Einleitung
Heute kommen wir definitiv zum Schluss des Briefes. Deshalb habe ich das
letzte Wort als Überschrift genommen: Die Gnade sei mit Euch!
Es grüssen euch unser lieber Lukas, der Arzt, und Demas. (Kol 4,14) Grüsst die Brüder und Schwestern in Laodizea, besonders Nympha und die
Gemeinde in ihrem Haus. (Kol 4,15) Wenn dieser Brief bei euch vorgelesen worden ist, dann schickt ihn nach
Laodizea, damit er auch dort verlesen wird. Und lest auch den Brief,
den ich nach Laodizea geschrieben habe. (Kol 4,16) Sagt Archippus: Sei treu im Dienst für den Herrn und erfülle den
Auftrag, den du erhalten hast! (Kol 4,17) Mit eigener Hand schreibe ich, Paulus, hier meinen Gruss. Vergesst
meine Ketten nicht!
Die Gnade sei mit euch! (Kol 4,18)Wir betrachten nun kurz die verschiedenen Grüsse und Mitteilungen, ein
kleines Sammelsurium von letzten Mitteilungen.
I. Lukas und Demas lassen grüssen
Es grüssen euch unser lieber Lukas, der Arzt, und Demas. (Kol 4,14)Kurze Erwähnung findet auch Lukas, der geliebte Arzt, welcher das
Lukasevangelium und die Apostelgeschichte geschrieben hat. Er war ein
sehr eng Vertrauter von Paulus.
Und ohne besondere Charakterisierung übermittelt Paulus den Gruss des
Demas. In einem späteren Brief des Paulus erfahren wir, dass Demas Paulus
verlassen hatte. Er schrieb dem Timotheus 2.Tim.4,10:
Demas hat mich verlassen und ist nach Thessalonich gegangen, weil ihm
mehr an dieser Welt gelegen ist als an der kommenden; Kreszens ging
nach Galatien und Titus nach Dalmatien. (2.Tim 4,10)
II. Letzte Worte 4,15-17
Paulus grüsst 4,15
Grüsst die Geschwister in Laodizea, besonders Nympha und die Gemeinde
in ihrem Haus. (Kol 4,15) Folie: Karte von Kleinasien
Paulus beauftragt nun die Kolosser die Christen in Laodizea zu grüssen,
besonders Nympha und die Gemeinde in ihrem Haus.
Die Entstehende Gemeinde traf sich in den Häusern bei Gläubigen. Es gab,
als die Gemeinde entstand, keine Kirchengebäude, in denen sich die
Christen trafen. In Jerusalem trafen sie sich im Tempel und in den
Häusern.
Anwendung
Heute entdeckt man diesen Aspekt wieder neu. Ich bin nicht der Meinung,
dass wir uns als Gemeinde nicht mehr in einem speziellen Gebäude
versammeln sollten.
Aber wir sind als Gemeinde davon überzeugt, dass Zusammenkünfte von
kleineren Gruppen von ausserordentlicher Bedeutung sind. So lautet unser
Grundwert 7.
Wir sind überzeugt, dass geistliches Wachstum und Lebensveränderung des
Einzelnen sich besonders gut in einer Kleingruppe entfalten kann.
Austausch der Briefe 4,16
Wenn dieser Brief bei euch vorgelesen worden ist, dann schickt ihn nach
Laodizea, damit er auch dort verlesen wird. Und lest auch den Brief,
den ich nach Laodizea geschrieben habe. (Kol 4,16)Verbunden mit dem Gruss an die Christen in Ladizea bittet Paulus die
Gemeinde, sie sollen ihren Brief, nachdem sie ihn gelesen haben, nach
Laodizea schicken, damit er auch dort gelesen werden kann und sie sollen
den Brief von Laodizea mitnehmen und diesen bei sich vorlesen.
Wir bekommen also hier einen kleinen Einblick in die Entstehung des NT.
Die Briefe der Apostel waren nicht einfach nur persönlich für eine
Gemeinde bestimmt, sondern hatten für alle Christen Bedeutung. So
wanderten die Briefe durch die Gemeinde. Man verfertigte Abschriften und
es entstanden schlussendlich Sammlungen von Briefen, die dann in den
neutestamentlichen Kanon einmündeten.
Natürlich wurden die Briefe nicht so lange und detailliert betrachtet
wie wir das heute tun. Ich begann beispielsweise am 18. April 1999 und
werde erst jetzt im Herbst 2001 mit der Auslegung fertig.
In der ersten Gemeinde wurden diese Briefe vorgelesen. Der Brief an
sich war die Predigt.
Anweisung an Archippus 4,17
Sagt Archippus: Sei treu im Dienst für den Herrn und erfülle den
Auftrag, den du erhalten hast! (Kol 4,17)Paulus macht nun einen ganz interessanten Hinweis. Er fordert die
Gläubigen auf, Archippus zu ermahnen, dass er seinen Dienst treu erfüllen
sollte.
Wir wissen nicht welche Aufgabe Archippus hatte. Wir können aber davon
ausgehen, dass sie verantwortungsvoll war. Vielleicht trug er die
Hauptverantwortung für die Gemeinde. Wie auch immer. Paulus spricht diese
Ermahnung nicht direkt aus, sondern fordert die Christen auf, dies zu
tun.
Das finde ich schon interessant! Fällt Paulus hier dem Archippus nicht
in den Rücken, war er wohl nicht beleidigt, indem er für sich dachte,
dass Paulus ihm nicht trauen würde? Das glaube ich nicht.
Anwendung
Hier soll ein Dienst der Gemeinde an einem Christen geschehen, der eine
verantwortungsvolle Aufgabe hat. Und wenn man solche Aufgaben zu erfüllen
hat, dann braucht man diese Ermahnungen und Ermutigungen.
Ich habe mir das überlegt, wie das bei mir ist. Ich muss sagen, ich bin
für Ermahnungen sehr dankbar. Ich freue mich, wenn Geschwister mich
ermutigen treu zu sein. Das spornt mich immer wieder an.
Es freut mich, wenn Geschwister mich ermutigen in der Verkündigung klar
und wahr zu sein. Das ermutigt mich das auch wirklich zu tun.
Ich bin in meinem Dienst darauf angewiesen, dass man mir immer wieder
sagt: Sei treu im Dienst für den Herrn und erfülle den Auftrag, den du
erhalten hast!
Ich bin froh, wenn man das sagt, wenn ich noch auf der Spur bin und
nicht wartet bis ich vom Weg abgekommen bin und man mich dann mit
Vorwürfen überhäuft.
Damit macht Paulus etwas ganz wichtiges deutlich: Leute die einen
besonderen Auftrag von Gott erhalten haben, sind nicht unantastbar. Sie
sind nie so heilig, dass man sie nicht mehr ermutigen und ermahnen
dürfte. Sie sind nicht Leute, die über alles erhaben sind. Im Gegenteil:
Sie müssen angespornt werden, den Dienst zu tun, zu dem sie berufen sind.
Ich bin äusserst dankbar in einer Gemeinde dienen zu dürfen, wo ich das
tatsächlich erlebe. All die Jahre hindurch hatte ich Geschwister die mich
hinterfragt und anspornt haben. Wären sie nicht gewesen, würde mein
Dienst anders aussehen. Selbst wenn ich mich zurückziehen wollte und
schweigen, sagten sie mir, dass ich das nicht dürfte, sondern dass ich
sprechen müsste, weil der Herr mich dazu begabt hat und das meine Aufgabe
und Verantwortung sei. Und dann habe ich das mit Freude getan.
III. Schlusspunkt 4,18
Mit eigener Hand schreibe ich, Paulus, hier meinen Gruss. Vergesst
meine Ketten nicht!
Die Gnade sei mit euch! (Kol 4,18)Nun unterzeichnet Paulus den Brief mit eigener Hand und ruft nochmals
zur Fürbitte auf.
Er weiss auch, dass das ganze Geschick der Gemeinde von der Gnade
Gottes abhängt. Deshalb wünscht er ihnen, dass die Gnade mit Ihnen sei.
Uns kann auch nichts besseres geschehen, als dass die Gnade Gottes mit
uns ist.
Schluss
Was Paulus mit diesem Brief bezwecken wollte, und was gerade auch im
letzten Abschnitt zum Ausdruck kommt, lesen wir im Kol.2,6+7:
Ihr habt Jesus Christus als den Herrn angenommen; darum lebt nun auch
in der Gemeinschaft mit ihm und nach seiner Art! (Kol 2,6) Seid in ihm verwurzelt und baut euer Leben ganz auf ihn. Bleibt im
Glauben fest und laßt euch nicht von dem abbringen, was euch gelehrt
worden ist. Hört nicht auf zu danken für das, was Gott euch geschenkt
hat. (Kol 2,7) Die Gnade sei mit euch! (Kol 4,18b)
Amen

