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Hauptsache tolerant?

Why not?! Glaubensfragen
21.06.2026
SerieTeil 31 / 36Why not?! Glaubensfragen
Wenn Gefühle zur Wahrheit werden, wer sagt dann noch, was richtig ist? Der Kernkonflikt: Toleranz ohne Maßstab kippt schnell in Druck auf alle, die anders denken.

Einführung in das Gespräch und die Ausgangsfrage

Why not Glaubensfragen, der YouTube-Kanal des Why-not-Teams. Knifflige Fragen einfach erklärt, dialogisch und durchdacht.
Und, alles bekommen?
Ja, danke fürs Warten, aber Mädchen und ihr Lieblingsshampoo, ich sage dir...
Oh, tu es nicht!
Aber können wir noch einmal auf das Thema Toleranz zu sprechen kommen? Du meintest vorhin, dass Toleranz in unserer Gesellschaft einen sehr hohen Stellenwert hat.
Genau. Und warum?
Das weiß ich nicht genau, aber es hat damit zu tun, dass wir uns heute stark darüber definieren, was wir fühlen. Ich bin, was ich fühle.
Hast du von dem Mädchen aus Melbourne gelesen, das sich für eine Katze hält?
Ja, das ist sicher ein extremes Beispiel. Aber genau darum geht es. Ich bin, was ich fühle.
Aber wie kommt jetzt die Toleranz ins Spiel?
Na ja, denk doch mal nach: Wenn jeder sich seine eigene Realität nach seinen Gefühlen, nennen wir es einmal, erfindet.

Gefühle, Identität und der Druck zur Selbstverwirklichung

Hat das auch damit zu tun, dass Authentizität irgendwie das Größte ist? Wehe, ich darf nicht alles an Gefühlen ausleben, was in mir steckt.
Stimmt, ich kenne das Argument beim Thema Sex vor der Ehe. Wenn ich Leuten erkläre, dass ich mit dem Sex bis zur Ehe warten will, dann ist das für viele gar nicht mehr eine Frage von Moral, sondern eher von Gesundheit. Nach dem Motto: Wenn du deinen Sextrieb nicht auslebst, dann schadet das deiner Psyche.
Ja, das ist dieselbe Richtung. Also jeder darf und soll leben, wie er will, aber natürlich will auch keiner ausgeschlossen werden. Das ist heute ja auch super wichtig: Inklusion, bloß niemanden ausgrenzen, die Würde des Menschen. Und da kommt dann eben die Toleranz ins Spiel. Dieses: Du hast kein Recht, mich zu verurteilen.
Eine Gesellschaft, die sich darauf einigt, dass Moral weitgehend eine persönliche Sache ist, braucht Toleranz.

Wenn Toleranz selbst intolerant wird

Aber ist Toleranz heute nicht auch total intolerant? Ich erlebe es immer wieder, dass gerade die Leute, die total auf Inklusion, Toleranz und darauf stehen, dass mir niemand sagen darf, wie ich leben soll, dass gerade diese Leute voll über mich herfallen, wenn ich sage, dass ich bei Abtreibung immer für das Baby im Bauch bin und mir wünschen würde, dass man es nicht umbringt.
Ja, das ist schon putzig, wenn die Toleranten schreien: Keine Toleranz den Intoleranten! Und damit selbst total intolerant werden. Tut mir leid, aber Logik ist derzeit nicht in. Der neue Standard heißt: Du hast kein Recht, mich zu verurteilen. Und wenn du es doch tust, dann bist du reif für den Shitstorm. Dann führt man im Namen der Toleranz einen digitalen Kreuzzug gegen dich. Vor allem übrigens, wenn du mit der Bibel argumentierst. Das geht gar nicht mehr.
Ja, das stimmt leider. Aber warum schämen sich die Leute, die so für Toleranz sind, nicht für ihr aggressives Auftreten? Das frage ich mich oft, wenn ich wirklich böse Kommentare von Leuten lese, die jeden angreifen, der in ihren Augen nicht auf die richtige Weise tolerant ist. Toleranz heißt doch gerade, ich lasse den stehen, der anderer Meinung ist.
Die einfache Antwort lautet: Sie denken nicht über ihr Verhalten nach.

Moral ohne festen Maßstab

Wenn es um Moral geht, dann entscheidet heute das Gefühl. Wahr ist, was sich wahr anfühlt. Die Idee, dass du ein Buch liest, denkst, es wäre von Gott, und aus diesem Buch moralische Werte für dich ableitest, die auch dann gelten, wenn sie sich nicht gut anfühlen, ist eine absolut absurde Vorstellung geworden.
Das heißt: Etwas wird umso wahrer, je mehr ich emotional davon überzeugt bin? Ja, das ist die Zeit, in der wir leben. Und auch irgendwie auf eine schräge Weise logisch. Wenn es keinen absoluten Standard für richtig und falsch mehr gibt, dann muss ich mich halt an dem orientieren, was ich fühle.
Aber Gefühle sind doch kein guter Ratgeber. Das sagst du. Nee, das hast du auch schon gesagt. Und zwar auf dem Sommerlager. Ich war in deinem Seminar zu „Gute Entscheidungen treffen“. Und da hast du gesagt, dass Gefühle deshalb keine verlässliche Quelle von Wahrheit und Weisheit sind, weil man sie so leicht beeinflussen kann.
Ja, ja, so etwas habe ich wohl gesagt. Und du hast gesagt, ich erinnere mich doch gut daran, dass etwas, das sich von so simplen Dingen wie einer Tasse Kaffee, einer Hormonumstellung, einer überraschend hohen Handyrechnung oder dem strengen Blick eines Schullehrers beeinflussen lässt, kaum ein verlässlicher Ratgeber für wirklich wichtige Fragen im Leben sein kann.
Du hast ja echt aufmerksam zugehört.

Die Folgen eines Lebens nach dem Gefühl

Und ja, ich finde es schon gruselig mit ansehen zu müssen, dass sich heute oft die Realität den Gefühlen beugen muss. Ich habe den Eindruck, wir führen ein gigantisches Sozialexperiment durch, bei dem man herausfinden will, wohin es führt, wenn man den eigenen Gefühlen die Führung überlässt.
Na ja, ich habe jedenfalls nicht den Eindruck, dass es den Leuten damit besser geht. Ich auch nicht. Was ich sehe, das sind immer mehr Menschen, die psychisch erkranken, und auch die Familien gehen immer mehr kaputt. Und ich finde auch nicht, dass es friedlicher zugeht. Man schlägt sich jetzt nur über andere Dinge den Kopf ein, neue Ideologien, aber das alte Gegeneinander.
Ja, irgendwie traurig. Und es sind am Ende wieder die Schwächsten, die auf der Strecke bleiben, wenn das ganze Toleranzgedöns wenigstens denen helfen würde, die wirklich Hilfe brauchen. Das tut es definitiv nicht. Toleranz ist für mich nur eine Ausrede, im Zweifelsfall genau das zu tun, was ich will, also Egoismus, nur auf politisch korrekt getrimmt.
Ich würde dir ja gern widersprechen, aber genau den Eindruck habe ich auch.

Persönliche Entscheidung und Vertrauen auf Gottes Maßstab

Ich weiss noch, wie meine Tante Sophie ... Ist das nicht die mit den knallroten Haaren, die beim Schulfest jedem einen Glücksstein geschenkt hat? Ja, genau die. Eigentlich eine Liebe. Sie kann echt an keinem Bettler vorbeigehen, ohne ihm etwas zu geben.
Aber als ich ihr erzählte, dass ich Abtreibung für Mord halte und dass bereits ab dem zweiundzwanzigsten Tag das Herz beim Baby zu schlagen beginnt, da hat sie mich so finster angeschaut, dass ich genau wusste: Es ist eine Sache, einem Bettler Geld zu schenken, und eine ganz andere, zu dem Kind zu stehen, das im eigenen Bauch heranwächst.
Genau, Mann, das ist übel. Aber halt, die Zeit, in der wir leben, und wir müssen ja nicht mitmachen. Das sagt sich manchmal leichter, als es dann ist. Kann sein. Aber ich halte mich lieber an Gottes Vorstellung von Moral als an meine eigene. Wohin mein Gefühl führt, das weiss ich schon. Das sehe ich im Leben meiner Eltern. Warum also nicht ausprobieren, wohin es führt, Gott ganz zu vertrauen?
Weisst du, ich weiss nicht, ob du das schätzen kannst, aber ich schaue mir deine Eltern an, und ganz ehrlich: So eine Ehe würde ich auch gerne mal führen. Ich weiss, das klingt total bieder und kein bisschen hip. Aber ich glaube einfach, dass Gott weiss, was er fordert, weil er weiss, wer ich bin und was ich brauche. Und ich weiss, wo ich bin, nämlich zu Hause.
Danke fürs Rumbringen. Bis heute Abend.
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