe!“ Stattdessen bleibt man einfach still. Man ist der schweigende Simon.
Simon will mit niemandem Ärger. Jesus zeigt, wie Gott ist: Er spricht Sünde an und vergibt sie. „Ihre vielen Sünden sind ihr vergeben.“
Martin Luther hat einmal ein schönes Bild für Gott gefunden. Er sagt: Gott ist wie ein glühender Backofen voller Liebe. Ihr kennt vielleicht so einen Holzbackofen. Vielleicht habt ihr auch einen holzbeheizten Ofen zu Hause. Es kommt natürlich auf den Ofen an, aber wenn man die Hand auf die Steine legt, dann ist es richtig heiß. Da ist wirklich viel Hitze!
Martin Luther meint, genau so liebt Gott. Wenn ihr christlich aufgewachsen seid, kennt ihr sicher den Satz: „Gott liebt dich.“ Das klingt gut. Aber was heißt das eigentlich? Gott liebt dich so sehr, wie ein Backofen heiß ist. Das klingt vielleicht komisch, aber stell dir vor, wie das ist, wenn du auf dein Leben schaust.
Ich weiß nicht, wie es dir geht, ich kenne deine Lebensgeschichte nicht. Ob in deinem Leben alles gutgelaufen ist oder ob es ein paar richtig schwere Dinge gab. Jesus sagt zu dir: Gott liebt dich. Das heißt, Gott liebt dich wie ein Backofen voller Liebe. Wenn Gott dich sieht, sagt er nicht: „Na ja, okay, die ist ganz in Ordnung.“ Sondern er liebt dich, egal was in deinem Leben war und egal, was noch kommt. Ein Backofen voller Liebe.
Es mag sein, dass es uns manchmal unendlich schwerfällt zu glauben, dass Gott uns liebt. Aber genau deshalb ist Gott Mensch geworden: Damit wir nicht nur glauben müssen, dass ein Gott, der weit weg ist, irgendwie Gefühle für uns hat. Sondern dieser Gott ist Mensch geworden in Jesus. Er ist zu Simon gekommen, und er kommt zu dir.
Wenn du heute Abend nach Hause kommst, ist Gott sogar schon da. Und dann mach es nicht wie Simon, der Schweiger. Simon hat einfach die Klappe gehalten und nicht über seinen Teil nachgedacht.
Erzähl Gott, wie es dir geht. Wenn es dir schwerfällt zu glauben, dass Gott dich liebt, dass Gott ein Backofen voller Liebe ist, weil du denkst: „Hey, wenn ich mein Leben anschaue, dann ist das kein liebender Gott.“ Oder wenn du an Menschen denkst, die es schwer haben, und du fragst dich: „Wo ist ein liebender Gott?“ Dann erzähl es ihm.
Manchmal hilft es auch, mit anderen Menschen zu reden. Vielleicht heute auch auf der Yumiko, dort gibt es Menschen, mit denen du sprechen kannst. Denn es fällt manchmal leichter, etwas auszusprechen, als der Schweiger zu sein.

Warum glaubst du? – Vom Ruderboot zur Galeere zum Segelschiff

Das ist der eine Gedanke: Wer ist Jesus? Er zeigt uns, wie Gott den Backofen voller Liebe füllt.
Und das Zweite, was mich bei der Geschichte fasziniert: Hier geht es tatsächlich um die Frage: Warum glaubst du? Ihr erinnert euch an den Anfang, vorher habe ich gefragt: Warum glaubst du? Wir haben uns dazu eine Umfrage angeschaut. Noch einmal die Frage: Warum glaubst du, und warum hältst du bis heute an Jesus fest? Warum hast du die ganze Sache mit Jesus nicht schon längst aufgegeben?
Unseren Glauben an Jesus, glaube ich, könnte man manchmal mit einem Schiff vergleichen. Ich habe mal mit einem Freund darüber gesprochen, wie das ist mit dem Glauben. Er hat gesagt: Das ist doch wie mit einem Schiff. Also ihr könnt euch ein Schiff vorstellen, vielleicht so ein Segelschiff, oder ihr werdet gleich sehen, warum ich von einem Ruderboot spreche – hier sogar von einer Galeere.
Eine Galeere war so ein Ruderboot im sechzehnten Jahrhundert, bei dem Sklaven gerudert haben. Der Aufseher hat im Takt die Peitsche geschwungen, und man musste dieses schwere Schiff nach vorne bringen.
Und jetzt ist die Frage: Wenn unser Glaube ein Schiff ist – und mit dem Freund habe ich gesprochen –, hat er gesagt: Eigentlich sollte das ein Segelschiff sein, mit dem man durchs Leben geht. Aber ehrlich gesagt ist es oft ein Ruderboot und manchmal sogar eine Galeere, weil man sich so abrackert im Glauben, weil man es gut machen will und weil man das Gefühl hat: Wo ist denn jetzt Gott?
Vielleicht hat man auch das Gefühl, bei anderen läuft es gut. Die glauben gut, die sind wie so ein Segelschiff. Aber mein Leben ist einfach schwierig. Da sind so viele Enttäuschungen, da sind so viele Dinge, wo es mir schwerfällt zu glauben, dass Gott da ist. Da erlebe ich vielleicht keine Wunder und denke nur: Alle anderen erleben Wunder.
Und so rudern wir manchmal mit der Galeere unseres Glaubens durchs Leben.
Ganz ehrlich: Wie ist dein Leben? Segelschiff, Ruderboot oder Galeere? Ist dein Glaube etwas, das dich beschwingt, wo du denkst: Wow! Oder ist es manchmal so, dass du richtig Mühe hast, vielleicht so wie dieser Simon, der sich einfach angestrengt hat und vielleicht gar nicht so zu dieser Freude kam?
Gott hat uns eigentlich so berufen, ein Segelschiff zu sein. Aber eigentlich sind wir oft eine Galeere, weil wir durch eigene Kraft versuchen, unser Leben und unseren Glauben zu meistern.
Was treibt dich an? Wenn ich dich direkt fragen darf: Was gibt dir Kraft und Hoffnung für dein Leben, und was hat dein Glaube daran, an Jesus, damit zu tun?
Wie wird jetzt aber aus einer Galeere ein Segelschiff? Wie verändert sich das?
Wenn ich an die Geschichte von dieser Frau, der Sünderin, denke, dann ist sie ein Beispiel dafür, wie das geschehen kann.
Diese Frau hatte wirklich ein schweres Leben, hat vieles nicht richtig gemacht, war am Ende. Und sie kommt zu Jesus und salbt ihn. Jesus sagt, dass sie das tut.
Das zeigt die Liebe, die sie tut, und dass sie schon vorher etwas erfahren hat, nämlich dass sie irgendwie mit der Vergebung Gottes in Berührung gekommen war.
Diese Frau geht vielleicht anders aus diesem Haus, als sie reingekommen ist.
Gottes Liebe und Vergebung verändern unser Leben von einer Galeere zu einem Segelschiff.
Oder man könnte es jetzt wirklich theologisch sagen: Ich habe das Wort schon ein paarmal verwendet – die Gnade Gottes führt dazu, dass wir ein Segelschiff werden und keine Galeere.

Die Kraft der Vergebung – Schuld ablegen und neu beginnen

Aber jetzt habe ich oft von Gnade und Vergebung gesprochen. Was heißt das eigentlich genau? Das ist der dritte Punkt, der mich an dieser Geschichte fasziniert: Wir können hier etwas von der Kraft der Vergebung spüren.
Vergebung bedeutet ganz schlicht, dass Gott mir das abnimmt, was mir niemand sonst abnehmen kann – meine Schuld. Das, was ich nicht wiedergutmachen kann, nimmt er ab.
Manchmal hilft mir ein Bild, um das besser zu verstehen. Hier seht ihr einen Dachboden. Das ist nicht der Dachboden in dem Haus, in dem ich wohne, aber ihr könnt euch vorstellen, dass es ganz ähnlich ist. Bei unserem Haus ist das Dach oben noch nicht gedämmt. Das soll in den nächsten Wochen hoffentlich gemacht werden. Und auf dem Dachboden liegt allerlei Gerümpel. Das heißt, wir müssen alles durchsortieren. Damit habe ich mich schon im Sommer beschäftigt und auch zwischendurch immer wieder. Dabei schaut man sich alte Kisten an. Was finde ich da? Alte Fotos, Erinnerungsstücke, aber auch Scherben von alten Vasen und Töpfen, allerlei Krimskrams, den man einfach dort hochgestellt hat. Und das muss man sortieren. Wie gut, dass es eine Mülltonne und Sperrmüll gibt, denn vieles davon muss weg.
Warum erzähle ich das? Weil ich mir vorstelle, dass unser Leben manchmal so einem Dachboden gleicht. Dort hat sich alles Mögliche angesammelt. Wahrscheinlich bei den Älteren von euch noch viel mehr als bei den Jüngeren. Es sind schöne Dinge dabei, die sich im Leben angesammelt haben, aber auch allerhand Mist.
Das sind Scherben von Dingen, die wir nicht wiedergutmachen können: zerbrochene Beziehungen, Situationen, bei denen man, wenn man nur daran denkt, sagt: „Wie bescheuert war ich eigentlich?“ All das. Manches davon ist uns richtig peinlich. Gut, dass die Person neben euch nicht weiß, woran ihr gerade denkt.
All das liegt auf dem Dachboden unseres persönlichen Lebens. Wenn du in deine Lebenskiste schaust – was findest du?
Vergebung heißt, dass Jesus diese Kiste unseres Lebens nimmt und ans Kreuz trägt. All das, was wir getan haben, was wir nicht wiedergutmachen können und was uns peinlich ist, hat Jesus schon längst am Kreuz getragen. Alles, was wir an Schulden und Versäumnissen mit uns herumschleppen, hat er in Ordnung gebracht, damit wir es auf die Müllhalde des Kreuzes werfen können.
Jesus übernimmt die Verantwortung für das, was ich getan habe – das heißt Vergebung. Und das hat mit dem Kreuz zu tun.
Ich habe euch hier ein Bild von einem Kreuz mitgebracht, das ich im letzten Jahr in Izmir, also in der Türkei, aufgenommen habe. Ich habe dort eine Reisegruppe des Jugendwerks geleitet. Ehrlicherweise waren das eher Leute in meinem Alter oder noch älter – eher die Spenderinnen und Spender. Also nicht, dass ihr das falsche Bild habt: Jugendwerk heißt nicht unbedingt eine junge Gruppe. Wir waren schon etwas älter, aber noch fit und irgendwie ein bisschen gediegen.
Wir waren in einer Gemeinde dort, einer iranischen Gemeinde, die sich in einem Hinterhof in Izmir trifft. Alle haben ihre eigene Geschichte. Dort haben wir eine Frau und ihren Mann kennengelernt, der der Lobpreisleiter dieser kleinen Gemeinde ist. Mich haben sie sehr beeindruckt, weil sie ihren Glauben unter Verhältnissen leben, die ich mir kaum vorstellen kann.
Vor allem hat mich dieses Kreuz beeindruckt. Man sieht es vielleicht von hinten nicht so gut. Es wurde von einem jungen Mädchen ganz einfach gestaltet. Was mich fasziniert, ist, dass es so brutal aussieht. Es ist irgendwo rote Farbe dabei. Ich weiß nicht, ob das in unserer Kirche hängen würde. Aber mich hat es beeindruckt, weil ich dachte: Genau darum geht es. Gott kommt in die Brutalität des Lebens hinein, in das, wo es richtig schwer ist. Das heißt Gnade: Gott kommt in eine gnadenlose Welt.
Und die Botschaft von Jesus ist diese – und sie war damals in der antiken Welt völlig unüblich: Gott vergibt dir, ohne dass du etwas dafür tun musst. Gott ist jemand, der sogar ans Kreuz geht und deine Vergangenheit in Ordnung bringt. Und du kannst nichts dafür.
Gott nimmt dir die Scherben deines Lebens Stück für Stück ab, damit aus deinem Leben von der Galeere ein Segelschiff wird.
Gnade bedeutet also immer: Du bist mehr, als du aus deinem Leben machst.
Das war die Botschaft, die damals diese Frau gehört hat. Und das ist die Botschaft, die wir heute Morgen hören und die ihr persönlich annehmen könnt: Du bist geliebter, als du dir das vorstellen kannst. Du bist mehr als deine zerbrochene Lebensgeschichte. Du bist befreiter, als du es fühlst. Du bist begabter, als du es vermutest. Du bist geheilter in Gottes Augen, als es dein verwundertes Herz ahnt.
Was für eine Botschaft! Egal, wie es dir heute geht: Weil Jesus damals am Kreuz gestorben ist, heißt Gnade, dass Gott dich mit Augen voller Liebe anschaut.

Die Antwort auf die großen Lebensfragen: Herkunft, Ziel und Sinn

Und jetzt, was bedeutet das, wenn wir so in die Schlusskurve einbiegen? Wie verändert Gottes Leben mein Leben? Und was passiert, wenn ich mein Leben Gott zur Verfügung stelle?
Ich habe vorhin zu Beginn dieser Studie den Ausdruck „holy shit“ mit diesen drei Fragen genannt. Ihr erinnert euch vielleicht: Junge Menschen beschäftigen sich damit, wo sie herkommen, wohin sie gehen und welchen Sinn das Ganze dazwischen hat.
Wenn wir jetzt die Geschichte von der Sünderin gehört haben, dann glaube ich, haben wir eine Antwort auf die Frage: Wo komme ich her? Unser Leben kommt immer von diesem Gott, der uns liebt wie ein Backofen voller glühender Liebe. Er liebt uns, auch wenn wir uns das niemals vorstellen können.
Unser Leben geht hin zu diesem Gott, der unser Leben heilen kann – vielleicht jetzt am Anfang und irgendwann in der Ewigkeit für immer.
Und welchen Sinn hat es dazwischen? Ich würde nur ein Wort sagen: Liebe. Dass wir geliebt sind und dass wir als Menschen diese Liebe Gottes weitergeben.
Es mag sein, dass wir uns manchmal wie eine Galeere vorkommen, aber Gott kann uns zu einem Segelschiff machen, indem seine Liebe unser Herz berührt.
Aber jetzt die Frage: Wie kann sich denn etwas ändern, wenn wir geliebt sind? Wenn wir wissen: Ja, ich bin von Gott geliebt, wie verändert sich das in meinem Leben? Wie zeigt sich das? Vor allem, wenn wir das Gefühl haben: Boah, ich fühle mich gar nicht so, als könnte Gott etwas aus meinem Leben machen.

Beispiel aus dem Leben: Keith Jarrett und das zweitklassige Instrument

Dazu jetzt eine kurze Geschichte. Eine wahre Geschichte, und zwar vom 24. Januar 1975. Dieses Datum jährt sich bald wieder. Vielleicht kennt ihr diese Geschichte, mich hat sie sehr beeindruckt. Zunächst hat sie mit Glauben gar nichts zu tun, aber ihr werdet gleich erkennen, warum ich sie erzähle.
Damals gab es ein großes Konzert in Köln. Keith Jarrett war zu dieser Zeit ein bekannter Jazzpianist. Das Konzert wurde von einer jungen Organisatorin namens Vera Brandes organisiert. Es sollte ihr Auftakt werden, um sich als gute Organisatorin zu etablieren. Doch dann ging alles schief.
Zuerst kam Keith Jarrett zu spät. Dann fand er in der Oper in Köln nicht den Flügel, den er bestellt hatte. Er hatte einen Bösendorfer 290 Imperial Konzertflügel bestellt – alle, die sich auskennen, wissen das, ich habe keine Ahnung. Was er vorfand, war ein kleiner Bösendorfer Stutzflügel. Den hätte man höchstens für Proben nutzen können, und er hatte wohl auch ein paar quietschende Tasten.
Vera Brandes erzählt, dass Keith Jarrett dreimal um diesen Flügel herumging und dann sagte: „Auf dem spiele ich nicht.“ Was er nicht wusste, war, dass der richtige Flügel unten in den Katakomben der Oper stand. Irgendjemand aus dem Team hatte schlicht vergessen, ihn hochzuholen.
Keith Jarrett sagte dann, er spiele nicht, und ging zum Auto. Vera Brandes merkte, dass das Konzert jetzt im Eimer war. Sie rannte ihm hinterher, öffnete die Autotür und sagte auf Englisch alles Mögliche, damit er doch bleibe. Sie erzählt selbst, dass sie es dabei auch ziemlich deutlich ausdrückte – mit allen möglichen Ausdrücken, was auch immer.
Auf jeden Fall bat sie ihn, zu spielen. Dann erzählt sie, dass Keith Jarrett sie anschaute und sagte: „Okay, I'll play.“ Er ging zurück und begann das Konzert, das wohl um 23 Uhr startete.
Dieses Konzert wurde zu dem berühmtesten Jazzpianisten-Konzert des zwanzigsten Jahrhunderts. Bis heute ist es wahrscheinlich das meistverkaufte Klavier-Soloalbum im Jazzbereich. Es wurde damals eigentlich nur zufällig aufgenommen, weil die Techniker schon da waren. Sie hatten fast schon eingepackt, als sie merkten, dass der falsche Flügel da war, und nahmen das Konzert 67 Minuten lang auf.
Keith Jarrett improvisierte meisterhaft auf einem zweitklassigen Flügel. Es war derselbe Flügel, den er vorher nicht spielen wollte, derselbe Keith Jarrett – und trotzdem war es das meisterhafteste Konzert aller Zeiten. Warum? Weil Keith Jarrett sich erbarmte über ein Instrument, das seiner nicht würdig war.
Es war ein Wunder, dass er auf einem so unpassenden Instrument das beste Klavierkonzert im Jazzbereich spielte.
Warum erzähle ich das? Weil es mit Gott und unserem Leben genau dasselbe ist. Verzeiht mir, wenn ich das so sage, aber ich glaube, wir sind nur ein zweitklassiges Instrument, wenn wir auf unser Leben schauen. Doch Gott erbarmt sich über uns und spielt mit unserem Leben, so wie wir sind, das beste Konzert aller Zeiten – weil er der Meister unseres Lebens ist.
Was verändert uns? Seine Liebe.
Und das ist vielleicht der Unterschied zwischen Gott und Keith Jarrett. Dieser Jarrett erbarmte sich und dachte: „Okay, ich spiele, I'll play.“ Gott sagt nicht nur „Okay, I'll play“, sondern er sieht uns an mit Augen voller Liebe – dem glühenden Backofen der Liebe Gottes – und sagt: „Ich mache etwas aus deinem Leben, weil ich dich liebe.“
Da bleiben wir, wie wir sind. Die Risse des Lebens bleiben, und es ist nicht alles perfekt. Aber Gott macht etwas aus unserem Leben. Vielleicht werden wir erst am Ende unseres Lebens merken, was Gott daraus wirklich gemacht hat – was für ein Wunder.

Schlussgedanken: Jesus als Orientierung und Lebensstil

Jesus ist mein Move, Jesus ist der, an dem ich mich orientiere, mein Weg durchs Leben. Er ist der, der mich motiviert, der mir Kraft gibt, der aus meinem Leben ein Segelschiff macht. Oder um das Bild mit dem Klavier aufzugreifen: Er macht aus dem Leben, das ich habe, das beste Konzert aller Zeiten – zu seiner Ehre und zum Segen von Menschen. Nicht, weil wir das können, sondern weil seine Kraft es kann – seine Liebeskraft.
Also geht es nicht darum, dass wir noch mehr aus uns herausholen, uns anstrengen und sagen: „Ich muss“. Nein, es geht schlicht um mehr Jesus in unserem Leben. Nicht mehr unsere eigene Kraft, sondern mehr Jesus. Mehr aus dem Geborgensein in seiner Liebe heraus unser Leben führen.
Vielleicht kennen manche von euch das Buch von Joe Mark Comer, „Das Ende der Rastlosigkeit“. Ich möchte ein Zitat daraus herausgreifen: Er sagt, die westliche Kirche habe die Tatsache aus den Augen verloren, dass Christsein ein Weg ist, eine Lebensweise. Es ist eine Lebensweise, die auf der Lebensweise von Jesus basiert – ein Lebensstil.
Darum geht es: ein Jesus-Lebensstil. Das ist es, was in unserem Leben Einzug halten soll. Und ein Jesus-Lebensstil heißt nicht, streng dich an, sondern lebe aus dieser Liebe, die dir geschenkt ist.
Ich bin mir sicher, dass diese Liebe andere Menschen spüren werden. Dass sie merken, was Gott aus dem Instrument unseres Lebens machen kann. Was für eine Botschaft: Wir Menschen können sagen, egal wer du bist und wie du bist – dieser Gott liebt dich und macht etwas aus deinem Leben.
Und was er daraus macht, sehen wir vielleicht erst in der Ewigkeit.
Mag sein, dass diese Geschichte mit der Frau einen Punkt in deinem Leben angesprochen hat, an dem du sagst: Das will ich mir merken.
Ganz ehrlich, jetzt ganz am Ende bleibt für mich eigentlich eine Frage, wenn ich an diese Geschichte denke, an diese Frau und an diesen schweigenden Simon. Ich würde es so sehr interessieren, ob dieser schweigende Simon sich verändert hat, ob er am Ende – was die Bibel nicht mehr erzählt – zu Jesus kam. Ob die beiden sich ausgesprochen haben, ob dieser Simon Jesus sein Herz ausgeschüttet hat und gesagt hat: „Ich habe immer gedacht, du bist anders.“
Es ist aber egal, was Simon damals getan hat. Entscheidend ist, was wir heute tun. Ich wünsche euch und mir, dass wir heute Jesus unser Herz ausschütten und dann merken: Seine Liebe ist größer als alles. Amen!

Gebet zum Abschluss

Ich will noch ein Gebet sprechen.
Jesus, du kennst unser Leben wie sonst niemand. Du weißt, wie es uns geht – ob wir beschwingt durchs Leben gehen, voller Motivation wie ein Segelschiff, oder ob wir das Gefühl haben, wir rudern uns die Arme ab.
Danke, dass du da bist. Komm mit deiner Liebe in unser Leben hinein, denn wir brauchen das. Wir brauchen es, dass du deine Liebe in unser Herz sprichst. Lass das uns verändern und helfen, damit deine Liebe durch uns hindurch zu anderen gelangt.
So können sie merken, dass du etwas aus ihrem Leben machen kannst. Sie kommen zu dir, weil du sie liebst. Sie gehen zu dir, wenn sie dir vertrauen. Ihr Leben gewinnt Sinn, wenn sie es dir anvertrauen.
Jesus, gebrauche uns als Botinnen und Boten deiner Liebe.
Und zuletzt bitte ich dich: Sprich uns an und sprich deine Liebe in unser Herz. Hilf uns, dass wir dir unser Herz ausschütten, weil du uns kennst wie sonst niemand.
Amen.