Einführung in die Kritik an den Gesetzesgelehrten
Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 503: Wehe, ihr Gesetzesgelehrten, Teil 3.
Wie bei den Pharisäern spricht Jesus drei Weherufe über die Gesetzesgelehrten aus. Diese Weherufe drehen sich um geistliche Lasten, die sie anderen auflegen. Außerdem geht es um ihre Haltung gegenüber den Propheten Gottes und darum, dass sie ihren Zuhörern den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen haben.
Die Thematik der geistlichen Lasten haben wir in der letzten Episode ausführlich betrachtet. Kommen wir nun zum zweiten Punkt: ihrer Haltung zu den Propheten Gottes.
Die äußere Ehrung und innere Verachtung der Propheten
Lukas 11,47-48:
Wehe euch, denn ihr baut die Grabmäler der Propheten, während eure Väter sie getötet haben. So seid ihr Zeugen und stimmt den Werken eurer Väter bei. Denn sie haben die Propheten getötet, ihr aber baut ihre Grabmäler.
Was Jesus hier sagt, ist nicht ganz leicht zu verstehen. Beginnen wir von vorne. Die Gesetzesgelehrten errichten Grabmäler für die alten Propheten. Gemeint ist wohl, dass sie an den vermuteten Gräbern der Propheten Denkmäler errichteten oder bestehende Grabstätten schmückten. Das erscheint zunächst als eine ehrenvolle Handlung, die die Propheten und ihre Botschaft würdigen soll.
Doch Jesus sieht tiefer. Die Gesetzesgelehrten ehren äußerlich die Propheten, die von ihren eigenen Vorfahren verfolgt und getötet wurden. Innerlich aber folgen sie derselben Verachtung, die diese Taten erst möglich gemacht hat.
Indem sie die Gräber schmücken, erkennen sie unbewusst oder bewusst an, dass ihre Vorfahren die Propheten getötet haben. Gleichzeitig stimmt ihr eigenes Verhalten gegenüber Jesus selbst mit dem Handeln ihrer Vorfahren überein. Dieses Verhalten nennt man Scheinheiligkeit: die äußerliche Ehrung der Propheten, während sie deren Botschaft innerlich ablehnen und das Unrecht ihrer Vorfahren fortsetzen.
Die Gesetzesgelehrten mögen glauben, dass sie durch den Bau von Grabmälern die Propheten ehren. Wenn sie das wirklich tun wollten, müssten sie auch die Botschaft der Propheten ehren. Genau das tun sie jedoch nicht. Deshalb stimmen sie mit ihren Vorfahren überein, für die nur ein toter Prophet ein guter Prophet war.
Warnung vor oberflächlicher Frömmigkeit und Namenschristentum
Jesukritik ist eine Aufforderung zur Selbstreflexion. Es reicht nicht aus, die Propheten nur äußerlich zu ehren und zu feiern, wenn man gleichzeitig die Botschaft Gottes in der Gegenwart ignoriert oder bekämpft.
Dies ist eine Warnung vor oberflächlicher Frömmigkeit und richtet sich an jeden Namenschristen. Auch heute besteht die große Gefahr, sich auf äußere religiöse Traditionen und Rituale zu verlassen, ohne das innere Wesen des Glaubens wirklich zu erfassen.
Jesu Worte richten sich nicht nur an die Gesetzesgelehrten seiner Zeit, sondern auch an alle, die ihren Glauben lediglich als formale Zugehörigkeit oder als kulturelles Erbe betrachten, ohne ihn wirklich zu leben. Ein Namenschrist mag die Fassade der Frömmigkeit wahren: Er geht an Weihnachten in den Gottesdienst, spricht noch ein kurzes Gebet vor dem Schlafengehen, singt im Gospelchor mit, schickt die Kinder auf die christliche Privatschule und so weiter.
Das ist an sich nicht verkehrt, aber wenn meine Sehnsucht nicht von Gottes Gerechtigkeit und von seinem Reich geprägt ist, bleibt mein Glaube leer, unecht und tot. Es gibt kein Christsein ohne Liebe zu dem Herrn Jesus. Liebe zum Herrn Jesus zeigt sich immer darin, dass ich auf ihn höre und seine Gebote halte.
Daher dürfen wir uns ganz ehrlich die Frage stellen: Lebe ich aus einer echten Begegnung mit Gott heraus? Lasse ich mich von seinem Wort im Alltag wirklich leiten? Oder halte ich nur an religiösen Äußerlichkeiten fest, ohne dass mein Leben beständig von Jesus verändert wird? Vielleicht deshalb nicht, weil ich ihn tief in meinem Herzen nie zum Herrn meines Lebens gemacht habe. Weil eigentlich immer noch ich mit meinem Ego auf dem Thron meines Lebens sitze und scheinheilig nur so tue, als wäre ich ein Christ.
Und lasst mich die Frage noch einmal für die Älteren unter uns wiederholen: Lebe ich immer noch aus einer echten Begegnung mit Gott heraus? Oder hat sich womöglich Routine und ein bisschen Resignation dort eingenistet, wo Neugierde und Begeisterung sein sollten?
Ich sage das, weil man, wie es mir scheint, auch ganz langsam zum Scheinheiligen werden kann. Und zwar indem man denkt, man könne die Erfahrungen mit Gott von früher irgendwie konservieren. Das kann man nicht. Lebe als älterer Christ nicht von den Erfahrungen deiner Jugend. Bleibe im Glauben frisch und wage Neues mit dem Herrn.
Die Konsequenzen der Scheinheiligkeit der Gesetzesgelehrten
Aber zurück zu den Gesetzesgelehrten. Wohin führt ihre Scheinheiligkeit? Die gruselige Antwort lautet: ins Gericht Gottes. Das Blut aller Propheten wird von diesem Geschlecht gefordert werden (Lukas 11,49).
Darum hat auch die Weisheit Gottes gesagt: „Ich werde Propheten und Apostel zu ihnen senden, und einige von ihnen werden sie töten und verfolgen.“ Hier spricht also die Weisheit Gottes, womit zunächst Gott selbst gemeint ist.
Doch worauf bezieht sich Jesus hier? Der erste Gedanke ist vielleicht ein alttestamentliches Zitat. Das will jedoch nicht so recht passen, weil hier ja von Propheten und Aposteln die Rede ist. Das klingt doch recht neutestamentlich.
Noch interessanter wird es, wenn man eine andere Aussage Jesu zum Verständnis hinzunimmt. So heißt es in einem ganz ähnlichen Zusammenhang: „Deswegen siehe, ich sende zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte; einige von ihnen werden sie töten und kreuzigen, und einige von ihnen werden sie in euren Synagogen geißeln und werden sie verfolgen von Stadt zu Stadt“ (Matthäus 23,34).
Hier spricht nicht die Weisheit Gottes, sondern Jesus. Es heißt ja: „Ich sende zu euch.“ Und was er sagt, ist ganz nah an dem, was wir in Lukas 11 gelesen haben.
Ich denke also, dass die Weisheit Gottes, von der Jesus in Lukas 11 spricht, sich auf ihn selbst bezieht. Er ist als Gott das Wort, das Mensch wurde, auf vollkommene Weise Ausdruck der Weisheit Gottes. Und er ist es auch, der von jeher seine Leute – also Propheten, Apostel, Weise und Schriftgelehrte – schickt, um sein Volk zu warnen, so wie Jesus es in Matthäus 23,37 formuliert.
Jesu präexistente Rolle und die Ablehnung der Boten Gottes
Matthäus 23, Vers 37: Jerusalem, Jerusalem, die du die Propheten tötest und die zu dir gesandt sind, steinigst. Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel sammelt – und ihr habt nicht gewollt.
Hier lesen wir von Jesus in seiner präexistenten Form, also vor seiner Menschwerdung. Er beschreibt, wie er im Alten Testament seine Boten geschickt hat, um sein Volk zu sammeln. Gemeint ist, dass er sein Volk für sich sammeln wollte.
Er wollte, dass sein Volk nicht anderen Göttern folgt, sondern ihm allein. Propheten sind dazu da, zu warnen, zur Buße zu rufen und auf den wahren Gott hinzuweisen. Doch wie es hier heißt: „Ihr habt nicht gewollt.“
Diese Haltung zeigt sich besonders in einem Verhalten, das das Nichtwollen zum Ausdruck bringt: Man tötet die Propheten und später auch die Apostel. Jakobus, der Bruder des Johannes, ist der erste Apostel, von dem wir lesen, dass er umgebracht wurde.
Wenn Jesu Zeitgenossen Gottes Boten verfolgen und töten, leben sie so ungläubig und eigenwillig wie ihre Vorfahren. Dabei spielt der Umgang mit den Grüften der Propheten keine Rolle mehr.
Persönliche Reflexion und Abschluss
Was könntest du jetzt tun? Denke darüber nach, wie echt deine Nachfolge ist. Hat sich bei dir Routine, Resignation oder eine Liebe zur Welt eingeschlichen?
Das war's für heute. Falls du die App noch nicht hast, besorge sie dir doch.
Der Herr segne dich, lasse dich seine Gnade erfahren und lebe in seinem Frieden. Amen.
